# Nach dem China-Zoll: Der günstigste Sommerreifen mit Nasshaftung A kostet 54,81 Euro

Veröffentlicht: 22.06.2026 · Aktualisiert: 20.09.2026 · Kategorie: Branche & Markt · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: China-Reifen, Antidumpingzoll, Budgetreifen, EU-Reifenlabel, Reifenpreise

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Günstige Reifen aus chinesischer Produktion sind in vielen Größen die preiswerteste Wahl im Regal – und die Frage dahinter ist berechtigt: Kann man damit bedenkenlos fahren, oder spart man am falschen Ende? Seit dem 8. Juli 2026 kommt ein zweiter Punkt hinzu, denn die EU erhebt endgültige Antidumpingzölle auf Pkw- und Transporterreifen mit Ursprung in China. Dieser Ratgeber ordnet beides zusammen ein: was in der Verordnung tatsächlich steht, was seither mit den Preisen passiert ist – und woran Sie einen guten Reifen erkennen, ganz ohne Blick auf das Herkunftsland.

Ein Detail vorweg, das die Debatte zurechtrückt: Im Anhang der Zollverordnung stehen neben den großen chinesischen Herstellern auch Continental, Goodyear und Pirelli – mit ihren Werken in China. Der Zoll knüpft am Produktionsort an, nicht am Namen auf der Flanke. Und unsere eigenen Regaldaten zeigen, dass auch Preis und EU-Label sich nicht nach der Landesflagge sortieren: In der Größe [215/60 R16](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/215-60-r16) trägt der günstigste Sommerreifen mit der besten Nasshaftungsklasse das Label einer Marke aus chinesischem Hause – und kostet 45,69 Euro weniger als der günstigste Premiumreifen derselben Größe.

## Was in der Zollverordnung steht – und für wen welcher Satz gilt

Rechtsgrundlage ist die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1540. Die Kommission hat sie am 6. Juli 2026 unterzeichnet und am 7. Juli im Amtsblatt veröffentlicht; nach ihrem Artikel 3 tritt sie am Tag nach der Veröffentlichung in Kraft, also am **8. Juli 2026**. Sie gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat, ohne dass Deutschland noch etwas umsetzen müsste.

Erfasst sind nach Artikel 1 Absatz 1 „neue Luftreifen aus Kautschuk von der für Personenkraftwagen (einschließlich Kombinationskraftwagen und Rennwagen) und für Omnibusse und Kraftfahrzeuge für den Transport von Waren verwendeten Art mit einer Tragfähigkeitskennzahl von 121 oder weniger“ mit Ursprung in China, eingereiht in die KN-Codes 4011 10 00 und 4011 20 10. Übersetzt: Pkw-Reifen, Transporterreifen und kleinere Busreifen. Reifen für schwere Lkw und Busse oberhalb der Tragfähigkeitskennzahl 121 fallen nicht darunter – für sie gelten seit Anfang 2025 eigene Maßnahmen.

Am wichtigsten für das Verständnis ist die Staffelung der Sätze. Die oft zitierte Spanne „4,3 bis 45,3 Prozent“ stimmt zwar, führt aber in die Irre, denn dazwischen liegt kein gleitendes Band, sondern es gibt genau drei Stufen (Quelle: [Durchführungsverordnung (EU) 2026/1540 im Amtsblatt](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L%5F202601540)):

- **4,3 Prozent** für die Hankook-Gruppe, also die Werke Chongqing Hankook Tire, Jiangsu Hankook Tire und Hankook Tire China.
- **24,4 Prozent** für die 62 im Anhang namentlich aufgeführten mitarbeitenden Hersteller.
- **45,3 Prozent** für Shandong Yongsheng Rubber Group und für alle übrigen Einfuhren aus China.

Der Zollsatz hängt damit am ausführenden Hersteller und an einer gültigen Handelsrechnung mit TARIC-Zusatzcode – nicht an der Marke, die später auf dem Reifen steht. Befristet ist die Maßnahme ebenfalls: Nach Artikel 11 Absatz 2 der [EU-Antidumping-Grundverordnung (EU) 2016/1036](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R1036) tritt ein endgültiger Antidumpingzoll fünf Jahre nach seiner Einführung außer Kraft, sofern nicht rechtzeitig eine Auslaufüberprüfung eingeleitet wird.

Zur Größenordnung: 2024 wurden in der EU rund 330 Millionen solcher Reifen verbraucht, der Markt war über 18 Milliarden Euro wert; aus China kamen knapp 93 Millionen Reifen im Wert von mehr als 2,5 Milliarden Euro, ein Marktanteil von 28 Prozent. Ein paralleles Antisubventionsverfahren zum selben Produktkreis soll im Dezember 2026 abgeschlossen werden (Quelle: [Europäische Kommission, 9. Juli 2026](https://policy.trade.ec.europa.eu/news/commission-imposes-anti-dumping-duties-passenger-car-and-light-lorry-tyres-china-2026-07-09%5Fen)). Wie es zu dem Beschluss kam und wie die Fachpresse ihn eingeordnet hat, lesen Sie in unserem Bericht zur [EU-Entscheidung im Detail](https://www.reifentiefpreis.de/blog/eu-antidumpingzoelle-china-reifen-beschluss) sowie in der Meldung der [NEUE REIFENZEITUNG vom 7. Juli 2026](https://reifenpresse.de/2026/07/07/antidumpingzoelle-auf-consumer-reifen-aus-china-sind-beschlossene-sache/).

## Im Anhang der Verordnung stehen auch Continental, Goodyear und Pirelli

Der Anhang, der über die 24,4 Prozent entscheidet, ist die aufschlussreichste Seite des ganzen Dokuments. Er führt 62 Unternehmen auf – und das sind längst nicht nur die Namen, die man erwartet. Erwartbar sind Shandong Linglong Tyre, die Sailun Group mit zwei Standorten, Zhongce Rubber Group, Triangle Tyre, Wanli Tire, drei Giti-Werke oder Shouguang Firemax Tyre.

Weniger erwartbar ist der Rest der Liste. Dort stehen **Continental Tires (China)**, **Goodyear Dalian Tire**, **Pirelli Tyre Co.** und **Pirelli Tyre (Jiaozuo)**, **Sumitomo Rubber (Changshu)** und **Sumitomo Rubber (Hunan)**, gleich drei Kumho-Werke, **Qingdao Nexen Tire**, **Cooper (Kunshan) Tire**, die Cheng-Shin-Werke hinter der Marke Maxxis, zwei Kenda-Fabriken und Nankang im Freihandelszonen-Werk Zhangjiagang. Es handelt sich um die chinesischen Tochtergesellschaften dieser Konzerne, die bei der Untersuchung mitgearbeitet haben; der Zoll trifft die Ware, die sie aus China in die EU ausführen.

Daraus folgt die für Käuferinnen und Käufer entscheidende Lesart: **Der Zoll fragt nach dem zollrechtlichen Ursprung, also nach dem Produktionsort – nicht nach der Herkunft des Markennamens.** Ein europäisch klingender Name ist keine Garantie dafür, dass ein bestimmter Reifen unbehelligt bleibt, und eine chinesische Marke ist umgekehrt kein Beweis für das Gegenteil. Die großen chinesischen Hersteller bauen längst außerhalb Chinas: Shandong Linglong hat im serbischen Zrenjanin das erste europäische Reifenwerk eines chinesischen Herstellers errichtet und dort im September 2024 auf Massenproduktion umgestellt ([Quelle: Reifenpresse.de zum Linglong-Werk in Serbien](https://reifenpresse.de/2024/09/18/shandong-linglong-legt-im-serbien-werk-schalter-zur-massenproduktion-um/)); Sailun produziert neben dem im Mai 2025 angelaufenen Werk in Indonesien auch in Vietnam und Kambodscha ([Quelle: Tyrepress zum Produktionsstart in Indonesien](https://www.tyrepress.com/2025/05/first-tyre-rolls-off-production-line-at-sailuns-indonesian-factory/)). Welche Marke zu welchem Konzern gehört, ordnen wir in der Übersicht [Reifenmarken und ihre Konzerne](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenmarken-wer-gehoert-zu-wem) ein; wie eine dieser Marken im Alltag abschneidet, zeigt unser [Porträt der China-Marke Goodride](https://www.reifentiefpreis.de/blog/goodride-reifen-marke).

## Was seit Juli tatsächlich mit den Preisen passiert ist

Vorhersagen über Preise sind wohlfeil – nachrechnen kann man sie aber. Genau das haben wir acht Wochen nach dem Stichtag getan und für 1.152 lieferbare Reifen aus 24 Marken die tägliche Preisentwicklung im eigenen Regal ausgewertet, von April bis Anfang September. Das Ergebnis lautet nicht „alles wird teurer“, sondern etwas Feineres: Bis zum 7. Juli fielen die Preise der Marken chinesischer Hersteller deutlich, danach war damit Schluss. Der Zoll hat die Preise nicht in die Höhe getrieben, er hat den laufenden Preisverfall gestoppt. Zwei Kennzahlen aus dieser Messung machen das greifbar: In den acht Wochen nach dem Stichtag kosteten 45,4 Prozent der Reifen chinesischer Herstellermarken mehr als am 7. Juli – in einem vergleichbaren Zeitfenster davor waren es nur 22,9 Prozent gewesen. Zugleich blieb der Preisabstand bestehen: In 97 Größen, in denen sowohl eine China-Marke als auch eine europäische Zweitmarke lieferbar war, kostete die europäische Zweitmarke im Median weiterhin 36,6 Prozent mehr. Wer im Budgetsegment kauft, spart also nach wie vor deutlich – nur eben nicht mehr jeden Monat ein bisschen mehr. Alle Zahlen, Vergleichsgruppen und Einzelbeispiele dazu stehen in unserer Auswertung [acht Wochen China-Zoll im Preisverlauf](https://www.reifentiefpreis.de/blog/china-zoelle-reifenpreise-gemessen).

Zwei Dinge dämpfen die Wirkung an der Ladentheke zusätzlich. Erstens wirken Zölle zuerst im Großhandel: Vor dem Stichtag haben europäische Großhändler ungewöhnlich große Mengen eingekauft, weil sie mit steigenden Preisen rechneten – Vorräte, die erst abfließen müssen, bevor ein Zollsatz im Verkaufspreis ankommt ([Quelle: Reifenpresse.de zur Lage im Reifengroßhandel](https://reifenpresse.de/2026/09/02/china-zoelle-koennten-konsolidierung-im-reifengrosshandel-weiter-vorantreiben/)). Zweitens betrifft der Zoll nur einen Teil des günstigen Segments: Viele preiswerte Reifen werden in der EU, in der Türkei, in Südostasien oder in Indien gefertigt und sind von der Verordnung gar nicht erfasst. Wer heute einen Budgetreifen kauft, zahlt deshalb in aller Regel keinen sichtbaren „Zollaufschlag“ – wohl aber einen Preis, der ohne die Maßnahme vermutlich etwas niedriger läge.

## Sagt die Herkunft etwas über die Qualität aus?

Nein – zumindest nicht direkt. „Made in China“ ist kein Qualitätssiegel, aber auch kein Warnschild. Unter den in China gefertigten Reifen gibt es solide Produkte ebenso wie schwache, und dasselbe gilt für Ware aus Europa, Japan, Korea oder der Türkei. Entscheidend ist nicht, wo ein Reifen vom Band läuft, sondern wie er konstruiert ist, welche Gummimischung er nutzt und wie sorgfältig er gefertigt wird. Genau deshalb steht im selben Werk manchmal beides: eine anspruchsvolle Premiumlinie und eine einfache Einstiegsbaureihe.

Hinzu kommt, dass der Markenname den Produktionsort ohnehin nicht zuverlässig verrät – die Anhangsliste der Zollverordnung führt das eindrucksvoll vor. Bekannte europäische Marken lassen einzelne Linien in Asien fertigen, asiatische Hersteller betreiben Werke in Europa, und die großen Konzerne produzieren auf mehreren Kontinenten parallel. Für die Kaufentscheidung ist die Flagge damit das schwächste aller Kriterien. Wer eine fundierte Entscheidung treffen will, schaut auf zwei Dinge, die unabhängig vom Herkunftsland sind: auf das [EU-Reifenlabel](https://www.reifentiefpreis.de/info/reifenlabel) und auf unabhängige Tests. Beides lässt sich in wenigen Minuten prüfen – und beides sagt mehr über den Reifen aus als jede Landesangabe auf der Flanke.

## 192 Sommerreifen in einer Größe: So sieht die Preisleiter wirklich aus

Eine Preisleiter ist nur dann eine Preisleiter, wenn alle Sprossen dieselbe Größe haben – sonst vergleicht man Reifengrößen statt Preisklassen. Wir nehmen deshalb eine einzige, weit verbreitete Kompaktklassen-Größe und zählen das komplette Regal darin durch: 215/60 R16, lieferbare Pkw-Sommerreifen, Katalogstand 18. September 2026, Preise am 20. September 2026 gegengeprüft. Das Ergebnis sind **192 Ausführungen von 73 Marken**, der mittlere Preis liegt bei 91,81 Euro je Reifen.

Von unten nach oben sieht die Leiter so aus: Den Einstieg macht der [Rotalla RH01 215/60 R16 95V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/rotalla-rh01-215-60-r16-95v-99406) mit 45,37 Euro und dem Label C/B/69 dB. Es folgt der [Linglong Green-Max HP010 215/60 R16 99H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-green-max-hp010-215-60-r16-99h-138917) für 48,64 Euro (C/B/72 dB). Auf der nächsten Stufe steht mit dem [Sailun ATREZZO ELITE2 215/60 R16 99V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/sailun-atrezzo-elite2-215-60-r16-99v-164646) für 54,81 Euro bereits ein Reifen mit der Nasshaftungsklasse A (B/A/71 dB). Deutlich teurer wird es erst danach: Die günstigste europäische Zweitmarke in dieser Größe ist der [Riken Road Performance 215/60 R16 99V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/riken-road-performance-215-60-r16-99v-96112) mit 70,81 Euro (C/C/71 dB), der [Barum Bravuris 6 215/60 R16 99H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/barum-bravuris-6-215-60-r16-99h-148885) aus dem Continental-Konzern kostet 91,21 Euro (B/B/70 dB). Die erste Sprosse der Premiumklasse erreicht der [Dunlop Sport BluResponse 215/60 R16 95V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/dunlop-sport-bluresponse-215-60-r16-95v-46691) mit 100,50 Euro (C/A/71 dB).

Diese sechs Sprossen liegen innerhalb einer einzigen Größe, und genau darauf kommt es an: Wer eine Preisleiter aus drei verschiedenen Größen zusammensetzt, misst am Ende Zollmaße und Querschnitte, nicht Preisklassen. Bemerkenswert ist außerdem, wie zersplittert das Angebot ist: 73 Marken teilen sich 192 Ausführungen. Die größte Einzelmarke stellt 15 davon, 42 Marken sind mit nur einem oder zwei Reifen vertreten. Wer in dieser Größe sucht, steht also vor einer langen Liste weitgehend unbekannter Namen – ein Grund mehr, das Label als erste Hürde ernst zu nehmen.

Damit ist die entscheidende Kennzahl dieser Größe benannt: **121 der 192 Ausführungen – knapp zwei Drittel – kosten weniger als der günstigste Premiumreifen.** Der Abstand zwischen dem billigsten Reifen im Regal und dem Einstieg in die Premiumklasse beträgt 55,13 Euro je Reifen, also rund 220 Euro auf den Satz. Das ist viel Geld, aber es ist nicht die Differenz zwischen „unsicher“ und „sicher“ – wie die nächste Stufe zeigt.

## Das A bei Nässe kostet 9,44 Euro Aufpreis – nicht 55

Von den 192 Sommerreifen dieser Größe tragen **71 die Nasshaftungsklasse A**, weitere 94 die Klasse B; nur 25 liegen bei C oder darunter. Die beste Klasse ist in dieser Größe also alles andere als exotisch – und sie ist vor allem nicht teuer. Der bereits erwähnte Sailun für 54,81 Euro liegt lediglich **9,44 Euro über dem günstigsten Reifen der gesamten Größe** und zugleich 45,69 Euro unter dem Premium-Einstieg. Dahinter reiht sich der [Ceat SecuraDrive 215/60 R16 99V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/ceat-securadrive-215-60-r16-99v-152778) für 60,40 Euro (C/A/70 dB) ein, dann der [Petlas Prime Comfort 215/60 R16 99V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/petlas-prime-comfort-215-60-r16-99v-166738) für 64,65 Euro (B/A/69 dB). Wer zusätzlich die beste Effizienzklasse möchte, findet sie im [Kumho Ecsta HS52 215/60 R16 95V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/kumho-ecsta-hs52-215-60-r16-95v-149713) für 77,66 Euro mit A/A/70 dB – immer noch klar unter der Premium-Sprosse.

Besonders lehrreich ist der direkte Vergleich zweier benachbarter Sprossen: Die europäische Zweitmarke Riken kostet 70,81 Euro und steht im Label bei C/C, der 15,99 Euro günstigere Sailun bei B/A. **Die Markenheimat sortiert das Label also nicht** – sie sortiert nicht einmal den Preis in der erwarteten Richtung. Genau das ist der Grund, warum die Herkunftsfrage beim Kauf so wenig trägt.

Ein Gegengewicht gehört allerdings dazu: In der Saison, in der es am meisten zählt, ist die Klasse A bei Nässe deutlich seltener. Unter den 102 lieferbaren Winterreifen derselben Größe tragen nur **acht** ein A – der günstigste davon ist wiederum ein Reifen chinesischer Herkunftsmarke, der [Sailun ICE BLAZER Alpine2 215/60 R16 95H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/sailun-ice-blazer-alpine2-215-60-r16-95h-164762) für 59,07 Euro. Warum das Winterregal so aussieht und was der Kompromiss zwischen Schnee- und Nassgriff damit zu tun hat, haben wir in der Auswertung zur [Nasshaftung bei Winterreifen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-winterreifen) aufgeschrieben.

## Wo das Label aufhört: drei Klassen sind nicht der ganze Reifen

Das EU-Label bewertet genau drei Eigenschaften: Rollwiderstand, Nassbremsen und Rollgeräusch. Alles andere steht nicht darauf – nicht die Laufleistung, nicht das Trockenbremsen, nicht das Verhalten bei Aquaplaning, nicht Handling oder Komfort. Und die Prüfwerte stammen aus einem genormten Verfahren mit einer Bewertung durch den Hersteller selbst. Das macht das Label nicht wertlos, im Gegenteil: Für die Nasshaftung ist es die beste frei verfügbare Kennziffer, und zwischen der besten und der schlechtesten Klasse liegen im Nassbremsweg mehrere Meter, wie wir im Ratgeber [Nasshaftung und Bremsweg](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-reifenlabel) aufgeschlüsselt haben. Es heißt nur, dass ein gutes Label allein noch keinen guten Reifen macht.

Wie weit die beiden Urteile auseinanderfallen können, zeigt ein konkreter Fall aus unserem Sortiment: Beim Imperial AS Driver steht ein ordentliches Label auf dem Etikett, im unabhängigen Test fiel der Nassbremsweg trotzdem lang aus – nachzulesen in der Analyse [gutes Label, langer Nassbremsweg](https://www.reifentiefpreis.de/blog/imperial-as-driver). Umgekehrt gilt: Ein Reifen ohne jedes Testergebnis ist nicht automatisch schlecht, er ist nur unbekannt. Was das EU-Etikett beim Kauf wirklich leistet, haben wir an 46 Reifen durchgerechnet und in [Label gegen Test](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenlabel-oder-test) gegenübergestellt; wie Sie eine Marke einschätzen, zu der es überhaupt keine Prüfung gibt, steht im Ratgeber für [unbekannte Marken im Regal](https://www.reifentiefpreis.de/blog/billigreifen-unbekannte-marken-einschaetzen). Die Reihenfolge lautet also: erst Label, dann Test – und wenn kein Test existiert, ein bewusst vorsichtigeres Urteil.

## Billig oder Premium: wann sich der Aufpreis rechnet

Der niedrigste Kaufpreis ist selten der beste Wert. Reifen unterscheiden sich erheblich in der Laufleistung, und wer beim Kauf 40 Euro je Reifen spart, dafür aber deutlich früher einen neuen Satz samt Montage bezahlt, hat am Ende oft draufgezahlt. Aussagekräftig ist deshalb nicht der Aufkleberpreis, sondern der Preis je gefahrenem Kilometer. Wir haben das für 44 Reifen durchgerechnet – das Ergebnis samt der Erkenntnis, dass kein einziger Reifen in beiden Ranglisten vorn steht, finden Sie unter [Reifenkosten je 1.000 Kilometer](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenkosten-je-1000-kilometer). Was der Aufpreis über 362 getestete Reifen hinweg tatsächlich einkauft, zeigt unser Vergleich [Premium gegen Budget im Sommer](https://www.reifentiefpreis.de/blog/premium-oder-budget-sommerreifen).

Wo günstige Reifen am ehesten an ihre Grenzen stoßen, sind die Extremsituationen: sehr nasse Fahrbahn, hohes Tempo, Notbremsungen, bei Winterreifen Schnee und Kälte. Dort zeigen Tests regelmäßig die größten Abstände. Im normalen Alltag bei gemäßigtem Tempo fallen die Unterschiede kleiner aus. Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel: Wer viel Autobahn fährt, schwer beladen unterwegs ist oder maximale Reserven möchte, ist mit einem hochwertigen Marken- oder Premiumreifen am besten bedient. Für Wenigfahrer mit ruhigem Profil kann ein solider Reifen aus dem mittleren oder unteren Preissegment völlig ausreichen – vorausgesetzt, Label und Testlage stimmen. Und der Zeitpunkt zählt ebenfalls: Welche Monate im Jahr erfahrungsgemäß günstig sind, haben wir aus 8.114 Preisen abgeleitet und im Ratgeber zum [besten Kaufzeitpunkt für Reifen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/wann-reifen-kaufen-bester-zeitpunkt) zusammengefasst.

## So kaufen Sie in dieser Marktlage

Aus den Zahlen dieses Beitrags lässt sich eine Reihenfolge ableiten, die unabhängig von Zoll und Herkunft funktioniert:

1. **Größe und Kennung aus dem Fahrzeugschein übernehmen** – Breite, Höhe, Zoll sowie Last- und Geschwindigkeitsindex müssen mindestens den Vorgaben entsprechen.
2. **Innerhalb dieser einen Größe vergleichen**, nie über Größen hinweg. Ein Preis aus 205/55 R16 sagt nichts über den fairen Preis in 215/60 R16.
3. **Nasshaftung höher gewichten als Effizienz** – in unserem Beispiel kostet die Klasse A 9,44 Euro Aufpreis gegenüber dem billigsten Reifen der Größe, der Sprit-Vorteil einer besseren Effizienzklasse braucht dagegen Zehntausende Kilometer.
4. **Nach einem Testbericht zur konkreten Baureihe suchen** und im Zweifel den Reifen nehmen, über den es überhaupt belastbare Urteile gibt.
5. **Gesamtkosten statt Kaufpreis rechnen**, also Laufleistung und Montage einbeziehen.
6. **Herkunft zuletzt berücksichtigen** – sie ist, wie der Anhang der Zollverordnung zeigt, nicht einmal für die Zollfrage ein verlässlicher Hinweis.

Kurz gefasst: Der EU-Zoll hat das Preisgefüge im günstigen Segment verschoben, aber er hat die Rangfolge der Kaufkriterien nicht verändert. Wer Label und Test prüft und innerhalb seiner Größe vergleicht, fährt sicher – unabhängig davon, in welchem Land der Reifen entstanden ist. Das ganze Spektrum vom Einstieg bis zum Premiumreifen finden Sie in unseren Übersichten für [Pkw-Sommerreifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/sommerreifen) und [Winterreifen für Pkw](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/winterreifen); welche Denkfehler beim Timing teuer werden, steht in unserer Übersicht der [Preisfallen im Reifenregal](https://www.reifentiefpreis.de/blog/preisfallen-reifenkauf).

## Häufige Fragen

### Werden Reifen aus chinesischer Fertigung jetzt automatisch teurer?

Nicht automatisch und nicht sofort. Der Zoll wirkt zuerst im Großhandel, und viele Händler hatten sich vor dem Stichtag bevorratet. In unserer Messung ist der Preisverfall der betroffenen Marken seit Juli gestoppt, ein deutlicher Aufschlag ist bislang aber ausgeblieben. Reifen aus EU-Werken sind ohnehin nicht erfasst.

### Kann ich am Markennamen ablesen, ob ein Reifen vom Zoll betroffen ist?

Zuverlässig nicht. Maßgeblich ist der zollrechtliche Ursprung, also das Werk. Im Anhang der Verordnung stehen auch die China-Werke von Continental, Goodyear, Pirelli, Sumitomo, Kumho und Nexen, während große chinesische Hersteller inzwischen in Serbien, Vietnam, Kambodscha oder Indonesien produzieren.

### Ist ein Reifen mit Nasshaftungsklasse A immer der bessere Kauf?

Er ist beim Nassbremsen die sicherere Wahl, aber das Etikett bewertet nur drei Eigenschaften. Laufleistung, Trockenbremsen und Aquaplaning-Verhalten stehen nicht darauf. Nehmen Sie das Label als erste Hürde und ziehen Sie, wenn vorhanden, einen unabhängigen Test hinzu.


Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/eu-antidumpingzoelle-china-reifen
