# Linglong im Datencheck: 112 Winterreifen mit Nasshaftung A — und kein einziger mit guter Effizienz

Veröffentlicht: 28.09.2026 · Aktualisiert: 29.09.2026 · Kategorie: Kaufberatung · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: Linglong, Budgetreifen, EU-Reifenlabel, Winterreifen, Reifenmarken

Titelbild: https://www.reifentiefpreis.de/bild/blog/winterreifen-profil-schnee-label.jpg

Am 28. September 2026 hat Shandong Linglong bestätigt, in Ägypten ein neues Reifenwerk zu bauen — für 270 Millionen US-Dollar, nicht für die zuvor kolportierten zwei Milliarden. Für deutsche Autofahrer ist das zunächst eine Meldung aus der Ferne. Interessanter ist die Frage, was der Hersteller, über den da berichtet wird, hier tatsächlich liefert: In unserem Shop stehen 685 lieferbare Linglong-Ausführungen. Wir haben sie vollständig ausgezählt und uns jedes EU-Etikett angesehen. Das Ergebnis zeichnet ein erstaunlich klares Bild — und es ist ein anderes, als man bei einer Budgetmarke erwartet.

## Wer Linglong ist — und was gerade in Ägypten passiert

Shandong Linglong Tyre wurde 1975 gegründet und ist heute ein börsennotierter Großhersteller (Börsenkürzel 601966). Nach [eigenen Angaben des Unternehmens](https://en.linglong.cn/about/index.html) betreibt Linglong sieben Produktionsstandorte und sieben Forschungseinrichtungen, beschäftigt weltweit über 19.000 Menschen und verkauft in 173 Länder. Zu den Entwicklungsstandorten zählt neben Zhaoyuan, Yantai, Shanghai, Jinan, Peking und den USA auch einer in Deutschland. Das Unternehmen verfolgt erklärtermaßen eine Strategie, die es selbst „7+5" nennt: sieben Werke im Heimatmarkt, fünf im Ausland.

In genau dieses Raster fällt die aktuelle Meldung. Laut [NEUE REIFENZEITUNG vom 28. September 2026](https://reifenpresse.de/2026/09/28/linglong-will-in-aegypten-270-millionen-us-dollar-in-neues-reifenwerk-investieren/) hat der Hersteller die Pläne für ein Werk im ägyptischen Borg El-Arab bestätigt, die Investitionssumme auf Nachfrage aber deutlich nach unten korrigiert: 270 Millionen US-Dollar (rund 237 Millionen Euro) statt der örtlich berichteten zwei Milliarden. Wichtig für die Einordnung: Das Projekt steht ausdrücklich noch unter dem Vorbehalt von Genehmigungen chinesischer und ägyptischer Behörden, und der Hersteller schließt selbst nicht aus, dass es noch abgebrochen wird. Für das, was heute im Regal liegt, ändert sich dadurch nichts — wohl aber für die Frage, wie ernst es dem Konzern mit der Ausweitung seiner Kapazitäten ist.

## 681 Ausführungen: Was Linglong im Regal tatsächlich abdeckt

Für diese Auswertung haben wir das komplette lieferbare Linglong-Sortiment abgefragt: 685 Ausführungen sind gelistet, 683 konnten wir vollständig erfassen. Zwei davon mussten wir aussortieren, weil sie offensichtlich fehlerhafte Preise tragen (über 6.000 Euro für einen Kleinwagenreifen) — es bleiben **681 ausgewertete Ausführungen in 24 Profilen**. Stand der Erhebung ist der 28. September 2026.

Die Marke ist breiter aufgestellt, als ihr Ruf als reiner Billiganbieter vermuten lässt. Den größten Block stellen mit 256 Ausführungen die Pkw-Sommerreifen, gefolgt von 181 Pkw-Winterreifen, 86 Offroad-Sommerreifen und 82 Pkw-Ganzjahresreifen. Dazu kommen 75 Transporterreifen über alle drei Jahreszeiten sowie drei Offroad-Winterreifen. Preislich bewegt sich das Programm dort, wo man es erwartet: Der günstigste Reifen kostet 27,22 Euro, der teuerste 199,30 Euro, der Median liegt bei 71,21 Euro. Winterreifen sind mit einem Median von 80,67 Euro spürbar teurer als Sommerreifen mit 66,21 Euro.

Ein Blick auf das dritte Feld des Etiketts, das Rollgeräusch, rundet das Bild ab. Der Schwerpunkt liegt eng beieinander: 275 Ausführungen werden mit 72 dB angegeben, 140 mit 71 dB, 80 mit 70 dB und 72 mit 69 dB — Werte, die im Marktvergleich unauffällig sind. Deutlich heraus fallen nur acht Reifen mit 79 dB, und sie gehören ausnahmslos zu einem einzigen Profil: dem CROSSWIND M/T, einem Grobstollenreifen fürs Gelände. Das ist keine Schwäche, sondern Bauart — ein Mud-Terrain-Profil mit großen, offenen Blöcken lässt sich nicht leise auslegen. Wer einen solchen Reifen kauft, sollte den Wert trotzdem kennen, denn er begleitet einen auf jeder Autobahnfahrt.

## Der Befund: stark bei Nässe, schwach beim Rollwiderstand

Jetzt wird es interessant. Über alle 681 Ausführungen hinweg tragen **221 die Nasshaftungsklasse A** — das ist knapp ein Drittel (32,5 Prozent). Weitere 263 stehen auf B. Zusammen sind das 71 Prozent des Programms in den beiden besten Nassklassen. Für eine Marke, die preislich ganz unten einsortiert ist, ist das ein bemerkenswerter Wert.

Die Kraftstoffeffizienz erzählt die Gegengeschichte. Dort stehen **334 Ausführungen auf C und 315 auf D — zusammen 95,2 Prozent des gesamten Programms.** Ein A tragen ganze acht Reifen, ein B nur vierzehn. Beide Verteilungen zusammengenommen ergeben ein sehr konsistentes Bild: Linglong legt die Gummimischung auf Nassgriff aus und bezahlt das beim Rollwiderstand. Das ist kein Vorwurf, sondern eine bewusste Entscheidung — beide Eigenschaften hängen physikalisch am selben Hebel, und wer die eine verbessert, verschlechtert in der Regel die andere. Was ein solcher Klassenunterschied konkret an der Tankstelle kostet, haben wir im [ausführlichen Ratgeber zu Rollwiderstand und Kraftstoffeffizienz](https://www.reifentiefpreis.de/blog/rollwiderstand-spritsparen) durchgerechnet: Zwischen den Klassen A und E liegen nach der Tabelle des ADAC rund 0,5 Liter auf 100 Kilometer.

Wichtig ist allerdings, dass diese Stärke bei Nässe nicht gleichmäßig über das Programm verteilt ist — und genau hier lohnt der genaue Blick. Bei den 387 Sommerreifen tragen 108 Ausführungen ein A und 186 ein B, bei den Winterreifen sieht es ähnlich gut aus. Die 99 Ganzjahresreifen fallen dagegen deutlich ab: Dort steht die Nasshaftungsklasse A **ein einziges Mal**, 36 Ausführungen kommen auf B, aber 40 nur auf C und 22 sogar auf D. Wer also von der guten Nassbilanz der Marke gehört hat und daraus auf das Ganzjahresprogramm schließt, liegt falsch. Die Allwetterreifen sind bei Linglong erkennbar anders ausgelegt als die Saisonreifen — sie sind der schwächste Teil des Sortiments, und zwar ausgerechnet in der Disziplin, in der die Marke sonst punktet.

## Beim Winterreifen ist das Muster am deutlichsten

Trennt man das Programm nach Jahreszeiten, tritt der Zusammenhang am schärfsten hervor. Unter den 195 Winterreifen — Pkw, Transporter und Offroad zusammengenommen — findet sich **kein einziger mit Effizienzklasse A oder B**. 153 stehen auf D, 38 auf C, vier auf E. Gleichzeitig tragen **112 dieser 195 Winterreifen die Nasshaftungsklasse A**, weitere 41 ein B.

Am deutlichsten zeigt es das meistvertretene Profil: Der SPORT MASTER WINTER kommt in 100 Ausführungen und verteilt sich auf lediglich drei Etikettenkombinationen — 65-mal D/A, 19-mal D/B und 16-mal C/A. Beim GRIP MASTER WINTER mit 42 Ausführungen wiederholt sich dasselbe Muster: 27-mal D/A, 11-mal D/B, 4-mal C/A. Die Auslegung ist über die gesamte Baureihe hinweg durchgehalten und nicht einzelnen Größen geschuldet.

Zur fairen Einordnung gehört zweierlei. Erstens ist eine schwache Effizienzklasse bei Winterreifen nichts Linglong-Spezifisches: Weiche Wintermischungen und die vielen Lamellen, die auf Schnee greifen sollen, erzeugen genau die Walkarbeit, die der Rollwiderstand misst — über das gesamte Winterregal fallen 44,4 Prozent aller Ausführungen in D oder E. Bei Linglong sind es 80,5 Prozent, also fast doppelt so viel. Zweitens ist die Nasshaftungsklasse A bei Winterreifen ausgesprochen selten, jedenfalls in den meistgekauften Größen — das haben wir in einer [eigenen Auszählung zur Nasshaftung bei Winterreifen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-winterreifen) nachgewiesen. Dass ein Budgetanbieter sie über mehr als die Hälfte seines Winterprogramms hinweg ausweist, ist deshalb der eigentlich überraschende Teil dieser Erhebung.

## Die Ausnahme von der Regel: der Reifen fürs E-Auto

Genau acht Linglong-Reifen tragen die Effizienzklasse A — und sie gehören alle zum selben Profil. Der SPORT MASTER e ist die Baureihe für Elektroautos, und sie ist die einzige im Programm, die durchgängig A mit B kombiniert: Effizienzklasse A bei Nasshaftung B, in Größen von 215/50 R19 bis 255/45 R20, zu Preisen zwischen 91,56 und 177,25 Euro. Das Rollgeräusch liegt mit 69 dB ebenfalls unter dem Hausdurchschnitt.

Dieser Befund ist aufschlussreicher, als acht Reifen zunächst vermuten lassen. Er zeigt, dass der Hersteller einen rollwiderstandsarmen Reifen durchaus bauen kann, wenn die Zielgruppe es verlangt — bei Elektroautos schlägt der Rollwiderstand unmittelbar auf die Reichweite durch, und dort ist die Klasse ein Verkaufsargument. Im übrigen Programm ist sie es offenbar nicht, und deshalb wird dort anders ausgelegt. Wer die Marke nach dem EU-Etikett beurteilt, sollte diese Baureihe also getrennt betrachten.

## Was das für Ihren Kauf bedeutet

Aus der Auswertung lässt sich eine ziemlich klare Empfehlung ableiten. Wenn Ihnen das Nassbremsverhalten wichtiger ist als der Spritverbrauch — etwa weil Sie überwiegend Kurzstrecke bei wechselhaftem Wetter fahren und im Jahr keine große Kilometerzahl zusammenkommt —, ist ein Linglong-Winterreifen eine ernst zu nehmende Option: Die Nassklasse A gibt es hier zu Preisen, für die andere Marken ein C liefern. Der [Linglong SPORT MASTER WINTER 205/55 R16 91H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-sport-master-winter-205-55-r16-91h-163377) steht mit D/A und 72 dB für gut 55 Euro im Regal, in der Kleinwagengröße gibt es den [SPORT MASTER WINTER 195/65 R15 91T](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-sport-master-winter-195-65-r15-91t-163370) für rund 50 Euro.

Fahren Sie dagegen viel, dreht sich die Rechnung. Die Effizienzklasse D kostet gegenüber A nach der ADAC-Tabelle rund 0,36 Liter je 100 Kilometer — bei hoher Jahresfahrleistung holt der Kraftstoff den Anschaffungsvorteil über die Lebensdauer des Satzes ganz oder teilweise wieder ein. Wie man beide Posten sauber gegeneinanderrechnet, zeigt unser Ratgeber zu den [Kosten je 1.000 Kilometer](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenkosten-je-1000-kilometer). Wer ein Elektroauto fährt, greift ohnehin besser zum [Linglong SPORT MASTER e 215/55 R18 99V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-sport-master-e-215-55-r18-99v-163504). Und wer wissen will, wie Budget-, Zweit- und Premiummarken zusammenhängen, findet die Übersicht unter [Reifenmarken und ihre Konzerne](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenmarken-wer-gehoert-zu-wem). Das gesamte Angebot der Saison finden Sie in unserer Kategorie [Winterreifen für Pkw](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/winterreifen).

Unterm Strich ist Linglong damit keine Marke, die man pauschal empfehlen oder pauschal ablehnen sollte. Sie hat ein erkennbares Profil: viel Nassgriff fürs Geld, dafür ein durchgehend schwacher Rollwiderstand und ein Ganzjahresprogramm, das die Stärken der Saisonreifen nicht erreicht. Wer das weiß, kann sehr gezielt zugreifen — oder bewusst die Finger davon lassen.

## Häufige Fragen

### Taugen Linglong-Reifen etwas?
Nach EU-Etikett sind sie bei Nässe überdurchschnittlich gut: 71 Prozent aller 681 ausgewerteten Ausführungen stehen in den Nassklassen A oder B. Schwach sind sie beim Rollwiderstand — 95 Prozent tragen C oder D. Ein unabhängiges Testurteil ersetzt das Etikett allerdings nicht.

### Wo werden Linglong-Reifen produziert?
Der Hersteller nennt selbst sieben Produktionsstandorte und verfolgt eine Strategie mit fünf zusätzlichen Auslandswerken. Ein weiteres Werk in Ägypten ist angekündigt, steht aber noch unter Genehmigungsvorbehalt und kann nach Angaben des Unternehmens auch noch abgesagt werden.

### Warum steht auf so vielen Linglong-Winterreifen ein D?
Weil weiche Wintermischungen mit vielen Lamellen viel Walkarbeit erzeugen. Das betrifft alle Hersteller — über das gesamte Winterregal stehen 44,4 Prozent in D oder E. Bei Linglong sind es mit 80,5 Prozent allerdings deutlich mehr als im Marktdurchschnitt.


Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/linglong-datencheck
