# Linglongs Gewinn bricht um 94 Prozent ein — und der Hersteller nennt vier Gründe

Veröffentlicht: 16.10.2026 · Aktualisiert: 19.10.2026 · Kategorie: Branche & Markt · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: Linglong, Branche & Markt, Budgetreifen, Reifenpreise, China-Reifen

Titelbild: https://www.reifentiefpreis.de/bild/blog/linglong-reifenlager-grosshandel.jpg

Am 14. Oktober 2026 hat die Shandong Linglong Tyre Co., Ltd. ihren Aktionären eine Ergebnisvorankündigung für die ersten drei Quartale des Jahres vorgelegt. Darin kündigt der chinesische Hersteller einen Gewinneinbruch von rund 94 Prozent an. Das ist zunächst eine Nachricht für die Börse in Shanghai und nicht für die Werkstatt um die Ecke. Lesenswert ist sie trotzdem: Linglong steht bei uns mit 645 Ausführungen im Regal — und die vier Ursachen, die das Unternehmen selbst auflistet, betreffen nicht nur eine Firma, sondern die Kostenseite des gesamten Reifengeschäfts.

## Was in der Ergebnisvorankündigung steht

Die Mitteilung trägt die Nummer 2026-076 und folgt einer in China vorgeschriebenen Form: Ein börsennotiertes Unternehmen muss seine Anleger vorab warnen, wenn es zwar weiterhin einen Gewinn erwartet, dieser aber um mehr als die Hälfte unter dem Vorjahreswert liegt. Genau dieser Fall liegt hier vor — nur deutlich drastischer, als die Schwelle verlangt.

Linglong rechnet für die ersten drei Quartale 2026 mit einem den Aktionären zurechenbaren Nettogewinn von 62 bis 69 Millionen Yuan. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Rückgang von 94,09 bis 94,69 Prozent. Rechnet man die Spanne zurück, lag der Vergleichswert des Vorjahres bei rund 1,17 Milliarden Yuan. Vom Gewinn der ersten neun Monate 2025 bleibt also ungefähr ein Zwanzigstel übrig.

Noch deutlicher fällt die um Sondereffekte bereinigte Zahl aus. Hier erwartet das Unternehmen keinen geschrumpften Gewinn mehr, sondern einen Verlust von 113 bis 134 Millionen Yuan; im Vorjahreszeitraum standen an derselben Stelle 1,023 Milliarden Yuan Gewinn. Das Tagesgeschäft ist in dieser Rechnung von Schwarz auf Rot gekippt.

Zwei Einschränkungen gehören unbedingt dazu. Erstens sind die Zahlen vorläufig und nicht von Wirtschaftsprüfern testiert — maßgeblich ist der eigentliche Quartalsbericht, den das Unternehmen später vorlegt. Zweitens ist eine Ergebnisvorankündigung eine Aussage über Gewinn und Marge, nicht über den Fortbestand eines Unternehmens; von Insolvenz, Werksschließung oder Rückzug aus Europa steht darin nichts. Über die Meldung berichtet haben unter anderem der chinesische Finanzdienst [Cailianpress](https://www.cls.cn/detail/2504552) und, auf Englisch, das Fachmagazin [Tyrepress](https://www.tyrepress.com/2026/10/linglong-warns-of-sharp-drop-in-net-profit/).

## Vier Ursachen, die der Hersteller selbst nennt

Das Aufschlussreiche an der Mitteilung ist weniger die Prozentzahl als ihre Begründung. Linglong führt vier Punkte an — und drei davon gelten für jeden Reifenhersteller mit nennenswertem Exportgeschäft:

- **Wechselkurse — mit Abstand der größte Posten:** In den ersten drei Quartalen 2026 fielen rund 437 Millionen Yuan Kursverluste an. Im Vorjahreszeitraum hatte dieselbe Position noch 622 Millionen Yuan Kursgewinn gebracht. Allein diese Umkehr drückt das Ergebnis um etwa 1,059 Milliarden Yuan — mehr, als im Vorjahr unter dem Strich an bereinigtem Gewinn stand. Der Mechanismus dahinter ist unspektakulär: Ein Exporteur stellt seine Ware in Dollar oder Euro in Rechnung, seine Kosten fallen aber größtenteils in Yuan an. Zwischen Auftrag und Zahlungseingang liegen oft Monate — bewegt sich der Kurs in dieser Zeit ungünstig, schrumpft der Erlös nachträglich, ohne dass sich am verkauften Reifen irgendetwas geändert hätte. Wer einen großen Teil seiner Ware in fremder Währung abrechnet, verdient oder verliert deshalb immer auch am Devisenmarkt.
- **Rohstoffe:** Teurer wurden Naturkautschuk, Synthesekautschuk und Industrieruß — die drei mengenmäßig wichtigsten Zutaten einer Laufflächenmischung. Die eigenen Preisanpassungen haben diesen Anstieg nach Angaben des Unternehmens nicht aufgefangen.
- **Export und Seefracht:** Handelsbarrieren haben den Wettbewerb in den Auslandsmärkten verschärft, die Verkaufspreise stehen dort unter Druck. Dazu kommen stark gestiegene Seefrachtraten; als Hintergrund nennen die Berichte gestörte Schifffahrtsrouten und knappe Schiffskapazitäten. Beides zusammen hat die Bruttomarge gesenkt.
- **Erstausrüstung im Heimatmarkt:** Die chinesischen Autohersteller fragten weniger Reifen ab, der Absatz im Erstausrüstungsgeschäft ging zurück.

Für Reifenkäufer ist die dritte Zeile die bemerkenswerteste. Was in der Bilanz eines Herstellers als Belastung auftaucht — „Verkaufspreise unter Druck“ —, ist aus der anderen Richtung betrachtet schlicht funktionierender Wettbewerb. Der Preisdruck, der Linglong die Marge kostet, ist derselbe, von dem Sie beim Reifenkauf profitieren. Dass ein Hersteller das in einer Pflichtmitteilung an seine Anleger so ausspricht, ist ungewöhnlich offen.

## Warum daraus keine Preisprognose für Deutschland wird

Die naheliegende Schlussfolgerung wäre: Wenn der Hersteller nichts mehr verdient, müssen die Preise steigen. So einfach ist es nicht, und wir halten uns bewusst an das, was belegbar ist.

Zum einen ist der Weg vom Werkstor bis zu Ihrem Fahrzeug lang. Zwischen der Marge eines Produzenten in Shandong und dem Preis im deutschen Ersatzmarkt liegen Importeure, Zollbescheide, Lagerbestände, Wechselkurse und die Saison. Eine Gewinnwarnung sagt etwas über die bereits abgelaufenen neun Monate beim Hersteller — sie ist keine Ankündigung künftiger Listenpreise.

Zum anderen ist Vorsicht bei der Ursachenzuschreibung geboten. Die Mitteilung spricht allgemein von Handelsbarrieren und beziffert einzelne Maßnahmen nicht. Die EU hat im Juli 2026 [endgültige Antidumpingzölle auf Pkw- und Transporterreifen aus China beschlossen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/eu-antidumpingzoelle-china-reifen-beschluss) — das ist eine solche Barriere, aber wie viel davon in den Zahlen steckt, steht nirgends. Wer hier einen Kausalzusammenhang behauptet, geht über die Quelle hinaus.

Was tatsächlich mit den Preisen passiert, haben wir deshalb lieber gemessen als vorhergesagt: Acht Wochen nach dem Stichtag haben wir [1.152 Preisverläufe im eigenen Regal ausgewertet](https://www.reifentiefpreis.de/blog/china-zoelle-reifenpreise-gemessen). Das Ergebnis war differenzierter als die Schlagzeilen — der vorherige Preisverfall endete fast exakt am Stichtag, und knapp die Hälfte der betroffenen Reifen wurde danach teurer, aber eben nicht alle. Genauso werden wir es auch diesmal halten: nachzählen, wenn es etwas zu zählen gibt.

## Was die Marke bei uns im Regal tatsächlich ist

Unabhängig von der Bilanz lohnt der Blick ins eigene Lager. Zum Katalogstand vom 16. Oktober 2026, 12:27 Uhr, führen wir **645 Ausführungen der Marke Linglong, alle lieferbar**, verteilt auf 24 Baureihen und 238 Größen von 12 bis 21 Zoll. Davon entfallen 484 Zeilen auf Pkw-Reifen, dazu kommen Transporter- und Offroadreifen. Nach Saison sortiert sind es 372 Sommer-, 181 Winter- und 92 Ganzjahresreifen. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf den gängigen Alltagsgrößen: 153 Ausführungen entfallen auf 16 Zoll, 116 auf 17 Zoll und 97 auf 15 Zoll, während oberhalb von 20 Zoll nur noch sechs Zeilen übrig bleiben. Das ist typisch für das Preiseinstiegssegment — dort, wo große Räder und teure Fahrzeuge beginnen, sind die Budgetmarken deutlich dünner vertreten.

Groß ist die Marke damit nicht: Die 484 Pkw-Zeilen sind **1,41 Prozent unseres Pkw-Regals** mit seinen 34.386 lieferbaren Ausführungen; in der Rangliste nach Modellvielfalt steht Linglong damit auf Platz 23 von 96 Marken. Zum Vergleich: Continental führt in derselben Zählung 2.354 Zeilen, Michelin 2.014.

Preislich reicht die Spanne von 27,22 bis 190,47 Euro bei einem Median von 73,04 Euro. Eine einzelne, offensichtlich fehlerhafte Preiszeile haben wir dabei ausgenommen — sie lag mit 615,15 Euro um ein Vielfaches über allem, was dieselbe Größe sonst kostet, und ist bereits zur Prüfung gemeldet. Ende September hatten wir 681 Ausführungen gezählt, jetzt sind es 645. Diese Bewegung ist normales Saison- und Bestandsgeschäft; mit der Gewinnwarnung hat sie nichts zu tun, und wir stellen sie auch nicht in diesen Zusammenhang.

Was das EU-Etikett der Marke hergibt, haben wir bereits Ende September in einem eigenen [Datencheck aller lieferbaren Linglong-Etiketten](https://www.reifentiefpreis.de/blog/linglong-datencheck) ausgewertet — kurz gefasst: auffallend oft eine gute Nasshaftung, beim Rollwiderstand dagegen selten mehr als ein C. Das Bild hat sich seither nicht gedreht.

## Günstige Marke heißt nicht günstigster Reifen

Wenn Preisdruck das Geschäftsmodell ist, liegt die Frage nahe, wie günstig die Reifen bei uns wirklich sind. Dafür haben wir jede Linglong-Zeile mit ihrer direkten Konkurrenz verglichen: allen anderen lieferbaren Reifen derselben Größe und derselben Saison. Wo mindestens fünf Wettbewerber zur Verfügung standen, blieben 631 vergleichbare Zeilen übrig.

**Das Ergebnis fällt in zwei Richtungen aus.** In 503 Fällen — 79,7 Prozent — liegt der Linglong unter dem Preismedian seiner Gruppe, im Mittel 27 Prozent darunter. Die Marke ist also verlässlich in der günstigen Hälfte zu Hause. Der billigste Reifen seiner Gruppe ist sie dagegen nur in 34 Fällen, also bei 5,4 Prozent der Zeilen. Und in 80 von 596 vergleichbaren Fällen ist sogar ein Reifen der klassischen Premiummarken Continental, Michelin, Goodyear, Dunlop, Bridgestone oder Pirelli in derselben Größe und Saison **billiger** als der Linglong.

Wie das konkret aussieht, zeigt die meistgefragte Größe im Shop. In [205/55 R16](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/205-55-r16) stehen 404 Sommerreifen mit einem Median von 65,31 Euro; der [Linglong Sport Master 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-sport-master-205-55-r16-91v-139084) liegt mit 47,04 Euro auf Rang 49 und trägt dabei die Nasshaftungsklasse A bei 68 Dezibel. Bei den 222 Winterreifen derselben Größe (Median 75,81 Euro) kommt der [Linglong SPORT MASTER WINTER 205/55 R16 91H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-sport-master-winter-205-55-r16-91h-163377) auf 55,89 Euro und Rang 33. Noch deutlicher ist der Abstand in der Kompaktklasse: Der [Linglong ComfortMaster 195/65 R15 91T](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/linglong-comfortmaster-195-65-r15-91t-139148) kostet 39,30 Euro bei einem Gruppenmedian von 55,84 Euro.

Die praktische Lehre daraus ist unspektakulär, aber sie spart Geld: Verlassen Sie sich nicht auf den Ruf einer Marke als „Billigmarke“, sondern vergleichen Sie in Ihrer Größe. In 80 der 596 Vergleiche — gut jedem achten — hätten Sie mit einem Premiumreifen denselben oder einen niedrigeren Preis bezahlt. Wer jetzt auf die kalte Jahreszeit umrüstet, findet die vollständige Auswahl bei den [Winterreifen für den Pkw](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/winterreifen) — sortiert nach Preis, Etikett und Größe, unabhängig davon, wie es dem Hersteller gerade geht.

## Häufige Fragen

### Werden Reifen aus China jetzt teurer?

Aus der Mitteilung lässt sich das nicht ableiten. Sie beschreibt die Gewinnlage eines Herstellers in den ersten neun Monaten 2026, nicht dessen künftige Preisliste. Welche Preise im deutschen Ersatzmarkt gelten, hängt zusätzlich von Zöllen, Importeuren, Lagerbeständen und der Saison ab.

### Ist die Marke dadurch in Gefahr?

Dafür gibt die Vorankündigung nichts her. Das Unternehmen erwartet weiterhin einen Gewinn, wenn auch einen sehr kleinen; die bereinigte Rechnung weist einen Verlust aus. Weder Insolvenz noch Rückzug aus Europa sind Gegenstand der Meldung, und die Zahlen sind bis zum Quartalsbericht vorläufig.

### Woran messe ich die Qualität eines günstigen Reifens?

Am ehesten an der Nasshaftungsklasse des EU-Etiketts, denn sie bildet den sicherheitsrelevantesten Teilaspekt ab, und an unabhängigen Tests, sofern das Modell überhaupt getestet wurde. Beides ersetzt keine Garantie, grenzt aber die Auswahl sinnvoll ein.

Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/linglong-gewinnwarnung-2026
