# Ein Label, 46 Reifen: Was das EU-Etikett beim Kauf wirklich leistet

Veröffentlicht: 19.06.2026 · Aktualisiert: 17.09.2026 · Kategorie: Reifenlabel & EU-Kennzeichnung · Autor: Reifentiefpreis.de Redaktion · Schlagwörter: EU-Reifenlabel, Reifentest, Nasshaftung, Reifenkauf, ADAC, 205/55 R16

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Drei Buchstaben und eine Dezibelzahl stehen auf jedem neuen Reifen. Sie sehen nach einer Rangliste aus, und genau so werden sie beim Kauf auch benutzt: A ist besser als B, B besser als C, fertig. Wir haben nachgesehen, wie weit dieses Versprechen trägt — und zwar nicht an einem Beispiel, sondern an einem kompletten Regal. In der meistverkauften deutschen Pkw-Dimension 205/55 R16 stehen bei uns am 17. September 2026 genau 846 lieferbare Ausführungen, davon 422 Sommerreifen. Diese 422 Reifen verteilen sich auf ganze 28 verschiedene Klassen-Kombinationen. Und weil der ADAC in exakt dieser Größe einmal 50 Modelle gleichzeitig gefahren hat, lässt sich sauber gegenrechnen, was der Buchstabe vorhersagt und was nicht.

## Drei Buchstaben, die der Hersteller selbst einträgt

Das [EU-Reifenlabel](https://www.reifentiefpreis.de/info/reifenlabel) beruht auf der Verordnung (EU) 2020/740, die seit dem 1. Mai 2021 in ihrer heutigen Fassung gilt. Sie regelt drei Pflichtangaben — Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und externes Rollgeräusch — dazu die beiden Wintersymbole für Schnee und Eis sowie den QR-Code, der auf den Eintrag in der EU-Produktdatenbank EPREL führt. Wichtig für die Einordnung ist, wer diese Werte liefert: Nach Artikel 4 der Verordnung ist es der Lieferant, also Hersteller oder Importeur, der die Angaben ermittelt und für ihre Richtigkeit einsteht. Nach Artikel 5 muss er sie vor dem Inverkehrbringen in die Produktdatenbank eintragen. Die Marktüberwachungsbehörden der Mitgliedstaaten dürfen nachmessen, das Verfahren dafür steht in Anhang VI. Aber der Normalfall ist die Eigenangabe nach genormtem Prüfverfahren, nicht die Prüfung durch eine dritte Stelle. Wer das Label liest, liest also eine standardisierte Selbstauskunft — das ist etwas anderes als ein Testergebnis, und es ist deshalb kein Vorwurf, sondern schlicht die Konstruktion. Nachlesen lässt sich der Wortlaut in der [Verordnung über die Kennzeichnung von Reifen](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32020R0740).

Die zweite Eigenschaft der Konstruktion ist mindestens ebenso folgenreich: Jeder Messwert wird auf eine Klasse gerundet. Anhang I der Verordnung nennt für Pkw-Reifen die Grenzen des Nasshaftungskennwerts G: Klasse A ab 1,55, Klasse B von 1,40 bis 1,54, Klasse C von 1,25 bis 1,39, Klasse D von 1,10 bis 1,24, Klasse E bei 1,09 und darunter. Zwischen dem schwächsten und dem stärksten B-Reifen liegen damit zehn Prozent Nasshaftung — und beide tragen denselben Buchstaben. Nach oben ist die Klasse A sogar offen: Ein Reifen mit 1,55 und einer mit 1,80 stehen im selben Feld. Wie dieser Kennwert überhaupt zustande kommt, welches Referenzfahrzeug, welche Wassertiefe und welche Temperaturfenster dabei vorgeschrieben sind, haben wir gesondert beschrieben — dort steht auch, [wie der Nasshaftungswert im genormten Bremsversuch entsteht](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-reifenlabel). Und wenn Sie die Felder des Etiketts der Reihe nach durchgehen wollen, hilft unser Ratgeber dazu, [wie Sie jedes einzelne Feld des Etiketts lesen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/eu-reifenlabel-lesen-nasshaftung-effizienz-und-geraeusch-einfach-erklaert).

## 46 Reifen, ein einziges Etikett

Wie grob diese Rundung im Alltag wirkt, zeigt erst die Vollerhebung. Wir haben alle 36 Listenseiten der Größe 205/55 R16 ausgelesen und für jede der 846 lieferbaren Ausführungen die drei Label-Angaben erfasst. Nimmt man nur die 422 Sommerreifen und sortiert sie nach ihrem Etikett, bleiben **28 verschiedene Kombinationen der drei Klassen** übrig. 422 Kaufoptionen, 28 Unterscheidungen — im Schnitt teilen sich also fünfzehn Reifen ein Etikett.

Der größte dieser Töpfe ist erschreckend voll. **116 Sommerreifen dieser einen Größe tragen dieselben drei Klassen: Effizienz C, Nasshaftung B, Geräuschklasse B.** In diesem Topf stehen 47 Marken und 55 Modelle nebeneinander, die Preise reichen von 35,86 Euro bis 97,70 Euro je Reifen, der Median liegt bei 54,65 Euro. Geht man noch strenger vor und verlangt zusätzlich denselben Dezibelwert, also wirklich ein Etikett, das bis zur letzten Ziffer identisch aussieht, bleiben immer noch **46 Ausführungen von 18 Marken** mit der Kombination Effizienz C, Nasshaftung B, 70 Dezibel. Der günstigste ist der [Imperial EcoDriver5 F209 in 205/55 R16 91H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/imperial-ecodriver5-f209-205-55-r16-91h-84409) für 36,23 Euro, der teuerste ein Goodyear für 86,11 Euro. Faktor 2,4 im Preis, kein sichtbarer Unterschied auf dem Papier.

Das ist der Kern des Problems, und er hat nichts mit Betrug zu tun. Das Label ist eine Schublade, keine Rangliste. Es sagt Ihnen zuverlässig, in welcher Schublade ein Reifen liegt. Es sagt Ihnen nicht, wo in der Schublade. Wer beim Kauf zwei Reifen mit identischem Etikett vergleicht, hat aus dem Label alles herausgeholt, was drinsteckt — die Entscheidung muss dann aus einer anderen Quelle kommen. Das gilt übrigens auch umgekehrt: Dasselbe Modell kann in verschiedenen Dimensionen unterschiedlich eingestuft sein, weil jede Ausführung einzeln vermessen wird. Warum das kein Widerspruch ist, zeigt unsere Auswertung dazu, [warum dasselbe Modell je nach Größe anders eingestuft wird](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenlabel-nach-groesse).

## Was das Etikett im Regal noch trennt — und was nicht

Eine Rangliste funktioniert nur, wenn sich die Kandidaten auf die Ränge verteilen. Genau daran hakt es bei der Nasshaftung, der wichtigsten der drei Angaben. Von den 422 Sommerreifen der Größe tragen 159 ein A (37,7 Prozent) und 213 ein B (50,5 Prozent) — zusammen **88,2 Prozent**. Für Klasse C bleiben 46 Ausführungen, für D und E zusammen vier. Der oft gehörte Rat „nehmen Sie mindestens ein B“ siebt in dieser Größe also rund jeden achten Reifen aus. Das ist nicht nichts, aber es ist kein Auswahlkriterium, sondern ein Ausschlussgitter für das untere Ende. Wie selten das untere Ende tatsächlich ist, haben wir an anderer Stelle über das Gesamtsortiment nachgezählt: dort steht, [wie wenige Reifen die Klassen D und E überhaupt tragen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-d-und-e).

Bei der **Kraftstoffeffizienz** ist es genau andersherum. Hier liegt die dicke Masse in der Mitte: 251 der 422 Sommerreifen stehen in Klasse C (59,5 Prozent), nur 31 erreichen ein A (7,3 Prozent), 37 fallen auf E zurück. Diese Angabe trennt also tatsächlich, und sie ist obendrein die einzige mit einer direkten Preisfolge: Der ADAC beziffert den Abstand zwischen A und E mit rund 0,5 Litern auf 100 Kilometer, gestaffelt mit 0,1 Litern für B, 0,22 für C, 0,36 für D und 0,51 für E gegenüber der Bestklasse. Was das über die Haltedauer eines Satzes ausmacht, haben wir vorgerechnet: [was die Effizienzklasse an der Zapfsäule wert ist](https://www.reifentiefpreis.de/blog/rollwiderstand-spritsparen).

Die **Geräuschklasse** schließlich trägt im Regal fast keine Information mehr. 358 der 422 Sommerreifen stehen in Klasse B, das sind 84,8 Prozent; 57 erreichen A, sieben fallen in C. Der Grund liegt in der Definition: Klasse A bedeutet mindestens drei Dezibel unter dem gesetzlichen Grenzwert, Klasse B bis zu drei Dezibel darunter, C darüber. Die eigentliche Information steckt daneben in der Dezibelzahl selbst, und die reicht in dieser Größe von 65 bis 79. Wer leise fahren will, liest also die Zahl, nicht den Buchstaben. Für Winterreifen verschiebt sich das ganze Bild noch einmal, weil dort die Bestklasse bei der Nasshaftung praktisch nicht vorkommt — nachgezählt haben wir das dort, wo steht, [warum Winterreifen die Bestklasse fast nie erreichen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-winterreifen).

## Die Gegenprobe: 50 Reifen derselben Größe, unabhängig gemessen

Bis hierhin wissen wir, wie fein das Etikett auflöst. Offen ist die eigentliche Frage: Trifft es in der Sache? Dafür braucht es eine unabhängige Messung an derselben Größe — und die gibt es. Zum 50. Jahrgang seines Reifentests hat der ADAC am 21. Februar 2023 ein Sonderfeld gefahren: **50 Sommerreifen in 205/55 R16 V, auf einem VW Golf 8, quer durch alle Preisklassen.** Die Endnote entsteht dort aus 70 Prozent Fahrsicherheit und 30 Prozent Umweltbilanz. Ergebnis: zehnmal „gut“, einundzwanzigmal „befriedigend“, siebenmal „mangelhaft“. Der Nassbremsweg aus 80 km/h lag im Feld bis zu 25 Meter auseinander; der Continental PremiumContact 6 stand nach 34,4 Metern, der Michelin e.Primacy erst nach 43,7 Metern, der DoubleCoin DC99 nach 59,3 Metern. An der Stelle, an der das Testfahrzeug mit dem Conti steht, fährt man mit dem DoubleCoin laut ADAC noch mit rund 52 km/h vorbei. Die vollständige Tabelle steht beim Veranstalter: [50 Sommerreifen der Dimension 205/55 R16 im ADAC-Test](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifentest/sommerreifen/205-55-r16/).

Wir haben dieses Feld mit unserem Regal zusammengeführt. Für jedes getestete Modell haben wir die Ausführung mit V-Geschwindigkeitsindex gesucht — also die Bauform, die der ADAC gefahren hat —, Sonderausführungen für Erstausrüstung und Runflat-Versionen ausgeschlossen und das heutige Label abgelesen. Für **35 der 50 Modelle** gelingt diese Zuordnung eindeutig. Vier weitere stehen nur noch als Nachfolgegeneration im Regal — aus dem PremiumContact 6 wurde der 7, aus dem Nokian Wetproof der Wetproof 1, aus dem Firestone Roadhawk der Roadhawk 2, aus dem Barum Bravuris 5HM der Bravuris 6 —, und deren Noten gehören dem Nachfolger nicht. Die übrigen sind aus dem Sortiment gefallen. Zwei Dinge sind bei dieser Rechnung ehrlich mitzusagen: Die Noten stammen von Anfang 2023, die Label-Angaben vom heutigen Tag. Und die ADAC-Note bewertet mehr als Nässe, die Label-Klasse nur eine Disziplin. Deshalb stellen wir der Nasshaftungsklasse vor allem die **Teilnote Fahrsicherheit** gegenüber, die im ADAC-Schema von der Nässe dominiert wird.

## Drei Fälle, in denen Etikett und Messung auseinanderlaufen

Das Gesamtbild fällt nüchtern aus, und es fällt in beide Richtungen aus. Über alle 35 Paarungen beträgt der Zusammenhang zwischen Nasshaftungsklasse und Fahrsicherheitsnote **0,61** (Korrelationskoeffizient), zwischen Nasshaftungsklasse und Gesamtnote 0,64. Das ist ein deutlicher, aber kein enger Zusammenhang. Sauber ist die Staffelung der Mittelwerte: Die 18 Reifen mit Nasshaftung A kommen im Schnitt auf die Fahrsicherheitsnote 2,7, die zwölf mit B auf 3,2, die fünf mit C auf 4,3. Wer blind nach Buchstaben greift, greift also im Mittel richtig. Nur eben nicht im Einzelfall — und gekauft wird der Einzelfall.

**Fall eins: gleiches Etikett, zweieinhalb Noten Unterschied.** Der [Kenda KR210 Kenetica Pro in 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/kenda-kr210-kenetica-pro-205-55-r16-91v-133659) trägt Effizienz C, Nasshaftung B und 69 Dezibel. Der [Rotalla RH01 in 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/rotalla-rh01-205-55-r16-91v-99342) trägt Effizienz C, Nasshaftung B und 69 Dezibel. Dieselbe Größe, derselbe Index, Zeichen für Zeichen dasselbe Etikett. In der Fahrsicherheit trennt die beiden im ADAC-Feld die Note 2,4 vom Rotalla-Wert 4,7. Dasselbe Muster eine Stufe leiser: [Fulda EcoControl HP 2](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/fulda-ecocontrol-hp-2-205-55-r16-91v-105939) und [Minerva F209](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/minerva-f209-205-55-r16-91v-102576) tragen beide Effizienz C, Nasshaftung B und 70 Dezibel — Fahrsicherheit 2,8 gegen 3,7.

**Fall zwei: Bestklasse ohne Bestleistung.** Der [Avon ZV7 in 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/avon-zv7-205-55-r16-91v-118515) trägt bei der Nasshaftung ein A. Im Test steht er mit Fahrsicherheit 3,9 und Gesamtnote 4,1 am unteren Ende des Feldes. Er ist damit kein Ausreißer, sondern das Ende einer Kette: **Elf der 18 A-Reifen schneiden bei der Fahrsicherheit schlechter ab als der beste B-Reifen dieser Auswertung**, und zehn der zwölf B-Reifen schneiden besser ab als der schwächste A-Reifen. Die Klassen überlappen sich also über den halben Notenbereich — A reicht von 2,1 bis 3,9, B von 2,4 bis 4,7.

**Fall drei: Das Etikett hat recht und hilft trotzdem nicht.** Der [Michelin E Primacy in 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/michelin-e-primacy-205-55-r16-91v-120670) trägt Effizienz A und Nasshaftung B. Beides stimmt, und zwar eindrucksvoll: Er holt im ADAC-Feld mit 1,3 die **beste Umweltbilanz aller 50 Reifen** und fährt bis zur Verschleißgrenze fast 72.000 Kilometer, während der Apollo Alnac im selben Feld bei der Laufleistung nur eine 3,5 bekommt und knapp 30.000 Kilometer schafft. Nur bremst derselbe Reifen auf nassem Asphalt eben 9,3 Meter später als der Continental PremiumContact 6 — und diese 9,3 Meter stehen auf keinem Etikett, weil ein B eben von 1,40 bis 1,54 reicht. Wie stark solche Meter im Alltag wirklich variieren, zeigt unsere Auswertung dazu, [wie sich der Nassbremsweg aus Tempo, Restprofil und Reifenwahl zusammensetzt](https://www.reifentiefpreis.de/blog/bremsweg-naesse).

## Was das Etikett besser kann, als sein Ruf vermuten lässt

Nach dieser Liste liegt der Schluss nahe, das Label sei wertlos. Er wäre falsch. Erstens ist es die einzige Angabe, die es für **jeden** Reifen gibt — Tests decken nur einen Bruchteil des Marktes ab, und für die meisten Größen gibt es überhaupt keinen aktuellen. Wir haben das Testarchiv einmal vollständig ausgezählt; das Ergebnis steht dort, wo wir zeigen, [für welche Größen es überhaupt einen aktuellen Test gibt](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifentests-nach-groesse). Zweitens ist es markenübergreifend genormt: Der Kennwert eines No-Name-Herstellers entsteht nach demselben Verfahren wie der eines Premiumherstellers. Drittens stimmt die Richtung, wie die Mittelwerte oben zeigen — und am unteren Ende stimmt sie deutlich: Kein einziger Reifen mit Nasshaftung C oder schlechter erreicht in dieser Auswertung eine bessere Fahrsicherheitsnote als 3,0.

Und viertens misst das Label genau das, was es zu messen vorgibt. Der Fall des E Primacy ist dafür der beste Beleg, nicht der schlechteste: Ein Reifen mit Effizienz A ist tatsächlich sparsam, er ist deshalb nur nicht automatisch sicher. Auch die Hersteller selbst tauschen diese Eigenschaften gegeneinander, oft von einer Modellgeneration zur nächsten — nachvollziehbar ist das dort, wo wir aufschreiben, [was Hersteller beim Modellwechsel an den Klassen verändern](https://www.reifentiefpreis.de/blog/label-klassen-modellwechsel). Der ADAC formuliert die Rolle des Etiketts auf seiner eigenen Label-Seite unaufgeregt und treffend: „Viel mehr als eine erste Einschätzung, wie sich der Reifen unter bestimmten Bedingungen schlägt, kann das Reifenlabel allerdings nicht sein.“ Und weiter: „Man ist also grundsätzlich gut beraten, sich zusätzlich die unabhängigen Verbraucherschutztests des ADAC anzusehen.“ Nachzulesen ist das in der [ADAC-Erläuterung zum Reifenlabel](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/reifenkauf/reifenlabel/).

Umgekehrt hat auch der Test seine Grenzen, und die sind größer, als viele denken. Er gilt für die getestete Größe und für den getesteten Jahrgang, die Felder unterschiedlicher Häuser sind nicht gegeneinander verrechenbar, und schon die Gewichtung entscheidet mit über die Rangfolge. Wer Noten aus zwei Quellen nebeneinanderlegen will, sollte vorher wissen, [wie unterschiedlich die Testhäuser gewichten](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifentests-im-vergleich), und wie so ein Prüftag überhaupt abläuft — von der verdeckten Beschaffung bis zum Einfahren steht das hier: [wie ein Reifen tatsächlich getestet wird](https://www.reifentiefpreis.de/blog/wie-wird-ein-reifen-getestet).

## So kombinieren Sie Etikett und Test beim Kauf

Aus den Zahlen ergibt sich eine klare Reihenfolge, und sie ist genau umgekehrt zu der, die die meisten anwenden.

1. **Zuerst ausschließen, nicht auswählen.** Nutzen Sie das Label als Gitter für das untere Ende: Nasshaftung C oder schlechter fliegt raus — in dieser Größe sind das rund zwölf Prozent des Angebots, und keiner davon hat im Testfeld eine Fahrsicherheitsnote unter 3,0 erreicht. Alles darüber ist eine Vorauswahl, keine Rangfolge.
2. **Dann die Effizienzklasse als Preisargument einsetzen.** Sie trennt real (nur 7,3 Prozent erreichen A) und sie hat eine bezifferbare Folge an der Tankstelle. Bei hoher Fahrleistung rechnet sich eine Klasse schnell, bei 6.000 Kilometern im Jahr kaum.
3. **Dann den Test entscheiden lassen — wenn es einen gibt.** Achten Sie dabei auf die Einzelwerte für Nässe, Aquaplaning und Laufleistung statt nur auf die Gesamtnote. Beides steht auf keinem Etikett: weder, [ab welchem Tempo ein Reifen aufschwimmt](https://www.reifentiefpreis.de/blog/aquaplaning-erkennen-reagieren), noch, [wie viele Kilometer er wirklich hält](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-laufleistung-kilometer).
4. **Wenn es keinen Test gibt, ersatzweise das Modell statt der Ausführung prüfen.** Ein Modell, das in einer anderen Dimension gut abgeschnitten hat, ist ein besseres Indiz als ein Buchstabe — übertragen lässt sich das Urteil aber nicht, weil Mischung und Karkasse je Größe abweichen.

Zwei Reifen aus dem Feld zeigen, wie das praktisch aussieht. Der [Goodyear EfficientGrip Performance 2 in 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/goodyear-efficientgrip-performance-2-205-55-r16-91v-105918) trägt Effizienz B und Nasshaftung A — und war mit der Gesamtnote 2,0 der beste Reifen des Feldes; wir haben [das Profil im Einzelporträt](https://www.reifentiefpreis.de/blog/goodyear-efficientgrip-performance-2) genauer angesehen. Der [Bridgestone Turanza T005 in 205/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/bridgestone-turanza-t005-205-55-r16-91v-106316) trägt sogar zweimal A und bestätigt das mit Fahrsicherheit 2,2. Hier sagen Etikett und Messung dasselbe — nur eben nicht, weil das Etikett es vorhergesagt hätte, sondern weil es der Test bestätigt hat. Ob der Aufpreis solcher Modelle sich lohnt, haben wir separat durchgerechnet: [ob der Aufpreis zur Premiummarke sich rechnet](https://www.reifentiefpreis.de/blog/premium-oder-budget-sommerreifen).

Unterm Strich: Das EU-Etikett ist ein verlässlicher Filter und eine schlechte Rangliste. Es hält die wirklich schwachen Reifen aus Ihrer Auswahl heraus und beziffert den Spritverbrauch — die Entscheidung zwischen zwei Kandidaten kann es nicht treffen, weil 46 Reifen dieser einen Größe dasselbe Etikett tragen. Nutzen Sie es zum Aussortieren und den Test zum Entscheiden. Alle [Reifen in 205/55 R16](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/205-55-r16) mit Label-Angabe direkt in der Liste finden Sie bei uns im Shop, ebenso das komplette Angebot an [Sommerreifen für Pkw](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/sommerreifen).

## Häufige Fragen

### Kann ich mich beim Reifenkauf allein auf die Nasshaftungsklasse verlassen?

Als Ausschlusskriterium ja, als Auswahlkriterium nein. In der Größe 205/55 R16 tragen 88,2 Prozent aller Sommerreifen die Klasse A oder B — die Klasse trennt also kaum noch. Im ADAC-Feld derselben Größe reichten die Fahrsicherheitsnoten innerhalb der Klasse A von 2,1 bis 3,9.

### Wer prüft nach, ob die Angaben auf dem Etikett stimmen?

Die Werte ermittelt und meldet der Lieferant selbst (Artikel 4 und 5 der Verordnung (EU) 2020/740), eingetragen werden sie in die EU-Produktdatenbank EPREL. Die Marktüberwachungsbehörden der Mitgliedstaaten können nachmessen; das Verfahren steht in Anhang VI der Verordnung. Eine Pflichtprüfung durch eine unabhängige Stelle vor dem Verkauf gibt es nicht.

### Was mache ich, wenn es für meine Reifengröße keinen Test gibt?

Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Dann bleibt das Etikett als genormter Anhaltspunkt, ergänzt um das Testergebnis desselben Modells in einer anderen Dimension, das Reifenalter und Kundenbewertungen. Übertragen Sie das Urteil aber nicht eins zu eins: Gewertet wurde immer nur die geprüfte Ausführung.

*Quellen: ADAC-Sommerreifentest vom 21.02.2023 mit 50 Modellen in 205/55 R16 · ADAC-Erläuterung zum EU-Reifenlabel · Verordnung (EU) 2020/740, Anhang I und VI · eigene Vollerhebung aller 846 lieferbaren Ausführungen in 205/55 R16, Stand 17. September 2026 (alle drei Quellen sind oben im Text verlinkt).*


Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenlabel-oder-test
