# 37 Reifenrückrufe in 18 Jahren: Was das KBA-Register über Reifenmängel verrät

Veröffentlicht: 26.10.2026 · Aktualisiert: 27.10.2026 · Kategorie: Recht & Gesetz · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: Reifenrückruf, KBA, Reifensicherheit, DOT-Nummer, Produktsicherheit

Titelbild: https://www.reifentiefpreis.de/bild/blog/reifenrueckruf-register-pruefung.jpg

Wenn ein Autohersteller zurückruft, bekommen Sie Post. Wenn ein Reifenhersteller zurückruft, bekommen Sie nichts — Reifen sind auf niemanden zugelassen, es gibt kein Register, das Reifen und Halter verbindet. Was es stattdessen gibt, ist die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes. Wir haben sie vollständig ausgewertet: jeden einzelnen Reifenrückruf, der seit 2009 darin steht. Das Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht überraschend — und es sagt mehr über Reifensicherheit aus als jede Werbebroschüre.

## Das Register, das kaum jemand kennt

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt zwei getrennte Rückruflisten: eine für Fahrzeuge und eine für Fahrzeugteile und Fahrzeugzubehör. Reifen stehen in der zweiten. Zum Datenstand 26. Oktober 2026 enthielt die Teileliste **168 Einträge** insgesamt — vom Kindersitz über die Anhängerkupplung bis zum Bremsschlauch. Zum Vergleich: Die Fahrzeugliste zählte zum selben Zeitpunkt 7.924 Einträge.

Wir haben alle 168 Teilerückrufe durchgesehen und diejenigen herausgetrennt, bei denen der zurückgerufene Gegenstand tatsächlich ein Reifen ist — nicht eine Felge, nicht ein Komplettrad, nicht ein Stoßdämpfer, der im Fehlerfall den Reifen beschädigt. Übrig bleiben **37 Reifenrückrufe**. Zwei davon betreffen Fahrradreifen, die restlichen **35 sind Kraftfahrzeugreifen**.

Jeder Eintrag trägt dieselben Felder: Referenznummer, Veröffentlichungsdatum, Marke, Verkaufsbezeichnung, Mangelbeschreibung, Produktionszeitraum, Stückzahl weltweit und deutschlandweit, Maßnahme, bekannte Schadensfälle und den Überwachungsstatus. Das klingt vollständig, ist es aber nicht — und genau diese Lücken gehören zur Auswertung dazu. Nur **25 der 37 Einträge** nennen überhaupt eine deutsche Stückzahl; bei zwölf steht an dieser Stelle nichts. Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus diesem Register. [Quelle: KBA-Rückrufdatenbank](https://www.kba-online.de/rrdb/buerger/)

## 37 Fälle in 18 Jahren — und zwei Jahre ganz ohne

Der älteste Reifeneintrag datiert vom 11. August 2009, der jüngste vom 24. April 2026. Über diese 18 Kalenderjahre verteilt ergibt das einen Schnitt von **2,06 Reifenrückrufen pro Jahr**, bei den Kraftfahrzeugreifen allein sind es 1,94.

Die Verteilung ist dabei alles andere als gleichmäßig. In den Jahren **2011 und 2012 steht im Register kein einziger Reifenrückruf** — zwei komplette Jahre ohne einen Fall. Das Spitzenjahr ist **2023 mit fünf Einträgen**, gefolgt von 2019 und 2025 mit je vier. Im laufenden Jahr 2026 sind es bisher drei, und bemerkenswerterweise betreffen alle drei Nutzfahrzeugreifen: ein Goodyear-Lkw-Reifen Ende Januar, ein Michelin-Lkw-Reifen Mitte März und ein Transporterreifen von Bridgestone Ende April.

Ordnet man die 35 Kraftfahrzeugfälle nach Einsatzzweck, ergibt sich folgendes Bild: **18 Pkw-Reifen**, **sieben Motorradreifen**, **vier Lkw- und Busreifen**, **drei Transporterreifen** in C-Ausführung und ein Spezialreifen für Mobilkrane. Bei zwei Einträgen nennt das Register weder Größe noch Modell, sodass sich der Einsatzzweck nicht belegen lässt — wir führen sie deshalb gar nicht erst zu.

Gut zwei Reifenrückrufe pro Jahr, verteilt auf den gesamten deutschen Fahrzeugbestand: Das ist die erste und wichtigste Erkenntnis dieser Auswertung. Ein Reifen, der wegen eines Herstellungsfehlers aus dem Verkehr gezogen werden muss, ist ein ausgesprochen seltenes Ereignis.

## Von 142.000 Reifen bis zu einem einzigen

Die Spannweite der Fallgrößen ist enorm — und sie macht deutlich, warum die bloße Nachricht „Hersteller X ruft zurück“ ohne Zahlen nichts wert ist.

Am oberen Ende steht ein Transporterreifen der Marke Matador in der Größe 185 R 14 C: **142.000 Stück in Deutschland**, veröffentlicht im Januar 2010. Darauf folgen ein Fahrradreifen mit 69.780 Stück, ein Motorradrückruf von Pirelli mit 14.061 Stück, ein weiterer Fahrradreifen mit 12.500 und ein Pkw-Reifen von Continental mit 10.603 Stück.

Am unteren Ende wird es kurios. Beim Rückruf eines Winterreifens der Marke Platin aus dem Jahr 2023 nennt das Register **genau einen einzigen betroffenen Reifen in Deutschland** — bei 669 Stück weltweit. Ein Continental-Rückruf aus dem November 2025 kommt auf zwei deutsche Exemplare. Dazwischen liegt ein ganzer Fächer von Fällen im zweistelligen Bereich.

Interessant ist dabei, dass die genannte Stückzahl fast nie die Zahl der tatsächlich mangelhaften Reifen ist, sondern die Zahl derjenigen, die betroffen sein *könnten*. Die Spalte heißt im Register ausdrücklich „Anzahl potentiell betroffene Fahrzeugteile“. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Semperit-Rückruf aus dem November 2017, bei dem der Hersteller als Eingrenzung angibt: „Verkaufsvolumen 1182 Reifen, davon max. 100 Reifen betroffen.“ Nicht einmal jeder zehnte Reifen der verdächtigen Charge wies den Mangel also überhaupt auf — zurückgerufen wurden trotzdem alle. Das ist die übliche Logik eines Rückrufs: Im Zweifel wird die gesamte Spanne gezogen, weil sich das einzelne fehlerhafte Exemplar nicht identifizieren lässt.

Und dann gibt es noch einen Eintrag, der zeigt, dass auch ein amtliches Register mit Sorgfalt gelesen werden will: Bei einem Fulda-Rückruf vom Oktober 2025 steht in der Spalte für Deutschland der Wert **minus zwei** — bei 28 Stück weltweit. Eine negative Stückzahl kann es nicht geben; das ist erkennbar ein Erfassungsfehler. Für die Gesamtaussage spielt er keine Rolle, als Mahnung zur Vorsicht aber schon.

## Der größte Fall war gar kein Produktionsfehler

Der mit Abstand umfangreichste Reifenrückruf des Registers ist zugleich der lehrreichste — weil ihm gar kein Fabrikationsmangel zugrunde liegt.

Betroffen war der Matador MPS310 Master in 185 R 14 C, ein klassischer Wohnwagen- und Anhängerreifen. Der Produktionszeitraum umfasst die Jahre **1999 bis 2007**, also neun volle Jahrgänge, der Rückruf erfolgte erst im Januar 2010. Als Mangelbeschreibung nennt das Register wörtlich: „Spezielle Einsatzbedingungen an Wohnwagen (lange Standzeiten zwischen kurzen Betriebsphasen, ungleichmäßige Lastverteilung und Überladung) in Verbindung mit unzureichender Fülldruckwartung können zu Reifenschäden führen.“

Das ist bemerkenswert. Der größte Reifenrückruf in diesem Register wurde nicht durch eine fehlerhafte Charge ausgelöst, sondern durch die Art, wie diese Reifen im Alltag benutzt werden. Wohnwagen stehen monatelang unbewegt auf demselben Fleck, werden dann voll beladen über Hunderte Kilometer bewegt und anschließend wieder abgestellt — und kaum jemand prüft zwischendurch den Luftdruck.

Daraus folgt eine sehr konkrete Konsequenz für jeden, der einen Anhänger oder ein Wohnmobil besitzt: Der Luftdruck ist bei diesen Fahrzeugen kein Nebenschauplatz, sondern der entscheidende Faktor. Prüfen Sie ihn vor jeder längeren Fahrt im kalten Zustand, halten Sie sich an die Angabe des Aufbauherstellers statt an die des Zugfahrzeugs, und bleiben Sie unterhalb der zulässigen Achslast. Wer ohnehin ersetzen muss, findet passende [Reifen für Anhänger und Wohnwagen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/sonstige/anhaenger-oldtimer) in einer eigenen Rubrik — etwa den [CST Trailermaxx Eco, CL31N 185/65 R14 93N](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/cst-trailermaxx-eco-cl31n-185-65-r14-93n-125304), einen speziell für Anhängerbetrieb ausgelegten Reifen.

## 87.762 weltweit, 11 in Deutschland

Der jüngste Reifeneintrag des Registers stammt vom 24. April 2026 und zeigt, wie irreführend eine einzelne Zahl sein kann. Zurückgerufen wurde ein Bridgestone-Transporterreifen vom Typ Duravis R 660 ECO in 215/65 R16C, Tragfähigkeitskennung 109/107T, Produktionszeitraum 22. Oktober 2023 bis 8. November 2025.

Die weltweite Stückzahl: **87.762**. Die deutsche: **elf**. Das ist das mit Abstand extremste Verhältnis der gesamten Liste. Eine Schlagzeile über einen Rückruf von fast 88.000 Reifen wäre formal korrekt und für den deutschen Markt trotzdem praktisch bedeutungslos. Als Mangel nennt das Register: Feuchtigkeit könne in den Reifen eindringen und zu Korrosion führen, in deren Folge sich die Lauffläche verformen oder ablösen könne. Die Maßnahme ist als „Rücknahme des Produkts vom Markt“ beschrieben.

Dieser Fall ist auch deshalb besonders, weil er als **einziger der 37** nicht den Status „überwacht“ trägt, sondern „in Untersuchung“ — das Verfahren war zum Datenstand also noch nicht abgeschlossen.

Entscheidend für Leser ist hier ein Detail, das man leicht überliest: Das Register nennt ausdrücklich die Ausführung **109/107T**. Ein Reifen desselben Modells und derselben Größe, aber mit abweichender Tragfähigkeitskennung, ist von diesem Eintrag nicht erfasst. Wer prüft, ob er betroffen ist, muss also die vollständige Bezeichnung einschließlich Last- und Geschwindigkeitsindex vergleichen — und im Zweifel beim Hersteller oder Händler nachfragen. Wer Ersatz in dieser Klasse sucht, findet ihn unter [Transporterreifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/van-transporter); in exakt jener Tragfähigkeitskennung liegt zum Beispiel der [Dynamo HISCEND-H VAN 4S 215/65 R16C 109/107T](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/dynamo-hiscend-h-van-4s-215-65-r16c-109-107t-163196).

## Woran Reifen tatsächlich scheitern

Liest man die 37 Mangelbeschreibungen hintereinander, fällt auf, wie eng das Spektrum ist. Reifen fallen fast immer auf dieselben zwei Arten aus.

Die erste Gruppe ist die **Trennung von Bauteilen**: Die Lauffläche löst sich vom Unterbau, der Gürtel trennt sich, das Profil bricht aus oder die Karkasse gibt nach. Formulierungen wie „Ablösen der Reifenlauffläche“, „Laufflächen- und Gürteltrennungen“, „Profilablösung“ oder „Karkassendefekt“ ziehen sich quer durch alle Jahre und alle Fahrzeugklassen. Sichtbar wird so etwas im Alltag oft vorher — durch Beulen in der Flanke, ungewöhnliche Laufgeräusche oder Vibrationen. In einem Continental-Eintrag von 2013 ist dieser Zusammenhang sogar ausdrücklich beschrieben: Der Verschleiß mache sich „durch Laufgeräusche und Vibrationen bemerkbar“, bevor sich die Lauffläche löse.

Die zweite Gruppe ist der **plötzliche Luftverlust**, meist ohne nähere Angabe der Ursache. Auch hier ist die Formulierung über die Jahre erstaunlich konstant: „Verlust der Fahrstabilität durch plötzlichen Druckverlust“.

Beides sind strukturelle Mängel, beides entsteht in der Fertigung, und beides wirkt sich im ungünstigsten Moment aus — bei hoher Geschwindigkeit und voller Last. Dass die Hersteller bei solchen Befunden zurückrufen, auch wenn nur wenige Dutzend Reifen betroffen sind, ist der eigentliche Normalfall dieses Registers.

Auffällig ist auch, was in den Mangelbeschreibungen praktisch nie vorkommt. Kein einziger der 37 Einträge nennt als Ursache einen Konstruktionsfehler, eine falsche Auslegung des Profils oder eine zu schwach dimensionierte Karkasse. Es geht immer um Abweichungen vom eigenen Sollzustand — ein falsches Material, ein nicht spezifikationsgerechter Prozess, eine verunreinigte Gummimischung, eindringende Feuchtigkeit. Die Reifen waren also nicht falsch entwickelt, sondern in einer bestimmten Produktionsspanne anders gefertigt, als sie es hätten sein sollen. Genau deshalb sind Rückrufe auch immer auf Zeiträume und Chargen begrenzt und nie auf ein Modell als Ganzes.

## Zwei Fälle, die aus dem Muster fallen

Genau zwei der 37 Einträge passen nicht in dieses Schema — und beide sind aufschlussreich, weil sie zeigen, dass ein Rückruf nicht gleichbedeutend mit „der Reifen geht kaputt“ ist.

Der erste stammt vom Juni 2016 und betrifft einen Dunlop Sport Maxx GT. Die Mangelbeschreibung lautet: Die Reifen seien „mit einer falschen Laufflächenmischung hergestellt“ worden, was „zu einer schlechteren Haftung insbesondere bei Nässe“ führe. Hier war also nichts am Aufbau des Reifens defekt. Er war schlicht nicht so griffig, wie er hätte sein müssen — ein Mangel, den kein Fahrer durch Sichtprüfung erkennen kann und der sich erst in der Vollbremsung auf nasser Fahrbahn zeigt. 217 Stück waren in Deutschland betroffen.

Der zweite Fall, aus dem November 2022, ist noch ungewöhnlicher: Geländereifen der Marke Mickey Thompson entsprachen nach Registereintrag „nicht der UN-ECE R117, sie erfüllen jedoch die Anforderungen der R30 oder R54“. Die Regelung R117 regelt Rollgeräusch, Nasshaftung und Rollwiderstand; R30 und R54 sind die grundlegenden Bauartgenehmigungen. Übersetzt heißt das: Die Reifen waren technisch in Ordnung, aber nicht nach der richtigen Vorschrift genehmigt. Trotzdem wurden sie zurückgerufen und ersetzt — 155 Stück in Deutschland. Ein Rückruf kann also auch eine reine Zulassungsangelegenheit sein.

## In 37 Fällen genau ein gemeldeter Schaden

Das Register führt eine eigene Spalte für „Bekannte Vorfälle mit Sach- und/oder Personenschäden“. Die Auswertung dieser Spalte ist das wohl beruhigendste Ergebnis der ganzen Durchsicht — und zugleich dasjenige, das am meisten Zurückhaltung verlangt.

Von den 37 Reifeneinträgen tragen **17 ausdrücklich den Vermerk „keine“** beziehungsweise „nicht bekannt“. **Ein einziger** Eintrag nennt tatsächlich Schäden: Beim Rückruf des Continental ContiEcoContact 5 aus dem Februar 2022 heißt es „zwei Fälle mit Sachschaden in geringem Umfang (Beschädigung am Radkasten/Felge)“ — bei 10.603 betroffenen Reifen in Deutschland und 67.218 weltweit. **Kein einziger Eintrag der gesamten Liste nennt einen Personenschaden.**

Jetzt die notwendige Einschränkung: Bei den übrigen **19 Einträgen ist dieses Feld leer**. Ein leeres Feld ist kein Beleg dafür, dass nichts passiert ist — es ist nur ein nicht ausgefülltes Feld. Wer aus dieser Spalte eine Unfallstatistik machen wollte, würde das Register überfordern. Was sich sagen lässt, ist dies: Überall dort, wo die Hersteller die Frage beantwortet haben, lautete die Antwort in nahezu allen Fällen, dass keine Schäden bekannt sind. Rückrufe werden hier offensichtlich ausgelöst, bevor etwas passiert, nicht danach.

Ein verwandter Befund steckt im Überwachungsstatus. Fünf der 37 Fälle sind als „nicht überwacht“ gekennzeichnet — und alle fünf stammen aus der Zeit bis April 2016. **Jeder der 29 danach veröffentlichten Fälle wird vom KBA überwacht oder ist noch in Untersuchung.** Die behördliche Begleitung von Reifenrückrufen ist also über die Jahre deutlich dichter geworden.

## Die DOT-Nummer entscheidet, ob Ihr Reifen gemeint ist

Wenn ein Rückruf bekannt wird, lautet die einzige Frage, die Sie wirklich interessiert: Ist mein Reifen dabei? Die Antwort steht nicht am Modellnamen, sondern an der [DOT-Nummer](https://www.reifentiefpreis.de/info/reifenalter) auf der Reifenflanke — jener Zeichenfolge, deren letzte vier Ziffern Produktionswoche und -jahr angeben.

Wie fein das Register werden kann, zeigt der erwähnte Platin-Rückruf mit dem einen betroffenen Reifen in Deutschland. Dort ist die Eingrenzung angegeben als „225/55R17 101V XL RP60 Winter, Formnummer: 238995, DOT-Seriennummer: AF 00 WHFD4121“. Ein einzelner Reifen, bis auf die Formnummer identifiziert. Beim Continental ContiEcoContact 5 nennt das Register die Dimension 235/55 R 17 103 H XL und den DOT-Bereich von Woche 40/2015 bis Woche 02/2021 — eine Spanne von mehr als fünf Jahren.

Und das ist der Punkt, an dem dieses Thema für jeden Reifenkäufer praktisch wird: **Produktionszeiträume in Rückrufen reichen oft erstaunlich weit zurück.** Der Matador-Fall umfasst neun Jahrgänge, ein Pirelli-Motorradrückruf von 2024 deckt den Zeitraum von November 2016 bis September 2024 ab, also fast acht Jahre. Ein Reifen, der heute montiert ist und vor Jahren produziert wurde, kann sehr wohl in einen Rückruf fallen, der erst kürzlich veröffentlicht wurde. Wie Sie die Prüfung konkret durchführen, steht in unserem [ausführlichen Ratgeber zum Prüfen eines Reifenrückrufs](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenrueckruf-pruefen).

## Motorradreifen sind auffällig oft dabei

Sieben der 35 Kraftfahrzeugfälle betreffen Motorradreifen — ein Anteil von einem Fünftel, der deutlich über dem Anteil liegt, den Motorräder am Fahrzeugbestand haben. Belastbare Schlüsse auf die Fertigungsqualität lässt diese Zahl nicht zu; bei sieben Fällen über 18 Jahre ist die Datenbasis dafür zu schmal. Festhalten lässt sich aber, dass es beim Motorrad regelmäßig um große Stückzahlen und um mehrere Profile gleichzeitig geht.

Der umfangreichste Fall stammt vom November 2024 und umfasst die Pirelli-Profile Scorpion Trail sowie Tourance Next und Tourance Next II: 62.526 Reifen weltweit, davon **14.061 in Deutschland** — nach dem Matador- und dem Fahrradrückruf die drittgrößte Zahl der gesamten Liste. Nur drei Monate später folgte ein Goodyear-Rückruf, der auf einen Schlag **13 verschiedene Dunlop-Profile** erfasste, vom Sportreifen bis zum Enduro- und Rollerreifen, bei einem Produktionszeitraum von nur drei Wochen.

Für Motorradfahrer heißt das vor allem eines: Die Sichtkontrolle vor der Fahrt ist hier keine lästige Pflichtübung. Profilausbeulungen und beginnende Laufflächenablösungen — genau die Mängel, die in diesen Einträgen beschrieben sind — zeigen sich am stehenden Rad früher als in der Kurve. Wer ersetzen muss, findet das Angebot unter [Motorradreifen für die Straße](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/motorrad/strasse).

## Was Sie daraus für den eigenen Reifenkauf mitnehmen

Aus 37 amtlichen Fällen lassen sich einige Regeln ableiten, die über den Einzelfall hinaus gelten:

1. **Notieren Sie die DOT-Nummer bei der Montage.** Nach dem Aufziehen sitzt sie je nach Radstellung schwer einsehbar. Ein Foto der vier Flanken beim Reifenwechsel kostet eine Minute und macht jede spätere Rückrufprüfung zur Sache von Sekunden.
2. **Vergleichen Sie die vollständige Bezeichnung, nicht nur Modell und Größe.** Der Bridgestone-Fall zeigt, dass die Tragfähigkeitskennung Teil der Eingrenzung sein kann. 109/107T und 106T sind nicht dasselbe.
3. **Nehmen Sie Vibrationen und Laufgeräusche ernst.** Mehrere Registereinträge beschreiben genau diese Symptome als Vorboten einer Laufflächenablösung. Ein Reifen, der sich verändert, gehört in die Werkstatt — unabhängig davon, ob gerade ein Rückruf läuft.
4. **Bei Anhängern und Wohnwagen ist der Luftdruck die halbe Miete.** Der größte Fall des Registers geht genau darauf zurück.
5. **Lassen Sie sich von weltweiten Stückzahlen nicht beeindrucken.** 87.762 weltweit können elf in Deutschland bedeuten. Fragen Sie immer nach der Zahl für den deutschen Markt.

Und die vielleicht wichtigste Einordnung: Zwei Reifenrückrufe pro Jahr, in aller Regel ohne einen einzigen gemeldeten Schaden, sind kein Grund zur Beunruhigung. Sie sind das sichtbare Zeichen dafür, dass das System funktioniert — Hersteller finden Abweichungen, melden sie und ziehen die Ware zurück, bevor etwas geschieht.

## Häufige Fragen

### Wie erfahre ich überhaupt von einem Reifenrückruf?

In der Regel gar nicht automatisch. Da Reifen nicht auf einen Halter zugelassen sind, existiert keine Adressliste, über die Sie angeschrieben werden könnten. Informiert wird über den Fachhandel, über die Rückrufseiten der Hersteller und über die öffentlich zugängliche KBA-Datenbank. Wer einen Satz Reifen neu gekauft hat, ist deshalb gut beraten, Modell, Größe und DOT-Nummer zu dokumentieren und bei einer Meldung in der Presse selbst nachzusehen.

### Heißt eine lange Rückrufliste, dass eine Marke schlechter ist?

Nein — aus mehreren Gründen nicht. Erstens verzeichnet das Register den Verantwortlichen für das Inverkehrbringen, sodass ein Konzern mit mehreren Reifenmarken zwangsläufig häufiger auftaucht als ein Einzelanbieter. Zweitens hängt die Zahl der Einträge unmittelbar an Produktions- und Absatzmenge im deutschen Markt. Drittens — und das wiegt am schwersten — setzt ein Rückruf voraus, dass ein Hersteller eine Abweichung überhaupt findet, dokumentiert und meldet. Ein Eintrag im Register belegt ein funktionierendes Qualitätssystem, kein mangelhaftes. Als Qualitätsrangliste taugt diese Liste deshalb nicht.

### Was passiert mit zurückgerufenen Reifen im Handel?

Die im Register genannten Maßnahmen reichen vom Austausch der betroffenen Reifen über eine Kontrolle mit anschließendem Austausch im Bedarfsfall bis zur vollständigen „Rücknahme des Produkts vom Markt“, wie sie im Bridgestone-Fall vorgesehen ist. Betroffene Chargen dürfen nicht weiterverkauft werden; für Kunden ist der Austausch in diesen Fällen kostenlos. Entscheidend ist dabei immer die Eingrenzung des Herstellers — betroffen ist nie ein Modell als Ganzes, sondern stets eine bestimmte Größe, Ausführung und Produktionsspanne.

## Fazit

Die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes ist eine der wenigen öffentlich zugänglichen Quellen, die ohne Marketingfilter zeigen, was bei Reifen tatsächlich schiefgeht. Ihre Bilanz über 18 Jahre: 37 Fälle, zwei Jahre ganz ohne, ein einziger Eintrag mit gemeldetem Sachschaden und kein einziger mit Personenschaden. Fast immer geht es um dieselben zwei Mängel — sich lösende Laufflächen und plötzlichen Luftverlust — und fast immer greift der Rückruf, bevor etwas passiert ist.

Für Sie als Fahrer bleiben daraus zwei Dinge: die DOT-Nummer als einziges verlässliches Prüfmerkmal und die Gewissheit, dass ein Reifenrückruf ein seltenes Ereignis ist. Wenn es dennoch einen Satz Reifen zu ersetzen gilt, finden Sie das passende Angebot in unserem Shop.


Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenrueckrufe-kba-register
