# Das Rad, das niemand kontrolliert: zwölf Rückrufe, weil sich das Reserverad lösen kann

Veröffentlicht: 28.10.2026 · Aktualisiert: 28.10.2026 · Kategorie: Technik & Sicherheit · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: Reserverad, Ersatzrad, Rückruf, KBA, Transporter, Sicherheit

Titelbild: https://www.reifentiefpreis.de/bild/blog/ersatzrad-unterboden-halterung.jpg

Es ist das einzige Rad am Auto, das niemand kontrolliert. Vier Räder drehen sich, werden gewuchtet, gewechselt und beim TÜV begutachtet — und ein fünftes hängt bei vielen Transportern, Pick-ups und Vans ungesehen unter dem Fahrzeugboden, gehalten von einer Blechplatte und einem Stahlseil. Solange nichts passiert, denkt niemand daran. Und wenn doch etwas passiert, dann nicht auf dem Parkplatz, sondern bei Tempo 100 auf der Autobahn.

Wir haben den vollständigen Datenbestand der Rückrufdatenbank des [Kraftfahrt-Bundesamtes](https://www.kba-online.de/rrdb/buerger/) heruntergeladen und ausgewertet — 7.928 Fahrzeugrückrufe, Stand 27. Oktober 2026, 12:00 Uhr. Die Frage: Wie oft hat ein Hersteller seine Fahrzeuge zurückgerufen, weil sich ausgerechnet das Reserverad lösen und auf die Fahrbahn fallen kann? Die Antwort ist in zweierlei Hinsicht überraschend — in der Zahl und in dem, was seit fünf Jahren nicht mehr passiert.

## Was im Rückrufregister des KBA wirklich steht

Das Kraftfahrt-Bundesamt stellt seine Rückrufdatenbank nicht nur als durchsuchbare Weboberfläche bereit, sondern auch als vollständigen CSV-Export. Genau diesen Export haben wir gezogen: 7.928 Datensätze zu Fahrzeugrückrufen, jeder mit Referenznummer, Veröffentlichungsdatum, Marke, Modell, Produktionszeitraum, Mangelbeschreibung, Abhilfemaßnahme und den Stückzahlen weltweit und deutschlandweit.

Die Auswertung lief in zwei Durchgängen. Der erste suchte nach den Bauteilbegriffen — Ersatzrad, Reserverad, Notrad, Ersatzradwinde, Ersatzradmulde, Reserveradhalter und weiteren Varianten. Das ergab **22 Treffer**. Der zweite Durchgang suchte bewusst *nicht* nach dem Bauteil, sondern nach der Folge: Lösen des Rades, Verlust des Rades, Herabfallen, Unterboden, Haltevorrichtung, Winde, Seilwinde. Dieser zweite Sweep lieferte 114 Treffer, von denen 107 im ersten nicht enthalten waren — aber nach Durchsicht jeder einzelnen Zeile war **kein einziger echter Reserverad-Fall** darunter. Die 107 gehören sämtlich zu anderen Mängelfamilien: Radnaben, Radschrauben, Bremsen, Heckklappen, Unterbodenverkleidungen, Brandgefahr.

Das ist ein Ergebnis, das man nennen muss, auch wenn es unspektakulär klingt: Anders als bei unseren früheren Registerauswertungen zur [Radbefestigung](https://www.reifentiefpreis.de/blog/radbefestigung-rueckrufe-kba) und zu den [Reifenrückrufen im selben Register](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenrueckrufe-kba-register) war der Begriffs-Sweep hier vollständig. Die Hersteller beschreiben diesen Mangel offenbar immer mit dem Wort, das man erwartet.

Von den 22 Bauteil-Treffern haben wir jeden einzelnen gelesen und von Hand einsortiert. Nur **zwölf** beschreiben tatsächlich, dass sich das Reserverad selbst lösen und in den Verkehrsraum gelangen kann. Zwölf von 7.928 Fahrzeugrückrufen sind **0,15 Prozent**. Die übrigen zehn Treffer sind etwas anderes — dazu weiter unten mehr, denn gerade das Aussortieren ist der Teil, an dem eine solche Auswertung schiefgehen kann.

## Zwölf Rückrufe, 111.267 Fahrzeuge in Deutschland

Die zwölf Fälle zusammengerechnet: **111.267 potenziell betroffene Fahrzeuge in Deutschland** — hier liegt zu allen zwölf Einträgen eine Angabe vor. Weltweit sind es **1.431.141 Fahrzeuge**, allerdings nur aus zehn der zwölf Einträge, denn bei zwei älteren Fällen führt das Register keine weltweite Stückzahl. Wir nennen die Grundgesamtheit ausdrücklich mit, weil eine Summe ohne diese Angabe eine Genauigkeit vortäuschen würde, die sie nicht hat.

Chronologisch reichen die Fälle von 2008 bis Juli 2021. Dabei ist eine Eigenheit des Registers zu beachten: **545 der 7.928 Datensätze** tragen das Veröffentlichungsdatum 1. Januar 2008 — das ist erkennbar ein Sammeldatum aus dem Aufbau der Datenbank und kein echter Veröffentlichungstag. Einer unserer zwölf Fälle fällt darunter, der Rückruf des Reisemobilherstellers Bürstner für Aufbauten auf Citroën Jumper und Fiat Ducato der Baujahre 2001 bis 2006 mit 2.557 Fahrzeugen in Deutschland — wann er tatsächlich veröffentlicht wurde, lässt sich dem Export nicht entnehmen. Der älteste Fall mit einem belastbaren Datum ist damit der Mercedes-Benz-Rückruf vom 17. Dezember 2008, auf den wir gleich zurückkommen.

Die Mangelbeschreibungen sind erstaunlich gleichförmig. Hinter den zwölf Registereinträgen stecken nur **acht verschiedene Mangeltexte** — weil ein einziger Mangel gleich fünf Einträge erzeugt hat. Das ist kein Datenfehler, sondern die Logik des Registers: Es erfasst pro Inverkehrbringer, nicht pro technischer Ursache. Wer Fallzahlen aus einem solchen Register veröffentlicht, muss beides nennen, sonst zählt er Marken statt Mängel.

## Ein Mangel, fünf Transporter: die Ersatzradwinde von 2011

Der mit Abstand größte Komplex stammt aus dem Jahr 2011, und er trifft genau die Fahrzeuge, die ein Reserverad unter dem Boden tragen. Fünf Registereinträge, fünf Marken, ein wortgleicher Satz: „Das Ersatzrad kann sich nach Benutzung der Ersatzradwinde während der Fahrt vom Fahrzeug lösen.“

Betroffen waren Renault Master (Baujahre 2009 bis 2010, 1.665 Fahrzeuge in Deutschland), Opel Movano (2010, 1.057), Citroën Jumper III (2006 bis 2010, 10.282), Fiat Ducato (2006 bis 2010, 33.905) und Peugeot Boxer (2005 bis 2010, 6.097). Die beiden erstgenannten wurden am selben Tag veröffentlicht, dem 7. Juli 2011; die übrigen drei folgten im September und Oktober desselben Jahres. Dahinter stehen zwei Fahrzeugfamilien: Master und Movano teilen sich eine Plattform, Ducato, Boxer und Jumper eine zweite.

Zusammen sind das **53.006 Fahrzeuge in Deutschland** — **47,6 Prozent** aller 111.267, also knapp die Hälfte des gesamten deutschen Bestands dieser Auswertung aus einem einzigen Konstruktionsfehler. Bemerkenswert ist die Formulierung: Das Rad löst sich *nach Benutzung* der Winde. Es ging also nicht um Fahrzeuge, die ab Werk falsch montiert waren, sondern um einen Mechanismus, der beim Wiederhochkurbeln nach einem Reifenwechsel nicht mehr sicher verriegelte. Wer nie eine Panne hatte, war nie gefährdet. Wer eine hatte, fuhr danach möglicherweise mit einem Rad unter dem Heck, das nur noch locker hing.

Die Abhilfen unterschieden sich dementsprechend: Renault tauschte die Reserveradwinde vorsorglich, Opel ersetzte das komplette Windensystem, Peugeot verbaute ein neu entwickeltes Teil, Citroën kontrollierte und tauschte bei Bedarf, Fiat wechselte den Reserveradhalter.

## Der größte deutsche Fall ist fast zwei Jahrzehnte alt

Die höchste deutsche Stückzahl der gesamten Auswertung stammt nicht aus dem Windenkomplex, sondern vom 17. Dezember 2008: Mercedes-Benz Vito und Viano der Baujahre 2003 bis 2008, **44.248 Fahrzeuge in Deutschland**. Die Mangelbeschreibung ist die ausführlichste und zugleich beunruhigendste der zwölf: „Aufgrund eines Bruchs der Haltevorrichtung kann es zu einem Verlust des unterbodenseitig angebrachten Reserverades kommen. Das Reserverad kann sich im Fahrbetrieb absenken und eventuell vom Fahrzeug lösen.“

Das Absenken ist der entscheidende Zwischenschritt. Ein Rad, das sich löst, fällt — ein Rad, das sich absenkt, schleift zunächst und wird dann unter das eigene Fahrzeug oder in den nachfolgenden Verkehr geschleudert. Für den Fahrer ist das kaum vorher bemerkbar, weil die Halterung außerhalb des Sichtfelds liegt und das Gewicht eines einzelnen Rades im Fahrverhalten eines Transporters nicht auffällt.

Rechnet man den Vito/Viano-Fall und den Ducato-Fall zusammen, kommt man auf 78.153 Fahrzeuge — **70,2 Prozent** des deutschen Gesamtbestands dieser Auswertung aus nur zwei der zwölf Einträge. Die Verteilung ist also extrem schief: Es gibt zwei sehr große Fälle, einen mittleren Block und mehrere Fälle mit Stückzahlen im drei- bis vierstelligen Bereich.

## 996.500 Fahrzeuge weltweit — und 121 in Deutschland

Der weltweit mit Abstand größte Fall spielt in Deutschland praktisch keine Rolle. Am 11. Juli 2014 rief Toyota den Sienna der Baujahre 2004 bis 2011 zurück: „Das Seil der Winde zur Befestigung des Reserverades kann abreißen, das Rad kann auf die Fahrbahn fallen.“ **996.500 Fahrzeuge weltweit** — und **121 in Deutschland**, weil der Sienna ein nordamerikanischer Van ist, der hier nie regulär verkauft wurde.

Diese Spreizung zeigt, warum man weltweite Rückrufzahlen nicht ungeprüft als Maß für ein hiesiges Risiko nehmen darf. Dasselbe gilt in die andere Richtung: Der kleinste Fall der Auswertung betrifft 87 Fahrzeuge in Deutschland, einen Rückruf für MAN TGS und TGX aus dem Jahr 2021 wegen fehlerhafter Verschraubung — eine winzige Zahl, aber bei einer Sattelzugmaschine ein Reserverad mit einem Gewicht, bei dem die Folgen eines Verlusts eine ganz andere Dimension haben als bei einem Kleinwagen.

Zwischen diesen Polen liegen die übrigen Fälle: VW Amarok (2016 bis 2020, 207.243 weltweit, 9.100 in Deutschland), Peugeot 5008 (2018 bis 2019, 35.788 weltweit, 1.331 in Deutschland) und MINI (2013 bis 2014, 19.700 weltweit, 817 in Deutschland). Beim MINI war es nicht das Rad allein: „Mutter am Halteblech der Notradwanne kann sich lösen, dadurch könnte das Notrad und die Notradwanne in den Verkehrsraum fallen.“ Abhilfe war der Tausch der Flanschmutter gegen eine selbstsichernde.

## Seit Juli 2021 kein einziger Fall mehr

Der jüngste Rückruf dieser Art im Register ist der MAN-Fall vom 9. Juli 2021. Danach: nichts. In einem Datenbestand, der bis zum 27. Oktober 2026 fortgeschrieben ist, liegen **mehr als fünf Jahre** ohne einen einzigen weiteren Rückruf, bei dem sich ein Reserverad lösen kann.

Diese Lücke ist der eigentliche Befund dieser Auswertung — und wir wollen sie ausdrücklich nur benennen, nicht erklären. Das Register enthält keine Angaben darüber, wie viele Neufahrzeuge überhaupt noch mit einem unterbodenseitig montierten Reserverad ausgeliefert werden, und ohne diese Bezugsgröße wäre jede Deutung über die Ursache eine Vermutung. Dass seit Juli 2021 kein solcher Fall mehr auftaucht, kann an veränderter Konstruktion liegen, an veränderter Ausstattung oder schlicht daran, dass ein Mangel dieser Art Jahre braucht, bis er auffällt und ins Register gelangt. Wir haben die Zahl, nicht den Grund — und sagen das lieber, als eine plausible Geschichte zu erfinden.

Wer sich fragt, ob das eigene Fahrzeug betroffen ist: Alle zwölf Fälle liegen so weit zurück, dass die Abhilfemaßnahmen längst gelaufen sind. Trotzdem lohnt der Blick, denn bei einem Gebrauchtwagen weiß man nie, ob ein Rückruf tatsächlich abgearbeitet wurde. Wie das geht, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben: [Reifenrückruf prüfen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenrueckruf-pruefen).

## Zwölf von zwölf überwacht — und null von vier

Eine Spalte des Registers wird selten beachtet, obwohl sie viel über die Einschätzung der Behörde verrät: „Überwachung der Rückrufaktion durch das KBA“. Bei den zwölf Reserverad-Fällen steht **zwölfmal „überwacht“** — ausnahmslos. Das Amt hat also in jedem einzelnen Fall den Rücklauf kontrolliert, statt dem Hersteller die Abwicklung allein zu überlassen.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf eine andere Gruppe aus denselben 22 Treffern. Vier Einträge betreffen das Notrad nicht als loses Bauteil, sondern als Informations- oder Kompatibilitätsmangel — falsche Luftdruckangabe, ein nicht haftender Geschwindigkeitsaufkleber, eine fehlende Funktion im Steuergerät. Bei diesen vier steht **null mal „überwacht“**, bei allen vier ausdrücklich „nicht überwacht“.

Der Kontrast ist sauber und aussagekräftig: Ein Rad, das auf die Fahrbahn fallen kann, wird behördlich nachverfolgt; ein falscher Aufkleber nicht. Dass die Fallzahlen so klein sind, muss man dabei mitsagen — zwölf und vier sind keine Stichproben, aus denen sich eine allgemeine Regel ableiten ließe. Es ist eine vollständige Auszählung eines kleinen Bestands, nicht eine Hochrechnung.

Was das Register dagegen fast gar nicht hergibt, sind tatsächliche Schadensfälle. Die Spalte „Bekannte Vorfälle mit Sach- und/oder Personenschäden“ ist bei elf der zwölf Fälle leer oder trägt einen Strich. Nur in einem Eintrag steht eine konkrete Angabe, beim VW Amarok: „Ein Unfall in Argentinien bekannt.“ Eine Quote lässt sich daraus nicht bilden, denn ein leeres Feld bedeutet nicht null — es bedeutet, dass nichts erfasst ist. Belastbar ist nur dieser Satz: In genau einem der zwölf Fälle ist überhaupt ein Vorfall vermerkt, und er ereignete sich nicht in Deutschland.

## Wenn das Notrad die Elektronik austrickst

Die Gruppe der vier Informationsmängel ist für die Praxis sogar interessanter als die zwölf Radverluste, weil ihre Ursachen bis heute fortbestehen. Der aufschlussreichste Fall betrifft Alfa Romeo Spider und GTV der Baujahre 2003 bis 2006 mit **6.101 Fahrzeugen in Deutschland**: „Fehlende Ausgleichsfunktion im ABS-Steuergerät bei Verwendung des Notrades führt zum Ausfall von ABS und ESP (ausgenommen sind Fahrzeuge mit 3.2L Hubraum und Benzinmotor).“

Das ist ein Satz zum Zweimal-Lesen. Ein Notrad ist kleiner als ein normales Rad und dreht sich deshalb schneller. Das Steuergerät interpretiert die abweichende Drehzahl als Schlupf — und wenn es dafür keine Ausgleichsrechnung besitzt, schaltet es die Systeme ab, die genau in der Situation helfen sollen, in der man gerade fährt: mit einem provisorischen Rad, vermutlich angespannt, vermutlich auf dem Weg zur nächsten Werkstatt.

Moderne Fahrzeuge beherrschen diese Ausgleichsrechnung, und ein abgeschaltetes ESP wird heute im Display angezeigt. Das Grundproblem bleibt aber bestehen und ist der sachliche Grund hinter der Tempobegrenzung, die auf jedem Notrad steht. Warum diese 80 km/h gelten, obwohl die Reifen selbst viel höher freigegeben sind, haben wir an unserem eigenen Sortiment durchgerechnet: [37 Notradreifen im Regal](https://www.reifentiefpreis.de/blog/notradreifen-regal-check).

Die übrigen drei Fälle dieser Gruppe sind kleiner, aber vom selben Typ: Peugeot 407 (894 Fahrzeuge, falscher Notrad-Luftdruck auf dem Aufkleber an der A-Säule, während die Angabe auf dem Rad selbst stimmte), Renault Trafic (568 Fahrzeuge, falsche Druckangaben auf dem Informationsschild) und Jaguar XJ, S-Type und X-Type (177 Fahrzeuge, ein Geschwindigkeitsbegrenzungsschild am Notrad, das nicht ausreichend haftete).

## Nicht jeder Treffer ist ein Radverlust: was wir aussortiert haben

Von den 22 Bauteil-Treffern bleiben sechs, die wir bewusst nicht zu den zwölf gezählt haben — und dieser Schritt entscheidet darüber, ob eine Registerauswertung stimmt oder nur gut aussieht.

Drei Fälle beschreiben, dass ein **Blech aus der Ersatzradregion** auf die Fahrbahn fallen kann, nicht das Rad. Peugeot Partner (2009, 177 Fahrzeuge) und Citroën Berlingo (2009, 363 Fahrzeuge) hatten praktisch denselben Mangel: Die Halterung des Hitzeschutzblechs am Ersatzradkäfig kann durch Vibrationen beschädigt werden, worauf sich ein Teil des Blechs lösen kann. Bei der Mercedes-Benz A-Klasse (2019, 3.647 weltweit, 1.528 in Deutschland) führte Rissbildung im Bereich der Ersatzradmulde dazu, dass ein Teil eines Abschirmblechs in den Verkehrsraum gelangen kann. Gefährlich ist das durchaus — aber es ist ein anderer Mangel, und ihn mitzuzählen würde die Überschrift falsch machen.

Drei weitere Fälle nennen das Reserverad nur beiläufig. Beim VW Touareg sammelt sich Wasser in der Reserveradmulde und kann die Hochvoltbatterie kurzschließen; beim Dodge Ram fehlt ein Hitzeschild zwischen Abgasanlage und Reserverad. Der dritte ist der lehrreichste: Bei Mercedes-Benz GLE und ML führt Wassereintritt zu einem Problem am Steuergerät der Kraftstoffpumpe — das Wort „Ersatzradmulde“ steht ausschließlich in der *Abhilfemaßnahme*, weil dort eine Ablauftülle nachgerüstet wird. Dieser eine Eintrag umfasst **1.058.481 Fahrzeuge weltweit**. Hätten wir ihn mitgezählt, wäre unsere weltweite Summe von 1.431.141 auf 2.489.622 gesprungen, ein Plus von rund 74 Prozent — und die ganze Auswertung wäre falsch gewesen, ohne dass es jemand gemerkt hätte.

## Was Sie an Ihrem eigenen Fahrzeug prüfen können

Aus zwölf historischen Rückrufen lässt sich für den Alltag mehr ableiten, als die Zahlen vermuten lassen. Denn die Schwachstellen, die diese Rückrufe ausgelöst haben, sind keine Konstruktionsgeheimnisse: Sie betreffen die Halterung, das Windenseil und die Verschraubung — also genau die drei Dinge, die bei jedem unterbodenseitig getragenen Reserverad altern.

Am wichtigsten ist der Zeitpunkt, der in fünf der zwölf Fälle ausdrücklich genannt wird: **nach der Benutzung**. Wer das Reserverad heruntergekurbelt und das defekte Rad wieder hochgezogen hat, sollte die Halterung nicht nur festziehen, sondern nach ein paar Kilometern noch einmal kontrollieren — dieselbe Logik wie beim Nachziehen der Radschrauben nach einem Radwechsel, die wir im [Ratgeber zum Radwechsel](https://www.reifentiefpreis.de/blog/raeder-selbst-wechseln) ausführlich erklärt haben. Ein Windenmechanismus, der zehn Jahre unbenutzt unter dem Fahrzeug gehangen hat, verriegelt nicht zwangsläufig so sauber wie am ersten Tag.

Zweitens lohnt der Blick auf das Seil selbst, sofern es sichtbar ist. Der Toyota-Fall war ein Seilriss, und ein Stahlseil, das jahrelang Salz, Spritzwasser und Streugut ausgesetzt war, rostet von innen. Sichtbare Rostfahnen, aufgespleißte Litzen oder ein Seil, das sich beim Kurbeln ruckartig bewegt, sind Gründe für einen Werkstattbesuch.

Drittens: das Rad selbst. Ein Reserverad, das zehn Jahre unbewegt unter dem Auto hängt, hat nicht nur Luft verloren, sondern altert auch als Gummiteil — und ein Rad, das lange in derselben Position ruht, kann Standplatten entwickeln, wie wir im Beitrag zum [Standplatten](https://www.reifentiefpreis.de/blog/standplatten-reifen-vermeiden) beschrieben haben. Prüfen Sie Luftdruck und DOT-Nummer mindestens einmal im Jahr, am besten beim saisonalen Radwechsel, wenn das Fahrzeug ohnehin aufgebockt ist.

## Wenn das Reserverad fehlt oder unbrauchbar ist

Viele der betroffenen Fahrzeuge sind heute Gebrauchtwagen, und bei Transportern dieser Baujahre ist das Reserverad oft das am schlechtesten gepflegte Teil am ganzen Auto — platt, überaltert oder schlicht nicht mehr vorhanden. Ersatz ist unkompliziert, solange man die richtige Größe nimmt.

Für die Ducato-, Boxer- und Jumper-Familie, die den größten Block dieser Auswertung stellt, ist **225/75 R16C** die gängige Dimension. In dieser Größe haben wir am 28. Oktober 2026 um 00:30 Uhr **233 lieferbare Ausführungen** im Sortiment; die Aufteilung nach Saison ergibt 112 Sommer-, 57 Winter- und 64 Ganzjahresreifen, zusammen wieder 233. Die drei günstigsten lieferbaren Ausführungen zu diesem Zeitpunkt waren [Landspider DURATRAXX VAN 225/75 R16C 121R](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/landspider-duratraxx-van-225-75-r16c-121r-162600) für 66,83 Euro, [Goodride H188 225/75 R16C 118R](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/goodride-h188-225-75-r16c-118r-167419) für 67,79 Euro und [Sailun COMMERCIO PRO 225/75 R16C 121R](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/sailun-commercio-pro-225-75-r16c-121r-164998) für 70,33 Euro.

Wichtig dabei: Welcher **Tragfähigkeitsindex** für Ihr Fahrzeug zulässig ist, steht in den Fahrzeugpapieren — bei Transportern derselben Baureihe unterscheidet er sich je nach zulässigem Gesamtgewicht, und genau diese Angabe darf man nicht nach Gefühl wählen. Warum Transporterreifen überhaupt eigene Regeln haben und was das C in der Größenbezeichnung bedeutet, erklären wir am Beispiel einer anderen häufigen Dimension im Beitrag zu [Transporterreifen in 215/65 R16](https://www.reifentiefpreis.de/blog/transporterreifen-215-65-r16).

Einen Überblick über das gesamte Angebot für diese Fahrzeugklasse gibt unsere Kategorie [Van- und Transporter-Reifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/van-transporter) — dort lagen zum selben Zeitpunkt 4.340 lieferbare Reifen, aufgeteilt in 1.930 Sommer-, 1.149 Winter- und 1.261 Ganzjahresreifen. Wer nur die passende Größe sucht, kommt über die Größenseite [225/75 R16](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/225-75-r16) direkt ans Ziel.

## Häufige Fragen

### Woher weiß ich, ob mein Fahrzeug von einem dieser Rückrufe betroffen war?

Über die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes lässt sich nach Marke und Modell suchen; entscheidend ist der angegebene Produktionszeitraum. Ob der Rückruf an einem konkreten Fahrzeug tatsächlich abgearbeitet wurde, kann allerdings nur eine Vertragswerkstatt über die Fahrgestellnummer feststellen. Gerade beim Gebrauchtwagenkauf ist das eine lohnende Frage, weil offene Rückrufe mit dem Fahrzeug den Besitzer wechseln.

### Muss ich in Deutschland überhaupt ein Reserverad mitführen?

Nein. Eine Mitführpflicht für Ersatzrad, Notrad oder Pannenset gibt es in Deutschland nicht — anders als bei Warndreieck, Warnweste und Verbandkasten. Welche der drei Lösungen für welchen Einsatz sinnvoll ist und wo die jeweiligen Grenzen liegen, haben wir im Beitrag [Ersatzrad, Notrad oder Pannenset](https://www.reifentiefpreis.de/blog/ersatzrad-notrad-pannenset) gegenübergestellt.

### Wie alt darf ein Reserverad sein?

Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht, wohl aber eine praktische: Gummi altert auch ohne Fahrbetrieb, und ein Reserverad liegt oder hängt meist über die gesamte Fahrzeuglebensdauer unbewegt. Die vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke nennt Produktionswoche und -jahr. Wer ein zehn Jahre altes Reserverad findet, sollte es vor der nächsten langen Fahrt ersetzen — es nützt im Ernstfall nichts, wenn es beim Aufpumpen reißt.

### Warum gilt auf einem Notrad Tempo 80, obwohl der Reifen höher freigegeben ist?

Weil die Begrenzung nicht dem Reifen gilt, sondern dem Fahrzustand. Ein schmaleres Notrad verändert Spurbreite, Abrollumfang und Bremsverhalten, und in älteren Fahrzeugen kann es — wie der Alfa-Romeo-Rückruf oben zeigt — sogar die Regelsysteme aushebeln. Die Geschwindigkeitsfreigabe des Reifens selbst sagt darüber nichts aus; maßgeblich ist die Angabe des Fahrzeugherstellers auf dem Rad und in der Betriebsanleitung.

Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/reserverad-rueckrufe-kba
