# Der Nachfolger ist lauter: 64 Reifenpaare zeigen, was beim Generationswechsel wirklich passiert

Veröffentlicht: 29.09.2026 · Aktualisiert: 30.09.2026 · Kategorie: Reifenlabel & EU-Kennzeichnung · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: EU-Reifenlabel, Rollgeräusch, Modellgeneration, Nasshaftung, Reifenkauf

Titelbild: https://www.reifentiefpreis.de/bild/blog/reifenlabel-rollgeraeusch.jpg

Wer einen Reifen durch seinen Nachfolger ersetzt, erwartet in jeder Disziplin einen Fortschritt. Auf dem EU-Reifenlabel bekommt er ihn auch — bei einer der drei Angaben aber auffällig oft nicht. Ausgerechnet bei der, die am harmlosesten aussieht: der Dezibelzahl.

Wir haben am 29. September 2026 in den acht meistgefragten Pkw-Größen unseres Sortiments jede lieferbare Sommer- und Winterausführung erfasst — zusammen 3.585 bereinigte Einträge — und daraus alle Paarungen herausgesucht, bei denen zwei Generationen derselben Baureihe gleichzeitig im Regal stehen. In 32 von 64 dieser Paarungen trägt der Neuere eine **höhere** Dezibelzahl als sein Vorgänger. Leiser ist er nur in 20 Fällen. Das klingt nach Rückschritt, ist aber vor allem ein Missverständnis darüber, was diese Zahl überhaupt beschreibt.

## Was die Dezibelzahl auf dem Etikett wirklich misst

Das [EU-Reifenlabel](https://www.reifentiefpreis.de/info/reifenlabel) macht drei Angaben: Kraftstoffeffizienz und Nasshaftung jeweils als Klasse von A bis E, dazu das Rollgeräusch als Zahl in Dezibel. Die ersten beiden liest fast jeder richtig — A ist besser als E. Bei der dritten fangen die Missverständnisse an, und sie beginnen bei einem einzigen Wort, das in der Verordnung davorsteht: Gemessen wird das **externe** Rollgeräusch.

Die [Verordnung (EU) 2020/740](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A32020R0740) legt in Anhang I Teil C fest, dass dieser Messwert in Dezibel anzugeben und nach Anhang 3 der UNECE-Regelung Nr. 117 zu ermitteln ist — jener Regelung, die laut ihrem eigenen Titel die Genehmigung von Reifen hinsichtlich der Rollgeräusch**emissionen** regelt. Es geht also um das, was der Reifen nach außen abgibt. Die Verordnung sagt auch, warum: Die Angabe soll helfen, den Verkehrslärm zu begrenzen, und nimmt dabei ausdrücklich Bezug auf die europäische Umgebungslärm-Richtlinie 2002/49/EG. Adressat dieser Zahl sind die Menschen am Straßenrand — nicht die im Auto.

**Was Sie am Steuer hören, steht auf dem Label also gar nicht.** Das Innenraumgeräusch hängt zusätzlich von Dämmung, Karosserie, Radaufhängung und vor allem vom Fahrbahnbelag ab. Wer es gezielt senken will, landet bei einer ganz anderen Technik — den [Schaumstoffeinlagen im Reifeninneren](https://www.reifentiefpreis.de/blog/silent-reifen-schaumstoff), die mit dem Messwert auf dem Etikett nichts zu tun haben.

Und noch etwas steckt hinter der nackten Zahl: Sie allein verrät nicht, wie gut der Reifen dasteht. Die Verordnung teilt jeden Reifen anhand eines Grenzwerts in eine von drei Geräuschklassen ein — die beste erreicht, wer mindestens 3 Dezibel unter diesem Grenzwert bleibt, die schlechteste, wer darüber liegt. Der Grenzwert selbst stammt aus der Verordnung (EG) Nr. 661/2009 und richtet sich unter anderem nach Reifenklasse und Reifenbreite. Zwei Reifen mit derselben Dezibelzahl können deshalb in unterschiedlichen Klassen landen. Wie das Abrollgeräusch überhaupt entsteht und was Sie selbst dagegen tun können, steht in unserem [ausführlichen Ratgeber zum Reifengeräusch](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifengeraeusch-leise-reifen).

Für alles Weitere zählt nur dieser eine Punkt: Die Dezibelzahl ist eine genormte Emissionsangabe, keine Komfortnote.

## Wie wir gezählt haben

Grundlage sind die acht meistgefragten Pkw-Größen: 205/55 R16, 195/65 R15, 225/45 R17, 215/65 R16, 205/60 R16, 225/50 R17, 185/65 R15 und 215/60 R16. Für jede haben wir das vollständige Sommer- und Winterangebot erfasst — keine Stichprobe, sondern jede einzelne Ausführung mit Marke, Modell, Index, Preis und Etikettwerten. Nach Abzug der Preisausreißer blieben 2.241 Sommer- und 1.344 Winterausführungen übrig.

Daraus haben wir Generationspaare gebildet, nach vier bewusst strengen Regeln:

- **Gleiche Größe, gleicher Index.** Verglichen wird nur, was wirklich vergleichbar ist. Ein 91H gegen einen 94V zu stellen, würde Unterschiede messen, die vom Index kommen und nicht von der Generation.
- **Die Reihenfolge muss aus dem Namen folgen.** Aufgenommen haben wir nur Baureihen mit einem schlichten Generationszähler: Primacy 3 vor 4 vor 5, Alpin 5 vor Alpin 7, Roadhawk vor Roadhawk 2. Dreistellige Typnummern gelten nicht als Generationsangabe.
- **Im Zweifel draußen.** Wo sich die Reihenfolge nicht zwingend aus der Nummerierung ergibt, bleibt die Familie außen vor. Das bekannteste Beispiel steht bei Goodyear im Regal: Der „UltraGrip Performance Gen-1" steht dort neben dem „UltraGrip Performance 2" und dem „3" — aus der Ziffer allein lässt sich nicht ableiten, was hier worauf folgt. Auch Namenszusätze wie „+" oder „Energy" haben wir nie als Generationswechsel gewertet; das sind eigenständige Produkte.
- **Preisausreißer raus.** Alles, was mehr als das Dreifache des Medians seiner eigenen Größe kostet, fliegt vor jeder Preisaussage heraus — sonst verzerrt ein einzelner Datensatz jeden Mittelwert.

Übrig bleiben 64 Paarungen aus 49 verschiedenen Kombinationen von Baureihe, Größe und Index. Eine kleine, aber saubere Stichprobe: dieselbe Größe, derselbe Index, dasselbe Regal, derselbe Tag.

## Beim Nassgriff gewinnt der Neue, bei den Dezibel verliert er

Das Gesamtbild über alle 64 Paarungen ist in zwei Richtungen deutlich — und zwar in entgegengesetzte.

Bei der **Nasshaftung**, der sicherheitsrelevanten Klasse, ist der Nachfolger 30-mal besser, 30-mal gleich und nur 4-mal schlechter. Das ist ein klarer Fortschritt. Bei der **Kraftstoffeffizienz** herrscht Patt: 20-mal besser, 24-mal gleich, 20-mal schlechter. Und beim **Rollgeräusch** kippt es: 20-mal leiser, 12-mal gleich, 32-mal lauter. Die höhere Dezibelzahl ist damit das häufigste Einzelergebnis des ganzen Vergleichs.

Die Größenordnung dieser Verschlechterung ist allerdings klein. Der Median der Differenz liegt bei genau einem Dezibel, die Spanne reicht von −7 bis +3. Der Ausreißer nach unten zeigt, wie groß der Abstand über mehrere Generationen werden kann: Der Continental ContiSportContact 3 steht in 225/45 R17 91W mit 78 Dezibel und der Etikettkombination E/E im Regal, der zwei Generationen jüngere ContiSportContact 5 mit 71 Dezibel und C/B — sieben Dezibel leiser und in beiden Klassen deutlich besser. Nach oben dagegen sind drei Dezibel das Maximum.

Beim Preis gibt es keinen Aufschlag für das Neue: In 27 von 64 Paarungen ist der Nachfolger teurer, in den übrigen 37 günstiger. Wer also glaubt, für die neue Generation grundsätzlich draufzahlen zu müssen, irrt — häufig ist der Vorgänger inzwischen der teurere Reifen, weil er als Auslaufmodell nur noch in Restposten liegt.

## Sommer und Winter verhalten sich unterschiedlich

Trennt man die beiden Saisons, zerfällt das Bild in zwei sehr verschiedene Hälften — und das ist der eigentlich interessante Befund.

Im **Winterprogramm** (19 Paarungen) gibt der Nachfolger nichts ab: Effizienz 9-mal besser, 10-mal gleich, **kein einziges Mal schlechter**. Nasshaftung 5-mal besser, 14-mal gleich, ebenfalls nie schlechter. Nur beim Geräusch steht er 9-mal schlechter da als 6-mal besser. Der neue Winterreifen ist auf dem Etikett also praktisch immer mindestens so gut wie der alte — bezahlt wird das mit einem Dezibel mehr und im Median 2,52 Euro Aufpreis.

Im **Sommerprogramm** (45 Paarungen) sieht es anders aus. Hier verbessert sich die Nasshaftung deutlich — 25-mal besser gegen 4-mal schlechter —, aber die Effizienz fällt in 20 Fällen zurück und verbessert sich nur in 11. Dahinter steckt ein sehr regelmäßiges Muster: In 16 Paarungen tauscht der Nachfolger eine Effizienzklasse gegen eine Nasshaftungsklasse. Aus A/B wird B/A. Der Goodyear EfficientGrip Performance trägt in 205/55 R16 91H ein A bei der Effizienz und ein B bei Nässe; sein Nachfolger, der [EfficientGrip Performance 2 in derselben Ausführung](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/goodyear-efficientgrip-performance-2-205-55-r16-91h-105913), dreht das um — B bei der Effizienz, A bei Nässe, bei identischen 69 Dezibel und sogar etwas günstiger als der [ältere EfficientGrip Performance](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/goodyear-efficientgrip-performance-205-55-r16-91h-98807). Dasselbe Muster zeigt sich beim Michelin Primacy 4 gegenüber dem Primacy 5, gleich in mehreren Größen.

Dass Hersteller beim Modellwechsel zwischen diesen beiden Bestklassen tauschen, haben wir schon einmal an ganzen Modellprogrammen im EU-Produktregister nachgezählt — nachzulesen in unserer [Auswertung zu Effizienz und Nasshaftung beim Modellwechsel](https://www.reifentiefpreis.de/blog/label-klassen-modellwechsel). Im Regal, Ausführung gegen Ausführung, bestätigt sich derselbe Tausch.

Ehrlicherweise gehört dazu die Gegenprobe: Es gibt auch Nachfolger, die schlechter dastehen. Der Dunlop Sport Maxx RT 2 kommt in 225/50 R17 98Y auf C bei der Effizienz und B bei Nässe, während der ältere Sport Maxx RT dort B und A trägt — und zusätzlich zwei Dezibel leiser ist. Das ist die Ausnahme, aber es gibt sie.

## Was das für Ihren Reifenkauf bedeutet

Aus den Zahlen lassen sich drei praktische Schlüsse ziehen.

**Erstens: Sortieren Sie nicht nach Dezibel.** Die Zahl beschreibt die Geräuschemission nach außen, nicht Ihren Komfort. Ein Unterschied von ein bis drei Dezibel ist im Maßstab des Labels höchstens ein Klassenschritt — und steht in unserem Vergleich fast immer einer besseren Nasshaftung gegenüber. Wer einen Reifen ablehnt, weil dort 71 statt 69 steht, tauscht Bremsweg gegen eine Zahl, die er selbst nie hören wird. Wie viel eine Nasshaftungsklasse beim Bremsweg ausmacht, steht in unserem [Ratgeber zur Nasshaftung auf dem Reifenlabel](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-reifenlabel).

**Zweitens: Beim Winterreifen ist die neue Generation die sichere Wahl.** In unseren 19 Winterpaaren war der Nachfolger auf dem Etikett nie schlechter — weder bei der Effizienz noch bei der Nasshaftung. Der [Michelin Alpin 7 in 205/55 R16 91H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/michelin-alpin-7-205-55-r16-91h-149229) etwa steht mit C/B/71 im Regal, sein Vorgänger Alpin 5 mit E/B/68: zwei Effizienzklassen besser, gleiche Nasshaftung, drei Dezibel mehr — und dabei rund 17 Euro günstiger.

**Drittens: Beim Sommerreifen lohnt der Blick auf beide Klassen.** Wenn dort eine Effizienzklasse verloren geht, ist das meist der Preis für eine bessere Nasshaftung. Welche der beiden Ihnen wichtiger ist, hängt davon ab, wie und wo Sie fahren: Wer viel Autobahn bei Regen fährt, nimmt das A bei Nässe; wer auf jeden Zehntelliter schaut, das A bei der Effizienz. Beides zusammen gibt es, aber selten.

Das komplette Angebot finden Sie in unseren Kategorien für [Sommerreifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/sommerreifen) und [Winterreifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/winterreifen) — oder direkt in der meistgefragten Größe [205/55 R16](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/205-55-r16).

## Häufige Fragen

### Ist ein Reifen mit weniger Dezibel im Innenraum leiser?

Nicht zwangsläufig. Die Angabe beschreibt das externe Rollgeräusch, also den Lärm, den der Reifen nach außen abgibt. Was Sie im Auto hören, hängt zusätzlich von Dämmung, Karosserie und Fahrbahnbelag ab.

### Ist ein neues Modell automatisch besser als sein Vorgänger?

Auf dem Etikett meistens, aber nicht überall. In unseren 64 Paarungen war die Nasshaftung 30-mal besser und nur 4-mal schlechter; die Effizienz hielt sich die Waage, und die Dezibelzahl stieg häufiger, als sie fiel.

### Kostet die neue Generation mehr als die alte?

In unserem Vergleich nur in 27 von 64 Fällen. Auslaufende Vorgängermodelle sind oft sogar teurer, weil sie nur noch in kleinen Restmengen lieferbar sind.


Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/rollgeraeusch-generationswechsel
