# Runflat-Reifen: Wie Notlaufreifen funktionieren und für wen sie sich lohnen

Veröffentlicht: 30.05.2026 · Aktualisiert: 17.09.2026 · Kategorie: Reifendruck & RDKS · Autor: Reifentiefpreis · Schlagwörter: Runflat, Notlaufreifen, RDKS, Reifenkennzeichnung, Reifenpanne, Reifentechnik

Titelbild: https://www.reifentiefpreis.de/bild/blog/runflat-notlaufreifen.jpg

Ein Nagel auf der Autobahn, plötzlicher Druckverlust – und trotzdem kein Anhalten auf dem Standstreifen: Genau dafür sind Runflat-Reifen (Notlaufreifen) gemacht. Die bekannte Formel dazu lautet „80 Kilometer bei 80 km/h“. Was kaum jemand weiß: Diese Zahlen sind keine Faustregel und keine Kulanz des Herstellers, sondern die Definition. Ein Reifen darf sich nur dann Notlaufreifen nennen, wenn er genau das nachweislich kann – luftleer, auf einer Prüftrommel, bei 38 Grad Raumtemperatur. In diesem Ratgeber lesen Sie, was die Regel wirklich verlangt, woran Sie einen Notlaufreifen sicher erkennen, was Ihr Auto dafür mitbringen muss und was der Aufpreis nicht kauft. Die Regalzahlen dazu stammen aus einer Vollerhebung unseres Sortiments vom 17. September 2026.

## Was ein Notlaufreifen im Rechtssinn ist

Der Begriff ist europaweit definiert, und zwar in der UN-Regelung Nr. 30, nach der Pkw-Reifen in Europa genehmigt werden. Ein „Reifen mit Notlaufeigenschaften“ oder „selbsttragender Reifen mit Notlaufeigenschaften“ ist demnach ein Luftreifen, „der technisch so gebaut ist (z. B. mit verstärkten Seitenwänden usw.), dass er, wenn er an dem passenden Rad befestigt ist, ohne zusätzliche Komponente im Notlaufzustand zumindest die Grundfunktionen des Reifens bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h (50 mph) auf einer Strecke von 80 km erfüllen kann“ ([Quelle: UN-Regelung Nr. 30 auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX%3A42008X0730%2801%29)).

Damit ist die berühmte Zahl an ihrem Platz: Die 80 Kilometer bei 80 km/h sind die **Mindestleistung aus der Begriffsbestimmung**, nicht eine optimistische Obergrenze, die man besser nicht ausreizt. Wer einen Reifen verkauft, der das Kürzel führt, hat diesen Nachweis erbracht. Dass der ADAC in seinem [Ratgeber zu Notlaufreifen](https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/ausstattung-technik-zubehoer/reifen/sicherheit/runflat-notlaufreifen/) dieselben Werte nennt, ist deshalb kein Zufall, sondern dieselbe Quelle in anderer Formulierung – dort heißt es, die Fahrzeughersteller garantierten „in der Regel“ eine Reichweite von noch 80 Kilometern bei höchstens 80 km/h.

**Der zweite definierte Begriff ist mindestens so wichtig: der Notlaufzustand.** Die Regelung beschreibt ihn als den Zustand des Reifens, „in dem er im Wesentlichen seine Strukturintegrität behält, während er bei einem Reifendruck zwischen 0 kPa und 70 kPa rollt“. 70 Kilopascal sind 0,7 bar. Die Notlaufeigenschaft greift also nicht erst beim Totalverlust der Luft, sondern schon deutlich darüber – und zwar genau in dem Bereich, in dem ein normaler Reifen längst walkt, überhitzt und die Kontrolle über das Fahrzeug gefährdet. Umgekehrt heißt das: Ein Notlaufreifen, der mit 1,5 bar unterwegs ist, befindet sich nicht im Notlaufzustand, sondern schlicht im Unterdruck – mit allen [Folgen, die ein schleichender Druckverlust hat](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-verliert-luft). Der Notlauf ersetzt die Druckkontrolle nicht, er verlängert nur die Reaktionszeit.

## Der Prüflauf, aus dem die 80 Kilometer stammen

Wie kommt ein Reifen zu diesem Nachweis? Die Antwort steht in Anhang VII der Regelung, Absatz 3, unter der Überschrift „Verfahren zur Beurteilung des Notlaufzustands“. Der Ablauf ist erstaunlich konkret, und er erklärt vieles, was in der Praxis Fragen aufwirft.

Der Reifen wird auf die vom Hersteller angegebene Prüffelge gezogen und konditioniert. Dann wird **der Ventileinsatz entfernt, und es wird gewartet, bis der Reifen völlig luftleer ist** – der Prüfling startet also nicht mit Restdruck, sondern mit null. Das Komplettrad läuft anschließend gegen eine glatte Prüftrommel mit 1,70 Meter oder 2,0 Meter Durchmesser. Auf die Prüfachse wirkt eine Last, die **65 Prozent der größten zulässigen Tragfähigkeit** aus dem Tragfähigkeitsindex des Reifens entspricht. Die Temperatur im Prüfraum wird die ganze Zeit auf 38 Grad Celsius gehalten. Der Lauf selbst besteht aus fünf Minuten Hochlauf von null auf die Prüfgeschwindigkeit und anschließend **60 Minuten bei konstant 80 km/h**. Eine Stunde mal 80 Stundenkilometer ergibt exakt die 80 Kilometer der Definition.

Bestanden ist die Prüfung nach Absatz 6.2.2.2 nur dann, wenn sich die Querschnittshöhe unter Last gegenüber dem Messwert zu Beginn **um nicht mehr als 20 Prozent verändert** hat und sich die Lauffläche zwischen den beiden Seitenwänden nicht gelöst hat. Genau das ist der Grund, warum ein im Notlauf gefahrener Reifen anschließend ausgetauscht gehört: Er hat eine Stunde lang genau die Verformung und Hitze ertragen, gegen die er geprüft wurde – ein zweites Mal ist das nicht vorgesehen, und von außen sieht man einer so beanspruchten Flanke wenig an. Welche Schäden an einem normalen Reifen überhaupt fachgerecht behoben werden dürfen, haben wir im Beitrag [Reifenpanne und Reifenreparatur](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenpanne-reifenreparatur) zusammengetragen; wann eine [beschädigte Flanke gefährlich wird](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenbeule-flankenschaden), steht in einem eigenen Ratgeber.

> Praxis-Hinweis: 65 Prozent Last und 38 Grad sind Laborbedingungen. Bridgestone stellt seiner Angabe „80 km mit bis zu 80 km/h“ deshalb eine Fußnote zur Seite: Die Fahrstrecke nach einer Reifenpanne könne je nach Fahrzeugbeladung, Außentemperatur und Aktivierung des Reifendruck-Kontrollsystems abweichen ([Quelle: Bridgestone](https://www.bridgestone.de/pkw-4x4-und-transporter/ganzjahresreifen-weather-control/a005-driveguard)). Voll beladen im Hochsommer sollten Sie die 80 Kilometer also nicht als gesetzt betrachten, sondern die nächste Werkstatt ansteuern, nicht die übernächste.

**Und die Freigabe des Fahrzeugherstellers kann noch kürzer ausfallen.** Die Prüfvorschrift setzt nur die Untergrenze für die Genehmigung des Reifens; was Sie im Ernstfall tatsächlich fahren dürfen, legt der Hersteller fest. Bridgestone unterscheidet in seinen Verkaufsbedingungen ausdrücklich: Bei RFT- und DriveGuard-Reifen gelten maximal 80 km/h bei maximal 80 Kilometern Reichweite, **bei MOExtended-Reifen dagegen maximal 80 km/h bei nur 30 Kilometern** ([Quelle: Bridgestone-Verkaufsbedingungen](https://reifenfreigaben.bridgestone.de/agb)). Die MOE-Kennung ist im Regal keine Randerscheinung – 158 unserer 1.214 Notlaufreifen tragen sie. Wer einen Mercedes mit MOE-Bereifung fährt, sollte die verbreitete 80-Kilometer-Regel also nicht ungeprüft auf sein Auto übertragen, sondern die Betriebsanleitung lesen.

## Die verstärkte Flanke – und was sie an Gewicht kostet

Technisch löst der selbsttragende Reifen die Aufgabe über die Seitenwand. Laut ADAC sind die Flanken eines Notlaufreifens **etwa doppelt so dick** wie beim Standardreifen; zusätzliche, hitzebeständige Gummieinlagen sind einlaminiert. Fällt der Druck, knicken die Flanken nicht ein, sondern stützen die Lauffläche weiter ab. Der Wulst bleibt dabei auf der Felge sitzen, was die Lenkbarkeit erhält und die Felge schützt. Die Regelung kennt dafür übrigens auch die passende Gegenstelle am Rad: Sie verlangt in den Genehmigungsunterlagen die Angabe der besonderen Konturen bei Felgen mit Sicherheitsschulter für den Notlaufzustand.

Der Preis dafür ist Masse. Der ADAC beziffert das Mehrgewicht auf **rund 0,3 Kilogramm je Reifen** und erklärt damit, warum Notlaufreifen in der Praxis trotz optimierter Profile nicht vergleichbar gut abschneiden wie konventionelle Reifen: Jeder Beschleunigungsvorgang braucht mehr Energie. Dass der früher oft kritisierte harte Abrollkomfort bei den neueren Generationen kaum noch zu spüren sei, hält derselbe Ratgeber ausdrücklich fest – der Komfortnachteil ist also weitgehend Geschichte, der physikalische Nachteil nicht.

**Deshalb sitzt Runflat fast nur an großen Rädern.** Der ADAC begründet das damit, dass niedrige Seitenwände ohnehin steifer sind und beim Entwickeln der Notlaufeigenschaft Material und Gewicht gespart werden kann. Unsere Auszählung bestätigt das eindrucksvoll: Von 1.214 lieferbaren Notlaufreifen entfallen 331 auf 18 Zoll, 316 auf 19 Zoll und 222 auf 20 Zoll – allein diese drei Felgengrößen decken mit 869 Ausführungen 71,6 Prozent des Regals. Nach unten wird es dünn: 184 Ausführungen in 17 Zoll, 82 in 16 Zoll und ganze zwei in 15 Zoll. Darunter existiert nichts. Passend dazu trägt kein einziger Notlaufreifen im Sortiment einen Geschwindigkeitsindex unterhalb von T: 517-mal Y, 301-mal W, 226-mal V, 158-mal H und elfmal T, dazu eine einzige Ausführung ohne ausgeschriebene Betriebskennung. Wie stark die Flankenhöhe generell auf den Preis durchschlägt, zeigt unser Beitrag [Flache Flanke, hoher Preis](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-querschnitt-preis).

## Die einzige Kennzeichnung, die wirklich vorgeschrieben ist

Jetzt zur häufigsten Frage – woran erkennt man den Notlaufreifen? Die meisten Ratgeber, auch unser eigener bis zu dieser Überarbeitung, antworten mit einer Liste von Herstellerkürzeln. Das ist nicht falsch, aber es ist die zweitbeste Antwort. Vorgeschrieben ist nämlich etwas anderes, und zwar gleich zweifach.

**Erstens der Buchstabe F in der Größenangabe.** Absatz 3.1.3.5 der UN-Regelung Nr. 30 verlangt bei einem Reifen mit Notlaufeigenschaften „den Buchstaben ‚F’ vor der Angabe des Nenndurchmessers der Felge“. Aus dem gewohnten R für Radialbauart wird also ein RF – die Dimension liest sich dann etwa als 205/55 RF 16 statt 205/55 R 16. Dasselbe Prinzip kennen Sie bereits von der ZR-Schreibweise, die derselbe Regelungsabschnitt für sehr schnelle Radialreifen zulässt.

Dass diese Schreibweise kaum jemand kennt, hat einen banalen Grund: Sie kommt im Handel fast nicht vor. In unserer Vollerhebung tragen **genau zwei von 1.214 Ausführungen** die Dimension mit F – der [Michelin Primacy 4 225/50 F18 95V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/michelin-primacy-4-225-50-f18-95v-120608) und ein Pilot Sport 4 in 275/40 F20. Alle übrigen 1.212 stehen mit dem gewohnten R in den Listen, obwohl sie nach derselben Regelung genehmigt sind. Die Vorschrift ist also da, die Praxis hinkt hinterher – und deshalb bleibt das Kürzel hinter der Größe der Weg, auf dem Sie im Katalog weiterkommen.

**Zweitens ein eigenes Symbol auf der Flanke.** Absatz 3.1.12 schreibt vor, dass ein Reifen mit Notlaufeigenschaften ein in der Regelung abgebildetes Symbol tragen muss, dessen Höhe mindestens 12 Millimeter beträgt. Wie alle Pflichtaufschriften muss es nach Absatz 3.4 erhaben oder eingeprägt und deutlich lesbar sein. Wer wissen will, was sonst noch alles auf der Seitenwand steht, findet die Übersicht in unserem Ratgeber [Reifenflanke entschlüsseln](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifenflanke-symbole); die drei US-Noten daneben erklären wir unter [TREADWEAR, TRACTION und TEMPERATURE](https://www.reifentiefpreis.de/blog/utqg-kennzeichnung-reifen).

Alles andere – RFT, SSR, ZP, ROF, DSST, HRS, „Run Flat“ – sind **Markennamen der Reifenhersteller für dieselbe Sache**. Sie sind nützlich, weil sie in Kataloge, Preislisten und Onlineshops durchschlagen, wo das Flankensymbol nun einmal nicht sichtbar ist. Verbindlich sind sie nicht, und genau deshalb unterscheiden sie sich von Marke zu Marke. Die geläufigsten sind: RFT bei Bridgestone, SSR bei Continental, ZP bei Michelin, ROF bei Goodyear und Dunlop, DSST ebenfalls bei Dunlop, HRS bei Hankook und „Run Flat“ beziehungsweise r-f bei Pirelli. RSC steht zusätzlich für „RunFlat System Component“ und markiert Ausführungen, die für BMW und Mini freigegeben sind.

## Was im Regal tatsächlich hinter der Größe steht

Wir haben das komplette lieferbare Notlauf-Sortiment über 51 Listenseiten ausgezählt: **1.214 Ausführungen von 25 Marken**, und die Summe stimmt exakt mit der Trefferzahl der Shop-Suche überein. Sechs Marken machen fast das gesamte Regal aus – Pirelli mit 243 Ausführungen, Bridgestone mit 224, Continental mit 177, Michelin mit 143, Goodyear mit 100 und Hankook mit 98 kommen zusammen auf 985 der 1.214. Verteilt sind sie auf 140 verschiedene Dimensionen, und die Saisonverteilung ist ungewöhnlich schief: 749 Sommerreifen für den Pkw stehen nur 206 Winterreifen und 51 Ganzjahresreifen gegenüber, dazu 159 Sommer- und 48 Winterausführungen für SUV und Geländewagen.

**Und hier wird es für die Suche praktisch relevant:** Verlassen Sie sich nicht auf das Herstellerkürzel. Zählt man nach, wie oft es in der Größenzeile tatsächlich auftaucht, ergibt sich ein löchriges Bild. SSR steht bei 131 der 177 Continental-Notlaufreifen, ZP bei 86 der 143 Michelin-Ausführungen, ROF bei 35 der 100 Goodyear-Reifen. Bei Hankook trägt nur 11-mal von 98 ein HRS, bei Pirelli nur 14-mal von 243 ein r-f, und DSST findet sich bei ganzen zwei der 31 Dunlop-Notlaufreifen. Wer also nach „ZP“ sucht, übersieht ein Drittel der Michelin-Notlaufreifen; wer nach „HRS“ sucht, sieht von Hankook fast nichts.

Umgekehrt taucht **RFT bei 1.194 der 1.214 Ausführungen** auf – also längst nicht nur bei Bridgestone, sondern quer durch alle Marken. Das Kürzel hat sich im Handel zum Gattungsbegriff entwickelt und sagt deshalb nichts über den Hersteller aus. Der einzige Eintrag, der in unserem Sortiment bei allen 1.214 Ausführungen steht, ist das eigenständige Merkmal „Runflat“. Nutzen Sie im Shop also den entsprechenden Filter in der Ergebnisliste statt der Freitextsuche nach einem Kürzel. Wie groß die Auswahl in Ihrer konkreten Dimension ausfällt und was der Notlauf dort kostet, haben wir in der [Größen- und Preisauswertung zu Notlaufreifen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/runflat-groessen-aufpreis) und in der Analyse [Notlaufreifen im Angebot](https://www.reifentiefpreis.de/blog/runflat-auswahl-aufpreis) getrennt aufgeschlüsselt.

**Der Stern ist keine Notlaufkennung.** Das lässt sich inzwischen sauber belegen. Für 13 stark nachgefragte Dimensionen haben wir zusätzlich das komplette Angebot erhoben – 5.548 Ausführungen, davon 443 mit und 5.105 ohne Notlaufeigenschaft. In dieser Gesamtheit steht der BMW-Stern 172-mal an einem Notlaufreifen und 152-mal an einem ganz normalen Reifen; er markiert die Werksfreigabe, nicht die Bauart. Ähnlich, aber feiner liegt der Fall bei Mercedes: MO findet sich 144-mal an Standardreifen und nur neunmal an Notlaufreifen, MOE dagegen 66-mal an Notlaufreifen und **kein einziges Mal** an einem Reifen ohne Notlaufeigenschaft. Das E steht für „Extended“ und macht aus der reinen Freigabe die Notlaufvariante. Die technischen Kürzel SSR, ZP, ROF, HRS, DSST, r-f und RSC kamen in dieser Stichprobe an keinem einzigen Standardreifen vor – sie sind eindeutig, nur eben nicht vollständig. Was die Werkskennungen sonst noch bedeuten, erklärt unser Beitrag [Was MO, Stern, AO und N0 bedeuten](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-oe-kennzeichnung).

## Was das Fahrzeug mitbringen muss: Warnsystem statt Ersatzrad

Ein Notlaufreifen ist nur die halbe Lösung. Weil er auch ohne Luft fast normal weiterläuft, spüren Sie die Panne kaum – und würden die begrenzte Notlaufstrecke unbemerkt verbrauchen. Das Regelwerk zieht daraus eine klare Konsequenz, und zwar in der UN-Regelung Nr. 64, die Noträder, Notlaufreifen, Notlaufsysteme und Reifendrucküberwachung gemeinsam behandelt.

Absatz 5.1.6 dieser Regelung bestimmt: Fahrzeuge mit Notlaufreifen oder einem Notlaufsystem **müssen auch mit einem Notlaufwarnsystem ausgestattet sein**, das im Bereich von 40 km/h bis zur bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit arbeitet. Ein Notlaufwarnsystem ist dabei definiert als „ein System, das dem Fahrzeugführer anzeigt, dass ein Reifen sich im Notlaufzustand befindet“. Und dann folgt der Satz, der die Praxis erklärt: Ist das Fahrzeug mit einem Reifendrucküberwachungssystem nach Absatz 5.3 ausgestattet, „braucht hingegen kein zusätzliches Notlaufwarnsystem eingebaut zu werden“ ([Quelle: UN-Regelung Nr. 64 auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX%3A42010X1126%2801%29)). Vorgeschrieben ist also streng genommen die Warnung – das RDKS ist der Weg, auf dem sie in modernen Autos umgesetzt wird.

Dass praktisch jeder neuere Pkw ohnehin eines hat, regelt europäisches Recht an anderer Stelle. Artikel 5 Absatz 1 der Verordnung (EU) 2019/2144 verlangt, dass Fahrzeuge „mit einem präzisen Reifendrucküberwachungssystem ausgerüstet sein“ müssen, das den Fahrer bei Druckverlust warnt. Anhang II derselben Verordnung führt unter Zeile C13 das Reifendrucküberwachungssystem für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit Verweis auf die UN-Regelung Nr. 141 und den Anwendungsbereich M1 bis 3.500 Kilogramm sowie N1; die zugehörige Frist A markiert den 6. Juli 2022. Direkt darüber, in Zeile C11, stehen „Noträder und Notlaufsysteme“ mit Verweis auf die UN-Regelung Nr. 64 und der Anmerkung (1): „Einhaltung erforderlich, falls montiert“ ([Quelle: Verordnung (EU) 2019/2144 auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX%3A32019R2144)). Anders gesagt: Notlauftechnik ist nicht Pflicht – wer sie aber verbaut, muss die Regelung einhalten.

**Deshalb darf das Ersatzrad fehlen.** Absatz 5.1.5 der Regelung Nr. 64 formuliert es als Ausnahme: „Außer bei Notlaufreifen/selbsttragenden Reifen oder einem Notlaufsystem braucht nur ein Komplettnotrad mit dem Fahrzeug geliefert zu werden.“ Wer Notlaufreifen ab Werk hat, bekommt also regelmäßig weder Reserverad noch Wagenheber – ein echter Gewinn an Kofferraum und Gewicht, aber eben auch eine Abhängigkeit. Wie die beiden RDKS-Bauarten arbeiten, steht in unserem Ratgeber [RDKS richtig verstehen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/rdks-direkt-indirekt), was beim Räderwechsel mit den [Sensoren zu tun ist](https://www.reifentiefpreis.de/blog/rdks-kompletraeder-sensoren-anlernen), in einem eigenen Beitrag. Welche Alternativen es zum Notlauf gibt, vergleichen wir unter [Ersatzrad, Notrad oder Pannenset](https://www.reifentiefpreis.de/blog/ersatzrad-notrad-pannenset); die dichtende Variante beleuchtet der [Regal-Check zu selbstdichtenden Reifen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/selbstdichtende-reifen-seal).

## Was der Aufpreis nicht kauft: das EU-Label im Direktvergleich

Notlaufreifen kosten mehr, das ist unstrittig und in unserer Preisauswertung nachgerechnet. Interessanter ist die Frage, was Sie für das Geld an Labelwerten bekommen – und da liefert die Erhebung über die 13 vollständig ausgezählten Dimensionen ein klares Ergebnis.

**Beim Rollwiderstand ist der Abstand erheblich.** Von den 443 Notlaufreifen dieser Stichprobe tragen 218 die Kraftstoffeffizienz-Klasse D oder schlechter – das sind 49,2 Prozent. Bei den 5.105 Standardreifen derselben Dimensionen sind es 1.147, also 22,5 Prozent. Der Notlaufreifen landet in der schlechten Hälfte der Effizienzskala also **mehr als doppelt so oft**. Das passt exakt zur Erklärung des ADAC über das Mehrgewicht und relativiert die verbreitete Aussage, moderne Notlaufreifen seien beim Verbrauch kein Thema mehr: Im Fahrgefühl mag der Unterschied verschwunden sein, auf dem Etikett ist er es nicht.

**Bei Nässe und Geräusch dagegen gibt es keinen Aufschlag – in keine Richtung.** Eine Nasshaftungsklasse A oder B erreichen 337 der 443 Notlaufreifen, also 76,1 Prozent, gegenüber 74,8 Prozent bei den Standardreifen. Das ist praktisch Gleichstand. Beim externen Rollgeräusch liegt der Median in beiden Gruppen bei 71 Dezibel. Für die Kaufentscheidung heißt das: Sicherheitsrelevante Labelwerte müssen Sie beim Notlaufreifen nicht opfern, den Verbrauchswert sehr wohl – und beides sehen Sie auf jeder Artikelseite. Wie das Etikett aufgebaut ist, steht auf unserer Seite zum [EU-Reifenlabel](https://www.reifentiefpreis.de/info/reifenlabel); warum Hersteller beim Modellwechsel gezielt zwischen den Klassen tauschen, zeigt der Beitrag [Nasshaftung A oder Effizienz A](https://www.reifentiefpreis.de/blog/label-klassen-modellwechsel), und was die schlechten Klassen bedeuten, lesen Sie unter [Nasshaftung D und E](https://www.reifentiefpreis.de/blog/nasshaftung-d-und-e).

Ein Blick auf die Extreme lohnt sich dabei: Effizienz A gibt es auch unter Notlaufreifen, wenn auch selten – etwa beim [Goodyear Eagle F1 Asymmetric 5 265/40 R21 105H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/goodyear-eagle-f1-asymmetric-5-265-40-r21-105h-121299) mit A bei der Effizienz und B bei der Nasshaftung. Die Bauart allein entscheidet also nicht, die konkrete Ausführung schon.

## Nachrüsten, mischen, ersetzen: was in der Praxis gilt

Die ältere Faustregel, Notlaufreifen ließen sich auf einem Auto ohne Werksfreigabe nicht sinnvoll montieren, gilt so nicht mehr. Bridgestone führt mit DriveGuard eine eigene Notlauf-Baureihe neben den RFT-Erstausrüstungsreifen; Voraussetzung ist in beiden Fällen ein funktionstüchtiges Luftdruckkontrollsystem – der Hersteller untersagt in seinen Verkaufsbedingungen sogar ausdrücklich die Abgabe von Reifen mit Notlaufeigenschaft an Endkunden, deren Fahrzeug keines besitzt. In unserem Regal stehen aktuell **36 DriveGuard-Ausführungen, und keine einzige trägt eine Werkskennung**. Sie decken 15 bis 19 Zoll ab, liegen preislich zwischen 94,74 und 314,08 Euro und sind mit 22 von 36 überwiegend Ganzjahresreifen. Bezeichnend: Die beiden einzigen 15-Zöller des gesamten Notlauf-Sortiments gehören zu dieser Linie, darunter der [Bridgestone Weather Control A005 Driveguard Evo 195/65 R15 95H](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/bridgestone-weather-control-a005-driveguard-evo-195-65-r15-95h-114142). Der Nachrüst-Notlaufreifen ist also genau dort zu Hause, wo der Erstausrüstungs-Notlaufreifen aufhört.

**Mischen sollten Sie trotzdem nicht.** Der ADAC empfiehlt, auf Fahrzeugen, die für Notlaufreifen ausgelegt sind, nur Notlaufreifen zu montieren – und zwar ausdrücklich auch dann, wenn in den Zulassungsbescheinigungen Standarddimensionen eingetragen sind und Standardreifen damit erlaubt wären. Diese Unterscheidung ist wichtig und in vielen Texten verwischt: Erlaubt ist in diesem Fall beides, empfohlen nur das eine.

Anders liegt der Fall bei der bereits erwähnten RF-Kennzeichnung in der Dimension. Der ADAC weist darauf hin, es könne sein, dass künftig in den Zulassungsbescheinigungen einzelner Pkw Reifendimensionen mit RF-Kennzeichnung eingetragen werden, also etwa 205/55 RF 16 statt 205/55 R 16. Steht sie dort, handelt es sich um Reifen eigener Bauart, und ein Ersatz durch Reifen gleicher Dimension ohne F ist nicht zulässig; Ausnahmen müssten über Unbedenklichkeitserklärungen der Hersteller geregelt werden. Prüfen Sie also im Zweifel Zulassungsbescheinigung Teil I und Betriebsanleitung, bevor Sie bestellen – und werfen Sie bei allgemeinen Fragen zur Bereifung einen Blick in unseren Überblick [Reifen und Gesetz](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-und-gesetz-welche-vorschriften-in-deutschland-wirklich-gelten) oder in den [ECE-R117-Code auf der Reifenflanke](https://www.reifentiefpreis.de/blog/ece-r117-2026-reifen-zulassung).

Beim Aufziehen schließlich gilt: Die steifen Flanken lassen sich schwerer montieren und demontieren, und der ADAC weist ausdrücklich darauf hin, dass auch die Maschinen besondere Voraussetzungen erfüllen müssen, damit der Reifen dabei unbeschädigt bleibt. Was eine Werkstatt beim Montieren leisten muss, haben wir im Beitrag [Reifen montieren lassen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-montieren-lassen) beschrieben; ob ein [Ummontieren auf andere Felgen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-auf-andere-felge-ummontieren) sinnvoll ist, klärt ein weiterer Ratgeber.

## Für wen sich Notlaufreifen lohnen

Steht Ihr Fahrzeug ab Werk auf Notlaufreifen – bei BMW und Mercedes ist das verbreitet, den Anfang machte laut ADAC im Jahr 2000 der BMW Z8 –, ist die Entscheidung im Grunde gefallen: Ersatzrad und Wagenheber fehlen meist, und der Hersteller hat das Fahrwerk auf die steifere Flanke abgestimmt. Wer viel allein, viel nachts oder viel Autobahn fährt, kauft mit dem Aufpreis vor allem die Gewissheit, nach einem Druckverlust nicht auf dem Standstreifen hantieren zu müssen – das ist ein handfester Sicherheitsgewinn, den kein Pannenset ersetzt. Gegen Runflat sprechen der Aufpreis, die schmalere Auswahl, der schlechtere Verbrauchswert und die Tatsache, dass der Reifen nach dem Notlauf in aller Regel ersetzt wird.

Für preisbewusste Wenigfahrer mit Reserverad oder Pannenset ist dagegen ein guter Standardreifen meist die wirtschaftlichere Lösung. Wie Sie sich dann für den Urlaub vorbereiten, steht in unserer [Checkliste vor der langen Fahrt](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifen-check-vor-dem-urlaub); wie Sie den [richtigen Luftdruck einstellen](https://www.reifentiefpreis.de/blog/richtiger-reifendruck-einstellen) und warum die Kontrollleuchte im Herbst häufiger angeht, erklären die Beiträge zum [Reifendruck bei Kälte](https://www.reifentiefpreis.de/blog/reifendruck-kaelte-rdks).

Notlaufreifen finden Sie bei uns in allen gängigen Dimensionen. Gut besetzt sind unter anderem [205/55 R16](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/205-55-r16), [225/45 R18](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/225-45-r18), [225/50 R17](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/225-50-r17) und [245/45 R19](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/groesse/245-45-r19); in den Übersichten zu [Pkw-Reifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw), [Winterreifen für den Pkw](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/winterreifen) und [Ganzjahresreifen](https://www.reifentiefpreis.de/reifen/pkw/ganzjahresreifen) filtern Sie das Merkmal Runflat direkt in der Ergebnisliste. Drei Ausführungen, an denen sich die Unterschiede dieses Beitrags gut nachvollziehen lassen:

- [Continental EcoContact 6 205/55 R16 91W](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/continental-ecocontact-6-205-55-r16-91w-148544) – trägt SSR, den BMW-Stern und die Effizienzklasse B: der seltene Fall eines sparsamen Notlaufreifens.
- [Michelin Primacy 3 195/55 R16 91V](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/michelin-primacy-3-195-55-r16-91v-65640) – mit ZP gekennzeichnet, Nasshaftung A, ohne jede Werksfreigabe.
- [Bridgestone Turanza T005 Driveguard 215/50 R17 95W](https://www.reifentiefpreis.de/artikel/bridgestone-turanza-t005-driveguard-215-50-r17-95w-93621) – die Nachrüst-Variante mit Labelwerten B und A.

Alle Dimensionen und Kürzel, die Ihnen dabei begegnen, sind in unserem [Reifen-Wiki](https://www.reifentiefpreis.de/wiki) erklärt.

## Häufige Fragen

### Woher kommen die 80 Kilometer bei 80 km/h?
Aus der Begriffsbestimmung der UN-Regelung Nr. 30: Ein Reifen darf nur dann als Notlaufreifen genehmigt werden, wenn er im Notlaufzustand die Grundfunktionen bei 80 km/h über 80 Kilometer erfüllt. Geprüft wird das völlig luftleer auf einer Trommel, 60 Minuten lang bei 80 km/h, mit 65 Prozent der zulässigen Tragfähigkeit und 38 Grad Raumtemperatur.

### Ist ein Reifen mit BMW-Stern automatisch ein Notlaufreifen?
Nein. In unserer Auszählung über 13 Dimensionen steht der Stern 172-mal an einem Notlaufreifen und 152-mal an einem Standardreifen. Er kennzeichnet die Freigabe für die Fahrzeugmarke, nicht die Bauart. Eindeutig sind dagegen Kürzel wie SSR, ZP, ROF oder MOE.

### Kann ich Notlaufreifen auf einem Auto ohne Werks-Runflat fahren?
Grundsätzlich ja, sofern das Fahrzeug ein funktionierendes Reifendruck-Kontrollsystem besitzt und der Fahrzeughersteller nichts anderes vorschreibt. Für diesen Zweck gibt es eigene Baureihen wie Bridgestone DriveGuard. Bei einer RF-Kennzeichnung in der Zulassungsbescheinigung gilt umgekehrt: Dann sind Standardreifen derselben Dimension nicht zulässig.


Quelle: https://www.reifentiefpreis.de/blog/runflat-notlaufreifen
