ContiTech-Verkauf: Eine EU-Prüfung fehlt noch — und 650 neue Größen ab 18 Zoll
Als Continental am 4. Juli 2026 den Verkauf seiner Industriesparte ContiTech meldete, war das eine Ankündigung — kein vollzogener Schritt. Seit Mitte Oktober ist der entscheidende Vorbehalt zu einem großen Teil ausgeräumt: Die Europäische Kommission hat den Zusammenschluss nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt. Vollzogen ist der Verkauf damit aber noch nicht, denn im Fallregister der Kommission steht neben der erledigten Fusionskontrolle ein zweites, noch offenes Verfahren zum selben Geschäft. Beides zusammen ergibt ein genaueres Bild als die Schlagzeile „EU billigt Verkauf“.
Solche Meldungen lassen sich schwer einordnen, solange sie nur aus Prozentzahlen und Strategiebegriffen bestehen. Wir haben deshalb beides gegen unser eigenes Regal gerechnet: 52.554 lieferbare Reifen von 117 Marken, davon 5.742 aus dem Continental-Konzern, ausgezählt nach Marke, Felgengröße und Preis. Das Ergebnis erklärt den Umbau konkreter als jede Pressemitteilung — und es zeigt, dass der Hersteller in seiner Ankündigung genau die beiden Marken nennt, bei denen unser Regal die größte Lücke ausweist. Dieser Beitrag fasst den Stand vom 15. Oktober 2026 zusammen: was entschieden ist, was noch aussteht und was davon im Reifenkauf ankommt.
Der Stand am 15. Oktober 2026: eine Freigabe liegt vor, eine fehlt noch
Zuerst die gute Nachricht für alle, die den Umbau verfolgen: Die europäische Fusionskontrolle ist durch. Im öffentlichen Fallregister der Generaldirektion Wettbewerb läuft das Geschäft unter der Nummer M.12551 „Lone Star Funds / ContiTech“. Dort sind der Anmeldetag, der Entscheidungstyp und das Entscheidungsdatum nachlesbar: angemeldet am 18. September 2026, entschieden nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe b der EU-Fusionskontrollverordnung am 12. Oktober 2026. Dieser Artikel ist die Freigabe ohne Bedingungen in der ersten Prüfphase — also der glatteste Ausgang, den ein angemeldeter Zusammenschluss nehmen kann. Bekannt gemacht hat die Kommission den Beschluss einen Tag später, in ihren Täglichen Nachrichten vom 13. Oktober 2026. Wer sich über abweichende Datumsangaben in der Fachpresse wundert: Das ist der Grund — der Beschluss trägt den 12., die Veröffentlichung den 13. Oktober.
Die Kommission beschreibt den Vorgang präziser, als es in den meisten Berichten ankam. Genehmigt wurde die „Übernahme der alleinigen Kontrolle über die ContiTech Deutschland GmbH“ durch „das US-amerikanische Unternehmen Lone Star Global Acquisitions, Ltd.“ — nicht also durch den Fonds als solchen, sondern durch eine konkrete Erwerbsgesellschaft der Gruppe. Geprüft wurde im vereinfachten Verfahren, und zur Begründung heißt es, das Vorhaben gebe „angesichts der begrenzten Marktstellung der Unternehmen, die sich aus dem geplanten Vorhaben ergibt, keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken“. Das ist in der Sache nachvollziehbar: Lone Star ist ein Finanzinvestor ohne eigenes Gummi- und Kunststoffgeschäft, und wo sich zwei Geschäfte nicht überschneiden, gibt es auch keine Marktanteile zu addieren. Die Kommission ordnet die Transaktion entsprechend der „Lieferung von Gummi- und thermoplastischen Lösungen“ zu — der Reifenmarkt ist von dieser Prüfung gar nicht berührt.
Und jetzt der Teil, der in den Meldungen fehlt. Dasselbe Register führt zum selben Geschäft einen zweiten Fall: FS.100381 „Lone Star Funds / ContiTech“, geführt nicht unter der Fusionskontrolle, sondern unter der Verordnung (EU) 2022/2560 über den Binnenmarkt verzerrende drittstaatliche Subventionen. Dieses Instrument gibt es erst seit Ende 2022; es prüft nicht Marktanteile, sondern ob ein Käufer mit Geld aus Drittstaaten antritt, das den europäischen Wettbewerb verzerrt. Angemeldet wurde dieser Fall am 28. September 2026, als vorläufige Frist nennt das Register den 3. November 2026 — und beim Entscheidungsdatum steht zum Zeitpunkt dieses Beitrags nichts. Das Verfahren läuft also noch.
Das ist keine Nebensächlichkeit, denn diese Verordnung enthält eine eigene Vollzugssperre. Ihr Artikel 24 trägt die Überschrift „Aufschub des Vollzugs von Zusammenschlüssen und Fristen“ und bestimmt in Absatz 1: „Ein anmeldepflichtiger Zusammenschluss darf nicht vor seiner Anmeldung vollzogen werden.“ Darüber hinaus darf er „während eines Zeitraums von 25 Arbeitstagen nach Eingang dieser Anmeldung nicht vollzogen werden, sofern bei der Kommission eine vollständige Anmeldung eingeht“. Genau diese Frist spiegelt die Registerangabe zum 3. November wider. Für die Einordnung heißt das: Eine Freigabe ist erteilt, eine zweite europäische Prüfung ist terminiert, und erst danach kann der Eigentümerwechsel formal vollzogen werden. Continental hatte im Sommer den Jahreswechsel als Erwartung genannt — nach dieser Aktenlage bleibt dieser Zeitplan realistisch, ohne dass irgendjemand ihn garantieren kann.
Zur Erinnerung die Größenordnung des abgegebenen Teils: ContiTech erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 4,4 Milliarden Euro und beschäftigt rund 22.000 Menschen. Der Bereich stellt technische Gummi- und Kunststoffprodukte her — Schläuche, Antriebsriemen, Fördergurte, Luftfedern —, also alles, was Continental außer Reifen aus Gummi fertigt. Der vereinbarte Unternehmenswert beträgt 4,0 Milliarden Euro, zuzüglich erfolgsabhängiger Komponenten von bis zu 250 Millionen Euro in den Folgejahren (Pressemitteilung von Continental zum ContiTech-Verkauf, 04.07.2026; zur EU-Freigabe siehe die Meldung von Reifenpresse vom 14.10.2026). Aus dem Verkauf erwartet der Konzern einen Barmittelzufluss von rund 3,1 Milliarden Euro, wovon voraussichtlich rund 2,5 Milliarden Euro als Sonderdividende oder als Kombination aus Sonderdividende und Aktienrückkäufen an die Aktionäre gehen sollen. Der erste Schritt des Umbaus lag noch früher: Am 18. September 2025 war das Automobil-Zuliefergeschäft unter dem Namen Aumovio an die Börse gebracht worden.
Die erste Bilanz, in der nur noch Reifen zählen
Am 4. August 2026 legte Continental die Zahlen zum zweiten Quartal vor — und sie sind der eigentliche Grund, warum dieser Umbau überhaupt stattfindet. Der Konzernumsatz lag bei 4,4 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis stieg um 35,1 Prozent auf 570 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich von 9,6 auf 12,9 Prozent (Halbjahresbericht von Continental, 04.08.2026; deutsche Zusammenfassung bei Gummibereifung, 04.08.2026).
Der Reifenbereich für sich betrachtet: 3,3 Milliarden Euro Umsatz bei einer bereinigten EBIT-Marge von 15,3 Prozent — nach 12,1 Prozent im Vorjahresquartal. Damit lag die Reifensparte über der eigenen Jahresprognose, die für 2026 eine Marge zwischen 13,0 und 14,5 Prozent vorsieht. Ein zweiter Zahlenvergleich macht die neue Konzernstruktur noch deutlicher sichtbar als jede Erklärung: Die Umsatzprognose für die fortgeführten Aktivitäten des Gesamtkonzerns und die Umsatzprognose für die Reifensparte sind identisch — beide nennen 13,2 bis 14,2 Milliarden Euro für 2026. Was übrig bleibt, wenn man ContiTech und Aumovio herausrechnet, ist also rechnerisch bereits das Reifengeschäft; die Margenbandbreiten unterscheiden sich lediglich um rund einen Prozentpunkt, weil auf Konzernebene noch Holdingkosten dazukommen.
Interessant ist die Begründung, die Finanzvorstand Roland Welzbacher für den Ergebnissprung gibt. Er nennt neben Kostendisziplin und Rohstoffeffekten ausdrücklich einen höheren Anteil von Reifen ab 18 Zoll. Damit ist der Übergang zur nächsten Meldung vorgezeichnet — und zu der Frage, die sich aus dem Regal heraus beantworten lässt.
Die Ansage vom 16. September: 650 neue Größen bis Ende 2027
Sechs Wochen nach den Quartalszahlen wurde Continental konkret. Am 16. September 2026 kündigte der Hersteller an: „Bis Ende 2027 kommen mehr als 650 neue Reifendimensionen über alle Reifenlinien hinweg dazu.“ Gemeint sind Ultra-High-Performance-Reifen, und Continental definiert diese Gattung in derselben Mitteilung unmissverständlich über eine einzige Zahl: „sogenannten Ultra-High-Performance-Reifen (UHP-Reifen, Reifen ab 18 Zoll)“ (Pressemitteilung von Continental zum UHP-Ausbau, 16.09.2026).
Warum dieser Ausbau, belegt der Hersteller mit seiner eigenen Umsatzentwicklung. Über alle Marken hinweg stieg der UHP-Anteil am weltweiten Pkw-Reifenumsatz zwischen 2020 und 2025 von 41 auf 55 Prozent; bei der Kernmarke Continental allein von rund 49 auf rund 62 Prozent. Regional ist das Bild sehr ungleich: In Asien-Pazifik liegt der Anteil bei 70 Prozent, in den Americas bei 66 Prozent — in der Region EMEA, zu der Deutschland gehört, dagegen erst bei 43 Prozent. Europa ist damit der Nachzügler, und genau deshalb ist hier der größte Zuwachs zu erwarten. Edwin Goudswaard, Leiter Forschung und Entwicklung im Reifenbereich, ordnet die Entwicklung so ein: „Je größer, schwerer und leistungsstärker moderne Fahrzeuge werden, desto mehr rückt der Reifen in den Fokus.“
Der aus unserer Sicht wichtigste Satz der Mitteilung betrifft jedoch nicht die Kernmarke: „Dazu zählen neben der Kernmarke Continental auch die Zweitmarken wie beispielsweise Semperit und Uniroyal.“ Die Offensive gilt also ausdrücklich auch für die günstigeren Konzernmarken. Ob das nur eine freundliche Nebenbemerkung ist oder eine belastbare Ansage, lässt sich erstaunlich genau prüfen — indem man nachzählt, wie diese Marken heute im Regal stehen.
Was „reiner Reifenhersteller“ im Regal tatsächlich bedeutet
Unser offener Produktkatalog enthielt am 14. Oktober 2026 um 17:08 Uhr insgesamt 52.554 lieferbare Reifen von 117 Marken. Davon gehören 5.742 Ausführungen zum Continental-Konzern, verteilt auf acht Markennamen — das sind 10,9 Prozent des gesamten lieferbaren Reifenbestands. Anders gesagt: Etwa jeder zehnte Reifen, den Sie bei uns kaufen können, stammt aus Hannover oder aus einem Werk, das zu diesem Konzern gehört.
Die Aufteilung zeigt, wie unterschiedlich groß die Konzernmarken tatsächlich sind:
- Continental — 3.441 Ausführungen, 135 Profile, Preismedian 164,89 Euro
- Uniroyal — 590 Ausführungen, 17 Profile, Median 106,78 Euro
- Barum — 587 Ausführungen, 15 Profile, Median 98,61 Euro
- Semperit — 487 Ausführungen, 14 Profile, Median 109,27 Euro
- Matador — 393 Ausführungen, 15 Profile, Median 89,96 Euro
- Viking — 223 Ausführungen, 12 Profile, Median 91,76 Euro
- Sportiva — 19 Ausführungen, Gislaved — 2 Ausführungen
Die beiden letzten Namen spielen im deutschen Ersatzgeschäft praktisch keine Rolle mehr; real sind es sechs Marken. Bemerkenswert ist die Position der Kernmarke: Mit 3.441 lieferbaren Ausführungen ist Continental die größte Einzelmarke in unserem gesamten Sortiment — vor Pirelli mit 3.195 und Michelin mit 3.042. Welche Marke zu welchem Konzern gehört und warum das beim Preisvergleich hilft, haben wir in der Übersicht Reifenmarken: Wer gehört zu wem? aufgeschlüsselt; das Porträt der Kernmarke selbst steht im Markencheck zu Continental.
Ein Hinweis zur Lesart dieser Zahlen, weil wir sie in diesem Beitrag fortschreiben: Gegenüber unserer Auszählung vom 20. September ist der lieferbare Reifenbestand insgesamt um gut tausend Ausführungen gesunken, der Konzernanteil dagegen praktisch gleich geblieben. Ein Katalog ist eine Momentaufnahme, kein Register — Bestände und Preise bewegen sich täglich, teils mehrmals. Jede Zahl hier gilt deshalb für den genannten Zeitpunkt und nicht als Marktaussage.
Die 18-Zoll-Schwelle, im eigenen Regal nachgezählt
Jetzt die Probe aufs Exempel. Continental definiert UHP als Reifen ab 18 Zoll — also lässt sich exakt auszählen, wo die Konzernmarken heute stehen. Basis sind alle lieferbaren Pkw-, SUV- und Offroad-Reifen der sechs real vertretenen Konzernmarken, zusammen 4.781 Ausführungen.
Das Ergebnis ist eindeutig:
- Continental: 2.836 Ausführungen, davon 1.923 ab 18 Zoll = 67,8 Prozent
- Semperit: 426 Ausführungen, davon 173 ab 18 Zoll = 40,6 Prozent
- Uniroyal: 517 Ausführungen, davon 205 ab 18 Zoll = 39,7 Prozent
- Barum: 514 Ausführungen, davon 189 ab 18 Zoll = 36,8 Prozent
- Viking: 171 Ausführungen, davon 49 ab 18 Zoll = 28,7 Prozent
- Matador: 317 Ausführungen, davon 84 ab 18 Zoll = 26,5 Prozent
Zum Vergleich: Über unser gesamtes Pkw-, SUV- und Offroad-Regal hinweg — 43.053 lieferbare Ausführungen aller 117 Marken — liegt der Anteil ab 18 Zoll bei 50,2 Prozent. Die Kernmarke Continental liegt also gut 17 Prozentpunkte über diesem Durchschnitt, ihre Zweitmarken dagegen 10 bis 24 Punkte darunter.
Und damit schließt sich der Kreis zur Pressemitteilung. Continental nennt dort als Beispiele für den UHP-Ausbau ausgerechnet Semperit und Uniroyal — also genau die beiden Zweitmarken, die mit 40,6 und 39,7 Prozent rund 27 bis 28 Prozentpunkte hinter der Kernmarke zurückliegen. Die 650 neuen Dimensionen zielen nicht in eine beliebige Lücke, sondern in genau jene, die unser Regal heute sichtbar macht. Matador und Viking, die mit 26,5 und 28,7 Prozent noch weiter zurückliegen, werden in der Mitteilung übrigens nicht genannt. Bemerkenswert ist, wie stabil dieses Muster über die Wochen bleibt: Zwischen unseren beiden Auszählungen im September und Oktober haben sich die Anteile bei allen sechs Marken um weniger als anderthalb Prozentpunkte verändert. Eine Ankündigung über anderthalb Jahre schlägt sich eben nicht in Wochen im Lager nieder — wer die Wirkung dieser Offensive beobachten will, braucht Geduld und muss nachzählen, nicht zuhören.
Wie viel Geld an dieser Schwelle hängt, zeigt derselbe Datensatz. Ein Continental-Reifen ab 18 Zoll kostet bei uns im Median 208,76 Euro, ein Continental unter 18 Zoll 132,53 Euro — ein Aufschlag von 57,5 Prozent, gerechnet über 1.923 beziehungsweise 913 Ausführungen. Bei Semperit liegen die Mediane bei 135,38 gegenüber 89,59 Euro, bei Uniroyal bei 134,21 gegenüber 90,56 Euro. Auch bei Barum mit 50,5 Prozent, Matador mit 49,6 Prozent und Viking mit 46,7 Prozent fällt der Aufschlag ähnlich aus — die Schwelle wirkt also quer durch den Konzern fast gleich stark. Das ist die Mechanik hinter der gestiegenen Marge, in Euro und Cent nachvollziehbar.
Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenrechnung: Ein größerer Reifen ist nicht automatisch ein besserer. Der höhere Median entsteht ganz überwiegend daraus, dass ein 19- oder 21-Zoll-Reifen schlicht mehr Material, mehr Entwicklungsaufwand und eine kleinere Stückzahl bedeutet. Für Sie heißt „ab 18 Zoll“ deshalb zuerst einmal: teurer. Ob der Reifen auch besser bremst, entscheidet weiterhin das einzelne Modell — und nicht der Felgendurchmesser. Warum breitere und größere Reifen nicht in jeder Hinsicht gewinnen, haben wir in Breit oder schmal: Was die Reifenbreite wirklich kostet durchgerechnet.
Wo die neuen Größen landen werden: die Zollkurve der Kernmarke
Die Verteilung des Continental-Bestands über die Felgengrößen zeigt, wo noch Platz ist. Auf 13 Zoll entfallen 13 Ausführungen, auf 14 Zoll 50, auf 15 Zoll 133, auf 16 Zoll 288 und auf 17 Zoll 429. Dann folgt der dicke Block: 550 Ausführungen in 18 Zoll, 523 in 19 Zoll, 417 in 20 Zoll und 286 in 21 Zoll. Nach oben hin wird es schlagartig dünn — 128 Ausführungen in 22 Zoll, und in 23 und 24 Zoll zusammen gerade einmal 19 Ausführungen.
Genau dort, am oberen Ende, hat eine Ankündigung über 650 zusätzliche Dimensionen den größten Hebel. Und dass Continental die Spanne bis 24 Zoll ernst meint, lässt sich am Aushängeschild überprüfen: Vom SportContact 7 führen wir 148 Ausführungen in 111 Größen, und die decken die vom Hersteller genannte Spanne lückenlos ab — 11 in 18 Zoll, 36 in 19, 37 in 20, 39 in 21, 18 in 22, 5 in 23 und 2 in 24 Zoll. Die Preise reichen von 97,02 bis 534,31 Euro bei einem Median von 254,47 Euro; eine einzelne, offensichtlich fehlerhafte Preiszeile haben wir dabei ausgenommen, weil dieselbe Größe mit demselben Index an anderer Stelle 217,70 Euro kostet. Die Herstellerangabe hält der Gegenprobe im Regal also stand, was keineswegs selbstverständlich ist.
Der Einstieg in die Reihe ist der Continental SportContact 7 225/40 R18 92Y für 97,02 Euro; alle lieferbaren Dimensionen stehen in der Modellübersicht zum SportContact 7, die genannte Dimension selbst auf der Größenseite 225/40 R18. Was diesen Reifen technisch auszeichnet und wo die Werksversionen vom Ersatzreifen abweichen, steht im Modellbeitrag zum SportContact 7; was die Gattung UHP insgesamt ausmacht, erklären wir im Ratgeber Sportreifen und Semislicks.
Die Kehrseite dieser Strategie sollten Kleinwagenfahrer kennen: Mit 13 Ausführungen in 13 Zoll und 50 in 14 Zoll ist die Kernmarke im unteren Größenbereich dünn besetzt, und dort wird sie durch diese Offensive auch nicht dichter. Dass die Auswahl in kleinen Dimensionen generell schrumpft, ist kein Continental-Problem, sondern ein Markttrend — nachgerechnet haben wir ihn in Kleine Reifengröße, kleine Auswahl. Auch die Felgenseite folgt dieser Bewegung, wie unser Beitrag Warum es Stahlfelgen fast nur bis 16 Zoll gibt zeigt.
Nicht nur Pkw: was ein reiner Reifenhersteller sonst noch führt
„Reiner Reifenhersteller“ klingt nach Schrumpfung, meint aber ein erstaunlich breites Programm. Die 3.441 lieferbaren Continental-Ausführungen in unserem Regal verteilen sich auf 135 Profile und auf deutlich mehr als das Pkw-Geschäft: 1.475 Pkw-Sommerreifen, 612 Pkw-Winterreifen, 363 Offroad-Sommerreifen, 300 Pkw-Ganzjahresreifen, 152 Motorrad-Straßenreifen, 122 Sommerreifen für Transporter, 108 Reifen für Mofa, Moped und Roller, 89 Transporter-Ganzjahresreifen, 86 Offroad-Winterreifen, 85 Motorrad-Enduroreifen sowie 49 Winterreifen für Transporter. Diese elf Warengruppen ergeben zusammen genau die 3.441 Ausführungen — eine Vollerhebung ohne Rest, nicht eine Stichprobe.
Dass dieses Programm gepflegt wird und nicht nur verwaltet, zeigte der September gleich mehrfach. Am 10. September stellte Continental den ContiMotion EVO vor, den Nachfolger des ContiMotion im Sport-Touring-Segment, mit drei Größen ab September 2026 und einer vierten ab November — die Einzelheiten stehen in unserem Wochenrückblick zur KW 37. In unserem Sortiment ist der Nachfolger auch Mitte Oktober noch nicht gelistet; wir haben es für diese Aktualisierung erneut geprüft. Der Vorgänger steht weiterhin in elf Ausführungen bereit — drei als ContiMotion, zwei als ContiMotion Z und sechs als ContiMotion M, etwa der Continental ContiMotion M 180/55ZR17 73W für 96,83 Euro. Bereits Anfang September war Continental als Erstausrüster des neuen Audi Q3 bestätigt worden, nachzulesen im Beitrag zur Erstausrüstung des Audi Q3.
Für den Transporterbereich lohnt sich der Blick in unseren Vergleich der VanContact-Linien; die gesamte Auswahl finden Sie bei den Reifen für Van und Transporter und — für Motorradfahrer — bei den Straßenreifen fürs Motorrad.
Was sich für Sie als Käufer ändert — und was nicht
Das Wichtigste zuerst, und daran hat auch die EU-Freigabe nichts geändert: Für den Kauf und die Nutzung von Continental-Reifen ändert der Konzernumbau unmittelbar nichts. Modelle, Größen, Freigaben und Garantien bleiben, wie sie sind. Ein Reifen wird weder besser noch schlechter, weil das Unternehmen dahinter eine Industriesparte verkauft — und die genehmigte Transaktion betrifft, wie die Kommission selbst festhält, Gummi- und Kunststoffprodukte, nicht das Reifengeschäft.
Mittelbar lassen sich aus den Zahlen aber zwei Erwartungen ableiten, die über Werbeversprechen hinausgehen. Erstens: Das Größenangebot wächst oben, nicht unten. Wer ein Fahrzeug mit 19, 20 oder 21 Zoll fährt, wird in den kommenden anderthalb Jahren mehr Auswahl vorfinden — bei der Kernmarke wie bei Semperit und Uniroyal. Wer einen Kleinwagen mit 14 oder 15 Zoll bewegt, profitiert von dieser Offensive nicht. Zweitens: Die Zweitmarken rücken nach. Genau das ist für preisbewusste Käufer die interessantere Nachricht, denn der Preisabstand innerhalb des Konzerns ist erheblich — bei Winterreifen haben wir ihn in Derselbe Konzern, 112 Euro Unterschied nachgerechnet.
Was die Zweitmarken heute leisten, haben wir jeweils einzeln geprüft: Semperit im Datencheck, Uniroyal im Datencheck und, als günstigste Marke des Konzerns, Matador. Konkret im Regal stehen beispielsweise der Semperit Speed-Grip 5 205/55 R16 91H für 79,16 Euro und der Uniroyal RainSport 5 255/35 R19 96Y für 121,23 Euro — letzterer bereits eine 19-Zoll-Größe und damit ein Beispiel dafür, dass die Zweitmarken im großen Segment durchaus schon vertreten sind.
Aus dem Continental-Programm selbst sind die meistgefragten Vertreter der Continental PremiumContact 7 205/55 R16 91V für 83,14 Euro im Sommer und der Continental WinterContact TS 870 205/55 R16 91T für 98,96 Euro im Winter. Der Winterreifen zeigt dabei beispielhaft, warum ein Preis in einem Ratgeber immer ein Datum braucht: Innerhalb von gut drei Wochen ist er um rund sieben Prozent gestiegen, während der Sommerreifen im selben Zeitraum vergleichsweise ruhig blieb. In der Wechselsaison ist das der Normalfall und keine Besonderheit dieser Marke. Zu beiden gibt es ausführliche Modellbeiträge: PremiumContact 7 im Detail sowie WinterContact TS 870 und TS 870 P im Direktvergleich. Die komplette Auswahl finden Sie bei den Sommerreifen für den Pkw, den Winterreifen für den Pkw und — für das wachsende große Segment — bei den Sportreifen.
Häufige Fragen
Gehört ContiTech inzwischen nicht mehr zu Continental?
Noch schon, aber der entscheidende Schritt ist getan. Die EU-Kommission hat den Verkauf an Lone Star am 12. Oktober 2026 nach der Fusionskontrollverordnung freigegeben (Fall M.12551, bekannt gemacht am 13. Oktober). Im Fallregister läuft zum selben Geschäft jedoch noch ein zweites Verfahren nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen (FS.100381) mit einer vorläufigen Frist bis zum 3. November 2026. Continental erwartet den Abschluss der Transaktion zum Jahresende 2026 und weist die Sparte bilanziell bereits als nicht fortgeführte Aktivität aus.
Werden Continental-Reifen durch den Konzernumbau teurer?
Dafür gibt es keinen Beleg. Preise entstehen aus Rohstoffkosten, Wettbewerb und Größensegment. Sichtbar ist lediglich, dass das Angebot in den teureren großen Dimensionen ab 18 Zoll wächst — der Durchschnittspreis eines Continental steigt dadurch, der einzelne Reifen aber nicht.
Bekommen auch Semperit und Uniroyal neue große Größen?
Ja. Continental nennt beide Zweitmarken in der Mitteilung vom 16. September ausdrücklich als Teil des UHP-Ausbaus. In unserem Regal liegen sie mit 40,6 beziehungsweise 39,7 Prozent Anteil ab 18 Zoll heute deutlich hinter der Kernmarke mit 67,8 Prozent.
Fazit
Der Umbau hat seine wichtigste behördliche Hürde genommen, vollzogen ist er noch nicht — und für Reifenkäufer ist er trotzdem schon sichtbar. Die europäische Fusionskontrolle hat den ContiTech-Verkauf am 12. Oktober 2026 ohne Bedingungen freigegeben; ein zweites EU-Verfahren zu drittstaatlichen Subventionen läuft mit Frist bis Anfang November noch. Die Quartalszahlen zeigen, warum Continental diesen Weg geht: Die Reifensparte erreichte im zweiten Quartal 2026 eine bereinigte EBIT-Marge von 15,3 Prozent und lag damit über der eigenen Jahresprognose. Die Ansage über 650 neue Dimensionen bis Ende 2027 zeigt, wo dieses Geschäft wachsen soll: ab 18 Zoll. Und unser eigenes Regal zeigt, wo die Lücke dafür liegt — bei den Zweitmarken Semperit und Uniroyal, die heute rund 28 Prozentpunkte hinter der Kernmarke zurückliegen. Für Sie ändert sich am einzelnen Reifen nichts; für die Auswahl in den kommenden Jahren aber einiges. Passende Reifen aller Konzernmarken finden Sie jederzeit in unserer Übersicht der PKW-Reifen.
Quellen: Fallregister der EU-Kommission, Generaldirektion Wettbewerb, Fälle M.12551 (Fusionskontrolle, Entscheidung nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. b vom 12.10.2026) und FS.100381 (drittstaatliche Subventionen, angemeldet 28.09.2026, vorläufige Frist 03.11.2026); Tägliche Nachrichten der Europäischen Kommission vom 13.10.2026; Verordnung (EU) 2022/2560, Artikel 24; Meldung von Reifenpresse.de vom 14.10.2026; Pressemitteilungen der Continental AG vom 04.07.2026 (ContiTech-Verkauf), 04.08.2026 (Ergebnis erstes Halbjahr) und 16.09.2026 (UHP-Ausbau); Zusammenfassung der Quartalszahlen bei Gummibereifung vom 04.08.2026. Die Bestands-, Größen- und Preisangaben aus unserem Sortiment stammen aus dem offenen Produktkatalog von Reifentiefpreis.de mit Stand 14.10.2026, 17:08 Uhr, und ändern sich laufend.