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Fahrzeugtypen – Ratgeber im Magazin

Reifen ohne Lastindex: Was bei 201 Geräte- und Spezialreifen statt 91V auf der Flanke steht

· 11 Min. Lesezeit
Vier verschiedene Gerätereifen nebeneinander auf einer Werkbank – KI-generiert (OpenAI)
Vier verschiedene Gerätereifen nebeneinander auf einer Werkbank – KI-generiert (OpenAI)

Auf einem Pkw-Reifen steht hinter der Größe eine Zahl und ein Buchstabe: 91V, 97H, 103Y. Daran hängt fast alles — Tragfähigkeit, zulässiges Tempo, Eintragung im Fahrzeugschein. Auf einem Reifen für den Aufsitzmäher, den Gabelstapler, den Ackerwagen oder den Elektrorollstuhl steht das nicht. Dort steht 4PR. Oder 16PR. Oder 73A8. Oder gar nichts davon.

Wir haben diesen Teil unseres Regals einmal vollständig ausgezählt: 201 Ausführungen aus zwölf Rubriken, jede einzeln abgerufen, alle Preise am selben Tag erhoben (Stand 30. September 2026, je Stück inklusive Mehrwertsteuer, unsere Shoppreise). Das Ergebnis erklärt nicht nur, was die Codes bedeuten — es zeigt auch, warum dieselbe Reifengröße bei uns in bis zu vier verschiedenen Rubriken steht und dabei unterschiedlich viel kostet.

Ein Prozent des Regals — und die eigenwilligste Ecke davon

Unser Sortiment umfasst zum Erhebungszeitpunkt 52.794 Ausführungen. Davon liegen 524 in der Rubrik Sonstige Reifen, also genau ein Prozent. Zum Vergleich: allein auf Pkw-Reifen entfallen 35.477 Ausführungen. Dieses eine Prozent ist trotzdem der abwechslungsreichste Teil des Katalogs, denn dahinter stecken vierzehn Unterrubriken, die technisch fast nichts gemeinsam haben: Rasenmäher, Kleintraktor, Karrenreifen, Industriereifen, Orthopädie, Heuwender, Ackerwagen, AS-Front, Flugzeugreifen, Schneefräse, Elektroscooter, Kartreifen sowie zwei große Blöcke, die wir hier ausklammern: 77 Reifen für Anhänger und Oldtimer und 248 Schläuche.

Die verbleibenden zwölf Rubriken haben wir vollständig erhoben — 201 Ausführungen, 117 verschiedene Größen und 103 Profilbezeichnungen. Die Mengenverteilung ist schief: Rasenmäher stellt mit 48 Ausführungen das größte Feld, dahinter folgen Kartreifen mit 29, Kleintraktor mit 28, Karrenreifen mit 22 und Heuwender mit 21. Am anderen Ende stehen Rubriken, die man in einem Reifenshop kaum erwartet: fünf AS-Front-Reifen für die Lenkachse von Traktoren, fünf für Schneefräsen, sechs Flugzeugreifen. Eine Größe in einer dieser kleinen Rubriken zu finden ist kein Zufallstreffer, sondern oft die einzige Möglichkeit überhaupt.

Drei verschiedene Codes in demselben Feld

Im Shop steht bei jedem Reifen ein Feld „Last-/Geschwindigkeitsindex". Bei einem Pkw-Reifen steht dort 91V. In diesen zwölf Rubriken steht dort dreierlei — und das ist der wichtigste Befund der Erhebung:

  • Eine PR-Zahl: 169 der 201 Ausführungen. PR steht für „Ply Rating", die Lagenzahl der Karkasse. Verteilung: 4PR ist mit 89 Ausführungen der Normalfall, dahinter 6PR (30), 2PR (23), 14PR (9), 8PR (8), 10PR (6), 12PR (3) und ein einziger 16PR-Reifen.
  • Ein Mischungs- oder Verwendungsname: 29 Ausführungen. Das sind die Kartreifen, bei denen statt einer Kennzahl „soft", „mittelhart" oder „intermedia" steht. Warum dort die Mischung die eigentliche Kaufentscheidung ist, steht im Regalcheck zu Kartreifen.
  • Eine echte Last-/Geschwindigkeitskennung: genau drei Ausführungen. 35B, 73A8 und 56A6 — drei von 201.

Entscheidend ist, was PR nicht ist: keine Tragfähigkeit in Kilogramm. Die Zahl beschreibt die Festigkeit der Karkasse, ausgedrückt in einer rechnerischen Lagenzahl; wie viel der Reifen tatsächlich trägt, steht erst in der Tabelle des Herstellers und hängt zusätzlich vom Luftdruck ab. Der einzige 16PR-Reifen im Feld ist ein Staplerreifen in 18x7-8 für 130,53 €, dessen Produktdaten die Lagenzahl korrekt als „Load Range H" übersetzen. Dass hier eine Lagenzahl und nicht 91V zählt, haben wir für Garten- und Handgeräte schon einmal ausführlich erklärt — im Ratgeber zu Gerätereifen für Rasenmäher und Schubkarre.

A6, A8 und B: wenn die Tragfähigkeit vom Tempo abhängt

Die drei Ausführungen mit echter Kennung sind aufschlussreicher, als ihre kleine Zahl vermuten lässt, denn sie zeigen ein System, das es beim Pkw-Reifen nicht gibt. Bei Landwirtschafts- und Gerätereifen steht hinter dem Lastindex kein V und kein H, sondern ein A-Symbol mit Zusatzzahl — und dieses Symbol markiert sehr niedrige Geschwindigkeiten:

Der Punkt ist die Kopplung: Die zulässige Last gilt nur für das genannte Tempo. Wie stark das wirkt, zeigt ein Reifen aus der Rubrik AS-Front besonders deutlich. Die Produktdaten des AS-Front-Reifens 6.00-16 für 97,94 € nennen eine Doppelkennung 88A6/80A8: 560 Kilogramm bei 30 km/h, aber nur 450 Kilogramm bei 40 km/h. Derselbe Reifen, dieselben sechs Lagen, ein Fünftel weniger Tragfähigkeit — allein weil schneller gefahren wird. Wer eine Geräteachse nach der höheren Zahl bestückt und dann Landstraße fährt, überlädt sie. Bei einem Pkw-Reifen ist der Lastindex dagegen ein einziger Wert, der bis zur zugelassenen Höchstgeschwindigkeit gilt.

117 Größen, fünf Schreibweisen — und 15,3 Zoll

Wer in diesem Teil des Regals sucht, stolpert zuerst über die Schreibweisen. Fünf verschiedene Systeme stehen gleichzeitig im Katalog, und sie beschreiben nicht dasselbe:

  • Zoll-Diagonalmaß wie 7.00-12 oder 4.00-8: Breite in Zoll, danach der Felgendurchmesser.
  • Außendurchmesser mal Breite minus Felge wie 18x8.50-8 oder 31x13.50-15: hier steht die Höhe vorn.
  • Metrisches Landwirtschaftsmaß wie 10.0/75-15.3 oder 6.5/80-12 mit Querschnittsangabe.
  • Millimeter- und Fahrradmaße wie 12½x2¼ (62-203) oder 81½x2 (220/120x50), üblich bei Reha-Fahrzeugen und Scootern.
  • Pkw-artige Radialmaße, die vereinzelt auftauchen, etwa 90/65R6.5.

Die Felgendurchmesser häufen sich klar im Kleinen: 8 Zoll (37 Ausführungen), 5 Zoll (36), 6 Zoll (27) und 4 Zoll (26) tragen zusammen mehr als die Hälfte des Feldes. Danach wird es dünn — 12 Zoll (19), 10 Zoll (11), 15 Zoll (9), 16 Zoll (8). Und dann gibt es eine Besonderheit, die man im übrigen Regal nirgends findet: 15,3 Zoll. Fünf Ausführungen in 10.0/75-15.3 und 11.5/80-15.3 sitzen auf diesem Durchmesser, den es bei Pkw-, Van- oder Motorradreifen nicht gibt; die Gegenprobe über das gesamte Sortiment ohne Rubrikfilter liefert genau zehn Treffer, alle aus der Landtechnik. Wer so eine Felge am Ackerwagen hat, findet keine Alternative in einer benachbarten Zollgröße — 15 Zoll passt nicht.

Dieselbe Größe steht in bis zu vier Rubriken

Jetzt der Befund, der beim Kauf wirklich Geld kostet: 22 der 117 Größen stehen in mehr als einer Rubrik. Die Rubrik ist nämlich kein technisches Merkmal des Reifens, sondern ein Verwendungshinweis — und wer nur dort sucht, wo sein Gerät einsortiert ist, sieht einen Teil des Angebots nicht.

Das Extrembeispiel ist 13x5.00-6: Diese Größe führen wir in vier Rubriken mit sechs Ausführungen, von 39,38 € bis 53,72 €. Der günstigste Reifen dieser Größe steht unter Rasenmäher (KT 302 ST 50 in 4PR), der teuerste unter Heuwender. Ähnlich bei 16x6.50-8: drei Rubriken, sechs Ausführungen, 43,10 € bis 66,69 €. Bei 7.00-12 reicht die Spanne über drei Rubriken von 105,56 € beim Ackerwagenreifen AW702 bis 206,61 € bei der Staplerausführung — Faktor 1,96.

Die größte Spreizung hat 3.50-8 mit Faktor 2,57: 22,22 € unter Karrenreifen, 50,00 € unter Heuwender, 57,08 € unter Kleintraktor. Über alle 201 Ausführungen hinweg liegt der Preis zwischen 15,86 € und 491,70 € — Faktor 31 bei einem Median von 54,68 €.

Warum das trotzdem nicht derselbe Reifen ist

Aus diesen Spannen darf man nicht schließen, dass eine Rubrik einfach teurer abrechnet. Wir haben die Fälle einzeln angesehen, und in fast allen steckt ein echter technischer Unterschied — meistens im Profil. Bei 3.50-8 ist der günstige Karrenreifen ein glattes Rillenprofil für befestigten Boden, der teure Kleintraktor-Reifen ein Stollenprofil, das Zugkraft auf weichem Untergrund bringen muss. Das ist kein Preisaufschlag, das ist ein anderer Reifen.

Der interessanteste Fall ist der einzige, bei dem Profilname, Größe und Lagenzahl identisch sind: „Rille" in 3.00-4 (260x85) mit 4PR. Die Karrenreifen-Ausführung kostet 19,22 €, die Orthopädie-Ausführung 31,11 € — 62 Prozent mehr. Auch hier sind es zwei verschiedene Artikel mit verschiedenen Artikelnummern (62030029 und 69010027), und die Produktbeschreibungen nennen den Unterschied: Die Orthopädie-Ausführung ist ausdrücklich als Schlauchreifen (TT) geführt und hat eine überwiegend graue, nicht markierende Mischung, die Innenbodenbeläge schont. Für ein Elektromobil, das in Wohnung und Pflegeheim fährt, ist genau das der Grund, den teureren zu nehmen. Für die Schubkarre im Garten nicht.

Die praktische Regel lautet deshalb nicht „nimm den günstigsten", sondern: Suchen Sie über die Größe, nicht über die Rubrik — und vergleichen Sie dann Profil, Lagenzahl und Ausführung (TT oder TL). Bei Größen wie 13x5.00-6 oder 16x6.50-8 stehen die Alternativen sonst zwei Klicks entfernt und Sie sehen sie nie.

„Markenreifen" ist keine Marke — und ein EU-Label gibt es hier nicht

Alle 201 Ausführungen laufen im Shop unter dem Sammelnamen „Markenreifen". Das ist keine Herstellerangabe, sondern ein Platzhalter für Ware ohne eigenen Markenauftritt. Wer wissen will, was er kauft, findet zwei Spuren. Die erste ist der Profilname: Der Staplerreifen BKT heavy duty und der Ackerwagenreifen BKT AW 705 für 299,31 € stammen laut Produktdaten aus dem Programm von BKT (Balkrishna Industries, Indien), der Titan Multi Trac ist ein R-3-Turfprofil von Titan/Carlstar, und die vielen ST- und KT-Profile sind Gerätereifen des Reifenwerks Heidenau. Die zweite Spur ist der Abschnitt zur Produktsicherheit auf jeder Produktseite: Als verantwortlicher Wirtschaftsakteur nach der GPSR ist dort durchgehend die Reifenwerk Heidenau GmbH & Co. Produktions KG in 01809 Heidenau genannt — auch bei den Reifen mit fremdem Profilnamen.

Ein EU-Reifenlabel trägt keiner dieser Reifen, und das ist kein Versäumnis: Die EU-Reifenkennzeichnungsverordnung gilt nur für die Klassen C1, C2 und C3, also Pkw, Transporter und Lkw. Welche acht Ausnahmen die Verordnung macht, haben wir an 4.803 Reifen ohne EU-Label durchgerechnet. Zwei weitere Punkte gehören dazu: Alle geprüften Ausführungen sind Bestellware — auf den Produktseiten steht „lieferbar auf Bestellung", nicht Lagerware. Und bei den sechs Flugzeugreifen, etwa der Leichtflugzeug-Größe 6.00-6 für 245,40 €, entscheidet nicht der Reifenhändler über die Verwendbarkeit, sondern die Freigabe im Flughandbuch des Luftfahrzeugs.

Was die Rubriken kosten: der teuerste Reifen sitzt am Aufsitzmäher

Die Preisbilder der Rubriken liegen weit auseinander, und sie folgen nicht der Größe des Geräts, sondern seiner Last. Die Medianpreise, jeweils je Stück:

  • Ackerwagen 169,38 € (105,56–328,55 €) — teuerste Rubrik, weil hier 12PR und 14PR die Regel sind.
  • Flugzeugreifen 180,47 € bei nur sechs Ausführungen, Industriereifen 134,79 € (71,06–272,07 €).
  • AS-Front 97,94 €, Rasenmäher 95,08 €, Kleintraktor 84,50 €, Heuwender 48,27 €, Schneefräse 47,00 €.
  • Karrenreifen 24,07 €, Elektroscooter 22,76 €, Orthopädie 22,17 € — hier bleibt fast alles zweistellig.

Der teuerste Reifen des ganzen Feldes sitzt trotzdem nicht am Gabelstapler und nicht am Ackerwagen, sondern an einem Aufsitzmäher: Der Titan Multi Trac in 31x13.50-15 mit 8PR kostet 491,70 € je Stück. Ein Satz davon liegt damit über dem Preis vieler kompletter Pkw-Reifensätze. Der Grund ist schlicht die Baugröße: 31 Zoll Außendurchmesser und 13,5 Zoll Breite sind mehr Gummi als an einem Kompaktwagen. Am anderen Ende stehen 15,86 € für ein kleines 200x50-Rad in 2PR, das es sowohl unter Karrenreifen als auch unter Elektroscooter gibt. Wer die Kosten eines Reifens über die Nutzungsdauer betrachten will, findet die Methodik dazu in unserer Rechnung zu den Reifenkosten je 1.000 Kilometer — bei Gerätereifen zählt allerdings eher die Betriebsstunde als der Kilometer.

Fazit

Dieser Teil des Regals verlangt eine andere Lesart als der Pkw-Reifen. Statt 91V steht dort in 169 von 201 Fällen eine Lagenzahl, die keine Kilogramm nennt; in drei Fällen eine A-Kennung, bei der die Tragfähigkeit vom Tempo abhängt; bei den Kartreifen nur ein Mischungsname. Die Größe steht in fünf verschiedenen Schreibweisen im Katalog, und ein Felgendurchmesser — 15,3 Zoll — kommt sonst nirgends vor.

Das Wichtigste ist aber die Suchstrategie: 22 von 117 Größen stehen in mehreren Rubriken, mit Preisunterschieden bis zum Faktor 2,6. Diese Unterschiede sind fast immer echt und stecken im Profil oder in der Ausführung — deshalb ist die Rubrik ein guter Hinweis, aber ein schlechter Filter. Lesen Sie die Größe von der alten Flanke ab, suchen Sie nach dieser Zeichenfolge, und entscheiden Sie dann anhand von Profil, Lagenzahl und TT/TL, welche der Ausführungen zu Ihrem Gerät gehört. Den Einstieg über alle Rubriken hinweg finden Sie unter Sonstige Reifen.

Häufige Fragen

Was bedeutet 4PR auf einem Reifen?

PR steht für „Ply Rating", also die rechnerische Lagenzahl der Karkasse. Sie beschreibt die Festigkeit und damit indirekt die Tragfähigkeit, ist aber keine Kilogrammangabe: Wie viel der Reifen tragen darf, steht in der Tabelle des Herstellers und hängt vom Luftdruck ab. In unserer Erhebung ist 4PR mit 89 von 201 Ausführungen der häufigste Wert, die Spanne reicht von 2PR bis 16PR.

Darf ich einen Rasenmäherreifen an meinen Kleintraktor montieren?

Die Rubrik ist nur ein Verwendungshinweis, entscheidend sind Größe, Lagenzahl, Ausführung (mit oder ohne Schlauch) und Profil. Passt die Größe und reicht die Lagenzahl für die Achslast, ist der Reifen technisch geeignet — aber ein glattes Turfprofil bringt auf weichem Boden keine Zugkraft, und ein Stollenprofil beschädigt die Grasnarbe. Prüfen Sie zusätzlich die Vorgaben des Geräteherstellers.

Warum hat mein Gerätereifen kein EU-Label und keinen Lastindex?

Die EU-Reifenkennzeichnung gilt nur für Reifen der Klassen C1 bis C3, also für Pkw, Transporter und Lkw. Geräte-, Landwirtschafts-, Industrie-, Kart- und Flugzeugreifen fallen nicht darunter und tragen deshalb weder Label noch die vom Auto bekannte Index-Kombination. Statt des Lastindex nennen sie eine Lagenzahl oder eine A-Kennung mit tempoabhängiger Tragfähigkeit.

Schlagwörter: Gerätereifen Spezialreifen Ply Rating Landwirtschaftsreifen Tragfähigkeit

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