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Reifenpflege & Lagerung – Ratgeber im Magazin

Reifen porös und rissig: Wann Alterungsrisse gefährlich werden – und wann Sie wechseln müssen

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 14.07.2026
Gealterte Reifenflanke mit feinen Alterungsrissen im Gummi (KI-generiert, OpenAI)
Gealterte Reifenflanke mit feinen Alterungsrissen im Gummi (KI-generiert, OpenAI)

Ein Reifen kann noch reichlich Profil haben und trotzdem unsicher sein. Denn Gummi altert – auch dann, wenn das Auto viel steht oder nur wenige Kilometer im Jahr läuft. Mit den Jahren wird die Mischung härter, an Flanke und Rillengrund zeigen sich feine Risse, und im Grenzbereich lässt der Grip nach. Gerade im Sommer beschleunigen Hitze, UV-Strahlung und Ozon diesen Prozess. Dieser Ratgeber erklärt, warum Reifen porös und rissig werden, welche Risse harmlos sind und welche zum Sicherheitsrisiko werden – und wann Sie einen Reifen trotz gutem Profil austauschen sollten.

Warum Reifen altern – auch im Stand

Ein Reifen besteht aus einer komplexen Mischung von Natur- und Synthesekautschuk, Ruß, Silica, Weichmachern und Alterungsschutzmitteln. In dieser Mischung laufen über die Zeit chemische und physikalische Prozesse ab, die sich nicht stoppen lassen. Der ADAC zitiert dazu einen Continental-Ingenieur: Reifen altern „durch die Oxidation verschiedener Reifenbauteile durch den Einfluss von Sauerstoff/Ozon, UV-Strahlung, Temperatur, Feuchtigkeit und Zeit". Dabei werden die langen Polymerketten des Gummis aufgespalten, es bilden sich neue Vernetzungen – und die Elastizität geht zurück.

Die Folge spürt man vor allem im Grenzbereich: Ein ausgehärteter Reifen schmiegt sich schlechter an die Fahrbahn an, der Grip sinkt und der Bremsweg wird länger – besonders bei Nässe und Kälte. Entscheidend ist der Unterschied zwischen Verschleiß und Alterung. Verschleiß entsteht durchs Fahren, das Profil wird flacher. Alterung dagegen läuft auch im Stand weiter, unabhängig von der Laufleistung. Ein selten genutzter Zweitwagen, das eingelagerte Cabrio oder ein Wohnmobil kann deshalb technisch „zu alt" sein, lange bevor das Profil heruntergefahren ist. Genau das wird häufig unterschätzt.

Ozonrisse, Haarrisse und Craquelé: die typischen Alterungszeichen

Das sichtbarste Zeichen der Alterung sind feine Risse. Fachleute sprechen von Ozonrissen oder – wegen des netzartigen Musters – von Craquelé. Sie bilden sich bevorzugt dort, wo das Gummi stark beansprucht und der Luft ausgesetzt ist: an der Seitenwand, an den Schultern und im Grund der Profilrillen. Höhere Temperaturen und Feuchtigkeit begünstigen die Rissbildung zusätzlich – ein Grund, warum der Sommer dem Reifen besonders zusetzt.

Damit das nicht zu früh passiert, mischen die Hersteller Alterungsschutzmittel bei: Antioxidantien und Wachse. Sie wandern langsam an die Oberfläche und bilden dort laut Continental einen dünnen Schutzfilm aus Wachs, der die oberflächliche Ozonrissbildung hemmt. Das ist auch der Grund für den leicht gräulichen Schleier, den neue oder frisch bewegte Reifen manchmal zeigen. Neben Rissen deuten weitere Anzeichen auf fortgeschrittene Alterung hin: ein hart und glasig wirkendes Gummi, eine ausgetrocknete, matte Oberfläche und ein Reifen, der sich mit dem Fingernagel kaum noch eindrücken lässt. Wer diese Zeichen kennt, erkennt einen altersschwachen Reifen oft schon auf den ersten Blick.

Harmlose Oberflächenrisse oder ernste Gefahr?

Nicht jeder Riss bedeutet sofort Lebensgefahr – aber jeder gehört beurteilt. Grundsätzlich gilt: Feine, oberflächliche Härchen im Gummi sind zunächst ein optisches Alterungszeichen. Continental weist ausdrücklich darauf hin, dass bei sachgerechter Nutzung und Lagerung die Verschleißgrenze meist deutlich vor der Alterungsgrenze erreicht wird. Ein regelmäßig gefahrener, gepflegter Reifen ist also selten allein wegen oberflächlicher Risse ein akuter Notfall.

Kritisch wird es, wenn Risse tiefer werden, sich verzweigen oder bis auf das darunterliegende Gewebe – die Karkasse – reichen. Denn kleine Risse können sich, so Continental, schnell zu irreparablen Schäden ausweiten. Reißt das Gummi im Rillengrund oder an der Flanke tief ein, drohen im ungünstigsten Fall schleichender Luftverlust oder ein plötzlicher Reifenschaden bei hohem Tempo. Wichtig ist dabei die Abgrenzung zum Aufprallschaden: Eine Beule oder ein Schnitt nach Bordstein- oder Schlaglochkontakt hat eine andere Ursache als die gleichmäßige Alterungsrissbildung – wann eine beschädigte Reifenflanke gefährlich wird, lesen Sie im eigenen Ratgeber. Im Zweifel gilt bei tiefen oder wachsenden Rissen dieselbe Regel wie bei jedem unklaren Schaden: ab in die Fachwerkstatt zur Begutachtung.

Alter schlägt Profil: Wann Sie trotz Profil wechseln müssen

Viele unterschätzen, wie stark das reine Alter zählt. Continental empfiehlt, alle Reifen zu ersetzen, deren Herstellungsdatum mehr als zehn Jahre zurückliegt – „auch wenn sie äußerlich noch gebrauchsfähig erscheinen und ihre Profiltiefe noch nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestwert erreicht hat". Der Grund: Die Gummimischung beginnt nach dieser Zeit porös zu werden, was das Verhalten in Extrem- und Gefahrensituationen beeinflusst – also genau dann, wenn es auf jeden Meter Bremsweg ankommt.

Der ADAC wird bei den Fristen etwas konkreter: Winterreifen sollten nicht älter als acht Jahre sein, Sommerreifen maximal acht bis zehn Jahre genutzt werden. Und schon beim Kauf gilt: Ein „neuer" Reifen sollte nicht älter als zwei Jahre sein. Das Herstellungsdatum steht in der DOT-Nummer auf der Reifenflanke – wie Sie das Herstellungsdatum an der DOT-Nummer ablesen, erklären wir Schritt für Schritt. Diese Altersgrenzen sind Empfehlungen und keine gesetzliche Pflicht für Privat-Pkw, aber sie beruhen auf gutem Grund. Achten Sie deshalb auch beim Kauf gebrauchter Reifen immer zuerst aufs Alter, nicht nur auf die Profiltiefe – ein günstiger Satz mit viel Profil, aber acht Jahren auf dem Buckel ist kein gutes Geschäft.

Sommer als Alterungsbeschleuniger: Hitze, UV und lange Standzeiten

Gerade die warme Jahreszeit setzt Reifen zu. UV-Strahlung und Hitze beschleunigen die chemische Alterung, und wer sein Fahrzeug längere Zeit in der prallen Sonne parkt, riskiert schnellere Rissbildung – oft zuerst an der Sonnenseite. Besonders betroffen sind Fahrzeuge, die viel stehen: Wohnmobile und Wohnwagen, Anhänger, Cabrios und der klassische Zweitwagen, der nur bei schönem Wetter bewegt wird.

Lange Standzeiten haben noch einen zweiten Effekt. An der Aufstandsfläche kann sich ein Standplatten bilden, während das Gummi ringsum ungebremst weiter altert. Ein Auto, das ein halbes Jahr unbewegt in der Sonne steht, leidet also gleich doppelt. Die gute Nachricht: Der Prozess lässt sich stark verlangsamen. Der ADAC formuliert es so, dass eine sachgerechte Lagerung „zu einem stark verlangsamten Alterungsprozess" führe, „so dass die Reifenalterung praktisch erst mit dem Fahrbetrieb beginnt". Wer seine Reifen also klug abstellt und lagert, verschenkt keine Lebensjahre.

So bremsen Sie die Reifenalterung

Ganz aufhalten lässt sich die Alterung nicht, aber mit ein paar einfachen Gewohnheiten holen Sie das Maximum aus der Lebensdauer heraus:

  • Vor Sonne und Ozon schützen: Fahrzeug möglichst im Schatten oder in der Garage abstellen. Eingelagerte Reifen kühl, trocken und dunkel halten und starke Ozonquellen wie laufende Elektromotoren in der Nähe meiden.
  • Richtig einlagern: Ob Reifen schnell oder langsam altern, entscheidet sich stark in der Saisonpause. Wie Sie Reifen richtig lagern und pflegen, macht über die Jahre einen großen Unterschied.
  • Luftdruck halten: Zu wenig Druck lässt die Flanke stärker walken und begünstigt Risse. Prüfen Sie den Reifendruck regelmäßig – auch bei Fahrzeugen, die überwiegend stehen.
  • Maßvoll pflegen: Reifen mit Wasser und mildem Reiniger säubern genügt. Ob spezielle Reifenpflegemittel und Reifenglanz sinnvoll sind, hängt vom Produkt ab – aggressive oder lösemittelhaltige Mittel können den schützenden Wachsfilm sogar angreifen.
  • Regelmäßig kontrollieren: Nehmen Sie Flanken und Rillengrund alle paar Wochen in Augenschein, besonders vor langen Urlaubsfahrten.

Unterm Strich ist ein Reifen mehr als sein Profil. Prüfen Sie neben der Profiltiefe immer auch Alter und Zustand des Gummis: Oberflächliche Härchen sind meist harmlos, tiefe oder wachsende Risse und ein hartes, porös wirkendes Gummi dagegen ein klares Wechselsignal – spätestens nach zehn Jahren unabhängig vom Profil. Wenn ein Satz altersschwach geworden ist, finden Sie frische, sichere Sommerreifen für Ihren Pkw in unserem Shop. Und wie viel Profil die übrigen Reifen noch haben, verrät unser Ratgeber zum Reifenprofil richtig messen.

Häufige Fragen

Sind Risse im Reifen immer gefährlich?

Nein. Feine, oberflächliche Risse (Craquelé) sind zunächst ein optisches Alterungszeichen und bei sonst gutem Zustand meist unkritisch. Tiefe, verzweigte oder wachsende Risse, die bis ins Gewebe reichen, sind dagegen ein Grund für den sofortigen Check in der Fachwerkstatt – und in aller Regel für einen Wechsel.

Kann man poröse oder rissige Reifen noch fahren?

Von sichtbar porösem, ausgetrocknetem Gummi ist abzuraten. Die Mischung hat dann an Elastizität verloren, was Grip und Bremsverhalten im Grenzbereich verschlechtert. Solche Reifen gehören ersetzt, auch wenn rechnerisch noch genügend Profil vorhanden ist.

Wie alt darf ein Autoreifen höchstens sein?

Als Faustregel gelten rund zehn Jahre ab Herstellungsdatum als Obergrenze; der ADAC empfiehlt für Winterreifen maximal acht Jahre. Beim Neukauf sollte der Reifen nicht älter als zwei Jahre sein. Eine gesetzliche Altersgrenze für Privat-Pkw gibt es in Deutschland nicht – die Empfehlungen haben aber einen sicherheitstechnischen Hintergrund.

Schlagwörter: Reifenalterung Risse im Reifen Reifenpflege Reifen wechseln Sicherheit

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