10.616 Kilometer im Jahr: Was die neue KBA-Statistik über Ihre Reifen verrät
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat die Fahrleistungsstatistik für das Berichtsjahr 2025 veröffentlicht. Auf den ersten Blick ist das eine Meldung für Verkehrsstatistiker: 674,7 Milliarden Kilometer legten alle in Deutschland zugelassenen Kraftfahrzeuge zurück, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Auf den zweiten Blick steht in diesen Tabellen die Antwort auf eine Frage, die uns im Reifenhandel ständig gestellt wird: Endet ein Reifensatz eher am Profil oder eher am Alter? Denn das KBA weist die durchschnittliche Jahresfahrleistung nicht pauschal aus, sondern getrennt nach Fahrzeugart und nach Antriebsart. Und dort zeigt sich eine Spreizung, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Zwischen einem durchschnittlichen Benziner und einem durchschnittlichen Diesel liegt beim Jahreskilometerstand der Faktor 1,73. Wer so wenig fährt wie der statistische Benziner-Halter, fährt seine Reifen in aller Regel gar nicht ab — sie werden vorher zu alt.
Was das Kraftfahrt-Bundesamt tatsächlich gemessen hat
Die Zahl, die Schlagzeilen macht, ist die Gesamtfahrleistung: 674,7 Milliarden Kilometer im Jahr 2025 nach 670,2 Milliarden im Jahr 2024 und 655,2 Milliarden im Jahr 2023. Den mit Abstand größten Anteil daran tragen die Personenkraftwagen: 562,3 Milliarden Kilometer oder 83,3 Prozent des gesamten Verkehrs, ein Plus von 0,8 Prozent. Bei den schweren Fahrzeugen zeigt die Kurve dagegen nach unten — Lastkraftwagen über 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse kamen auf 14,9 Milliarden Kilometer und damit 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr, Sattelzugmaschinen auf 18,4 Milliarden Kilometer (minus 1,8 Prozent). Nur die leichten Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen legten mit 54,9 Milliarden Kilometern leicht zu.
Wichtiger als die Einzelwerte ist, wie diese Statistik entsteht, denn das entscheidet über ihre Belastbarkeit. Das KBA schätzt die Fahrleistung seit dem Berichtsjahr 2023 nach der sogenannten Tachodifferenzmethode: Grundlage sind die Kilometerstände, die bei zwei aufeinanderfolgenden Hauptuntersuchungen abgelesen werden. Gemessen wird also der tatsächlich zurückgelegte Weg zwischen zwei Prüfterminen, längstens über 36 Monate — keine Befragung, keine Selbstauskunft. Das frühere Verfahren rechnete stattdessen die gesamte Lebensfahrleistung seit Erstzulassung hoch und reagierte dadurch träge auf Veränderungen; die Jahre 2023 und 2024 hat das Amt nach der neuen Methode rückwirkend revidiert. Als Grundgesamtheit stehen hinter der Hochrechnung 64.072.482 Kraftfahrzeuge, davon 52.967.891 Personenkraftwagen (Quelle: KBA, Verkehr in Kilometern).
10.616 Kilometer: Der Durchschnittswagen fährt weniger, als die Faustregel annimmt
Teilt man die Pkw-Fahrleistung durch den Bestand, ergibt sich die Zahl, um die es im Alltag geht: Ein Personenkraftwagen in Deutschland fuhr 2025 im Schnitt 10.616 Kilometer — ein Zuwachs von mageren 0,3 Prozent gegenüber 10.581 Kilometern im Jahr 2024 und 10.385 Kilometern im Jahr 2023. Über alle Fahrzeugarten hinweg liegt der Wert bei 10.530 Kilometern.
Das ist deutlich weniger, als in Beratungsgesprächen und Musterrechnungen üblicherweise unterstellt wird. Dort kursiert seit Jahren die Faustregel von 13.000 bis 15.000 Kilometern im Jahr. Gegenüber dem unteren Rand dieser Spanne fährt der statistische Pkw 18,3 Prozent weniger. Das klingt nach einer Kleinigkeit, verschiebt aber jede daraus abgeleitete Rechnung spürbar: Wer die Lebensdauer eines Satzes auf Basis von 13.000 Jahreskilometern kalkuliert, kommt systematisch auf zu kurze Nutzungszeiten — und unterschätzt damit genau die Größe, die bei wenig bewegten Fahrzeugen den Ausschlag gibt, nämlich das Alter des Gummis. Wie weit ein Satz überhaupt trägt, haben wir an 239 gemessenen Reifen in unserem ausführlichen Ratgeber zur Laufleistung von Reifen aufgeschlüsselt.
Benziner gegen Diesel: Faktor 1,73 im selben Fahrzeugtyp
Der Durchschnitt verdeckt allerdings, wie weit die Antriebsarten auseinanderliegen. Die durchschnittliche Jahresfahrleistung eines Pkw nach Energiequelle sah 2025 so aus:
- Benzin — 8.406 Kilometer, bei einem Bestand von 31.689.265 Fahrzeugen
- Diesel — 14.561 Kilometer, bei 13.652.193 Fahrzeugen
- Elektro (BEV) — 11.312 Kilometer, bei 2.264.497 Fahrzeugen
- Hybrid ohne Plug-in — 13.526 Kilometer, bei 3.610.523 Fahrzeugen
- Plug-in-Hybrid — 13.575 Kilometer, bei 1.343.065 Fahrzeugen
- Gas — 10.967 Kilometer, bei 397.418 Fahrzeugen
Zwischen Diesel und Benziner liegt damit der Faktor 1,73 — und zwar innerhalb derselben Fahrzeugart, beim ganz gewöhnlichen Personenwagen. Das Elektroauto ordnet sich mit 11.312 Kilometern dazwischen ein, rund 34,6 Prozent über dem Benziner, aber klar unter Diesel und Hybrid. Die beiden Hybridformen führen das Feld an und liegen mit 13.526 und 13.575 Kilometern praktisch gleichauf.
Eine Zahl aus dieser Statistik wird derzeit häufig verkürzt wiedergegeben und verdient deshalb eine Einordnung: Die gesamte Jahresfahrleistung der Elektro-Pkw stieg um 25,8 Prozent auf 25,6 Milliarden Kilometer. Das ist aber fast ausschließlich ein Bestandseffekt — die Zahl der Elektroautos wuchs um 23,5 Prozent auf über zwei Millionen, während die Fahrleistung je Fahrzeug nur um 1,9 Prozent zulegte. Beides zusammen ergibt rechnerisch genau die 25,8 Prozent. Dasselbe Muster zeigen die Vollhybride: plus 26,2 Prozent in der Summe, aber nur plus 1,3 Prozent je Auto bei einem Bestandswachstum von 24,5 Prozent. Das einzelne Elektroauto fährt also kaum mehr als im Vorjahr; es sind schlicht deutlich mehr Elektroautos unterwegs. Gemessen an der Fahrleistung bleibt der Verbrenner vorerst dominant: Benzin und Diesel stehen zusammen für 82,7 Prozent aller Pkw-Kilometer, alle Elektro- und Hybridantriebe zusammen für 16,5 Prozent. Was die Antriebsart für den Reifen selbst bedeutet, beschreiben wir für Stromer im Beitrag über den Reifenverschleiß am Elektroauto und für Mischantriebe unter Reifen fürs Hybridauto.
Was diese Kilometer für einen Reifensatz bedeuten
Jetzt lässt sich die eingangs gestellte Frage rechnen. Als Maßstab für die Lebensdauer nehmen wir den Median aus 239 vom ADAC gemessenen Pkw-Reifen: 43.800 Kilometer bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe. Entscheidend ist dabei ein Punkt, der gern übersehen wird: Wer im Frühjahr und Herbst wechselt, verteilt seine Jahreskilometer auf zwei Sätze. Jeder einzelne Satz sammelt also nur etwa die Hälfte der Jahresfahrleistung.
Daraus ergibt sich für den saisonalen Wechselrhythmus folgendes Bild:
- Durchschnittlicher Pkw (10.616 km): rund 5.300 Kilometer je Satz und Jahr — der Satz wäre nach etwa 8,3 Jahren abgefahren.
- Benziner (8.406 km): rund 4.200 Kilometer je Satz und Jahr — rechnerisch 10,4 Jahre bis zur Profilgrenze.
- Diesel (14.561 km): rund 7.300 Kilometer je Satz und Jahr — 6,0 Jahre.
- Ganzjahresreifen (ein Satz, Durchschnitts-Pkw): die vollen 10.616 Kilometer landen auf denselben vier Reifen — 4,1 Jahre.
Diesen Zeiträumen stehen die Altersempfehlungen gegenüber. Der ADAC rät, Winterreifen nicht älter als acht Jahre werden zu lassen und Sommerreifen nach acht bis zehn Jahren zu ersetzen; für Pkw-Reifen generell gilt ein Alter von zehn Jahren als Obergrenze, unabhängig vom Restprofil (Quelle: ADAC).
Damit kippt die Sache je nach Antrieb in verschiedene Richtungen. Beim Benziner mit zwei Sätzen ist der Fall eindeutig: Die rechnerischen 10,4 Jahre bis zur Profilgrenze liegen jenseits jeder Altersempfehlung — dieser Satz wird ersetzt, weil er alt ist, nicht weil er herunter ist. Beim Durchschnitts-Pkw trifft es zumindest den Wintersatz, dessen Acht-Jahres-Marke vor den 8,3 Jahren erreicht ist. Beim Diesel dagegen gewinnt das Profil klar, und bei Ganzjahresreifen erst recht, weil sie die gesamte Jahresleistung allein tragen.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, damit die Rechnung ehrlich bleibt: Die 43.800 Kilometer sind ein Median, die Einzelwerte reichen von 23.100 bis 81.000 Kilometern — die Streuung zwischen den Modellen ist also größer als der Unterschied zwischen den Antriebsarten. Und Fahrweise, Achslast und Luftdruck verschieben das Ergebnis zusätzlich. An der Richtung der Aussage ändert das nichts.
Motorrad und Wohnmobil: 1.594 und 7.999 Kilometer im Jahr
Noch schärfer wird das Bild außerhalb des Pkw. Ein Kraftrad kam 2025 auf durchschnittlich 1.594 Kilometer im Jahr — bei einem Bestand von 4.950.187 Maschinen. Das ist nicht einmal ein Sechstel der Pkw-Fahrleistung und der niedrigste Wert der gesamten Statistik. Zum Vergleich das andere Ende der Skala: Eine Sattelzugmaschine legte 67.479 Kilometer zurück, also das 42-Fache eines Motorrads.
Für Motorradreifen heißt das, dass die Profilfrage praktisch nie zuerst kommt. Selbst ein Reifen, der 10.000 Kilometer durchhält, bräuchte bei dieser Fahrleistung gut sechs Jahre, bis er heruntergefahren wäre — und lange vorher hat die Gummimischung an Elastizität verloren, zumal die Maschine den Winter über steht. Warum beim Zweirad das Alter fast immer das entscheidende Kriterium ist, haben wir gesondert beschrieben: Wie alt darf ein Motorradreifen sein?
Ähnlich, wenn auch weniger extrem, liegt der Fall beim Wohnmobil: 7.999 Kilometer im Jahr bei 1.112.789 zugelassenen Fahrzeugen, also gut drei Viertel des Pkw-Werts. Reisemobile sammeln ihre Kilometer in wenigen Wochen und stehen den Rest des Jahres — eine Kombination aus geringer Laufleistung, hoher Achslast und langer Standzeit, bei der das Produktionsdatum wichtiger ist als die Profiltiefe. Worauf es bei diesen Reifen ankommt, steht im Ratgeber zu Wohnmobilreifen und der CP-Kennung.
Was Sie daraus für den nächsten Reifenkauf mitnehmen
Die nüchternste Erkenntnis dieser Statistik lautet: Die meisten Fahrzeuge in Deutschland bewegen sich zu wenig, als dass die Laufleistung das begrenzende Kriterium wäre. Daraus folgen vier praktische Punkte.
Prüfen Sie beim Kauf das Produktionsdatum. Wer wenig fährt, verschenkt mit einem lange gelagerten Reifen einen Teil der nutzbaren Zeit. Wie Sie die vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke lesen, erklären wir unter Reifenalter und DOT-Nummer.
Zahlen Sie nicht für Kilometer, die Sie nie abrufen. Ein besonders langlebiger Reifen rechnet sich nur, wenn die Laufleistung auch tatsächlich gefahren wird. Bei 8.406 Jahreskilometern auf zwei Sätzen ist das meist nicht der Fall — dann zählen Nässeeigenschaften und Alterungsbeständigkeit mehr als die letzten 10.000 Kilometer Reserve.
Prüfen Sie bei geringer Fahrleistung den Ganzjahresreifen. Wer nur einen Satz fährt, bringt die Kilometer auf vier statt auf acht Reifen und nutzt das Profil tatsächlich auf, bevor das Alter zuschlägt. Das ist kein Freibrief: Ein Ganzjahresreifen bleibt ein Kompromiss und erreicht weder auf Schnee noch bei Hitze das Niveau eines Spezialisten. Für Fahrprofile mit wenig Winterbetrieb und moderater Fahrleistung geht die Rechnung aber häufig auf. In der meistgefragten Größe 205/55 R16 sind das zum Beispiel der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 205/55 R16 94V mit den EU-Label-Klassen A für Kraftstoffeffizienz und B für Nasshaftung oder der Continental AllSeasonContact 2 205/55 R16 94V mit B/B. Das gesamte Angebot finden Sie unter Ganzjahresreifen für PKW.
Behalten Sie beim Wintersatz die Acht-Jahres-Marke im Blick. Gerade dieser Satz läuft nur die halbe Saison und scheitert deshalb fast immer am Alter. Worauf Sie beim Auslagern achten sollten, steht im Beitrag über Winterräder vor der Montage.
Über die neue Statistik berichtete auch die Fachpresse (Quelle: Reifenpresse.de); die hier verwendeten Werte stammen direkt aus dem Kurzbericht des Kraftfahrt-Bundesamtes.
Häufige Fragen
Wie viele Kilometer legt ein Auto in Deutschland pro Jahr zurück?
Nach der KBA-Statistik für 2025 sind es im Durchschnitt 10.616 Kilometer je Personenkraftwagen. Der Wert beruht auf abgelesenen Kilometerständen bei zwei aufeinanderfolgenden Hauptuntersuchungen und liegt spürbar unter der oft genannten Faustregel von 13.000 bis 15.000 Kilometern.
Fahren Elektroautos mehr als Benziner?
Ja, im Schnitt deutlich: 11.312 gegenüber 8.406 Kilometern im Jahr, also rund 34,6 Prozent mehr. An Diesel mit 14.561 Kilometern und an die Hybride mit rund 13.500 Kilometern reichen Elektroautos je Fahrzeug aber nicht heran.
Woran erkenne ich, ob mein Satz eher am Alter als am Profil scheitert?
Rechnen Sie Ihre Jahresfahrleistung auf den einzelnen Satz herunter — bei zwei Sätzen ist das etwa die Hälfte. Bleiben Sie damit unter rund 5.000 Kilometern je Satz und Jahr, erreichen Sie die Altersgrenze von acht bis zehn Jahren in aller Regel vor der Profilgrenze. Dann entscheidet die DOT-Nummer, nicht der Profiltiefenmesser.