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Reifenpflege & Lagerung – Ratgeber im Magazin

Winterräder aus dem Lager holen: Warum der Satz am Alter scheitert und nicht am Profil

· 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 26.08.2026
Eingelagertes Winter-Komplettrad wird vor der Montage geprüft (KI-generiert, OpenAI)
Eingelagertes Winter-Komplettrad wird vor der Montage geprüft (KI-generiert, OpenAI)

Irgendwann im September kommt der Moment, in dem die Winterräder aus dem Regal geholt werden. Vier Räder, ein halbes Jahr unbewegt, und die stille Annahme dahinter lautet: Sie sind so gut, wie sie im April abgeschraubt wurden. Meistens stimmt das auch — aber eben nicht immer, und die Fälle, in denen es nicht stimmt, erkennt man in genau diesem Moment am leichtesten. Denn wenn die Räder auf dem Boden liegen, kommt man an jede Flanke, an jede Rille und an jede Stelle heran, die am montierten Rad nach innen zeigt.

Der Aufwand dafür ist überschaubar: Fünf bis zehn Minuten, ein Blick auf die Flanke, eine Münze und ein Reifendruckprüfer. Was dabei herauskommt, entscheidet allerdings über die ganze Saison — und über die Frage, ob Sie jetzt noch in Ruhe neue Reifen bestellen oder im Dezember unter Zeitdruck. Dieser Ratgeber geht die Prüfungen der Reihe nach durch und erklärt, warum ein Winterradsatz in der Praxis viel öfter am Kalender scheitert als am Profil.

Warum ein Winterradsatz selten abgefahren ist

Ein Sommerreifen läuft am Alltagsfahrzeug im Zweifel das ganze Jahr, wenn kein zweiter Satz da ist. Ein Winterreifen dagegen arbeitet nach der O-bis-O-Faustregel rund ein halbes Jahr und steht die andere Hälfte im Dunkeln. Rechnen Sie das einmal durch: Wer 13.000 Kilometer im Jahr fährt und die Räder brav zweimal wechselt, legt auf dem Wintersatz vielleicht 5.000 bis 6.000 Kilometer zurück. Nach sechs Wintern stehen also grob 35.000 Kilometer auf diesen vier Reifen — eine Laufleistung, nach der viele Winterprofile noch reichlich Restprofil haben.

Genau das ist die Falle. Der Reifen sieht gut aus, weil er im Sinne des Verschleißes auch gut ist. Nur altert die Gummimischung unabhängig davon weiter, und zwar auch dann, wenn das Rad nur im Keller steht. Der ADAC formuliert das für genau diese Fahrzeuggruppe sehr deutlich: Bei Autos, die regelmäßig auf Winterreifen umgerüstet werden, bei Zweitwagen mit niedriger Fahrleistung und bei Saisonkennzeichen müssen die Reifen oft nicht wegen des Verschleißes ersetzt werden, sondern schlicht aus Altersgründen (Quelle: ADAC, Reifenalter).

Die Zahlen dazu sind unbequem konkret. Winterreifen büßen laut ADAC bereits ab etwa sechs Jahren einen Teil ihrer Wintereigenschaften ein, weil die Mischung aushärtet und gerade bei tiefen Temperaturen weich bleiben müsste. Von Winterreifen, die älter als acht Jahre sind, rät der Club ausdrücklich ab; für Pkw-Reifen insgesamt gilt zehn Jahre als Obergrenze, unabhängig vom Restprofil. Das Herstellungsdatum steht im letzten vierstelligen Block der DOT-Kennung: die ersten beiden Ziffern für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Jahr. Wie Sie die Kennung im Detail lesen und was sie beim Neukauf bedeutet, steht in unserem Ratgeber Reifenalter und DOT-Nummer.

Ein praktischer Hinweis, der den Aufwand halbiert: Die DOT-Nummer ist meist nur auf einer Reifenflanke vollständig eingeprägt. Am montierten Rad zeigt diese Seite mit etwas Pech nach innen, und dann liegt man mit der Taschenlampe auf dem Boden. Am ausgelagerten Rad drehen Sie es einmal um. Der Moment vor der Montage ist also nicht nur ein guter Zeitpunkt für die Alterskontrolle — er ist der bequemste, den Sie im ganzen Jahr bekommen.

Profiltiefe: Der Satz muss den ganzen Winter tragen

Gesetzlich sind 1,6 Millimeter Mindestprofiltiefe in den Hauptrillen vorgeschrieben (§ 36 StVZO). Für Winterreifen ist dieser Wert allerdings kein Maßstab, sondern nur die Grenze zur Ordnungswidrigkeit: Der ADAC empfiehlt, Winter- und Ganzjahresreifen bereits ab 4 Millimetern zu erneuern, bei Sommerreifen ab 3 Millimetern (Quelle: ADAC, Mindestprofiltiefe).

Wie viel dahintersteckt, hat der Club in der Dimension 185/60 R 14 mit drei Profiltiefen gemessen — neu mit etwa 8 Millimetern, mit 7,5 Millimetern und mit 4 Millimetern. Auf Schnee bremste der 4-Millimeter-Reifen schon aus Tempo 30 um 3,2 Meter länger als der Neureifen. Noch deutlicher fiel die Zugkraft aus: Bereits die Variante mit 7,5 Millimetern, also nach einem halben Millimeter Abrieb, brachte nur noch rund 60 Prozent der Zugkraft eines Neureifens auf; bei 4 Millimetern war es weniger als die Hälfte. Auf nasser Fahrbahn schwamm der abgefahrene Reifen bereits bei 63 km/h auf, der neue erst ab 87 km/h. Welche Folgen zu wenig Profil im Schadensfall über das Bußgeld hinaus hat, beleuchtet unser Ratgeber Unfall mit abgefahrenen Reifen.

Daraus folgt eine Rechnung, die beim Auslagern gern übersehen wird. Ein neuer Winterreifen startet mit 8 bis 9, teils sogar 10 Millimetern Profil. Bis zur gesetzlichen Grenze wären davon gut sieben Millimeter abfahrbar — bis zur sicherheitsseitigen 4-Millimeter-Marke aber nur etwa fünf. Ein knappes Drittel des scheinbar verfügbaren Profils ist für den Winterbetrieb also gar keine Reserve. Und der Satz muss nicht nur am Montagetag über der Marke liegen, sondern im Februar noch. Wer im September 4,5 Millimeter misst, fährt die letzten Wochen der Saison mit Sicherheit darunter — und zwar genau dann, wenn Schnee und Nässe am wahrscheinlichsten sind.

Zum Messen genügt eine 1-Euro-Münze: Ihr goldener Rand ist exakt 3 Millimeter breit. Verschwindet er in der Rille, liegen mindestens 3 Millimeter Profil vor — für einen Sommerreifen in Ordnung, für einen Winterreifen bereits zu knapp. Für die 4-Millimeter-Frage brauchen Sie deshalb einen Profiltiefenmesser; die Münze taugt hier nur als Vorabdiagnose. Die im Profilgrund eingelassenen Verschleißindikatoren (TWI) sitzen an sechs Stellen des Umfangs und markieren die gesetzlichen 1,6 Millimeter — schließen sie bündig mit den Profilblöcken ab, ist der Reifen ohnehin erledigt. Messen Sie an mehreren Stellen, innen und außen: Weicht das Bild deutlich ab, liegt es selten am Reifen. Was ein schiefes Verschleißbild über Fahrwerk und Luftdruck verrät, zeigt der Ratgeber ungleichmäßiger Reifenverschleiß, und die Messmethoden im Detail stehen unter Profiltiefe messen.

Was ein halbes Jahr ohne Bewegung mit dem Gummi macht

Reifen altern durch Sauerstoff, Ozon, UV-Licht, Feuchtigkeit und Temperatur. Ein Continental-Ingenieur beschreibt den Vorgang im ADAC-Interview als Nachvernetzung: Die Polymerketten werden durch Oxidation aufgespalten, es bilden sich neue Verbindungen, und mit jeder dieser Verbindungen sinken Elastizität und Haftung ein Stück. Sichtbar wird das an feinen Ozonrissen an der Oberfläche. Deshalb sind ein kühler, dunkler und trockener Lagerort sowie Abstand zu Lösungsmitteln und Ölen keine Kosmetik, sondern der Unterschied zwischen einem Reifen, der sechs Jahre gut überlebt, und einem, der es nicht tut. Die Regeln dafür stehen in unserem Ratgeber Reifen richtig lagern und pflegen.

Beim Auslagern schauen Sie deshalb auf drei Dinge. Erstens Risse: Feine Haarrisse im Rillengrund sind bei älteren Reifen normal, tiefe Risse in Lauffläche, Schulter oder Seitenwand dagegen nicht — sie sind ein Ausschlusskriterium, unabhängig vom Profil. Wo die Grenze zwischen harmloser Alterung und Gefahr verläuft, erklärt der Beitrag Reifen porös und rissig. Zweitens Beulen: Eine Ausbuchtung an der Flanke bedeutet, dass im Inneren Karkassfäden gerissen sind. Ein solcher Reifen gehört nicht mehr ans Auto, auch nicht für „nur noch diese Saison". Drittens Fremdkörper: Ein Nagel oder eine Schraube, die im April niemandem aufgefallen ist, sitzt nach sechs Monaten immer noch im Profil — und dichtet, solange sie steckt, das Loch oft selbst ab. Herausziehen sollte man sie erst in der Werkstatt.

Dazu kommt ein Phänomen, das sich erst auf den ersten Kilometern meldet: Standplatten. Reifen, die lange unter Last auf derselben Stelle ruhen, verformen sich örtlich; das Rad läuft dann unrund und das Lenkrad vibriert. Bei richtig gelagerten, entlasteten Rädern ist das selten ein Thema, bei am Fahrzeug verbliebenen Rädern eines Standfahrzeugs dagegen häufig. Wann sich eine solche Verformung wieder auswächst und wann nicht, steht im Ratgeber Standplatten am Reifen.

Der Luftdruck stimmt nach der Lagerung fast nie

Der ADAC rät, den Luftdruck vor dem Einlagern um 0,5 bar über die Herstellervorgabe anzuheben, weil Reifen während der Lagerzeit Luft verlieren (Quelle: ADAC, Reifen richtig lagern). Für den Wiedereinbau heißt das: Egal wie sorgfältig eingelagert wurde, der Druck stimmt jetzt nicht.

Es gibt zwei Fälle, und beide enden im selben Handgriff. Wurde vor dem Einlagern erhöht, liegt der Druck heute je nach Dichtigkeit irgendwo zwischen Sollwert und Sollwert plus 0,5 bar — zu viel, was die Aufstandsfläche verkleinert und den Komfort verschlechtert. Wurde nicht erhöht, liegt er nach einem halben Jahr spürbar darunter, mit den bekannten Folgen für Bremsweg, Verbrauch und Verschleiß. Den richtigen Wert finden Sie am Aufkleber in der Fahrertür, in der Tankklappe oder im Handbuch; wie Sie ihn korrekt einstellen, beschreibt der Ratgeber richtiger Reifendruck.

Entscheidend ist die Reihenfolge. Prüfen und korrigieren Sie den Druck an allen vier Rädern, bevor Sie das Reifendruckkontrollsystem zurücksetzen. Ein indirektes RDKS speichert beim Initialisieren den aktuellen Zustand als den richtigen — wer mit zu wenig Luft zurücksetzt, schaltet die Warnfunktion faktisch ab. Bei Kompletträdern mit direktem RDKS sitzt in jedem Rad ein eigener Sensor, der nach dem Wechsel angelernt werden muss; welche Wege es dafür gibt und was sie kosten, steht unter RDKS beim Kompletträder-Wechsel.

Wenn der Satz nicht mehr reicht: die Rechnung im September

Fällt eine der drei Prüfungen negativ aus, stellt sich sofort die Anschlussfrage — und die ist weniger emotional, als sie sich anfühlt. Der Arbeitslohn für Montage und Auswuchten fällt an, ganz gleich ob der Reifen darauf noch fünf Winter oder noch fünf Wochen läuft. Wer einen Satz aufzieht, der im Januar unter die 4-Millimeter-Marke rutscht oder das achte Jahr überschreitet, zahlt diesen Posten in derselben Saison ein zweites Mal — und kauft die Ersatzreifen dann zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Was ein Radwechsel und was eine komplette Neumontage kostet, rechnet unser Ratgeber Reifen montieren lassen durch.

Dem gegenüber steht ein Betrag, der sich beziffern lässt. In unserem eigenen Sortiment sind Stand 25. August 2026 in 195/65 R15 178 Winterreifen lieferbar, der günstigste ab 43,70 Euro; in 185/65 R15 sind es 147 Reifen ab 41,90 Euro, in 205/55 R16 225 Reifen ab 45,80 Euro und in 215/65 R16 187 Reifen ab 51,20 Euro. Ein kompletter Satz beginnt in diesen klassischen Kompaktklassegrößen also bei rund 170 bis 205 Euro. Das ist unser Bestand zu diesem Zeitpunkt und kein Marktpreis — Preise und Verfügbarkeiten ändern sich täglich, gerade zum Saisonstart.

Zwischen dem günstigsten Einstieg und der Premiumklasse liegt dabei mehr als nur der Preis. Der Barum Polaris 6 195/65 R15 91T für 53,30 Euro trägt die EU-Label-Klassen C für Kraftstoffeffizienz und C für Nasshaftung, der Fulda Kristall Montero 3 185/65 R15 88T für 54,30 Euro liegt mit C und C gleichauf, und der Continental WinterContact TS 870 195/65 R15 91T für 73,50 Euro kommt auf C und B bei der Nasshaftung. Rund zwanzig Euro Aufpreis je Reifen kaufen hier also eine Nasshaftungsklasse — bei einem Reifen, der die halbe Saison auf nasser statt verschneiter Straße unterwegs ist, ist das kein akademischer Unterschied. Die komplette Auswahl finden Sie unter Winterreifen für Pkw.

Der Zeitpunkt ist der eigentliche Hebel. Wer im September entscheidet, hat freie Auswahl über alle Größen und Marken und einen entspannten Werkstatttermin. Wer erst nach dem ersten Schneefall entscheidet, sucht in einem ausgedünnten Regal nach einem Termin, den gerade alle anderen auch suchen. Warum sich der frühe Griff lohnt und was der ADAC zum antizyklischen Reifenkauf sagt, steht im Beitrag Winterreifen im Sommer kaufen.

Häufige Fragen

Wie viel Profil sollten Winterreifen zu Saisonbeginn haben?

Gesetzlich sind 1,6 Millimeter das Minimum, der ADAC empfiehlt bei Winterreifen jedoch einen Wechsel ab 4 Millimetern. Weil der Satz die gesamte Saison durchhalten muss, sollte zu Saisonbeginn spürbar mehr vorhanden sein — bei etwa 4,5 bis 5 Millimetern im September ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie im Spätwinter darunter liegen. Wer in Österreich oder Tschechien unterwegs ist, hat zusätzlich ein rechtliches Argument: Dort gilt ein Winterreifen mit weniger als 4 Millimetern Profil auf bestimmten Strecken als Sommerreifen.

Wie alt dürfen Winterreifen sein?

Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht. Der ADAC rät jedoch von Winterreifen ab, die älter als acht Jahre sind, weil die Wintereigenschaften bereits ab etwa sechs Jahren nachlassen; spätestens nach zehn Jahren sollte jeder Pkw-Reifen ersetzt werden. Maßgeblich ist das Produktionsdatum aus der DOT-Kennung, nicht das Datum der ersten Montage.

Muss ich den Reifendruck nach der Einlagerung anpassen?

Ja, in jedem Fall. Wurde vor dem Einlagern wie empfohlen 0,5 bar zusätzlich aufgefüllt, ist der Druck jetzt zu hoch; wurde nicht erhöht, ist er nach einem halben Jahr meist zu niedrig. Stellen Sie den Sollwert vom Aufkleber in der Fahrertür oder Tankklappe ein — und setzen Sie das Reifendruckkontrollsystem erst danach zurück.

Fazit

Der Blick auf den Winterradsatz vor der Montage dauert wenige Minuten und beantwortet drei Fragen: Wie alt ist der Reifen laut DOT-Nummer, wie viel Profil ist noch da, und hat die Lagerung Spuren hinterlassen? Der häufigste Grund, warum ein Satz nicht mehr durch die Saison kommt, ist dabei nicht das abgefahrene Profil, sondern das Alter — ein Winterreifen, der nur ein halbes Jahr im Einsatz ist, verschleißt langsamer, als er altert. Wer das im September feststellt, hat alle Optionen: freie Größenauswahl, Zeit für den Preisvergleich und einen Werkstatttermin nach eigenem Kalender. Wer es im Dezember feststellt, hat keine davon.

Schlagwörter: Winterreifen Reifenwechsel Profiltiefe Reifenalter Reifendruck Saisonwechsel

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