Pirelli Scorpion Winter 3: Der neue SUV-Reifen steht schon im Regal – und kostet weniger als sein Vorgänger
Pirelli hat am 13. Oktober 2026 den Scorpion Winter 3 vorgestellt, die dritte Generation seines Winterreifens für SUV und Crossover. Solche Ankündigungen laufen üblicherweise Monate vor der ersten Auslieferung — diese nicht: Einen Tag später stehen 25 Ausführungen des neuen Reifens bereits lieferbar in unserem Regal. Wir haben die Pressemitteilung deshalb nicht einfach nacherzählt, sondern gegen unseren eigenen Katalogbestand gehalten und drei Angaben nachgerechnet: ob die angekündigte Bestklasse bei Nässe tatsächlich auf den Etiketten steht, wie selten diese Klasse im SUV-Winterregal überhaupt ist — und was der Neue im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger kostet. Das Ergebnis fällt in einem Punkt deutlich nüchterner aus als die Mitteilung. Und eine Angabe daraus gilt für deutsche Fahrerinnen und Fahrer gar nicht.
Was angekündigt ist — und was davon schon bestellbar ist
Pirelli beschreibt den Scorpion Winter 3 als Abschluss einer Erneuerung, die sich über zwei Jahre gezogen hat: Mit ihm ist das komplette Winterprogramm des Herstellers ausgetauscht. Es besteht nun aus drei Linien mit klar getrennten Aufgaben — dem P Zero Winter 2 für leistungsstarke Fahrzeuge, dem Cinturato Winter 3 für Limousinen und Crossover und dem neuen Scorpion Winter 3 für SUV und CUV. Zum Marktstart nennt der Hersteller 30 Größen von 18 bis 22 Zoll. Begründet wird die eigene Baureihe für diese Fahrzeugklasse mit deren Gewicht und dem höheren Schwerpunkt, die eine eigene Karkasse und ein eigenes Profil verlangen; der Anteil dieser Fahrzeuge am Weltmarkt liegt laut der von Pirelli zitierten Analyse von S&P Global Mobility inzwischen über 50 Prozent. Nachzulesen ist das alles in der offiziellen Pressemitteilung vom 13. Oktober 2026; berichtet hat darüber zuerst der Branchendienst Tyrepress.
Unser Katalogstand vom 14. Oktober 2026 zeigt davon bereits einen großen Teil: 25 Ausführungen in 24 verschiedenen Größen, sämtlich lieferbar. Die Zollverteilung deckt sich exakt mit der Herstellerangabe — zwei Ausführungen in 18 Zoll, fünf in 19, acht in 20, sieben in 21 und drei in 22 Zoll. Die Preise reichen von 148,07 bis 349,37 Euro, der Mittelwert liegt bei 262,12 Euro. Den vollständigen, tagesaktuellen Bestand finden Sie auf der Modellseite des Scorpion Winter 3. Die günstigste Ausführung ist zugleich die interessanteste: der Pirelli SCORPION WINTER 3 235/60 R18 107V — genau jene Dimension, in der laut Pirelli der erste unabhängige Test gefahren wurde.
Drei angekündigte Sonderausführungen fehlen bislang: Pirelli bietet den Reifen auch mit der Elect-Kennung für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge, mit dem geräuschdämpfenden PNCS-System und mit der selbstabdichtenden Seal-Inside-Technik an. Bei keiner unserer 25 Ausführungen ist eine dieser Kennungen hinterlegt. Zehn Ausführungen tragen die Kennung MFS für einen verstärkten Felgenschutz, Notlaufeigenschaften hat keine. Wenn Sie gezielt eine dieser Varianten suchen, lohnt sich also der zweite Blick in einigen Wochen.
20 von 20 tragen A — und fünf Größen zeigen nur einen Füllwert
Die auffälligste Angabe der Mitteilung ist die Nasshaftung: Alle zum Start verfügbaren Ersatzgrößen sollen die Bestklasse A tragen. Das ist eine Behauptung, die sich an unserem eigenen Bestand prüfen lässt — und sie hält stand, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung in der Datenlage.
Von den 25 Ausführungen tragen 20 ein vollständiges, im EU-Produktregister hinterlegtes Etikett. Alle 20 weisen bei der Nasshaftung ein A aus — ausnahmslos. Die übrigen fünf zeigen die Kombination E bei der Kraftstoffeffizienz, E bei der Nasshaftung und 79 dB beim Rollgeräusch, und zwar ohne jede Registriernummer. Diese Kombination ist in unserem Katalog kein Messergebnis, sondern ein Platzhalter für Datensätze, deren Etikett noch nicht eingepflegt ist — ein Muster, das wir an anderer Stelle bereits ausführlich am gesamten Reifenbestand nachgewiesen haben. Wer diese fünf Zeilen für einen schlechten Nassgriff hält, liest einen Lückenfüller als Messwert. Was die einzelnen Klassen bedeuten, erklären wir kompakt auf unserer Übersicht zum EU-Reifenlabel.
Bei den beiden anderen Label-Werten fällt das Bild gemischter aus, und auch das deckt sich mit der Mitteilung: Bei der Kraftstoffeffizienz stehen 13 Ausführungen in Klasse B und sieben in Klasse C — ein A gibt es hier nicht. Das Rollgeräusch liegt bei fünf Ausführungen bei 71 und bei fünfzehn bei 72 Dezibel. Pirelli selbst nennt für die Geräuschklassen ein Verhältnis von einem Viertel A zu drei Vierteln B. Die Bestklasse gilt also für den Nassgriff, nicht für das gesamte Etikett.
Im SUV-Winterregal ist die Bestklasse eine deutliche Minderheit
Ob „alle Größen mit A" eine Nachricht ist, entscheidet sich erst im Vergleich mit dem übrigen Angebot. Dafür haben wir das gesamte Segment ausgezählt: 1.650 Ausführungen Offroad- und SUV-Winterreifen von 18 bis 22 Zoll stehen am 14. Oktober 2026 in unserem Katalog. Davon sind 1.628 auswertbar; 22 tragen den oben beschriebenen Platzhalter, eine komplett leere Zeile gibt es nicht. Die Verteilung über diese 1.628 Ausführungen:
- Klasse A: 171 Ausführungen — 10,5 Prozent. Gut jeder zehnte Reifen.
- Klasse B: 595 (36,5 Prozent) und Klasse C: 626 (38,5 Prozent) bilden zusammen drei Viertel des Regals.
- Klasse D: 78 (4,8 Prozent) und Klasse E: 158 (9,7 Prozent) stehen am unteren Ende — zusammen also mehr Ausführungen, als die Bestklasse insgesamt umfasst.
Noch schmaler wird das Bild bei den Anbietern: Die 171 A-Ausführungen stammen von gerade einmal zehn Modellreihen, obwohl in diesem Segment 51 Marken vertreten sind. Pirelli allein stellt 113 davon — zwei Drittel der gesamten Bestklasse. Der Rest verteilt sich auf den Bridgestone Blizzak LM005 mit 28 Ausführungen, den Sailun ICE BLAZER Alpine EVO2 mit 27, den Kumho WINTERCRAFT WP52+ mit zwei und den Vredestein Wintrac Pro mit einer. Der neue Scorpion Winter 3 ist vor diesem Hintergrund kein Ausreißer, sondern der planmäßige Nachschub in einem Feld, das Pirelli ohnehin dominiert.
Ein Preishinweis gehört dazu, und er fällt differenzierter aus als erwartet: Der Mittelwert der A-Klasse liegt mit 260,66 Euro spürbar über dem des Gesamtsegments mit 199,54 Euro. Die Bestklasse ist damit aber keine reine Preisfrage — die günstigste Ausführung mit Nasshaftung A kostet 94,46 Euro, und mit Sailun steht eine preiswerte Marke direkt neben Pirelli in derselben Klasse. Den kompletten Bestand sehen Sie unter Winterreifen für SUV und Geländewagen.
Der Vorgänger konnte das längst — der Neue ist vor allem günstiger
Hier wird die Nachricht am interessantesten, weil sie der Darstellung des Herstellers etwas von ihrem Glanz nimmt. Der direkte Vorgänger, der Scorpion Winter 2, steht bei uns mit 84 Ausführungen in 53 Größen im Regal — und alle 84 tragen bei der Nasshaftung ebenfalls ein A, ohne eine einzige Ausnahme. Die lückenlose Bestklasse ist also keine Errungenschaft der dritten Generation, sondern ein Niveau, das die zweite bereits vollständig erreicht hatte.
Der eigentliche Sprung liegt eine Generation früher. Der ursprüngliche Scorpion Winter, mit 131 Ausführungen in 64 Größen noch immer die breiteste der drei Linien, verteilt sich auf neun A, 77 B, 43 C sowie je eine Ausführung in D und E. Zwischen der ersten und der zweiten Generation lag damit der Qualitätssprung beim Nassgriff; zwischen der zweiten und der dritten liegt er nicht mehr.
Wo sich der Wechsel dagegen bemerkbar macht, ist der Preis — und zwar zugunsten der Käufer. Wir haben alle Fälle verglichen, in denen beide Generationen in identischer Größe und mit identischem Last- und Geschwindigkeitsindex im Regal stehen. Das ergibt 17 Paarungen. In sieben davon ist die neue Generation teurer, in zehn günstiger; der mittlere Unterschied liegt bei −2,4 Prozent. Rechnet man ohne Bindung an den Index, bleiben es 22 Paarungen mit einem mittleren Unterschied von −0,4 Prozent. Ein neuer Reifenjahrgang, der nicht teurer wird als sein Vorgänger, ist in dieser Preisklasse die Ausnahme. Drei Größen sind zudem neu hinzugekommen, die es als Scorpion Winter 2 gar nicht gab: 255/55 R19, 265/55 R19 und 235/45 R20. Für die verbreitete SUV-Dimension 19 Zoll ist etwa der Pirelli SCORPION WINTER 3 265/55 R19 113V seit dieser Woche bestellbar.
Technik und Tests: was belegt ist und was Pirelli selbst sagt
Technisch beschreibt Pirelli den Reifen als Übertragung bereits eingeführter Lösungen auf die Anforderungen schwerer Fahrzeuge. Aus dem Cinturato Winter 3 stammen die Zickzack-Mittelrille, die Wasser abführen und zugleich seitlichen Halt auf Schnee geben soll, die patentierten „Snow Keeper Teeth", die Schnee in den Rillen festhalten und den Griff von Schnee auf Schnee nutzen, sowie ein hoher Negativanteil im Profil. Aus der Mischung des P Zero Winter 2 kommt ein sogenanntes Dual-Core-Polymer. Eigens für die schwere Fahrzeugklasse hinzugekommen sind steifere Profilblöcke und eine neu ausgelegte Aufstandsfläche; aus ihr leitet Pirelli die Aussage ab, dass die griffgebenden Kanten auch mit zunehmender Abnutzung erhalten bleiben. Entwickelt wurde überwiegend virtuell und an Fahrsimulatoren, die Erprobung lief im Pirelli Sottozero Center im schwedischen Lappland. Die Baureihe selbst gibt es seit 1986 — erstmals montiert auf dem Lamborghini LM002 —, und sie bringt es nach Herstellerangaben inzwischen auf über 1.200 Fahrzeugfreigaben.
Bei den Testergebnissen ist eine klare Trennung angebracht. Pirelli verweist auf einen ersten unabhängigen Vergleich der italienischen Zeitschrift AlVolante (Ausgabe 10/2026), gefahren in 235/60 R18 auf einem Alfa Romeo Stelvio, bei dem der Scorpion Winter 3 am besten abgeschnitten habe. Das ist eine Angabe des Herstellers, die wir nicht gegenlesen konnten — die Quelle ist eine Printausgabe. Überprüfbar ist dagegen der Erfolg der Schwesterlinie: Der Cinturato Winter 3 hat den ADAC-Winterreifentest in der Mittelklassegröße 225/50 R17 mit der Gesamtnote 2,2 und der besten Fahrsicherheitswertung des Feldes gewonnen, veröffentlicht am 22. September 2026 (ADAC-Testbericht). Lieferbar ist dieser Reifen bei uns als Pirelli Cinturato Winter 3 225/50 R17 98V. Übertragen lässt sich das Ergebnis allerdings nicht: Der Cinturato ist ein anderes Profil für eine andere Fahrzeugklasse. Ein Testergebnis gilt immer für das geprüfte Modell in der geprüften Größe — ein gemeinsames Konstruktionsmerkmal begründet keine gemeinsame Note.
Der 15. November steht nicht im deutschen Gesetz
Ein Satz der Pressemitteilung verdient eine ausdrückliche Richtigstellung für deutsche Leser. Pirelli verweist auf eine Pflicht zum Mitführen von Winterreifen oder Schneeketten, die „am 15. November" in Kraft trete. Einen solchen Stichtag gibt es in Deutschland nicht. Der italienische Hersteller bezieht sich damit auf eine Regelung seines Heimatmarktes, wo tatsächlich kalendarische Fristen gelten.
In Deutschland gilt stattdessen die situative Winterreifenpflicht. Nach § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung darf ein Kraftfahrzeug „bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte" nur gefahren werden, wenn alle Räder entsprechend ausgerüstet sind. Maßgeblich ist also das Wetter, nicht das Datum — es kann im November regelkonform mit Sommerreifen gefahren werden und im Oktober bereits unzulässig sein. Welche Reifen genügen, bestimmt § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung: Sie müssen bei Schnee verbesserte Eigenschaften aufweisen und das Alpine-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke nach der UNECE-Regelung Nr. 117, tragen. Das „M+S"-Zeichen allein genügt dafür nicht mehr. Datumsgebundene Pflichten begegnen Ihnen erst jenseits der Grenze — wir haben die Reifenvorschriften unserer Nachbarländer im Einzelnen aufgeschlüsselt, und gerade die italienischen Regeln gehören zu den folgenreichsten.
Unterm Strich ist der Scorpion Winter 3 eine solide, aber nüchtern einzuordnende Neuvorstellung: ein Reifen, der die bereits sehr gute Nasshaftung seines Vorgängers fortschreibt, in identischen Größen eher etwas weniger kostet und ungewöhnlich schnell verfügbar ist. Wer ohnehin einen SUV-Winterreifen der Oberklasse sucht, bekommt hier den aktuellen Jahrgang ohne Aufpreis. Wer schlicht einen sehr guten Nassgriff sucht, sollte die Bestklasse insgesamt vergleichen — zehn Modellreihen stehen zur Wahl, und die günstigste beginnt bei unter 100 Euro. Alle passenden Größen finden Sie in unserer Übersicht der lieferbaren Reifen in 235/60 R18 sowie in der Rubrik für SUV-Winterreifen.
Häufige Fragen
Ist der neue Pirelli-SUV-Reifen schon erhältlich?
Ja. Einen Tag nach der Vorstellung am 13. Oktober 2026 waren 25 Ausführungen in 24 Größen von 18 bis 22 Zoll lieferbar, zu Preisen zwischen 148,07 und 349,37 Euro. Pirelli nennt für den Marktstart insgesamt 30 Größen; einige fehlen also noch.
Warum zeigen einzelne Größen die Nasshaftungsklasse E?
Weil dort noch kein Etikett eingepflegt ist. Fünf der 25 Ausführungen tragen die Kombination E / E / 79 dB ohne Registriernummer im EU-Produktregister — das ist in unserem Katalog ein Platzhalter für fehlende Daten, kein Messergebnis. Alle 20 Ausführungen mit vollständigem Etikett weisen ein A aus.
Genügt eine Bestnote bei Nässe auch auf Schnee und Eis?
Nein. Die Nasshaftung des EU-Reifenlabels wird auf nasser, nicht auf schneebedeckter Fahrbahn gemessen. Für die Wintertauglichkeit im Rechtssinne ist allein das Alpine-Symbol maßgeblich. Beide Angaben ergänzen sich, sie ersetzen einander nicht.