Reifenmarkt-Wochenrückblick KW 41/2026: Drei Tests in fünf Tagen, ein neuer Sicherheitsfaktor und ein Prädikat, das zweimal anders heißt
In der vergangenen Woche (KW 41, 5. bis 11. Oktober 2026) ist auf dem deutschen Reifenmarkt vor allem gemessen und bewertet worden. Innerhalb von fünf Tagen hat AutoBild gleich drei Reifenvergleiche nach außen gegeben — einen Ganzjahresreifentest für SUVs, einen Winterreifentest für Sportwagen und die Vorrunde eines dritten Vergleichs, dessen Endergebnis noch aussteht. In allen dreien taucht dieselbe Neuerung auf: ein sogenannter Sicherheitsfaktor, über den das Blatt Abwertungen verteilt. Er hat in dieser Woche mehr Platzierungen entschieden als jede einzelne Messung.
Daneben gab es eine Auszeichnung, die nach Test aussieht und keiner ist, einen deutlichen Rat zum Radwechsel aus der Werkstattbranche und zwei Zahlenwerke, die in entgegengesetzte Richtungen zeigen: Die Neuzulassungen steigen, die Stimmung in der Autoindustrie fällt auf den tiefsten Stand des Jahres. Wir fassen zusammen, was belegt ist, nennen zu jeder Meldung die Quelle und ordnen ein, was davon für Ihre nächste Reifenentscheidung zählt. Wer den Faden aufnehmen möchte, findet hier den Rückblick auf die Vorwoche.
Zwölf Ganzjahresreifen in 225/55 R18 — und ein zweiter Test, der noch keiner ist
Der Aufmacher der Woche erschien am Donnerstag. In Heft 41/2026 veröffentlicht AutoBild die Ergebnisse eines Ganzjahresreifentests von zwölf Profilen in der Größe 225/55 R18, gefahren für kompakte und mittlere SUVs. Das Fazit des Reifentestteams lautet: „Allwetterreifen werden immer besser.“ Das Spektrum der Gesamturteile reicht trotzdem von „vorbildlich“ bis hinunter zu „ausreichend“, und das Blatt rät Autofahrern ausdrücklich, die im Vergleich vertretenen „billigen No-Name-Reifen“ zu meiden. Bei den beiden Schlusslichtern des Feldes fielen die Abwertungen über den neu eingeführten Sicherheitsfaktor am größten aus (Reifenpresse.de zum AutoBild-Ganzjahresreifentest).
Eine zweite Aussage aus dem Heft ist für die laufende Umrüstsaison wichtiger als jede Platzierung. AutoBild schreibt, Winterreifen behielten bei tieferen Minustemperaturen ihre Berechtigung, weil ihre weicheren Gummimischungen dort im Vorteil seien. Die Fachzeitschrift Neue Reifenzeitung weist in ihrer Meldung allerdings darauf hin, dass die aktuellen AutoBild-Messungen auf Schnee dem bei einigen der geprüften Ganzjahresreifen widersprechen. Festhalten lässt sich daraus zweierlei: Die Spitze der Gattung ist auf Schnee inzwischen bemerkenswert gut — und die Streuung innerhalb derselben Gattung ist groß genug, dass die Gattungsbezeichnung allein nichts über die Wintertauglichkeit eines konkreten Reifens sagt.
Einzelnoten, Platzierungen und Modellnamen dieses Tests nennen wir hier bewusst nicht. Sie stehen im gedruckten Heft beziehungsweise hinter einer Bezahlschranke, und wir geben keine Testergebnisse wieder, die wir nicht selbst belegen können. Wer das vollständige Ranking sucht, kommt an der Ausgabe nicht vorbei.
Am selben Tag legte das Magazin mit einem zweiten Vergleich nach, diesmal in der Größe 225/45 R17. Wer dort schon ein Ergebnis erwartet, muss sich allerdings gedulden: Veröffentlicht wurden bislang nur die Ergebnisse der Qualifikationsrunde, nicht die des sogenannten Volltests. Es ist dasselbe Verfahren, das AutoBild zuletzt bei seinem großen Winterreifentest mit anfänglich 50 Kandidaten angewendet hat — erst wird ausgesiebt, wer ins Finale kommt, danach wird gewertet (Reifenpresse.de zur Qualifikationsrunde). Eine Vorrunde ist eine Vorauswahl, keine Rangliste. Wer auf dieser Grundlage kauft, kauft auf einer halben Information.
Interessant ist diese Größe aus einem anderen Grund: In exakt 225/45 R17 hat die Auto Zeitung bereits im September zehn Allwetterreifen geprüft, mit GTÜ und ARBÖ als Partnern, und sieben davon als „sehr empfehlenswert“ eingestuft. Was dieser Test wirklich belegt und wo seine Grenzen liegen, haben wir im ausführlichen Bericht zum Autozeitung-Ganzjahresreifentest aufgeschrieben. Zwei Prüfer, dieselbe Dimension, zwei völlig verschiedene Skalen — legen Sie die Ergebnisse nebeneinander, aber rechnen Sie sie nicht gegeneinander auf.
In unserem eigenen Regal liegen in der SUV-Größe 225/55 R18 derzeit 96 lieferbare Ganzjahresreifen, in 225/45 R17 sind es 129 (Stand 13. Oktober 2026). Ein gut etikettierter Vertreter der SUV-Dimension ist der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 225/55 R18 102V mit Effizienzklasse A und Nasshaftung B; in der kleineren Größe steht unter anderem der Michelin CrossClimate 2 225/45 R17 94Y. Das vollständige Angebot finden Sie unter 225/55 R18 und 225/45 R17. Ob Allwetter am Geländewagen überhaupt die richtige Wahl ist, haben wir separat im Ratgeber zu Ganzjahresreifen am SUV abgewogen.
Der neue Sicherheitsfaktor — und ein Prädikat, das zweimal anders heißt
Der eigentliche Befund der Woche steckt nicht in einer Platzierung, sondern in der Methode. AutoBild hat einen Sicherheitsfaktor eingeführt, über den sicherheitsrelevante Schwächen stärker ins Gesamturteil durchschlagen als über einen reinen Durchschnitt. Wie das Magazin diesen Faktor genau berechnet, geht aus den frei zugänglichen Berichten nicht hervor, und wir spekulieren nicht darüber. Dokumentiert ist die Wirkung: In beiden fertig ausgewerteten Tests dieser Woche sind es die Abwertungen über diesen Faktor, die am unteren Ende des Feldes den Ausschlag geben — beim Ganzjahresreifentest bei den beiden Letzten, beim Sportwagen-Wintertest ebenfalls.
Für Sie als Leser bedeutet das eine kleine, aber folgenreiche Verschiebung. Ein Reifen kann in der Gesamtnote abrutschen, ohne dass sein rechnerischer Mittelwert über alle Disziplinen schlechter geworden wäre — es genügt, dass er in einer sicherheitskritischen Disziplin deutlich abfällt. Das ist sachlich sinnvoll, weil ein kurzer Bremsweg auf trockener Fahrbahn einen langen auf nasser nicht aufwiegt. Es heißt aber auch, dass sich Noten aus Testjahrgängen vor und nach der Umstellung nicht ohne Weiteres vergleichen lassen.
Dazu passt eine zweite Beobachtung, die eine Angabe aus unserem letzten Wochenrückblick ergänzt. Dort hatten wir berichtet, dass AutoBild die Bestbeurteilung bei seinem SUV-Winterreifentest nicht mehr „vorbildlich“, sondern „sehr gut“ nennt. Am Montag wurde klar, dass beides stimmt — und zwar gleichzeitig. Online trug das Spitzentrio aus Hankook Winter i-cept evo 4, Pirelli Cinturato Winter 3 und Michelin Pilot Alpin 5 das Prädikat „sehr gut“; in der gedruckten Ausgabe 40/2026, in der derselbe Produktvergleich erschienen ist, heißen dieselben drei Reifen wieder „vorbildlich“. Alle übrigen Gesamtnoten und Prädikate sind in beiden Fassungen identisch (Reifenpresse.de zu den AutoBild-Prädikaten).
Die praktische Lehre daraus ist dieselbe wie bei jedem Etikett: Verlassen Sie sich auf Zahlen, nicht auf Wörter. Die Gesamtnote und die veröffentlichten Messwerte sind über Jahrgänge hinweg die belastbarere Größe; die Wortmarke darüber kann sich zwischen Heft und Website unterscheiden, ohne dass sich an der Leistung des Reifens das Geringste geändert hätte. Dasselbe Prinzip gilt übrigens beim EU-Reifenlabel, wo ein eingetragener Buchstabe keineswegs immer auf einer Messung beruht — nachgerechnet haben wir das im Beitrag zum Füllwert im Reifenetikett.
„Finger weg“: zwölf Winterreifen in 225/45 R18 für Sportwagen
Am Freitag folgte der dritte Test der Woche, diesmal von AutoBild Sportscars. Geprüft wurden zwölf Winterprofile in der Größe 225/45 R18. Das Feld verteilt sich auf ein Spitzentrio mit dem Prädikat „vorbildlich“ inklusive des Testsiegers, vier mit „gut“ bewertete Profile, insgesamt vier Reifen mit der Gesamtnote „befriedigend“ und ein Schlusslicht mit „ausreichend“ (Reifenpresse.de zum AutoBild-Sportscars-Wintertest).
Bemerkenswert ist, was das Magazin daraus macht. Obwohl die beiden letztplatzierten Reifen mit „befriedigend“ beziehungsweise „ausreichend“ formal bestanden haben, spricht das Blatt für sie keine Empfehlung aus — in Heft 11/2026 steht zu ihnen stattdessen „Finger weg“. Hauptgrund sind Schwächen auf Nässe und dort insbesondere beim Nassbremsen, die über den Sicherheitsfaktor zu entsprechenden Abwertungen geführt haben; dem Letztplatzierten wird in dieser Disziplin sogar ein Komplettausfall attestiert.
Das ist der zweite wichtige Mitnahmewert dieser Woche: Eine bestandene Gesamtnote ist keine Kaufempfehlung. Ein „ausreichend“ bedeutet bei einem Sicherheitsbauteil nicht „reicht aus“, sondern „hat an mindestens einer Stelle deutlich nachgelassen“. Gerade beim Nassbremsen ist das heikel, weil sich die Differenz zwischen einem guten und einem schwachen Reifen dort in Metern ausdrückt — und zwar genau in dem Moment, in dem es darauf ankommt. Wie weit die Nasshaftungsklassen bei Winterreifen überhaupt streuen und warum ein A dort die absolute Ausnahme ist, zeigt unsere Auswertung zur Nasshaftung bei Winterreifen.
In der getesteten Dimension 225/45 R18 führen wir aktuell 116 lieferbare Winterreifen (Stand 13. Oktober 2026), darunter den Continental WinterContact TS 870 P 225/45 R18 95H mit Nasshaftung B. Die übrigen Kandidaten dieser Größe stehen auf der Übersicht zu 225/45 R18, das gesamte Programm unter Winterreifen für den Pkw.
Ein Publikumspreis ist kein Test: DriverReviews kürt zwei Winterreifen
Ebenfalls am Donnerstag wurden die Customer Choice Awards der Plattform DriverReviews für die laufende Umrüstsaison bekannt gegeben. Nach Angaben der Betreiber stützt sich die Plattform auf „Hunderttausende von echten, verifizierten Bewertungen“ europäischer Autofahrer. Vergeben werden die Auszeichnungen zweimal im Jahr, jeweils passend zur Saison. Im Frühjahr 2026 wurden mit Blick auf Sommer- und Ganzjahresreifen Sieger in elf Kategorien gekürt; zur aktuellen Wintersaison sind es Auszeichnungen für zwei Winterreifen, von denen einer seinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen konnte. Es handelt sich dabei um je einen Bridgestone- und einen Michelin-Winterreifen (Reifenpresse.de zu den DriverReviews-Awards). Welche Modelle genau gemeint sind, steht hinter der Bezahlschranke der Fachzeitschrift, deshalb nennen wir sie nicht.
Wichtiger als die Namen ist ohnehin die Einordnung, und sie fällt eindeutig aus: Das ist ein Publikumspreis, kein Reifentest. Ausgewertet werden Nutzerbewertungen, nicht Messwerte. Es gibt keine Bremswege, keine Schneetraktion, keine Aquaplaning-Geschwindigkeit, kein genormtes Prüfverfahren und kein neutrales Testfahrzeug. Eine solche Auszeichnung sagt etwas über die Zufriedenheit vieler Fahrer mit einem Reifen — über Laufruhe, Haltbarkeitsempfinden, Preis-Leistungs-Eindruck — und das ist keineswegs wertlos. Sie ist aber nicht mit dem Urteil eines ADAC- oder AutoBild-Tests vergleichbar und darf nicht als solches gelesen werden. Wer beides nebeneinanderlegt, sollte den Unterschied im Kopf behalten: Der eine Wert misst, was ein Reifen kann, der andere, wie er ankommt.
Radwechsel: Warum Euromaster von der eigenen Garage abrät
Am Dienstag meldete sich Euromaster, die Handelstochter von Michelin, mit einem klaren Rat zu Wort: Endverbraucher sollten den Radwechsel nicht selbst zu Hause vornehmen. Das gelte insbesondere für Elektroautos, wo „der Radwechsel heute keine Nebensache mehr ist“, wie Markus Popp erklärt, bei Euromaster Vertriebsdirektor für Deutschland und Österreich (Reifenpresse.de zum Radwechsel in Eigenregie). Die ausführliche Begründung steht hinter der Bezahlschranke.
Dass ein Werkstattbetreiber zur Werkstatt rät, ist erwartbar, und wir geben die Meldung deshalb nicht als neutrale Verbraucherempfehlung aus. Die sachlichen Gründe lassen sich davon unabhängig prüfen, und sie tragen: Radschrauben und Radmuttern haben ein vorgeschriebenes Anzugsdrehmoment, das sich ohne kalibrierten Drehmomentschlüssel nicht einhalten lässt. Ein Elektroauto wiegt in derselben Fahrzeugklasse deutlich mehr als ein Verbrenner, was Rad, Nabe und Verschraubung stärker belastet. Hinzu kommt das Reifendruckkontrollsystem, das beim Wechsel auf einen zweiten Radsatz je nach System übernommen, angelernt oder neu bestückt werden muss — was dabei zu beachten ist, steht im Ratgeber zu RDKS beim Wechsel auf Kompletträder.
Der häufigste praktische Stolperstein ist allerdings ein ganz anderer, und er trifft Selbstwechsler besonders hart: ein Rad, das nach einer Saison an der Nabe festkorrodiert ist und sich mit Bordwerkzeug nicht mehr lösen lässt. Wie Sie in dieser Lage vorgehen, ohne etwas zu beschädigen, haben wir im Beitrag zum festgerosteten Rad beschrieben. Wer den Wechsel lieber abgibt, findet über unsere Suche nach Montagestationen Betriebe in der Umgebung.
Zahlen der Woche: Zulassungen im Plus, Stimmung auf dem Tiefpunkt
Zwei Datensätze der Woche zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete am Dienstag, dass die Kfz-Neuzulassungen in Deutschland nach neun Monaten weiterhin im Plus zwischen fünf und sechs Prozent liegen. Im September kamen fast 256.800 Neuwagen erstmals auf die Straße, neun Prozent mehr als im Vorjahresmonat; kumuliert sind es nach drei Quartalen gut 2,2 Millionen Pkw und damit etwas über fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Deutlich bewegt haben sich die Krafträder: beinahe 176.000 neu zugelassene Maschinen bedeuten ein Plus von 24 Prozent. Im Minus liegen nur die Lkw mit beinahe 207.700 Fahrzeugen und einem Rückgang um fünf Prozent sowie die Kfz-Anhänger mit gut 199.800 Einheiten und gut einem Prozent weniger (Reifenpresse.de zur KBA-Zulassungsstatistik).
Am selben Tag kam die Gegenbewegung. Nach den Konjunkturumfragen des Münchner Ifo-Instituts hat sich das Geschäftsklima in der deutschen Automobilindustrie stark verschlechtert: Der von minus 100 bis plus 100 reichende Branchenindikator lag im September bei minus 35 Punkten, nach minus 22 Punkten einen Monat zuvor. Die Unternehmen bewerteten ihre Lage schlechter als im August und sogar schlechter als im Juni und Juli, als der bisherige Tiefstand des laufenden Jahres erreicht war. „Die Automobilindustrie steckt weiterhin in der Krise“, sagt Ifo-Fachreferentin Anita Wölfl (Reifenpresse.de zum Ifo-Geschäftsklima). Am Freitag kam eine Prognose hinzu: Nachdem das Center of Automotive Management auf Basis von Destatis-Daten für das erste Halbjahr bereits einen Rückgang der Arbeitsplätze um rund 5,5 Prozent gegenüber 2025 auf etwa 692.000 gemeldet hatte, erwartet die Strategieberatung Roland Berger bis 2030 den Wegfall von mindestens weiteren 200.000 Stellen bei Herstellern und Zulieferern. Die Branche käme damit auf etwa 490.000 Beschäftigte — knapp ein Drittel weniger als Mitte dieses Jahres (Reifenpresse.de zur Roland-Berger-Prognose).
Für den Reifenkäufer ist die erste Zahlenreihe die relevantere. Mehr zugelassene Fahrzeuge heißen auf Sicht von zwei bis drei Jahren mehr Nachfrage im Ersatzgeschäft, und das Plus von 24 Prozent bei den Krafträdern ist in diesem Zusammenhang die auffälligste Einzelzahl der Woche — unser Programm an Motorradreifen bedient genau diesen wachsenden Bestand. Die Konjunkturzahlen betreffen dagegen die Fahrzeugfertigung, nicht die Reifenpreise im Regal. Wer daraus sinkende oder steigende Reifenpreise ableitet, überträgt eine Kennzahl auf einen Markt, für den sie nicht erhoben wurde.
Werke, Räder und eine Aktion, die international wird
Auf der Industrieseite standen sich in dieser Woche ein Rückzug und ein Aufbau gegenüber. Goodyear kündigte am Montag an, seine beiden letzten Chemiefabriken in Niagara Falls im Bundesstaat New York und in Pasadena in Texas bis Ende des kommenden Jahres zu schließen; rund 85 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz, die Restrukturierungskosten beziffert das Unternehmen auf 55 bis 75 Millionen Dollar. Damit vollzieht der Konzern den Rückzug aus dem Chemiegeschäft endgültig: Vor knapp einem Jahr hatte er seine Chemical Division für 580 Millionen US-Dollar beziehungsweise 503 Millionen Euro an Gemspring Capital Management verkauft, die beiden nun betroffenen Standorte hatte die Private-Equity-Firma damals nicht übernommen. Gefertigt wurden dort Spezialchemikalien, etwa Alterungsschutzmittel (Reifenpresse.de zu den Goodyear-Werksschließungen).
Alterungsschutzmittel klingen nach einem Randthema, sind aber genau das Gegenteil: Sie verzögern das Verhärten und Rissigwerden der Gummimischung und bestimmen damit mit, wie lange ein Reifen gebrauchsfähig bleibt. Dass ein Hersteller sie nicht mehr selbst produziert, heißt allerdings nicht, dass sie künftig fehlen — sie werden dann zugekauft. Für Sie bleibt der praktisch relevante Hebel unverändert das Alter des Reifens am Fahrzeug, und das lesen Sie an der Flanke ab: Wie das geht, steht im Ratgeber zu Reifenalter und DOT-Nummer.
Den Gegenpol lieferte am Freitag die chinesische Qingdao Sentury Tire. Das Unternehmen hat eine Machbarkeitsstudie für den Neubau eines Reifenwerks in der Türkei veröffentlicht: Geplant sind Kapazitäten für jährlich sieben Millionen Radialreifen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bei einer Investition von gut 270 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 240 Millionen Euro. Als Minderheitsgesellschafter mit knapp zehn Prozent soll die türkische Tatko-Gruppe einsteigen, ein dort ansässiger Mehrmarkenreifenhändler und Serviceanbieter. Es wäre das fünfte Reifenwerk des Anbieters neben dem Stammwerk in Qingdao, zwei Fabriken in Thailand und einer in Marokko. „Der genaue Standort ist noch nicht final entschieden“, sagte Thomas Becker, OE Sales Director bei Sentury Tire, der Fachzeitschrift; die Bauarbeiten sollen voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen (Reifenpresse.de zum Sentury-Werk in der Türkei). Wie schon beim Ägypten-Projekt von Linglong in der Vorwoche gilt: Eine Machbarkeitsstudie ist eine Absicht, keine Kapazität, und auf das Preisniveau im deutschen Regal wirkt sie auf Jahre hinaus nicht.
Drei kürzere Meldungen runden die Woche ab. Erstens hat Dunlop seine seit dem 1. Oktober laufende Cashback-Aktion über bis zu 80 Euro inzwischen auch international aufgezogen: Nach dem Start in Deutschland, Österreich und Polen folgen sukzessive Frankreich, Italien und Spanien, wobei die Aktion in Frankreich bereits ab 15 Zoll gilt statt wie hierzulande erst ab 16 Zoll. Was die Teilnahmebedingungen hierzulande wirklich verlangen und warum die beworbene Höchstsumme für viele Käufer schmilzt, haben wir in der Analyse der Dunlop-Rückzahlung nachgerechnet. Zweitens hat der Räderhersteller CMS sein als wintertauglich beschriebenes Aerorad C42 vorgestellt, das auf Elektro- und Hybridfahrzeuge zugeschnitten ist: angeboten in 7,5×18, 7,5×19 und 8,0×19 Zoll in zwei Schwarztönen und mit einer breiten Palette an ECE-Freigaben, was die Montage als Plug-and-Play-Lösung erleichtert — vergleichbare Räder finden Sie bei unseren Alufelgen. Und drittens meldete die Messe Essen, dass neben Kumho Tire ein weiterer Reifenhersteller auf die Essen Motor Show zurückkehrt; erwartet werden rund 500 Aussteller aus 19 Ländern.
Was Sie aus dieser Woche mitnehmen
Erstens: Prüfen Sie bei Testergebnissen künftig nicht nur die Note, sondern auch das Verfahren. AutoBild wertet über einen neu eingeführten Sicherheitsfaktor ab, und dieser Faktor hat in beiden fertigen Tests dieser Woche das untere Ende des Feldes bestimmt. Noten aus Jahrgängen vor und nach dieser Umstellung sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
Zweitens: Eine bestandene Gesamtnote ist keine Empfehlung. Bei den Sportwagen-Winterreifen haben beide Schlusslichter formal „befriedigend“ beziehungsweise „ausreichend“ erreicht — das Magazin rät trotzdem ausdrücklich ab, weil die Schwäche beim Nassbremsen liegt. Schauen Sie bei einem Sicherheitsbauteil immer auf die schlechteste Teildisziplin, nicht auf den Mittelwert.
Drittens: Unterscheiden Sie Preis von Prüfung. Ein Publikumspreis aus Nutzerbewertungen wie bei DriverReviews misst Zufriedenheit, ein Reifentest misst Bremswege. Beides darf in eine Kaufentscheidung einfließen, aber nicht als gleichwertig behandelt werden.
Viertens, und das ist der saisonale Kern: Es ist Mitte Oktober, die Umrüstsaison läuft. Wenn Sie zwischen Winter- und Ganzjahresreifen schwanken, hilft die Testlage dieser Woche weiter — die Spitze der Allwetterreifen ist gut geworden, das untere Drittel nicht. Entscheidend ist also nicht die Gattung, sondern das konkrete Modell. Welche Pflichten dabei gelten, steht im Beitrag zur Winterreifenpflicht in Deutschland; worauf Sie beim Alpine-Symbol achten müssen, klärt unsere Auswertung zum Alpine-Symbol bei Ganzjahresreifen. Das lieferbare Sortiment finden Sie unter Ganzjahresreifen für den Pkw.
Häufige Fragen
Was genau ist der Sicherheitsfaktor in den AutoBild-Reifentests?
Es handelt sich um eine neu eingeführte Abwertungsregel, über die sicherheitsrelevante Schwächen stärker in das Gesamturteil einfließen, als es ein reiner Mittelwert über alle Disziplinen täte. Betroffen waren in dieser Woche vor allem Reifen mit schwachem Nassbremsverhalten. Wie der Faktor im Detail gerechnet wird, hat das Magazin in den frei zugänglichen Berichten nicht offengelegt; belegt ist bislang nur seine Wirkung auf die Platzierungen am unteren Ende der Testfelder.
Kann ich mich auf die Ergebnisse einer Qualifikationsrunde verlassen?
Nur eingeschränkt. Eine Vorrunde sortiert aus, welche Reifen überhaupt in den vollständigen Vergleich kommen; sie liefert keine abschließende Rangfolge und oft auch keine vollständigen Messwerte. Beim AutoBild-Vergleich in 225/45 R17 steht das Endergebnis noch aus. Warten Sie in solchen Fällen den Volltest ab oder greifen Sie auf einen abgeschlossenen Test derselben Größe zurück.
Sind Ganzjahresreifen nach diesen Tests eine Alternative zum Winterreifen?
Für viele Fahrprofile ja, aber nicht pauschal. Die besten Allwetterreifen haben laut AutoBild deutlich zugelegt, das Feld streut jedoch bis hinunter zu „ausreichend“. Entscheidend sind Ihr Einsatzgebiet und das konkrete Modell: Bei regelmäßigen tiefen Minusgraden, viel Schnee oder Bergstrecken bleibt ein echter Winterreifen die sichere Wahl. Wichtig ist in jedem Fall das Alpine-Symbol auf der Flanke, denn nur damit erfüllt ein Reifen die winterliche Ausrüstungspflicht.