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Reifendruck & RDKS – Ratgeber im Magazin

Reifen richtig aufpumpen: Schritt für Schritt an der Tankstelle

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 13.07.2026
Reifen an der Tankstellen-Luftstation aufpumpen (KI-generiert, OpenAI)
Reifen an der Tankstellen-Luftstation aufpumpen (KI-generiert, OpenAI)

Den richtigen Reifendruck kennen die meisten Autofahrer – doch spätestens an der Luftstation der Tankstelle wird aus der Theorie schnell Unsicherheit: Welchen Wert stelle ich ein? Warum zischt es, wenn ich den Schlauch ansetze? Und stimmt der Druck überhaupt noch, wenn die Reifen von der Fahrt schon warm sind? Dieser Ratgeber führt Sie Schritt für Schritt durch das Aufpumpen – vom Auffinden des richtigen Werts bis zur letzten Ventilkappe. So haben Sie in wenigen Minuten den passenden Druck auf allen vier Rädern, sparen Sprit und fahren spürbar sicherer.

Wo steht der richtige Reifendruck für Ihr Auto?

Der passende Reifendruck kommt nicht vom Reifen, sondern vom Fahrzeughersteller – abgestimmt auf das Gewicht und die Achslasten Ihres Autos. Sie finden die Werte an drei typischen Stellen: auf einem Aufkleber in der Fahrertür (meist am Türholm oder an der B-Säule, sichtbar bei geöffneter Tür), innen an der Tankklappe oder im Bordbuch. Manche Fahrzeuge tragen den Aufkleber auch an der Innenseite des Handschuhfachdeckels.

Auf dem Aufkleber steht selten nur eine Zahl. In der Regel finden Sie eine kleine Tabelle mit mehreren Werten – häufig getrennt nach Vorder- und Hinterachse sowie nach Beladung: ein Wert für den Normalbetrieb (ein bis drei Personen, wenig Gepäck) und ein höherer Wert für volle Beladung (viele Personen, voller Kofferraum, Dachlast oder Anhänger). Für die Urlaubsfahrt mit vollgepacktem Auto gilt immer der höhere Wert. Die Angaben beziehen sich außerdem auf die vom Werk vorgesehenen Reifengrößen. Wenn Sie unsicher sind, welche Zeile für Ihre Situation gilt, hilft das Bordbuch weiter – dort ist die Tabelle meist noch einmal ausführlich erklärt.

Kalt oder warm? Warum der Messzeitpunkt über den Wert entscheidet

Die Herstellerangaben gelten immer für kalte Reifen. Als kalt gilt ein Reifen, der einige Stunden gestanden ist oder höchstens zwei bis drei Kilometer langsam bewegt wurde. Sobald Sie fahren, erwärmt sich die Luft im Reifen und der Druck steigt – je nach Tempo und Strecke um etwa 0,2 bis 0,3 bar. Das ist völlig normal und kein Grund, Luft abzulassen.

Genau hier passiert der häufigste Fehler: Wer nach einer längeren Fahrt an die Tankstelle rollt und den warmen Reifen exakt auf den kalten Sollwert absenkt, fährt anschließend mit zu wenig Druck weiter. Messen und füllen Sie deshalb möglichst mit kalten Reifen – etwa an einer Tankstelle in Wohnnähe oder morgens vor der ersten Fahrt. Lässt sich das nicht einrichten und Sie messen warm, dann lassen Sie niemals Luft ab, um den kalten Wert zu erreichen. Rechnen Sie stattdessen rund 0,2 bar auf den Sollwert auf. Beim nächsten kalten Check können Sie den genauen Wert dann in Ruhe einstellen. Der ADAC empfiehlt die Kontrolle bei kalten Reifen ebenfalls ausdrücklich (Quelle: ADAC).

Schritt für Schritt: Reifen an der Tankstelle aufpumpen

Mit der richtigen Reihenfolge ist das Aufpumpen in wenigen Minuten erledigt. So gehen Sie vor:

  1. Sollwert notieren: Lesen Sie den passenden Wert von Türholm oder Tankklappe ab – die richtige Zeile je nach Beladung. Ein Foto mit dem Handy hilft an der Luftstation.
  2. Zur Luftstation fahren: möglichst mit noch kalten Reifen. Viele Stationen sind kostenlos, manche werden per Münze oder Chip freigeschaltet.
  3. Zielwert am Gerät einstellen: Moderne Automaten haben eine Digitalanzeige mit Plus-/Minus-Tasten. Prüfen Sie zuerst die Einheit (bar oder psi) und stellen Sie dann den gewünschten Wert ein.
  4. Ventilkappe abschrauben und sicher verstauen – am besten in die Hosentasche, damit sie nicht im Dunkeln verrollt.
  5. Füllstecker gerade und fest aufs Ventil drücken, bis das Zischen aufhört. Ein kurzer Luftverlust beim Ansetzen und Abnehmen ist normal und kein Grund zur Sorge.
  6. Angleichen lassen: Das Automatikgerät füllt bei zu wenig Druck nach und lässt bei zu viel ab; ein Signalton meldet den erreichten Zielwert. Bei einfachen Geräten füllen Sie über den Handhebel und beobachten die Anzeige, ein separates Ablassventil senkt den Druck.
  7. Alle vier Reifen nacheinander prüfen – oft haben Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Werte. Denken Sie an das Reserverad, falls vorhanden: Es braucht meist einen deutlich höheren Druck.
  8. Ventilkappen wieder aufschrauben. Sie halten Schmutz und Feuchtigkeit vom Ventil fern und sind kein überflüssiges Zubehör.

Bar oder psi? In Deutschland wird der Reifendruck in bar angegeben, doch manche Geräte und Manometer zeigen psi (Pfund pro Quadratzoll). Zum Umrechnen gilt: 1 bar entspricht etwa 14,5 psi. Ein Sollwert von 2,2 bar sind also rund 32 psi, 2,5 bar etwa 36 psi. Seltener sehen Sie kPa – hier gilt 1 bar = 100 kPa. Merken Sie sich Ihren Wert in bar, dann geraten Sie an keiner Station durcheinander.

Nach dem Aufpumpen: Kontrolle, Ventil und RDKS

Tankstellengeräte werden von vielen Nutzern bedient und sind nicht immer exakt justiert. Ein eigener Reifendruckprüfer für wenige Euro lohnt sich deshalb, um zu Hause gegenzuchecken – ebenso ein kleiner Kompressor für die Garage. So sind Sie unabhängig von der nächsten Station.

Achten Sie beim Aufpumpen auch auf das Ventil: Gummiventile altern, werden porös und verlieren dann selbst Luft. Zischt es dauerhaft leise oder steht ein Reifen immer wieder tiefer, kann ein gealtertes Ventil die Ursache sein – wie Sie es erkennen und wechseln, lesen Sie im Ratgeber Reifenventil wechseln.

Fährt Ihr Auto mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS), kann nach einer Druckänderung ein kurzes Anlernen oder Zurücksetzen nötig sein, damit das System den neuen Sollzustand speichert – vor allem bei indirekten Systemen. Eine kurz nachlaufende Warnleuchte ist normal. Wie die beiden Systemtypen funktionieren, erklärt der ausführliche Ratgeber zum RDKS. Und wenn ein Reifen trotz korrektem Aufpumpen regelmäßig Druck verliert, sollten Sie nicht dauernd nachfüllen, sondern die Ursache suchen – hilfreich dabei ist der Beitrag Reifen verliert langsam Luft.

Wie oft sollten Sie den Reifendruck prüfen?

Reifen verlieren auch ohne Defekt langsam Luft – über einen dichten Reifen entweichen im Schnitt rund 0,1 bar pro Monat. Als Faustregel prüfen Sie den Druck deshalb alle zwei bis vier Wochen und zusätzlich vor jeder längeren Fahrt. Gerade vor dem Urlaub mit vollem Kofferraum, Dachbox oder Anhänger gehört der Blick auf den (höheren) Beladungswert zum Pflichtprogramm – Teil eines gründlichen Reifen-Checks vor dem Urlaub.

Denken Sie auch an die Temperatur: Fällt sie im Herbst, sinkt der Druck um etwa 0,1 bar je 10 Grad Abkühlung. Ein Reifen, der im Hochsommer korrekt gefüllt war, kann im kühlen Oktober bereits spürbar zu wenig Druck haben – deshalb lohnt sich ein Extra-Check beim ersten Kälteeinbruch. Wie stark Hitze und Beladung im Sommer zusammenspielen, vertieft der Ratgeber Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.

Häufige Fragen

Womit kann ich den Reifendruck zu Hause prüfen?

Am einfachsten mit einem digitalen oder analogen Reifendruckprüfer für wenige Euro oder mit einem Kompressor mit eingebautem Manometer. Wichtig ist auch hier: bei kalten Reifen messen und den Herstellerwert von Türholm oder Tankklappe als Vorgabe nehmen.

Was passiert, wenn ich mit zu wenig Druck weiterfahre?

Zu wenig Luft bedeutet mehr Verbrauch, schnelleren und ungleichmäßigen Verschleiß, einen längeren Bremsweg und eine gefährliche Erwärmung des Reifens bis hin zum Reifenplatzer. Welche Folgen falscher Druck genau hat, lesen Sie unter Folgen von falschem Reifendruck.

Ist es sinnvoll, vorsichtshalber etwas mehr aufzupumpen?

Ein kleines Plus von 0,1 bis 0,2 bar ist unkritisch, senkt den Rollwiderstand leicht und ist bei Beladung ohnehin üblich. Deutlich zu viel Druck verschlechtert dagegen den Grip, den Komfort und führt zu erhöhtem Verschleiß in der Reifenmitte. Halten Sie sich im Zweifel an die Herstellerangabe.

Fazit

Reifen aufpumpen ist keine Kunst – man muss nur wissen, wo der richtige Wert steht, dass er für kalte Reifen gilt und wie die Luftstation bedient wird. Mit dem passenden Druck fahren Sie sicherer, sparen Kraftstoff und verlängern die Lebensdauer Ihrer Reifen. Prüfen Sie ihn regelmäßig und vor jeder langen Fahrt. Und wenn ein Reifen sich nicht mehr retten lässt, finden Sie den passenden Ersatz in unserem Shop – zum Beispiel unter PKW-Reifen.

Schlagwörter: Reifendruck Reifen aufpumpen Luftdruck Tankstelle RDKS

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