Kleine Reifengröße, kleine Auswahl: Warum es in 13 Zoll fast kein A auf dem Label gibt
Wer einen Kleinwagen mit 13-Zoll-Rädern fährt, kennt das Gefühl: Man liest einen Reifentest, merkt sich den Sieger – und findet ihn in der eigenen Größe nicht. Das ist kein Zufall und auch kein Versehen des Händlers. Die Auswahl an Reifen hängt stark vom Felgendurchmesser ab, und mit ihr die Frage, welche Bewertungen auf dem EU-Reifenlabel überhaupt erreichbar sind.
Wir haben deshalb unser eigenes Sommerreifen-Sortiment ausgezählt: einmal 17 gängige Größen quer durch alle Durchmesser, einmal die beiden kleinsten Zollklassen vollständig. Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus diesen Auswertungen, Stand 20. Juli 2026, und beziehen sich auf lieferbare Ware.
Wie viel Auswahl in Ihrer Reifengröße wirklich steckt
Die Zahl der verfügbaren Ausführungen unterscheidet sich zwischen den Größen um mehr als das Siebenfache. In 155/70 R13 fanden wir 66 lieferbare Sommerreifen, in 175/70 R13 waren es 60. In 205/55 R16 – der meistgefragten PKW-Größe in unserem Shop – sind es 460. Auch die Zahl der unterschiedlichen Modelle folgt diesem Muster: 66 in 155/70 R13, 201 in 205/55 R16.
Interessant ist, dass die Kurve nicht einfach immer weiter steigt. Sie erreicht ihren Höhepunkt im mittleren Bereich zwischen 16 und 18 Zoll und fällt danach wieder ab. In 265/45 R21 zählten wir nur noch 81 Ausführungen von 62 Modellen – weniger als in mancher 15-Zoll-Größe. Wer sehr klein oder sehr groß fährt, hat also in beiden Fällen weniger Auswahl als der Durchschnitt, nur aus unterschiedlichen Gründen.
Deutlicher noch als die Stückzahl verschiebt sich, welche Hersteller überhaupt anbieten. In den kleinen Größen fehlen mehrere große Namen schlicht: Über alle 676 lieferbaren 13-Zoll-Sommerreifen hinweg fanden wir keinen einzigen von Michelin, Bridgestone oder Pirelli. Continental, Goodyear, Dunlop, Falken, Nokian, Vredestein und Hankook sind vertreten, aber meist nur mit wenigen Ausführungen. In allen von uns geprüften Größen zwischen 15 und 19 Zoll waren dagegen ausnahmslos alle 20 bekannten Marken vertreten. Der Rest des Angebots in 13 Zoll verteilt sich auf 64 Marken, von denen viele im Budget-Segment angesiedelt sind.
In 13 Zoll endet das Angebot praktisch bei Nasshaftung B
Am klarsten wird der Unterschied beim EU-Reifenlabel. Wir haben alle 676 lieferbaren 13-Zoll-Sommerreifen ausgewertet – 157 Modelle von 64 Marken in 46 verschiedenen Größen. Das Ergebnis bei der Nasshaftung: 7 Ausführungen mit Klasse A, 156 mit B, 411 mit C, 40 mit D und 62 mit E. Die Spitzenklasse A macht also 1,0 Prozent des Angebots aus.
Diese sieben Ausnahmen lohnen einen genaueren Blick, denn sie sind kein Gegenbeweis, sondern bestätigen das Bild. Vier davon sind gar keine normalen PKW-Reifen, sondern verstärkte Transporterreifen mit C-Kennung, etwa der Hankook Vantra Transit RA58 in 155/82 R13C. Von den drei verbliebenen PKW-Reifen ist einer ein Klassiker-Reifen für Oldtimer (Dunlop Sport Classic in 195/45 R13, 216,80 Euro), die beiden anderen sind Ausführungen des Falken Sincera SN832EC für 153,30 und 191,20 Euro – beide mit Effizienzklasse E. Für ein normales Alltagsauto in einer normalen 13-Zoll-Größe ist ein A-Reifen bei der Nasshaftung damit praktisch nicht zu bekommen.
Bei der Kraftstoffeffizienz ist der Befund noch eindeutiger: Unter allen 676 Ausführungen trägt keine einzige die Klasse A. Die beste vergebene Klasse ist B, und die kommt nur sechsmal vor – unter anderem beim Ceat EcoDrive und beim Continental EcoContact 6. Der Löwenanteil verteilt sich auf D (256) und E (258).
Ab 15 Zoll dreht sich das Verhältnis
In 14 Zoll bessert sich das Bild bereits spürbar, ohne gut zu sein. Von 1.263 lieferbaren Ausführungen tragen 83 die Nasshaftungsklasse A – 6,6 Prozent. Drei Ausführungen erreichen bei der Effizienz ein A, was in 13 Zoll noch gar nicht vorkam. Gleichzeitig sind hier erstmals alle großen Hersteller vertreten.
Ab 15 Zoll kippt das Verhältnis dann deutlich. In 185/65 R15 tragen 55 von 235 Ausführungen ein A bei der Nasshaftung (23 Prozent), in 195/65 R15 sind es 79 von 357 (22 Prozent). In 205/55 R16 liegt der Anteil bei 38 Prozent, in 225/45 R17 bei 51 Prozent, in 225/40 R18 bei 54 Prozent. In den großen Größen ab 19 Zoll pendelt er sich zwischen etwa 48 und 53 Prozent ein.
Anders gesagt: Was in 13 Zoll die seltene Ausnahme ist, ist ab 17 Zoll ungefähr die Hälfte des Angebots. Der Sprung passiert nicht allmählich über alle Größen hinweg, sondern konzentriert sich auf den Bereich zwischen 14 und 16 Zoll.
Woran das liegt – und woran nicht
Wichtig ist zunächst, was nicht die Erklärung ist: Die Grenzwerte des EU-Labels sind nicht größenabhängig. Die Verordnung (EU) 2020/740 legt in Anhang I Teil B für alle C1-Reifen dieselben Schwellen fest – Klasse A ab einem Nasshaftungskennwert von 1,55, Klasse B von 1,40 bis 1,54, und so weiter bis E. Gemessen wird nach Anhang 5 der UNECE-Regelung Nr. 117. Ein 13-Zoll-Reifen wird also nach exakt demselben Maßstab bewertet wie ein 21-Zöller (Quelle: Verordnung (EU) 2020/740 auf EUR-Lex). Der Unterschied steckt nicht in der Bewertung, sondern im gemessenen Wert.
Warum die gemessenen Werte in kleinen Größen schlechter ausfallen, lässt sich aus unseren Zahlen allein nicht belegen – wir wollen hier nichts behaupten, was wir nicht zeigen können. Plausibel ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Kleine Größen sitzen überwiegend auf preisgünstigen Fahrzeugen, entsprechend niedriger liegt die Zahlungsbereitschaft, und entsprechend selten lohnt sich für einen Hersteller die aufwendige Entwicklung einer Hochleistungsmischung für ein auslaufendes Segment. Dass die drei A-Reifen für PKW in 13 Zoll allesamt Nischenprodukte zu Preisen zwischen 153 und 217 Euro sind, passt zu dieser Lesart – beweist sie aber nicht.
Ein zweiter Punkt gehört dazu: Die 13-Zoll-Größen sind ein schrumpfendes Segment. Neue Modellgenerationen der Hersteller erscheinen dort oft gar nicht mehr, sodass im Regal überwiegend ältere Entwicklungsstände liegen. Auch das erklärt einen Teil des Gefälles, ohne dass sich der Anteil beziffern ließe.
Was Sie in einer kleinen Größe trotzdem richtig machen
Die praktische Konsequenz ist nicht, sich mit irgendetwas zufriedenzugeben, sondern den Maßstab an das anzupassen, was in Ihrer Größe tatsächlich erreichbar ist.
- Vergleichen Sie innerhalb Ihrer Größe, nicht mit Testberichten aus 18 Zoll. Ein B bei der Nasshaftung ist in 13 Zoll ein sehr gutes Ergebnis – zusammen mit den sieben A-Reifen liegt es dort im obersten Viertel des Angebots. Wer auf ein A wartet, wartet vergeblich.
- Nasshaftung vor Effizienz. Wenn Sie sich entscheiden müssen, hat die Nasshaftung den direkteren Sicherheitsbezug. Der Unterschied zwischen zwei Effizienzklassen macht sich beim Verbrauch bemerkbar, der Unterschied beim Bremsweg auf nasser Fahrbahn im Ernstfall.
- Achten Sie auf das Herstellungsdatum. Gerade in schrumpfenden Größen stehen Reifen länger im Lager. Die DOT-Nummer auf der Flanke verrät, wie alt der Reifen ist.
- Prüfen Sie den Aufpreis kritisch. Premium ist in kleinen Größen oft überproportional teuer, ohne dass das Label das widerspiegelt.
Wie sich das konkret darstellt, zeigt ein Blick auf drei lieferbare Beispiele. Der Ceat EcoDrive 165/70 R13 83T für 39,20 Euro trägt B bei Effizienz und Nasshaftung und damit die beste Label-Kombination, die uns in 13 Zoll begegnet ist. Der Continental EcoContact 6 175/70 R13 82T für 96,50 Euro kommt auf dieselben Klassen B/B – ein gutes Beispiel dafür, dass der bekannte Markenname in dieser Zollklasse nicht automatisch ein besseres Label bedeutet, auch wenn er für Laufleistung und Verarbeitung durchaus etwas anderes bedeuten kann. Wer dagegen ohnehin ein 14-Zoll-Fahrzeug fährt, hat mit dem Falken Sincera SN110 175/65 R14 82T für 45,50 Euro bereits Zugriff auf Nasshaftung A – in 13 Zoll gibt es zu diesem Preis nichts Vergleichbares.
Das komplette Angebot in Ihrer Größe finden Sie über unsere Sommerreifen für PKW; die Größenseite 175/65 R14 zeigt beispielhaft, wie breit das Feld schon eine Zollklasse weiter oben wird. Wie stark der Rollwiderstand den Verbrauch tatsächlich beeinflusst, haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zur Kraftstoffeffizienz von Reifen aufgeschlüsselt. Und ob der Aufpreis zur Premiummarke sich lohnt, klärt unser Vergleich Premium- oder Budget-Sommerreifen.
Fazit
Die Auswahl an Reifen ist keine Konstante, sondern hängt deutlich am Felgendurchmesser. In 13 Zoll stehen 676 lieferbaren Ausführungen ganze sieben mit Nasshaftung A gegenüber, von denen vier Transporterreifen sind und die übrigen drei Nischenprodukte zu Preisen ab 153 Euro. Ein A bei der Kraftstoffeffizienz gibt es dort überhaupt nicht. Ab 15 Zoll ändert sich das Bild grundlegend, ab 17 Zoll trägt rund die Hälfte des Angebots ein A bei der Nasshaftung.
Für Sie heißt das vor allem: Beurteilen Sie einen Reifen an dem, was in Ihrer Größe möglich ist. Ein B in 13 Zoll ist eine gute Wahl, kein Kompromiss – und deutlich mehr wert als ein C, das man aus Gewohnheit für ausreichend hält.
Häufige Fragen
Bekomme ich für einen Kleinwagen überhaupt einen sicheren Reifen?
Ja. Auch Klasse B und C bei der Nasshaftung erfüllen die gesetzlichen Anforderungen, und der Abstand zwischen den Klassen ist kleiner als der zwischen einem neuwertigen und einem abgefahrenen Reifen. Wichtiger als die letzte Labelklasse sind ausreichend Profil, korrekter Luftdruck und ein Reifen, der nicht überaltert ist.
Lohnt es sich, wegen der besseren Auswahl auf größere Räder zu wechseln?
Für sich genommen selten. Ein Wechsel auf einen größeren Felgendurchmesser muss für das Fahrzeug freigegeben sein, verändert Komfort und Abrollumfang und verteuert jeden künftigen Reifensatz spürbar. Wenn ohnehin neue Räder anstehen und mehrere Größen freigegeben sind, ist die größere Auswahl allerdings ein legitimes Argument unter mehreren.