Notlaufreifen im Angebot: Warum Ihre Auswahl auf ein Zehntel schrumpft
Wer einen BMW, einen Mini oder eine Mercedes-Limousine mit Notlaufreifen fährt, kennt den Moment: Der Satz ist heruntergefahren, die Suche nach Ersatz beginnt — und die Trefferliste ist erstaunlich kurz. Das ist kein Lagerproblem und kein Zufall, sondern die Struktur des Marktes. Wir haben deshalb nicht über Runflat philosophiert, sondern unser eigenes Regal ausgezählt: alle lieferbaren Pkw- und SUV-Reifen, aufgeschlüsselt nach Notlaufeigenschaft, Zollgröße, Dimension, Saison, Marke und Preis.
Stand aller Zahlen und Preise in diesem Beitrag ist der 20. August 2026; das Sortiment ändert sich täglich, die Größenordnungen bleiben aber stabil. Wie die Technik im Einzelnen funktioniert, steht in unserem ausführlichen Ratgeber zur Runflat-Technik — hier geht es um die Frage danach: Was bekommen Sie überhaupt, was kostet es, und wann dürfen Sie umsteigen?
997 von 35.794: So schmal ist das Runflat-Regal
Wir führen aktuell 35.794 lieferbare Pkw-Reifen. Davon haben 997 Notlaufeigenschaften — das sind 2,8 Prozent. Anders gesagt: 35 von 36 Pkw-Reifen in unserem Sortiment sind ganz normale Reifen. Runflat ist kein Nebenzweig des Marktes, sondern eine ausgesprochene Nische. Bei den SUV- und Offroadreifen sieht es fast identisch aus: 207 von 8.420 Artikeln, also 2,5 Prozent. Bei Van- und Transporterreifen (4.714 Artikel) und bei Motorradreifen (4.007 Artikel) ist das Ergebnis noch eindeutiger — dort steht kein einziger Notlaufreifen im lieferbaren Bestand. Wer einen Kastenwagen oder ein Motorrad fährt, muss sich mit der Frage also gar nicht erst beschäftigen.
Diese Nische ist zudem klar aufgeteilt. Sechs Marken stellen zusammen 789 der 997 Notlaufreifen, also gut 79 Prozent: Bridgestone (193), Pirelli (185), Continental (157), Michelin (93), Goodyear (85) und Hankook (76). Danach fällt es steil ab — Dunlop kommt auf 30, Yokohama auf 25, Falken auf 21. Die Zweit- und Budgetmarken, die im normalen Regal für Preisdruck sorgen, tauchen fast nur in Spurenmengen auf: Petlas 13, Landsail 10, Laufenn 9, Nankang 7, Giti und Kumho je 5. Eine Ausnahme gibt es: Radar bringt es auf 37 Artikel und schiebt sich damit sogar vor Dunlop.
Der Grund für diese Konzentration ist wirtschaftlicher Natur. Eine tragende Seitenwand zu entwickeln und für die Fahrzeughersteller freigeben zu lassen, ist aufwendig und teuer. Notlaufreifen sind Erstausrüstung für Fahrzeuge, die ab Werk ohne Ersatzrad und ohne Notrad ausgeliefert werden — typischerweise Mittelklasse und aufwärts. Wer keine Erstausrüstungsverträge mit BMW, Mercedes oder Mini hat, baut so etwas selten. Für Sie als Käufer heißt das ganz praktisch: Das Runflat-Regal ist deutlich premiumlastiger als das normale Reifenregal, in dem sich Dutzende preisgünstiger Zweit- und Drittmarken tummeln.
Unter 16 Zoll hört das Angebot auf — der ADAC erklärt, warum
Am deutlichsten wird die Nische, wenn man die 997 Reifen nach Zollgröße sortiert. Unterhalb von 16 Zoll gibt es praktisch nichts: 13 und 14 Zoll null Treffer, 15 Zoll genau zwei. Ab 16 Zoll geht es los (85 Artikel), 17 Zoll bringt 185, den Höhepunkt bildet 18 Zoll mit 291, danach 19 Zoll mit 240, 20 Zoll mit 147, 21 Zoll mit 41 und 22 Zoll mit sechs Stück.
Interessanter als die absoluten Zahlen ist der Anteil an der jeweiligen Zollklasse, denn er zeigt, mit welcher Wahrscheinlichkeit Sie überhaupt fündig werden. In 15 Zoll führen wir 4.270 Pkw-Reifen — die Runflat-Quote liegt dort bei 0,05 Prozent. In 16 Zoll sind es 1,6 Prozent, in 17 Zoll 2,9 Prozent, in 18 Zoll 5,0 Prozent und in 19 Zoll 4,7 Prozent. Die Chance, in Ihrer Dimension einen Notlaufreifen zu finden, ist bei 18 Zoll also rund hundertmal höher als bei 15 Zoll.
Das ist kein Zufall des Sortiments, sondern Physik — und der ADAC benennt den Grund ausdrücklich. Laut dem ADAC-Ratgeber zu Run-Flat-Reifen hat ein Notlaufreifen „etwa doppelt so dicke Flanken wie ein Standardreifen“. Bei großen Rädern seien die niedrigeren Seitenwände ohnehin steifer, sodass sich beim Entwickeln der Notlaufeigenschaft Material und Gewicht sparen lassen. Der ADAC zieht daraus denselben Schluss, den unsere Zahlen belegen: Notlaufreifen gebe es „vorrangig bei Breitreifen mit niedrigen Flanken“. Genau deshalb ist der kleine Reifen mit hoher Flanke das Loch im Regal — dort müsste die Verstärkung am dicksten und schwersten ausfallen. Dass die flache Flanke auch sonst ihren Preis hat, haben wir an anderer Stelle ausgerechnet: Was der Querschnitt Ihres Reifens kostet.
Bei den SUV-Reifen verschiebt sich das Fenster noch weiter nach oben. Unter 17 Zoll gibt es dort keinen einzigen Notlaufreifen, und 140 der 207 Artikel liegen in 19 und 20 Zoll. Das passt exakt zum typischen Fahrzeug dahinter — dem großen Premium-SUV mit Zwanzigzöllern.
In Ihrer Größe: 59 Notlaufreifen oder gar keiner
Für Sie zählt am Ende nur eine Zahl: Wie viele Notlaufreifen gibt es in Ihrer Dimension? Wir haben das für die meistgefragten Pkw-Größen durchgezählt, und das Ergebnis ist ein Alles-oder-nichts-Muster. Auf der einen Seite stehen die klassischen Premium-Dimensionen mit reichlich Auswahl — jeweils Notlaufreifen gemessen am gesamten Angebot der Größe:
- 225/45 R18 — 59 von 450 Reifen, 13,1 Prozent und damit der höchste Wert im Feld
- 225/50 R17 — 45 von 547
- 225/40 R18 — 39 von 451
- 225/55 R17 — 37 von 452
- 245/45 R18 — 34 von 390
- 225/45 R17 — 33 von 595
- 205/55 R16 — 29 von 839
- 245/45 R19 — 26 von 325
Auf der anderen Seite stehen Größen mit sehr großer Gesamtauswahl und trotzdem null Notlaufreifen: 185/60 R15 (377 Reifen im Regal, kein einziger Runflat), 215/60 R16 (369), 175/65 R14 (369), 235/55 R17 (323), 175/70 R14 (266), 165/70 R14 (261), 205/65 R15 (233) und 205/65 R16 (102). Dazwischen liegt eine dritte Gruppe, die besonders tückisch ist, weil sie in der Trefferliste zunächst nach Auswahl aussieht — Größen mit genau einem lieferbaren Notlaufreifen: 195/65 R15 (einer von 645), 185/65 R15 (einer von 497), 215/55 R17, 215/65 R16, 215/60 R17 und 235/60 R18.
Daraus folgen zwei sehr praktische Konsequenzen. Erstens: Prüfen Sie die Verfügbarkeit, bevor Sie sich auf Runflat festlegen. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob Sie in 205/55 R16 aus 29 Notlaufreifen wählen oder in 185/60 R15 aus keinem einzigen. Zweitens: Planen Sie den Wechsel früh statt erst bei drei Millimetern Restprofil. Wo nur ein einziger Artikel im Regal steht, ist eine ausverkaufte Position keine Unbequemlichkeit, sondern das Ende der Auswahl. Und werfen Sie einen Blick in die Fahrzeugpapiere: Sind für Ihr Auto mehrere Dimensionen freigegeben, ist die zweite zugelassene Größe manchmal deutlich besser versorgt als die serienmäßige.
Der Aufpreis, zweimal gemessen
Was Notlaufeigenschaften kosten, lässt sich auf zwei Arten messen — und beide Messungen sagen etwas anderes. Die erste ist der Einstiegspreis: Was kostet der günstigste Reifen einer Größe, und was kostet der günstigste Notlaufreifen derselben Größe und derselben Saison? Bei Sommerreifen stehen sich in 205/55 R16 36,20 und 81,30 Euro gegenüber, in 225/45 R17 41,40 und 74,50 Euro, in 225/50 R17 47,60 und 80,40 Euro, in 225/40 R18 45,30 und 74,10 Euro, in 225/45 R18 47,60 und 93,40 Euro sowie in 245/45 R18 53,50 und 82,10 Euro. Der Einstieg ins Runflat-Regal kostet damit je nach Größe zwischen 53 und 125 Prozent mehr.
Diese Zahl misst allerdings nicht den Preis der Technik, sondern den Wegfall des Billigsegments: Der 36-Euro-Reifen stammt von einer Marke, die schlicht keine Notlaufreifen baut. Wer preisbewusst sucht, findet den Einstieg trotzdem — der günstigste Notlaufreifen in unserer meistgefahrenen Pkw-Größe ist derzeit der Petlas Prime Comfort 205/55 R16 91V für 81,30 Euro, und der trägt mit B beim Kraftstoffverbrauch und A bei der Nasshaftung ein bemerkenswert gutes EU-Label.
Die ehrlichere Messung ist die zweite: dasselbe Modell, dieselbe Größe, derselbe Last- und Geschwindigkeitsindex — einmal mit, einmal ohne Notlauf. Hier zeigt sich ein sehr konstantes Bild:
- Continental EcoContact 6 205/55 R16 91W: ohne Notlauf 88,50 bis 90,60 Euro (Label A/B/71), mit Notlauf 108,70 Euro (B/B/71). Rund 18 bis 20 Euro Aufschlag, und die Kraftstoffeffizienz rutscht von A auf B.
- Continental AllSeasonContact 2 225/45 R17 94W: ohne Notlauf 98,40 Euro (C/B/71), mit Notlauf 117,30 Euro (D/B/72). Knapp 19 Euro mehr, eine Effizienzklasse schlechter und ein Dezibel lauter.
- Bridgestone Turanza T005 205/55 R16 91W: ohne Notlauf 78,40 bis 91,50 Euro, mit Notlauf 104,70 Euro — je nach Ausführung 13 bis 26 Euro Aufschlag.
Der typische Aufpreis liegt damit bei etwa 12 bis 20 Euro pro Reifen oder rund 15 bis 20 Prozent des Preises, auf vier Räder gerechnet also grob 50 bis 80 Euro pro Satz. Das ist deutlich weniger dramatisch als die Prozentzahlen des Einstiegsvergleichs — und es ist die Zahl, die für Sie zählt, wenn Sie ohnehin eine Premiummarke fahren.
Auffällig ist ein zweiter Effekt: In drei dieser Paare trägt die Runflat-Ausführung eine Effizienzklasse weniger. Das passt zur Erklärung des ADAC, wonach Notlaufreifen der neuesten Generation den Kraftstoffverbrauch „in der Regel nicht“ erhöhen, in der Praxis aber wegen des Mehrgewichts von etwa 0,3 Kilogramm je Reifen nicht ganz an konventionelle Reifen heranreichen. Eine Naturgesetzmäßigkeit ist das aber nicht — und das Gegenbeispiel steht im selben Regal: Der Hankook Ventus S1 evo3 K127B 225/45 R17 94Y mit Notlauf kostet 93,00 Euro und damit 11,90 Euro mehr als der baugleiche K127 ohne Notlauf für 81,10 Euro — trägt aber ein besseres Label: B statt C beim Kraftstoffverbrauch und mit 70 statt 72 Dezibel zwei Dezibel weniger Rollgeräusch. Vergleichen Sie deshalb immer das Label der konkreten Ausführung; warum Labelwerte selbst innerhalb eines Modells schwanken, haben wir in unserem Beitrag darüber, warum derselbe Reifen je nach Größe ein anderes EU-Label trägt, auseinandergenommen.
Winter und Ganzjahr: hier wird die Luft richtig dünn
Wer im Spätsommer über den Winterradsatz nachdenkt, sollte die Saisonverteilung kennen, denn sie ist alles andere als gleichmäßig. Von den 997 Pkw-Notlaufreifen entfallen 738 auf Sommerreifen, 207 auf Winterreifen und nur 51 auf Ganzjahresreifen. Bezogen auf die jeweilige Saisonauswahl heißt das: 4,1 Prozent aller Sommerreifen sind Notlaufreifen, aber nur 2,4 Prozent der Winterreifen — und magere 0,6 Prozent der Ganzjahresreifen.
Auf Größenebene wird daraus eine sehr überschaubare Auswahl. In 205/55 R16 stehen acht Winter-Notlaufreifen zur Wahl, in 225/45 R17 ebenfalls acht, in 225/40 R18 sind es fünf und in 245/45 R18 sieben. Entsprechend hart fällt auch der Einstiegsvergleich aus: Über dieselben sechs Größen liegt der günstigste Winter-Notlaufreifen zwischen 98 und 139 Prozent über dem günstigsten Winterreifen der Größe — in 245/45 R18 etwa 146,20 gegenüber 61,20 Euro. Der Grund ist derselbe wie beim Sommerreifen, nur ausgeprägter: Im Winter-Runflat-Regal fehlen die Einstiegsmarken fast vollständig. Die 207 Winter-Notlaufreifen verteilen sich auf Pirelli (53), Continental (50), Bridgestone (32), Hankook (21), Goodyear und Dunlop (je 14), Michelin (13), Falken (6) und Fulda (2) — aus dem Budgetsegment findet sich genau ein einziger Artikel. Wer einen Winterradsatz mit Notlauf plant, plant also automatisch im Premiumpreisbereich und sollte früh bestellen. Einen Überblick über das gesamte Angebot gibt unsere Kategorieseite für Winterreifen für Pkw.
Bei Ganzjahresreifen mit Notlauf ist die Auswahl mit 51 Artikeln so klein, dass sie von einer einzigen Produktlinie geprägt wird: 22 der 51 stammen von Bridgestone, überwiegend aus der DriveGuard-Familie, die der Hersteller ausdrücklich als nachrüstbaren Notlaufreifen anbietet. Dazu kommen je sechs Artikel von Continental, Hankook und Radar, fünf von Michelin sowie je drei von Goodyear und Pirelli. Bemerkenswert: Ausgerechnet diese Linie liefert auch die beiden einzigen 15-Zoll-Notlaufreifen im ganzen Pkw-Sortiment — beide vom Typ Weather Control A005 DriveGuard Evo, in 185/65 R15 und 195/65 R15. Ein typischer Vertreter der Familie ist der Bridgestone Turanza All Season 6 DriveGuard 205/55 R16 94V für 104,70 Euro. Bei SUV-Ganzjahresreifen mit Notlauf liegt die Zahl übrigens bei null — dort müssen Sie sich zwischen Sommer- und Winterreifen entscheiden.
Was Sie für den Aufpreis bekommen
Gegen die Mehrkosten steht ein konkreter Gegenwert, und der ist gut dokumentiert. Nach Angaben des ADAC garantieren die Fahrzeughersteller mit einem drucklosen Notlaufreifen in der Regel eine Reichweite von noch 80 Kilometern bei höchstens 80 km/h; die genauen Werte stehen im Betriebshandbuch. Das reicht in aller Regel bis zur nächsten Werkstatt — ohne Radwechsel am Fahrbahnrand, ohne Pannenset, ohne Wartezeit auf den Pannendienst und ohne die Gefahr, auf dem Standstreifen einer Autobahn hantieren zu müssen. Für Vielfahrer und für alle, die den Radwechsel körperlich nicht ohne Weiteres stemmen, ist das ein handfester Sicherheitsgewinn. Dazu kommt ein Punkt, der in der Rechnung gern untergeht: Fahrzeuge mit Runflat-Bereifung sparen sich Ersatzrad und Wagenheber — das ist weniger Gewicht und mehr nutzbarer Kofferraum.
Zwei häufige Einwände entkräftet der ADAC dabei ausdrücklich. Zum Gewicht: Notlaufreifen sind demnach etwa 0,3 Kilogramm schwerer als die Standardausführungen — ein Wert, der beim Fahren kaum ins Gewicht fällt, sich im EU-Label aber, wie oben gezeigt, durchaus bemerkbar machen kann. Zum Komfort: Der früher oft kritisierte harte Abrollkomfort sei bei Notlaufreifen der neueren Generation kaum noch zu spüren. Dass Runflat teurer ist, bestreitet der ADAC allerdings nicht.
Ein Detail sollten Sie unbedingt kennen, weil es die Sicherheitsrechnung erst vollständig macht: Ein Notlaufreifen fällt bei Druckverlust nicht sichtbar zusammen — das ist ja gerade sein Zweck. Sie merken die Panne im Zweifel weder am Fahrverhalten noch mit bloßem Auge. Ein funktionierendes Reifendruckkontrollsystem ist bei Notlaufreifen deshalb kein Komfortextra, sondern die einzige verlässliche Warnung; wie die beiden Bauarten des RDKS arbeiten, erklären wir separat. Für die Praxis heißt das: Nehmen Sie eine Druckwarnung ernst und rechnen Sie die 80 Kilometer ab der Warnung, nicht ab dem Moment, in dem Ihnen selbst etwas auffällt. Ignorierter Druckverlust zerstört den Reifen dauerhaft — und einen leergefahrenen Notlaufreifen lässt man in aller Regel nicht reparieren, sondern ersetzt ihn.
Wenn Ihr Auto ab Werk auf Notlaufreifen steht
Die häufigste Frage in dieser Situation lautet: Muss es wieder Runflat sein, oder tun es auch normale Reifen? Die Antwort hat eine rechtliche und eine sicherheitstechnische Seite. Der ADAC führt die Kombination aus Notlauf- und Standardreifen in seiner Übersicht zur Mischbereifung grundsätzlich als zulässig, rät davon aber ausdrücklich ab. Entscheidend ist ein Zusatz, den viele übersehen: Ist Runflat laut Fahrzeugpapieren vorgeschrieben, ist ein Mischen grundsätzlich nicht möglich. Ihr erster Schritt sollte deshalb immer der Blick in Fahrzeugschein und Betriebsanleitung sein — dort steht, was für Ihr konkretes Fahrzeug gilt, und nicht in einem Forenbeitrag zu einem ähnlichen Modell. Wo eine einheitliche Bereifung praktisch nicht möglich ist, sollte laut ADAC zumindest eine Achse einheitlich bestückt sein; welche Kombinationen darüber hinaus erlaubt sind, haben wir im Beitrag zur Mischbereifung am Auto zusammengestellt.
Der sicherheitstechnische Grund dafür ist einleuchtend: Notlaufreifen haben eine deutlich steifere Seitenwand als normale Reifen — sie muss im Ernstfall das Fahrzeuggewicht ohne Luftdruck tragen. Fahrwerk und Regelsysteme eines dafür ausgelegten Fahrzeugs sind auf dieses steifere Verhalten abgestimmt. Mischt man beide Bauarten, reagieren Vorder- und Hinterachse unterschiedlich auf Lastwechsel und Bremsmanöver — genau das will man in einer Notsituation am wenigsten.
Woran Sie Notlaufreifen erkennen: Im Modellnamen steckt die Eigenschaft meist nicht. Einen „Bridgestone Turanza T005 205/55 R16 91W“ gibt es bei uns in beiden Varianten unter demselben Namen; der Unterschied steht in der Kennzeichnung hinter der Größe. Auf unseren Artikelseiten finden Sie dort Kürzel wie RFT (Bridgestone), SSR (Continental), ROF, RSC oder ZP (Michelin), dazu ein eigenes Merkmal „Runflat“. Nur wenige Hersteller schreiben es in die Typbezeichnung selbst — Hankook zum Beispiel hängt ein „B“ an, aus dem K127 wird der K127B. Ein Sternchen hinter der Größe ist übrigens keine Notlaufkennung, sondern die Erstausrüstungsfreigabe für BMW und Mini.
Bleibt die Kaufentscheidung. Zwingend ist Runflat nur, wenn Ihr Fahrzeughersteller ihn vorschreibt — dann steht es im Handbuch, und Sie sollten sich daran halten. Steht dort nichts, ist es eine freie Abwägung: Wer viel allein und viel Autobahn fährt, profitiert vom Notlauf; wer selten fährt und ohnehin ein Pannenset an Bord hat, kann das Geld sparen und gewinnt eine erheblich größere Auswahl. Eine Zwischenlösung sind selbstdichtende Reifen mit Dichtschicht, die kleine Einstiche sofort verschließen, ohne die steife Flanke mitzubringen. Das komplette Sortiment mit und ohne Notlaufeigenschaften finden Sie unter Pkw-Reifen; die aktuelle Verfügbarkeit in Ihrer Dimension sehen Sie direkt auf der jeweiligen Größenseite.
Häufige Fragen
Darf ich meinen Runflat durch einen normalen Reifen ersetzen?
Schreibt der Fahrzeughersteller Notlaufreifen vor, nein — die Vorgabe steht in der Betriebsanleitung und hängt mit dem fehlenden Ersatzrad und teils mit der Fahrwerksabstimmung zusammen. Ist Runflat nur Erstausrüstung ohne Vorschrift, dürfen Sie wechseln. Rüsten Sie dann aber ein Pannenset oder ein Notrad nach und mischen Sie niemals Notlauf- und Normalreifen auf einer Achse.
Warum gibt es in meiner Reifengröße gar keinen Notlaufreifen?
Weil kleine Räder mit hoher Flanke technisch der ungünstigste Fall sind: Die Verstärkung müsste dort besonders dick und schwer ausfallen. Deshalb konzentrieren die Hersteller ihr Angebot laut ADAC auf breite Reifen mit niedriger Flanke. In unserem Sortiment liegt der Schwerpunkt zwischen 17 und 20 Zoll, unter 16 Zoll ist das Regal praktisch leer.
Verbraucht ein Notlaufreifen wirklich mehr Sprit?
Tendenziell ja, aber weniger als früher. In drei von vier direkt vergleichbaren Paaren aus unserem Regal trägt die Runflat-Ausführung eine EU-Label-Klasse weniger beim Kraftstoffverbrauch, was zum Mehrgewicht von rund 0,3 Kilogramm je Reifen passt. Ein Gegenbeispiel zeigt jedoch, dass es auch andersherum geht — entscheidend ist das Label der konkreten Ausführung, nicht die Bauart allein.