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Reifendruck & RDKS

Runflat-Reifen: Wie Notlaufreifen funktionieren und für wen sie sich lohnen

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
Moderner PKW-Reifen mit verstärkter Seitenwand auf einer Alufelge (KI-generiert, OpenAI)
Moderner PKW-Reifen mit verstärkter Seitenwand auf einer Alufelge (KI-generiert, OpenAI)

Ein Nagel auf der Autobahn, plötzlicher Druckverlust – und trotzdem kein Anhalten auf dem Standstreifen: Genau dafür sind Runflat-Reifen (Notlaufreifen) gemacht. Sie tragen das Fahrzeug auch ohne Luft noch ein Stück weit und geben Ihnen die Chance, kontrolliert bis zur nächsten Werkstatt zu rollen. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie die Technik funktioniert, woran Sie Notlaufreifen erkennen, warum sie ein Reifendruck-Kontrollsystem brauchen und für wen sich der Aufpreis wirklich lohnt.

Was sind Runflat-Reifen?

Runflat-Reifen – auch Notlaufreifen oder „Reifen mit Notlaufeigenschaften" genannt – sind so konstruiert, dass sie nach einem plötzlichen Druckverlust nicht in sich zusammenfallen. Statt sofort liegen zu bleiben, können Sie die Fahrt mit verminderter Geschwindigkeit fortsetzen und einen sicheren Ort oder eine Werkstatt erreichen.

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Reifen liegt in der Seitenwand: Notlaufreifen haben laut ADAC etwa doppelt so dicke Flanken wie ein Standardreifen. Verliert der Reifen die Luft, übernehmen diese verstärkten Gummiwände das Tragen des Fahrzeuggewichts.

Wie funktionieren Notlaufreifen?

Bei der heute verbreiteten Bauart spricht man von selbsttragenden Reifen: In die Seitenwände sind zusätzliche, hitzebeständige Gummieinlagen einlaminiert. Sinkt der Druck auf null, knicken die Flanken nicht ein, sondern stützen die Lauffläche weiterhin ab. Die Reifen sind dabei auf die entstehende Wärme abgestimmt, denn ohne Luftpolster walkt und erhitzt sich der Gummi deutlich stärker als im Normalbetrieb.

Weil der Reifenwulst auch bei völligem Druckverlust an der Felge sitzen bleibt, behalten Sie die Kontrolle über die Lenkung und schützen zugleich die Felge vor Schäden. Wichtig: Im Notlauf fehlt das spürbare „weiche" Fahrgefühl eines platten Reifens fast völlig – deshalb merken Sie eine Panne ohne Warnsystem oft gar nicht. Genau hier kommt das RDKS ins Spiel (siehe unten).

Wie weit und wie schnell kommen Sie noch?

Die Notlaufeigenschaften gelten nur in engen Grenzen. Als grobe Faustregel nennt der ADAC nach einem vollständigen Druckverlust:

  • Rund 80 Kilometer Restfahrstrecke
  • Höchstens 80 km/h Tempo

Die genauen Werte legt der Reifenhersteller fest und können je nach Modell abweichen – einige geben weniger an. Behandeln Sie die Angabe daher als Obergrenze, nicht als Versprechen: Fahren Sie betont vorsichtig, vermeiden Sie starke Lenk- und Bremsmanöver und suchen Sie so schnell wie möglich eine Werkstatt auf. Den genauen Wert für Ihr Fahrzeug finden Sie in der Betriebsanleitung.

Warum ein RDKS Pflicht ist

Notlaufreifen sind nur in Verbindung mit einem funktionierenden Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) sinnvoll und zugelassen. Der Grund ist einfach: Weil ein Runflat-Reifen auch ohne Luft fast normal weiterläuft, würden Sie einen schleichenden oder plötzlichen Druckverlust ohne Warnung kaum bemerken – und damit unbemerkt die begrenzte Notlaufstrecke „verbrauchen".

Das RDKS schlägt Alarm, sobald der Druck unter einen kritischen Wert fällt. Wie die beiden Systemvarianten technisch arbeiten und worauf Sie beim Radwechsel achten müssen, lesen Sie ausführlich in unserem Ratgeber RDKS richtig verstehen: direktes und indirektes System. Und wie Sie generell den richtigen Luftdruck halten, erklären wir im Beitrag Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.

So erkennen Sie Runflat-Reifen

Ob ein Reifen Notlaufeigenschaften hat, steht als Kürzel auf der Reifenflanke – und die Abkürzungen unterscheiden sich je nach Hersteller. Die gängigsten Kennzeichnungen (laut ADAC und Herstellerangaben):

  • RFT – Bridgestone (Run-Flat Tyre); für die Nachrüstung führt Bridgestone zusätzlich die Linie DriveGuard
  • SSR – Continental (Self-Supporting Runflat)
  • ZP – Michelin (Zero Pressure)
  • ROF / DSST – Goodyear und Dunlop (RunOnFlat bzw. Dunlop Self-Supporting Technology)
  • HRS – Hankook (Hankook Runflat System)
  • Run Flat bzw. r-f – Pirelli

Zusätzlich kennzeichnet RSC (RunFlat System Component) Reifen, die speziell für BMW und Mini freigegeben sind. Steht in Ihrer Zulassungsbescheinigung außerdem eine RF-Kennzeichnung in der Größe (z. B. „205/55 RF 16"), schreibt der Fahrzeughersteller Notlaufreifen zwingend vor – dann dürfen Sie keine Standardreifen montieren.

Tipp: Im Zweifel hilft ein Blick in die Betriebsanleitung oder die Zulassungsbescheinigung Teil I. Dort ist vermerkt, ob Ihr Fahrzeug ab Werk auf Runflat ausgelegt ist.

Vorteile von Runflat-Reifen

  • Mehr Sicherheit bei einer Panne: Sie können kontrolliert weiterfahren, statt auf einem gefährlichen Standstreifen den Reifen wechseln zu müssen.
  • Kein liegen bleiben: Bei plötzlichem Druckverlust bleibt das Auto fahrbereit – ideal für lange Strecken oder Gegenden ohne schnelle Pannenhilfe.
  • Felgenschutz: Der Reifen rutscht nicht von der Felge, das schützt die teure Felge.
  • Platz und Gewicht im Auto: Viele Fahrzeuge mit Runflat verzichten ab Werk auf Ersatzrad und Wagenheber – das spart Kofferraumvolumen und Gewicht.

Nachteile von Runflat-Reifen

  • Höherer Preis: Notlaufreifen sind deutlich teurer als vergleichbare Standardreifen.
  • Etwas schwerer: Durch die verstärkten Flanken wiegt ein Runflat laut ADAC etwa 0,3 kg mehr pro Reifen.
  • Eingeschränkte Auswahl: Nicht jedes Profil und jede Größe ist als Runflat erhältlich.
  • Spezialisierte Montage nötig: Die steifen Flanken lassen sich schwerer auf- und abziehen; nicht jede Werkstatt rüstet dafür mit der passenden Maschine aus.
  • Nach dem Notlauf meist Totalverlust: Wurde der Reifen drucklos bewegt, ist er in der Regel zu ersetzen (siehe nächster Abschnitt).

Beim Komfort haben die neueren Generationen deutlich aufgeholt: Rollwiderstand und Fahrkomfort sind laut ADAC bei aktuellen Modellen kein grundsätzliches Problem mehr.

Reparatur: Lässt sich ein Runflat noch retten?

Hier ist Vorsicht geboten. Hat ein Notlaufreifen das Fahrzeug bereits im drucklosen Zustand getragen, war seine Flanke extremer Walkarbeit und Hitze ausgesetzt – innere Schäden sind dann wahrscheinlich, auch wenn die Lauffläche äußerlich unauffällig wirkt. Ein im Notlauf gefahrener Reifen ist deshalb grundsätzlich auszutauschen. Viele Hersteller schließen eine Reparatur von Notlaufreifen ohnehin generell aus.

Welche Schäden sich bei normalen Reifen überhaupt fachgerecht reparieren lassen und welche nicht, haben wir im Ratgeber Reifenpanne und Reifenreparatur zusammengefasst.

Dürfen Sie Runflat und normale Reifen mischen?

Kurz gesagt: besser nicht. Der ADAC empfiehlt ausdrücklich, auf Fahrzeugen, die für Notlaufreifen ausgelegt sind, ausschließlich Runflat-Reifen zu montieren. Eine Mischung aus Notlauf- und Standardreifen verändert das Fahrverhalten und untergräbt die Notlaufeigenschaft.

Steht in den Fahrzeugpapieren eine RF-Kennzeichnung, sind Standardreifen ohnehin tabu. Ist Ihr Auto nicht ab Werk auf Runflat ausgelegt, lassen sich Notlaufreifen meist nicht sinnvoll nachrüsten – unter anderem, weil dann oft das passende RDKS und die Freigabe fehlen.

Lohnen sich Runflat-Reifen für Sie?

Wenn Ihr Fahrzeug ab Werk auf Notlaufreifen ausgelegt ist (häufig bei BMW und Mini), sind Runflat in der passenden Größe meist die einfachste und vorschriftskonforme Wahl. Auch wer viel allein oder auf langen Strecken unterwegs ist und im Pannenfall nicht am Straßenrand stehen möchte, profitiert vom Sicherheitsplus. Für preisbewusste Wenigfahrer mit Ersatzrad oder Pannenset ist dagegen oft ein guter Standardreifen die wirtschaftlichere Lösung.

Notlaufreifen finden Sie bei uns in vielen gängigen Dimensionen – zum Beispiel in der beliebten Größe 225/45 R17. Eine kleine Auswahl, an deren Kürzeln Sie die Notlaufeigenschaft direkt erkennen:

Den passenden Reifen für Ihr Fahrzeug finden Sie in unserem Shop unter PKW-Reifen. Achten Sie beim Kauf darauf, ob Ihr Fahrzeug Notlaufreifen vorschreibt – dann sollte das Runflat-Kürzel auf der Flanke stehen.

Häufige Fragen

Wie weit kann ich mit einem platten Runflat-Reifen noch fahren?

Als Faustregel nennt der ADAC rund 80 Kilometer bei höchstens 80 km/h. Der genaue Wert hängt vom Reifenmodell ab und steht in der Betriebsanleitung. Fahren Sie vorsichtig und suchen Sie schnellstmöglich eine Werkstatt auf.

Brauche ich für Runflat-Reifen zwingend ein RDKS?

Ja. Da ein Notlaufreifen auch ohne Luft fast normal weiterläuft, würden Sie eine Panne ohne Reifendruck-Kontrollsystem kaum bemerken. Notlaufreifen sind daher nur mit funktionierendem RDKS zugelassen.

Kann ich Runflat-Reifen reparieren lassen?

In der Regel nicht. Wurde der Reifen im drucklosen Zustand gefahren, ist er grundsätzlich zu ersetzen, und viele Hersteller schließen eine Reparatur von Notlaufreifen ganz aus.

Darf ich Notlaufreifen und normale Reifen mischen?

Davon ist abzuraten. Der ADAC empfiehlt, auf entsprechend ausgelegten Fahrzeugen nur Runflat-Reifen zu montieren. Bei einer RF-Kennzeichnung in den Papieren sind Standardreifen nicht zulässig.

Woran erkenne ich einen Runflat-Reifen?

An einem Kürzel auf der Reifenflanke – je nach Hersteller etwa RFT, SSR, ZP, ROF, DSST oder HRS. RSC kennzeichnet zusätzlich Reifen, die für BMW und Mini freigegeben sind.

Schlagwörter: Runflat Notlaufreifen RDKS Reifenpanne Reifentechnik

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