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Recht & Gesetz

Mischbereifung: Dürfen Sie verschiedene Reifen am Auto fahren?

· 5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
Zwei unterschiedliche Pkw-Reifen mit verschiedenen Profilen nebeneinander (KI-generiert, OpenAI)
Zwei unterschiedliche Pkw-Reifen mit verschiedenen Profilen nebeneinander (KI-generiert, OpenAI)

Dürfen vorne andere Reifen montiert sein als hinten? Ist ein Reifen von Continental neben einem von Dunlop erlaubt? Und was ist mit Sommer- und Winterreifen am selben Auto? Rund um die Mischbereifung kursieren viele Halbwahrheiten. Dieser Ratgeber erklärt sachlich, was in Deutschland wirklich vorgeschrieben ist, welche Kombinationen verboten sind – und warum vieles, das erlaubt ist, trotzdem keine gute Idee ist.

Was bedeutet Mischbereifung?

Von Mischbereifung spricht man, wenn an einem Fahrzeug nicht überall identische Reifen montiert sind. Das kann verschiedene Formen annehmen:

  • unterschiedliche Hersteller oder Modelle (z. B. vorne Marke A, hinten Marke B),
  • unterschiedliche Profilarten oder stark unterschiedliche Profiltiefen,
  • Sommer- und Winterreifen gemischt,
  • Runflat-Reifen zusammen mit Standardreifen,
  • in Sonderfällen sogar unterschiedliche Reifengrößen an Vorder- und Hinterachse.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen gesetzlich erlaubt und sicherheitstechnisch empfehlenswert. Beides ist nicht dasselbe.

Was ist in Deutschland erlaubt?

Anders als oft vermutet, ist Mischbereifung in vielen Fällen rechtlich zulässig. Laut ADAC sind grundsätzlich erlaubt:

  • Reifen verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Profilarten,
  • die Kombination von Sommer- und Winterreifen,
  • das Mischen von Runflat- und Standardreifen – außer das Fahrzeug schreibt Runflat ausdrücklich vor (mehr dazu in unserem Beitrag zu Runflat- und Notlaufreifen),
  • unterschiedliche Reifengrößen vorn und hinten – allerdings nur, wenn sie im Fahrzeugschein ausdrücklich genehmigt sind.

Das heißt: Wer aus Kostengründen nur zwei neue Reifen kauft oder eine andere Marke nachkauft, macht sich nicht automatisch strafbar.

Was ist verboten?

Es gibt klare gesetzliche Grenzen. Untersagt ist laut ADAC:

  • das Kombinieren von Diagonal- und Radialreifen an einem Fahrzeug,
  • bei situativer Winterreifenpflicht (Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch) mit reinen Sommerreifen zu fahren,
  • das Montieren von Reifengrößen, die der Fahrzeugschein nicht abdeckt.

Welche Reifen Ihr Fahrzeug überhaupt tragen darf und welche Vorschriften sonst noch gelten, lesen Sie kompakt in unserem Überblick Reifen und Gesetz.

Die wichtigste Regel: gleiche Reifen je Achse

Die zentrale Mindestforderung lautet: Pro Achse müssen die Reifen einheitlich sein. Linker und rechter Reifen einer Achse sollten in Größe, Bauart und Profil übereinstimmen. Sie dürfen also durchaus vorne ein anderes Reifenmodell fahren als hinten – aber nicht links einen anderen als rechts. Das stellt sicher, dass beide Räder einer Achse beim Bremsen und in Kurven gleich reagieren.

Warum der ADAC trotzdem von Mischbereifung abrät

Erlaubt heißt nicht empfehlenswert. Der ADAC rät ausdrücklich von folgenden Kombinationen ab, auch wenn sie legal sind:

  • Reifen unterschiedlicher Hersteller oder Modelle,
  • Sommer- mit Winterreifen,
  • stark unterschiedliche Profile,
  • Runflat mit Standardreifen.

Der Grund: Unterschiedliche Reifen haben unterschiedliche Hafteigenschaften. Das kann die Fahrstabilität negativ beeinflussen – besonders kritisch beim Bremsen, in Kurven und bei Aquaplaning. Wenn das eine Rad früher die Haftung verliert als das andere, kann das Fahrzeug unkontrolliert aus- oder übersteuern. Wie stark der Zustand der Reifen die Sicherheit beeinflusst, zeigt auch unser Ratgeber zum Reifenprofil messen.

Unser Rat: Wer auf Nummer sicher gehen will, fährt vier identische Reifen. Das ist die mit Abstand sicherste und unkomplizierteste Lösung – und beim Neukauf eines kompletten Satzes oft nicht einmal teurer.

Neue Reifen gehören auf die Hinterachse

Werden nur zwei neue Reifen montiert, stellt sich die Frage: vorne oder hinten? Die Antwort des ADAC ist eindeutig: Das bessere Profil gehört auf die Hinterachse – und zwar sowohl bei Front- als auch bei Heckantrieb.

Der Hintergrund: Reifen mit mehr Profil bieten mehr Seitenführung. Sitzen die besseren Reifen hinten, bleibt das Heck bei Nässe stabil. Bei abgefahrenen Hinterreifen droht dagegen ein plötzliches Ausbrechen des Hecks, das deutlich schwerer zu beherrschen ist als untersteuerndes Verhalten an der Vorderachse.

Geschwindigkeits- und Lastindex nicht vergessen

Egal wie Sie kombinieren: Jeder einzelne Reifen muss mindestens den im Fahrzeugschein geforderten Last- und Geschwindigkeitsindex erfüllen. Ein Reifen mit zu niedrigem Tragfähigkeits- oder Speedindex ist nie zulässig – auch nicht in einer Mischbereifung. Was diese Kennwerte bedeuten und wie Sie sie ablesen, erklärt unser Beitrag zu Last- und Geschwindigkeitsindex. Achten Sie außerdem darauf, dass die Abrollumfänge möglichst gleich sind; die zulässigen Abweichungen sind in Normen festgelegt.

Sonderfälle: Allrad, Sommer/Winter und Runflat

  • Allradfahrzeuge: Hier ist Mischbereifung besonders heikel. Stark unterschiedliche Profiltiefen an den Achsen können laut ADAC zu Schäden am Mitteldifferenzial führen, weil die Räder unterschiedlich schnell drehen. Beachten Sie unbedingt die Vorgaben des Fahrzeugherstellers.
  • Sommer und Winter gemischt: Technisch erlaubt, aber sinnfrei – ein Sommerreifen verliert bei Kälte und Schnee deutlich an Grip. Wer ganzjährig nur einen Satz fahren will, ist mit echten Ganzjahresreifen besser beraten.
  • Runflat plus Standard: Schreibt Ihr Fahrzeug Runflat-Reifen vor (erkennbar an der RF-Kennung in den Fahrzeugpapieren), dürfen Sie nicht auf Standardreifen wechseln.

Fazit

Mischbereifung ist in Deutschland in vielen Fällen erlaubt: verschiedene Marken, Profile oder sogar Größen sind möglich, solange jede Achse einheitlich bestückt ist, die Größen vom Fahrzeugschein gedeckt sind und kein Diagonal-Radial-Mix entsteht. Aus Sicherheitsgründen ist ein kompletter Satz identischer Reifen aber immer die beste Wahl. Müssen es nur zwei sein, gehören die besseren Reifen nach hinten.

Einen passenden, einheitlichen Reifensatz finden Sie in unserem Shop – zum Beispiel in der beliebten Größe 205/55 R16:

Die gesamte Auswahl gibt es in unserer Kategorie PKW-Reifen.

Häufige Fragen

Ist Mischbereifung in Deutschland erlaubt?

Ja, in vielen Fällen. Verschiedene Hersteller, Profile und sogar Sommer-/Winterkombinationen sind grundsätzlich zulässig. Pflicht ist jedoch, dass jede Achse einheitlich bereift ist, die Reifengröße vom Fahrzeugschein gedeckt wird und keine Diagonal- mit Radialreifen kombiniert werden.

Darf ich vorne und hinten unterschiedliche Reifen fahren?

Unterschiedliche Modelle an Vorder- und Hinterachse sind erlaubt, solange beide Reifen einer Achse identisch sind. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ADAC dennoch vier gleiche Reifen.

Wo gehören neue Reifen hin – nach vorne oder nach hinten?

Auf die Hinterachse. Das bessere Profil gehört laut ADAC bei Front- und Heckantrieb nach hinten, damit das Heck bei Nässe stabil bleibt und nicht ausbricht.

Darf ich Sommer- und Winterreifen mischen?

Technisch ist es erlaubt, sinnvoll ist es nicht. Bei situativer Winterreifenpflicht dürfen Sie zudem nicht mit reinen Sommerreifen fahren. Für den Ganzjahreseinsatz sind Ganzjahresreifen die bessere Lösung.

Ist Mischbereifung beim Allradfahrzeug ein Problem?

Ja. Stark unterschiedliche Profiltiefen können bei Allradlern das Mitteldifferenzial schädigen, weil die Räder unterschiedlich schnell drehen. Halten Sie sich hier unbedingt an die Herstellervorgaben.

Schlagwörter: Mischbereifung Reifenvorschriften Recht Reifensicherheit Achse Geschwindigkeitsindex

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