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Motorrad – Ratgeber im Magazin

120/70 ZR17: 189 Reifen in einer Größe – und warum die 58 fast nie den Ausschlag gibt

· 10 Min. Lesezeit
Vorderreifen eines Sportmotorrads in der Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Vorderreifen eines Sportmotorrads in der Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

Wenn Sie einen neuen Reifen für Ihr 17-Zoll-Motorrad suchen, landen Sie fast zwangsläufig bei einer Zahlenkombination: 120/70 ZR17. Nach unseren Nachfragesignalen (Seitenaufrufe plus gewichtete Käufe) ist das die meistgefragte Reifengröße im ganzen Shop – noch vor der PKW-Allerweltsgröße 205/55 R16. Aktuell führen wir 189 lieferbare Reifen in genau diesem Maß (Datenstand 21.07.2026). Auf dem Papier sehen sie fast alle gleich aus. Trotzdem reicht die Preisspanne von 68,00 Euro bis 852,80 Euro pro Stück. Dieser Beitrag erklärt, woran das liegt – und welche der vielen Kürzel wirklich über Eignung und Preis entscheiden.

Warum ausgerechnet 120/70 ZR17 so gefragt ist

120/70 ZR17 ist das Standard-Vorderradmaß fast aller modernen Motorräder mit 17-Zoll-Felgen: Naked Bikes, Sportler, viele Sport-Tourer und etliche Reiseenduros mit Straßenausrichtung. Die 120 steht für 120 Millimeter Reifenbreite, die 70 für den prozentualen Querschnitt (die Flankenhöhe beträgt 70 Prozent der Breite), das ZR für die Radialbauweise und die 17 für den Felgendurchmesser in Zoll. Weil so viele unterschiedliche Maschinen genau dieses Vorderrad fahren, ist die Nachfrage riesig – und entsprechend groß ist die Auswahl. Das ist Fluch und Segen zugleich: Sie finden für praktisch jedes Budget und jeden Fahrstil einen passenden Reifen, müssen die 189 Kandidaten aber erst einmal sortieren. Genau das nehmen wir Ihnen im Folgenden ab. Ein Blick auf den kompletten Bestand lohnt sich über die Größenseite 120/70 R17; alle Straßenprofile stehen zusätzlich in der Rubrik Motorrad-Straßenreifen. Übrigens wird dieses Maß meist als Vorderreifen montiert – bei manchen Rollern und kleineren Maschinen taucht es aber auch als Hinterreifen auf, ein Detail, auf das wir später zurückkommen.

189 Reifen – und fast alle tragen dieselbe 58

Der erste Reflex vieler Autofahrer ist, zunächst auf den Lastindex zu schauen. Beim Motorrad-Vorderreifen führt das in die Irre. Von den 164 straßenzugelassenen Reifen in dieser Größe tragen 163 den Lastindex 58 – exakt einer weicht ab (ein Michelin Anakee Adventure mit 57). Der Lastindex 58 entspricht laut ADAC einer Tragfähigkeit von 236 Kilogramm pro Reifen. Warum ist das so einheitlich? Weil auf dem Vorderrad ohnehin nur ein kleiner Teil des Gesamtgewichts lastet und die Tragfähigkeitsreserve durch die Größe weitgehend festgelegt ist. Anders als beim Auto, wo der Lastindex je nach Fahrzeuggewicht deutlich variiert und exakt eingehalten werden muss, ist die 58 hier praktisch gesetzt. Das heißt nicht, dass der Wert unwichtig wäre: Er muss weiterhin mindestens dem entsprechen, was Fahrzeugpapiere oder Reifenfreigabe verlangen. Aber als Unterscheidungsmerkmal zwischen den 189 Reifen taugt er kaum. Die eigentlichen Trennlinien verlaufen woanders – beim Geschwindigkeitsindex und bei der Bauart.

Der Buchstabe entscheidet: S, H, V oder W

Direkt hinter dem Lastindex steht der Geschwindigkeitsindex – ein einziger Buchstabe, der die zugelassene Höchstgeschwindigkeit angibt. Und hier wird es interessant: Unter den 164 straßenzugelassenen Reifen tragen 129 die Kennung W (zugelassen bis 270 km/h), also die klassische Sport- und Hypersport-Klasse. Der Rest verteilt sich auf 16-mal H (210 km/h), 12-mal V (240 km/h) und eine Handvoll S (180 km/h), dazu vereinzelt T, P und Q am unteren Ende. Grob gilt: Je höher der Buchstabe, desto sportlicher die Auslegung – mehr Grip, weichere Mischung, oft kürzere Haltbarkeit. Ein Alltags- und Tourenreifen wie der Pirelli Angel City 120/70-17 58S für 68,00 Euro reicht für den Stadt- und Landstraßenbetrieb kleinerer Maschinen völlig aus; wer sein Naked Bike zügig bewegt, greift zur W-Klasse. Zwischen diesen Extremen liegt die H- und V-Klasse: Sport-Touring- und straßenorientierte Reiseenduro-Reifen, die einen Kompromiss aus Grip, Laufleistung und Nässeverhalten suchen. Für viele Vielfahrer ist das der vernünftige Mittelweg – hohe Kilometerleistung bei genug Reserve für flotte Passagen. Wichtig ist die Grundregel aus den Fahrzeugpapieren: Der Geschwindigkeitsindex Ihres Reifens muss mindestens so hoch sein wie gefordert – ein höherer ist erlaubt, ein niedrigerer nicht. Welcher Buchstabe für welche Höchstgeschwindigkeit steht und was M/C oder das Z genau bedeuten, erklären wir Schritt für Schritt im Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen.

W heißt nicht automatisch teuer

Ein verbreiteter Irrtum lautet: W-Reifen sind die teuren, S- und H-Reifen die günstigen. Unsere Daten sagen etwas anderes. Von den 129 Reifen mit W-Kennung kosten 25 weniger als 100 Euro pro Stück – der Metzeler Sportec M3 120/70ZR17 58W etwa liegt bei nur 69,20 Euro und damit fast gleichauf mit dem günstigsten Stadtreifen. Der Geschwindigkeitsindex sagt also nur, wofür ein Reifen zugelassen ist, nicht, was er kostet. Den Preis bestimmt vielmehr das Modell: aktuelle Premium-Sportreifen mit Mehrfach-Gummimischung, robuste Reiseenduro-Reifen oder Trackday-Spezialisten kosten ein Vielfaches eines auslaufenden oder einfach konstruierten W-Reifens. Der Median aller straßenzugelassenen 120/70-ZR17-Reifen liegt bei rund 121 Euro pro Stück. Wer also mit knappem Budget plant, muss nicht auf die sportliche W-Zulassung verzichten – er sollte nur beim Modell und der Reifengeneration genau hinschauen. Ältere Sportreifen-Generationen sind häufig deutlich reduziert, ohne dass die Zulassung darunter leidet. Umgekehrt ist der teuerste Reifen nur selten der richtige: Für den Straßenbetrieb zählt die Abstimmung auf Ihren Fahrstil, nicht der höchste Preis.

Radial oder Diagonal – was die Schreibweise verrät

Ein zweites Trennmerkmal steckt in der Schreibweise der Größe selbst. Achten Sie auf das Zeichen zwischen Querschnitt und Zollmaß: Steht dort ein R oder ZR (wie in „120/70 ZR17"), handelt es sich um einen Radialreifen; das Z beziehungsweise ZR weist zusätzlich auf die Freigabe für sehr hohe Geschwindigkeiten über 240 km/h hin. Steht dort ein Bindestrich („120/70-17") oder ein B („120/70 B17"), ist der Reifen in Diagonal- beziehungsweise Gürtel-Diagonal-Bauweise gefertigt. In unserer Auswahl sind 174 der 189 Reifen Radialreifen, nur 15 laufen in Diagonal- oder Gürtel-Diagonal-Bauweise. Die wenigen Diagonalreifen sammeln sich am klassischen und am geländeorientierten Ende – etwa robuste Reiseenduro-Reifen wie der Heidenau K 60 Scout M+S 120/70B17 58T für 208,20 Euro, der bewusst auf die stabilere Diagonalkarkasse und ein grobstolliges Profil für Schotter und leichtes Gelände setzt. Für die meisten modernen Straßenmotorräder ist dagegen der Radialreifen die richtige Wahl. Welche Bauart Ihre Maschine braucht, steht in der Bedienungsanleitung und der Reifenfreigabe – und Radial- mit Diagonalreifen an Vorder- und Hinterrad zu mischen, ist nur zulässig, wenn der Hersteller diese Kombination ausdrücklich freigibt.

Die Preisspanne: von 68 bis 853 Euro

Kaum irgendwo liegen Reifen derselben Größe preislich so weit auseinander wie hier. Der günstigste straßenzugelassene 120/70-ZR17-Reifen ist der bereits erwähnte Pirelli Angel City für 68,00 Euro, der teuerste der Bridgestone BT-01 120/70ZR17 58W für 852,80 Euro pro Stück – ein Faktor von mehr als zwölf, bei identischem Maß und identischem Lastindex. Dazwischen liegt das breite Feld der Allround-, Sport- und Sport-Touring-Reifen. Was rechtfertigt solche Unterschiede? Vor allem die Gummimischung und der Einsatzzweck: Ein trackday-orientierter Sportreifen mit weicher, schnell aufwärmender Mischung ist in Entwicklung und Fertigung aufwändiger als ein langlebiger Tourenreifen. Für die Straße gilt deshalb: Wählen Sie nach Ihrem tatsächlichen Fahrprofil – Pendeln, Touren, sportliche Ausfahrt – und nicht nach dem höchsten Preis. Als grobe Orientierung sollten Sie für einen soliden, aktuellen Marken-Sportreifen in dieser Größe mit rund 100 bis 160 Euro pro Reifen rechnen; darunter finden sich meist ältere Generationen und Einstiegsmodelle, darüber Trackday- und Topmodelle. Und bedenken Sie, dass 120/70 ZR17 meist der Vorderreifen ist: Für ein stimmiges Fahrverhalten sollte er zum passenden Hinterreifen desselben oder eines vom Hersteller freigegebenen Modells gehören. Ein moderner Hochleistungs-Vorderreifen an einem harten Touring-Hinterreifen ergibt selten eine harmonische Kombination.

Achtung Rennreifen: 25-mal „NHS" ohne Straßenzulassung

Jetzt zur wichtigsten Warnung. 25 der 189 Einträge in dieser Größe sind gar keine normalen Straßenreifen, sondern reine Renn- und Trackday-Reifen. Sie erkennen sie an der Kennung „NHS" – das steht für „Not for Highway Service" und ersetzt Geschwindigkeits- und Lastindex vollständig. Solche Reifen (Slicks, Regenreifen und Modelle mit reinen Rennmischungen) besitzen keine Straßenzulassung. In der Produktbeschreibung des Continental RaceAttack Race 120/70R17 NHS für 150,60 Euro steht es unmissverständlich: Der Reifen „darf ausschließlich auf abgesperrten Strecken im Renn-, Trackday- und Trainingsbetrieb gefahren werden". Wer ihn im öffentlichen Verkehr nutzt, riskiert Bußgeld und Versicherungsschutz – und weil solche Mischungen erst bei hoher Temperatur richtig greifen, auch die eigene Sicherheit. So erkennen Sie den Unterschied auf einen Blick: Ein straßenzugelassener Reifen trägt hinter der Größe immer eine Kombination aus Lastindex und Buchstabe (etwa „58 W"). Fehlt diese und steht dort stattdessen „NHS", gehört der Reifen auf die Rennstrecke, nicht auf die Landstraße.

Vorne, hinten – und was zusammenpasst

Wie erwähnt ist 120/70 ZR17 in aller Regel ein Vorderreifen. An großen Maschinen bildet er ein Paar mit einem breiteren Hinterreifen – häufig 180/55 ZR17 oder 190/55 ZR17, die in unseren Nachfragesignalen ebenfalls ganz oben stehen. Bei einzelnen Rollern und kleineren Maschinen kann dasselbe Maß aber auch hinten laufen; der Pirelli Angel City in dieser Größe ist zum Beispiel als Hinterreifen ausgewiesen. Deshalb lohnt der Blick auf die Achszuordnung, die wir bei jedem Artikel angeben (Front für vorne, Rear für hinten). Zwei Grundregeln für ein sicheres Fahrverhalten: Erstens sollten Vorder- und Hinterreifen möglichst vom selben Modell oder einer vom Hersteller freigegebenen Kombination stammen. Zweitens muss die konkrete Reifenfreigabe Ihrer Maschine stimmen – welche Marken und Modelle in 120/70 ZR17 für Ihr Motorrad zugelassen sind, entnehmen Sie den Fahrzeugpapieren oder der Reifenfreigabe des Herstellers. Die Größe allein garantiert noch keine Freigabe. Ein praktischer Tipp: Notieren Sie vor dem Kauf die vollständige Kennung Ihres bisherigen Reifens von der Flanke – Größe, Lastindex, Geschwindigkeitsbuchstabe und Achsposition. So vergleichen Sie Angebote zweifelsfrei und verwechseln das Vorder- nicht mit dem Hinterradmaß.

So wählen Sie in dieser Größe richtig

Fassen wir zusammen, wie Sie aus 189 Reifen den passenden herausfiltern:

  • Rad und Freigabe klären: Vorder- oder Hinterrad? Welche Modelle sind für Ihre Maschine freigegeben? Beides steht in den Fahrzeugpapieren und der Reifenfreigabe.
  • Geschwindigkeitsindex festlegen: mindestens der Wert aus den Papieren, ein höherer ist erlaubt, ein niedrigerer nicht.
  • Fahrstil bestimmen: Für Alltag und Touren genügen Reifen der Klassen S bis V; wer sportlich fährt oder eine schnelle Maschine bewegt, ist mit der W-Klasse richtig – ohne zwingend das teuerste Modell nehmen zu müssen.
  • Bauart beachten: für moderne Straßenmotorräder Radial (R/ZR), für klassische Maschinen und grobes Gelände gegebenenfalls Diagonal.
  • Zulassung prüfen: Nur wenn hinter der Größe eine Kombination aus Lastindex und Geschwindigkeitsbuchstabe steht (etwa „58 W"), ist der Reifen für die Straße zugelassen. „NHS" bedeutet Rennstrecke.

Wer diese fünf Punkte der Reihe nach abarbeitet, reduziert die 189 Kandidaten schnell auf eine überschaubare Auswahl. Die komplette Erklärung aller Kürzel auf der Motorradreifen-Flanke finden Sie in unserem Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen; den gesamten Bestand durchsuchen Sie am schnellsten über die Größenseite 120/70 R17.

Häufige Fragen

Muss ich genau den Lastindex 58 fahren?

Sie müssen mindestens den Wert einhalten, den Fahrzeugpapiere oder Reifenfreigabe vorgeben – ein höherer Lastindex ist zulässig, ein niedrigerer nicht. In 120/70 ZR17 tragen ohnehin fast alle straßenzugelassenen Reifen die 58 (das entspricht 236 Kilogramm pro Reifen), sodass sich die Frage in der Praxis selten stellt.

Ist ein W-Reifen immer teurer als ein S- oder H-Reifen?

Nein. Der Geschwindigkeitsindex sagt nur, bis zu welchem Tempo ein Reifen zugelassen ist, nicht, was er kostet. In unserer Auswahl liegen 25 Reifen mit W-Kennung unter 100 Euro pro Stück, während der teuerste W-Reifen über 850 Euro kostet. Den Preis bestimmen also Modell, Gummimischung und Reifengeneration – nicht der Buchstabe.

Darf ich einen NHS-Reifen auf der Straße fahren?

Nein. „NHS" (Not for Highway Service) kennzeichnet reine Renn- und Trackday-Reifen ohne Straßenzulassung. Sie dürfen ausschließlich auf abgesperrten Strecken gefahren werden. Ein straßentauglicher Reifen trägt stattdessen immer Lastindex und Geschwindigkeitsbuchstabe, zum Beispiel „58 W".

Passt jeder 120/70 ZR17 an mein Motorrad?

Die Größe muss stimmen, aber nicht jedes Modell ist für jede Maschine freigegeben. Maßgeblich sind die Fahrzeugpapiere und die Reifenfreigabe des Herstellers. Prüfen Sie außerdem die Achszuordnung (vorne oder hinten) und kombinieren Sie Vorder- und Hinterreifen sinnvoll – idealerweise aus demselben Modell. Im Zweifel hilft ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung oder eine Nachfrage bei uns.

Schlagwörter: 120/70 ZR17 Motorradreifen Geschwindigkeitsindex Lastindex Reifengröße Kaufberatung

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