Motorradreifen 130/80 R17: Ein Buchstabe entscheidet über vorn oder hinten
130/80 R17 gehört zu den meistgefragten Motorradmaßen in unserem Sortiment – und zu den wenigen, die auf zwei völlig verschiedenen Maschinen landen. Am Hinterrad einer großen Reise-Enduro trägt sie dieselbe Zahl wie am Vorderrad eines schweren Cruisers. Wer nur diese Zahl in die Suche tippt, bekommt deshalb beides angezeigt. Dieser Beitrag sortiert das Maß: welche Bauarten es gibt, was die Fahrzeugpapiere erlauben und woran Sie erkennen, ob eine Ausführung überhaupt an Ihre Achse gehört.
Eine Zahl, zwei völlig verschiedene Motorräder
Wir führen in diesem Maß aktuell 68 lieferbare Ausführungen von elf Marken (Stand: 15. August 2026). Die Spanne reicht von 70,90 bis 245,40 Euro, der mittlere Preis liegt bei 125,60 Euro. Schon dieser Abstand vom günstigsten zum teuersten Reifen – Faktor 3,5 innerhalb einer einzigen Größe – deutet an, dass hier nicht ein Produkt in vielen Varianten steht, sondern zwei Welten nebeneinander.
Die eine Welt ist die Reise-Enduro. 42 der 68 Ausführungen laufen bei uns unter Enduro und Cross, und 130/80-17 ist dort das klassische Hinterradmaß der großen Einzylinder. Die Yamaha XT 660 R etwa fährt werksseitig 90/90-21 vorn und 130/80-17 hinten – wer den Satz erneuert, braucht beide Maße. Die passende Auswahl fürs Vorderrad haben wir in einer eigenen Kaufberatung zum Vorderreifen in 90/90 R21 aufbereitet; für das kleinere Hinterradmaß derselben Fahrzeugklasse gibt es die Übersicht zu 150/70 R17.
Die andere Welt ist der schwere Straßentourer. 26 Ausführungen ordnen wir dem Straßenbereich zu, und dort sitzt das Maß häufig vorn – auf Cruisern und Tourern mit 17-Zoll-Vorderrad. Beide Welten teilen sich dieselbe Zahlenkombination, haben aber praktisch keine Schnittmenge: Ein Grobstollen-Reifen für die Wüstenpiste und ein Weißwand-Tourenreifen für die Landstraße sind austauschbar nur im Katalog, nicht am Motorrad.
Der Buchstabe vor der 17 verrät die Bauart
Zwischen Querschnitt und Felgendurchmesser steht bei Motorradreifen ein Buchstabe – oder eben keiner. Er bezeichnet die Bauart des Unterbaus, und er ist in diesem Maß die aussagekräftigste Einzelinformation überhaupt. Unser Bestand teilt sich sauber in drei Gruppen:
- 130/80-17 ohne Buchstabe – Diagonalreifen: 40 Ausführungen, 70,90 bis 164,70 Euro, Median 115,80 Euro. Die mit Abstand größte Gruppe, 30 davon aus dem Enduro-Bereich. Die Karkasse besteht aus kreuzweise übereinanderliegenden Lagen; das ergibt robuste, unempfindliche Reifen mit hoher Flankenstabilität.
- 130/80R17 – Radialreifen: 15 Ausführungen, 97,20 bis 198,30 Euro, Median 133,20 Euro. Hier stehen die moderneren Adventure- und Tourenprofile. Radialreifen bauen flacher, laufen kühler und sind bei Tempo und Fahrwerksrückmeldung im Vorteil.
- 130/80B17 – Gürtel-Diagonalreifen (bias belted): 13 Ausführungen, 118,70 bis 245,40 Euro, Median 152,30 Euro. Ein Diagonalunterbau mit zusätzlichem Gürtel – der Kompromiss, den Cruiser-Hersteller bevorzugen, weil er hohe Zuladung mit gutmütigem Lenkverhalten verbindet.
Bemerkenswert ist, wie geschlossen die B-Gruppe auftritt: Alle 13 Ausführungen sind Straßenreifen, und alle 13 tragen exakt denselben Last- und Geschwindigkeitsindex 65H. Keine einzige Ausnahme. Bei den Diagonalreifen ohne Buchstaben ist das Bild dagegen weit gestreut – dort finden sich sowohl der günstigste Reifen des Maßes als auch fast das gesamte Enduro-Programm.
Der Preisunterschied folgt der Bauart, nicht der Marke: Zwischen dem mittleren Diagonalreifen und dem mittleren Gürtel-Diagonalreifen liegen rund 32 Prozent. Wer im Straßenbereich sucht, zahlt in diesem Maß also strukturell mehr – nicht, weil die Marken teurer wären, sondern weil dort schlicht kaum günstige Bauarten angeboten werden. Der komplette Bestand steht auf unserer Übersichtsseite für alle lieferbaren Ausführungen in 130/80 R17.
Vorn oder hinten? Das Maß verrät es nicht
Die wichtigste praktische Erkenntnis aus unserer Auswertung: Aus der Größenangabe allein lässt sich nicht ableiten, an welche Achse ein Reifen gehört. Auch der Bauartbuchstabe hilft dabei nicht weiter, denn in beiden Gruppen stehen Vorder- und Hinterreifen nebeneinander.
Auf der Vorderrad-Seite ist die Sache gut belegt. Metzeler führt den Cruisetec in 130/80 B 17 im eigenen Katalog ausdrücklich als Front-Ausführung, ebenso den ME 888 Marathon Ultra in diesem Maß. Harley-Davidson verkauft den Michelin Scorcher 31 in 130/80B17 im eigenen Shop unter der klaren Bezeichnung „17 in. Front", und für den Dunlop D408F in derselben Größe gilt dasselbe.
Auf der Hinterrad-Seite steht ebenso eindeutig das Enduro-Lager: Continental ordnet 130/80-17 beim TKC 80 Twinduro den Hinterradmaßen zu, Heidenau führt es beim K 60 Scout unter den gängigen Hinterradmaßen. Und der Bridgestone Exedra G 853 macht es in diesem Maß sogar selbst deutlich – seine Artikelbezeichnung trägt die Kennung „Rear".
Verlassen Sie sich nicht auf die Zahl, sondern auf die Kennzeichnung. Wo ein Reifen für eine bestimmte Achse ausgelegt ist, steht „Front" oder „Rear" in der Bezeichnung beziehungsweise ein Richtungspfeil auf der Flanke. Fehlt beides, hilft die Größenliste des Herstellers weiter.
Der Grund für die Doppelbelegung ist simpel: 130 Millimeter Breite sind für eine Reise-Enduro hinten ein passendes Maß, für einen 300-Kilo-Cruiser vorn ebenfalls. Zwei Fahrzeugklassen, zwei Achsen, dieselbe Zahl. Wie unterschiedlich die Anforderungen ausfallen, zeigt schon der Vergleich der Profile – im Adventure-Bereich etwa zwischen K60 Scout und TKC 80, auf der Cruiser-Seite zwischen Cruisetec und ME 888 Marathon Ultra.
Was die Fahrzeugpapiere vorgeben – und was nicht
Bei Motorrädern hat sich die Rechtslage in den vergangenen Jahren spürbar verschoben. Der ADAC fasst sie in seiner Information Neue Vorschriften zu Motorradreifen zusammen: Für serienmäßige Motorräder mit EG-Typgenehmigung entfällt die frühere Reifenfabrikatsbindung, wenn die montierten Reifen der Typgenehmigung entsprechen. Bisherige Reifenfreigaben der Hersteller sind damit keine Zulassungsvoraussetzung mehr, sondern gelten als Service-Information. Diese Regelung wird laut ADAC seit dem 1. Januar 2025 auf alle Reifen angewendet – unabhängig davon, wann sie hergestellt wurden.
Für unser Maß ist ein Punkt daraus besonders wichtig. Das Verkehrsministerium hat seine Veröffentlichung nachträglich dahingehend ergänzt, dass die Bauart des zu montierenden Reifens von den Vorgaben in den Fahrzeugpapieren abweichen darf; alle anderen Spezifikationen müssen dagegen übereinstimmen. Praktisch heißt das: Ein eingetragener Radialreifen darf durch einen Diagonal- oder Gürtel-Diagonalreifen ersetzt werden. Umgekehrt gilt für Dimension sowie Trag- und Geschwindigkeitsindex weiterhin strikt, was in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 beziehungsweise im CoC steht – wobei die Indizes höherwertig sein dürfen als vorgeschrieben, aber niemals niedriger.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gilt das nur für Motorräder im Serienzustand: Sobald andere Räder, geänderte Kotflügel oder Fahrwerksumbauten im Spiel sind, wird es komplizierter. Zweitens rät der ADAC ausdrücklich davon ab, vorn und hinten unterschiedliche Reifenfabrikate zu kombinieren, und empfiehlt, nur Modelle zu montieren, für die passende Service-Informationen der Reifen- oder Fahrzeughersteller vorliegen. Im Zweifel klärt das die Prüforganisation vor dem Kauf – nicht erst bei der Hauptuntersuchung.
Last- und Geschwindigkeitsindex: 65 ist die Regel
Hinter der Größe stehen zwei Angaben, die anders als die Bauart nicht verhandelbar sind. In diesem Maß ist die Tragfähigkeit fast durchgängig identisch: 66 der 68 Ausführungen tragen den Lastindex 65, was 290 Kilogramm je Reifen entspricht. Genau zwei Ausführungen weichen nach oben ab, und beide kommen aus dem Reisebereich – der Heidenau K 60 M+S SiO2 mit Index 69 (325 Kilogramm) für 112,50 Euro und der Mefo MFC 12 mit Index 72 (355 Kilogramm) für 116,40 Euro. Wer schwer bepackt und zu zweit unterwegs ist, findet hier also tatsächlich Reserve, ohne in eine andere Größe wechseln zu müssen.
Beim Geschwindigkeitsindex ist die Streuung dagegen enorm. Er reicht in ein und demselben Maß von M (130 km/h) bis V (240 km/h) – konkret: einmal M, einmal N (140), zweimal P (150), zweimal Q (160), viermal R (170), elfmal S (180), achtmal T (190), 34-mal H (210) und fünfmal V (240). Das ist kein Detail am Rande: Ein Reifen mit Index M ist an einem Motorrad, für das H eingetragen ist, schlicht nicht zulässig.
Vorsicht bei einer Verwechslung: Das R im Geschwindigkeitsindex (170 km/h) hat nichts mit dem R in der Größenangabe zu tun, das für die Radialbauweise steht. Der Heidenau K60 Ranger ist mit 130/80-17 65R ein Diagonalreifen mit Geschwindigkeitssymbol R – kein Radialreifen. Wer beides verwechselt, kauft zwar meist trotzdem einen zulässigen Reifen, sucht aber am falschen Merkmal entlang.
Mit Schlauch oder ohne: Das entscheidet die Felge
Bei 62 Ausführungen ist die Bauform ausgewiesen, und die Verteilung ist eindeutig: 51 sind schlauchlos (TL), elf für die Montage mit Schlauch (TT). Interessant ist, wie sich das auf die Bauarten verteilt – sämtliche elf TT-Reifen sind Diagonalreifen, und unter den 15 Radialreifen ist kein einziger für Schlauchmontage vorgesehen. Wer also ein Speichenrad mit Schlauch fährt, wählt in diesem Maß zwangsläufig aus dem Diagonal-Programm.
Diese Entscheidung trifft nicht der Geschmack, sondern das Rad: Ein klassisches Speichenrad ohne abgedichtetes Felgenbett braucht einen Schlauch, ein Gussrad oder ein abgedichtetes Speichenrad kommt ohne aus. Welcher Schlauch dann zu welcher Größe passt und welche Rolle das Ventil dabei spielt, haben wir im Ratgeber dazu ausführlich beschrieben: Schlauch, Größe und Ventil richtig wählen.
Der Aufpreis für die schlauchlose Variante ist dabei kein Nebenbetrag. Den Continental TKC 80 Twinduro führen wir in diesem Maß doppelt: als TKC 80 Twinduro 130/80-17 65S in Tube-Type-Ausführung für 99,70 Euro und als schlauchlose Variante mit Index 65T für 124,50 Euro. Knapp 25 Prozent Unterschied beim identischen Profil – und die Wahl zwischen beiden hat Ihr Motorrad längst getroffen.
Wie weit die Bandbreite reicht, zeigen zwei weitere Beispiele: Der Heidenau K 60 Scout 130/80-17 65T für 115,80 Euro ist der Klassiker unter den Reise-Enduro-Profilen und läuft schlauchlos. Der Metzeler Cruisetec 130/80B17 65H für 125,60 Euro steht für die Cruiser-Seite desselben Maßes – ein Vorderreifen, der mit dem Enduro-Programm außer der Zahl nichts gemeinsam hat. Nach unten offen bleibt das Maß trotzdem: Der günstigste Reifen im Bestand, ein Enduro-Diagonalreifen von Maxxis, liegt bei 70,90 Euro.
Unterm Strich: Prüfen Sie vor der Bestellung drei Dinge in den Fahrzeugpapieren – Dimension, Lastindex und Geschwindigkeitsindex – und danach am Reifen, ob er für Ihre Achse ausgelegt ist. Die Bauart dürfen Sie bei einem serienmäßigen Motorrad mit EG-Typgenehmigung wechseln, die Indizes nur nach oben. Die gesamte Auswahl finden Sie bei den Enduro- und Crossreifen sowie den Motorrad-Straßenreifen.
Häufige Fragen
Darf ich einen eingetragenen Radialreifen durch einen Diagonalreifen ersetzen?
Bei einem serienmäßigen Motorrad mit EG-Typgenehmigung ja: Nach der vom ADAC zitierten Ergänzung des Verkehrsministeriums darf die Bauart von den Papieren abweichen, solange Dimension sowie Trag- und Geschwindigkeitsindex übereinstimmen. Bei umgebauten Maschinen gilt das nicht ohne Weiteres.
Woran erkenne ich, ob eine Ausführung an das Vorder- oder Hinterrad gehört?
An der Kennzeichnung, nicht an der Größe. Achsgebundene Reifen tragen „Front" oder „Rear" in der Bezeichnung, oft zusätzlich einen Laufrichtungspfeil auf der Flanke. Fehlt die Angabe, gibt die Größenliste des Herstellers Auskunft.
Warum kostet dasselbe Profil in derselben Größe unterschiedlich viel?
Meist steckt eine andere Ausführung dahinter – etwa Tube-Type gegenüber schlauchlos oder ein höherer Geschwindigkeitsindex. Beim Continental TKC 80 Twinduro liegen zwischen beiden Varianten in diesem Maß knapp 25 Prozent.