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Motorrad

Motorradreifen-Größe lesen: Was 120/70 ZR17 M/C 58 W bedeutet

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
Hinterrad eines Sportmotorrads auf einem Montageständer, Reifenflanke und Profil im Fokus (KI-generiert, OpenAI)
Hinterrad eines Sportmotorrads auf einem Montageständer, Reifenflanke und Profil im Fokus (KI-generiert, OpenAI)

120/70 ZR17 M/C 58 W – wer das zum ersten Mal auf der Flanke seines Motorradreifens liest, steht schnell vor einem Rätsel. Dabei steckt in dieser Zeichenfolge alles, was Sie für den richtigen Reifenkauf brauchen: Größe, Bauart, Tragfähigkeit und zugelassene Höchstgeschwindigkeit. Wir entschlüsseln die Motorradreifen-Kennzeichnung Zeichen für Zeichen – damit Sie beim nächsten Reifenwechsel genau wissen, was passt.

Motorradreifen sind seit Oktober 1998 nach der internationalen Norm UNECE-R 75 beschriftet (Quelle: ADAC, „Kennzeichnung von Motorradreifen"). Sie unterscheidet sich in einigen Punkten von der PKW-Kennzeichnung – wer den Aufbau einer PKW-Reifengröße schon kennt, findet hier die Besonderheiten am Zweirad.

Wo Sie die Reifengröße finden – auf der Flanke und in den Papieren

Die vollständige Reifengröße steht auf der Reifenflanke, also auf der Seitenwand zwischen Felgenrand und Lauffläche. Welche Größen für Ihr Motorrad zugelassen sind, steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) bzw. – bei älteren Maschinen – im Fahrzeugbrief. Bei vielen Motorrädern gibt es zusätzlich eine Reifenfreigabe des Herstellers (heute meist „Service-Information" genannt), die weitere zulässige Fabrikate und Größen auflistet. Im Zweifel hilft der Marken- oder Reifenhändler weiter.

Wichtig: Vorder- und Hinterreifen haben am Motorrad fast immer unterschiedliche Größen. Sie müssen also beide getrennt ablesen.

Die Motorradreifengröße Zeichen für Zeichen: 120/70 ZR17 M/C 58 W

Nehmen wir einen typischen Sport-Vorderreifen: 120/70 ZR17 M/C 58 W. So liest er sich:

  • 120 – Reifenbreite in Millimetern
  • 70 – Querschnitt (Höhen-Breiten-Verhältnis) in Prozent
  • ZR – Bauart- und Geschwindigkeitskennung (dazu unten mehr)
  • 17 – Felgendurchmesser in Zoll
  • M/C – Kennung als Motorradreifen (Motorcycle)
  • 58 W – Betriebskennung: Lastindex 58 + Geschwindigkeitsindex W

Reifenbreite (120)

Die 120 ist die Nennbreite in Millimetern. Die tatsächliche Breite kann je nach Felgenbreite leicht abweichen – ein 180er-Reifen misst auf einer 5,5-Zoll-Felge zum Beispiel rund 182 mm (Quelle: ADAC). Die Nennbreiten steigen in Schritten von 10 mm und liegen üblicherweise zwischen 80 mm (Geländemaschinen, Cruiser) und 160 mm vorne sowie zwischen 100 mm und 360 mm hinten (schwere Cruiser).

Tipp: Breiter ist nicht automatisch besser. Schmalere Reifen machen ein Motorrad oft handlicher, breitere vergrößern bei Schräglage die Aufstandsfläche. Bleiben Sie im Zweifel bei der vom Hersteller freigegebenen Breite.

Querschnitt – das Höhen-Breiten-Verhältnis (70)

Die 70 bedeutet: Die Höhe der Seitenwand entspricht 70 % der Reifenbreite. Je kleiner die Zahl, desto flacher der Reifen. Bei sportlichen Maschinen sind hinten flache Querschnitte wie 180/55 ZR17 oder 190/50 ZR17 üblich; insgesamt liegen die Werte bei modernen Niederquerschnittsreifen zwischen 90 % und 50 % (Quelle: ADAC).

Felgendurchmesser (17 Zoll)

Die 17 ist der Felgendurchmesser in Zoll (1 Zoll = 25,4 mm). Bei Motorrad- und Rollerreifen reicht die Spanne von 10 Zoll (kleine Roller) bis 21 Zoll (Enduros mit großem Vorderrad). Die Größe 17 Zoll ist im Straßen- und Sportbereich am weitesten verbreitet.

M/C – die Motorrad-Kennung

M/C steht für Motorcycle und kennzeichnet den Reifen als Motorradreifen für Felgen mit M/C-Kennung. Die Aufschrift ist nicht auf jedem Reifen Pflicht: Vorgeschrieben ist sie nur für Reifen mit 13 bis 19 Zoll, die nach dem 1. Juni 2003 gefertigt wurden (Quelle: ADAC). Sie soll vor allem Verwechslungen mit Reifen anderer Fahrzeugarten ausschließen.

Betriebskennung: Lastindex und Geschwindigkeitsindex (58 W)

Die 58 ist der Lastindex (Tragfähigkeitskennzahl): Index 58 entspricht einer maximalen Radlast von 236 kg, Index 73 von 365 kg (Quelle: ADAC). Das W ist der Geschwindigkeitsindex und steht für eine zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Wie bei PKW-Reifen funktioniert das nach einer festen Tabelle:

  • L = 120 km/h
  • P = 150 km/h
  • H = 210 km/h
  • V = 240 km/h
  • W = 270 km/h
  • (Y) = über 300 km/h

Wie der Last- und Geschwindigkeitsindex grundsätzlich funktioniert, erklären wir ausführlich im Beitrag Lastindex und Geschwindigkeitsindex am Reifen.

Radial, Diagonal oder Bias-belted? Die Bauart-Kennung (das „ZR")

Anders als beim Auto gibt es am Motorrad bis heute mehrere Bauarten nebeneinander – und die Kennung steht zwischen Querschnitt und Felgengröße (Quelle: ADAC):

  • R = Radialreifen. Die Karkassfäden verlaufen radial, darüber liegt ein Gürtel. Diese Bauart ist bei modernen Niederquerschnittsreifen Standard und bietet meist bessere Hochgeschwindigkeits- und Kurvenstabilität bei niedrigerem Gewicht.
  • Strich (–) = Diagonalreifen. Findet sich statt eines Buchstabens nur ein Bindestrich, ist es ein klassischer Diagonalreifen ohne Gürtel, z. B. 130/90 – 16 67 V. Diese „konventionellen" Reifen werden vor allem an älteren Maschinen und Cruisern verbaut.
  • B = Bias-belted (Diagonal-Gürtelreifen). Ein Diagonalreifen mit zusätzlichem Gürtel für mehr Stabilität bei hohem Tempo, z. B. 170/60 VB 17 (72 V).
  • ZR (bzw. das „Z"). Das Z ist ein Überbleibsel aus der Kennzeichnung vor der UNECE-R 75 und weist auf eine Eignung für über 240 km/h hin. Das R dahinter steht weiterhin für Radialbauweise. Bei modernen Reifen wird die genaue Höchstgeschwindigkeit zusätzlich über die Betriebskennung in der Klammer angegeben.

Die Klammer entscheidet – und warum Tempo die Tragfähigkeit senkt

Ein Detail, das viele übersehen: Ob die Betriebskennung in Klammern steht oder nicht, hat eine konkrete Bedeutung (Quelle: ADAC):

  • 180/55 ZR17 73 W (ohne Klammer) = zugelassen für genau 270 km/h.
  • 180/55 ZR17 (73 W) (mit Klammer) = zugelassen für mindestens 270 km/h; der Reifen darf laut Herstellerunterlagen auch schneller sein.

Hinzu kommt: Bei den schnellen Klassen V und W sinkt die zulässige Tragfähigkeit, je näher Sie an die Höchstgeschwindigkeit kommen. Ein Reifen 180/55 ZR17 (73 W) trägt die vollen 365 kg nur bis 240 km/h; bei 270 km/h sind es noch 274 kg, bei 290 km/h nur noch 201 kg (Quelle: ADAC). Genau deshalb schreiben Hersteller für viele schnelle Maschinen geschwindigkeitstechnisch „überdimensionierte" Reifen vor – damit die Tragfähigkeit im Fahrbetrieb hoch genug bleibt.

Zollgrößen an älteren Maschinen: 4.00 – 18 und amerikanische Reifen

Neben der Millimeter-Schreibweise gibt es vor allem an älteren Motorrädern die Zoll-Kennzeichnung, bei der ein Querschnitt fehlt – zum Beispiel 4.00 – 18 64 H (Quelle: ADAC):

  • 4.00 = Nennbreite in Zoll (rund 102 mm)
  • = Diagonalbauart
  • 18 = Felgendurchmesser in Zoll
  • 64 H = Lastindex 64 (280 kg) und Geschwindigkeitsindex H (210 km/h)

Das Höhen-Breiten-Verhältnis liegt bei solchen Reifen etwa zwischen 80 % und 100 %. Reifenhersteller geben Umrechnungstabellen heraus, mit denen sich Zoll- in Millimetergrößen übertragen lassen (4.00 – 18 entspricht z. B. 110/100 – 18 oder 120/90 – 18). Eine eigene Schreibweise nutzen amerikanische Reifen, etwa auf Harley-Davidson-Modellen (Beispiel MT90 – 16 M/C 71 H TL). Für Enduros mit Speichenrädern und großen Zollgrößen lohnt ein Blick in unseren Ratgeber Enduro- und Adventure-Reifen.

Vorne ist nicht hinten: Radposition und Laufrichtung

Zwei Angaben auf der Flanke sind sicherheitsrelevant und verbindlich (Quelle: ADAC):

  • Radposition: Die meisten Reifen tragen einen Hinweis wie „FRONT" oder „REAR" – sie dürfen nur auf der jeweiligen Position montiert werden. Von dieser Herstellervorgabe darf nicht abgewichen werden.
  • Drehrichtung (Laufrichtung): Ein Pfeil auf der Flanke gibt die vorgeschriebene Drehrichtung vor. Spätestens vor der Radmontage sollte die Laufrichtung noch einmal geprüft werden, um eine Falschmontage auszuschließen.

Weil Vorder- und Hinterreifen unterschiedlich konstruiert sind, kauft man sie sinnvollerweise als abgestimmtes Paar – idealerweise vom selben Modell und Hersteller.

TL oder TT: schlauchlos oder mit Schlauch

Am Ende der Bezeichnung steht oft TL oder TT (Quelle: ADAC):

  • TL = Tubeless (schlauchlos), z. B. 140/80 – 18 M/C 70 H TL
  • TT = Tube Type (mit Schlauch), z. B. 140/80 – 17 M/C 96 H TT

Die meisten modernen Motorradreifen sind schlauchlos. Schlauchreifen sind vor allem bei Geländemaschinen mit Speichenfelgen noch üblich. Bei der Montage eines Schlauchreifens gehört grundsätzlich ein neuer Schlauch dazu. Welcher Schlauch in welche Größe passt und worauf es bei Ventil und Felgenband ankommt, lesen Sie im Beitrag Motorrad-Schläuche richtig wählen.

Reinforced, M+S und die Reifenfreigabe

Drei weitere Kennungen begegnen Ihnen häufig:

  • „reinf." / „reinforced": Ein verstärkter Reifen mit höherer Tragfähigkeit als der Standardreifen gleicher Größe. Achtung: Die höhere Tragfähigkeit wird erst beim korrekten höheren Reifendruck voll wirksam (Quelle: ADAC).
  • M+S: Auf EG-typgenehmigten Motorrädern dürfen unter bestimmten Voraussetzungen M+S-Reifen gefahren werden – sie müssen UNECE-R-75-konform (mit „e"-Kennzeichen) sein und den Vorgaben der Fahrzeugpapiere entsprechen.
  • DOT-Nummer: Die letzten vier Ziffern verraten das Herstellungsdatum (z. B. 1608 = 16. Woche 2008). Warum das Reifenalter bei Motorrädern besonders zählt, erklären wir im Beitrag Reifenalter und DOT-Nummer.

Zur Profiltiefe: Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 mm, bei Klein- und Leichtkrafträdern 1,0 mm (§ 36 Abs. 2 StVZO); die meisten Hersteller empfehlen einen Wechsel schon früher (Quelle: ADAC).

Welche Reifengröße ist für Ihr Motorrad erlaubt?

Die wichtigste Regel beim Reifenkauf: Last- und Geschwindigkeitsindex auf der Flanke dürfen höher, aber nicht niedriger sein als in den Fahrzeugpapieren vorgeschrieben (Quelle: ADAC). Ist laut Papieren z. B. 140/60 – 13 M/C 57 L vorgeschrieben, dürfen Sie auch einen Reifen mit 63 P montieren – umgekehrt nicht. Eine Ausnahme bildet die M+S-Kennzeichnung.

Welche Größen, Fabrikate und Bauarten konkret zulässig sind, ergibt sich aus der Zulassungsbescheinigung und – wo vorhanden – aus der Reifenfreigabe bzw. Service-Information des Herstellers. Wie Sie aus dem zugelassenen Rahmen den passenden Reifen für Ihren Fahrstil auswählen, zeigt unser Ratgeber Motorradreifen richtig wählen. Für Roller, Moped und Mofa gelten beim Größe-Ablesen ein paar Besonderheiten, die wir im Beitrag Rollerreifen und Mopedreifen zusammengefasst haben.

Passende Motorradreifen in Ihrer Größe finden

Haben Sie Ihre Größe entschlüsselt, finden Sie die passenden Reifen direkt im Shop – zum Beispiel die meistgefragte Sportgröße 120/70 R17 vorne. Vorder- und Hinterreifen kaufen Sie am besten als abgestimmtes Paar vom selben Modell, etwa:

Stöbern Sie in der gesamten Auswahl an Motorradreifen für die Straße oder gehen Sie direkt über die Größe, etwa Reifen in 120/70 R17.

Häufige Fragen

Was bedeutet 120/70 ZR17 M/C 58 W?

120 = Breite in mm, 70 = Querschnitt in Prozent, ZR = radiale Bauart für über 240 km/h, 17 = Felgendurchmesser in Zoll, M/C = Motorradreifen, 58 = Lastindex (236 kg), W = Geschwindigkeitsindex (270 km/h).

Was bedeutet das „ZR" auf dem Motorradreifen?

Das „Z" ist ein älteres Kennzeichen für eine Eignung über 240 km/h, das „R" steht für Radialbauweise. Die genaue zugelassene Höchstgeschwindigkeit ergibt sich heute zusätzlich aus dem Geschwindigkeitsindex der Betriebskennung (z. B. das W in 73 W).

Wofür steht M/C beim Motorradreifen?

M/C steht für „Motorcycle" und kennzeichnet den Reifen als Motorradreifen. Vorgeschrieben ist die Kennung nur für Reifen von 13 bis 19 Zoll, die nach dem 1. Juni 2003 gefertigt wurden.

Darf ich einen Reifen mit höherem Last- oder Geschwindigkeitsindex montieren?

Ja. Last- und Geschwindigkeitsindex dürfen höher sein als in den Fahrzeugpapieren gefordert, aber nie niedriger. Eine Ausnahme ist die M+S-Kennzeichnung.

Was ist der Unterschied zwischen TL und TT?

TL (Tubeless) bedeutet schlauchlos, TT (Tube Type) bedeutet, dass ein Schlauch nötig ist. Schlauchreifen sind vor allem bei Speichenrädern üblich; bei der Montage sollte stets ein neuer Schlauch verwendet werden.

Fazit

Die Motorradreifen-Kennzeichnung wirkt komplizierter, als sie ist: Größe, Bauart, Last- und Geschwindigkeitsindex stehen alle auf der Flanke – ergänzt um wichtige Hinweise wie Radposition, Laufrichtung und TL/TT. Wer die Zeichen versteht, kauft sicher den richtigen Reifen und vermeidet teure Fehlkäufe. Maßgeblich für die zugelassenen Größen bleiben immer Ihre Fahrzeugpapiere und die Reifenfreigabe. Passende Motorradreifen für jede Größe finden Sie in unserem Shop.

Schlagwörter: Motorradreifen Reifengröße Reifenkennzeichnung Bauart Lastindex Geschwindigkeitsindex

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