Altreifen entsorgen: Was mit alten Reifen passiert – und was es kostet
Irgendwann ist jeder Reifen am Ende: Das Profil ist abgefahren, das Gummi zu alt oder ein Schaden lässt sich nicht mehr reparieren. Doch wohin mit dem alten Pneu? So viel vorweg: In den Hausmüll gehört er nicht – und das hat gute Gründe. Altreifen sind ein wertvoller Rohstoff, der in Deutschland zum allergrößten Teil verwertet wird. Wir zeigen, wann ein Reifen reif für die Entsorgung ist, wohin Sie ihn bringen, was das kostet und was aus dem alten Gummi am Ende wird.
Wann ist ein Reifen ein Fall für die Tonne?
Ein Reifen muss aus dem Verkehr, wenn er die Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Die wichtigsten Anhaltspunkte:
- Profil zu gering: Gesetzlich sind 1,6 mm Mindestprofiltiefe vorgeschrieben. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ADAC den Wechsel schon früher – bei Sommerreifen ab etwa 3 mm, bei Winter- und Ganzjahresreifen ab 4 mm. Wie Sie das richtig messen, lesen Sie im Beitrag Profiltiefe messen.
- Reifen zu alt: Gummi härtet mit den Jahren aus und verliert Grip, auch wenn noch Profil da ist. Das Alter lesen Sie an der DOT-Nummer ab – mehr dazu unter Reifenalter und DOT-Nummer.
- Schäden: Risse, Beulen, durchgescheuerte Stellen oder ein nicht reparabler Einstich bedeuten das Aus.
Steht der Wechsel an, fällt der alte Satz an – und damit die Frage nach der richtigen Entsorgung.
Altreifen gehören nicht in den Hausmüll
Das ist keine Empfehlung, sondern Gesetz: Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz gelten Altreifen laut ADAC als überwachungsbedürftige Abfälle. Transport, Sortierung und Verwertung müssen behördlich erfasst werden – schon damit ist klar, dass der Reifen weder in die graue Tonne noch sonst wohin „nebenbei" verschwinden darf.
Verboten sind außerdem das Verbrennen und das Vergraben im eigenen Garten oder in der Natur. Brennende Reifen setzen giftige Stoffe frei, vergrabenes Gummi belastet den Boden über Jahrzehnte. Wer Altreifen illegal entsorgt, riskiert ein Bußgeld – und das fällt je nach Bundesland sehr unterschiedlich aus: In Baden-Württemberg liegt der Rahmen laut ADAC bei 100 bis 500 Euro, in Nordrhein-Westfalen reicht er bis zu 100.000 Euro. Es lohnt sich also in jeder Hinsicht, den richtigen Weg zu gehen.
Wohin mit den alten Reifen?
Die gute Nachricht: Die Entsorgung ist unkompliziert. Diese Wege stehen Ihnen offen:
- Beim Reifen- oder Autohändler: Dort, wo Sie neue Reifen kaufen, können Sie die alten gleich abgeben. Das ist der bequemste Weg – besonders, wenn Sie die neuen Reifen ohnehin montieren lassen. Die Werkstatt nimmt den alten Satz dann direkt mit.
- Beim spezialisierten Verwertungsbetrieb: Zertifizierte Fachbetriebe sind in der Initiative ZARE organisiert und nehmen Altreifen fachgerecht an.
- Auf dem Wertstoff- oder Recyclinghof: Viele kommunale Höfe nehmen Altreifen unter bestimmten Voraussetzungen an. Erkundigen Sie sich vorab nach Annahmemengen und Gebühren – die Regeln sind von Stadt zu Stadt verschieden.
Wichtig: Reifen mit Felge und Reifen ohne Felge werden meist getrennt behandelt, weil das Stahl- oder Aluminium der Felge gesondert recycelt wird. Geben Sie also am besten an, was Sie anliefern.
Was kostet die Altreifenentsorgung?
Viel ist es nicht. Die Kosten sind regional unterschiedlich und liegen in der Regel bei wenigen Euro pro Reifen. Der ADAC nennt als Beispiele etwa 7,14 Euro pro Reifen in Köln oder rund 3 bis 4 Euro in Magdeburg; mancherorts ist die Abgabe für Privatleute sogar in begrenzter Stückzahl kostenlos.
Lassen Sie die neuen Reifen in der Werkstatt aufziehen, ist die Entsorgung der alten oft schon eingerechnet – viele Händler kalkulieren sie laut ADAC bereits in den Preis der Neureifen ein. Fragen Sie im Zweifel kurz nach, dann gibt es bei der Rechnung keine Überraschung.
Was aus alten Reifen wird: Recycling in Deutschland
Ein Altreifen ist kein Müll, sondern Wertstoff. In Deutschland wird der allergrößte Teil verwertet – nach Angaben des ADAC auf im Wesentlichen drei Wegen:
- Stoffliche Verwertung (rund zwei Drittel): Die Reifen werden zerkleinert, von Stahl und Textil befreit und zu Granulat und Gummimehl verarbeitet. Daraus entstehen zum Beispiel Bodenbeläge für Sport- und Spielplätze, Fallschutzmatten, Bodenmatten oder Bautenschutz.
- Runderneuerung: Ein Teil des Materials fließt in runderneuerte Reifen. Laut ADAC werden jährlich rund 24.000 Tonnen Altreifenmaterial für deren Produktion eingesetzt – vor allem bei Lkw- und Busreifen, deren stabile Karkasse mehrere Leben hält.
- Thermische Verwertung (etwa ein Drittel): Reifen haben einen hohen Heizwert. Als Sekundär-Brennstoff ersetzen sie in Zementwerken fossile Energieträger wie Kohle.
Dazu kommt der Export: Laut ADAC werden jährlich rund 66.000 Tonnen Altreifen ins Ausland gebracht. Und es tut sich technisch etwas – mit der Pyrolyse rückt ein Verfahren nach, das aus Altreifen Öl und Industrieruß zurückgewinnt, der wieder in neuen Reifen landen kann. So schließt sich der Kreislauf Stück für Stück. Wer beim Neukauf auf den Rollwiderstand achtet, fährt übrigens nicht nur sparsamer, sondern auch ressourcenschonender – Hintergründe dazu im Beitrag Spritsparen mit den richtigen Reifen.
Die Schattenseite: Reifen, die im Dunkeln verschwinden
So gut die Kreislaufwirtschaft funktioniert – ganz lückenlos ist sie nicht. Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) stellte für das Jahr 2023 erstmals eine signifikante Fehlmenge von rund 87.000 Tonnen Altreifen fest, deren Verbleib unklar ist. Branchenschätzungen gehen sogar von etwa 100.000 Tonnen jährlich aus. Ein Teil davon dürfte unsachgemäß oder illegal entsorgt werden – genau das, was niemand will.
Das zeigt: Jeder einzelne korrekt abgegebene Reifen zählt. Die paar Euro und der kurze Weg zum Händler oder Wertstoffhof sind gut investiert – für die Umwelt und für ein reines Gewissen. Wie stark Reifen überhaupt im Fokus des Umweltschutzes stehen, zeigt auch die Debatte um Reifenabrieb und Euro 7.
Neue Reifen – und die alten gleich richtig abgeben
Am einfachsten erledigen Sie beides in einem Aufwasch: neue Reifen bestellen, montieren lassen und den alten Satz direkt vor Ort abgeben. Für die meistgefahrene Pkw-Größe 205/55 R16 sind zum Beispiel diese lieferbaren Sommerreifen eine gute Wahl:
- Continental PremiumContact 7 205/55 R16 91V – Premium mit Nasshaftungsklasse A.
- Falken ZIEX ZE320 205/55 R16 91V – ausgewogener Allrounder, ebenfalls Nasshaftung A.
- Kumho Ecsta HS52 205/55 R16 91V – günstiger Einstieg mit Nasshaftung A.
Die ganze Auswahl finden Sie in unserer Kategorie Sommerreifen für PKW. Wer gleich auf Kompletträder umsteigt, spart sich beim nächsten Saisonwechsel die Montage – die alten Reifen können Sie auch dann bequem mit abgeben.
Häufige Fragen
Darf ich alte Reifen in den Hausmüll werfen?
Nein. Altreifen gelten laut ADAC nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz als überwachungsbedürftige Abfälle und dürfen nicht in den Hausmüll. Verboten sind außerdem das Verbrennen und Vergraben. Geben Sie die Reifen beim Händler, in der Werkstatt oder auf dem Wertstoffhof ab.
Was kostet es, alte Reifen zu entsorgen?
Meist nur wenige Euro pro Reifen – der ADAC nennt Beispiele zwischen rund 3 und gut 7 Euro je nach Region. Lassen Sie die neuen Reifen in der Werkstatt aufziehen, ist die Entsorgung der alten oft schon im Preis enthalten.
Nimmt die Werkstatt meine Altreifen beim Reifenwechsel mit?
In der Regel ja. Wer neue Reifen kauft und montieren lässt, kann den alten Satz direkt dort abgeben – das ist der bequemste Weg. Fragen Sie vorab, ob die Entsorgung im Preis enthalten ist.
Was passiert mit alten Reifen?
Der allergrößte Teil wird verwertet: Rund zwei Drittel stofflich zu Granulat und Gummimehl, etwa ein Drittel thermisch als Brennstoff in Zementwerken. Ein Teil fließt in die Runderneuerung, ein weiterer wird exportiert.
Kann ich Reifen mit Felge abgeben?
Ja. Reifen mit und ohne Felge werden meist getrennt angenommen, weil Stahl- oder Alufelgen gesondert recycelt werden. Geben Sie bei der Anlieferung an, was Sie bringen – mit Felge kann die Gebühr etwas höher ausfallen.
Quellen: ADAC – Altreifenentsorgung · wdk – Fehlmenge in der Altreifen-Statistik (Pressemitteilung, 08.10.2024)