Reifenabrieb und Euro 7: Was die neuen EU-Grenzwerte für Autofahrer bedeuten
Reifen nutzen sich ab – das ist nichts Neues. Neu ist, dass die Europäische Union den dabei entstehenden Abrieb künftig zum ersten Mal gesetzlich begrenzt. Mit der Euro-7-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1257) rückt neben dem Auspuff erstmals auch das in den Fokus, was Reifen und Bremsen während der Fahrt an feinsten Partikeln freisetzen. Wir erklären, was dahintersteckt, ab wann die neuen Grenzwerte gelten und was Sie als Autofahrer schon heute tun können.
Was ist Reifenabrieb – und warum wird er zum Thema?
Bei jeder Fahrt reibt sich ein winziger Teil der Lauffläche ab und gelangt als feiner Staub in Luft, Boden und Gewässer. In Summe ist das viel: Nach Angaben des ADAC fallen EU-weit rund 500.000 Tonnen Reifenabrieb pro Jahr an. In Deutschland macht der Reifenabrieb damit rund ein Drittel aller Mikroplastik-Emissionen aus – er gilt als eine der größten Einzelquellen für Mikroplastik überhaupt.
Anders als die Abgase aus dem Auspuff zählen Reifen- und Bremsabrieb zu den sogenannten Nicht-Abgas-Emissionen. Während die Abgaswerte moderner Fahrzeuge über die Jahre deutlich gesunken sind, blieben diese „außermotorischen" Partikel bislang unreguliert. Genau hier setzt Euro 7 an.
Euro 7: Erstmals Grenzwerte für Reifen- und Bremsabrieb
Euro 7 ist die neue Abgas- und Emissionsnorm der EU. Sie gilt laut ADAC für neu typgenehmigte Pkw-Modelle ab dem 29. November 2026 und für alle Neuzulassungen ab dem 29. November 2027. Das Besondere: Erstmals werden auch Bremsabrieb und Reifenabrieb begrenzt.
Für den Bremsabrieb gelten bei Pkw und leichten Transportern (Klassen M1/N1) feste Grenzwerte für die Feinstaub-Partikelmasse (PM10):
- 7 mg/km für Verbrenner und die meisten anderen Antriebe
- 3 mg/km für rein batterieelektrische Fahrzeuge (die beim Bremsen häufig rekuperieren statt mechanisch zu bremsen)
- ab 2035 soll ein einheitlicher Wert von 3 mg/km unabhängig von der Antriebsart gelten
Für den Reifenabrieb kommen die Grenzwerte zeitlich gestaffelt – und etwas später, weil zuerst ein einheitliches Messverfahren stehen muss (siehe unten). Nach Angaben der Fachpresse (autoservicepraxis.de) ist der Zeitplan:
- Pkw-Reifen (Klasse C1): ab 1. Juli 2028
- leichte Nutzfahrzeugreifen (C2): ab 1. April 2030
- schwere Nutzfahrzeugreifen (C3): ab 1. April 2032
Wichtig zu wissen: Diese Termine betreffen zunächst neu auf den Markt gebrachte Reifentypen. Reifen, die Sie heute kaufen, bleiben selbstverständlich uneingeschränkt nutzbar – es gibt keine Nachrüst- oder Austauschpflicht für vorhandene Reifen.
Wie wird Reifenabrieb überhaupt gemessen?
Damit Grenzwerte fair und vergleichbar sind, braucht es ein verbindliches Prüfverfahren. Dieses wird auf Ebene der UN-Wirtschaftskommission (UNECE) entwickelt. Der ADAC beschreibt es als Straßentest über rund 8.000 Kilometer, bei dem die Prüfreifen im Konvoi mit Referenzreifen gefahren und verglichen werden.
Bewertet wird der Abrieb dabei nicht in absoluten Gramm, sondern pro Tonne Fahrzeuggewicht (mg/km/t) – so lassen sich Reifen unabhängig davon vergleichen, ob sie an einem leichten Kleinwagen oder einem schweren SUV laufen. Die konkreten Grenzwerte selbst sind noch nicht endgültig festgeschrieben; über die genaue Messmethode wird in der Branche noch diskutiert (autohaus.de). Bis die Werte feststehen, lohnt sich der Blick auf bereits vorhandene Vergleichsdaten.
Wie stark sich Reifen beim Abrieb unterscheiden
Der ADAC misst den Reifenabrieb seit 2023 systematisch und hat dafür bislang 160 Reifenmodelle untersucht (84 Sommer-, 60 Winter- und 16 Ganzjahresreifen). Schon innerhalb der etablierten Premiummarken zeigen sich Unterschiede. Der durchschnittliche Abrieb je Hersteller (in mg/km/t) lag laut ADAC-Auswertung etwa so:
- Michelin: 52 (niedrigster Wert)
- Hankook: 62
- Continental: 63
- Goodyear: 65
- Firestone: 82 (höchster Wert)
Das zeigt: Wer auf einen verschleißarmen, langlebigen Reifen setzt, entlastet nicht nur die Umwelt, sondern in der Regel auch den eigenen Geldbeutel – denn ein Reifen, der langsamer abreibt, hält länger. Diesen Zusammenhang vertiefen wir im Beitrag Spritsparen mit den richtigen Reifen.
Was den Reifenabrieb erhöht
Wie schnell sich ein Reifen abnutzt, hängt nicht nur vom Modell ab, sondern stark von Fahrzeug und Fahrweise. Der ADAC nennt unter anderem diese Faktoren, die den Abrieb erhöhen:
- höheres Fahrzeuggewicht (der Zusammenhang ist nahezu linear – schwere Fahrzeuge reiben mehr ab)
- höhere Geschwindigkeit und Motoren mit hohem Drehmoment
- eine sportliche Achsgeometrie
- Fahren mit Anhänger
- griffige, raue Untergründe (Beton statt Asphalt), nasse Fahrbahnen und bergige Strecken
Gerade schwere Elektroautos und große SUV setzen Reifen also tendenziell stärker zu – ein Grund mehr, beim Reifenkauf neben Sicherheit und Effizienz auch auf die Laufleistung zu achten.
Was Sie schon heute gegen unnötigen Abrieb tun können
Auf das Messverfahren von Euro 7 haben Sie keinen Einfluss – auf den tatsächlichen Abrieb Ihrer Reifen aber sehr wohl. Die wirksamsten Hebel laut ADAC:
- Verschleißarme Reifen wählen: Besonders für Vielfahrer lohnt sich ein langlebiges Markenmodell. Premium-Reifen wie der Michelin Primacy 5 205/55 R16 91V oder der rollwiderstandsarme Continental EcoContact 5 205/55 R16 91H sind auf Laufleistung und Effizienz ausgelegt; auch ein ausgewogener Allrounder wie der Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V bietet ein gutes Verhältnis aus Preis, Effizienz und Haltbarkeit.
- Reifendruck regelmäßig prüfen: Falscher Luftdruck verschleißt den Reifen ungleichmäßig und schneller. Wie Sie den richtigen Wert finden und einstellen, lesen Sie in unserem Ratgeber Richtiger Reifendruck.
- Achseinstellung kontrollieren lassen: Falsche Spur oder falscher Sturz fressen Profil. Woran Sie das am Verschleißbild erkennen, zeigt der Beitrag Ungleichmäßiger Reifenverschleiß.
- Vorausschauend und gleichmäßig fahren: Starkes Beschleunigen und hartes Bremsen sind die größten Abrieb-Treiber, die Sie selbst in der Hand haben.
- Saisonal passende Reifen fahren: Der richtige Reifen für die Jahreszeit nutzt sich gleichmäßiger ab.
Eine große Auswahl an effizienten und langlebigen PKW-Reifen – auch in der beliebten Größe 205/55 R16 – finden Sie in unserem Shop. Welche gesetzlichen Vorgaben rund um Reifen sonst noch gelten, fassen wir im Überblick Reifen und Gesetz zusammen; wie Sie Effizienz- und Nasshaftungswerte richtig deuten, erklärt der Ratgeber zum EU-Reifenlabel.
Häufige Fragen
Muss ich wegen Euro 7 meine Reifen wechseln?
Nein. Euro 7 stellt Anforderungen an neu typgenehmigte Fahrzeuge und neu auf den Markt gebrachte Reifentypen. Für Reifen, die Sie bereits besitzen oder heute kaufen, gibt es keine Austausch- oder Nachrüstpflicht.
Ab wann gelten die Reifenabrieb-Grenzwerte?
Für Pkw-Reifen der Klasse C1 ab dem 1. Juli 2028, für leichte Nutzfahrzeugreifen (C2) ab 1. April 2030 und für schwere Nutzfahrzeugreifen (C3) ab 1. April 2032. Die Grenzwerte für den Bremsabrieb greifen früher, zusammen mit dem Euro-7-Start (Neuzulassungen ab 29. November 2027).
Wie groß ist das Problem mit dem Reifenabrieb wirklich?
Laut ADAC fallen EU-weit rund 500.000 Tonnen Reifenabrieb pro Jahr an; in Deutschland verursacht er etwa ein Drittel der gesamten Mikroplastik-Emissionen. Damit zählt er zu den größten Einzelquellen für Mikroplastik.
Reiben Elektroautos die Reifen schneller ab?
Tendenziell ja: Der Abrieb steigt mit dem Fahrzeuggewicht nahezu linear, und E-Autos sind durch die Batterie oft schwerer und haben hohes Drehmoment. Umgekehrt sparen sie beim Bremsabrieb, weil sie häufig über den Motor rekuperieren statt mechanisch zu bremsen – Euro 7 trägt dem mit einem niedrigeren Bremsabrieb-Grenzwert (3 mg/km) für reine Elektrofahrzeuge Rechnung.
Woran erkenne ich beim Kauf einen abriebarmen Reifen?
Ein eigenes Abrieb-Label gibt es noch nicht – das ändert sich erst mit den Euro-7-Grenzwerten. Bis dahin sind unabhängige Reifentests (etwa des ADAC) und die Laufleistungs-Angaben der Hersteller die beste Orientierung. Als Faustregel gilt: Reifen mit niedrigem Rollwiderstand und guter Laufleistung reiben meist auch weniger ab.