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Kaufberatung

Reifen montieren lassen: Ablauf, Kosten und worauf Sie achten sollten

· 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
KI-generiert (OpenAI): Ein Reifen wird in der Werkstatt auf einer Montiermaschine auf eine Alufelge aufgezogen.
KI-generiert (OpenAI): Ein Reifen wird in der Werkstatt auf einer Montiermaschine auf eine Alufelge aufgezogen.

Reifen online zu kaufen spart bares Geld – die Frage ist nur: Wie kommt der neue Reifen anschließend auf die Felge und ans Auto? Das Aufziehen eines Reifens ist echte Werkstattarbeit und hat mit dem saisonalen Räderwechsel wenig zu tun. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, was bei der Reifenmontage passiert, womit Sie bei den Kosten rechnen müssen – und warum Sie das Aufziehen besser den Profis überlassen.

Reifenmontage, Reifenwechsel, Räderwechsel – die Begriffe kurz erklärt

Drei Begriffe werden ständig durcheinandergeworfen, meinen aber unterschiedliche Arbeiten:

  • Räderwechsel (auch Radwechsel): Komplette Räder – der Reifen sitzt also bereits auf der Felge – werden abgeschraubt und gegen einen zweiten Satz getauscht. Das ist der klassische Saisonwechsel mit Kompletträdern und lässt sich mit etwas Übung selbst erledigen.
  • Reifenmontage (Reifen aufziehen, oft auch „Reifenwechsel" genannt): Der alte Reifen wird von der Felge abgezogen und ein neuer aufgezogen. Das ist nötig, wenn Sie lose Reifen ohne Felge kaufen. Dafür braucht es eine Montier- und eine Auswuchtmaschine – also die Werkstatt.

Wenn in diesem Beitrag von „Montage" die Rede ist, meinen wir das Aufziehen neuer Reifen auf die Felge.

So läuft die Reifenmontage in der Werkstatt ab

Eine fachgerechte Montage besteht aus mehreren Schritten, die meist parallel auf Montier- und Wuchtmaschine ablaufen.

Schritt 1: Alten Reifen abdrücken und abziehen

Zuerst lässt der Monteur die Luft ab und entfernt den Ventileinsatz. Anschließend wird der alte Reifen mit einer Abdrückrolle oder ‑schaufel von der Felgenschulter gelöst und mit der Montiermaschine über den Felgenrand gezogen.

Schritt 2: Felge prüfen und neuen Reifen aufziehen

Die Felge wird in die Montiermaschine gespannt, alte Auswuchtgewichte werden entfernt und das Felgenhorn gesäubert. Dann streicht der Monteur die Reifenflanken mit Montagepaste ein und legt den neuen Reifen entsprechend seiner Markierung auf die Felge. Wichtig: Laufrichtungsgebundene Reifen (Pfeil „Rotation") und asymmetrische Profile (Aufschrift „Outside") müssen seitenrichtig montiert werden – sonst stimmt die Wasserableitung nicht. Wie Sie die Reifengröße und Kennzeichnungen an der Flanke lesen, erklären wir in einem eigenen Beitrag.

Schritt 3: Befüllen mit „Springdruck" und neues Ventil

Damit der Reifen sauber auf der Felgenschulter sitzt, wird er kurz mit erhöhtem Druck – dem sogenannten Springdruck – befüllt, bis er hörbar einrastet. Danach setzt der Monteur ein neues Ventil und stellt den korrekten Reifendruck ein.

Schritt 4: Auswuchten

Jedes Rad kommt auf die Wuchtmaschine. Sie ermittelt die Unwucht, und der Monteur klebt oder klemmt passende Gegengewichte an. Korrektes Auswuchten verhindert Lenkradflattern und ungleichmäßigen Reifenverschleiß – ein Schritt, den man zu Hause ohne Maschine gar nicht leisten kann.

Schritt 5: Räder ans Auto, Drehmoment und RDKS

Zum Schluss werden die fertigen Räder über Kreuz mit dem vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Drehmoment angezogen und nach rund 50 Kilometern nachgezogen. Ist ein direktes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) verbaut, werden die Sensoren geprüft, gewartet und angelernt.

Was kostet die Reifenmontage?

Die Preise hängen von Werkstatt, Reifengröße, Felgentyp und RDKS ab. Als grobe Richtwerte gelten (nach ADAC und AUTO BILD):

  • Reifen aufziehen + auswuchten (4 Reifen): ca. 90 bis 160 Euro
  • Neues Ventil: wenige Euro bis ca. 25 Euro je Rad
  • RDKS-Service / Sensoren anlernen: ca. 20 bis 50 Euro je Fahrzeug
  • Defekter RDKS-Sensor (Ersatz): ca. 40 bis 70 Euro je Stück
  • Räderwechsel (Kompletträder umstecken): ca. 40 bis 70 Euro, mit Zusatzleistungen oft um 100 Euro
  • Reifeneinlagerung: ca. 40 bis 80 Euro pro Jahr

Niederquerschnitts-, UHP- und Runflat-Reifen sind aufwändiger zu montieren und liegen daher eher am oberen Ende. Der reine Räderwechsel mit fertigen Kompletträdern kostet deutlich weniger – der ADAC nennt für einen Wechsel mit Zusatzleistungen ein Beispiel von rund 107 Euro.

Warum ein neues Ventil dazugehört

Gummiventile altern, werden mit der Zeit spröde und können undicht werden – die Folge ist ein schleichender Druckverlust. Beim Reifenwechsel ist die Felge ohnehin „offen", deshalb ist es der ideale Moment, das Ventil für wenige Euro zu erneuern. Bei einem direkten RDKS sitzt der Drucksensor am Ventil; hier wird statt eines kompletten Tauschs meist ein Service-Kit (Dichtung, Ventileinsatz, Mutter) erneuert.

RDKS: Was beim Sensor zu beachten ist

Seit November 2014 ist ein Reifendruckkontrollsystem für neu typgenehmigte Pkw Pflicht. Beim direkten RDKS sitzt in jedem Rad ein Sensor: Bei der Montage wird das Service-Kit erneuert, ein defekter Sensor ersetzt (rund 40 bis 70 Euro pro Stück) und das System anschließend angelernt. Das indirekte RDKS kommt ohne Sensoren aus und misst über die ABS-Sensoren – hier genügt es, das System nach dem Wechsel zurückzusetzen. Welches System Sie haben und wie es funktioniert, lesen Sie in unserem Ratgeber zu direktem und indirektem RDKS.

Kann ich Reifen selbst aufziehen?

Den Räderwechsel – also komplette Räder umstecken – können Sie mit Wagenheber und Drehmomentschlüssel selbst übernehmen; worauf es dabei ankommt, steht in unserem Komplettrad-Ratgeber.

Das Aufziehen neuer Reifen sollten Sie dagegen nicht selbst versuchen. Ohne Montier- und Auswuchtmaschine ist der Kraftaufwand immens, und es besteht ein hohes Risiko, Reifen oder Felge – gerade bei empfindlichen Alufelgen – zu beschädigen. Hinzu kommt: Ohne Auswuchten läuft das Rad nie wirklich rund. Unsere klare Empfehlung lautet daher: Aufziehen gehört in die Werkstatt.

Online gekaufte Reifen montieren lassen – so geht's

Der große Vorteil beim Online-Kauf: Sie zahlen für den Reifen selbst deutlich weniger und lassen ihn vor Ort montieren. In vier Schritten:

  1. Reifen in Ihrer Größe bestellen – zum Beispiel passende Sommerreifen in 205/55 R16 wie den Dunlop Sport Bluresponse 205/55 R16 91V oder den Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V. Worauf es bei der Auswahl ankommt, zeigt unser Ratgeber Reifen online kaufen.
  2. Liefern lassen – zu Ihnen nach Hause oder direkt zur Partnerwerkstatt.
  3. Montagetermin vereinbaren – eine Werkstatt in Ihrer Nähe finden Sie bequem über unsere Montagestationen-Suche.
  4. Neue Reifen einfahren – die ersten Kilometer behutsam fahren; warum, erklären wir im Beitrag neue Reifen richtig einfahren.

Wer den jährlichen Aufwand minimieren will, fährt mit fertigen Kompletträdern am bequemsten: Dann fällt künftig nur noch der einfache Räderwechsel an.

Fazit

Reifen online kaufen und lokal montieren lassen ist die günstigste Kombination – vorausgesetzt, das Aufziehen übernimmt eine Werkstatt mit Montier- und Wuchtmaschine. Rechnen Sie für vier Reifen mit rund 90 bis 160 Euro inklusive Auswuchten, planen Sie neues Ventil und RDKS-Service ein und lassen Sie die Radschrauben nach etwa 50 Kilometern nachziehen. So sitzen Ihre neuen Reifen sicher – und Sie haben trotzdem gespart.

Häufige Fragen

Was kostet es, vier Reifen aufziehen zu lassen?

Als Richtwert rund 90 bis 160 Euro inklusive Auswuchten und Montage. Neue Ventile und – bei direktem RDKS – der Sensor-Service können hinzukommen (Quellen: AUTO BILD, ADAC).

Was ist der Unterschied zwischen Reifenwechsel und Räderwechsel?

Beim Räderwechsel werden komplette Räder getauscht (klassischer Saisonwechsel mit Kompletträdern). Beim Reifenwechsel wird der alte Reifen von der Felge abgezogen und ein neuer aufgezogen – das geht nur mit Maschine in der Werkstatt.

Muss bei jedem Reifenwechsel ein neues Ventil montiert werden?

Es wird dringend empfohlen: Gummiventile altern und werden undicht. Der Austausch kostet nur wenige Euro und beugt schleichendem Druckverlust vor. Bei direktem RDKS wird das Service-Kit erneuert.

Kann ich online gekaufte Reifen in jeder Werkstatt montieren lassen?

Ja, nahezu jede Reifen- oder Kfz-Werkstatt zieht auch mitgebrachte Reifen auf. Eine passende Partnerwerkstatt in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Montagestationen-Suche.

Worauf muss ich nach der Montage achten?

Lassen Sie die Radschrauben nach rund 50 Kilometern nachziehen, fahren Sie neue Reifen die ersten Kilometer behutsam ein und prüfen Sie nach kurzer Zeit den Reifendruck.

Schlagwörter: Reifenmontage Reifen aufziehen Kosten Auswuchten RDKS Online kaufen

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