Geländereifen: Was 31x10.50 R15, POR und der Index Q bedeuten
Wer zum ersten Mal Reifen für einen Geländewagen, einen Pick-up oder einen älteren SUV sucht, stolpert über Angaben, die in keinem Pkw-Ratgeber vorkommen: eine Größe wie 31x10.50 R15 statt der gewohnten drei Zahlen, ein POR hinter dem Modellnamen, dazu ein Geschwindigkeitsindex, der schon bei 160 km/h endet. Das ist keine Nachlässigkeit der Hersteller, sondern eine eigene Systematik aus dem Gelände- und Nutzfahrzeugbereich. Dieser Beitrag erklärt die Angaben, an denen der Reifenkauf für Geländefahrzeuge am häufigsten scheitert — und welche davon sicherheitsrelevant ist. Alle Mengenangaben stammen aus einer Auswertung unseres eigenen Katalogbestands vom 13. Oktober 2026 (56.609 Artikel), die Rechtsangaben aus dem Gesetzestext selbst.
Die Zollgröße: 31x10.50 R15 statt 265/75 R15
Die gewohnte Pkw-Größe nennt die Breite in Millimetern, dann das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent, dann den Felgendurchmesser in Zoll. Die Zollgröße am Geländereifen macht es anders: Sie nennt drei Maße, und alle drei in Zoll.
- 31 — der Außendurchmesser des montierten Reifens, also wie hoch er tatsächlich baut.
- 10.50 — die Breite des Reifens.
- R15 — Radialbauweise auf einer 15-Zoll-Felge.
Umgerechnet ergibt das ein Rad von 31 × 25,4 = 787,4 mm Außendurchmesser bei 266,7 mm Breite (10,50 Zoll). Zieht man die 15-Zoll-Felge (381 mm) ab und halbiert den Rest, bleibt eine Flankenhöhe von 203,2 mm — bezogen auf die Breite sind das rund 76 Prozent. Die nächstgelegene metrische Größe ist deshalb 265/75 R15: Sie kommt auf 778,5 mm Außendurchmesser und bleibt damit knapp 9 Millimeter flacher.
Genau darin liegt der praktische Vorteil dieser Schreibweise. Beim Geländefahrzeug interessiert vor allem, ob der Reifen noch in den Radkasten passt und wie viel Bodenfreiheit er bringt. Die Zollgröße beantwortet das direkt mit der ersten Zahl, während man es bei der metrischen Angabe erst ausrechnen muss — die 265/75 R15 verrät ihren Außendurchmesser eben nicht, sie verrät nur ein Verhältnis.
Diese knapp 9 Millimeter Unterschied sind übrigens kein reiner Zahlenwert. Ein größerer Außendurchmesser bedeutet einen größeren Abrollumfang, und der wirkt sich direkt auf die Tachoanzeige aus: Das Rad dreht sich pro Kilometer seltener, der Tacho zeigt also weniger an, als Sie tatsächlich fahren. Bei rund einem Prozent Abweichung ist das verkraftbar, bei den in der Szene beliebten Sprüngen auf deutlich größere Durchmesser jedoch nicht mehr. Auch deshalb ist die eingetragene Größe kein unverbindlicher Vorschlag.
Ein Hinweis zur Plausibilitätsprüfung, der Ihnen Ärger erspart: Weil die erste Zahl ein Außendurchmesser in Zoll ist, muss sie sich bei einem Pkw-Rad in einem engen Rahmen bewegen. Für Geländewagen und Pick-ups liegt sie in unserem Sortiment durchgehend zwischen 27 und 35 Zoll, also zwischen 686 und 889 Millimetern. Lesen Sie in einem Angebot, einer Tabelle oder einem Reifenregal eine erste Zahl, die daraus deutlich ausbricht, ist das fast immer ein Zahlendreher und keine exotische Größe — ein Rad mit 90 Zoll Außendurchmesser wäre 2,29 Meter hoch. Dasselbe gilt auf der metrischen Seite: Reifenbreiten sind genormt und springen in Fünfer- oder Zehnerschritten. Eine „267“ zwischen 265 und 275 gibt es nicht.
Drei Zahlensysteme, ein Größenfeld: warum die Suche so oft scheitert
Hier lauert die praktische Hürde, die viele Käufer ratlos zurücklässt — und sie funktioniert anders, als man vermutet. Zollgrößen fallen nicht aus den Größendaten heraus; sie stehen sehr wohl darin. Sie werden nur anders gelesen. In der Breitenspalte unseres Offroad-Sommer-Regals (5.509 Artikel) stehen die metrischen Breiten von 165 bis 355 Millimetern — und mitten darin, in derselben Spalte, die Zollwerte 27, 28, 30, 31, 32, 33 und 35. Insgesamt tragen 69 der 5.509 Artikel in diesem Feld keinen Millimeterwert, sondern ein Zollmaß.
Der Effekt für die Suche ist trotzdem derselbe wie ein Herausfallen, nur aus einem anderen Grund: Wer 265 als Breite eingibt, bekommt die 31x10.50 R15 nicht zu sehen, weil dort nicht 265 steht, sondern 31. Und wer die Liste der verfügbaren Breiten durchsieht, findet eine „31“ zwischen „295“ und „305“ — ohne Hinweis darauf, dass diese Zahl etwas völlig anderes bedeutet. Es ist nicht ein zweites, verstecktes Regal, sondern ein Regal, in dem zwei Maßsysteme dieselbe Schublade benutzen.
Dazu kommt ein dritter Fall, der im Pkw-Bereich kaum auffällt: die reine Zollbreite ohne Durchmesser. Vier Artikel unseres Offroad-Sommer-Regals heißen 7.50 R16 — hier ist die 7,50 keine Millimeterbreite und kein Durchmesser, sondern die Reifenbreite in Zoll, also 190 Millimeter. Diese alte Nutzfahrzeugschreibweise lebt bei schmalen, hohen Geländereifen weiter, etwa am Michelin 4X4 O/R XZL. Und noch eine vierte Lesart gibt es, wenn Sie über die Offroad-Rubrik hinaus suchen: Bei Reifen für Sackkarren, Elektroscooter oder Kleinflugzeuge steht in 200x50 Millimeter × Millimeter. Dasselbe Zeichen, drei verschiedene Einheiten.
Die zweite Falle ist die Rubrik. Die Größe 31x10.50 R15 führen wir mit 30 Artikeln — aber nur 28 davon stehen bei den Offroad-Sommerreifen. Die anderen zwei, ein Kumho Road Venture AT52 und ein Vredestein PINZA AT, sind als Ganzjahresreifen in der Pkw-Rubrik einsortiert. Wer sich beim Suchen auf die Geländereifen-Rubrik beschränkt, übersieht also genau die beiden Reifen derselben Größe, die ganzjährig nutzbar sind. Dieselbe Größe liegt in zwei Abteilungen.
Suchen Sie deshalb nicht über die Breite und nicht über die Rubrik, sondern über die Größe im Wortlaut oder direkt über das Reifenmodell. Und rechnen Sie mit Varianten in der Schreibweise, denn die sind der Normalfall und nicht die Ausnahme. In unserem Bestand finden sich nebeneinander:
- Mit und ohne Leerzeichen vor der Bauart:
30x10.00 R15gegenüber27x9.00R14. Von 402 Zollgrößen-Artikeln der Offroad-Rubrik schreiben 65 ein Leerzeichen, 338 nicht. - Verkürzte Nachkommastellen: Die Größe 31x10.50 R15 steht 29-mal so da und einmal als
31x10.5 R15— derselbe Reifen, eine andere Zeichenfolge. Bei Quad-Größen geht die Kürzung weiter, bis zu26x9R14statt26x9.00R14. - Bindestrich statt R:
25x8.00-12ist ein Diagonalreifen,25x8.00R12ein Radialreifen derselben Nennmaße. Das ist keine Schreibvariante, sondern ein echter Bauartunterschied — dazu unten mehr. - Doppelte Angabe in Klammern: 60 Artikel tragen beide Systeme gleichzeitig, etwa
25x8.00-12 (205/80-12). Wo diese Doppelangabe steht, erspart sie Ihnen das Umrechnen — leider steht sie nur bei einem Teil der Quad- und ATV-Größen.
Verbreitet sind Zollgrößen keineswegs nur bei alten Geländewagen. Über den gesamten Katalog hinweg zählen wir 571 Artikel mit Zollgröße in 242 verschiedenen Bezeichnungen, verteilt auf 17 Warengruppen — von Quad- und ATV-Reifen (337) über Rasenmäher, Kartreifen und Heuwender bis zu Schläuchen. Quad- und ATV-Reifen sind dabei der eigentliche Kernbereich dieser Systematik: 338 von 346 Artikeln, also 97,7 Prozent, sind so bemaßt. Wer dort sucht, sollte sich an die Systematik gewöhnen — Details dazu stehen in unserem Ratgeber zu Quad- und ATV-Reifen, das Angebot selbst unter Quad- und ATV-Reifen.
Tipp: Die maßgebliche Größe steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Felder 15.1/15.2). Sind für Ihr Fahrzeug Zollgrößen eingetragen, bleiben Sie bei Zollgrößen — ein metrischer Reifen mit ähnlichem Durchmesser ist nicht automatisch zulässig.
POR: Wenn das EU-Reifenlabel fehlen darf
Hinter manchen Modellnamen steht ein POR, teils auch als P.O.R. geschrieben. Das Kürzel steht für Professional Off Road. Der deutsche Gesetzgeber übersetzt es in § 36 Absatz 5 StVZO mit „Geländereifen für den gewerblichen Einsatz mit der Kennzeichnung ‚POR‘“ — die Kennzeichnung ist also kein Marketingzusatz, sondern ein Begriff mit eigener Rechtsfolge. In unserem Sortiment sind das derzeit 81 lieferbare Ausführungen in 14 Modellen von acht Marken: Cooper (22), Radar (18), Yokohama (16), Aplus (13), Toyo (6), Kenda (4), Nankang und Hifly (je 1). Die Preise reichen von 87,65 € bis 419,00 €. Die gefragtesten Größen sind 245/75 R16 (10 Ausführungen), 265/70 R17 (8) und 235/85 R16 (6); in Zollgrößen gibt es POR-Reifen vor allem als 31x10.50 R15 (5) und 32x11.50 R15 (3).
Für den Vergleich beim Kauf hat diese Einstufung eine handfeste Folge: Diese Reifen brauchen kein EU-Reifenlabel. Die europäische Reifenkennzeichnungs-Verordnung nimmt sie ausdrücklich aus. In Artikel 2 Absatz 2 Buchstabe a heißt es wörtlich, die Verordnung gelte nicht für „Reifen für den harten Geländeeinsatz“; Artikel 3 Nummer 4 definiert diese als „einen Spezialreifen, der vor allem unter schweren Geländebedingungen zum Einsatz kommt“ (Quelle: Verordnung (EU) 2020/740, EUR-Lex).
Dass diese Ausnahme keine Theorie ist, lässt sich an unserem eigenen Regal ablesen — und zwar überdeutlich. Von den 81 POR-Ausführungen tragen nur 37 überhaupt Labelwerte, also 45,7 Prozent. Unter den 5.428 Offroad-Sommerreifen ohne POR-Kennung sind es 5.421, also 99,9 Prozent. Noch schärfer wird der Unterschied beim europäischen Produktregister EPREL, in dem labelpflichtige Reifen eingetragen sein müssen: Eine auflösbare Registriernummer hat genau einer der 81 POR-Reifen (1,2 Prozent), bei den übrigen Offroad-Sommerreifen sind es 4.306 von 5.428 (79,3 Prozent). Die gesetzliche Befreiung ist also in den Daten sichtbar, nicht nur im Verordnungstext.
Praktisch heißt das: Bei einem POR-Reifen können Sie Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräusch nicht wie gewohnt über das EU-Reifenlabel gegeneinander abwägen — diese Werte müssen gar nicht erhoben werden. Und wo bei einem solchen Reifen dennoch Labelwerte auftauchen, wie bei knapp der Hälfte unserer POR-Artikel, sollten Sie ihnen weniger Gewicht beimessen als sonst: Sie sind dann eine freiwillige Angabe des Herstellers und nicht Teil eines verpflichtenden, einheitlich geprüften Vergleichs.
Das ist kein Mangel und kein Grund zur Sorge, sondern eine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers: Ein Reifen, der für schweres Gelände ausgelegt ist, ließe sich mit Prüfverfahren, die auf Asphalt gemessen werden, ohnehin nicht sinnvoll bewerten. Ein Mud-Terrain-Profil wird auf nasser Fahrbahn nie die Werte eines Straßenreifens erreichen — das ist seine Bauart, nicht sein Fehler. Ziehen Sie deshalb andere Kriterien heran: Profiltyp und Einsatzzweck, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, die Frage nach Schlamm- oder Schotteranteil an Ihrer üblichen Strecke, dazu Erfahrungsberichte. Wie sich die Profiltypen unterscheiden und wo ein grobes Profil an seine Grenzen kommt, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Mud-Terrain-Reifen und ihren Einsatzgrenzen.
Der Geschwindigkeitsindex ist die eigentliche Falle
Das ist der Punkt, an dem aus einer Formalie ein Zulassungsproblem wird. Der Geschwindigkeitsindex, der letzte Buchstabe der Größenangabe, muss mindestens den Wert aus den Fahrzeugpapieren abdecken (Quelle: ADAC). Die im Geländebereich gängigen Stufen lauten: K = 110 km/h, L = 120 km/h, N = 140 km/h, P = 150 km/h, Q = 160 km/h, R = 170 km/h, S = 180 km/h, T = 190 km/h, H = 210 km/h (Quelle: Continental).
Der Begriff „Offroadreifen“ führt dabei gründlich in die Irre. In unserer Auswertung von 5.503 Ausführungen mit lesbarem Index trugen 80,2 Prozent den Index H oder schneller. Die Spitze teilen sich V mit 23,0 und Y mit 22,8 Prozent, dahinter H mit 19,4 und W mit 15,0 Prozent. Die langsameren Stufen sind dagegen Randerscheinungen: T kam auf 7,2, Q auf 5,9 und S auf 5,8 Prozent, R auf 0,5 — alles darunter blieb im Promillebereich. Der weitaus größte Teil dieses Segments besteht also aus schnellen Straßenreifen für SUV, die mit Gelände wenig zu tun haben. Die Rubrik heißt „Offroad“, meint aber überwiegend eine Fahrzeugklasse und keinen Einsatzzweck.
Sobald man aber auf die groben Geländeprofile schaut, dreht sich das Bild vollständig um. Von den 126 Mud-Terrain-Ausführungen unseres Offroad-Sommer-Regals tragen 121 einen lesbaren Geschwindigkeitsindex — und keine einzige davon liegt über Q: 100 trugen Q (160 km/h), 18 P (150 km/h) gemeinsam mit N (140 km/h) und darunter, zwei K (110 km/h), eine L (120 km/h). Bei den 81 POR-Reifen dasselbe Bild ohne Ausnahme: 72-mal Q, sechsmal P, einmal N, zweimal K. Das ist keine Sparmaßnahme, sondern eine Folge der Bauart — die großen, offenen Stollen und die stabile Karkasse vertragen die Hitzeentwicklung bei Dauertempo nicht.
Diese Falle ist besonders tückisch, weil sie sich innerhalb ein und derselben Größe auftut. In der Größe 31x10.50 R15 stehen vier Geschwindigkeitsklassen nebeneinander im Regal: 20 Ausführungen mit Q, sieben mit S, zwei mit R und eine mit P. Zwischen dem langsamsten und dem schnellsten Reifen derselben Größe liegen damit 30 km/h zulässige Höchstgeschwindigkeit — von 150 km/h beim Toyo Open Country M/T POR bis 180 km/h —, ohne dass man den Unterschied dem Reifen ansieht. Der letzte Buchstabe der Größenangabe gehört deshalb genauso zur Kaufentscheidung wie das Profil, und er ist der einzige Wert auf der Flanke, bei dem „ungefähr passend“ nicht genügt.
Wenn der Reifen langsamer ist als das Auto: § 36 Absatz 5 StVZO
Aus dem Vorstehenden wird oft die Schlussfolgerung gezogen, ein Q-Reifen sei an einem 190 km/h schnellen SUV schlicht unzulässig. So einfach ist es nicht — und die Ausnahme steht ausgerechnet für Geländereifen im Gesetz. Grundsätzlich verlangt § 36 Absatz 1 Satz 1 StVZO, dass „Maße und Bauart der Reifen von Fahrzeugen den Betriebsbedingungen, besonders der Belastung und der durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, entsprechen“. Absatz 5 nimmt diese Anforderung für zwei Reifenarten ausdrücklich zurück: für Winterreifen im Sinne des Absatzes 4 und für „Geländereifen für den gewerblichen Einsatz mit der Kennzeichnung ‚POR‘“.
Liegt die zulässige Höchstgeschwindigkeit solcher Reifen unter der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, ist die Anforderung laut Gesetzeswortlaut dennoch erfüllt, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen:
- Die für die Reifen zulässige Höchstgeschwindigkeit wird im Blickfeld des Fahrzeugführers angegeben — entweder für die Dauer der Verwendung „durch ein Schild oder einen Aufkleber“ oder „durch eine Anzeige im Fahrzeug, zumindest rechtzeitig vor Erreichen“ dieser Geschwindigkeit.
- Diese Geschwindigkeit wird im Betrieb nicht überschritten.
Damit ist der klassische Aufkleber am Armaturenbrett kein Behelf, sondern der im Gesetz vorgesehene Weg (Quelle: § 36 StVZO, gesetze-im-internet.de). Der ADAC beschreibt für Winter- und Ganzjahresreifen dieselbe Konstruktion und nennt als zeitgemäße Alternative zum Aufkleber „entsprechende Einstellungen im Bordcomputer, z. B. Tempolimiter in Kombination mit Infohinweisen im Display“ (Quelle: ADAC).
Beachten Sie aber die Grenzen dieser Regel, denn sie sind eng. Sie gilt nur für die beiden genannten Reifenarten — für einen gewöhnlichen Sommer-Geländereifen ohne POR-Kennzeichnung und ohne Alpine-Symbol greift sie nicht. Und sie verschiebt lediglich die formale Zulässigkeit, nicht die Physik: Der Aufkleber macht den Reifen nicht schneller, sondern verpflichtet Sie, langsamer zu fahren. Bei genau diesen Profilen ist das ohnehin ratsam, denn die Temperaturgrenze ist ein echter Belastungswert und keine Formalie. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Kombination die Bedingungen erfüllt, klären Sie sie vorab anhand der Fahrzeugpapiere und im Zweifel mit einer Prüforganisation — nachträglich wird das deutlich unangenehmer.
Ein zweiter, selten beachteter Absatz desselben Paragrafen betrifft die Bauart. Nach § 36 Absatz 6 StVZO dürfen Personenkraftwagen und andere Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen mit mehr als 40 km/h Bauartgeschwindigkeit entweder nur mit Diagonal- oder nur mit Radialreifen ausgerüstet sein — nicht gemischt. Für den Geländebereich ist das relevanter als für den Pkw-Alltag, denn Diagonalreifen sind hier kein Relikt: In der Offroad-Rubrik führen wir 239 Artikel in Diagonalbauweise, nahezu alle bei Quad und ATV. Dort stehen 232 Diagonal- und 170 Radialreifen mit Zollgröße direkt nebeneinander, unterscheidbar allein am Bindestrich statt des R in der Größenangabe.
Was auf Quad- und ATV-Reifen anders steht
Wer von Geländereifen zu Quad- und ATV-Reifen wechselt, betritt beim Lesen der Flanke noch einmal eine andere Welt — und das fällt schon beim Label auf. Keiner unserer 346 Quad- und ATV-Reifen trägt irgendeinen Labelwert, weder eine Effizienz- noch eine Nasshaftungsklasse noch eine Geräuschangabe. Das ist kein Datenloch, sondern folgt dem Ausnahmekatalog in Artikel 2 Absatz 2 der Verordnung (EU) 2020/740, der neben dem harten Geländeeinsatz mehrere weitere Fälle nennt. Zwei davon treffen hier zu: Die Verordnung gilt nicht für „Reifen für Felgen mit einem Nenndurchmesser ≤ 254 mm oder ≥ 635 mm“ — 254 Millimeter sind genau 10 Zoll, und 131 unserer 346 Quad-Artikel sitzen auf Felgen von 5 bis 10 Zoll. Ebenfalls ausgenommen sind Reifen mit einer zulässigen Geschwindigkeit unter 80 km/h. Als Gegenprobe: Im Offroad-Sommer-Regal, wo die Felgen durchgehend 13 bis 24 Zoll groß sind, tragen 99,1 Prozent der Artikel Labelwerte.
Statt des gewohnten Tragfähigkeitsindex finden Sie bei vielen dieser Reifen eine Lagenzahl, das sogenannte Ply Rating: 64 unserer Quad- und ATV-Artikel tragen Angaben wie 4PR oder 6PR, insgesamt in fünf Stufen von 2PR bis 10PR (37-mal 4PR, 18-mal 6PR, sechsmal 2PR, zweimal 8PR, einmal 10PR). Die Zahl beschreibt die Festigkeit des Reifenaufbaus und damit indirekt die Belastbarkeit — vergleichbar sind PR-Werte aber nur innerhalb derselben Größe, nicht über Größen hinweg. Zusätzlich tragen 20 Artikel die Kennung NHS für Not Highway Service: Diese Reifen sind nicht für den Betrieb auf Schnellstraßen bestimmt. Auch der Geschwindigkeitsindex sieht hier anders aus, weil er aus den unteren Stufen der Tabelle kommt: Am häufigsten sind N (140 km/h, 123 Artikel), M (130 km/h, 90) und J (100 km/h, 53), dazu 34-mal F für 80 km/h.
LT, C, OWL und BSW: der Rest der Flanke
Vier weitere Kürzel begegnen Ihnen regelmäßig, und sie meinen sehr Unterschiedliches.
- LT steht für Light Truck, also Kleinlaster, und ist in der EU eher als C-Decke bekannt. Ein C nach der Tragfähigkeitsangabe kennzeichnet Nutzfahrzeugreifen mit höherer Belastbarkeit (Quelle: reifen.com). Beides zielt auf die Traglast, nicht auf das Profil.
- OWL (Outline White Letter) und BSW (Black Sidewall) betreffen dagegen ausschließlich die Optik der Flanke — erhabener weißer Schriftzug gegenüber durchgehend schwarzer Seitenwand. Technisch ist es derselbe Reifen; manche Modelle stehen deshalb in beiden Ausführungen im Regal.
Bei der Tragfähigkeit lohnt ein zweiter Blick, denn sie ist am Geländefahrzeug knapper bemessen als am Pkw. Geländewagen und Pick-ups sind schwer, werden häufig beladen und tragen nicht selten Anbauten wie Seilwinden, Schutzbleche oder ein Dachzelt — all das geht zulasten der Reserve. Dabei ist zu bedenken, dass der Tragfähigkeitsindex für einen Referenzdruck von 2,5 bar gilt: Jede Absenkung des Reifendrucks verringert die Tragfähigkeit (Quelle: ADAC). Wer im Gelände Luft ablässt, verschiebt also auch diese Grenze — und muss den Druck danach wieder herstellen.
Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Auswertung der Größe 31x10.50 R15: Alle 30 lieferbaren Ausführungen tragen denselben Tragfähigkeitsindex 109, also 1.030 Kilogramm je Reifen. Die Größe gibt die Traglast damit faktisch vor — anders als den Geschwindigkeitsindex, der in dieser Größe vier Stufen umfasst, und anders als den Preis: Der reicht von 124,20 € bis 303,40 €, der teuerste Reifen kostet also fast das Zweieinhalbfache des günstigsten. Dass ein Tragfähigkeitsindex derart einheitlich ist, ist typisch für Zollgrößen und untypisch für metrische Pkw-Größen; es bedeutet aber nicht, dass der Index an Ihrem Fahrzeug ausreicht. Maßgeblich bleibt der Wert aus den Fahrzeugpapieren, und er darf nicht nach unten abgerundet werden, auch nicht um ein paar Euro zu sparen.
Welcher Geländereifen zu Ihrem Fahrzeug passt
Die Reihenfolge beim Kauf ist damit klar: zuerst die eingetragene Größe, dann Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, erst danach der Profiltyp — und zuletzt der Preis. Drei lieferbare Beispiele, alle Preise mit Stand 14. Oktober 2026:
- Torque TQ-AT701 31x10.50 R15 109R — mit 124,20 € der günstigste All-Terrain-Reifen dieser Größe, Index R (170 km/h) und mit C/C/72 dB ein für dieses Segment ungewöhnlich gutes Label.
- Toyo Open Country A/T+ 31x10.50 R15 109S — 129,48 €, Index S (180 km/h) und damit die schnellste Stufe im selben Maß.
- Cooper Discoverer S/T Maxx POR 265/70 R16 121Q — 210,58 €, ein ausgewiesener POR-Reifen in metrischer Größe mit Index Q und Tragfähigkeitsindex 121 (1.450 kg).
Wenn Sie ohnehin überwiegend auf Asphalt unterwegs sind, ist der grobe Geländereifen selten die richtige Wahl. Der Vergleich der Bauarten steht in unserem Ratgeber zum Highway-Terrain-Reifen als komfortable Straßenvariante sowie in der Einordnung, wann sich ein All-Terrain-Reifen im Alltag lohnt. Das gesamte Angebot finden Sie unter Offroad-Sommerreifen; wer einen ganzjährig nutzbaren Geländereifen sucht, findet die wintertauglichen Ausführungen unter Offroad-Winterreifen.
Fazit
Geländereifen folgen an vier Stellen einer eigenen Logik. Die Zollgröße nennt den Außendurchmesser direkt, teilt sich das Größenfeld aber mit metrischen Breiten und verlangt deshalb die Suche nach dem Wortlaut statt nach der Breite — und zwar über Rubrikgrenzen hinweg. Ein POR bedeutet, dass das EU-Reifenlabel gesetzlich nicht verlangt wird; in unserem Regal fehlt es bei gut der Hälfte dieser Reifen tatsächlich, und eine EPREL-Nummer hat fast keiner. Der Geschwindigkeitsindex grober Profile endet in der Praxis bei 160 km/h — ist Ihr Fahrzeug schneller, führt bei Winter- und POR-Reifen § 36 Absatz 5 StVZO über Hinweisschild und eingehaltenes Tempo zur Zulässigkeit, bei allen anderen nicht. Und die Tragfähigkeit ist am Geländewagen die knappste Reserve, weil Zuladung und Anbauten sie aufbrauchen. Wer diese vier Punkte vor der Bestellung klärt, spart sich den Rest. Eine breitere Einordnung, welcher Reifen überhaupt zu Ihrem Fahrzeug passt, bietet unsere Kaufberatung für SUV- und Offroad-Reifen.
Häufige Fragen
Darf ich eine Zollgröße durch eine metrische Größe ersetzen?
Nur, wenn die metrische Größe für Ihr Fahrzeug eingetragen oder ausdrücklich freigegeben ist. Ein ähnlicher Außendurchmesser allein genügt nicht — 31x10.50 R15 und 265/75 R15 unterscheiden sich um rund 9 Millimeter. Maßgeblich ist die Zulassungsbescheinigung, im Zweifel eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.
Was muss ich tun, wenn mein Auto schneller ist als der Q-Reifen?
Bei Winterreifen mit Alpine-Symbol und bei Geländereifen mit POR-Kennzeichnung erlaubt § 36 Absatz 5 StVZO die Kombination, wenn die niedrigere Höchstgeschwindigkeit im Blickfeld des Fahrers steht — per Schild, Aufkleber oder Anzeige im Fahrzeug — und im Betrieb nicht überschritten wird. Bei allen anderen Reifen gilt diese Erleichterung nicht.
Sind Geländereifen mit M+S automatisch wintertauglich?
Nein. Seit dem 1. Oktober 2024 gilt ein Reifen nur noch dann als Winterreifen, wenn er das Alpine-Symbol trägt; ein reines „M+S“ genügt nicht mehr (Quelle: ADAC). § 36 Absatz 4 StVZO knüpft die Einstufung ausdrücklich an das Alpine-Symbol nach UNECE-Regelung Nr. 117. Keiner unserer 81 POR-Reifen ist als Winterreifen eingestuft.