Geländereifen: Was 31x10.50 R15, POR und der Index Q bedeuten
Wer zum ersten Mal Reifen für einen Geländewagen, einen Pick-up oder einen älteren SUV sucht, stolpert über Angaben, die in keinem Pkw-Ratgeber vorkommen: eine Größe wie 31x10.50 R15 statt der gewohnten drei Zahlen, ein POR hinter dem Modellnamen, dazu ein Geschwindigkeitsindex, der schon bei 160 km/h endet. Das ist keine Nachlässigkeit der Hersteller, sondern eine eigene Systematik aus dem Gelände- und Nutzfahrzeugbereich. Dieser Beitrag erklärt die Angaben, an denen der Reifenkauf für Geländefahrzeuge am häufigsten scheitert — und welche davon sicherheitsrelevant ist.
Die Zollgröße: 31x10.50 R15 statt 265/75 R15
Die gewohnte Pkw-Größe nennt die Breite in Millimetern, dann das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent, dann den Felgendurchmesser in Zoll. Die Zollgröße am Geländereifen macht es anders: Sie nennt drei Maße, und alle drei in Zoll.
- 31 — der Außendurchmesser des montierten Reifens, also wie hoch er tatsächlich baut.
- 10.50 — die Breite des Reifens.
- R15 — Radialbauweise auf einer 15-Zoll-Felge.
Umgerechnet ergibt das ein Rad von 31 × 25,4 = 787,4 mm Außendurchmesser bei 266,7 mm Breite (10,50 Zoll). Zieht man die 15-Zoll-Felge (381 mm) ab und halbiert den Rest, bleibt eine Flankenhöhe von 203,2 mm — bezogen auf die Breite sind das rund 76 Prozent. Die nächstgelegene metrische Größe ist deshalb 265/75 R15: Sie kommt auf 778,5 mm Außendurchmesser und bleibt damit knapp 9 Millimeter flacher.
Genau darin liegt der praktische Vorteil dieser Schreibweise. Beim Geländefahrzeug interessiert vor allem, ob der Reifen noch in den Radkasten passt und wie viel Bodenfreiheit er bringt. Die Zollgröße beantwortet das direkt mit der ersten Zahl, während man es bei der metrischen Angabe erst ausrechnen muss — die 265/75 R15 verrät ihren Außendurchmesser eben nicht, sie verrät nur ein Verhältnis.
Diese knapp 9 Millimeter Unterschied sind übrigens kein reiner Zahlenwert. Ein größerer Außendurchmesser bedeutet einen größeren Abrollumfang, und der wirkt sich direkt auf die Tachoanzeige aus: Das Rad dreht sich pro Kilometer seltener, der Tacho zeigt also weniger an, als Sie tatsächlich fahren. Bei rund einem Prozent Abweichung ist das verkraftbar, bei den in der Szene beliebten Sprüngen auf deutlich größere Durchmesser jedoch nicht mehr. Auch deshalb ist die eingetragene Größe kein unverbindlicher Vorschlag.
Warum Zollgrößen durch fast jeden Größenfilter fallen
Hier lauert eine praktische Hürde, die viele Käufer ratlos zurücklässt. Wir haben für diesen Beitrag 3.380 lieferbare Ausführungen aus dem Bereich Offroad-Sommerreifen ausgewertet, aufgeschlüsselt nach Breite, Querschnitt und Zoll — und in dieser Auswertung tauchte keine einzige Zollgröße auf. Der Grund ist simpel: Ein Reifen der Größe 31x10.50 R15 hat keine Breitenangabe in Millimetern, an der ein klassischer Größenfilter greifen könnte. Wer 265 als Breite eingibt, sieht die Zollgrößen schlicht nicht.
Die Zollgrößen bilden faktisch ein zweites, paralleles Regal. Suchen Sie deshalb nicht über die Breite, sondern über die Größe im Wortlaut oder direkt über das Reifenmodell. Und rechnen Sie mit Varianten in der Schreibweise: In der Praxis stehen 31x10.50 R15 und 31×10.50 R15 nebeneinander — einmal mit dem Buchstaben x, einmal mit dem Mal-Zeichen —, ebenso ausgeschriebene und verkürzte Nachkommastellen wie 27x11.00 R14 gegenüber 27x11 R14. Findet die eine Schreibweise nichts, lohnt der zweite Versuch mit der anderen.
Verbreitet sind diese Größen keineswegs nur bei alten Geländewagen. In unserem Sortiment reichen sie von 27 bis 35 Zoll Außendurchmesser, wobei 30x9.50 R15 und 31x10.50 R15 die mit Abstand größte Auswahl bieten. Dazu kommt ein ganzer Bereich, in dem die Zollschreibweise die Regel und nicht die Ausnahme ist: Quad- und ATV-Reifen werden fast durchgängig so bemaßt, etwa als 27x9.00 R14 oder 29x11.00 R14. Wer dort sucht, sollte sich an die Systematik gewöhnen — Details dazu stehen in unserem Ratgeber zu Quad- und ATV-Reifen.
Tipp: Die maßgebliche Größe steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Felder 15.1/15.2). Sind für Ihr Fahrzeug Zollgrößen eingetragen, bleiben Sie bei Zollgrößen — ein metrischer Reifen mit ähnlichem Durchmesser ist nicht automatisch zulässig.
POR: Wenn das EU-Reifenlabel fehlen darf
Hinter manchen Modellnamen steht ein POR, teils auch als P.O.R. geschrieben. Das Kürzel steht für Professional Off Road und bezeichnet ausgesprochene Geländereifen. In unserem Sortiment sind das derzeit 29 lieferbare Ausführungen, überwiegend von Cooper.
Für den Vergleich beim Kauf hat diese Einstufung eine handfeste Folge: Diese Reifen brauchen kein EU-Reifenlabel. Die europäische Reifenkennzeichnungs-Verordnung nimmt sie ausdrücklich aus. In Artikel 2 Absatz 2 Buchstabe a heißt es wörtlich, die Verordnung gelte nicht für „Reifen für den harten Geländeeinsatz"; Artikel 3 Nummer 4 definiert diese als „einen Spezialreifen, der vor allem unter schweren Geländebedingungen zum Einsatz kommt" (Quelle: Verordnung (EU) 2020/740, EUR-Lex).
Praktisch heißt das: Bei einem POR-Reifen können Sie Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräusch nicht wie gewohnt über das EU-Reifenlabel gegeneinander abwägen — diese Werte müssen gar nicht erhoben werden. Wo bei einem solchen Reifen dennoch Labelwerte auftauchen, sollten Sie ihnen wenig Gewicht beimessen.
Das ist kein Mangel und kein Grund zur Sorge, sondern eine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers: Ein Reifen, der für schweres Gelände ausgelegt ist, ließe sich mit Prüfverfahren, die auf Asphalt gemessen werden, ohnehin nicht sinnvoll bewerten. Ein Mud-Terrain-Profil wird auf nasser Fahrbahn nie die Werte eines Straßenreifens erreichen — das ist seine Bauart, nicht sein Fehler. Ziehen Sie deshalb andere Kriterien heran: Profiltyp und Einsatzzweck, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, die Frage nach Schlamm- oder Schotteranteil an Ihrer üblichen Strecke, dazu Erfahrungsberichte. Wie sich die Profiltypen unterscheiden und wo ein grobes Profil an seine Grenzen kommt, lesen Sie in unserem Ratgeber zu Mud-Terrain-Reifen und ihren Einsatzgrenzen.
Der Geschwindigkeitsindex ist die eigentliche Falle
Das ist der Punkt, an dem aus einer Formalie ein Zulassungsproblem wird. Der Geschwindigkeitsindex, der letzte Buchstabe der Größenangabe, muss mindestens den Wert aus den Fahrzeugpapieren abdecken (Quelle: ADAC). Die im Geländebereich gängigen Stufen lauten: K = 110 km/h, N = 140 km/h, P = 150 km/h, Q = 160 km/h, S = 180 km/h, T = 190 km/h, H = 210 km/h (Quelle: Continental).
Der Begriff „Offroadreifen" führt dabei gründlich in die Irre. In unserer Auswertung von 3.379 Ausführungen trugen 78,3 Prozent den Index H oder schneller, allein 26,1 Prozent den Index Y. Es folgten V mit 19,4 und H mit 18,3 Prozent, dann W mit 14,5 Prozent. Die langsameren Stufen sind dagegen Randerscheinungen: T kam auf 8,6, S auf 7,0 und Q auf nur 5,0 Prozent, alles darunter blieb im Promillebereich. Der weitaus größte Teil dieses Segments besteht also aus schnellen Straßenreifen für SUV, die mit Gelände wenig zu tun haben — die Rubrik heißt „Offroad", meint aber überwiegend Fahrzeugklasse, nicht Einsatzzweck.
Sobald man aber auf die groben Geländeprofile schaut, dreht sich das Bild vollständig um. Von den 53 ausgewerteten Mud-Terrain-Ausführungen lag keine einzige über Q: 42 trugen Q (160 km/h), fünf N (140 km/h), vier P (150 km/h) und zwei K (110 km/h). Das ist keine Sparmaßnahme, sondern eine Folge der Bauart — die großen, offenen Stollen und die stabile Karkasse vertragen die Hitzeentwicklung bei Dauertempo nicht.
Daraus folgt die wichtigste Regel dieses Beitrags: Prüfen Sie vor dem Kauf eines groben Geländereifens die zulässige Höchstgeschwindigkeit Ihres Fahrzeugs. Ein SUV, der 190 km/h läuft, passt nicht ohne Weiteres zu einem Q-Reifen. Klären Sie die Kombination vorab anhand der Fahrzeugpapiere und, wenn nötig, mit einer Prüforganisation — nachträglich wird das deutlich unangenehmer.
Diese Falle ist besonders tückisch, weil sie sich innerhalb ein und derselben Größe auftut. In der Größe 31x10.50 R15 stehen die Indizes Q, R und S nebeneinander im Regal, ohne dass man den Unterschied dem Reifen ansieht. Zwei optisch ähnliche All-Terrain-Reifen können sich also um 20 km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit unterscheiden. Der letzte Buchstabe der Größenangabe gehört deshalb genauso zur Kaufentscheidung wie das Profil — und er ist der einzige Wert auf der Flanke, bei dem „ungefähr passend" nicht genügt.
LT, C, OWL und BSW: der Rest der Flanke
Vier weitere Kürzel begegnen Ihnen regelmäßig, und sie meinen sehr Unterschiedliches.
- LT steht für Light Truck, also Kleinlaster, und ist in der EU eher als C-Decke bekannt. Ein C nach der Tragfähigkeitsangabe kennzeichnet Nutzfahrzeugreifen mit höherer Belastbarkeit (Quelle: reifen.com). Beides zielt auf die Traglast, nicht auf das Profil.
- OWL (Outline White Letter) und BSW (Black Sidewall) betreffen dagegen ausschließlich die Optik der Flanke — erhabener weißer Schriftzug gegenüber durchgehend schwarzer Seitenwand. Technisch ist es derselbe Reifen; manche Modelle stehen deshalb in beiden Ausführungen im Regal.
Bei der Tragfähigkeit lohnt ein zweiter Blick, denn sie ist am Geländefahrzeug knapper bemessen als am Pkw. Geländewagen und Pick-ups sind schwer, werden häufig beladen und tragen nicht selten Anbauten wie Seilwinden, Schutzbleche oder ein Dachzelt — all das geht zulasten der Reserve. Der Tragfähigkeitsindex ist deshalb kein Wert, den man nach unten abrunden darf, auch nicht um ein paar Euro zu sparen. Aufschlussreich ist unsere Auswertung der Größe 31x10.50 R15: Alle 24 lieferbaren Ausführungen tragen denselben Tragfähigkeitsindex 109 — die Größe gibt die Traglast also faktisch vor. Unterschiede gibt es beim Geschwindigkeitsindex, wo Q, R und S nebeneinanderstehen, und beim Preis, der von 88,70 € bis 185,80 € reicht.
Welcher Geländereifen zu Ihrem Fahrzeug passt
Die Reihenfolge beim Kauf ist damit klar: zuerst die eingetragene Größe, dann Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex, erst danach der Profiltyp — und zuletzt der Preis. Drei lieferbare Beispiele aus der oben ausgewerteten Größe und dem POR-Bereich:
- Hifly AT601 31x10.50 R15 109R — der günstigste All-Terrain-Reifen dieser Größe, mit Index R (170 km/h).
- Toyo Open Country A/T+ 31x10.50 R15 109S — Index S (180 km/h) und damit die schnellere Alternative im selben Maß.
- Cooper Discoverer S/T Maxx POR 265/70 R16 121Q — ein ausgewiesener POR-Reifen in metrischer Größe, Index Q.
Wenn Sie ohnehin überwiegend auf Asphalt unterwegs sind, ist der grobe Geländereifen selten die richtige Wahl. Der Vergleich der Bauarten steht in unserem Ratgeber zum Highway-Terrain-Reifen als komfortable Straßenvariante sowie in der Einordnung, wann sich ein All-Terrain-Reifen im Alltag lohnt. Das gesamte Angebot finden Sie unter Offroad-Sommerreifen.
Fazit
Geländereifen folgen an drei Stellen einer eigenen Logik. Die Zollgröße nennt den Außendurchmesser direkt und taucht in normalen Größenfiltern nicht auf. Ein POR bedeutet, dass das EU-Reifenlabel gesetzlich nicht verlangt wird — der Vergleich muss anders laufen. Und der Geschwindigkeitsindex grober Profile endet in der Praxis bei 160 km/h, was zur Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs passen muss. Wer diese drei Punkte vor der Bestellung klärt, spart sich den Rest. Eine breitere Einordnung, welcher Reifen überhaupt zu Ihrem Fahrzeug passt, bietet unsere Kaufberatung für SUV- und Offroad-Reifen.
Häufige Fragen
Darf ich eine Zollgröße durch eine metrische Größe ersetzen?
Nur, wenn die metrische Größe für Ihr Fahrzeug eingetragen oder ausdrücklich freigegeben ist. Ein ähnlicher Außendurchmesser allein genügt nicht — 31x10.50 R15 und 265/75 R15 unterscheiden sich um rund 9 Millimeter. Maßgeblich ist die Zulassungsbescheinigung, im Zweifel eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.
Woran erkenne ich, ob mein Fahrzeug einen Q-Reifen verträgt?
Vergleichen Sie die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit in den Fahrzeugpapieren mit den 160 km/h des Q-Index. Liegt das Fahrzeug darüber, ist die Kombination nicht ohne Weiteres zulässig; lassen Sie sie vorab prüfen.
Sind Geländereifen mit M+S automatisch wintertauglich?
Nein. Seit dem 1. Oktober 2024 gilt ein Reifen nur noch dann als Winterreifen, wenn er das Alpine-Symbol trägt; ein reines „M+S" genügt nicht mehr (Quelle: ADAC).