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SUV & Offroad

Quad- und ATV-Reifen: Größen, Lagen und Straßenzulassung richtig verstehen

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
Quad mit grobstolligen All-Terrain-Reifen auf einem Waldweg (KI-generiert, OpenAI)
Quad mit grobstolligen All-Terrain-Reifen auf einem Waldweg (KI-generiert, OpenAI)

Quad- und ATV-Reifen folgen eigenen Regeln: Die Größenangaben sehen anders aus als beim Auto, der Luftdruck ist überraschend niedrig, und ob ein Reifen überhaupt auf die Straße darf, entscheidet eine kleine Kennzeichnung an der Flanke. Wer das einmal verstanden hat, findet schnell den passenden Reifen für sein Fahrzeug und seinen Einsatzzweck. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, worauf es ankommt.

Was Quad- und ATV-Reifen besonders macht

Ein Quad oder ATV (All-Terrain Vehicle) ist deutlich leichter als ein Auto, fährt langsamer und bewegt sich oft abseits befestigter Wege. Entsprechend anders sind die Reifen aufgebaut: Sie haben kleine Felgendurchmesser (häufig 6 bis 14 Zoll), grobe Stollenprofile für Grip auf losem Untergrund und laufen mit sehr niedrigem Luftdruck, damit die Aufstandsfläche groß und der Grip hoch bleibt.

Zwei Dinge sind beim Kauf besonders wichtig: Die Größe muss exakt passen (Felge und Fahrzeug), und der Reifen muss zu Ihrem Einsatz passen — also Straße, gemischtes Gelände, Schlamm, Sand oder Rasen. Bei einem zugelassenen Quad kommt ein dritter Punkt hinzu, an dem viele scheitern: die Straßenzulassung des Reifens.

Reifengröße lesen: Zoll-Format und metrisches Format

Quad- und ATV-Reifen gibt es in zwei Größensystemen. Beide stehen an der Reifenflanke und meinen denselben Reifen — nur die Schreibweise unterscheidet sich.

Das Zoll-Format (z. B. 25x8-12)

Dieses amerikanisch geprägte Format ist bei Quad- und ATV-Reifen am häufigsten. Es ist aufgebaut als Außendurchmesser × Breite − Felgendurchmesser, und zwar komplett in Zoll:

  • 25 = Außendurchmesser (Höhe) des Reifens in Zoll
  • 8 = Reifenbreite in Zoll
  • 12 = Felgendurchmesser in Zoll

Ein Reifen „25x8-12" ist also rund 25 Zoll hoch, 8 Zoll breit und passt auf eine 12-Zoll-Felge. Steht zwischen Breite und Felge ein R (z. B. „27x11.00R12"), handelt es sich um einen Radialreifen; ein einfacher Bindestrich steht für die Diagonalbauweise (mehr dazu weiter unten).

Das metrische Format (z. B. 145/70-6)

Daneben gibt es die metrische Schreibweise, die Sie schon vom Auto und vom Motorrad kennen — Breite in Millimeter / Querschnittsverhältnis in Prozent − Felgendurchmesser in Zoll:

  • 145 = Reifenbreite in Millimeter
  • 70 = Höhe der Flanke in Prozent der Breite (hier 70 % von 145 mm ≈ 102 mm)
  • 6 = Felgendurchmesser in Zoll

Die ausführliche Logik hinter diesen Zahlen erklären wir im Beitrag Reifengröße ablesen. Welches Format Sie brauchen, gibt das Fahrzeug bzw. die Felge vor — kaufen Sie immer exakt die Größe, die in den Fahrzeugpapieren oder auf dem Altreifen steht.

Lastindex und Geschwindigkeitssymbol (z. B. 28F, 51N)

Hinter der Größe folgt oft eine Kombination aus Zahl und Buchstabe, etwa 28F oder 51N. Sie funktioniert wie bei Auto- und Motorradreifen:

  • Die Zahl ist der Lastindex (Tragfähigkeit je Reifen). Beispiel: Lastindex 56 entspricht 224 kg, Lastindex 82 rund 475 kg pro Reifen.
  • Der Buchstabe ist das Geschwindigkeitssymbol. Bei Quad-Reifen ist es typischerweise niedrig: F = bis 80 km/h, N = bis 140 km/h.

Gerade das Geschwindigkeitssymbol wird oft unterschätzt: Viele Gelände- und Sportreifen sind nur für niedrige Geschwindigkeiten freigegeben. Wie Last- und Geschwindigkeitsindex im Detail zusammenhängen, lesen Sie in unserem Ratgeber Lastindex und Geschwindigkeitsindex.

PR-Lagen: Was „2PR", „4PR" und „6PR" bedeuten

Die Angabe PR (Ply Rating, „Lagen") beschreibt die Robustheit der Karkasse. Der Begriff stammt aus der Zeit, als man die Zahl der Gewebelagen im Reifen tatsächlich zählte. Heute ist es ein Vergleichswert für Tragfähigkeit und Flankensteifigkeit:

  • Niedrige PR-Zahl (z. B. 2PR): leichter, komfortabler, weicher — gut für leichte Fahrzeuge und schonendes Fahren.
  • Hohe PR-Zahl (z. B. 6PR oder 8PR): steifere Flanken, höhere Tragfähigkeit, besserer Schutz gegen Durchstiche und Einrisse — dafür härter und weniger komfortabel.

Für reine Freizeitfahrten reicht oft eine niedrige Lagenzahl; wer schwer belädt, im steinigen Gelände oder mit Anbaugeräten arbeitet, ist mit mehr Lagen besser bedient.

Diagonal oder Radial, schlauchlos oder mit Schlauch

Die meisten Quad- und ATV-Reifen sind Diagonalreifen (Bias-Bauweise) — robust, gutmütig und günstig. Radialreifen (Kennung R in der Größe) bieten bei höheren Geschwindigkeiten und auf der Straße oft mehr Laufruhe und gleichmäßigeren Verschleiß, sind aber teurer.

An der Flanke finden Sie außerdem die Kennung TL (Tubeless, schlauchlos) oder TT (Tube Type, mit Schlauch). Die meisten modernen ATV-Reifen sind schlauchlos. Wie Schlauch und Reifenbauart zusammenspielen, haben wir am Beispiel Motorrad im Beitrag Enduro- und Adventure-Reifen erklärt — das Prinzip gilt sinngemäß auch fürs Quad.

Vorder- und Hinterreifen: oft nicht gleich

Viele Quads fahren vorn und hinten unterschiedliche Reifen. Vorderreifen sind häufig schmaler und auf präzises Lenken ausgelegt, Hinterreifen breiter und auf Traktion und Tragfähigkeit. Manche Profile sind zusätzlich laufrichtungsgebunden — dann zeigt ein Pfeil an der Flanke die vorgesehene Drehrichtung an. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihr Fahrzeug einen einheitlichen Satz nutzt oder getrennte Vorder- und Hinterreifen, und montieren Sie laufrichtungsgebundene Reifen korrekt.

Profil und Einsatzzweck: Sport, All-Terrain, Schlamm, Sand, Rasen

Das Profil entscheidet, wie gut der Reifen zu Ihrem Untergrund passt:

  • Sport / Straße: flacheres, eng stehendes Profil für festen, harten Boden und Asphalt — präzise und laufruhig, aber wenig Selbstreinigung im Matsch.
  • All-Terrain / Allround: der gemischte Kompromiss für Wege, Wiese und leichtes Gelände — die richtige Wahl für die meisten Freizeit- und Arbeitsquads.
  • Schlamm (Mud): grobe, weit auseinanderstehende Stollen, die sich selbst reinigen und im Morast graben.
  • Sand: glatte Paddel-Profile (Paddle), die im Dünensand schaufeln statt zu wühlen.
  • Rasen / Turf: flaches, schonendes Profil mit geringem Bodendruck — für Aufsitzmäher und gepflegte Flächen, die nicht beschädigt werden sollen.

Ein Allround- oder All-Terrain-Profil ist für die meisten Fahrer die sinnvollste Wahl, weil es viele Untergründe ordentlich abdeckt, ohne in einer Disziplin völlig zu versagen.

Der richtige Reifendruck — meist erstaunlich niedrig

Quad- und ATV-Reifen laufen mit deutlich weniger Luftdruck als Autoreifen. Üblich sind grob 0,3 bis 0,7 bar (etwa 5 bis 10 psi) — der genaue Wert steht in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs. Faustregeln aus der Praxis:

  • Im Gelände fährt man eher weniger Druck (mehr Aufstandsfläche, mehr Grip, mehr Komfort), auf der Straße und bei Last eher etwas mehr.
  • Hinterreifen tragen oft mehr Gewicht und brauchen dann minimal mehr Druck als die Vorderreifen.
  • Der auf der Flanke angegebene Druck ist der Maximaldruck, nicht der Sollwert — überschreiten Sie ihn nicht.

Wichtig: Wegen der niedrigen Werte brauchen Sie ein fein dosierbares Niederdruck-Manometer — normale Auto-Manometer sind in diesem Bereich zu ungenau. Prüfen Sie den Druck am kalten Reifen. Zu wenig Druck kann dazu führen, dass der Reifen bei seitlicher Belastung von der Felge springt.

Straßenzulassung: NHS oder E-Kennzeichnung?

Das ist der Punkt, an dem es teuer werden kann. In Deutschland zugelassene Quads gelten als Kraftfahrzeuge (Fahrzeugklasse L) und brauchen im Straßenverkehr zugelassene Reifen. Zwei Kennungen entscheiden:

  • E-Kennzeichnung (ein „E" mit einer Zahl, z. B. E4): Der Reifen ist nach der ECE-Regelung Nr. 75 genehmigt und damit grundsätzlich für den Straßenverkehr zugelassen.
  • NHS = „Not for Highway Service": Dieser Reifen ist nicht für öffentliche Straßen bestimmt, sondern nur für geschlossenes Gelände, Wettbewerb oder rein land-/forstwirtschaftliche Nutzung. Die ECE-Regelung Nr. 75 nimmt NHS-Reifen ausdrücklich aus.

Ob ein bestimmter Reifen auf Ihr Quad darf, regelt letztlich die Reifenfreigabe bzw. die Eintragung in den Fahrzeugpapieren — montieren Sie nur Reifen, die für Ihr Fahrzeug zugelassen und freigegeben sind. Wer mit NHS-Reifen oder nicht freigegebener Bereifung auf der Straße erwischt wird, riskiert Bußgeld, den Verlust der Betriebserlaubnis und Ärger mit der Versicherung. Die rechtlichen Grundlagen finden Sie im UNECE-Regelwerk (ECE-R75) sowie in unserem Überblick Reifen und Gesetz. Übrigens altert auch ein wenig gefahrener Quad-Reifen — wie Sie das Reifenalter erkennen, zeigt der Beitrag Reifenalter und DOT-Nummer.

Passende Quad- und ATV-Reifen im Shop finden

In unserem Sortiment für Quad- und ATV-Reifen finden Sie Modelle für die typischen Felgengrößen und Einsatzzwecke. Drei Beispiele, die die verschiedenen Schreibweisen schön zeigen:

Achten Sie beim Bestellen immer auf die exakte Größe, die passende Lagenzahl (PR) und — bei zugelassenen Quads — auf die E-Kennzeichnung.

Fazit

Quad- und ATV-Reifen sind kein Hexenwerk, wenn man die vier wichtigen Punkte kennt: die Größe (Zoll- oder metrisches Format, exakt nach Fahrzeug), die Lagenzahl und Bauart (PR, Diagonal/Radial), den niedrigen Luftdruck nach Herstellervorgabe und — entscheidend für die Straße — die E-Kennzeichnung statt NHS. Wählen Sie das Profil nach Ihrem Hauptuntergrund, und im Zweifel ist ein All-Terrain-Reifen die sicherste Allroundwahl. Passende Reifen finden Sie in unserem Quad- und ATV-Sortiment.

Häufige Fragen

Wie lese ich die Größe 25x8-12 bei einem Quad-Reifen?

Im Zoll-Format steht die erste Zahl für den Außendurchmesser (Höhe), die zweite für die Breite und die dritte für den Felgendurchmesser — alle in Zoll. „25x8-12" ist also rund 25 Zoll hoch, 8 Zoll breit und passt auf eine 12-Zoll-Felge.

Was bedeutet PR bei ATV-Reifen?

PR steht für „Ply Rating" (Lagen) und beschreibt die Robustheit und Tragfähigkeit der Karkasse. Je höher die PR-Zahl, desto steifer und widerstandsfähiger der Reifen — dafür etwas härter und weniger komfortabel.

Welchen Luftdruck brauchen Quad-Reifen?

Deutlich weniger als Autoreifen, meist rund 0,3 bis 0,7 bar (etwa 5 bis 10 psi). Der genaue Wert steht in der Bedienungsanleitung. Messen Sie am kalten Reifen mit einem fein dosierbaren Niederdruck-Manometer.

Darf ich NHS-Reifen auf der Straße fahren?

Nein. NHS bedeutet „Not for Highway Service" — diese Reifen sind nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Für ein zugelassenes Quad brauchen Sie Reifen mit E-Kennzeichnung (nach ECE-R75), die für Ihr Fahrzeug freigegeben sind.

Brauchen Quads vorne und hinten unterschiedliche Reifen?

Oft ja. Viele Quads nutzen vorn schmalere Lenkreifen und hinten breitere Reifen mit mehr Traktion. Manche Profile sind zudem laufrichtungsgebunden. Prüfen Sie die Vorgaben Ihres Fahrzeugs und die Drehrichtungspfeile an der Flanke.

Schlagwörter: Quad ATV Offroad Reifengröße Straßenzulassung Reifendruck

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