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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Heidenau verstehen: Was K-Nummer, SiO2 und Snowtex über den Zweiradreifen sagen

· 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 24.07.2026
Mechaniker mit Enduro-Reifen auf Speichenfelge in der Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Mechaniker mit Enduro-Reifen auf Speichenfelge in der Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

Wer bei uns nach einem Reifen für Roller, Moped oder Motorrad sucht, stolpert früher oder später über Bezeichnungen wie K 34, K 66 M+S Snowtex oder K 60 M+S SiO2. Was davon ist der Reifentyp, was die Mischung, was die Winterkennung – und heißt eine höhere Nummer, dass der Reifen neuer oder besser ist? Wir haben unser Heidenau-Sortiment vollständig ausgezählt und die technischen Erklärungen beim Hersteller selbst nachgeschlagen. Das Ergebnis ist ein Namenssystem, das sich in wenigen Minuten verstehen lässt – und das Ihnen beim Kauf mehr hilft als jede Sternebewertung.

Ein Reifenwerk in Sachsen, das fast nur Zweiräder baut

Heidenau ist kein Handelsname, sondern ein Ort: Die Reifenwerk Heidenau GmbH & Co. KG produziert südlich von Dresden. Nach eigener Darstellung wurde das Unternehmen 1946 als VEB Heidenauer Gummiwerke gegründet, 1969 in das Pneumant-Reifenkombinat eingegliedert und 1994 nach der Übernahme durch Gummi-Hansen unter der alten Marke neu aufgebaut. Heute entwickeln, fertigen und prüfen dort laut Hersteller knapp 200 Mitarbeitende über 550 Artikel am Standort Deutschland; das Qualitätsmanagement ist seit 1996 nach ISO 9001 zertifiziert.

Interessanter als die Firmengeschichte ist für Sie aber, was dort gebaut wird. In unserem Shop haben wir am 19. Juli 2026 384 lieferbare Heidenau-Ausführungen in 83 Profilvarianten gezählt – und darunter ist kein einziger Pkw-Reifen. Die Verteilung: 178 Ausführungen für Mofa, Moped und Roller, 125 für Motorrad-Straße, 81 für Motorrad-Enduro. Das ist die eigentliche Besonderheit dieser Marke. Während die großen Konzerne ihr Geld mit Pkw-Reifen verdienen und Zweiräder nebenher bedienen, ist die Kleinkraftrad-Bereifung hier das Kerngeschäft – mit einer Dimensionsdichte, die man sonst kaum findet. Für Fahrerinnen und Fahrer älterer Mopeds, Simson-Modelle, Roller oder Klassiker ist das oft der entscheidende Punkt: Es gibt die Größe überhaupt noch, und zwar neu.

Preislich bewegt sich das Sortiment im bodenständigen Bereich. Der Median liegt bei rund 80 Euro pro Reifen, der günstigste lieferbare Heidenau kostet 38,70 Euro, und gut zwei Drittel aller Ausführungen bleiben unter 100 Euro; 98 Prozent liegen unter 250 Euro. Ein Rollerreifen für unter 50 Euro ist hier also keine Ausnahme, sondern der Normalfall.

Was die K-Nummer verrät – und was nicht

Die wichtigste Erkenntnis zuerst: Die Zahl hinter dem K ist eine laufende Profilbezeichnung des Werks, kein Qualitäts- und kein Generationsrang. In unserem Sortiment reicht die Spanne von K 3 bis K 81, quer über alle Fahrzeugklassen und Bauartjahrzehnte. Ein K 80 ist nicht der Nachfolger des K 66, und ein K 34 ist nicht schlechter als ein K 65 – die beiden sind schlicht für verschiedene Räder gemacht. Wer die Nummer als Rangliste liest, kauft am Bedarf vorbei.

Was die Nummer stattdessen leistet: Sie identifiziert ein Profil, also die Lauffläche mit ihrem Einsatzzweck. Und darum ist ein und dieselbe Nummer oft eine ganze Familie. Das K 66 ist mit 42 Ausführungen die größte Profilfamilie in unserem Heidenau-Bestand – und es taucht sowohl in der Rubrik Mofa/Moped/Roller als auch bei den Motorrad-Straßenreifen auf, je nach Größe und Freigabe. Das K 65 ist mit 21 Ausführungen der Klassiker unter den Straßenprofilen und lebt vor allem in Zollgrößen wie 3.00-18 oder 3.50-18, wie sie an älteren Maschinen sitzen.

Besonders aufpassen sollten Sie dort, wo ein Zusatzwort die Nummer erweitert. K 60, K 60 Scout und K60 Ranger sind drei verschiedene Reifen, nicht drei Größen desselben. Das K 60 Scout ist der bekannte Adventure-Reifen mit hohem Straßenanteil, den wir in einem eigenen Beitrag ausführlich vorgestellt haben; das schlichte K 60 und das K60 Ranger stehen als eigene Enduro-Profile daneben, mit eigenen Größen und eigenen Preisen. Wenn Sie also einen bestimmten Reifen nachkaufen wollen, notieren Sie sich die vollständige Bezeichnung von der Flanke – Nummer plus Zusatz plus Größe. Nur die Nummer allein führt regelmäßig zum falschen Artikel.

SiO2 und Snowtex: zwei Wege zum Winterreifen fürs Zweirad

Zwei Zusätze tauchen im Sortiment auffällig oft auf, und beide bedeuten dasselbe Ziel mit unterschiedlicher Technik: Wintertauglichkeit. Der Hersteller erklärt beide in seinem technischen Reifenlexikon selbst.

SiO2 steht für Silica, also Kieselsäure in der Laufflächenmischung. Heidenau beschreibt diese Reifen als Winterentwicklung auf Basis von Enduro-Profilen mit höherem Negativanteil – also mit mehr offener Fläche zwischen den Profilblöcken, damit sich der Reifen selbst reinigt. Die Kombination aus offenem Profil und für den Wintereinsatz weiterentwickelter Silica-Mischung soll bei niedrigen Temperaturen spürbar bessere Nass- und Trockenhaftung sowie ein besseres Bremsverhalten bringen als die Standardausführung. Reifen mit dieser Mischung tragen laut Hersteller die Kennung SiO2 auf der Flanke. In unserem Bestand sind das 18 Ausführungen, überwiegend im Motorrad- und Enduro-Bereich.

Snowtex löst dieselbe Aufgabe anders, nämlich über den Aufbau der Lauffläche. Nach Herstellerangaben besteht sie aus zwei Schichten: einer Unterplatte mit normaler Mischung und einer darüberliegenden Duplexplatte aus faserverstärktem Protektorgummi. Die darin enthaltene Silica-Mischung ist auf geringe Temperaturen ausgelegt und erreicht eine hohe Kälteelastizität; die eingearbeiteten Gewebefasern erzeugen zusätzlich eine raue Oberflächenstruktur, die den Grip auf glatter Fahrbahn erhöhen soll. Mit 42 Ausführungen ist Snowtex im Sortiment deutlich verbreiteter als SiO2 – und liegt fast vollständig im Roller- und Mopedbereich.

Als Faustregel können Sie sich merken: Snowtex ist die Winterantwort für Roller und Moped, SiO2 die für Motorrad und Enduro. Und weil das erfahrungsgemäß die erste Rückfrage ist: Der Winteraufpreis ist überschaubar, kann aber auch verschwinden. Das K 66 in 80/80-16 kostet bei uns 51,40 Euro, dieselbe Größe als K 66 M+S Snowtex 58,70 Euro – gut sieben Euro mehr. Umgekehrt ist das K 60 M+S SiO2 in 90/90-21 mit 71,20 Euro sogar günstiger als das K 60 Scout in derselben Größe mit 93,80 Euro. Der Zusatz ist also kein verlässlicher Preisindikator; es lohnt sich, beide Varianten nebeneinander aufzurufen.

M+S, TT und TL: die Kürzel, die über Montage und Winter entscheiden

Neben den Mischungskennungen tragen viele Heidenau-Reifen weitere Kürzel, und zwei davon haben handfeste praktische Folgen.

M+S finden Sie bei 66 der von uns gezählten Ausführungen. Es steht für „Matsch und Schnee" – ist aber eine reine Herstellerangabe ohne genormtes Prüfverfahren. Das gesetzlich definierte Winterkennzeichen ist ein anderes: Nach § 36 Absatz 4 StVZO sind Reifen für winterliche Wetterverhältnisse solche, die mit dem Alpine-Symbol – dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke nach UNECE-Regelung 117 – gekennzeichnet sind. M+S allein sagt also, wofür der Hersteller den Reifen vorgesehen hat, nicht, dass er ein Prüfverfahren bestanden hat. Beim Zweirad ist das weniger dramatisch als beim Auto, weil es hier keine vergleichbare Winterreifenpflicht gibt – ein Kaufargument sollte das Kürzel für sich genommen trotzdem nicht sein.

TT und TL entscheiden dagegen darüber, ob Sie einen Schlauch brauchen. Heidenau definiert das eindeutig: Bei einem Reifen mit der Bezeichnung TT (Tubetype) ist die Verwendung eines Schlauches vorgeschrieben, ein TL-Reifen (Tubeless) darf auf geeigneter Felge ohne Schlauch gefahren werden – wobei der Hersteller Schläuche in seinen schlauchlosen Reifen ausdrücklich zulässt. Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie vor der Bestellung, was auf Ihrer Flanke steht, und rechnen Sie bei TT den Schlauch gleich mit ein. Welcher Schlauch zu welcher Größe und welchem Ventil passt, haben wir in einem eigenen Ratgeber zu Motorrad-Schläuchen aufgeschrieben.

Ein drittes Detail führt regelmäßig zu Verwirrung, ist aber schnell erklärt: die Bauart in der Größenangabe. Ein Bindestrich wie in 3.50-18 oder 130/70-17 kennzeichnet laut Hersteller einen Diagonalreifen, ein „B" wie in 140/70 B 16 einen Diagonalgürtelreifen mit zusätzlichen Gürtellagen. Ein „R" stünde für Radial. Weil ein großer Teil des Heidenau-Sortiments klassische Zweiräder bedient, sind Diagonalgrößen hier viel häufiger als im Pkw-Regal – und sie lassen sich nicht beliebig gegen Radialreifen tauschen. Wie Sie die komplette Größenangabe Ziffer für Ziffer entziffern, erklärt unser ausführlicher Ratgeber zum Ablesen der Reifengröße.

So finden Sie den passenden Heidenau

Die Reihenfolge, die in der Praxis am zuverlässigsten funktioniert, ist immer dieselbe – und sie beginnt nicht beim Profil.

  1. Größe und Indizes aus den Fahrzeugpapieren übernehmen. Maßgeblich sind die eingetragene Reifengröße samt Trag- und Geschwindigkeitsindex. Achten Sie dabei auf eine mögliche Fabrikatsbindung: Steht im Fahrzeugschein neben der Größe ein bestimmtes Fabrikat oder Profil, ist die Auswahl eingeschränkt.
  2. Bauart abgleichen. Diagonal, Diagonalgürtel oder Radial – erkennbar am Bindestrich, am „B" oder am „R".
  3. Rubrik wählen. Straße, Enduro oder Roller entscheidet über den Charakter weit stärker als die K-Nummer.
  4. Erst zum Schluss den Zusatz. Winterbetrieb geplant? Dann Snowtex beim Roller, SiO2 beim Motorrad – und beide Preise vergleichen.
  5. Bei Abweichung von der Originalgröße: Freigabe prüfen. Heidenau stellt Herstellerbescheinigungen und Bereifungsempfehlungen bereit; ohne passende Freigabe sollten Sie die Originalbereifung behalten.

Einen Punkt sollten Sie dabei nicht überlesen, weil er oft falsch erinnert wird: die Mindestprofiltiefe. Sie beträgt nach § 36 Absatz 3 StVZO grundsätzlich 1,6 Millimeter – „jedoch genügt bei Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Leichtkrafträdern eine Profiltiefe von mindestens 1 mm". Für Ihr Moped gilt also tatsächlich die niedrigere Grenze. Das ist allerdings das gesetzliche Minimum, keine Empfehlung: Bei Nässe und Schneematsch lässt die Wasserverdrängung schon deutlich früher nach, und gerade beim Zweirad hängt viel an wenigen Quadratzentimetern Aufstandsfläche.

Wenn Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen wollen, sind das drei typische Vertreter aus den drei Familien: der Heidenau K 66 80/80-16 46J als Roller-Allrounder, der Heidenau K 65 3.50-18 56H als klassischer Straßenreifen und der Heidenau K 60 Scout 90/90-21 54T für Reise-Enduros. Das komplette Angebot sortiert nach Einsatzzweck finden Sie bei den Reifen für Mofa, Moped und Roller, den Motorrad-Straßenreifen und den Enduro- und Crossreifen. Wer tiefer in das bekannteste Modell der Marke einsteigen will, findet die Details im ausführlichen Porträt des Adventure-Klassikers K 60 Scout; grundsätzliche Fragen zu Größen, Luftdruck und Vorschriften am Kleinkraftrad klärt unser Ratgeber für Roller- und Mopedreifen.

Unterm Strich ist Heidenau eine Marke, die man verstehen muss, um sie richtig zu kaufen: Die K-Nummer ist eine Adresse, kein Urteil. Wer Größe, Bauart und Einsatzzweck sauber trennt und den Zusatz bewusst wählt, bekommt für erstaunlich wenig Geld einen in Deutschland gefertigten Reifen – oft in Dimensionen, die sonst niemand mehr anbietet.

Häufige Fragen

Ist ein Reifen mit höherer K-Nummer der neuere oder bessere?

Nein. Die Nummer ist eine werksinterne Profilbezeichnung ohne Rangfolge. K 80 ist kein Nachfolger von K 66, und beide können nebeneinander im aktuellen Programm stehen. Vergleichen Sie stattdessen Einsatzzweck, Rubrik und Größe.

Worin unterscheiden sich SiO2 und Snowtex?

Beide zielen auf Wintertauglichkeit, setzen aber unterschiedlich an. SiO2 bezeichnet laut Hersteller eine Silica-Wintermischung auf Basis offener Enduro-Profile und ist auf der Flanke gekennzeichnet. Snowtex bezeichnet eine zweischichtige Lauffläche mit faserverstärktem Protektorgummi. Im Sortiment ist Snowtex vor allem beim Roller zu finden, SiO2 beim Motorrad.

Brauche ich bei meinem Heidenau einen Schlauch?

Das hängt an der Kennung: Bei TT (Tubetype) ist ein Schlauch vorgeschrieben, bei TL (Tubeless) darf der Reifen auf geeigneter Felge ohne gefahren werden. Der Hersteller lässt Schläuche in seinen schlauchlosen Reifen zusätzlich zu. Entscheidend ist immer die Angabe auf Reifen und Felge.

Schlagwörter: Heidenau Motorradreifen Rollerreifen Winterreifen Reifenkennzeichnung

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