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Reifengrößen & Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

Reifengröße ablesen: Was die Zahlen und Buchstaben auf der Reifenflanke bedeuten

· 16 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 15.09.2026
Hand zeigt auf die Seitenwand eines Pkw-Reifens im Reifenfachgeschäft (KI-generiert, OpenAI)
Hand zeigt auf die Seitenwand eines Pkw-Reifens im Reifenfachgeschäft (KI-generiert, OpenAI)

Auf jeder Reifenflanke steht eine kompakte Zeichenfolge wie 205/55 R16 91V. Die meisten Autofahrerinnen und Autofahrer halten sie für eine Herstellerangabe unter vielen. Tatsächlich ist sie ein gesetzlich vorgeschriebener Pflichtaufdruck — und sie verrät alles, was für den richtigen Reifenkauf zählt: Breite, Flankenhöhe, Bauart, Felgendurchmesser, Tragfähigkeit und zulässige Höchstgeschwindigkeit. Dieser Ratgeber erklärt die Zeichenfolge von links nach rechts, ordnet die acht weiteren Schreibweisen ein, die im Regal tatsächlich vorkommen, und zeigt, wo verbindlich steht, welche Größe Ihr Fahrzeug fahren darf.

Warum überhaupt etwas auf der Flanke steht — und was dort stehen muss

Der Aufdruck ist kein Brauch der Branche, sondern eine Pflicht. § 36 Absatz 7 der StVZO verlangt wörtlich, dass Reifenhersteller und Reifenerneuerer Luftreifen für Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h „mit ihrer Fabrik- oder Handelsmarke sowie mit Angaben kennzeichnen, aus denen Reifengröße, Reifenbauart, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskategorie, Herstellungs- bzw. Reifenerneuerungsdatum hervorgehen“. Die Art und Weise dieser Angaben, ergänzt der Absatz, werde im Verkehrsblatt bekannt gegeben.

Diese eine Vorschrift erklärt die Flanke vollständig. Sie nennt fünf Pflichtangaben plus die Marke — und genau diese fünf finden Sie auf jedem zulassungsfähigen Reifen wieder, in fester Reihenfolge und in einer Schreibweise, die nicht der Hersteller erfindet. Deshalb können Sie einen Reifen aus Japan, Rumänien oder der Türkei mit demselben Blick lesen: Die Zeichenfolge ist genormt, nicht gestaltet.

Es lohnt sich, die fünf Pflichtangaben einmal bewusst durchzugehen, weil sie zugleich die Gliederung jeder Kaufentscheidung sind. Die Reifengröße legt fest, ob der Reifen überhaupt auf Ihr Fahrzeug passt. Die Reifenbauart entscheidet, ob er mit den übrigen Rädern kombiniert werden darf. Tragfähigkeit und Geschwindigkeitskategorie bestimmen, ob er den Belastungen Ihres Autos gewachsen ist. Und das Herstellungsdatum verrät, wie alt er ist — nachzulesen in der DOT-Nummer, deren Aufbau wir im Beitrag Reifenalter an der DOT-Nummer ablesen Ziffer für Ziffer erklären. Alles andere, was Sie sonst noch auf der Seitenwand entdecken, ist Zusatzinformation; einen Überblick über alle Symbole und Kürzel der Seitenwand gibt ein eigener Ratgeber.

205/55 R16 91V: die Zeichenfolge in ihrer festen Reihenfolge

Nehmen wir die in unserem Sortiment mit Abstand häufigste Pkw-Größe. Am Stichtag 14. September 2026 standen allein in 205/55 R16 genau 850 lieferbare Reifen im Regal — keine andere Dimension kommt auf annähernd so viele Ausführungen. So zerlegen Sie die Angabe von links nach rechts:

  • 205 — Nennbreite des Reifens in Millimetern
  • 55 — Querschnitt, also das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent
  • R — Bauart: Radialreifen
  • 16 — Felgendurchmesser in Zoll
  • 91 — Tragfähigkeitskennzahl, der sogenannte Lastindex
  • V — Geschwindigkeitskategorie

Die Reihenfolge ist unveränderlich, und das ist der praktische Kern: Sie müssen sich nicht merken, was wo steht, sondern nur, dass vor dem Schrägstrich immer Millimeter stehen, dahinter immer Prozent und dass die Zahl nach dem Bauartbuchstaben immer Zoll meint. Wer diese drei Anker kennt, liest jede Größe richtig — auch eine, die er noch nie gesehen hat.

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Leerzeichen. Ob ein Reifen mit 205/55R16, mit 205/55 R16 oder mit 205/55 R 16 beschriftet ist, hat keinerlei Bedeutung; die Hersteller setzen den Abstand unterschiedlich. Ebenso wenig sagt die Groß- oder Kleinschreibung etwas aus. Entscheidend sind allein die Zahlen und der Bauartbuchstabe. Die folgenden Abschnitte gehen jede Position einzeln durch.

Die Breite: 25 Werte, alle im Zehnerschritt

Die erste Zahl ist die Nennbreite in Millimetern, gemessen von Flanke zu Flanke am montierten, korrekt befüllten Reifen — nicht die Breite der Lauffläche, die deutlich schmaler ausfällt. Der ADAC-Ratgeber zur Reifenkennzeichnung (Seitenstand 4. April 2025) nennt für Pkw eine gängige Spanne von nominell 125 bis etwa 335 Millimetern.

Unsere eigene Auszählung zeigt, wie eng dieses Raster tatsächlich ist. Über alle Pkw-Reifen im Katalog hinweg kommen nur 25 verschiedene Breiten vor, und zwar von 115 bis 355 Millimetern — lückenlos im Zehnerschritt: 115, 125, 135 und so weiter bis 355. Es gibt keine 210er, keine 218er und keine 230er. Die Breite ist also kein frei wählbarer Wert, sondern eine kurze, feste Liste. Wer eine Größe im Kopf aufrundet, landet fast immer bei einer Dimension, die es nicht gibt.

Praktisch bedeutet eine größere Zahl mehr Aufstandsfläche, tendenziell mehr Seitenhalt und einen höheren Preis — aber auch mehr Rollwiderstand und mehr Aquaplaning-Neigung bei gleichem Wasserstand. Welche Abwägung im Alltag wirklich trägt, behandelt der Ratgeber breite oder schmale Reifen ausführlich. Und weil die Breite immer zur Felge passen muss, lohnt vor jedem Wechsel ein Blick darauf, welche Reifenbreite auf welche Felge passt — die Maulweite der Felge begrenzt das Fenster oft enger, als die Fahrzeugpapiere vermuten lassen.

Der Querschnitt: ein Prozentwert, kein Millimetermaß

Die zweite Zahl ist die am häufigsten falsch gelesene der ganzen Zeichenfolge. Sie ist kein Absolutmaß, sondern ein Prozentwert: die Höhe der Reifenflanke im Verhältnis zur Breite. Bei 205/55 ist die Flanke also 55 Prozent von 205 Millimetern hoch, das sind 112,75 Millimeter. Daraus folgt etwas, das im Alltag regelmäßig überrascht: Ein 225/55 R16 hat bei identischer Querschnittszahl eine höhere Flanke als ein 205/55 R16, nämlich 123,75 statt 112,75 Millimeter. Dieselbe Zahl bedeutet bei unterschiedlicher Breite unterschiedliche Millimeter.

Auch hier ist das Raster fest: Im Pkw-Sortiment kommen genau 15 Querschnittswerte vor, von 25 bis 95, durchgehend im Fünferschritt. Niedrige Werte wie 30 oder 35 stehen für eine flache, sportliche Flanke mit direktem Lenkgefühl, aber härterem Abrollen und empfindlicherer Felge. Hohe Werte wie 70 oder 80 federn Schlaglöcher ab und schützen das Felgenhorn. Dass die flache Flanke regelmäßig auch die teurere ist, zeigt die Auswertung wie der Querschnitt den Preis bewegt.

Entscheidend ist der Zusammenhang mit dem Felgendurchmesser: Wer auf eine größere Felge wechselt, braucht einen niedrigeren Querschnitt, damit der Abrollumfang annähernd gleich bleibt — sonst zeigt der Tacho falsch und die Fahrassistenzsysteme rechnen mit falschen Werten. Warum diese Rechnung so streng ist und wie viel Abweichung toleriert wird, erklärt der Beitrag zum Abrollumfang beim Größenwechsel. Welche Kombinationen dabei zulässig sind, steht im Ratgeber größere Felgen montieren.

Das R: die Bauart — und warum dieser eine Buchstabe rechtlich zählt

Der Buchstabe zwischen Querschnitt und Felgendurchmesser benennt die Bauart der Karkasse. R steht für Radial und ist bei Pkw seit Jahrzehnten der Standard: Die Lagen verlaufen radial von Wulst zu Wulst, darüber liegt ein stabilisierender Gürtel. Ein Bindestrich statt des Buchstabens kennzeichnet einen Diagonalreifen, dessen Lagen sich überkreuzen — heute praktisch nur noch bei Oldtimern, Anhängern und langsamen Gerätereifen. Ein B steht für Bias-belted, eine Zwischenform mit Gürtel über diagonaler Karkasse. Wie diese Lagen im Inneren zusammenwirken, zeigt der Ratgeber dazu, wie ein Reifen aufgebaut ist.

Dieser eine Buchstabe ist der einzige Teil der Größenangabe, der unmittelbar eine Rechtsfolge auslöst. Die StVZO erlaubt es nicht, Bauarten beliebig zu mischen; für Pkw und andere Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen schreibt sie vor, dass das Fahrzeug entweder nur mit Diagonal- oder nur mit Radialreifen ausgerüstet sein darf. Was beim Kombinieren unterschiedlicher Reifen sonst noch gilt und wo die Grenzen verlaufen, sortiert der Ratgeber Mischbereifung am Auto. Für alte Fahrzeuge, bei denen die Frage praktisch wird, lohnt zusätzlich der Beitrag über Reifen für Oldtimer und Youngtimer.

Der Felgendurchmesser: warum ausgerechnet Zoll

Die Zahl direkt hinter dem Bauartbuchstaben ist der Felgendurchmesser in Zoll — genauer: der Durchmesser des Felgenbetts, auf dem der Wulst sitzt, nicht der Außendurchmesser der Felge. Ein Zoll sind 2,54 Zentimeter. Dass hier als einziger Stelle der Zeichenfolge kein metrisches Maß steht, ist ein historisches Erbe der britischen und amerikanischen Fertigung, das sich international nie abgeschliffen hat.

Der Wert muss exakt passen. Anders als bei Breite und Querschnitt, wo geringe Abweichungen in gewissen Grenzen zulässig sein können, gibt es beim Durchmesser keinen Spielraum: Ein 16-Zoll-Reifen geht auf keine 17-Zoll-Felge, auch nicht mit Gewalt oder Montagepaste. In unserem Pkw-Sortiment kommen 14 Zollgrößen vor, von 10 bis 24 Zoll, in ganzen Schritten. Die Extreme sind dabei sehr ungleich besetzt — dass gerade kleine Durchmesser spürbar weniger Auswahl bieten, zeigen die Beiträge dazu, warum kleine Größen weniger Auswahl haben, und die Bestandsaufnahme zu Winterreifen in 14 Zoll.

Die Betriebskennung: Tragfähigkeit und Geschwindigkeit

Auf die Größe folgt die Betriebskennung aus Zahl und Buchstabe — im Beispiel 91V. Die Zahl ist der Lastindex: Jedem Wert ist eine feste Tragfähigkeit in Kilogramm zugeordnet, 91 entspricht 615 Kilogramm je Reifen. Der Buchstabe ist die Geschwindigkeitskategorie; V steht für 240 km/h. Die vollständige Zuordnung aller Buchstaben veröffentlicht der Hersteller Continental in seiner Geschwindigkeitsindex-Tabelle — sie reicht von B mit 50 km/h über T mit 190 und H mit 210 bis Y mit 300 km/h.

Für beide Werte gilt dieselbe Regel: Der montierte Reifen muss mindestens den in den Fahrzeugpapieren eingetragenen Wert erreichen. Ein höherer ist erlaubt, ein niedrigerer nicht. Weil das im Detail mehr Fallstricke hat, als der Satz vermuten lässt, behandelt ein eigener Ratgeber Lastindex und Geschwindigkeitskategorie im Detail. Dass die Betriebskennung auch den Preis bewegt, zeigt die Auswertung dazu, was die Betriebskennung im Preis ausmacht. Und für Winterreifen gibt es eine eng gefasste, oft falsch wiedergegebene Ausnahme vom Geschwindigkeitsgebot, die der Beitrag über die Ausnahme für Winterreifen im Wortlaut nachzeichnet.

Eine Besonderheit begegnet Ihnen bei Nutzfahrzeugen: zwei Lastindizes mit Schrägstrich, etwa 124/122M. Der erste Wert gilt bei Einzelbereifung, der zweite bei Zwillingsbereifung, wo sich zwei Reifen eine Radposition teilen und die Last sich nicht exakt hälftig verteilt. In unserem Katalog tragen 69 Artikel eine solche Doppelangabe, darunter der Hankook DH35 in 205/75 R17.5 124/122M. Wo Sie im Pkw-Bereich auf ein zusätzliches XL oder Reinforced stoßen, bedeutet das eine verstärkte Ausführung mit höherer Tragfähigkeit bei gleicher Größe.

Neun Schreibweisen im Regal — und nur eine davon ist 205/55 R16

Bis hierhin ging es um die Schreibweise, die fast jeder Ratgeber erklärt. Sie ist aber nicht die einzige. Wir haben alle 54.048 Reifen unseres Katalogs (Stand 14. September 2026) nach der Form ihrer Größenangabe sortiert. Das Ergebnis: 1.734 verschiedene Größenangaben in neun deutlich unterscheidbaren Schreibweisen.

Das Verhältnis ist dabei bemerkenswert schief. Die vertraute metrische Form mit Querschnitt stellt 724 Größen — das sind 41,8 Prozent aller Größenangaben, aber 44.686 Reifen und damit 82,9 Prozent des Bestands. Anders gesagt: Vier von fünf Reifen tragen die Schreibweise, die dieser Ratgeber erklärt — aber nur vier von zehn Größenbezeichnungen folgen ihr. Die restlichen acht Formen verteilen sich auf viele Dimensionen mit jeweils wenigen Artikeln. Genau deshalb stolpert man über sie fast nur dann, wenn man etwas Ungewöhnliches sucht. Die folgende Übersicht ordnet sie ein und verweist jeweils dorthin, wo die Schreibweise ausführlich behandelt wird:

  • Metrisch mit C (88 Größen, 4.233 Reifen): Das angehängte C wie in 235/65 R16C kennzeichnet Transporter- und Lieferwagenreifen mit verstärkter Karkasse für höhere Achslasten. Beispiel aus dem Sortiment: der Goodride SW613 in 235/65 R16C. Das ganze Segment finden Sie unter Van- und Transporterreifen.
  • Metrisch diagonal (169 Größen, 1.867 Reifen): Statt des R steht ein Bindestrich, etwa 90/90-21. Typisch für Enduros und Geländemaschinen, zum Beispiel den Heidenau K 60 Scout in 90/90-21.
  • ZR-Kennung (34 Größen, 692 Reifen): Die ältere, nicht genormte Kennzeichnung für Reifen jenseits von 240 km/h, wie in 120/70 ZR17. Bemerkenswert: In unserem Katalog trägt sie ausschließlich Motorradgrößen — kein einziger Pkw-Reifen ist so beschriftet. Ein Beispiel ist der Michelin Pilot Power 2CT in 120/70 ZR17.
  • Zoll diagonal (153 Größen, 563 Reifen): Die alte Zollschreibweise wie 3.00-21, bei der auch die Breite in Zoll angegeben wird. Vor allem an Mofas, Mopeds und Klassikern.
  • Zoll radial (60 Größen, 530 Reifen): Dieselbe Logik mit R statt Bindestrich, etwa 6.00 R16C — überwiegend an Anhängern und leichten Nutzfahrzeugen.
  • Zoll mal Zoll (126 Größen, 337 Reifen): Die amerikanische Form wie 16x8.00-7, in der zuerst der Außendurchmesser, dann die Breite und zuletzt der Felgendurchmesser steht — alles in Zoll. Zu Hause ist sie bei Quad- und ATV-Reifen, etwa beim Kenda K290 Scorpion in 16x8.00-7.
  • Alphanumerisch (4 Größen, 41 Reifen): Die seltenste Form, etwa MT90-16, bei der ein Buchstabenpaar für eine Breitenklasse steht. Fast ausgestorben, an schweren Tourenmaschinen aber noch anzutreffen.
  • Sonstige Sonderformen (376 Größen, 983 Reifen): Der lange Rest aus Kart-, Rasenmäher-, Industrie- und Gerätereifen. Warum dort andere Regeln gelten, behandelt der Beitrag über Reifen für Rasenmäher und Schubkarre.

Für zwei Fahrzeuggruppen lohnt sich der Sprung in die Spezialbeiträge: Wer ein Motorrad fährt, findet die vollständige Zeichenfolge samt M/C, TL/TT und Radposition im Ratgeber Motorradreifen-Größe Zeichen für Zeichen; für Kleinkrafträder erklärt ein eigener Beitrag die Zollgrößen bei Mofa und Moped. Wer einen Anhänger bereift, sollte zusätzlich den Ratgeber zu Anhänger- und Wohnwagenreifen lesen, weil dort Tragfähigkeit und Alter strenger wiegen als bei Pkw.

Warum es neun von zehn denkbaren Größen gar nicht gibt

Aus den drei Rastern des Pkw-Bereichs lässt sich eine Zahl ableiten, die den Umgang mit Reifengrößen im Alltag spürbar erleichtert. 25 Breiten, 15 Querschnitte und 14 Zollgrößen ergeben rechnerisch 5.250 mögliche Kombinationen. Tatsächlich im Regal stehen davon 573 — also 10,9 Prozent. Knapp neun von zehn denkbaren Größen existieren schlicht nicht.

Der Grund ist konstruktiv: Jede Größe muss von einem Fahrzeughersteller als Erstausrüstung nachgefragt oder als Ersatzgröße freigegeben worden sein, damit sich eine Produktionsform lohnt. Größen entstehen also nicht durch Kombinieren, sondern durch Fahrzeugmodelle. Deshalb gibt es 205/55 R16 in 850 Ausführungen und benachbarte, theoretisch genauso plausible Dimensionen überhaupt nicht.

Für die Praxis folgt daraus die wichtigste Faustregel dieses Ratgebers: Suchen Sie nie eine Größe, die Ihrer Wunschgröße nahekommt. Entweder steht die Dimension in Ihren Fahrzeugpapieren — dann gibt es sie auch —, oder sie steht nicht darin, dann hilft auch keine rechnerische Annäherung. Wenn Sie Ihre eingetragene Größe nicht mehr finden, liegt das fast immer an einem Lesefehler in der Zeichenfolge, nicht an einer Lücke im Markt. In unserer Reifensuche können Sie die Angabe direkt eingeben und gegenprüfen.

Welche Größe Ihr Fahrzeug fahren darf — und wo das verbindlich steht

Maßgeblich ist nicht der Reifen, sondern das Fahrzeug. Verbindlich sind die Fahrzeugpapiere: In der Zulassungsbescheinigung Teil I stehen die zugelassenen Größen in den Feldern 15.1 und 15.2. Häufig führt die Übereinstimmungsbescheinigung, die sogenannte CoC, weitere zulässige Größen auf, die im Fahrzeugschein keinen Platz mehr gefunden haben. Sind mehrere Kombinationen eingetragen, dürfen Sie frei zwischen ihnen wählen.

Drei Bedingungen müssen dabei zusammen erfüllt sein, und zwar alle drei gleichzeitig: Die Größe muss einer zugelassenen Kombination entsprechen, Lastindex und Geschwindigkeitskategorie müssen mindestens die eingetragenen Werte erreichen, und die Bauart muss zu den übrigen Rädern passen. Wer nur auf die Größe schaut und die Betriebskennung übersieht, montiert im Zweifel einen Reifen, der formal nicht zulässig ist — mit Folgen bei der Hauptuntersuchung und im Schadensfall. Worauf die Prüfstelle bei Rädern und Reifen tatsächlich achtet, listet der Ratgeber dazu auf, worauf die Hauptuntersuchung bei Reifen schaut.

Wenn Sie die Papiere gerade nicht zur Hand haben, hilft die Schlüsselnummer weiter: Aus HSN und TSN lässt sich das Fahrzeug eindeutig bestimmen, wie der Beitrag zur Schlüsselnummer im Fahrzeugschein zeigt. Und wer ohnehin über andere Räder nachdenkt, findet die zulassungsrechtliche Seite im Ratgeber Felgen eintragen lassen.

Was neben der Größe sonst noch auf der Flanke steht

Die Größenangabe ist der bekannteste, aber nicht der einzige Aufdruck. Diese Kennzeichen begegnen Ihnen am häufigsten — jeweils mit dem Beitrag, der sie ausführlich behandelt:

  • 3PMSF, das Alpine-Symbol: Nur Reifen mit dem Bergpiktogramm samt Schneeflocke gelten rechtlich als Winterreifen. Das frühere M+S allein genügt laut ADAC seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr als Nachweis. Was daraus für die Praxis folgt, klärt der Ratgeber zur situativen Winterreifenpflicht.
  • DOT-Nummer: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Jahr — 0824 steht für die 8. Woche 2024.
  • ECE-Prüfzeichen: Das eingekreiste E mit Länderkennziffer und Genehmigungsnummer belegt die europäische Bauartgenehmigung; welche Kennungen dabei zuletzt weggefallen sind, beschreibt der Beitrag über den ECE-Genehmigungscode.
  • Herstellerkennungen: Kürzel wie MO, AO, N0 oder ein Stern markieren Erstausrüstungsfreigaben einzelner Autohersteller — Details im Ratgeber zu Herstellerkennungen wie MO, AO und N0.
  • NHS: Reifen mit diesem Kürzel sind nicht für den Straßenverkehr zugelassen; welche das in unserem Sortiment sind, zeigt der Beitrag über das Kürzel NHS und die Straßenzulassung.
  • TWI und farbige Punkte: Der Verschleißindikator zeigt die gesetzliche Mindestprofiltiefe an — wie Sie sie korrekt kontrollieren, steht im Ratgeber Profiltiefe richtig messen. Die Farbmarkierungen auf fabrikneuen Reifen erklärt der Beitrag über die farbigen Punkte auf neuen Reifen.

Nicht auf der Flanke, sondern auf dem Etikett steht das EU-Reifenlabel mit Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und Rollgeräusch. Wie Sie es richtig einordnen, erklärt der Ratgeber zum EU-Reifenlabel. Begriffe, die Ihnen beim Lesen unterkommen, schlagen Sie im Reifen-Wiki nach.

Passende Reifen in Ihrer Größe finden

Sobald Sie die Zeichenfolge sicher lesen, ist der Rest einfach: Größe eingeben, Saison wählen, vergleichen. Für die meistgefragte Dimension 205/55 R16 führen wir unter anderem den Barum Bravuris 6 in 205/55 R16 91V; alle lieferbaren Modelle dieser Dimension bündelt die Größenseite 205/55 R16, die zweithäufigste Größe finden Sie unter 195/65 R15.

Nach Saison sortiert geht es zu den Sommerreifen für Pkw und den Winterreifen für Pkw. Fahren Sie etwas anderes als einen Pkw, führen die Wege zu Motorradreifen, Nutzfahrzeugreifen oder den Sonderreifen für Geräte und Anhänger.

Häufige Fragen

Was genau bedeutet die Angabe 205/55 R16 91V?

205 ist die Reifenbreite in Millimetern, 55 der Querschnitt in Prozent der Breite (hier 112,75 mm Flankenhöhe), R die Radialbauart, 16 der Felgendurchmesser in Zoll, 91 die Tragfähigkeitskennzahl für 615 kg je Reifen und V die Geschwindigkeitskategorie bis 240 km/h.

Wo steht verbindlich, welche Reifengröße ich fahren darf?

In der Zulassungsbescheinigung Teil I in den Feldern 15.1 und 15.2, ergänzt um die weiteren Größen der CoC-Bescheinigung. Nur dort eingetragene Kombinationen sind zulässig; Last- und Geschwindigkeitskennung müssen mindestens den eingetragenen Werten entsprechen.

Warum finde ich meine Reifengröße nirgends im Handel?

Weil es nur rund 11 Prozent der rechnerisch denkbaren Größenkombinationen tatsächlich gibt. Findet sich Ihre Dimension nicht, liegt meist ein Lesefehler vor — häufig wird der Querschnitt mit der Breite verwechselt oder der Felgendurchmesser falsch übernommen. Prüfen Sie die Angabe auf der Flanke noch einmal Zeichen für Zeichen.

Bedeutet ein Bindestrich statt des R einen schlechteren Reifen?

Nein, er kennzeichnet lediglich einen Diagonalreifen statt eines Radialreifens. An modernen Pkw ist diese Bauart unüblich, an Oldtimern, Anhängern und Geräten dagegen normal. Wichtig ist nur, dass Radial- und Diagonalreifen am selben Fahrzeug nicht gemischt werden dürfen.

Fazit

Die Zeichenfolge auf der Flanke ist kein Geheimcode, sondern ein gesetzlich vorgeschriebenes Typenschild mit fünf Pflichtangaben in fester Reihenfolge. Wer weiß, dass vor dem Schrägstrich Millimeter stehen, dahinter Prozent und nach dem Bauartbuchstaben Zoll, liest jede Pkw-Größe zuverlässig — und erkennt an der Schreibweise sofort, ob er einen Transporter-, Motorrad- oder Gerätereifen vor sich hat. Bleibt nur noch der Abgleich mit den Fahrzeugpapieren: Größe, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskategorie und Bauart müssen passen. Danach ist der Reifenkauf reine Auswahlsache.

Schlagwörter: Reifengröße Reifenkennzeichnung Reifenflanke Reifenbauart Geschwindigkeitsindex Reifenkauf

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