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Recht & Gesetz – Ratgeber im Magazin

KÜS-Bilanz: Jeder fünfte HU-Mangel betrifft Achsen, Räder und Reifen

· 9 Min. Lesezeit
Prüfer misst die Profiltiefe am Rad eines angehobenen Pkw (KI-generiert, OpenAI)
Prüfer misst die Profiltiefe am Rad eines angehobenen Pkw (KI-generiert, OpenAI)

Wer zur Hauptuntersuchung fährt, hofft auf die Plakette – und rechnet insgeheim doch mit einem Mängelbericht. Wie berechtigt dieses Gefühl ist, zeigt eine frische Auswertung der Prüforganisation KÜS: Sie hat ihre Hauptuntersuchungen des Jahres 2025 ausgewertet und veröffentlicht, woran die Plakette am häufigsten scheitert. Direkt hinter der Beleuchtung steht die Mängelgruppe „Achsen, Räder und Reifen". Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist das eine gute Nachricht, denn kaum ein anderer Prüfpunkt lässt sich vorab so einfach selbst kontrollieren wie dieser.

Was 3,25 Millionen Hauptuntersuchungen zeigen

Die KÜS – die Kraftfahrzeugüberwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger – hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 3,25 Millionen Hauptuntersuchungen durchgeführt. An 2,07 Millionen Fahrzeugen fand der Prüfer keinen einzigen Mangel. Bei 1,18 Millionen Fahrzeugen dagegen wurden geringe Mängel (GM), erhebliche Mängel (EM) oder verkehrsgefährdende Mängel (VM) festgestellt, oder das Fahrzeug wurde gleich als verkehrsunsicher (VU) eingestuft. Das entspricht gut 36 Prozent – also grob jedem dritten Fahrzeug (Quelle: KÜS).

Bemerkenswert ist weniger die Quote als die Verteilung dahinter. Über 60 Prozent aller Beanstandungen entfallen auf lediglich drei Bereiche. An der Spitze stehen die lichttechnischen Einrichtungen mit etwa einem Viertel aller Mängel. Danach folgen Achsen, Räder und Reifen mit rund 20 Prozent – genauso häufig wie die Bremsanlage. Auf Rang vier liegt mit 17 Prozent die Gruppe Umweltbelastung, in der vor allem undichte Motoren auffallen.

„Wer so viele Fahrzeuge prüft, erkennt sehr schnell Muster", wird Johannes Kautenburger, Fachbereichsleiter für Qualitätssicherung bei der KÜS, in der Mitteilung zitiert. Und das Muster ist eindeutig: Es sind selten exotische Defekte, die den Termin platzen lassen. Es sind die immer gleichen, gut sichtbaren Verschleißstellen. Kautenburger formuliert es so, dass viele Halter komplizierte Defekte hinter einer nicht bestandenen HU vermuten – tatsächlich lägen die Ursachen oft in Bereichen, die man mit wenig Aufwand teilweise selbst kontrollieren könne.

Dass ausgerechnet die Beleuchtung die Liste anführt, überrascht auf den ersten Blick. Erklärbar ist es damit, dass hier schon Kleinigkeiten zählen: ein ausgefallenes Leuchtmittel, ein falsch eingestellter Scheinwerfer oder ein beschädigtes LED-Element. Gerade moderne Lichtsysteme sind laut KÜS tückisch, weil ein einzelnes dunkles Segment noch keine Warnmeldung im Bordcomputer auslöst – bei der Hauptuntersuchung aber bereits als Mangel gilt. Beleuchtung und Reifen haben damit eines gemeinsam: Beides sind Bauteile, die sich ohne Werkstattausrüstung überprüfen lassen und trotzdem regelmäßig übersehen werden.

Warum „Achsen, Räder und Reifen" nicht dasselbe ist wie „Reifen"

An dieser Stelle lohnt ein genauer Blick auf die Begriffe, denn die Zahl wird gern verkürzt. Die rund 20 Prozent stehen nicht für abgefahrene Reifen allein. Es handelt sich um eine zusammengefasste Mängelgruppe der Prüfrichtlinie, und in ihr steckt alles, was das Rad trägt und führt: Radaufhängung und Achskörper, Federn und Dämpfer, Quer- und Längslenker samt Gelenken, Spurstangen, Koppelstangen, Radlager – und eben Reifen, Felgen und deren Befestigung.

Wer aus der Statistik also herausliest, jeder fünfte Mangel sei ein Reifenmangel, überdehnt die Aussage. Die KÜS weist die Gruppe bewusst gemeinsam aus, weil ihre Bauteile mechanisch zusammenhängen und ein Prüfer sie am aufgebockten Fahrzeug in einem Arbeitsgang beurteilt. Belastbar ist die Aussage in dieser Form: Der gesamte Bereich rund um Rad und Fahrwerk ist der zweitgrößte Stolperstein bei der HU.

Für die Praxis ändert das wenig an der Konsequenz – im Gegenteil, es macht die Sache interessanter. Denn genau diese mechanische Verwandtschaft ist der Grund, warum ein Blick auf die Reifen mehr verrät, als man zunächst vermutet.

Das Verschleißbild verrät die Achse dahinter

Die KÜS nennt in ihrer Mitteilung drei Dinge, die am Reifen auffallen: die Profiltiefe, sichtbare Schäden wie Schnitte, Beulen oder Risse – und das Verschleißbild. Der dritte Punkt ist der unterschätzte. Nutzt sich die Lauffläche ungleichmäßig ab, kann das laut KÜS auf Probleme bei Spur, Fahrwerk, Luftdruck oder Dämpfung hindeuten.

Damit wird der Reifen zum Anzeigeinstrument für die halbe Mängelgruppe. Er ist das einzige Bauteil dieses Bereichs, das Sie ohne Hebebühne, ohne Werkzeug und ohne Vorkenntnisse in der Hofeinfahrt beurteilen können – und er protokolliert über Tausende Kilometer mit, was an der Achse dahinter nicht stimmt. Ein einseitig an der Innenschulter abgelaufener Vorderreifen ist kein Reifenproblem, sondern in aller Regel eine verstellte Spur. Sägezahnbildung an den Profilblöcken deutet auf müde Dämpfer oder ausgeschlagene Buchsen hin. Ein in der Mitte abgefahrener Reifen zeigt dauerhaften Überdruck an, an beiden Schultern abgefahren dauerhaften Unterdruck.

Dass diese Muster trotzdem so oft erst auf der Hebebühne auffallen, hat einen banalen Grund: Die Innenschulter des Reifens sieht man am stehenden Fahrzeug schlicht nicht. Wer die Räder zudem regelmäßig tauscht oder zweimal im Jahr auf einen anderen Satz wechselt, verteilt den ungleichmäßigen Abrieb über vier Positionen – der Verschleiß wird gleichmäßiger, die Ursache bleibt. Drehen Sie deshalb vor der Kontrolle die Lenkung voll ein, dann liegt die Innenseite der Vorderreifen frei und lässt sich in wenigen Sekunden mit der Hand abtasten.

Wer diese Muster liest, findet die teuren Mängel, bevor der Prüfer sie findet. Welche Abnutzung auf welche Ursache hinweist, haben wir im Ratgeber ungleichmäßiger Reifenverschleiß und seine Ursachen ausführlich aufgeschlüsselt. Zeigt das Bild in Richtung Fahrwerksgeometrie, hilft der Beitrag zur Achsvermessung weiter; liegt es dagegen schlicht am falschen Fülldruck, lohnt der Blick auf die Folgen von zu wenig und zu viel Luft. In allen drei Fällen gilt: Ein neuer Reifen auf einer unveränderten Ursache läuft genauso schief ab wie sein Vorgänger.

Fünf Minuten Vorabkontrolle, die sich rechnen

Die Empfehlungen der KÜS für die Eigenkontrolle sind bewusst schlicht gehalten. Bei der Profiltiefe sind gesetzlich mindestens 1,6 Millimeter vorgeschrieben. Die Prüforganisation empfiehlt darüber hinaus, bei Sommerreifen etwa drei und bei Winterreifen vier Millimeter nicht zu unterschreiten – das ist keine Vorschrift, sondern eine Sicherheitsreserve, die vor allem auf nasser Fahrbahn zählt. Messen Sie an mehreren Stellen und rund um den Reifen; maßgeblich ist immer der niedrigste Wert. Wie das genau geht, steht im Ratgeber Profiltiefe richtig messen.

Danach folgt der Sichtcheck der Flanken und der Lauffläche auf Schnitte, Beulen und Risse. Eine Beule in der Seitenwand ist dabei kein Schönheitsfehler, sondern ein Hinweis auf eine beschädigte Karkasse. Und schließlich das Verschleißbild aus dem vorigen Abschnitt – am besten bei gutem Licht und am sauberen Reifen, denn Straßenschmutz kaschiert erstaunlich viel.

Zwei Handgriffe gehören noch dazu, weil sie ebenfalls in die Mängelgruppe rund um das Rad fallen. Stellen Sie den Luftdruck auf den Wert ein, den der Fahrzeughersteller vorgibt – er steht im Tankdeckel, im Türholm oder in der Betriebsanleitung. Und kontrollieren Sie den festen Sitz der Räder, insbesondere wenn zuletzt jemand anderes montiert hat. Beides dauert zusammen keine drei Minuten, wirkt aber direkt auf zwei Prüfpunkte: den korrekten Fülldruck und die sichere Radbefestigung.

Tipp: Prüfen Sie nicht erst am Vorabend des HU-Termins. Wer vier bis sechs Wochen vorher schaut, kann Reifen in Ruhe aussuchen und montieren lassen, statt unter Zeitdruck zu kaufen.

Welche Reifenmängel der Prüfer im Einzelnen wie bewertet – von der zu geringen Profiltiefe über Beschädigungen bis zur nicht eingetragenen Größe –, lesen Sie in unserem ausführlichen Ratgeber zu Reifen bei der Hauptuntersuchung. Dort steht auch, warum das oft zitierte Höchstalter für Pkw-Reifen so nicht existiert.

Wenn die Plakette ausbleibt: diese Frist läuft

Nicht jeder Befund kostet gleich die Plakette – die vier Stufen aus der KÜS-Auswertung unterscheiden sich erheblich in ihren Folgen. Ein geringer Mangel (GM) hält die Plakette nicht auf, er ist lediglich zeitnah zu beseitigen. Erst der erhebliche Mangel (EM) führt zum Mängelbericht ohne Plakette. Ein verkehrsgefährdender Mangel (VM) und die Einstufung als verkehrsunsicher (VU) wiegen schwerer und schränken die Weiterfahrt ein. Ein Reifen knapp unter 1,6 Millimetern oder mit einer Flankenbeule ist dabei kein Grenzfall, sondern landet typischerweise in der zweiten Kategorie.

Bleibt die Plakette aus, wird es nicht automatisch teuer, aber es wird terminlich eng. Festgestellte Mängel sind unverzüglich zu beheben. Für den Nachweis der Beseitigung – also die Nachkontrolle in der Prüfstelle – haben Sie laut KÜS bis zu einem Monat Zeit. Verstreicht diese Frist, ist eine komplett neue Hauptuntersuchung fällig, mit allem, was dazugehört.

Interessant ist übrigens, welche Einzelmängel die Statistik anführen: Auf Platz eins der erheblichen Einzelmängel steht die Feststellbremse mit unzureichender Wirkung, rund 38.000 Mal dokumentiert. Dahinter folgt mit etwa 36.000 Fällen der undichte Motor mit abtropfendem Öl. Beides lässt sich vorab zumindest erahnen – die Handbremse mit einem Halteversuch am Berg, den Ölverlust mit einem Blick auf den Stellplatz.

Sind die Reifen der Grund für den Mängelbericht, ist die Sache dagegen schnell erledigt. Achten Sie beim Ersatz nicht nur auf den Preis, sondern auf die Nasshaftungsklasse des EU-Reifenlabels – sie entscheidet über den Bremsweg auf nasser Straße. In der verbreiteten Kompaktklassengröße 195/65 R15 sind beispielsweise der Michelin Primacy 4 195/65 R15 91H und der Goodyear EfficientGrip Performance 2 195/65 R15 91H lieferbar, beide mit Nasshaftungsklasse A und 68 dB Rollgeräusch. Die weiteren Angebote in dieser Dimension finden Sie auf der Größenseite 195/65 R15, das gesamte Sortiment unter PKW-Sommerreifen.

Unterm Strich bestätigt die KÜS-Auswertung, was Werkstätten seit Jahren beobachten: Die Hauptuntersuchung scheitert selten an großen Defekten, sondern an Kleinigkeiten, die über Monate übersehen wurden. Ein prüfender Blick auf alle vier Reifen kostet fünf Minuten – und deckt einen der beiden häufigsten Mängelbereiche gleich mit ab. Über die Auswertung berichtete auch die Fachzeitschrift Reifenpresse.

Häufige Fragen

Sind Reifen wirklich für jeden fünften HU-Mangel verantwortlich?

Nein. Die rund 20 Prozent beziehen sich auf die gesamte Mängelgruppe „Achsen, Räder und Reifen". Dazu zählen auch Radaufhängung, Federn, Dämpfer, Lenker, Spurstangen und Radlager. Die Reifen sind nur ein Teil davon – allerdings der Teil, den Sie selbst am leichtesten kontrollieren können.

Wie lange habe ich Zeit, einen festgestellten Mangel beheben zu lassen?

Die Mängel müssen unverzüglich behoben werden. Für den Nachweis der Beseitigung bei der Nachkontrolle räumt die KÜS bis zu einem Monat ein. Danach ist eine vollständig neue Hauptuntersuchung verpflichtend.

Welcher Einzelmangel steht in der KÜS-Statistik ganz oben?

Die Feststellbremse mit unzureichender Wirkung – rund 38.000 Mal dokumentiert. Auf Rang zwei folgt mit etwa 36.000 Fällen der undichte Motor mit abtropfendem Ölverlust, der in die Mängelgruppe Umweltbelastung fällt.

Schlagwörter: Hauptuntersuchung KÜS Mängelstatistik Profiltiefe Verkehrssicherheit

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