✓ Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands ✓ 30 Tage Widerrufsrecht ✓ Seit 1997 — über 25 Jahre Erfahrung Hotline: 037329 7153-0
Recht & Gesetz

Reifen bei der HU: Womit Sie durch den TÜV fallen – und wie Sie es vermeiden

· 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 25.06.2026
Prüfer misst mit einem Profiltiefenmesser das Reifenprofil eines Autos auf der Hebebühne (KI-generiert, OpenAI)
Prüfer misst mit einem Profiltiefenmesser das Reifenprofil eines Autos auf der Hebebühne (KI-generiert, OpenAI)

Alle zwei Jahre steht für die meisten Autofahrer die Hauptuntersuchung (HU) an – umgangssprachlich „der TÜV". Die Reifen gehören dabei zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen, die der Prüfer besonders genau ansieht. Und sie sind ein erstaunlich häufiger Grund, warum ein Fahrzeug ohne Plakette wieder vom Hof fährt. Dabei lassen sich fast alle Reifen-Mängel mit ein paar Minuten Eigenkontrolle vorab vermeiden. Wir zeigen Ihnen, worauf der Prüfer wirklich achtet, welche Reifen-Mängel zum Durchfallen führen und wie Sie Ihr Auto sicher durch die HU bringen.

Wie oft zur HU – und warum die Reifen dazugehören

Ein fabrikneuer Pkw muss erstmals nach drei Jahren zur Hauptuntersuchung, danach im Zwei-Jahres-Rhythmus. Geprüft wird der verkehrssichere Zustand des gesamten Fahrzeugs – und weil Reifen die einzige Verbindung zur Fahrbahn sind, schaut der Sachverständige hier genau hin. Reifen und Räder werden bei jeder HU auf Profiltiefe, Beschädigungen, korrekte Größe und festen Sitz kontrolliert.

Die gute Nachricht: Anders als an Bremsen oder Fahrwerk können Sie den Reifenzustand selbst beurteilen. Wer vorab prüft, vermeidet die ärgerliche Nachuntersuchung – und fährt vor allem sicherer.

Diese Reifen-Mängel führen zum Durchfallen

Bei diesen Punkten verweigert der Prüfer die Plakette:

  • Zu wenig Profil. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 mm Profiltiefe über das gesamte Hauptprofil – das sind die breiten Rillen im mittleren Bereich der Lauffläche, die rund drei Viertel der Breite einnehmen (reifen.com). Wird dieser Wert auch nur an einer Stelle unterschritten, ist der Reifen durchgefallen. Wie Sie das selbst messen, lesen Sie in unserem Ratgeber Profiltiefe richtig messen.
  • Beschädigungen. Risse, Beulen, Schnitte oder eingefahrene Nägel und Schrauben in Lauffläche oder Flanke gelten als erheblicher Mangel (reifen.com). Besonders eine Beule in der Seitenwand ist gefährlich – warum, erklären wir unter Reifenbeule, Risse und Schnitte.
  • Falsche oder nicht eingetragene Größe. Die montierte Reifengröße – inklusive Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex – muss mit den Angaben in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) übereinstimmen. Passt die Kombination nicht oder fehlt die Eintragung, gibt es keine Plakette. Was die Werte auf der Flanke bedeuten, steht unter Reifengröße ablesen und Last- und Geschwindigkeitsindex.
  • Beschädigte Felgen oder lose Räder. Felgen dürfen keine Risse oder Verformungen aufweisen, und alle Radschrauben bzw. Radmuttern müssen fest sitzen (reifen.com). Was an einer Felge repariert werden darf und wann sie in den Schrott muss, klärt Felge beschädigt – was erlaubt ist.

Reifenalter bei der HU: das große Missverständnis

Hartnäckig hält sich der Glaube, der TÜV lehne Reifen ab einem bestimmten Alter generell ab. Das stimmt so nicht: In Deutschland gibt es für gewöhnliche Pkw-Reifen keine gesetzliche Altersgrenze (reifen.com). Der Prüfer bewertet in erster Linie den Zustand, nicht das Datum der DOT-Nummer.

Trotzdem spielt das Alter mittelbar eine Rolle: Gummi härtet mit den Jahren aus, wird rissig und verliert Grip. Reifen jenseits der acht Jahre gelten deshalb als kritisch, und Exemplare über zehn Jahre führen häufig zu einem Hinweis oder sogar zu einem Mangel – weil der altersbedingte Zustand dann meist sichtbar ist. Wie Sie das Alter über die DOT-Nummer bestimmen, zeigt Reifenalter und DOT-Nummer.

Eine klare Ausnahme gilt für Anhänger und Wohnwagen: Hier dürfen die Reifen in der Regel nicht älter als sechs Jahre sein, sonst ist es ein erheblicher Mangel – unabhängig vom Profil. Mehr dazu unter Anhänger- und Wohnwagenreifen.

Geringer oder erheblicher Mangel? Was über die Plakette entscheidet

Nicht jeder Befund kostet die Plakette. Die Prüforganisationen teilen Mängel in vier Stufen ein (TÜV Rheinland):

  • Kein Mangel: Plakette wird erteilt.
  • Geringer Mangel: Die Plakette gibt es trotzdem – der Mangel ist aber zeitnah zu beheben (z. B. ein knapp werdendes, aber noch ausreichendes Profil als Hinweis).
  • Erheblicher Mangel: Keine Plakette. Sie müssen den Mangel beheben und das Fahrzeug innerhalb eines Monats zur Nachuntersuchung vorstellen. Abgefahrene oder beschädigte Reifen fallen typischerweise in diese Klasse.
  • Gefährlicher Mangel: Keine Plakette, und das Auto darf nur noch nach Hause oder in die Werkstatt gefahren werden.

Heißt konkret: Ein Reifen mit 1,5 mm Restprofil oder einer Flankenbeule ist kein „Kleinkram", sondern ein erheblicher Mangel – die Nachprüfung samt Kosten ist dann vorprogrammiert.

So bereiten Sie Ihre Reifen auf die HU vor

Mit dieser kurzen Checkliste sind Sie auf der sicheren Seite:

  1. Profil an mehreren Stellen messen. Nicht nur in der Mitte, sondern auch an den Schultern und rund um den Reifen. Maßgeblich ist immer der niedrigste Wert. Als Faustregel: Wer schon vor der HU die 3 mm (Sommer) bzw. 4 mm (Winter) unterschreitet, sollte über neue Reifen nachdenken – auch wenn 1,6 mm rein rechtlich genügt.
  2. Flanke und Lauffläche absuchen. Risse, poröse Stellen, Beulen, Schnitte und steckende Fremdkörper – am besten bei gutem Licht und am gereinigten Reifen.
  3. Gleichmäßigen Verschleiß prüfen. Läuft ein Reifen einseitig ab, deutet das auf eine verstellte Spur oder ausgeschlagene Fahrwerksteile hin – das sollten Sie vor der HU klären lassen. Hintergründe unter Verschleißbild deuten und Achsvermessung.
  4. Größe mit dem Fahrzeugschein abgleichen. Stimmen Breite, Querschnitt, Zoll sowie Last- und Geschwindigkeitsindex mit den eingetragenen Werten überein?
  5. Auf gleiche Bereifung je Achse achten. Innerhalb einer Achse gehören gleiche Reifen montiert; was beim Mischen erlaubt ist und was nicht, erklärt Mischbereifung.
  6. Luftdruck korrekt einstellen und die Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment kontrollieren.

Übrigens: Eine bestimmte Reifenart – etwa Winter- oder Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol – verlangt die HU nicht. Geprüft wird der technische Zustand, nicht die Saison. Welche Reifenvorschriften sonst in Deutschland gelten, fasst Reifen und Gesetz zusammen.

Reifen durchgefallen – und jetzt?

Wurde die Plakette wegen der Reifen verweigert, ist die Sache meist schnell erledigt: neue Reifen montieren lassen und innerhalb der Monatsfrist zur Nachuntersuchung. Gerade bei abgefahrenen Pneus lohnt es sich, gleich auf ein Modell mit guter Nasshaftung und ausreichend Profilreserve zu setzen, statt erneut auf Kante zu fahren.

In der gefragten Alltagsgröße 205/55 R16 sind das zum Beispiel der Hankook K135 Ventus Prime 4 205/55 R16 91V mit Nasshaftungsklasse A oder der Semperit Speed-Life 3 205/55 R16 91V. Eine größere Auswahl finden Sie bei den PKW-Sommerreifen und auf der Größenseite 205/55 R16. Wer ohnehin neue Räder braucht, schaut bei den Felgen vorbei.

So fällt die nächste HU zur reinen Formsache aus – und Sie sind das ganze Jahr über sicherer unterwegs.

Häufige Fragen

Lehnt der TÜV Reifen ab einem bestimmten Alter ab?

Für gewöhnliche Pkw-Reifen gibt es in Deutschland keine gesetzliche Altersgrenze; entscheidend ist der Zustand. Reifen über acht Jahre gelten aber als kritisch, über zehn Jahre führen sie häufig zu einem Hinweis oder Mangel. Bei Anhänger- und Wohnwagenreifen ist ein Höchstalter von sechs Jahren üblich.

Wie viel Profil brauchen die Reifen für die HU?

Gesetzlich mindestens 1,6 mm über das gesamte Hauptprofil. Aus Sicherheitsgründen empfehlen Fachleute jedoch, Sommerreifen schon ab etwa 3 mm und Winterreifen ab 4 mm zu wechseln.

Falle ich mit einem Nagel im Reifen durch den TÜV?

Ein eingefahrener Nagel, Schnitte, Risse oder Beulen gelten als erheblicher Mangel und führen in der Regel zum Nichtbestehen. Solche Beschädigungen sollten Sie ohnehin vor der Fahrt zur HU prüfen lassen.

Müssen meine Reifen zur eingetragenen Größe passen?

Ja. Die montierte Größe einschließlich Last- und Geschwindigkeitsindex muss mit der Zulassungsbescheinigung Teil I übereinstimmen. Abweichende Reifen ohne entsprechende Eintragung oder Freigabe kosten die Plakette.

Was passiert, wenn ich wegen der Reifen durchfalle?

Bei einem erheblichen Mangel erhalten Sie keine Plakette und müssen den Mangel beheben sowie das Fahrzeug innerhalb eines Monats zur Nachuntersuchung vorstellen. Mit neuen, einwandfreien Reifen ist die Nachprüfung schnell bestanden.

Schlagwörter: Hauptuntersuchung TÜV HU Profiltiefe Reifenmängel Verkehrssicherheit

Das könnte Sie auch interessieren