Motorradreifen richtig wählen: Welcher Reifen passt zu Ihrem Fahrstil?
Motorradreifen richtig wählen: Welcher Reifen passt zu Ihrem Fahrstil?
Motorradreifen haben einen besonders harten Job: Beim Zweirad ruht die gesamte Verbindung zur Straße auf zwei handtellergroßen Aufstandsflächen – beim Bremsen, Beschleunigen und in Schräglage. Der richtige Reifen entscheidet deshalb stärker als bei jedem Auto über Sicherheit und Fahrspaß. In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf es bei der Auswahl ankommt: von der gesetzlich wichtigen Reifenfreigabe über die Reifengröße bis zum passenden Reifentyp für Ihren Fahrstil – und wie Sie Profil, Alter und Luftdruck richtig im Blick behalten.
Zuerst die Pflicht: die Reifenfreigabe beachten
Bevor Sie über Marke oder Profil nachdenken, gilt für Motorräder eine Besonderheit: die Reifenfreigabe. Anders als beim Auto darf bei vielen – vor allem älteren – Maschinen nicht jeder beliebige Reifen montiert werden. Welche Fabrikate und Größen zugelassen sind, ergibt sich aus den Fahrzeugpapieren (Zulassungsbescheinigung Teil I) oder aus einer Reifenfreigabe bzw. Unbedenklichkeitsbescheinigung des Fahrzeugherstellers.
Weicht Ihr Wunschreifen davon ab, brauchen Sie eine entsprechende Freigabe – sonst riskieren Sie Probleme bei der Hauptuntersuchung und im Schadensfall. Im Zweifel hilft ein Blick in die Papiere, beim Fahrzeug- oder Reifenhersteller oder bei einer Prüforganisation. Der ADAC fasst die Regeln rund um Motorradreifen-Vorschriften kompakt zusammen (Quelle: ADAC).
Tipp: Notieren Sie sich die freigegebenen Größen und Fabrikate, bevor Sie auf die Suche gehen. Das erspart Fehlkäufe.
Die Reifengröße richtig lesen
Die Reifengröße steht auf der Flanke, zum Beispiel 120/70 ZR17 M/C 58W. So entschlüsseln Sie die Angaben:
- 120 – Reifenbreite in Millimetern.
- 70 – Querschnittsverhältnis in Prozent (Höhe = 70 % der Breite).
- ZR – Radialreifen (R) der höchsten Geschwindigkeitsklasse (Z, über 240 km/h).
- 17 – Felgendurchmesser in Zoll.
- M/C – Kennzeichnung „Motorcycle“ (Motorradreifen).
- 58 – Tragfähigkeitsindex (58 entspricht max. 236 kg je Reifen).
- W – Geschwindigkeitsindex (W = bis 270 km/h).
Ältere oder klassische Maschinen tragen oft Diagonalreifen mit Zoll-Maßen wie 3.50-18. Wichtig ist, dass Bauart, Größe und Indizes zu Ihrem Motorrad und zur Reifenfreigabe passen. Eine Übersicht der gefragtesten Motorradreifen für die Straße finden Sie direkt im Shop; die mit Abstand häufigste Sportgröße ist 120/70 R17.
Welcher Reifentyp passt zu Ihrem Fahrstil?
Motorradreifen sind auf unterschiedliche Einsatzzwecke abgestimmt. Wer überwiegend gemütlich tourt, braucht andere Eigenschaften als jemand, der sportlich über die Hausstrecke heizt oder auch mal über Schotter fährt. Die wichtigsten Kategorien im Überblick:
Touren- und Sport-Tourenreifen
Der Allrounder für die meisten Biker. Tourenreifen punkten mit hoher Laufleistung, gutem Nässeverhalten und stabilem Geradeauslauf – ideal für lange Etappen und beladene Maschinen. Sport-Tourenreifen schlagen die Brücke zu mehr Kurvenfreude, ohne die Langstreckentauglichkeit zu opfern. Beliebte Vertreter:
- Pirelli Angel GT II 120/70ZR17 58W – Sport-Tourer mit ausgewogenem Grip-/Laufleistungs-Verhältnis.
- Metzeler ME 888 Marathon Ultra 100/90-19 57H – auf Langlebigkeit und hohe Lasten ausgelegter Tourenreifen (auch für schwere Cruiser).
Sport- und Hypersportreifen
Für maximale Schräglagenfreiheit und Bremsleistung auf trockener und warmer Straße. Sie bieten enormen Grip, sprechen schnell an – verschleißen dafür aber schneller und wollen erst auf Temperatur kommen. Eine bekannte Wahl ist der Dunlop Sportsmart MK4 120/70ZR17 58W.
Enduro- und Adventure-Reifen
Für Reiseenduros und Maschinen, die neben Asphalt auch Schotter und leichtes Gelände sehen. Grobstollige Profile sorgen abseits der Straße für Grip; die Mischung aus Straßen- und Offroad-Anteil unterscheidet die Modelle stark. Ein Klassiker mit hohem Straßenanteil und langer Lebensdauer ist der Heidenau K 60 Scout 120/80-18 62T. Das passende Sortiment finden Sie unter Enduro-/Crossreifen.
Roller- und Kleinkraftrad-Reifen
Für Roller, Moped und Mofa zählen vor allem Robustheit, gutes Nässeverhalten und lange Haltbarkeit im Alltag – Spitzen-Schräglagen spielen hier eine kleinere Rolle.
Profiltiefe und Reifenalter: Wann der Reifen runter muss
Wie beim Auto gilt in Deutschland eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm (§ 36 StVZO). Der ADAC weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass dieser Wert nur noch „einen Rest an Sicherheit“ bietet – gerade bei Nässe lässt die Haftung schon deutlich früher nach (Quelle: ADAC). Wer auf Sicherheit setzt, plant den Wechsel rechtzeitig vor Erreichen der Grenze.
Mindestens ebenso wichtig ist das Reifenalter. Gummi altert auch ohne Nutzung und verliert mit der Zeit an Grip – bei Motorrädern fällt das oft nicht auf, weil die Maschine über den Winter steht und Reifen unbemerkt sehr alt werden. Als Orientierung nennt der ADAC: Sommerreifen spätestens nach rund 10 Jahren, Winterreifen nach etwa 8 Jahren tauschen (Quelle: ADAC). Das Herstellungsdatum lesen Sie an der DOT-Nummer auf der Flanke ab: Die letzten vier Ziffern stehen für Kalenderwoche und Jahr (z. B. 2522 = 25. Woche 2022).
Luftdruck: der unterschätzte Sicherheitsfaktor
Kein Bauteil reagiert so empfindlich auf falschen Luftdruck wie der Motorradreifen. Zu wenig Druck lässt den Reifen schwammig werden, erhöht den Verschleiß und kann ihn gefährlich überhitzen. So machen Sie es richtig:
- Immer am kalten Reifen prüfen – nach längeren Fahrten steigt der Druck und das Messergebnis täuscht.
- Herstellerwerte verwenden – die richtigen Werte stehen im Handbuch, oft auch am Kettenschutz oder am Rahmen.
- Beladung berücksichtigen – mit Sozius und Gepäck gelten meist höhere Werte als bei Solofahrt.
- Regelmäßig kontrollieren – am besten vor jeder längeren Tour, mindestens alle zwei Wochen.
Wie stark Hitze und Beladung den Druck beeinflussen, lesen Sie auch in unserem Ratgeber Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.
Neue Reifen richtig einfahren
Frische Motorradreifen haben eine sehr glatte Oberfläche und bieten anfangs noch nicht den vollen Grip. Gängige Herstellerempfehlung: die ersten rund 100 bis 200 Kilometer zurückhaltend fahren, sanft bremsen und beschleunigen und die Schräglage langsam steigern. So baut der Reifen seine volle Haftung auf – das gilt besonders für sportliche Mischungen.
Vorder- und Hinterreifen als Paar denken
Vorder- und Hinterreifen sind aufeinander abgestimmt. Eine Mischbereifung aus verschiedenen Modellen oder Fabrikaten ist nicht zu empfehlen, weil das Fahrverhalten unausgewogen werden kann – und sie muss zur Reifenfreigabe passen (Quelle: ADAC). Setzen Sie im Zweifel auf die vom Hersteller vorgesehene Paarung. Ist der Hinterreifen abgefahren, lohnt sich oft ein Blick auf den Vorderreifen – häufig ist ein Satz die sinnvollere Wahl.
Fazit
Der beste Motorradreifen ist der, der zu Ihrem Motorrad, Ihrer Reifenfreigabe und Ihrem Fahrstil passt – und der technisch einwandfrei ist. Prüfen Sie zuerst die freigegebenen Größen und Fabrikate, wählen Sie dann den richtigen Typ (Touren, Sport oder Enduro) und behalten Sie Profil, Alter und Luftdruck im Auge. So holen Sie das Maximum an Sicherheit und Fahrspaß aus zwei kleinen Aufstandsflächen heraus. Eine große Auswahl passender Motorradreifen finden Sie in unserem Shop.
Häufige Fragen
Wie tief muss das Profil bei Motorradreifen mindestens sein?
Gesetzlich gilt in Deutschland eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm (§ 36 StVZO). Der ADAC empfiehlt jedoch, schon vorher zu wechseln, da die Nasshaftung deutlich früher nachlässt.
Wie alt dürfen Motorradreifen sein?
Gummi altert auch ungenutzt. Als Orientierung nennt der ADAC einen Tausch spätestens nach rund 10 Jahren (Sommerreifen) bzw. 8 Jahren (Winterreifen). Das Herstellungsdatum verrät die DOT-Nummer (Woche/Jahr) auf der Reifenflanke.
Darf ich vorne und hinten unterschiedliche Reifenmarken fahren?
Davon ist abzuraten: Eine Mischbereifung kann das Fahrverhalten verschlechtern und muss zur Reifenfreigabe Ihres Motorrads passen. Sicherer ist die vom Hersteller vorgesehene Reifenpaarung.
Wie fahre ich neue Motorradreifen ein?
Fahren Sie die ersten rund 100 bis 200 Kilometer zurückhaltend, bremsen und beschleunigen Sie sanft und steigern Sie die Schräglage langsam. So baut der Reifen seinen vollen Grip auf.
Woher weiß ich, welche Reifen für mein Motorrad zugelassen sind?
Die freigegebenen Größen und Fabrikate stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I oder in einer Reifenfreigabe des Fahrzeugherstellers. Im Zweifel fragen Sie beim Hersteller oder einer Prüforganisation nach.