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Alufelgen – Ratgeber im Magazin

Radschrauben und Radmuttern: Bundform, Länge und Drehmoment richtig wählen

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 03.07.2026
Hand setzt eine Radschraube in eine silberne Alufelge, daneben ein Drehmomentschlüssel (KI-generiert, OpenAI)
Hand setzt eine Radschraube in eine silberne Alufelge, daneben ein Drehmomentschlüssel (KI-generiert, OpenAI)

Sie haben sich neue Felgen gekauft – und die alten Radschrauben passen plötzlich nicht mehr? Das ist kein Zufall: Schraube ist nicht gleich Schraube. Bundform, Gewinde und Länge müssen exakt zur Felge und zum Fahrzeug passen, sonst sitzt das Rad nicht sicher. Weil die Radbefestigung ein echtes Sicherheitsbauteil ist, lohnt es sich, die wichtigsten Begriffe einmal in Ruhe zu verstehen. Wir erklären Ihnen, worauf es bei Radschrauben und Radmuttern wirklich ankommt.

Radschrauben oder Radmuttern – zwei Systeme

Für die Befestigung eines Rades gibt es zwei grundsätzliche Systeme, und Ihr Fahrzeug ist immer für genau eines davon ausgelegt:

  • Radschrauben: Die Schraube wird durch die Felge direkt in ein Gewinde in der Radnabe geschraubt. Dieses System ist bei vielen europäischen Herstellern verbreitet (z. B. VW, Audi, BMW, Mercedes, Opel).
  • Radbolzen mit Radmuttern: In der Nabe stecken feste Gewindebolzen (Stehbolzen); das Rad wird mit aufgeschraubten Muttern gesichert. Verbreitet ist das u. a. bei vielen französischen, japanischen und amerikanischen Modellen.

Beide Systeme erfüllen denselben Zweck. Umrüsten lässt sich aber nicht einfach von einem aufs andere, da das von der Bauart der Nabe abhängt. Für die Auswahl von Bundform, Gewinde und Länge gelten bei Schraube und Mutter dieselben Regeln.

Die Bundform: Kegelbund, Kugelbund oder Flachbund

Der „Bund" ist die Auflagefläche, mit der Schraube oder Mutter im Schraubenloch der Felge sitzt. Sie muss exakt zur Form des Schraubenlochs passen – das ist der häufigste Fehler beim Felgenwechsel. Es gibt drei Grundformen:

  • Kegelbund: kegelförmiger Sitz, meist mit 60°-Winkel. Die mit Abstand häufigste Form – typisch für Stahlräder und die meisten Zubehör-Alufelgen.
  • Kugelbund: kugelig-runder Sitz mit einem bestimmten Radius (gängig sind R12, R13 und R14). Häufig in der Erstausrüstung, zum Beispiel bei vielen VW- und Audi-Modellen.
  • Flachbund: planer Sitz, der mit einer (oft fest verbundenen) Scheibe flach auf der Felge aufliegt. Verbreitet bei französischen Fahrzeugen und einigen weiteren Herstellern.

Warum die Bundform niemals raten?

Setzen Sie eine falsche Bundform ein – etwa Kugelbundschrauben in eine Felge, die Kegelbund verlangt –, liegt die Schraube nur mit einer winzigen oder falschen Fläche auf. Die Folgen sind gefährlich: Der hohe punktuelle Druck kann den Felgensitz beschädigen, die Schraube verliert ihre Vorspannung, lockert sich und kann im Extremfall brechen. Schon „eine falsche Bundform kann zu beschädigten Felgensitzen oder lockeren Rädern führen", warnt der Ratgeber zu Radschrauben und Radmuttern auf felgengutachten.de. Genau deshalb brauchen Sie beim Wechsel von Stahl- auf Alufelgen häufig andere Schrauben.

Tipp: Halten Sie eine alte und eine neue Schraube nebeneinander. Stimmen Bundform, Gewinde und Länge nicht exakt überein, gehört die neue Schraube nicht an Ihr Auto.

Gewinde und Länge müssen stimmen

Neben der Bundform entscheiden zwei weitere Maße über die Sicherheit:

  • Gewinde: Es muss exakt zum Nabengewinde passen. Gängig sind bei Pkw zum Beispiel M12 × 1,5, M12 × 1,25, M14 × 1,5 und M14 × 1,25. Ein „fast passendes" Gewinde gibt es nicht – wer es mit Gewalt einschraubt, zerstört das Gewinde in der Nabe.
  • Länge: Alufelgen sind im Schraubenkanal oft dicker als Stahlfelgen. Dann brauchen Sie längere Schrauben, damit genug Gewinde in der Nabe greift. Als Orientierung gilt: Es sollten mindestens so viele Gewindegänge fassen, wie der Schraubendurchmesser in Millimetern beträgt (bei M14 also rund 14 mm Einschraubtiefe).

Beide Richtungen sind kritisch: Eine zu kurze Schraube greift mit zu wenig Gewinde – das hält die Belastung nicht aus. Eine zu lange Schraube kann im Nabengewinde anstoßen, bevor das Rad fest anliegt: Dann fühlt sich die Verschraubung fest an, klemmt das Rad aber gar nicht richtig. Auch wenn Sie eine Spurverbreiterung mit Distanzscheiben montieren, ändert sich die nötige Schraubenlänge – planen Sie das immer mit ein.

Zentrierung und Zentrierringe

Damit ein Rad rund und vibrationsfrei läuft, muss es zentriert sitzen. Dafür gibt es zwei Prinzipien:

  • Nabenzentrisch: Das Rad zentriert sich über einen Kragen an der Nabe, auf den die Mittenbohrung der Felge passgenau aufsitzt. Zubehör-Alufelgen haben oft eine größere Mittenbohrung, damit sie auf viele Fahrzeuge passen. Den Unterschied gleichen Zentrierringe aus, die in die Felge eingesetzt werden.
  • Bolzenzentrisch: Hier übernehmen allein die (Kegel-)Schrauben die Zentrierung; eine Mittenzentrierung an der Nabe gibt es nicht.

Wichtig: Zentrierringe tragen keine Last – die hält allein die Verschraubung. Die Ringe sorgen nur dafür, dass das Rad beim Anziehen mittig sitzt; ohne passenden Ring kann ein nabenzentrisches Rad unrund laufen und vibrieren. Das bestätigen auch Felgenhersteller wie RIAL in ihren Hinweisen zu Zentrierringen. Mehr zu Lochkreis, Einpresstiefe und Mittenbohrung lesen Sie in unserem Beitrag zu den Anschlussmaßen von Felgen.

Richtig anziehen: Drehmoment und Nachziehen

Sind die richtigen Schrauben gefunden, kommt es auf die Montage an:

  1. Schrauben von Hand ansetzen und über Kreuz gleichmäßig anziehen – nie eine nach der anderen im Kreis.
  2. Mit dem Drehmomentschlüssel auf den vorgeschriebenen Wert anziehen. Bei Pkw liegt er in der Regel zwischen rund 80 und 160 Nm – maßgeblich ist immer die Vorgabe von Fahrzeug- bzw. Felgenhersteller.
  3. Nach 50 bis 100 Kilometern nachziehen. Das ist keine Kür, sondern Pflicht: Die Verbindung setzt sich, und die Vorspannung muss kontrolliert werden.

Aluminium reagiert empfindlicher auf zu hohe Kräfte als Stahl – ein Schlagschrauber ohne Drehmomentbegrenzung hat an der Felge nichts zu suchen. Die komplette Vorgehensweise samt Sicherheits-Tipps finden Sie in unserer Anleitung zum Räder selbst wechseln.

Woher weiß ich, welche Schrauben ich brauche?

Die verbindliche Auskunft gibt das Felgengutachten bzw. die ABE Ihrer Felge: Dort stehen die vorgeschriebenen Schrauben (Bundform, Gewinde, Länge) und das Anzugsdrehmoment. Beim Kauf von Komplettädern sind die passenden Schrauben oft schon dabei. Wie Sie Gutachten und Eintragung richtig handhaben, erklärt unser Ratgeber zum Felgen eintragen lassen.

In unserem Shop finden Sie passende Radschrauben für viele Fahrzeuge – zum Beispiel Kugelbund-Radschrauben für Škoda Fabia, Octavia und Superb. Wer ohnehin neue Räder plant, schaut sich am besten gleich unsere Alufelgen oder die fertig montierten Kompletträder an. Denken Sie bei neuen Felgen auch an die Sicherung gegen Diebstahl – wie Felgenschlösser funktionieren, lesen Sie separat.

Häufige Fragen

Kann ich Kugelbund- gegen Kegelbundschrauben tauschen?

Nein. Die Bundform muss exakt zur Form des Schraubenlochs in der Felge passen. Eine falsche Bundform liegt nur mit zu kleiner Fläche auf, kann den Felgensitz beschädigen und sich lockern – ein ernstes Sicherheitsrisiko.

Welche Radschrauben brauche ich für meine neuen Alufelgen?

Die im Felgengutachten bzw. der ABE genannten – passend in Bundform, Gewinde und Länge. Bei Komplettädern liegen sie meist bei. Im Zweifel lassen Sie Bundform und Länge im Fachbetrieb prüfen.

Wie fest zieht man Radschrauben an?

Nach der Vorgabe von Fahrzeug- oder Felgenhersteller, bei Pkw meist im Bereich von rund 80 bis 160 Nm. Immer mit dem Drehmomentschlüssel und über Kreuz anziehen – und nach 50 bis 100 km einmal nachziehen.

Wozu brauche ich Zentrierringe?

Sie gleichen die größere Mittenbohrung einer Zubehör-Alufelge an den kleineren Nabenkragen an, damit das Rad mittig läuft. Sie tragen keine Last, sondern zentrieren nur – die Klemmkraft übernehmen die Schrauben.

Sind zu lange Radschrauben gefährlich?

Ja. Stößt die Schraube im Nabengewinde an, bevor das Rad anliegt, wird es nicht festgeklemmt, obwohl sich die Schraube fest anfühlt. Die Länge muss daher genau zur Felge passen – bei dickeren Alufelgen und mit Distanzscheiben meist länger als die Originalschraube.

Fazit

Radschrauben und Radmuttern sind kleine Bauteile mit großer Wirkung: Bundform, Gewinde und Länge müssen exakt zu Felge und Fahrzeug passen, das Anzugsmoment und das Nachziehen entscheiden über den sicheren Sitz. Im Zweifel hilft das Felgengutachten oder ein Fachbetrieb weiter. Die passenden Radschrauben und neuen Felgen finden Sie über die oben verlinkte Kategorie direkt in unserem Shop.

Schlagwörter: Radschrauben Radmuttern Alufelgen Felgen Radmontage Drehmoment

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