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Kompletträder

Räder selbst wechseln: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Drehmoment und Sicherheits-Tipps

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 25.06.2026
KI-generiert (OpenAI): Person zieht mit einem Drehmomentschlüssel die Radschrauben eines Komplettrads über Kreuz fest, Auto auf dem Wagenheber
KI-generiert (OpenAI): Person zieht mit einem Drehmomentschlüssel die Radschrauben eines Komplettrads über Kreuz fest, Auto auf dem Wagenheber

Zweimal im Jahr das gleiche Spiel: Die Saison wechselt, und der zweite Radsatz will montiert werden. Wer Kompletträder im Keller stehen hat – also Reifen, die bereits fertig auf der Felge sitzen –, kann den Räderwechsel mit etwas Übung und dem richtigen Werkzeug problemlos selbst erledigen. Das spart Geld und Wartezeit. Damit das Rad anschließend aber auch wirklich sicher am Auto sitzt, kommt es auf ein paar Details an: die richtige Reihenfolge, das korrekte Drehmoment und das oft vergessene Nachziehen nach den ersten Kilometern. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie es geht – und wann Sie das Wechseln besser der Werkstatt überlassen.

Räderwechsel oder Reifenwechsel? Die Begriffe kurz geklärt

Im Alltag werden beide Begriffe oft vermischt, technisch sind es zwei verschiedene Dinge:

  • Räderwechsel (Radwechsel): Sie tauschen das komplette Rad – Reifen samt Felge – als Einheit gegen ein anderes. Genau das macht ein Komplettrad so praktisch. Diesen Wechsel können Sie selbst vornehmen.
  • Reifenwechsel (Reifenmontage): Hier wird der alte Reifen von der Felge abgezogen und ein neuer aufgezogen, anschließend ausgewuchtet. Das erfordert eine Montiermaschine und gehört in die Werkstatt – mehr dazu in unserem Ratgeber Reifen montieren lassen.

Diese Anleitung beschreibt den Räderwechsel mit fertigen Kompletträdern. Was Kompletträder im Detail ausmacht und worauf Sie beim Kauf achten sollten, lesen Sie in unserem Beitrag Kompletträder: Vorteile, Saisonwechsel und worauf Sie beim Kauf achten.

Wann sich der Wechsel in Eigenregie lohnt – und wann nicht

Selbst wechseln lohnt sich vor allem, wenn Sie Kompletträder besitzen, einen festen, ebenen Platz zum Arbeiten haben und das nötige Werkzeug. Ein großer Vorteil: Fertige Kompletträder sind beim Kauf bereits ausgewuchtet. Beim reinen Räderwechsel müssen Sie also nichts neu auswuchten lassen – das ist nur beim Aufziehen neuer Reifen oder bei einer spürbaren Unwucht nötig (was eine Unwucht ist und wie sie sich bemerkbar macht, erklären wir unter Räder auswuchten).

Lieber in die Werkstatt sollten Sie, wenn Ihnen ein sicherer Stellplatz, ein stabiler Wagenheber oder ein Drehmomentschlüssel fehlt, wenn die Radschrauben festgerostet sind oder wenn Sie sich beim Aufbocken unsicher fühlen. Sicherheit geht hier klar vor Sparsamkeit.

Werkzeug-Checkliste

Der ADAC empfiehlt für den Räderwechsel zu Hause folgendes Werkzeug:

  • stabiler Wagenheber (am besten ein Rangierwagenheber statt des dünnen Bordwagenhebers)
  • Unterstellbock als zusätzliche Absicherung des angehobenen Fahrzeugs
  • Radkreuz zum Lösen und Vorab-Anziehen der Schrauben
  • Drehmomentschlüssel für das exakte Festziehen
  • Drahtbürste zum Säubern von Gewinde und Auflageflächen
  • eine Schachtel oder Schale für die Radschrauben
  • der Schlüssel/Adapter fürs Felgenschloss, falls vorhanden

Dazu kommen Unterlegkeile und – je nach Fahrzeug – die Information über das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment aus der Bedienungsanleitung.

Schritt für Schritt: Räder sicher selbst wechseln

1. Fahrzeug vorbereiten und sichern

Stellen Sie das Auto auf einen ebenen, festen Untergrund (Asphalt oder Beton, kein weicher Boden). Ziehen Sie die Handbremse fest an, legen Sie einen Gang ein (bzw. Stellung „P" beim Automatik) und sichern Sie das gegenüberliegende Rad mit Unterlegkeilen gegen Wegrollen.

2. Radschrauben lösen, solange das Rad am Boden steht

Lösen Sie die Radschrauben mit dem Radkreuz nur eine Vierteldrehung an – noch bevor Sie das Auto anheben. Steht das Rad noch auf dem Boden, hält es beim Lösen gegen und dreht sich nicht mit. Ein eventuell vorhandenes Felgenschloss zuerst mit dem passenden Adapter behandeln.

3. Fahrzeug aufbocken

Setzen Sie den Wagenheber nur an den dafür vorgesehenen Aufnahmepunkten an – meist eine Verstärkung am Schweller, oft durch eine Markierung oder Kerbe gekennzeichnet (siehe Bedienungsanleitung). Heben Sie das Rad gerade so weit an, dass es frei dreht, und stellen Sie zur Sicherheit den Unterstellbock unter. Erst dann drehen Sie die gelösten Schrauben ganz heraus.

4. Rad abnehmen und alles prüfen

Nehmen Sie das Rad ab und nutzen Sie die Gelegenheit für einen kurzen Check: Gewinde der Schrauben und die Auflageflächen an Nabe und Felge müssen sauber und frei von Rost sein – bei Bedarf mit der Drahtbürste reinigen. Werfen Sie auch einen Blick auf den abgenommenen Reifen: Profiltiefe, Alter und sichtbare Schäden (Risse, Beulen). So fällt ein fälliger Reifenwechsel rechtzeitig auf.

5. Neues Rad montieren

Setzen Sie das Komplettrad auf und achten Sie bei laufrichtungsgebundenen Reifen auf den Pfeil bzw. die Aufschrift „Rotation" an der Flanke – er muss in Fahrtrichtung zeigen. Drehen Sie alle Radschrauben zunächst handfest über Kreuz ein, damit das Rad plan an der Nabe anliegt.

6. Über Kreuz mit Drehmoment festziehen

Lassen Sie das Fahrzeug wieder ab, bis das Rad Bodenkontakt hat, und ziehen Sie die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz (diagonal, nicht im Kreis herum) auf den vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Wert fest. Über Kreuz sorgt dafür, dass sich das Rad gleichmäßig und mittig setzt.

7. Reifendruck, RDKS und Radposition

Prüfen Sie zum Schluss den Reifendruck und passen Sie ihn an die Vorgaben Ihres Fahrzeugs an – eingelagerte Räder haben oft etwas zu wenig oder (bewusst) etwas zu viel Druck (Details unter Richtiger Reifendruck). Bei Fahrzeugen mit direktem Reifendruck­kontrollsystem müssen die Sensoren des zweiten Radsatzes erkannt bzw. ein indirektes System neu kalibriert werden (RDKS direkt oder indirekt). Markieren Sie die abgenommenen Räder mit ihrer Position (z. B. VL, VR, HL, HR), damit Sie sie nächste Saison seitenrichtig wieder montieren können.

Das richtige Drehmoment – und warum es so wichtig ist

Den exakten Drehmomentwert für Ihr Auto finden Sie in der Bedienungsanleitung; viele Fahrzeuge zeigen ihn auch auf einem Aufkleber im Türholm oder an der Tankklappe. Als grobe Orientierung liegen Pkw-Werte laut Fachhandel bei rund 90 bis 120 Nm für Stahlfelgen und 100 bis 130 Nm für Alufelgen – verbindlich ist aber immer die Herstellerangabe Ihres Fahrzeugs.

Warum der Drehmomentschlüssel Pflicht ist, zeigt der Blick auf beide Extreme:

  • Zu locker angezogene Schrauben können sich während der Fahrt lösen – im schlimmsten Fall löst sich das Rad.
  • Zu fest angezogen drohen Schäden an Schrauben, Gewinde oder Radnabe, und die Schrauben lassen sich beim nächsten Wechsel kaum noch lösen.

Ein wichtiger Punkt: Gewinde und Auflageflächen sollen sauber und rostfrei, aber nicht eingeölt oder gefettet sein – Schmiermittel verfälscht das Drehmoment, sodass die Schrauben trotz „richtiger" Anzeige zu stramm sitzen. Die passenden Radschrauben in der korrekten Länge und Form gehören übrigens zum Komplettrad dazu; was es damit auf sich hat, lesen Sie unter Felgen-Anschlussmaße.

Nach 50 Kilometern: Radschrauben nachziehen

Der wichtigste – und am häufigsten vergessene – Schritt kommt nach dem Wechsel: Der ADAC empfiehlt, die Verschraubung nach etwa 50 Kilometern noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel zu kontrollieren und gegebenenfalls nachzuziehen. Der Grund: Die frisch montierten Räder „setzen" sich, die Verbindung zwischen Felge und Nabe kann sich minimal nachgeben. Diese kurze Kontrolle ist Ihre wichtigste Sicherheitsreserve – sie kostet zwei Minuten und beugt einem im Extremfall lebensgefährlichen Radverlust vor.

Häufige Fehler beim Räderwechsel

  • Ohne Drehmomentschlüssel „nach Gefühl" anziehen – die häufigste Fehlerquelle.
  • Im Kreis statt über Kreuz festziehen – das Rad sitzt dann nicht plan.
  • Das Nachziehen nach 50 km vergessen.
  • Schrauben oder Gewinde einfetten/einölen und so das Drehmoment verfälschen.
  • Auf weichem Untergrund aufbocken oder den Wagenheber falsch ansetzen.
  • Falsche Radschrauben verwenden (zu kurz/zu lang oder falsche Kegelform) – nur die zur Felge passenden Schrauben gehören ans Rad.

Wann Sie besser in die Werkstatt fahren

Festgerostete Schrauben, fehlendes oder unsicheres Werkzeug, kein geeigneter Stellplatz oder Unsicherheit beim Aufbocken sind klare Gründe, den Wechsel machen zu lassen. Auch wer ein neues Set Reifen auf vorhandene Felgen ziehen lassen möchte, kommt um die Werkstatt nicht herum – das ist eine Reifenmontage, kein Räderwechsel.

Passende Kompletträder, Felgen und Reifen im Shop

Wer den Saisonwechsel künftig selbst erledigen möchte, fährt mit fertigen Kompletträdern am bequemsten – eine Auswahl finden Sie in unserer Rubrik Kompletträder. Die passenden Radschrauben sowie Felgen führen wir ebenfalls. Und wenn ohnehin neue Reifen fällig sind: Beliebte Sommerreifen wie der Hankook Ventus Prime 4 oder der Uniroyal RainSport 5 sind etwa in der gängigen Größe 205/55 R16 lieferbar.

Fazit

Den Räderwechsel mit Kompletträdern können Sie mit etwas Sorgfalt gut selbst übernehmen. Entscheidend für die Sicherheit sind drei Dinge: sauber arbeiten, über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festziehen und nach rund 50 Kilometern nachziehen. Wer sich das nicht zutraut oder nicht das richtige Werkzeug hat, ist in der Werkstatt gut aufgehoben – beim Thema Rad sollte man keine Kompromisse eingehen.

Häufige Fragen

Mit welchem Drehmoment ziehe ich die Radschrauben an?

Mit dem in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs angegebenen Wert. Als grobe Orientierung liegen Pkw-Werte bei rund 90–120 Nm (Stahlfelgen) bzw. 100–130 Nm (Alufelgen). Verbindlich ist immer die Herstellerangabe – nutzen Sie dafür einen Drehmomentschlüssel und ziehen Sie über Kreuz an.

Muss ich die Radschrauben nach dem Wechsel wirklich nachziehen?

Ja. Der ADAC rät, die Schrauben nach etwa 50 Kilometern noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel zu prüfen und bei Bedarf nachzuziehen, weil sich die Räder anfangs setzen. Dieser kurze Check ist ein wichtiger Sicherheitsschritt.

Muss ich Kompletträder nach dem Wechsel auswuchten lassen?

Nein. Fertige Kompletträder sind beim Kauf bereits ausgewuchtet. Ein erneutes Auswuchten ist nur nötig, wenn neue Reifen aufgezogen werden oder sich eine Unwucht durch Vibrationen bemerkbar macht.

Worauf muss ich bei laufrichtungsgebundenen Reifen achten?

Solche Reifen tragen einen Pfeil oder die Aufschrift „Rotation" an der Flanke. Dieser muss in Fahrtrichtung zeigen. Achten Sie deshalb beim Einlagern darauf, die Räder mit ihrer Position (z. B. vorne links, hinten rechts) zu kennzeichnen.

Darf ich die Radschrauben einfetten, damit sie leichter gehen?

Nein. Gewinde und Auflageflächen sollen sauber und rostfrei, aber trocken sein. Fett oder Öl verfälscht das Drehmoment – die Schrauben sitzen dann trotz korrekter Anzeige zu fest.

Schlagwörter: Kompletträder Räderwechsel Drehmoment Radschrauben Saisonwechsel Anleitung

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