Räder selbst wechseln: Anleitung, Drehmoment und die Haftungsfrage nach 50 Kilometern
Zweimal im Jahr das gleiche Spiel: Die Saison wechselt, und der zweite Radsatz will montiert werden. Wer Kompletträder im Keller stehen hat – also Reifen, die bereits fertig auf der Felge sitzen –, kann den Räderwechsel mit etwas Übung und dem richtigen Werkzeug problemlos selbst erledigen. Das spart Geld und Wartezeit. Damit das Rad anschließend aber auch wirklich sicher am Auto sitzt, kommt es auf ein paar Details an: die richtige Reihenfolge, das korrekte Drehmoment und das oft vergessene Nachziehen nach den ersten Kilometern. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie es geht, welche Sonderfälle es beim Elektroauto und beim Notrad gibt – und warum die Frage nach dem Nachziehen am Ende auch eine Rechtsfrage ist.
Räderwechsel oder Reifenwechsel? Die Begriffe kurz geklärt
Im Alltag werden beide Begriffe oft vermischt, technisch sind es zwei verschiedene Dinge:
- Räderwechsel (Radwechsel): Sie tauschen das komplette Rad – Reifen samt Felge – als Einheit gegen ein anderes. Genau das macht ein Komplettrad so praktisch. Diesen Wechsel können Sie selbst vornehmen.
- Reifenwechsel (Reifenmontage): Hier wird der alte Reifen von der Felge abgezogen und ein neuer aufgezogen, anschließend ausgewuchtet. Das erfordert eine Montiermaschine und gehört in die Werkstatt – mehr dazu in unserem Ratgeber Reifen montieren lassen.
Diese Anleitung beschreibt den Räderwechsel mit fertigen Kompletträdern. Was Kompletträder im Detail ausmacht und worauf Sie beim Kauf achten sollten, lesen Sie in unserem Beitrag Kompletträder: Vorteile, Saisonwechsel und worauf Sie beim Kauf achten.
Wann sich der Wechsel in Eigenregie lohnt – und wann nicht
Selbst wechseln lohnt sich vor allem, wenn Sie Kompletträder besitzen, einen festen, ebenen Platz zum Arbeiten haben und das nötige Werkzeug. Ein großer Vorteil: Fertige Kompletträder sind beim Kauf bereits ausgewuchtet. Beim reinen Räderwechsel müssen Sie also nichts neu auswuchten lassen – das ist nur beim Aufziehen neuer Reifen oder bei einer spürbaren Unwucht nötig (was eine Unwucht ist und wie sie sich bemerkbar macht, erklären wir unter Räder auswuchten).
Wann Sie besser in die Werkstatt fahren: Festgerostete Radschrauben, fehlendes oder unsicheres Werkzeug – etwa ein stabiler Wagenheber oder ein Drehmomentschlüssel –, kein sicherer, geeigneter Stellplatz oder Unsicherheit beim Aufbocken sind klare Gründe, den Wechsel machen zu lassen. Sicherheit geht hier klar vor Sparsamkeit. Auch wer ein neues Set Reifen auf vorhandene Felgen ziehen lassen möchte, kommt um die Werkstatt nicht herum – das ist eine Reifenmontage, kein Räderwechsel.
Und noch ein Punkt, den viele unterschätzen: Wer selbst schraubt, übernimmt damit auch die Verantwortung für das Ergebnis. Was das im Schadensfall konkret bedeutet, lesen Sie weiter unten im Abschnitt zum Nachziehen und zur Haftung – es ist der stärkste Grund, diese Anleitung wirklich Punkt für Punkt abzuarbeiten.
Schritt für Schritt: Räder sicher selbst wechseln
Die Werkzeug-Checkliste vorab: Die ADAC-Anleitung zum Räderwechsel (Stand 2. April 2026) empfiehlt für den Räderwechsel zu Hause folgendes Werkzeug:
- stabiler Wagenheber (am besten ein Rangierwagenheber statt des dünnen Bordwagenhebers)
- Unterstellbock als zusätzliche Absicherung des angehobenen Fahrzeugs
- Radkreuz zum Lösen und Vorab-Anziehen der Schrauben
- Drehmomentschlüssel für das exakte Festziehen
- Drahtbürste zum Säubern von Gewinde und Auflageflächen
- eine Schachtel oder Schale für die Radschrauben
- der Schlüssel/Adapter fürs Felgenschloss, falls vorhanden
Dazu kommen Unterlegkeile und – je nach Fahrzeug – die Information über das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment aus der Bedienungsanleitung. Ist alles griffbereit, geht es in sieben Schritten ans Werk:
1. Fahrzeug vorbereiten und sichern
Stellen Sie das Auto auf einen ebenen, festen Untergrund (Asphalt oder Beton, kein weicher Boden). Ziehen Sie die Handbremse fest an, legen Sie einen Gang ein (bzw. Stellung „P“ beim Automatik) und sichern Sie das gegenüberliegende Rad mit Unterlegkeilen gegen Wegrollen.
2. Radschrauben lösen, solange das Rad am Boden steht
Ziehen Sie zunächst – falls vorhanden – die Radkappe ab. Lösen Sie die Radschrauben mit dem Radkreuz dann nur eine Vierteldrehung an – noch bevor Sie das Auto anheben. Steht das Rad noch auf dem Boden, hält es beim Lösen gegen und dreht sich nicht mit. Ein eventuell vorhandenes Felgenschloss zuerst mit dem passenden Adapter behandeln.
3. Fahrzeug aufbocken
Setzen Sie den Wagenheber nur an den dafür vorgesehenen Aufnahmepunkten an – meist eine Verstärkung am Schweller, oft durch eine Markierung oder Kerbe gekennzeichnet (siehe Bedienungsanleitung). Heben Sie das Rad gerade so weit an, dass es frei dreht, und stellen Sie zur Sicherheit den Unterstellbock unter. Erst dann drehen Sie die gelösten Schrauben ganz heraus.
4. Rad abnehmen und alles prüfen
Wundern Sie sich nicht, wenn sich das Rad nicht sofort abziehen lässt: Leichtmetallräder sitzen auf der Zentrierung der Stahlnabe mit der Zeit oft ziemlich fest. Lösen Sie es dann vorsichtig durch Rütteln oder leichte Schläge mit dem Handballen von innen gegen die Reifenflanke – niemals mit dem Hammer auf die Felge. Nutzen Sie die Gelegenheit anschließend für einen kurzen Check: Gewinde der Schrauben und die Auflageflächen an Nabe und Felge müssen sauber und frei von Rost sein – bei Bedarf mit der Drahtbürste reinigen. Bei abgenommenem Rad liegen außerdem Bremsscheibe und Bremsbeläge frei; ein Kontrollblick auf Riefen, Rostkanten und die verbliebene Belagstärke kostet zehn Sekunden und ist sonst kaum möglich. Werfen Sie zuletzt einen Blick auf den abgenommenen Reifen: Alter, sichtbare Schäden (Risse, Beulen) und vor allem die Profiltiefe. Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, der ADAC empfiehlt jedoch mindestens 4 Millimeter bei Winter- und 3 Millimeter bei Sommerreifen – wie Sie richtig messen, steht in unserem Ratgeber Profiltiefe messen.
5. Neues Rad montieren
Setzen Sie das Komplettrad auf und achten Sie bei laufrichtungsgebundenen Reifen auf den Pfeil bzw. die Aufschrift „Rotation“ an der Flanke – er muss in Fahrtrichtung zeigen. Drehen Sie alle Radschrauben zunächst handfest über Kreuz ein, damit das Rad plan an der Nabe anliegt.
Auf welche Position das Rad gehört, ist keine Nebensache. Der ADAC rät, die Räder spätestens alle 8.000 bis 10.000 Kilometer achsweise zu tauschen – also das rechte Vorderrad nach hinten rechts und umgekehrt –, damit sich das Profil gleichmäßig abnutzt. Der Saisonwechsel ist der natürliche Anlass dafür. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Bei laufrichtungsgebundenen Reifen ist nur der Tausch auf derselben Fahrzeugseite möglich, ein diagonaler Wechsel scheidet aus. Und bei Mischbereifung, also unterschiedlichen Größen an Vorder- und Hinterachse, entfällt der Tausch ganz. Unterscheiden sich die Restprofiltiefen deutlich, gehören die Reifen mit dem größeren Restprofil grundsätzlich an die Hinterachse – ein Fahrzeug, dessen Hinterachse zuerst die Haftung verliert, ist deutlich schwerer zu beherrschen.
6. Über Kreuz mit Drehmoment festziehen
Lassen Sie das Fahrzeug wieder ab, bis das Rad Bodenkontakt hat, und ziehen Sie die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel über Kreuz (diagonal, nicht im Kreis herum) auf den vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Wert fest. Über Kreuz sorgt dafür, dass sich das Rad gleichmäßig und mittig setzt.
7. Reifendruck, RDKS und Radposition
Prüfen Sie zum Schluss den Reifendruck und passen Sie ihn an die Vorgaben Ihres Fahrzeugs an – eingelagerte Räder haben oft etwas zu wenig oder (bewusst) etwas zu viel Druck (Details unter Richtiger Reifendruck). Bei Fahrzeugen mit indirektem Reifendruckkontrollsystem genügt in der Regel eine Kalibrierung per Knopfdruck auf der ersten Fahrt. Bei einem direkten System mit Sensoren im Reifen muss dagegen meist jeder Sensor mit einem Spezialgerät neu angelernt werden (RDKS direkt oder indirekt). Das erledigt die Werkstatt – wer regelmäßig selbst wechselt, kann sich laut ADAC aber auch ein passendes Anlerngerät zulegen, das es für manche Fahrzeugmodelle bereits ab 15 bis 30 Euro gibt; alternativ gibt es Sensoren, die sich selbstständig anlernen. Markieren Sie die abgenommenen Räder zum Schluss mit ihrer Position (z. B. VL, VR, HL, HR) – am besten mit Wachskreide auf der Lauffläche –, damit Sie nächste Saison wissen, welches Rad wo gelaufen ist. Anschließend geht es an die Einlagerung, für die es eigene Regeln gibt (Reifen richtig lagern und pflegen).
Elektroauto, Notrad und Felgenschloss: drei Sonderfälle
Elektroauto: Der Räderwechsel am E-Auto lässt sich laut ADAC problemlos selbst durchführen – mit dem Hochvoltsystem kommt man dabei nicht in Kontakt. Entscheidend ist aber der Wagenheber: Er darf ausschließlich an den vom Hersteller vorgesehenen Hebepunkten angesetzt werden. Eine falsche Positionierung kann Schäden verursachen, bei Elektrofahrzeugen im schlimmsten Fall an der teuren Antriebsbatterie, die als flacher Block im Unterboden sitzt. Ein Blick in die Betriebsanleitung ist hier keine Formsache. Hinzu kommt das höhere Gewicht: Ein E-Auto stellt an Wagenheber und Unterstellbock spürbar höhere Anforderungen als ein gleich großer Verbrenner – was sich übrigens auch auf die Reifen auswirkt, wie unser Ratgeber E-Auto-Reifen zeigt.
Notrad: Für Noträder sind häufig eigene Anzugsdrehmomente vorgeschrieben, die vom Wert des normalen Rades abweichen. Auch hier gilt die Angabe des Fahrzeugherstellers, nicht die Gewohnheit. Was überhaupt ins Auto gehört und welche Alternativen es gibt, klärt unser Beitrag Ersatzrad, Notrad oder Pannenset.
Wechsel zwischen Stahl- und Leichtmetallrädern: Wer im Winter Stahl- und im Sommer Alufelgen fährt, braucht häufig unterschiedliche Radschrauben – die Bundform (Kegel, Kugel, Flach) und die nutzbare Gewindelänge unterscheiden sich je nach Felge. Legen Sie den zweiten Schraubensatz deshalb gleich mit den eingelagerten Rädern zusammen. Welche Form zu welcher Felge passt, erklären wir ausführlich unter Bundform, Länge und Drehmoment von Radschrauben. Dasselbe gilt für den Adapter des Felgenschlosses: Er gehört ins Handschuhfach oder zum Bordwerkzeug, nicht in die Werkstattschublade.
Das richtige Drehmoment – warum der Schlüssel Pflicht ist
Den exakten Drehmomentwert für Ihr Auto finden Sie in der Bedienungsanleitung; viele Fahrzeuge zeigen ihn auch auf einem Aufkleber im Türholm oder an der Tankklappe. Als grobe Orientierung liegen Pkw-Werte nach Drehmoment-Richtwerten für Alufelgen bei rund 90 bis 120 Nm für Stahlfelgen und 100 bis 130 Nm für Alufelgen – verbindlich ist aber immer die Herstellerangabe Ihres Fahrzeugs.
Warum der Drehmomentschlüssel Pflicht ist, zeigt der Blick auf beide Extreme:
- Zu locker angezogene Schrauben können sich während der Fahrt lösen – im schlimmsten Fall löst sich das Rad.
- Zu fest angezogen drohen Schäden an Schrauben, Gewinde oder Radnabe, und die Schrauben lassen sich beim nächsten Wechsel kaum noch lösen.
Ein wichtiger Punkt: Gewinde und Auflageflächen sollen sauber und rostfrei, aber nicht eingeölt oder gefettet sein – Schmiermittel verfälscht das Drehmoment, sodass die Schrauben trotz „richtiger“ Anzeige zu stramm sitzen. Aus demselben Grund hat der Schlagschrauber beim Festziehen nichts verloren: Er kennt kein definiertes Drehmoment und überzieht die Verbindung zuverlässig. Die passenden Radschrauben in der korrekten Länge und Form gehören übrigens zum Komplettrad dazu; was es damit auf sich hat, lesen Sie unter Felgen-Anschlussmaße.
Nachziehen nach 50 Kilometern – und wer haftet, wenn sich ein Rad löst
Der wichtigste – und am häufigsten vergessene – Schritt kommt nach dem Wechsel: die Verschraubung nach etwa 50 Kilometern noch einmal mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren und gegebenenfalls nachziehen. Der Grund: Die frisch montierten Räder „setzen“ sich, die Verbindung zwischen Felge und Nabe kann minimal nachgeben. Diese kurze Kontrolle ist Ihre wichtigste Sicherheitsreserve – sie kostet zwei Minuten und beugt einem im Extremfall lebensgefährlichen Radverlust vor.
Interessant ist, wie der ADAC diesen Hinweis technisch einordnet. Im Beitrag Radmuttern nachziehen: Wer haftet bei einem Unfall? (27. November 2025) sagt ADAC-Reifenexperte Ruprecht Müller sinngemäß: Wenn die Radbefestigungen in Ordnung sind und beim Anziehen das richtige Drehmoment verwendet wurde, muss das Rad halten. Der Zettel auf der Werkstattrechnung ist aus technischer Sicht also gar nicht nötig – er ist eine Sicherheitsmarge für den Fall, dass eben doch etwas nicht stimmte.
Und genau daraus wird im Schadensfall eine Rechtsfrage. Löst sich nach einem Werkstattbesuch ein Rad, spricht der erste Anschein laut ADAC dafür, dass der Radwechsel nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Das Oberlandesgericht München hat dazu einen Fall entschieden, der genau diese Konstellation betrifft: Einem Mercedes-Fahrer, der seine Sommerreifen in der Werkstatt hatte montieren lassen, löste sich nach rund 100 Kilometern auf der Autobahn das linke Hinterrad; es kam zu einem Unfall mit hohem Sachschaden. Die Werkstatt berief sich darauf, den Kunden schriftlich und mündlich auf die Kontrolle nach 50 Kilometern hingewiesen zu haben. In erster Instanz war das Landgericht München II dieser Argumentation teilweise gefolgt und hatte dem Autofahrer ein Mitverschulden von 30 Prozent zugerechnet.
Das OLG München sah das in der Berufung anders und verneinte jede Mitschuld des Kunden: Nach einem fachgerecht durchgeführten Reifenwechsel und ohne konkrete Anhaltspunkte für eine mangelhafte Montage dürfe sich der Kunde darauf verlassen, dass die Radmuttern auch nach 50 Kilometern fest sitzen – kontrollieren müsse er sie nicht. Ein Hinweis auf Rechnung oder Aufkleber ändere daran nichts, denn die Werkstatt dürfe die Kontrolle ihrer eigenen Arbeit nicht auf den Kunden abwälzen (OLG München, Urteil vom 19. Mai 2021, Az. 7 U 2338/20; das Urteil ist rechtskräftig). Eine Ausnahme benennt der ADAC allerdings ausdrücklich: Wer nach dem Wechsel Unregelmäßigkeiten im Fahrverhalten bemerkt und trotzdem nichts unternimmt, muss sehr wohl mit einer Mithaftung rechnen.
Für Selbstwechsler dreht sich diese Logik um. Der Schutz, den das Urteil beschreibt, richtet sich gegen die Werkstatt als Auftragnehmerin – wer selbst schraubt, hat niemanden, gegen den er sich richten könnte. Und die Verantwortung für den verkehrssicheren Zustand liegt ohnehin beim Fahrer: Nach § 23 Absatz 1 der Straßenverkehrs-Ordnung hat, wer ein Fahrzeug führt, dafür zu sorgen, dass es vorschriftsmäßig ist; § 31 Absatz 2 der StVZO nimmt zusätzlich den Halter in die Pflicht. Kommt es nach einem selbst durchgeführten Wechsel zu einem Radverlust, sind das die Normen, an denen gemessen wird – bis hin zu Konsequenzen beim Versicherungsschutz. Wie schnell ein technischer Mangel am Rad zu einem Haftungsproblem wird, zeigt auch unser Ratgeber Unfall mit abgefahrenen Reifen. Das Nachziehen nach 50 Kilometern ist deshalb für Selbstwechsler keine Empfehlung, sondern der Abschluss der Arbeit.
Häufige Fehler beim Räderwechsel
- Ohne Drehmomentschlüssel „nach Gefühl“ anziehen – die häufigste Fehlerquelle.
- Im Kreis statt über Kreuz festziehen – das Rad sitzt dann nicht plan.
- Das Nachziehen nach 50 km vergessen.
- Schrauben oder Gewinde einfetten/einölen und so das Drehmoment verfälschen.
- Auf weichem Untergrund aufbocken oder den Wagenheber falsch ansetzen.
- Falsche Radschrauben verwenden (zu kurz/zu lang oder falsche Kegelform) – nur die zur Felge passenden Schrauben gehören ans Rad.
- Das Notrad mit dem gewohnten Drehmoment anziehen, obwohl dafür ein eigener Wert vorgeschrieben ist.
Fazit
Den Räderwechsel mit Kompletträdern können Sie mit etwas Sorgfalt gut selbst übernehmen. Entscheidend für die Sicherheit sind drei Dinge: sauber arbeiten, über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment festziehen und nach rund 50 Kilometern nachziehen. Der letzte Punkt ist dabei mehr als eine Werkstattfloskel – er ist der Teil der Arbeit, den Ihnen niemand abnimmt, wenn Sie selbst geschraubt haben. Wer sich das nicht zutraut oder nicht das richtige Werkzeug hat, ist in der Werkstatt gut aufgehoben – beim Thema Rad sollte man keine Kompromisse eingehen.
Passende Kompletträder, Felgen und Reifen im Shop: Wer den Saisonwechsel künftig selbst erledigen möchte, fährt mit fertigen Kompletträdern am bequemsten – eine Auswahl finden Sie in unserer Rubrik Kompletträder. Die passenden Radschrauben sowie Felgen führen wir ebenfalls. Und wenn ohnehin neue Reifen fällig sind: Beliebte Sommerreifen wie der Hankook Ventus Prime 4 oder der Uniroyal RainSport 5 sind etwa in der gängigen Größe 205/55 R16 lieferbar.
Häufige Fragen
Mit welchem Drehmoment ziehe ich die Radschrauben an?
Mit dem in der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs angegebenen Wert. Als grobe Orientierung liegen Pkw-Werte bei rund 90–120 Nm (Stahlfelgen) bzw. 100–130 Nm (Alufelgen). Verbindlich ist immer die Herstellerangabe – nutzen Sie dafür einen Drehmomentschlüssel und ziehen Sie über Kreuz an.
Muss ich als Kunde die Radmuttern nach dem Werkstattbesuch kontrollieren?
Nach dem Urteil des OLG München vom 19. Mai 2021 (Az. 7 U 2338/20) nicht: Der Kunde darf sich auf eine fachgerechte Montage verlassen, und der Hinweis auf Rechnung oder Aufkleber verlagert die Haftung nicht auf ihn. Bemerken Sie allerdings Unregelmäßigkeiten im Fahrverhalten, müssen Sie reagieren. Nach einem selbst durchgeführten Wechsel gehört die Kontrolle nach etwa 50 Kilometern in jedem Fall dazu.
Muss ich Kompletträder nach dem Wechsel auswuchten lassen?
Nein. Fertige Kompletträder sind beim Kauf bereits ausgewuchtet. Ein erneutes Auswuchten ist nur nötig, wenn neue Reifen aufgezogen werden oder sich eine Unwucht durch Vibrationen bemerkbar macht.
Darf ich die Radschrauben einfetten, damit sie leichter gehen?
Nein. Gewinde und Auflageflächen sollen sauber und rostfrei, aber trocken sein. Fett oder Öl verfälscht das Drehmoment – die Schrauben sitzen dann trotz korrekter Anzeige zu fest.