235/45 R18: 100 Winterreifen im Regal – und nur einer darf schneller als 240
235/45 R18 ist eine der Größen, bei denen die Reifenwahl im Winter an einer Stelle scheitert, an die beim Kauf kaum jemand denkt: am Geschwindigkeitsindex. Wir haben am 28. September 2026 alle lieferbaren Ausführungen dieser Größe in unserem Sortiment ausgezählt — 356 Stück von 75 Marken. Das Ergebnis ist eindeutig: Im Sommerregal reicht die Freigabe bis 300 km/h, im Winterregal trägt genau ein einziger Reifen mehr als 240 km/h. Und ausgerechnet die Reifen, die auf Eis und Schnee am stärksten spezialisiert sind, stehen am unteren Ende der Tempo-Skala.
Das ist keine Randnotiz. 235/45 R18 ist eine typische Größe für Mittelklasse- und Oberklasse-Limousinen sowie Kombis — also für Autos, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit sehr oft über 240 km/h liegt. Wer in dieser Größe Winterreifen kauft, landet deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Fall, den die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung ausdrücklich regelt. Dieser Beitrag zeigt, was im Regal steht, wo die Grenzen verlaufen und was Sie tun müssen, damit die Kombination aus Auto und Reifen zulässig bleibt.
Was in dieser Größe tatsächlich im Regal steht
356 lieferbare Ausführungen klingen nach großer Auswahl, und das sind sie auch — allerdings sehr ungleich über die Jahreszeiten verteilt. Der Schwerpunkt liegt klar beim Sommerreifen:
- 178 Pkw-Sommerreifen — die mit Abstand größte Gruppe, knapp die Hälfte des gesamten Angebots in dieser Größe.
- 100 Pkw-Winterreifen — eine solide, aber deutlich kleinere Auswahl.
- 72 Pkw-Ganzjahresreifen — für eine 18-Zoll-Größe ein bemerkenswert dichtes Feld.
- 6 Ausführungen in Nischenrubriken — drei Offroad-Sommerreifen, zwei Sportreifen und ein Offroad-Winterreifen.
75 Marken teilen sich diese 356 Ausführungen, und keine davon beherrscht das Regal. Continental führt mit 26 Ausführungen, dahinter folgen Michelin und Pirelli mit je 22, Hankook mit 14 und Bridgestone mit 12. Am anderen Ende stehen zwölf Marken, die in dieser Größe mit genau einer einzigen Ausführung vertreten sind. Für Sie heißt das: Die Auswahl scheitert hier nicht an der Verfügbarkeit, sondern daran, die richtigen Kriterien anzulegen.
Preislich liegen die drei großen Gruppen erstaunlich dicht beieinander. Der Median — also der Preis, bei dem genau die Hälfte der Ausführungen günstiger und die Hälfte teurer ist — beträgt 114,87 Euro beim Sommerreifen, 117,98 Euro beim Winterreifen und 103,46 Euro beim Ganzjahresreifen. Auf einen kompletten Satz gerechnet sind das rund 459, 472 beziehungsweise 414 Euro. Der Einstieg beginnt bei 49,84 Euro (Sommer), 55,06 Euro (Winter) und 50,95 Euro (Ganzjahr). Ein Hinweis zur Einordnung: Das ist ein Vergleich zweier kompletter Sortimente, nicht derselben Modelle in zwei Ausführungen — die Marken- und Modellmischung ist im Sommer- und im Winterregal nicht identisch.
91 von 100 Winterreifen enden bei 240 km/h
Jetzt zum eigentlichen Befund. Wir haben für alle 100 Winterreifen dieser Größe den Geschwindigkeitsindex ausgelesen — den Buchstaben, der hinter der Tragzahl steht und angibt, bis zu welchem Tempo der Reifen freigegeben ist. Die Verteilung ist bemerkenswert einseitig:
- 91 Reifen mit Index V — freigegeben bis 240 km/h. Das ist der Normalfall in dieser Größe.
- 4 Reifen mit Index H — bis 210 km/h.
- 4 Reifen mit Index T — bis 190 km/h.
- 1 Reifen mit Index W — bis 270 km/h.
Dieser eine W-Reifen ist der Vredestein Wintrac Pro+ 235/45 R18 98W. Er ist damit in unserem Sortiment die einzige Ausführung in 235/45 R18, mit der ein Auto mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit zwischen 241 und 270 km/h im Winter ohne weitere Maßnahmen regelkonform unterwegs ist. Ein Index Y (300 km/h) kommt im Winterregal dieser Größe überhaupt nicht vor.
Das ist der Punkt, an dem viele Käufe schiefgehen. Wer im Sommer einen Reifen mit Index Y gefahren ist und im Winter zum gleich teuren Markenreifen greift, wechselt fast zwangsläufig von 300 auf 240 km/h Freigabe — ohne dass ihn im Bestellvorgang jemand darauf hinweist. Der Geschwindigkeitsindex ist in dieser Größe also kein Nebenkriterium, sondern das Kriterium, das Sie zuerst prüfen sollten. Wie Tragzahl und Geschwindigkeitsindex grundsätzlich zusammenhängen, erklären wir in einem ausführlichen Ratgeber zu Last- und Geschwindigkeitsindex.
Die Spezialisten für Eis und Schnee sind die langsamsten
Noch interessanter wird es, wenn man sich ansieht, welche Reifen unterhalb von V liegen. Man könnte vermuten, dass dort die billigsten Ausführungen stehen. Das stimmt nur zur Hälfte:
- Nokian Hakkapeliitta R5 (98T, bis 190 km/h) — ein auf nordische Winter ausgelegter Reifen, und mit 228,50 Euro einer der teuersten Winterreifen dieser Größe überhaupt.
- Michelin X-Ice Snow (98H, bis 210 km/h) — ebenfalls ein ausgesprochener Eis- und Schneespezialist, 184,40 Euro.
- Pirelli Cinturato Winter 2 (98H, bis 210 km/h) — 163,90 Euro, ein Reifen mit Komfort- und Effizienzschwerpunkt.
- Nankang Ice Activa 2 (98T), Westlake SW618 (98T), Goodride SW618 (98T), Ovation W-586 (98H) und Torque TQ022 (98H) — hier trifft der niedrige Index tatsächlich auf günstige Preise zwischen 69 und 102 Euro.
Der technische Hintergrund ist plausibel und kein Zufall: Eine Gummimischung, die bei Minusgraden und auf Eis noch geschmeidig bleibt, und ein Profil mit sehr hoher Lamellendichte arbeiten gegen genau das, was eine hohe Tempofreigabe verlangt — Formstabilität und Hitzefestigkeit bei Dauerhochgeschwindigkeit. Ein Reifen kann beides nur begrenzt gleichzeitig. Die Hersteller entscheiden sich deshalb bewusst: Wer einen Reifen für skandinavische Verhältnisse baut, nimmt eine niedrigere Freigabe in Kauf.
Für Sie bedeutet das eine ehrliche Abwägung statt einer einfachen Regel. Ein Index T oder H ist kein Qualitätsmangel — im Gegenteil, bei den genannten Spezialisten ist er die Folge einer bewussten Auslegung auf Schnee und Eis. Er ist nur dann ein Problem, wenn Ihr Auto schneller fahren kann, als der Reifen freigegeben ist. Und dann greift eine klare gesetzliche Regel.
Was § 36 StVZO verlangt, wenn der Reifen langsamer ist als das Auto
Der Grundsatz steht in § 36 Absatz 1 Satz 1 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung: Maße und Bauart der Reifen müssen den Betriebsbedingungen entsprechen, „besonders der Belastung und der durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs". Wörtlich genommen dürfte ein Auto mit 250 km/h Spitze also keine Reifen mit 240-km/h-Freigabe tragen.
Für Winterreifen gibt es davon eine ausdrückliche Ausnahme — aber eine mit zwei Bedingungen. § 36 Absatz 5 StVZO erklärt die Anforderung für erfüllt, wenn erstens die für die Reifen zulässige Höchstgeschwindigkeit „durch ein Schild oder einen Aufkleber" oder „durch eine Anzeige im Fahrzeug […] im Blickfeld des Fahrzeugführers angegeben oder angezeigt wird" und zweitens „diese Geschwindigkeit im Betrieb nicht überschritten wird". Beides muss zusammenkommen: Der Aufkleber allein genügt nicht, wenn Sie trotzdem schneller fahren — und langsam fahren allein genügt nicht ohne den Hinweis im Blickfeld.
Wichtig ist außerdem, für welche Reifen diese Ausnahme überhaupt gilt. § 36 Absatz 5 verweist auf „Reifen im Sinne des Absatzes 4", und Absatz 4 definiert Reifen für winterliche Wetterverhältnisse als solche, die die Fahreigenschaften bei Schnee verbessern und „mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) nach der Regelung Nr. 117" der UNECE gekennzeichnet sind. Ein Reifen, der nur ein „M+S" auf der Flanke trägt, fällt nicht unter diese Ausnahme. Prüfen Sie also vor dem Kauf, ob das Alpine-Symbol tatsächlich auf der Flanke steht — es ist die Voraussetzung dafür, dass die Schild-Lösung überhaupt trägt. Den genauen Wortlaut können Sie bei § 36 StVZO auf gesetze-im-internet.de nachlesen; die praktische Umsetzung mit Aufkleber und Blickfeld haben wir in einem eigenen Ratgeber zur Tempo-Ausnahme bei Winterreifen ausführlich beschrieben.
Im Sommer und beim Ganzjahresreifen sieht es genau umgekehrt aus
Damit klar wird, wie ungewöhnlich das Winterbild ist, hier die gleiche Auszählung für die anderen beiden Gruppen. Bei den 178 Sommerreifen dieser Größe tragen 95 den Index Y (bis 300 km/h), 69 den Index W (bis 270 km/h) und lediglich 14 den Index V. Anders gesagt: 164 von 178 Sommerreifen liegen über der Grenze, an der im Winterregal praktisch alles endet.
Bemerkenswert ist der Ganzjahresreifen. Von 72 Ausführungen tragen 44 den Index Y und 24 den Index W — nur vier bleiben bei V. Damit ist der Ganzjahresreifen in 235/45 R18 die einzige wintertaugliche Gattung, in der hohe Tempofreigaben die Regel und nicht die Ausnahme sind. Wenn Ihr Auto deutlich über 240 km/h läuft und Sie den Aufkleber im Blickfeld vermeiden möchten, ist das eine ernsthaft prüfenswerte Alternative — vorausgesetzt, der Reifen trägt das Alpine-Symbol und Sie kommen mit der bei Ganzjahresreifen naturgemäß geringeren Schneekompetenz aus.
Bei der Tragzahl ist die Lage dagegen in allen Gruppen entspannt: 308 der 356 Ausführungen tragen die 98 (bis 750 kg je Reifen), 45 die 94 (670 kg), eine einzige die 100. Im Winterregal sind es 92-mal die 98 und achtmal die 94. Maßgeblich ist immer der Wert aus Ihren Fahrzeugpapieren — nach oben abweichen ist zulässig, nach unten nicht.
Was das EU-Etikett in dieser Größe hergibt
Beim Nassgriff trennt sich das Feld deutlich nach Jahreszeit. Von den 178 Sommerreifen tragen 106 die Bestklasse A, 61 ein B und nur acht ein C. Im Winterregal kippt das Bild: Dort stehen 6 Ausführungen mit A, 47 mit B, 38 mit C und zehn mit D, E oder F. Dass Nasshaftung A bei Winterreifen eine Seltenheit ist, ist kein Effekt dieser Größe, sondern gilt im gesamten Sortiment — wir haben das in einem Beitrag über Nasshaftung A bei Winterreifen über alle Größen hinweg nachgezählt.
Bei der Kraftstoffeffizienz endet diese Größe im Winter früh: zwei Ausführungen mit B, 63 mit C, 19 mit D und 16 mit E — ein A kommt nicht vor. Im Sommerregal gibt es immerhin 14-mal die Klasse A.
Ein ehrlicher Vorbehalt dazu: Nicht jeder angezeigte Labelwert ist eine echte Messung. Von den Winterreifen dieser Größe hinterlegen rund vier Fünftel eine echte EPREL-Registriernummer aus der EU-Produktdatenbank; beim Rest fehlt sie oder steht ein Platzhalter. Besonders die Kombination „E / E / 79 dB" ist in unserem Katalog fast immer ein Füllwert und kein schlechtes Messergebnis — sie kommt auch in dieser Größe zweimal vor. Wo Ihnen diese Kombination begegnet, lesen Sie sie als „keine Angabe" und ziehen Sie die Herstellerdaten oder die EU-Produktdatenbank heran.
Drei Ausführungen — und die richtige Reihenfolge beim Kauf
Diese drei Winterreifen bilden die drei Tempoklassen dieser Größe ab — sie sind als Orientierung gedacht, nicht als Testurteil:
- Vredestein Wintrac Pro+ 235/45 R18 98W — 138,61 Euro, Etikett C/C/71 dB. Der einzige Winterreifen dieser Größe mit 270-km/h-Freigabe und damit die Wahl für schnelle Limousinen ohne Aufkleber-Lösung.
- Continental WinterContact TS 870 P 235/45 R18 98V — 167,67 Euro, Etikett C/B/71 dB. Ein typischer Vertreter des V-Normalfalls aus dem Premiumsegment.
- Michelin X-Ice Snow 235/45 R18 98H — 184,40 Euro, Etikett C/E/69 dB. Der Eisspezialist, dessen Auslegung die Freigabe auf 210 km/h begrenzt.
Alle Preise und Stückzahlen in diesem Beitrag sind Katalogstände vom 28. September 2026 und können sich ändern. Den aktuellen Bestand sehen Sie jederzeit bei allen Reifen in 235/45 R18; die Gattung insgesamt finden Sie unter Winterreifen für Pkw.
Damit ist die Reihenfolge beim Winterreifenkauf in dieser Größe klar. Schauen Sie zuerst in Ihre Fahrzeugpapiere und stellen Sie fest, wie schnell Ihr Auto bauartbedingt läuft. Liegt der Wert bei 240 km/h oder darunter, haben Sie die volle Auswahl aus 100 Ausführungen und können nach Etikett, Test und Preis entscheiden. Liegt er darüber, haben Sie genau drei Wege: den einen W-Reifen, einen wintertauglichen Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol — oder die Schild-Lösung nach § 36 Absatz 5 StVZO, die aber nur mit Alpine-Symbol trägt und die Sie auch einhalten müssen.
Und lassen Sie sich von einem niedrigen Index nicht abschrecken, solange er zu Ihrem Auto passt: Dass die beiden ausgewiesenen Eis- und Schneespezialisten dieser Größe mit T und H die niedrigsten Freigaben tragen, ist kein Mangel, sondern das sichtbare Ergebnis einer bewussten Auslegung.
Häufige Fragen
Darf ich in 235/45 R18 einen Reifen mit höherer Freigabe montieren als vorgeschrieben?
Ja. Ein höherer Geschwindigkeitsindex als der in den Fahrzeugpapieren geforderte ist immer zulässig, ebenso eine höhere Tragzahl. Nach unten abweichen dürfen Sie nur bei Winterreifen mit Alpine-Symbol und nur unter den Bedingungen des § 36 Absatz 5 StVZO.
Reicht ein selbst gedruckter Aufkleber im Blickfeld aus?
Die Vorschrift schreibt keine bestimmte Bauform vor, sondern verlangt, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens im Blickfeld des Fahrzeugführers angegeben wird. Üblich sind kleine Aufkleber im Sichtbereich des Tachos, die viele Werkstätten beim Radwechsel mitgeben. Entscheidend ist, dass der Wert dauerhaft lesbar ist und Sie ihn im Betrieb tatsächlich einhalten.
Warum finde ich in dieser Größe keinen Winterreifen mit Index Y?
Weil sich eine Freigabe bis 300 km/h und eine auf tiefe Temperaturen ausgelegte Wintermischung technisch kaum vereinbaren lassen. Im gesamten Winterangebot dieser Größe endet die Skala bei W, und diesen Index trägt nur eine einzige Ausführung. Wer mehr braucht, kommt an einem Ganzjahresreifen oder an der Schild-Lösung nicht vorbei.