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Reifengrößen & Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

Lastindex und Geschwindigkeitsindex am Reifen: Welche Werte Ihr Auto wirklich braucht

· 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 28.07.2026
Nahaufnahme von Lauffläche und Flanke eines PKW-Reifens (KI-generiert, OpenAI)
Nahaufnahme von Lauffläche und Flanke eines PKW-Reifens (KI-generiert, OpenAI)

Hinter jeder Reifengröße stehen zwei kleine Angaben, die viele Autofahrer überlesen: eine Zahl und ein Buchstabe – zum Beispiel 91 V. Sie verraten, wie viel Last ein Reifen tragen darf (Lastindex) und bis zu welchem Tempo er freigegeben ist (Geschwindigkeitsindex). Beide Werte sind nicht nur Technik-Beiwerk, sondern entscheiden über Sicherheit und Zulassung Ihres Fahrzeugs – und über die Frage, ob Sie im Schadensfall überhaupt versichert sind. Hier lesen Sie beide Codes Schritt für Schritt richtig und erfahren, welche Werte laut Fahrzeugschein für Sie erlaubt sind.

Wie Sie die komplette Reifengröße entschlüsseln, haben wir im Beitrag Reifengröße ablesen erklärt. Dieser Ratgeber vertieft die beiden Kennzahlen am Ende der Größe – die kleinsten Zeichen der Bemaßung mit der größten Wirkung.

Wo Last- und Geschwindigkeitsindex auf dem Reifen stehen

Auf der Reifenflanke finden Sie die Bemaßung nach dem Muster 205/55 R16 91 V. Die ersten Angaben beschreiben Breite, Querschnitt, Bauart und Felgendurchmesser. Direkt danach folgen die beiden hier entscheidenden Werte:

  • 91 = der Lastindex (auch Tragfähigkeitsindex oder „Load Index", LI)
  • V = der Geschwindigkeitsindex (auch Speedindex, SI)

Beide gelten pro Reifen und nur bei korrektem Luftdruck. Sie stehen für eine international genormte Tabelle: Die Zahl 91 bedeutet immer dieselbe Tragfähigkeit, der Buchstabe V immer dieselbe Höchstgeschwindigkeit – unabhängig von Marke, Modell oder Profil. Genau deshalb lassen sich zwei Reifen anhand dieser beiden Zeichen direkt vergleichen. Das R unmittelbar vor dem Zolldurchmesser gehört übrigens nicht dazu: Es steht für die radiale Bauart, die heute Standard ist, und sagt nichts über Last oder Tempo aus.

Die für Ihr Fahrzeug vorgeschriebene Kombination müssen Sie aber nicht raten: Sie steht in den Fahrzeugpapieren und oft zusätzlich auf dem Reifen- oder Typschild – einem kleinen Aufkleber im Türrahmen der Fahrerseite, in der Tankklappe oder im Handschuhfach. Dort ist neben dem empfohlenen Reifendruck auch die zulässige Reifengröße samt Mindest-Lastindex und -Geschwindigkeitsindex vermerkt.

Der Lastindex: wie viel ein Reifen tragen darf

Der Lastindex gibt die maximale Tragfähigkeit eines einzelnen Reifens an. Je höher die Zahl, desto mehr Gewicht darf das Rad aufnehmen. Wichtig ist der Bezug zum Luftdruck: Die Tabellenwerte gelten laut ADAC bei einem genormten Referenzdruck von 2,5 bar. Ein Auszug aus der Tabelle:

  • 84 = 500 kg
  • 88 = 560 kg
  • 91 = 615 kg
  • 94 = 670 kg
  • 95 = 690 kg
  • 98 = 750 kg
  • 100 = 800 kg
  • 102 = 850 kg
  • 104 = 900 kg

Ein Reifen mit Lastindex 91 trägt also 615 kg. Auf vier Rädern ergibt das rechnerisch 2.460 kg – dieser Wert muss über dem zulässigen Gesamtgewicht Ihres Autos liegen. Jede Stufe der Skala steht dabei für einen festen kg-Wert; von Index zu Index wächst die Tragfähigkeit nur um wenige Prozent, sodass schon ein oder zwei Stufen Unterschied über die Zulassung entscheiden können.

So finden Sie den nötigen Lastindex selbst: Maßgeblich ist nicht das Gesamtgewicht, sondern die höhere der beiden zulässigen Achslasten aus dem Fahrzeugschein. Teilen Sie diese durch zwei (zwei Reifen je Achse), erhalten Sie die Mindest-Tragfähigkeit pro Reifen und darüber den passenden Index. Beispiel: Ist die schwerste Achse mit 1.180 kg eingetragen, muss jeder Reifen mindestens 590 kg tragen – ein Lastindex von 91 (615 kg) reicht, ein 88er (560 kg) wäre zu wenig.

Zwei Lastindizes bei C-Reifen: Bei Transporter- und Lieferwagenreifen (Kennung C für „Commercial", z. B. 215/65 R16 C) finden Sie oft zwei Werte hintereinander, etwa 104/102. Der erste gilt bei Einzelbereifung, der zweite bei Zwillingsbereifung (zwei Reifen pro Radseite an der Hinterachse). Diese Reifen sind auf hohe Zuladung ausgelegt – mehr dazu in unserem Kaufratgeber für C-Reifen.

Faustregel: Der Lastindex Ihrer Reifen darf den im Fahrzeugschein eingetragenen Wert nie unterschreiten. Ein höherer Lastindex ist dagegen in der Regel unproblematisch. Und er gilt nur beim richtigen Reifendruck – wer mit zu wenig Luft fährt, überlastet den Reifen schleichend, besonders bei Hitze und voller Urlaubsbeladung.

Der Geschwindigkeitsindex: bis zu welchem Tempo der Reifen freigegeben ist

Der Geschwindigkeitsindex ist ein Buchstabe und steht für die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens – ebenfalls bei korrektem Druck und zulässiger Last. Die gebräuchlichsten Werte (laut ADAC):

  • Q = 160 km/h
  • R = 170 km/h
  • S = 180 km/h
  • T = 190 km/h
  • U = 200 km/h
  • H = 210 km/h
  • V = 240 km/h
  • W = 270 km/h
  • Y = 300 km/h

Ein Reifen mit dem Index V ist also bis 240 km/h freigegeben, einer mit H bis 210 km/h. Dass ausgerechnet das H mit 210 km/h zwischen U (200) und V (240) einsortiert ist, verwirrt viele – die Buchstabenreihe ist historisch gewachsen und nicht streng alphabetisch. Verlassen Sie sich deshalb immer auf die Tabelle, nicht auf die Reihenfolge im Alphabet. Taucht in der Größe ein ZR auf (z. B. 225/40 ZR18), handelt es sich um einen Reifen für über 240 km/h; steht der Speedindex zusätzlich in Klammern – etwa (Y) –, ist er für mehr als 300 km/h ausgelegt.

Wie stark der Index bei sonst gleicher Größe variieren kann, zeigt sich sogar innerhalb desselben Modells: Den Bridgestone Turanza T005 in 205/55 R16 gibt es sowohl als 91H (bis 210 km/h) als auch als 91V (bis 240 km/h) – identische Tragfähigkeit, unterschiedliche Tempofreigabe.

Ein höherer Geschwindigkeitsindex als vorgeschrieben ist erlaubt und weit verbreitet – einen echten Vorteil bringt er im Alltag aber nur bis zur bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit Ihres Autos. Reifen mit sehr hohem Index sind konstruktiv oft steifer ausgelegt; wer ein spür- und komfortbetontes Fahrzeug bewegt, muss den nächsthöheren Index also nicht um jeden Preis suchen. Die passende Größe für Ihr Fahrzeug finden Sie gebündelt auf der Größenseite 205/55 R16 oder in der Übersicht der PKW-Sommerreifen.

XL, Reinforced und HL: verstärkte Reifen für schwere Fahrzeuge

Manche Reifen tragen vor oder nach der Größe Zusätze wie XL, RF oder Reinforced. Sie kennzeichnen eine verstärkte Bauart, die bei höherem Luftdruck eine größere Last aufnimmt als ein Standardreifen gleicher Größe. Solche Reifen haben einen entsprechend höheren Lastindex. Der Zusatz ist damit auch ein Hinweis in eigener Sache: Seine höhere Tragfähigkeit erreicht ein XL-Reifen erst beim vorgeschriebenen, höheren Fülldruck – der korrekte Reifendruck ist hier also noch wichtiger als sonst.

Noch eine Stufe darüber steht die Kennung HL (High Load). HL-Reifen tragen bei gleichem Maß noch mehr als XL-Reifen und kommen vor allem bei sehr schweren Fahrzeugen zum Einsatz – etwa schweren SUV und Elektroautos, bei denen das hohe Fahrzeuggewicht und die zusätzlichen Batteriemassen eine besonders große Tragfähigkeit verlangen (Quelle: Michelin). Worauf es bei der Bereifung von Stromern sonst noch ankommt, lesen Sie in unserer Kaufberatung für E-Auto-Reifen.

Wichtig: Schreibt der Fahrzeughersteller XL- oder HL-Reifen vor, dürfen Sie nicht auf einen normalen Reifen mit niedrigerer Tragfähigkeit ausweichen. Umgekehrt bringt ein XL-Reifen an einem leichten Kleinwagen, der ihn nicht braucht, keinen Sicherheitsgewinn – maßgeblich ist immer die Vorgabe in den Papieren.

Was im Fahrzeugschein steht – und was Sie ändern dürfen

Die für Ihr Auto vorgeschriebenen Mindestwerte für Last- und Geschwindigkeitsindex stehen in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) bzw. in der ABE/im COC-Dokument. Daraus ergibt sich eine einfache Regel:

  • Lastindex: mindestens der eingetragene Wert, höher ist erlaubt.
  • Geschwindigkeitsindex: mindestens so hoch wie die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs; ein höherer Index ist ebenfalls zulässig.
  • Niedrigere Werte sind grundsätzlich tabu – mit einer Ausnahme.

Dass diese Werte kein bloßer Papierkram sind, zeigt der Blick auf die Folgen: Wer Reifen mit zu niedrigem Last- oder Geschwindigkeitsindex fährt, riskiert laut Bußgeldkatalog ein Verwarnungs- bzw. Bußgeld von 50 Euro – und 90 Euro plus einen Punkt in Flensburg, wenn dadurch andere gefährdet werden. Schwerer wiegt die technische Seite: Die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs kann erlöschen, und im Schadensfall kann der Kfz-Versicherer den Schutz kürzen oder Regress fordern. Die falsche Kennung ist also kein Kavaliersdelikt.

Die Ausnahme betrifft Winter- und Ganzjahresreifen (mit M+S-Kennung bzw. Alpine-Symbol): Sie dürfen laut ADAC einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben als für das Fahrzeug vorgeschrieben. Dann muss aber ein Hinweisaufkleber mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit gut sichtbar im Sichtfeld des Fahrers angebracht sein, und dieses Tempo darf nicht überschritten werden. Den passenden Aufkleber gibt der Reifenfachhandel beim Kauf in der Regel mit dazu. Für den Lastindex gilt diese Ausnahme nicht – hier bleibt der eingetragene Mindestwert auch im Winter Pflicht.

Im Zweifel hilft der Reifenfachhandel oder ein Blick in die Fahrzeugpapiere weiter. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Hilfe für den Kauf bietet unser Ratgeber Reifen online kaufen.

Häufige Fragen

Was bedeutet 91 V auf meinem Reifen?

Die 91 ist der Lastindex: Der Reifen trägt bei korrektem Druck 615 kg. Das V ist der Geschwindigkeitsindex und steht für eine Freigabe bis 240 km/h. Beide Werte gelten pro Reifen und müssen mindestens den Vorgaben im Fahrzeugschein entsprechen.

Darf ich einen Reifen mit höherem Last- oder Geschwindigkeitsindex montieren?

Ja. Ein höherer Lastindex und ein höherer Geschwindigkeitsindex als im Fahrzeugschein eingetragen sind in der Regel zulässig. Unterschreiten dürfen Sie die Werte dagegen nicht – die einzige Ausnahme sind Winterreifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex plus vorgeschriebenem Hinweisaufkleber.

Wie finde ich heraus, welchen Lastindex ich mindestens brauche?

Nehmen Sie die höhere der beiden zulässigen Achslasten aus dem Fahrzeugschein und teilen Sie sie durch zwei. Das Ergebnis ist die nötige Tragfähigkeit pro Reifen; den passenden Index lesen Sie aus der Lastindex-Tabelle ab.

Was passiert, wenn ich Reifen mit zu niedrigem Index fahre?

Laut Bußgeldkatalog drohen 50 Euro Bußgeld, bei Gefährdung anderer 90 Euro und ein Punkt. Zusätzlich kann die Betriebserlaubnis erlöschen und der Versicherungsschutz im Schadensfall gefährdet sein.

Fazit

Last- und Geschwindigkeitsindex sind klein gedruckt, aber sicherheits- und rechtsrelevant: Sie müssen mindestens den Vorgaben im Fahrzeugschein entsprechen, sonst drohen Bußgeld, der Verlust der Betriebserlaubnis und Ärger mit der Versicherung. Prüfen Sie beim Reifenkauf immer beide Werte – und achten Sie zusätzlich auf den korrekten Luftdruck, denn nur dann gelten die angegebenen Grenzen. Passende Reifen mit der richtigen Kennung finden Sie in unserem Shop, zum Beispiel bei den PKW-Sommerreifen.

Schlagwörter: Lastindex Geschwindigkeitsindex Tragfähigkeit Reifenkennzeichnung Reifengröße

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