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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

Reifenmarkt-Wochenrückblick KW 29/2026: Goodyears Winterausbau, Coopers Dunlop-Erbe und 300 P-Zero-Freigaben

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 24.07.2026
Neue Winterreifen in einem sommerlich hellen Reifenlager (KI-generiert, OpenAI)
Neue Winterreifen in einem sommerlich hellen Reifenlager (KI-generiert, OpenAI)

In der vergangenen Woche (KW 29, 13. bis 19. Juli 2026) blieb es auf dem deutschen Reifenmarkt vergleichsweise ruhig — jedenfalls, was Meldungen mit direktem Bezug für Endkunden angeht. Der Nachrichtenstrom kam fast ausschließlich aus dem Fachhandel: Verbandspolitik, Messevorbereitungen, Konjunkturdaten. Drei Meldungen sind für Reifenkäufer trotzdem aufschlussreich, weil sie zeigen, wie früh die Hersteller den kommenden Winter vorbereiten, wie eng verwandt scheinbar konkurrierende Marken inzwischen sind und wie viel Entwicklungsarbeit hinter einer einzigen Reifenbaureihe steckt. Am Wochenende des 18. und 19. Juli erschienen keine neuen Branchenmeldungen. Wir fassen die Woche kompakt zusammen — jeder Punkt ist über die jeweils verlinkte Quelle belegt.

Goodyear baut das Winterprogramm des UltraGrip Performance 3 aus

Von 278 auf 344 Artikelnummern. Mitten im Hochsommer hat Goodyear das Größenprogramm seines Winterreifens UltraGrip Performance 3 spürbar erweitert: Das Sortiment wuchs um 66 auf nunmehr 344 Artikelnummern beziehungsweise SKUs — ein Plus von knapp 24 Prozent (Reifenpresse.de, 14.07.2026). Nach Herstellerangaben erreicht Goodyear damit die breiteste Marktabdeckung, die sich mit einem einzigen Winterprofil erzielen lässt, und bedient zusätzliche Fahrzeuganwendungen in ganz Europa. Welche Größen und Geschwindigkeitsindizes konkret hinzukommen und ab wann sie im Handel stehen, nennt die Meldung allerdings nicht.

Eine Einordnung der Zahl lohnt sich, weil „344 Artikelnummern" nicht bedeutet, dass es den Reifen in 344 verschiedenen Größen gibt. Eine Artikelnummer bezeichnet eine konkrete Ausführung — also die Kombination aus Reifengröße, Tragfähigkeitsindex, Geschwindigkeitsindex und etwaigen Zusatzmerkmalen wie einer Verstärkung oder einer Herstellerkennung. Ein und dieselbe Dimension kann deshalb mehrfach im Programm stehen, etwa einmal in der Standardausführung und einmal mit höherer Tragfähigkeit für schwerere Fahrzeuge. Ein Sortimentsausbau um 66 Artikelnummern schließt also teils echte neue Größen ein, teils zusätzliche Varianten bereits vorhandener Größen. Für die Praxis ist beides nützlich: Je feiner ein Profil abgestuft ist, desto eher findet sich eine Ausführung, die exakt zu den Vorgaben in Ihren Fahrzeugpapieren passt.

Interessanter als die reine Zahl ist für Sie aber der Zeitpunkt. Dass ein Hersteller im Juli über Winterreifen spricht, wirkt auf den ersten Blick verfrüht, folgt aber dem normalen Rhythmus der Branche: Der Handel disponiert die Wintersaison Monate vor dem ersten Kälteeinbruch, und Sortimentserweiterungen werden im Sommer angekündigt, damit sie im Herbst tatsächlich lieferbar sind. Für Käufer heißt das ganz praktisch: Wer im Juli oder August bestellt, findet in der Regel die vollständigste Größenauswahl und bekommt entspanntere Werkstatttermine. Im Oktober, wenn der erste Frost gemeldet wird, sind beide Dinge knapp — besonders in weniger gängigen Dimensionen.

Der UltraGrip Performance 3 ist bei uns bereits gelistet, etwa als Goodyear UltraGrip Performance 3 195/65 R15 95T. Alle verfügbaren Dimensionen dieses Profils finden Sie auf der Modellseite des UltraGrip Performance 3, was den Reifen technisch auszeichnet, steht in unserem ausführlichen Ratgeber zu diesem Goodyear-Winterreifen.

Ein Profil, zwei Marken: Coopers neue Transporterreifen

Cooper Summer Van, All Season Van und Winter Van haben ein Dunlop-Vorleben. Die drei neuen Transporterreifen der Marke Cooper gleichen sich beim Profildesign mit ihren Dunlop-Gegenstücken Econodrive LT, Econodrive AS und Econodrive Winter „wie ein Ei dem anderen" (Reifenpresse.de, 15.07.2026). Hintergrund ist ein Markenwechsel: Goodyear hat die Rechte an der Marke Dunlop Anfang 2025 an Sumitomo Rubber Industries abgegeben und führt Cooper seither als eigene Zweitmarke weiter. Bewährte Profildesigns aus dem eigenen Bestand weiterzuverwenden, spart Entwicklungs- und Werkzeugkosten — in der Branche „Skaleneffekte" genannt.

Für Sie ist das mehr als eine Randnotiz aus der Konzernwelt, denn es berührt eine sehr praktische Frage: Wie viel sagt der Markenname über den Reifen aus? Zwei Reifen mit identischem Profilbild sind deshalb nicht automatisch in jeder Hinsicht gleich — Gummimischung, Karkasse und Fertigungswerk können abweichen, und die zugängliche Meldung trifft dazu ausdrücklich keine Aussage. Verlässlich vergleichbar sind dagegen die Angaben, die auf jedem Reifen stehen: EU-Label, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex sowie die Freigaben für Ihr Fahrzeug. Wer zwei eng verwandte Reifen vor sich hat, entscheidet am ehrlichsten über diese Werte und den Preis in der konkreten Größe — nicht über das Logo auf der Flanke.

Was der Cooper-Neustart unter Goodyear für Reifenkäufer bedeutet, haben wir in einem eigenen Beitrag zu Cooper als Goodyears Zweitmarke eingeordnet. Die Dunlop-Originale führen wir weiterhin, etwa auf der Modellseite des Dunlop Econodrive AS; die gesamte Auswahl steht in der Kategorie Van- und Transporterreifen.

Über 300 Werksfreigaben für Pirellis P-Zero-Reihe

Mehr als 300 Erstausrüstungsfreigaben weist Pirelli inzwischen für die aktuelle P-Zero-Reihe aus (Reifenpresse.de, 13.07.2026). Genannt werden unter anderem der Ferrari Luce mit dem P Zero E, Rolls-Royce Spectre und Jaguar Type 01 mit dem P Zero Elect sowie Bentley Supersports, Porsche Taycan Turbo GT mit Manthey-Kit und BMW M2 M Performance Track mit dem P Zero Trofeo RS. Kurios am Rande: Mit demselben Trofeo RS war ein fahrbarer Lego-Technic-Nachbau des Koenigsegg Sadair's Spear bestückt — 1.800 Kilogramm schwer, davon rund 400 Kilogramm Klemmbausteine aus über 327.900 Elementen, der beim Goodwood Hillclimb mit 111 km/h einen Rekord für fahrbare Lego-Fahrzeuge aufstellte.

Hinter der Zahl steckt ein Thema, das viele Autofahrer im Alltag betrifft. Eine Erstausrüstungsfreigabe bedeutet, dass ein Reifen gemeinsam mit einem bestimmten Fahrzeug abgestimmt und vom Autohersteller für dieses Modell zugelassen wurde. Erkennbar ist das an kleinen Kennbuchstaben auf der Flanke. Dass eine einzige Baureihe über 300 solcher Abstimmungen umfasst, erklärt auch, warum sich zwei Reifen mit identischer Größenbezeichnung im Fahrverhalten unterscheiden können. Welche Kürzel für welchen Autohersteller stehen und wann Sie darauf achten sollten, erklären wir in unserem Beitrag zu den Herstellerkennzeichen auf dem Reifen.

Zweiradmarkt, Handel und Konjunktur in Zahlen

Die Zweiradneuzulassungen des ersten Halbjahres fielen laut Industrie-Verband Motorrad (IVM) doppelt zwiespältig aus (Reifenpresse.de, 17.07.2026): Rund 114.300 neu zugelassene Maschinen bedeuten zwar ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025, gegenüber 2024 aber ein Minus von 9 Prozent. Als Ursache gelten Vorzieheffekte durch den Normübergang von Euro 5 auf Euro 5+. Auffällig ist zudem das Gefälle zwischen den Klassen: Leichtkrafträder bis 125 Kubikzentimeter legten um 46 Prozent auf rund 16.000 Einheiten zu, Leichtroller um 43 Prozent auf etwa 18.300 Stück, während Kraftroller über 125 Kubikzentimeter um 29 und Krafträder um 21 Prozent wuchsen. Der Trend zur kleinen Hubraumklasse schlägt mittelfristig auch auf die Nachfrage nach kleineren Reifendimensionen durch — passende Profile finden Sie in unserer Kategorie Motorradreifen.

Aus dem Handel kamen drei weitere Zahlenwerke. Das neue Ranking der NEUEN REIFENZEITUNG zeigt, dass die Nettomargen der Reifengroßhändler trotz Umsatzsteigerungen weiterhin im Eins-Komma-Bereich liegen (Reifenpresse.de, 16.07.2026). In der alle zwei Jahre erhobenen „Best Brands"-Studie von Autohaus und Auto Service Praxis, für die Puls Marktforschung im Januar und Februar 2026 rund 500 Entscheider telefonisch befragte, liegen bei den Reifenherstellern Continental und im Reifengroßhandel Gettygo vorn (Reifenpresse.de, 14.07.2026). Gedämpft bleibt derweil die Stimmung in der Autoindustrie: Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für die Branche verschlechterte sich im Juni auf minus 21,4 Punkte (Reifenpresse.de, 17.07.2026).

Unternehmen, Verbände und die Messetermine im Herbst

Beim Räderhersteller Ronal wurde die Ronal Technologie GmbH zum 1. Juni 2026 im Wege der Verschmelzung durch Aufnahme auf die Ronal GmbH übertragen (Reifenpresse.de, 13.07.2026). Bestehende Verträge und Geschäftsbeziehungen werden den Angaben zufolge in vollem Umfang fortgeführt, Standort und Abteilungen bleiben erhalten; es handelt sich um eine gesellschaftsrechtliche Zusammenlegung, nicht um eine Einschränkung des Geschäfts. Verbandsseitig kritisierte der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie Entscheidungen der EU-Kommission zur Entwaldungsverordnung EUDR deutlich (Reifenpresse.de, 17.07.2026) — ein Regelwerk, das Naturkautschuk und damit langfristig auch Reifenlieferketten betrifft. Aus dem Flottenbereich meldeten außerdem ZF ein reifenschonendes Fahrerassistenzsystem und Michelin einen KI-Assistenten für seine Plattform MyConnectedFleet; beides zielt vorerst auf gewerbliche Fuhrparks, nicht auf Privatkunden.

Für den Herbst stehen die Termine: Die Steinexpo läuft vom 2. bis 5. September, wo Bridgestone unter anderem sein OTR-Portfolio zeigt, die Automechanika in Frankfurt folgt vom 8. bis 12. September, eine JMS-Performance-Messe findet am 5. September in Metzingen statt, und die Essen Motor Show erwartet vom 28. November bis 6. Dezember rund 500 Aussteller.

Fazit

Die KW 29 war eine typische Sommerwoche im Reifenmarkt: viel Handel und Verbandsarbeit, wenig Spektakuläres für Endkunden. Die drei lesenswerten Punkte hängen dennoch zusammen. Goodyears Sortimentsausbau erinnert daran, dass die Wintersaison im Handel längst begonnen hat. Coopers Dunlop-Erbe und Pirellis 300 Werksfreigaben zeigen aus zwei Richtungen dasselbe: Der Markenname allein sagt weniger über einen Reifen aus als Label, Indizes und Freigaben. Wenn Sie den Winterkauf ohnehin vor sich herschieben, ist der Sommer der ruhigere Zeitpunkt dafür — die passenden Winterreifen für PKW sind jetzt in voller Größenauswahl verfügbar.

Häufige Fragen

Auf welchen Quellen beruht dieser Wochenrückblick?

Alle Meldungen stammen aus dem Berichtszeitraum vom 13. bis 19. Juli 2026 und wurden dem Fachportal Reifenpresse.de (NEUE REIFENZEITUNG) entnommen; die jeweils zugrunde liegende Meldung ist im Text direkt verlinkt. Zahlen aus Studien und Statistiken sind mit der ursprünglich erhebenden Stelle benannt, etwa IVM, Ifo-Institut oder Puls Marktforschung. Nicht belegbare Angaben nehmen wir grundsätzlich nicht auf.

Ist der Sommer wirklich ein guter Zeitpunkt für den Winterreifenkauf?

Aus Verfügbarkeitssicht ja. Die Hersteller stellen ihre Wintersortimente im Sommer auf, sodass im Juli und August in der Regel alle Dimensionen lieferbar sind und Montagetermine leichter zu bekommen sind. Im Oktober steigt die Nachfrage sprunghaft, seltene Größen sind dann schneller vergriffen. Worauf es bei der Auswahl inhaltlich ankommt, fasst unsere Kaufberatung für Winterreifen zusammen.

Schlagwörter: Wochenrückblick Reifenmarkt Branche & Markt Goodyear Cooper Pirelli

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