[DUBLETTE ZU #330 – BITTE LÖSCHEN, NICHT VERÖFFENTLICHEN] Runflat-Reifen: In welchen Größen es sie gibt – und was der Notlauf kostet
Wer einen BMW, einen Mini oder eine Mercedes-Limousine fährt, kennt die Situation: Im Kofferraum liegt kein Ersatzrad, dafür stehen auf der Reifenflanke drei Buchstaben, die es beim Nachkauf plötzlich schwer machen. Runflat-Reifen – Reifen mit Notlaufeigenschaften – tragen das Auto auch ohne Luft noch bis zur Werkstatt. Das ist ein echter Sicherheitsgewinn. Nur: Beim Nachkauf merken viele Fahrer zum ersten Mal, wie schmal die Auswahl tatsächlich ist und was der Notlauf kostet.
Wir haben deshalb nicht über Runflat philosophiert, sondern unser eigenes Regal ausgezählt: alle lieferbaren Pkw- und SUV-Reifen, aufgeschlüsselt nach Notlaufeigenschaft, Zollgröße, Saison, Marke und Preis. Stand aller Zahlen und Preise in diesem Beitrag ist der 20. August 2026; das Sortiment ändert sich täglich, die Größenordnungen bleiben aber stabil. Wie die Technik funktioniert, steht in unserem ausführlichen Ratgeber zur Runflat-Technik – hier geht es um die Frage danach: Was bekommen Sie überhaupt, und zu welchem Preis?
997 von 35.794: So schmal ist das Runflat-Regal
Wir führen aktuell 35.794 lieferbare Pkw-Reifen. Davon haben 997 Notlaufeigenschaften – das sind 2,8 Prozent. Anders gesagt: 35 von 36 Pkw-Reifen in unserem Sortiment sind ganz normale Reifen. Runflat ist kein Nebenzweig des Marktes, er ist eine ausgesprochene Nische.
Diese Nische ist zudem klar aufgeteilt. Sechs Marken stellen zusammen 789 der 997 Notlaufreifen, also gut 79 Prozent: Bridgestone (193), Pirelli (185), Continental (157), Michelin (93), Goodyear (85) und Hankook (76). Danach fällt es steil ab – Dunlop kommt auf 30, Yokohama auf 25, Falken auf 21. Die Zweit- und Budgetmarken, die im normalen Regal für Preisdruck sorgen, tauchen nur in Spurenmengen auf: Petlas 13, Landsail 10, Laufenn 9, Nankang 7, Giti 5, Kumho 5. Das hat einen einfachen Grund: Eine tragende Seitenwand zu entwickeln und für die Fahrzeughersteller freigeben zu lassen, ist teuer. Wer keine Erstausrüstungsverträge mit BMW oder Mercedes hat, baut so etwas selten.
Bei den SUV- und Offroadreifen sieht es fast identisch aus: 207 von 8.420 Reifen sind Notlaufreifen, also 2,5 Prozent. Auch hier gilt: Es ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Unter 16 Zoll hört Runflat auf – der ADAC erklärt, warum
Am deutlichsten wird die Nische, wenn man die 997 Reifen nach Zollgröße sortiert. Unterhalb von 16 Zoll gibt es praktisch nichts: 13 und 14 Zoll null Treffer, 15 Zoll genau zwei – und diese zwei sind ein einziges Modell. Ab 16 Zoll geht es los (85), 17 Zoll bringt 185, den Höhepunkt bildet 18 Zoll mit 291, danach 19 Zoll mit 240, 20 Zoll mit 147, 21 Zoll mit 41 und 22 Zoll mit sechs Stück.
Interessanter als die absoluten Zahlen ist der Anteil an der jeweiligen Zollklasse, denn er zeigt die Wahrscheinlichkeit, mit der Sie überhaupt fündig werden. In 15 Zoll führen wir 4.270 Pkw-Reifen – die Runflat-Quote liegt bei 0,05 Prozent. In 16 Zoll sind es 1,6 Prozent, in 17 Zoll 2,9 Prozent, in 18 Zoll 5,0 Prozent und in 19 Zoll 4,7 Prozent. Die Chance, in Ihrer Größe einen Notlaufreifen zu finden, ist bei 18 Zoll rund hundertmal höher als bei 15 Zoll.
Das ist kein Zufall des Sortiments, sondern Physik – und der ADAC benennt den Grund ausdrücklich. Laut dem ADAC-Ratgeber zu Run-Flat-Reifen hat ein Notlaufreifen „etwa doppelt so dicke Flanken wie ein Standardreifen“; bei großen Rädern seien die niedrigeren Seitenwände ohnehin steifer, sodass sich beim Entwickeln der Notlaufeigenschaft Material und Gewicht sparen lassen. Der ADAC zieht daraus denselben Schluss, den unsere Zahlen belegen: Notlaufreifen gebe es „vorrangig bei Breitreifen mit niedrigen Flanken“. Genau deshalb ist der kleine Reifen mit hoher Flanke das Loch im Regal – dort müsste die Verstärkung am dicksten und schwersten ausfallen. Dass die flache Flanke auch sonst ihren Preis hat, haben wir bereits gezeigt: Was der Querschnitt Ihres Reifens kostet.
Bei SUV-Reifen verschiebt sich das Fenster noch weiter nach oben: Unter 17 Zoll gibt es keinen einzigen Notlaufreifen, 140 der 207 liegen in 19 und 20 Zoll. Das passt zum typischen Käufer – dem großen Premium-SUV mit Zwanzigzöllern.
Ihre Größe entscheidet: 59 Treffer oder gar keiner
Für Sie zählt am Ende nur eine Zahl: Wie viele Notlaufreifen gibt es in Ihrer Dimension? Wir haben das für die 32 meistgefragten Pkw-Größen durchgezählt, und das Ergebnis ist ein Alles-oder-nichts-Muster. Auf der einen Seite stehen die klassischen Premium-Dimensionen mit reichlich Auswahl:
- 225/45 R18 – 59 Notlaufreifen
- 225/50 R17 – 45
- 225/40 R18 – 39
- 225/55 R17 – 37
- 245/45 R18 – 34
- 225/45 R17 – 33
- 205/55 R16 – 29
- 245/45 R19 – 26
Auf der anderen Seite stehen Größen mit sehr großer Gesamtauswahl und trotzdem null Notlaufreifen: 215/60 R16 (369 Reifen im Regal, kein einziger Runflat), 175/65 R14 (369), 185/60 R15 (377), 235/55 R17 (323), 175/70 R14 (266), 165/70 R14 (261), 205/65 R15 (233) und 205/65 R16 (102). Dazwischen liegt eine dritte Gruppe, die besonders tückisch ist – Größen mit genau einem lieferbaren Notlaufreifen: 195/65 R15, 185/65 R15, 215/65 R16, 215/55 R17, 215/60 R17 und 235/60 R18. Wenn dieser eine Reifen nicht zu Ihrem Fahrzeug passt, zur falschen Saison gehört oder gerade ausverkauft ist, haben Sie faktisch keine Wahl.
Die Konsequenz für die Praxis: Prüfen Sie die Verfügbarkeit bevor Sie sich auf Runflat festlegen. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob Sie in 205/55 R16 aus 29 Notlaufreifen auswählen oder in 185/60 R15 aus keinem einzigen. Und es lohnt der Blick ins Fahrzeug-Handbuch: Viele Hersteller schreiben Runflat nicht zwingend vor, sondern liefern ihn nur ab Werk mit – dann dürfen Sie umsteigen, sofern Sie die Ersatzradfrage anders lösen.
Der Preis: Einstieg fast doppelt so hoch, Aufpreis 12 bis 19 Euro
Der Aufpreis für Notlaufeigenschaften lässt sich auf zwei Arten messen, und beide sind aufschlussreich. Die erste Messung ist der Einstiegspreis: Was kostet der günstigste Reifen einer Größe – und was kostet der günstigste Notlaufreifen derselben Größe? In 205/55 R16 stehen sich 36,20 Euro und 81,30 Euro gegenüber, in 225/45 R17 sind es 41,40 gegen 74,50 Euro, in 225/50 R17 47,60 gegen 80,40 Euro, in 225/40 R18 45,30 gegen 74,10 Euro, in 225/45 R18 45,90 gegen 93,40 Euro und in 245/45 R18 53,50 gegen 82,10 Euro. Der Einstieg ins Runflat-Regal kostet also je nach Größe zwischen 53 und 124 Prozent mehr.
Diese Zahl misst allerdings nicht den Preis der Technik, sondern den Wegfall des Billigsegments: Der 36-Euro-Reifen kommt von einer Marke, die schlicht keine Notlaufreifen baut. Wer preisbewusst sucht, findet den Einstieg trotzdem – der günstigste Notlaufreifen in unserer meistgefragten Pkw-Größe ist derzeit der Petlas Prime Comfort 205/55 R16 91V für 81,30 Euro, und der trägt mit B beim Kraftstoffverbrauch und A bei der Nasshaftung ein bemerkenswert gutes EU-Label.
Die ehrlichere Messung ist die zweite: dasselbe Modell, dieselbe Größe, derselbe Last- und Geschwindigkeitsindex – einmal mit, einmal ohne Notlauf. Hier zeigt sich ein sehr konstantes Bild:
- Continental EcoContact 6 205/55 R16 91W: ohne Notlauf 88,50 bis 90,60 Euro, mit Notlauf 108,70 Euro. Aufpreis rund 18 Euro, und das EU-Label rutscht beim Kraftstoffverbrauch von A auf B.
- Continental AllSeasonContact 2 225/45 R17 94W: ohne Notlauf 98,40 Euro (C/B/71), mit Notlauf 117,30 Euro (D/B/72). Rund 19 Euro mehr, eine Effizienzklasse schlechter und ein Dezibel lauter.
- Bridgestone Turanza T005 205/55 R16 91W: ohne Notlauf 78,40 bis 91,50 Euro, mit Notlauf 104,70 Euro – je nach Ausführung 13 bis 26 Euro Aufschlag, ebenfalls A auf B beim Verbrauch.
Der typische Aufpreis liegt damit bei etwa 12 bis 19 Euro pro Reifen oder rund 15 bis 20 Prozent des Preises, im Einzelfall auch darüber – auf vier Räder gerechnet also grob 50 bis 80 Euro pro Satz. Auffällig ist der zweite Effekt: In drei von vier untersuchten Paaren trägt die Runflat-Ausführung eine Effizienzklasse weniger. Das passt zur Erklärung des ADAC, wonach Notlaufreifen der neuesten Generation den Verbrauch „in der Regel nicht“ erhöhen, in der Praxis aber wegen des Mehrgewichts von etwa 0,3 Kilogramm je Reifen nicht ganz an konventionelle Reifen heranreichen.
Aber – und das ist die wichtige Einschränkung – es ist keine Naturgesetzmäßigkeit. Der Hankook Ventus S1 evo3 K127B 225/45 R17 94Y mit Notlauf kostet 93,00 Euro und damit 11,90 Euro mehr als der baugleiche K127 ohne Notlauf für 81,10 Euro – trägt aber ein besseres Label: B statt C beim Kraftstoffverbrauch und mit 70 statt 72 Dezibel zwei Dezibel weniger Rollgeräusch. Der Aufpreis ist also real, der Effizienznachteil nicht zwangsläufig. Vergleichen Sie deshalb immer das konkrete Label der konkreten Ausführung; warum sich Labelwerte selbst innerhalb eines Modells unterscheiden, haben wir in unserem Beitrag darüber, warum derselbe Reifen je nach Größe ein anderes EU-Label trägt, auseinandergenommen.
Winter und Ganzjahr: hier wird die Luft richtig dünn
Wer im Spätsommer über den Winterradsatz nachdenkt, sollte die Saisonverteilung kennen, denn sie ist alles andere als gleichmäßig. Von den 997 Pkw-Notlaufreifen entfallen 738 auf Sommerreifen, 207 auf Winterreifen und nur 51 auf Ganzjahresreifen. Bezogen auf die jeweilige Saisonauswahl heißt das: 4,1 Prozent aller Sommerreifen sind Notlaufreifen, aber nur 2,4 Prozent der Winterreifen – und magere 0,6 Prozent der Ganzjahresreifen.
Im Winterregal kommt eine zweite Besonderheit dazu. Die 207 Winter-Notlaufreifen verteilen sich fast vollständig auf Premiummarken: Pirelli 53, Continental 50, Bridgestone 32, Hankook 21, Goodyear 14, Dunlop 14, Michelin 13, dazu Falken mit sechs und Fulda mit zwei Stück. Aus dem gesamten Budgetsegment findet sich genau ein einziger Winter-Notlaufreifen. Wer einen Winterradsatz mit Notlauf plant, plant also automatisch im Premiumpreisbereich – und sollte früh bestellen, weil sich diese wenigen Artikel über die Saison spürbar leeren. Einen Überblick über das gesamte Angebot gibt unsere Kategorieseite für Winterreifen für Pkw.
Bei Ganzjahresreifen mit Notlauf ist die Auswahl mit 51 Artikeln so klein, dass sie von einer Produktlinie geprägt wird: 22 der 51 stammen von Bridgestone, überwiegend aus der DriveGuard-Familie, die der Hersteller ausdrücklich als nachrüstbaren Notlaufreifen anbietet. Dazu kommen jeweils sechs Artikel von Continental, Hankook und Radar, fünf von Michelin sowie je drei von Goodyear und Pirelli. Bemerkenswert: Ausgerechnet diese Linie liefert auch die beiden einzigen 15-Zoll-Notlaufreifen im ganzen Pkw-Sortiment. Ein typischer Vertreter ist der Bridgestone Turanza All Season 6 DriveGuard 205/55 R16 94V für 104,70 Euro. Bei SUV-Ganzjahresreifen mit Notlauf liegt die Zahl übrigens bei null – dort müssen Sie sich zwischen Sommer- und Winterreifen entscheiden.
Woran Sie Runflat erkennen – und wann er sich lohnt
Im Reifennamen steckt die Notlaufeigenschaft meist nicht. Ein „Bridgestone Turanza T005 205/55 R16 91W“ gibt es bei uns in beiden Varianten unter demselben Modellnamen – der Unterschied steht in der Kennzeichnung hinter der Größe. Auf unseren Artikelseiten finden Sie deshalb hinter der Dimension Kürzel wie RFT (Bridgestone), SSR (Continental) oder ZP (Michelin), dazu ein eigenes Merkmal „Runflat“ mit Erklärung. Ein Sternchen dahinter ist übrigens keine Notlaufkennung, sondern die Erstausrüstungsfreigabe für BMW und Mini. Nur wenige Hersteller schreiben es in den Modellnamen selbst – Hankook zum Beispiel hängt ein „B“ an die Typbezeichnung, aus dem K127 wird der K127B. Die vollständige Liste der Flankenkürzel aller Hersteller führt der ADAC in seinem Ratgeber; wie die Technik im Detail arbeitet, welche Reichweite gilt und was bei Reparatur und Mischbereifung zu beachten ist, steht im eingangs verlinkten Grundlagenbeitrag.
Bleibt die Kaufentscheidung. Für Runflat spricht klar: Sie müssen bei einem Druckverlust nicht auf dem Standstreifen wechseln, und die Felge bleibt geschützt. Dagegen sprechen der Aufpreis, der eingeschränkte Vorrat und die Tatsache, dass Sie bei einem Defekt in der Regel den ganzen Reifen ersetzen statt ihn reparieren zu lassen. Zwingend ist Runflat nur, wenn Ihr Fahrzeughersteller ihn vorschreibt – dann steht es im Handbuch, und Sie sollten sich daran halten. Steht dort nichts, ist es eine freie Abwägung: Wer viel allein und viel Autobahn fährt, profitiert vom Notlauf; wer selten fährt und ohnehin ein Pannenset dabei hat, kann das Geld sparen. Eine Zwischenlösung sind selbstdichtende Reifen mit Dichtschicht, die kleine Einstiche sofort verschließen, ohne die steife Flanke mitzubringen. Und in jedem Fall gilt: Ein funktionierendes Reifendruckkontrollsystem ist bei Notlaufreifen Pflicht, weil Sie den Druckverlust am Fahrverhalten kaum merken – wie die beiden Bauarten des RDKS arbeiten, erklären wir separat.
Häufige Fragen
Darf ich meinen Runflat durch einen normalen Reifen ersetzen?
Wenn der Fahrzeughersteller Notlaufreifen vorschreibt, nein – die Vorgabe steht in der Betriebsanleitung und hängt mit dem fehlenden Ersatzrad und teils mit der Fahrwerksabstimmung zusammen. Ist Runflat nur Erstausrüstung ohne Vorschrift, dürfen Sie wechseln. Rüsten Sie dann aber ein Pannenset oder ein Notrad nach und mischen Sie niemals Notlauf- und Normalreifen auf einer Achse.
Warum gibt es in meiner Reifengröße gar keinen Notlaufreifen?
Weil kleine Räder mit hoher Flanke technisch der ungünstigste Fall sind: Die Verstärkung müsste dort besonders dick und schwer ausfallen. Deshalb konzentrieren die Hersteller ihr Angebot laut ADAC auf breite Reifen mit niedriger Flanke – in unserem Sortiment liegt der Schwerpunkt bei 17 bis 20 Zoll, unter 16 Zoll ist das Angebot praktisch leer.
Verbraucht ein Notlaufreifen wirklich mehr Sprit?
Tendenziell ja, aber weniger als früher. In drei von vier direkt vergleichbaren Paaren aus unserem Regal trägt die Runflat-Ausführung eine EU-Label-Klasse weniger beim Kraftstoffverbrauch, was zum Mehrgewicht von rund 0,3 Kilogramm je Reifen passt. Ein Gegenbeispiel zeigt jedoch, dass es auch andersherum geht – entscheidend ist das Label der konkreten Ausführung, nicht die Bauart allein.
Passende Reifen mit und ohne Notlaufeigenschaften finden Sie in unserer Auswahl an Pkw-Reifen; die aktuelle Verfügbarkeit in Ihrer Dimension sehen Sie direkt auf der jeweiligen Größenseite.