Schlagloch oder Bordstein erwischt? So schützen Sie Reifen und Felgen – und wer den Schaden zahlt
Ein dumpfer Schlag, ein kurzes Rucken am Lenkrad – und schon ist es passiert: Sie sind in ein Schlagloch gefahren oder mit dem Rad gegen einen Bordstein gestoßen. Besonders im Frühjahr, wenn Frost und Tauwetter den Asphalt aufgebrochen haben, sind solche Stöße keine Seltenheit. Reifen und Felgen sind dabei die ersten Bauteile, die den Schlag abbekommen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Schlaglöcher und Bordsteine möglichst schonend überfahren, welche Schäden ein harter Aufprall anrichten kann, was Sie unmittelbar danach prüfen sollten – und vor allem, wer für den Schaden aufkommt, wenn es Ihre Reifen oder Felgen erwischt hat.
So überfahren Sie Schlaglöcher und Bordsteine schonend
Ganz vermeiden lassen sich Fahrbahnschäden nie, aber mit der richtigen Fahrweise senken Sie das Risiko deutlich:
- Tempo raus, Blick nach vorn. Wer vorausschauend fährt und genügend Abstand hält, erkennt Schlaglöcher früh und kann ihnen ausweichen oder rechtzeitig abbremsen. Reduzieren Sie das Tempo, bevor Sie das Hindernis erreichen.
- Nicht im Loch bremsen. Bremsen Sie nicht genau im Moment des Aufpralls. Beim Bremsen taucht das Auto vorn ein und presst das Rad mit voller Wucht in die Kante – das erhöht die Schlaggefahr. Besser: vor dem Loch verzögern, im Loch vom Bremspedal gehen, Lenkrad mit beiden Händen ruhig halten.
- Bordsteine im rechten Winkel und im Schritttempo. Müssen Sie einen Bordstein überfahren, fahren Sie möglichst gerade (im rechten Winkel) und langsam an. Nutzen Sie abgesenkte Bordsteine. Schräges Anschrammen ist der Klassiker für Felgen- und Flankenschäden.
- Richtiger Luftdruck schützt mit. Ein zu niedriger Reifendruck lässt die Flanke beim Aufprall durchschlagen – bis hin zum sogenannten Quetschplatten, bei dem der Reifen zwischen Hindernis und Felgenhorn eingeklemmt wird. Halten Sie den vom Hersteller vorgegebenen Druck ein. Wie Sie ihn finden und einstellen, lesen Sie in unserem Ratgeber Richtiger Reifendruck.
Ein wirksamer baulicher Schutz für Ihre Leichtmetallfelgen ist die Felgenschutzrippe: eine verstärkte Gummilippe, die an der Reifenflanke leicht über das Felgenhorn hinausragt und beim Entlangschrammen am Bordstein zum ersten Kontaktpunkt wird. Je nach Hersteller ist sie mit Kürzeln wie FR, MFS oder FP auf der Seitenwand gekennzeichnet (Quelle: reifen-vor-ort.de). Einen Aufprall ins Schlagloch verhindert sie nicht, aber gegen Kratzer durch leichten Bordsteinkontakt leistet sie gute Dienste.
Welche Schäden ein harter Schlag anrichten kann
Ein Aufprall kann gleich mehrere Bauteile treffen – manche Schäden sieht man sofort, andere zeigen sich erst später:
- Reifen: Beule und Cordbruch. Trifft der Reifen frontal oder schräg auf eine Kante, können die tragenden Gewebefäden (Karkasse) in der Flanke reißen. Nach außen wird das als Beule sichtbar. Dahinter steckt ein struktureller Schaden, der bei hohem Tempo zum plötzlichen Luftverlust und Kontrollverlust führen kann (Quelle: Michelin). Eine beschädigte Flanke lässt sich nicht reparieren – der Reifen muss ersetzt werden. Wie Sie eine gefährliche Beule von einer harmlosen Einschnürung unterscheiden, erklärt unser Beitrag Reifenbeule, Risse und Schnitte.
- Felge: Höhenschlag, Verformung, Riss. Die Felge kann sich verziehen (Höhenschlag), das Felgenhorn kann verbogen werden, im schlimmsten Fall reißt das Material. Eine verformte Felge wird undicht oder dreht sich nicht mehr rund. Was sich noch reparieren lässt und wann die Felge in den Schrott muss, lesen Sie unter Felge beschädigt.
- Fahrwerk: Spur, Sturz und mehr. Ein heftiger Schlag kann die Achsgeometrie verstellen und Radlager, Stoßdämpfer oder Lenkgestänge in Mitleidenschaft ziehen. Typische Folgen: das Auto zieht zur Seite, der Reifen nutzt sich einseitig ab. Hier hilft eine Achsvermessung.
Laut ADAC sind nach einem Schlagloch genau diese drei Bereiche – Reifen, Felgen und Fahrwerk – am häufigsten betroffen.
Direkt nach dem Aufprall: Fahrzeug prüfen
Halten Sie nach einem harten Schlag an, sobald Sie einen sicheren Platz gefunden haben, und kontrollieren Sie:
- Sichtprüfung am Rad: Wölbt sich eine Beule aus der Flanke? Sind Risse, Schnitte oder eine eingedrückte Felgenkante zu sehen? Verliert der Reifen hörbar Luft?
- Beim Weiterfahren auf Warnsignale achten: Vibrationen oder ein flatterndes Lenkrad deuten auf eine verformte Felge oder Unwucht hin. Zieht das Auto zur Seite oder treten ungewöhnliche Geräusche auf, ist das ein Alarmzeichen – suchen Sie zeitnah eine Werkstatt auf.
- Luftdruck kontrollieren: Sinkt der Druck, ist der Reifen oder das Ventil beschädigt.
Wichtig: Bei einer sichtbaren Beule oder einem Riss in der Flanke sollten Sie nicht weiterfahren – die Gefahr eines Reifenplatzers ist zu groß. Wechseln Sie auf das Reserve- oder Notrad oder rufen Sie den Pannendienst.
Wer zahlt? Verkehrssicherungspflicht, Beweise und Kasko
Bleiben echte Schäden – ein zerstörter Reifen, eine gerissene Felge – stellt sich die Frage nach dem Geld. Hier gilt: Einen Anspruch auf Schadenersatz haben Sie nur, wenn der für die Straße Verantwortliche (Bund, Land, Kreis, Gemeinde oder ein privater Eigentümer) seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat (Quelle: ADAC).
Das ist seltener der Fall, als viele denken. Wichtige Punkte:
- Die Beweislast liegt bei Ihnen. Sie müssen nachweisen, dass das Schlagloch ursächlich war und die Behörde ihre Pflicht verletzt hat.
- Mitverschulden mindert oder streicht den Anspruch. War das Loch gut sichtbar, stand ein Warnschild oder waren Sie zu schnell, wird Ihnen ein Mitverschulden angerechnet – die Entschädigung wird gekürzt oder entfällt.
- Der Maßstab hängt von der Straße ab. Auf viel befahrenen Straßen muss die Behörde mehrmals wöchentlich, unter Umständen täglich kontrollieren; auf wenig befahrenen Wegen reicht eine Kontrollfahrt pro Woche oder seltener – dort müssen Sie eher mit Fahrbahnschäden rechnen.
Sichern Sie deshalb sofort die Beweise: Fotografieren Sie Fahrzeug, Schlagloch und Straße, notieren Sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit, halten Sie Namen und Anschriften von Zeugen fest und informieren Sie Polizei und Ihre Kfz-Versicherung.
Und die eigene Versicherung? Einen Schlaglochschaden am Auto übernimmt nur die Vollkaskoversicherung – die Teilkasko zahlt nicht. Ob sich ein solcher Extra-Schutz für Reifen und Räder lohnt, beleuchtet unser Beitrag Reifenversicherung und Reifengarantie.
Wenn ein Reifen ersetzt werden muss, achten Sie beim Neukauf auf eine gute Nasshaftung und einen passenden Reifen für Ihr Fahrzeug – etwa den Hankook Ventus Prime 4 in 205/55 R16 (Nasshaftung A) oder den effizienten Michelin Primacy 4 in 205/55 R16. Eine große Auswahl finden Sie unter Sommerreifen für PKW und in Ihrer Reifengröße 205/55 R16; neue Alufelgen und Kompletträder gibt es ebenfalls im Shop.
Häufige Fragen
Ist mein Reifen nach einem Schlagloch automatisch kaputt?
Nicht zwingend. Oft bleibt es bei einem Schreck. Gefährlich wird es, wenn sich eine Beule aus der Flanke wölbt, Risse oder Schnitte sichtbar werden oder der Reifen Luft verliert. Eine beschädigte Flanke lässt sich nicht reparieren und muss ersetzt werden. Prüfen Sie das Rad nach jedem harten Schlag.
Woran erkenne ich, dass die Felge etwas abbekommen hat?
Typische Anzeichen sind ein flatterndes Lenkrad und Vibrationen, die mit dem Tempo zunehmen, ein schleichender Luftverlust an einer undichten Felge oder ein sichtbar verbogenes Felgenhorn. Im Zweifel die Felge in der Werkstatt auf Höhenschlag prüfen lassen, sonst drohen Folgeschäden am Fahrwerk.
Wer zahlt, wenn ein Schlagloch meinen Reifen oder meine Felge zerstört?
Schadenersatz von der Kommune gibt es nur, wenn diese ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt hat – und die Beweislast liegt bei Ihnen. War das Loch sichtbar, ausgeschildert oder waren Sie zu schnell, wird ein Mitverschulden angerechnet. An Ihrem eigenen Auto springt nur eine Vollkaskoversicherung ein, die Teilkasko nicht.
Was muss ich direkt nach dem Schaden tun?
Anhalten, sobald es sicher ist, und das Rad prüfen. Sichern Sie Beweise: Fotos von Auto, Schlagloch und Straße, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit notieren, Zeugen aufschreiben und Polizei sowie Kfz-Versicherung informieren. Bei spürbaren Schäden zügig in die Werkstatt.
Wie überfahre ich einen Bordstein, ohne Felge und Reifen zu beschädigen?
Möglichst gerade (im rechten Winkel) und im Schritttempo, am besten über eine abgesenkte Stelle. Schräges, schnelles Anschrammen ist die häufigste Ursache für Kratzer an der Felge und Beulen in der Flanke. Ein zu niedriger Reifendruck erhöht das Risiko zusätzlich.