✓ Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands ✓ 30 Tage Widerrufsrecht ✓ Seit 1997 — über 25 Jahre Erfahrung Hotline: 037329 7153-0
Reifendruck & RDKS – Ratgeber im Magazin

Richtiger Reifendruck: Wo Sie den Wert finden und den Luftdruck korrekt einstellen

· 15 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 24.08.2026
Reifendruck-Prüfgerät am Ventil eines Pkw-Reifens (KI-generiert, OpenAI)
Reifendruck-Prüfgerät am Ventil eines Pkw-Reifens (KI-generiert, OpenAI)

Der richtige Reifendruck ist der billigste Sicherheitsgewinn, den es am Auto gibt: Er kostet an der Tankstelle nichts, dauert fünf Minuten und wirkt sofort auf Bremsweg, Kurvenlage, Verbrauch und Laufleistung. Trotzdem gehört er zu den am häufigsten übersehenen Wartungspunkten. Laut ADAC sind in Deutschland im Schnitt rund 1.000 Verkehrsunfälle pro Jahr auf technische Mängel an der Bereifung zurückzuführen – bei hohem Tempo mit entsprechend schweren Folgen.

Dabei ist die eigentliche Hürde selten das Aufpumpen, sondern die Frage davor: Welcher Wert ist für mein Auto und meine Reifen überhaupt der richtige? Genau dort wird es in der Praxis unübersichtlich, denn der Aufkleber am Fahrzeug nennt eine Reifengröße – im Regal steht dieselbe Größe aber in mehreren Ausführungen mit unterschiedlicher Tragfähigkeit. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wo der Sollwert steht, welche Zeile der Tabelle für Ihren konkreten Reifen gilt, wie Sie richtig messen und wo sich mit ein wenig mehr Luft Sprit sparen lässt.

Warum der Luftdruck über Bremsweg, Verbrauch und Laufleistung entscheidet

Der Reifen berührt die Straße auf einer Fläche von etwa der Größe einer Postkarte, und getragen wird das Fahrzeug dabei nicht vom Gummi, sondern von der eingeschlossenen Luft. Der Gummi ist im Grunde nur die Hülle, die diese Luftsäule in Form hält und die Kräfte an die Fahrbahn weitergibt. Stimmt der Druck nicht, stimmt die Form der Aufstandsfläche nicht – und damit stimmt nichts mehr, was der Reifen leisten soll.

Zu wenig Druck ist dabei die deutlich gefährlichere Richtung. Schon ein halbes Bar unter dem Sollwert verändert laut ADAC die Fahreigenschaften spürbar: Der Bremsweg kann länger werden, die Kurvenlage schlechter, und bei besonders hohen Geschwindigkeiten besteht sogar die Gefahr, dass der Reifen platzt. Der Grund ist mechanischer Natur: Ein zu weicher Reifen walkt bei jeder Radumdrehung stärker durch, dabei entsteht Reibungswärme im Material, und Wärme plus mechanische Überlastung sind genau die Kombination, die eine Karkasse zerstört. Bereits rund 0,4 bar unter dem Sollwert erhöhen zudem den Verschleiß und sorgen über den höheren Rollwiderstand für einen Mehrverbrauch von bis zu 0,3 Litern auf 100 Kilometer.

Wie groß dieser Effekt in der Summe ist, zeigt eine Zahl, die der ADAC für ganz Europa nennt: Allein durch zu schwach gefüllte Reifen werden jährlich etwa drei Milliarden Liter Kraftstoff zusätzlich verbrannt – ein Gegenwert von rund fünf Milliarden Euro. Das ist kein Randthema, sondern ein Alltagsproblem in fast jeder zweiten Garage.

Zu viel Druck ist zwar weniger gefährlich, aber auch nicht folgenlos: Der Federungskomfort leidet, und der Reifen nutzt sich ungleichmäßig ab, weil die Lauffläche in der Mitte stärker aufliegt. Wie sich beide Fehler im Verschleißbild niederschlagen und woran Sie sie am ausgebauten Rad erkennen, lesen Sie ausführlich in unseren Beiträgen Falscher Reifendruck: zu wenig und zu viel Luft und Ungleichmäßiger Reifenverschleiß.

Wo der richtige Wert für Ihr Auto steht

Der maßgebliche Wert kommt vom Fahrzeughersteller, nicht vom Reifenhersteller. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt und der Grund, warum Pauschalangaben aus Foren nichts taugen: Der Sollwert ergibt sich aus Fahrzeuggewicht, Achslastverteilung, Fahrwerksauslegung und der freigegebenen Reifendimension. Zwei Autos mit identischer Reifengröße können deshalb völlig unterschiedliche Vorgaben haben.

Die Werte stehen laut ADAC je nach Fahrzeug an mehreren Stellen:

  • an der B-Säule bei geöffneter Fahrertür – der mit Abstand häufigste Ort,
  • auf der Innenseite des Tankverschlusses,
  • auf einem Aufkleber im Handschuhfach,
  • in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs,
  • sowie in den Reifendrucktabellen der Hersteller im Internet.

Finden Sie den Aufkleber nicht, hilft ein Blick in die Fahrzeugpapiere weiter. In der Zulassungsbescheinigung Teil I stehen unter den Ziffern 15.1 und 15.2 die eingetragenen Reifengrößen; unterscheiden sich Vorder- und Hinterachse, unterscheiden sich auch die beiden Zeilen. Weitere für Ihr Fahrzeug freigegebene Größen führt das CoC-Dokument („Certificate of Conformity") unter Ziffer 32 und in den Bemerkungen – wichtig, weil die eingetragene Größe nicht zwingend die montierte sein muss.

Wichtig: Maßgeblich ist immer der Wert für Ihr konkretes Fahrzeug und Ihre Reifengröße. Die im Netz kursierenden Faustwerte von rund 2,0 bis 2,5 bar sind nur eine grobe Orientierung und ersetzen den Aufkleber am Auto nicht.

Die einzige bewusste Ausnahme von diesem Straßenwert ist die Fahrt abseits befestigter Wege: Auf Sand, Schlamm oder losem Untergrund senken erfahrene Geländefahrer den Druck kurzzeitig ab, um die Aufstandsfläche zu vergrößern und mehr Traktion zu gewinnen. Wo dabei die Grenze liegt und warum das ausschließlich im Gelände und bei Schrittgeschwindigkeit gilt, erklärt unser Ratgeber Reifendruck im Gelände gezielt absenken.

Welche Zeile gilt für Ihren Reifen? Ein Blick ins eigene Regal

Jetzt kommt der Punkt, an dem die meisten Anleitungen aufhören – und an dem die Praxis erst anfängt. Der Aufkleber nennt eine Größe, zum Beispiel 205/55 R 16. Hinter dieser Größe steht auf dem Reifen aber noch eine Zahl-Buchstaben-Kombination wie 91 V oder 94 V, und die entscheidet mit darüber, welcher Druck gefahren werden muss.

Die Zahl ist der Lastindex (LI), also die Tragfähigkeitskennziffer. Entscheidend ist der Zusammenhang, den der ADAC in seiner Broschüre zur Reifenkennzeichnung ausdrücklich herstellt: Jedem LI-Wert ist eine Belastbarkeit bei einem vorgegebenen Fülldruck zugeordnet. Ein Reifen mit LI 91 trägt 615 Kilogramm – aber nur bei 2,5 bar. Und, so der ADAC wörtlich: „Jede Reifendruckreduzierung verringert auch die Tragfähigkeit des Reifens." Die Luft trägt die Last, nicht der Aufdruck auf der Flanke.

Nun ist das kein theoretischer Sonderfall. Wir haben dazu unser eigenes Sortiment in genau dieser Größe ausgezählt – am 24. August 2026 über die Artikelsuche, getrennt nach Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen. Ergebnis: 256 lieferbare Ausführungen in 205/55 R 16 von 168 verschiedenen Profillinien. Davon tragen

  • 166 Ausführungen den Lastindex 91 (615 kg je Reifen) und
  • 90 Ausführungen den Lastindex 94 (670 kg je Reifen).

Rund jede dritte Ausführung im Regal ist also die verstärkte. Bei Ganzjahresreifen dreht sich das Verhältnis sogar um: Dort stehen 47 Ausführungen mit LI 94 gegen 38 mit LI 91 – die tragfähigere Variante ist in diesem Segment die Mehrheit, nicht die Ausnahme. Bei Sommerreifen (69 zu 18) und Winterreifen (59 zu 25) überwiegt dagegen klar die Standardversion. Dazu kommen sechs verschiedene Geschwindigkeitskennungen in ein und derselben Größe, von S (180 km/h) über T, H, V und W bis Y (300 km/h).

Besonders unangenehm ist dabei ein Detail: Von den 256 Artikelbezeichnungen trägt keine einzige den Zusatz „XL" oder „Reinforced". Die Tragfähigkeit steht ausschließlich in der Kennung hinter der Größe – wer nur „Michelin CrossClimate 2 205/55 R 16" liest, sieht den Unterschied nicht. Und er ist real: 37 der 168 Profillinien führen dieselbe Größe sowohl mit LI 91 als auch mit LI 94. Beim Michelin CrossClimate 2 205/55 R16 91V für 94,80 € steht die Ausführung Michelin CrossClimate 2 205/55 R16 94V für 91,50 € direkt daneben – gleiches Modell, gleiche Größe, gleiche Geschwindigkeitskennung, andere Tragfähigkeit, und die verstärkte Version ist hier sogar die günstigere. Beim Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V läuft es umgekehrt: Dort kostet die 94er-Ausführung rund 13 € mehr. Über alle 37 Paare gerechnet liegt der Aufpreis für die verstärkte Variante bei einem Median von +1,90 € je Reifen; in 31 Fällen ist sie teurer, in fünf Fällen günstiger, einmal gleich teuer. Die Wahl zwischen 91 und 94 ist also praktisch keine Geldfrage – sie ist eine technische.

Was heißt das für den Druck? Zwei Regeln, beide vom ADAC:

  1. Nach oben ist die Abweichung erlaubt. Der Lastindex des montierten Reifens darf höher sein als der in den Fahrzeugpapieren eingetragene. Der ADAC führt als Beispiel exakt unsere Größe an: Vorgabe 205/55 R 16 91 V, montiert 205/55 R 16 94 V XL – zulässig.
  2. Die höhere Tragfähigkeit gibt es aber nicht geschenkt. Verstärkte Reifen benötigen einen höheren Fülldruck als die Standardversion; als Faustregel nennt der ADAC je Punkt höherem Lastindex 0,1 bar mehr. Ausdrücklich warnt er davor, die Umrüstung allein für ausreichend zu halten: Wer den Druck nicht mitzieht, hat den verstärkten Reifen bezahlt, aber nicht seine Reserve. Zum Vergleich nennt der ADAC ein Zahlenbeispiel aus einer anderen Größe: 195/65 R 15 mit LI 91 trägt 615 kg bei 2,5 bar, dieselbe Größe als Reinforced mit LI 95 trägt 690 kg – aber erst bei 2,9 bar.

Praktisch bedeutet das: Steht auf Ihrem Aufkleber eine eigene Zeile für die verstärkte Ausführung, nehmen Sie diese. Gibt es keine und Sie fahren einen höheren Lastindex als eingetragen, ist der Aufkleberwert weiterhin die Untergrenze – die zusätzliche Tragfähigkeit steht Ihnen aber nur mit dem höheren Druck zur Verfügung. Im Zweifel fragen Sie den Reifenhersteller oder Ihre Werkstatt; die Hintergründe zu den Kennungen erklären wir in XL, Reinforced und Extra Load und in Lastindex und Geschwindigkeitsindex am Reifen.

Teillast oder Volllast: die Tabelle richtig lesen

Auf dem Aufkleber steht in aller Regel nicht ein Wert, sondern ein kleines Raster – getrennt nach Achse und nach Beladung. Zwei Spalten sind fast immer dabei:

  • Teillast (Normalbeladung): für den Alltag mit ein bis zwei Personen und wenig Gepäck.
  • Volllast: für das voll beladene Fahrzeug – viele Mitfahrer, Urlaubsgepäck, Dachbox oder Anhängerbetrieb.

Vorder- und Hinterachse können dabei unterschiedliche Werte haben, weil Motor, Getriebe und Kofferraumladung das Gewicht ungleich verteilen. Wie groß die Spanne zwischen leerem und beladenem Auto ausfällt, wird regelmäßig unterschätzt: Nach ADAC-Angaben kann der richtige Reifendruck je nach Fahrzeugbeladung um bis zu 1 bar variieren. Das ist keine Nuance mehr, sondern der Unterschied zwischen einem korrekt und einem deutlich zu weich gefahrenen Reifen – und zwar ausgerechnet in der Situation, in der das Auto am schwersten ist und die Reifen am meisten arbeiten müssen.

Eine dritte Spalte taucht bei manchen Fahrzeugen auf: Einzelne Hersteller schreiben einen höheren Reifendruck für hohe Dauergeschwindigkeiten vor. Das passt zu einer zweiten Eigenheit, die viele nicht kennen: Bei Reifen, die für mehr als 210 km/h freigegeben sind (Speed-Index über H), sinkt die Tragfähigkeit oberhalb dieser Marke mit steigendem Tempo – ein V-Reifen kommt bei seinen möglichen 240 km/h nur noch auf 91 Prozent seiner ausgewiesenen Tragfähigkeit. Wer regelmäßig schnell und schwer beladen unterwegs ist, kombiniert also gleich zwei Effekte, die in dieselbe Richtung zeigen.

Wer voll beladen in den Urlaub fährt, sollte deshalb konsequent auf die Volllast-Werte gehen und nach der Rückkehr wieder zurückstellen. Wie Sie den Druck konkret an Urlaubsbeladung und Sommerhitze anpassen, zeigt unser Beitrag Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.

Kalt messen: warum die Temperatur mitrechnet

Luft dehnt sich beim Erwärmen aus. Fahren Sie ein paar Kilometer, walkt der Reifen, das Gas im Inneren wird wärmer und der angezeigte Druck steigt – ohne dass ein einziges Molekül dazugekommen wäre. Genau deshalb gilt der Sollwert auf dem Aufkleber immer für den kalten Reifen.

Der ADAC empfiehlt, den Druck vor der Fahrt zu prüfen, idealerweise bei einer Außentemperatur um 20 Grad, und der Reifen sollte auf keinen Fall zu warm sein. Der klassische Fehler passiert an der Tankstelle nach 30 Kilometern Autobahn: Das Gerät zeigt mehr an als vorgegeben, und die Luft wird abgelassen. Beim Abkühlen liegt der Reifen dann deutlich unter dem Sollwert – man hat sich einen Unterdruck eingestellt und ihn für Sorgfalt gehalten. Lassen Sie bei warmgefahrenen Reifen niemals Luft ab, um den Aufkleberwert zu „treffen". Lässt sich eine kalte Messung nicht einrichten, rechnen viele als grobe Faustregel etwa 0,2 bar auf den Sollwert auf – sauberer ist es, beim nächsten Mal von vornherein kalt zu messen.

Ende August ist dafür ein guter Zeitpunkt. Die Nächte werden kühler, und mit jeder Woche sinkt die Temperatur, bei der das Auto morgens losfährt – der gemessene Druck sinkt mit. Wer im Hochsommer bei 30 Grad eingestellt hat und im Oktober nicht nachschaut, fährt zwangsläufig zu weich. Spätestens beim anstehenden Wechsel auf Winterreifen gehört der Druck deshalb neu eingestellt, denn die Vorgaben gelten für die jeweilige Größe – und Winterräder haben nicht selten eine andere Dimension als die Sommerräder.

Ein Wort zum schleichenden Verlust: Auch ein völlig intakter Reifen verliert Luft, als Anhaltspunkt nennt der ADAC etwa 0,1 bar über drei Monate. Wer alle zwei Wochen kontrolliert, merkt davon nichts. Wer einmal im Jahr nachsieht, fährt die zweite Jahreshälfte mit spürbar zu wenig Druck.

Schritt für Schritt: prüfen, einstellen, kontrollieren

Messgeräte und Kompressoren stehen an vielen Tankstellen kostenlos zur Verfügung; für zu Hause reicht ein einfacher Reifendruckprüfer aus dem Baumarkt. Und wenn unterwegs weder das eine noch das andere greifbar ist: In vielen Fahrzeugen liegt dort, wo früher das Ersatzrad war, ein Pannenhilfeset mit kleinem Kompressor – der genügt zum Nachfüllen ebenfalls.

  1. Kalt und vor der Fahrt messen. Ideal ist der Check direkt nach dem Aufschließen, nicht nach der Autobahnetappe.
  2. Sollwert heraussuchen. Aufkleber lesen und die richtige Zeile wählen: Teillast oder Volllast, Vorder- oder Hinterachse – und, wenn der Aufkleber danach unterscheidet, die zur Tragfähigkeitskennung Ihres Reifens passende.
  3. Ventilkappe abschrauben und den Stecker des Messgeräts fest aufsetzen. Zischt es weiter, sitzt der Stecker schief und der angezeigte Wert stimmt nicht – noch einmal ansetzen, bis es dicht ist.
  4. Druck angleichen. Über die Plus- und Minus-Tasten Luft zugeben oder ablassen. An moderneren Säulen geben Sie den Zielwert digital vor und lassen automatisch befüllen.
  5. Alle vier Räder prüfen – und das Reserverad. Ein Notrad, das seit vier Jahren mit 1,2 bar im Kofferraum liegt, hilft im Ernstfall niemandem.
  6. Ventilkappen wieder aufsetzen. Sie sind kein Zierrat, sondern schützen den Ventileinsatz vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Als Routine empfiehlt der ADAC eine Kontrolle mindestens alle zwei Wochen, zusätzlich vor jeder längeren Fahrt und bei jeder Änderung der Beladung. Praktisch heißt das: einmal pro Tankfüllung. Prüfen Sie bei der Gelegenheit gleich die Profiltiefe mit, dann sind beide sicherheitsrelevanten Reifen-Checks in wenigen Minuten erledigt.

Eco-Druck: 0,2 bar mehr, weniger Verbrauch

Ein Detail, das kaum jemand kennt: Die Herstellerangabe ist in der Regel ein Mindestdruck, kein Optimalwert. Ruprecht Müller vom ADAC Technikzentrum weist darauf hin, dass die Hersteller aus Komfortgründen meist nur diesen Mindestdruck angeben – eine Erhöhung um 0,2 bar sei beim Komfort kaum zu spüren, reduziere aber den Kraftstoffverbrauch, ohne an Sicherheit einzubüßen.

Der Hintergrund ist derselbe wie bei den Nachteilen des Unterdrucks, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Ein etwas straffer gefüllter Reifen verformt sich beim Abrollen weniger, dadurch geht weniger Energie in Walkarbeit und Wärme verloren, und der Rollwiderstand sinkt. Wie stark der Rollwiderstand den Verbrauch beeinflusst und was das EU-Reifenlabel dazu sagt, erklärt unser Beitrag Spritsparen mit den richtigen Reifen.

Wichtig ist das Maß. Dieser Eco- oder Komfortdruck meint 0,2 bar über der Herstellerangabe, nicht 0,5 oder 0,8 bar. Wer deutlich darüber hinausgeht, verliert Komfort, verschlechtert den Grip auf nasser Fahrbahn und handelt sich den Verschleiß in der Laufflächenmitte ein, den zu viel Druck typischerweise verursacht. Und die Herstellervorgabe für den maximal zulässigen Fülldruck bleibt in jedem Fall die Obergrenze.

Was das RDKS leistet – und was nicht

Seit November 2014 müssen in der EU alle neu zugelassenen Pkw und einige Wohnmobile mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet sein. Das System warnt, wenn der Druck nicht mehr stimmt – und wenn es warnt, sollten Sie zeitnah reagieren und nachmessen.

Die entscheidende Einschränkung: Ein RDKS ist eine Warnung, keine Kontrolle. Der ADAC formuliert das unmissverständlich – die Systeme tragen zur Sicherheit bei, können die regelmäßige eigene Prüfung aber nicht ersetzen. Der Grund liegt in der Bauart. Direkt messende Systeme haben einen Sensor im Rad und melden echte Druckwerte, sind aber auf funktionierende Sensoren mit begrenzter Batterielebensdauer angewiesen. Indirekt messende Systeme rechnen den Druckverlust aus Raddrehzahlen und Schwingungsverhalten hoch; sie brauchen keine Sensoren, erkennen aber typischerweise nur den einseitigen Verlust – wenn alle vier Reifen über Monate gleichmäßig Luft verlieren, fehlt ihnen schlicht die Vergleichsgröße. Welches System Ihr Auto nutzt, steht in der Bedienungsanleitung; die Unterschiede und was beim Radwechsel zu beachten ist, erklären wir in RDKS richtig verstehen.

Wichtig ist außerdem: Nach dem Einstellen des Drucks und nach jedem Radwechsel muss das System in vielen Fahrzeugen neu initialisiert oder angelernt werden – sonst warnt es vor einem Zustand, den es gar nicht mehr gibt, oder es schweigt zu einem, den es kennen müsste.

Häufige Fragen

Wo finde ich den richtigen Reifendruck für mein Auto?

An der B-Säule der Fahrerseite, auf der Innenseite des Tankverschlusses, auf einem Aufkleber im Handschuhfach, in der Bedienungsanleitung oder in den Reifendrucktabellen des Fahrzeugherstellers im Internet (ADAC). Dort stehen die vom Fahrzeughersteller freigegebenen Werte, getrennt nach Achse sowie nach Teil- und Volllast. Welche Reifengrößen für Ihr Fahrzeug überhaupt eingetragen sind, sehen Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter 15.1 und 15.2.

Brauchen verstärkte Reifen mit höherem Lastindex mehr Druck?

Ja. Die Tragfähigkeit eines Lastindex gilt immer nur bei einem bestimmten Fülldruck, und laut ADAC verringert jede Druckreduzierung auch die Tragfähigkeit. Verstärkte Reifen benötigen deshalb einen höheren Fülldruck als die Standardversion; als Faustregel nennt der ADAC 0,1 bar je Punkt höherem Lastindex. Ein höherer Lastindex allein bringt ohne den passenden Druck also nicht die höhere Tragfähigkeit.

Soll ich den Reifendruck warm oder kalt messen?

Immer kalt, also vor der Fahrt und idealerweise bei rund 20 Grad Außentemperatur (ADAC). Warmgefahrene Reifen zeigen einen höheren Druck an. Lassen Sie in diesem Fall keinesfalls Luft ab, um den Aufkleberwert zu erreichen – nach dem Abkühlen wäre der Reifen deutlich zu weich.

Lohnt sich eine Stickstofffüllung statt Luft?

Nach Einschätzung des ADAC nicht. Luft besteht ohnehin schon zu etwa 78 Prozent aus Stickstoff, und ein intakter Reifen verliert als Anhaltspunkt lediglich rund 0,1 bar über drei Monate. Eine Füllung aller vier Reifen kostet etwa 10 Euro, ersetzt die regelmäßige Kontrolle aber ebenso wenig, denn Beschädigungen und undichte Stellen können immer auftreten.

Fazit

Richtiger Reifendruck ist Sicherheit fast zum Nulltarif – aber nur, wenn der Sollwert wirklich zu Ihrem Reifen passt. Suchen Sie den Wert am Fahrzeug, nicht im Netz. Achten Sie darauf, welche Zeile der Tabelle für Ihre Achse, Ihre Beladung und Ihre Tragfähigkeitskennung gilt: In der Volumengröße 205/55 R 16 stehen in unserem Sortiment 166 Ausführungen mit Lastindex 91 neben 90 mit Lastindex 94, ohne dass die Artikelbezeichnung das verrät. Messen Sie kalt, korrigieren Sie bei Beladung nach oben, kontrollieren Sie alle zwei Wochen – und gönnen Sie sich die 0,2 bar Eco-Druck, die der ADAC empfiehlt.

Passende Reifen in dieser Größe finden Sie auf unserer Seite 205/55 R16, das komplette Sortiment unter PKW-Reifen.

Quellen: ADAC – Der richtige Reifendruck: So geht's; ADAC – Reifenkennzeichnung auf Flanke und Fahrzeugschein; ADAC – Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS). Sortimentsauswertung 205/55 R 16: eigene Erhebung im Shop-Bestand von Reifentiefpreis.de am 24.08.2026 (256 lieferbare Ausführungen, lieferbare Ware, Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen getrennt erhoben).

Schlagwörter: Reifendruck Luftdruck Lastindex RDKS Reifensicherheit Spritsparen

Das könnte Sie auch interessieren