Richtiger Reifendruck: Wo Sie den Wert finden und den Luftdruck korrekt einstellen
Der richtige Reifendruck ist einer der wichtigsten und zugleich am häufigsten übersehenen Sicherheitsfaktoren am Auto. Mit dem passenden Luftdruck bremsen Sie kürzer, liegen sicherer in der Kurve, sparen Sprit und holen mehr Kilometer aus Ihren Reifen heraus. Das Beste daran: Die Kontrolle kostet an der Tankstelle nichts und dauert nur wenige Minuten. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wo Sie den richtigen Wert für Ihr Fahrzeug finden, wie Sie die Reifendruck-Tabelle lesen und worauf es beim Aufpumpen ankommt.
Warum der richtige Reifendruck so wichtig ist
Der Reifen verbindet das Auto über ein Luftpolster mit der Straße. Stimmt der Druck nicht, leidet das gesamte Fahrverhalten. Vor allem zu wenig Druck ist gefährlich:
- Längerer Bremsweg und schlechtere Kurvenlage: Ein zu weicher Reifen verformt sich stärker und überträgt Lenk- und Bremskräfte schlechter (ADAC).
- Platzgefahr bei hohem Tempo: Bei Unterdruck walkt der Reifen stark durch und erhitzt sich; bei hohen Geschwindigkeiten droht im Extremfall ein Reifenplatzer (ADAC).
- Mehrverbrauch: Schon 0,4 bar zu wenig bedeuten laut ADAC einen Mehrverbrauch von bis zu 0,3 Litern auf 100 Kilometer.
- Schnellerer Verschleiß: Zu niedriger Druck führt zu erhöhtem und ungleichmäßigem Abrieb, die Reifen sind früher reif für den Austausch.
Auch zu viel Druck ist nicht ideal: Der Federungskomfort sinkt, und der Reifen nutzt sich in der Mitte der Lauffläche stärker ab (ADAC). Wie sich ein falscher Druck im Verschleißbild zeigt, lesen Sie in unserem Beitrag Ungleichmäßiger Reifenverschleiß.
Wo Sie den richtigen Reifendruck für Ihr Auto finden
Den passenden Reifendruck gibt der Fahrzeughersteller vor, nicht der Reifenhersteller. Die Werte gelten für die jeweils freigegebene Reifengröße und stehen an mehreren Stellen (ADAC):
- an der B-Säule bei geöffneter Fahrertür (der häufigste Ort),
- auf der Innenseite des Tankdeckels,
- auf einem Aufkleber im Handschuhfach,
- in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs,
- sowie auf den Webseiten vieler Hersteller.
Wichtig: Maßgeblich ist immer der Wert für Ihr konkretes Fahrzeug und Ihre Reifengröße. Pauschale Angaben aus dem Internet (bei Pkw oft rund 2,0 bis 2,5 bar) sind nur eine grobe Orientierung und ersetzen den Aufkleber am Auto nicht.
Teillast oder Volllast: die Tabelle richtig lesen
Auf dem Aufkleber stehen meist mehrere Werte, getrennt nach Achse und Beladung:
- Teillast (Normalbeladung): für die alltägliche Fahrt mit ein bis zwei Personen und wenig Gepäck.
- Volllast: für das voll beladene Auto, also mit Urlaubsgepäck, vielen Mitfahrern, Dachbox oder im Anhängerbetrieb.
Vorder- und Hinterachse können dabei unterschiedliche Werte haben. Wer voll beladen in den Urlaub fährt, sollte unbedingt auf die Volllast-Werte erhöhen, sonst ist der Reifen für das hohe Gewicht zu weich. Wie Sie den Druck konkret an die Urlaubsbeladung anpassen, zeigt unser Beitrag Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.
So messen und stellen Sie den Reifendruck richtig ein
- Kalt messen. Prüfen Sie den Druck vor der Fahrt, idealerweise bei rund 20 °C Außentemperatur und an kalten Reifen (ADAC). Warme Reifen zeigen einen höheren Druck an, lassen Sie dann keine Luft ab, um den vermeintlich „richtigen" Wert zu erreichen.
- Sollwert heraussuchen. Den passenden Wert (Teillast oder Volllast, je Achse) vom Aufkleber ablesen.
- Ventilkappen abschrauben und das Prüfgerät fest auf das Ventil aufsetzen.
- Druck angleichen: Luft auffüllen oder ablassen, bis der Sollwert erreicht ist. An modernen Tankstellen-Geräten stellen Sie den Zielwert vorher ein und füllen automatisch.
- Reserverad nicht vergessen (sofern vorhanden) und Ventilkappen wieder aufsetzen, sie schützen das Ventil vor Schmutz und Feuchtigkeit.
Tipp: Sind die Reifen bereits warmgefahren, rechnen viele als Faustregel etwa 0,2 bar auf den Sollwert auf. Genauer und einfacher ist es jedoch, von vornherein an kalten Reifen zu messen.
Eco-Druck: mit etwas mehr Luft Sprit sparen
Ein kleiner Kniff spart bares Geld: Laut ADAC ist „eine Erhöhung um 0,2 bar beim Komfort kaum zu spüren, reduziert aber den Kraftstoffverbrauch". Dieser sogenannte Eco- oder Komfortdruck liegt also leicht über dem Standardwert. Den Hintergrund, wie der Rollwiderstand den Verbrauch beeinflusst, erklärt unser Beitrag Spritsparen mit den richtigen Reifen. Wichtig: Bleiben Sie im sinnvollen Rahmen und überschreiten Sie die Herstellervorgabe nicht deutlich.
RDKS prüft mit, ersetzt die Kontrolle aber nicht
Seit November 2014 ist in allen neu zugelassenen Pkw ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS) Pflicht. Es warnt bei deutlichem Druckverlust, ist aber kein Ersatz für die regelmäßige eigene Kontrolle, denn vor allem indirekte Systeme reagieren erst spät und nicht auf einen schleichend zu niedrigen Druck an allen vier Rädern gleichzeitig. Wie die beiden RDKS-Varianten funktionieren, lesen Sie in RDKS richtig verstehen.
Wie oft sollten Sie den Reifendruck prüfen?
Der ADAC empfiehlt eine Kontrolle mindestens alle zwei Wochen sowie zusätzlich vor jeder längeren Fahrt und bei wechselnder Beladung. Ein kurzer Blick beim Tanken genügt meist. Prüfen Sie bei der Gelegenheit gleich die Profiltiefe mit, so sind beide sicherheitsrelevanten Reifen-Checks in wenigen Minuten erledigt.
Häufige Fragen
Wo finde ich den richtigen Reifendruck für mein Auto?
An der B-Säule der Fahrerseite, auf der Innenseite des Tankdeckels, im Handschuhfach oder in der Betriebsanleitung. Dort sind die vom Fahrzeughersteller freigegebenen Werte für Teil- und Volllast angegeben (ADAC).
Soll ich den Reifendruck warm oder kalt messen?
Immer kalt, also vor der Fahrt. Warme Reifen zeigen einen höheren Druck an. Lassen Sie bei warmen Reifen keine Luft ab, um den Sollwert zu „korrigieren".
Wie viel mehr Druck brauche ich bei voller Beladung?
Den genauen Volllast-Wert nennt der Aufkleber am Fahrzeug. Fahren Sie mit Urlaubsgepäck, vielen Personen oder Dachbox, stellen Sie auf diese höheren Werte um.
Wie oft sollte ich den Reifendruck kontrollieren?
Mindestens alle zwei Wochen und zusätzlich vor jeder längeren Fahrt (ADAC). Ein RDKS ersetzt die manuelle Kontrolle nicht.
Was passiert bei zu wenig Reifendruck?
Längerer Bremsweg, schlechtere Kurvenlage, höherer Verbrauch (bis zu 0,3 l/100 km schon bei 0,4 bar Unterdruck), schnellerer Verschleiß und bei hohem Tempo Platzgefahr (ADAC).
Fazit
Der richtige Reifendruck ist Sicherheit zum Nulltarif: Werte am Fahrzeug ablesen, an kalten Reifen messen, bei Beladung auf Volllast erhöhen und alle zwei Wochen kontrollieren. Wer dazu noch 0,2 bar Eco-Druck aufschlägt, spart obendrein etwas Sprit. Passende Sommerreifen, etwa in der beliebten Größe 205/55 R16, sowie das komplette Sortiment finden Sie in unserem Shop unter PKW-Reifen.
Quellen: ADAC – Der richtige Luftdruck beim Auto; ADAC – Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS).