Warum es Stahlfelgen fast nur bis 16 Zoll gibt
Wer für den Winter einen zweiten Radsatz sucht, landet fast automatisch bei der Stahlfelge: robust, vergleichsweise günstig und unempfindlich gegen Streusalz und Bordsteinkanten. Viele Autofahrerinnen und Autofahrer machen an diesem Punkt aber eine überraschende Erfahrung — für ihr Fahrzeug gibt es schlicht keine. Das ist kein Lieferengpass und keine ausverkaufte Größe, sondern eine Lücke, die es in dieser Größe nie gab.
Wir haben deshalb das komplette Felgensortiment unseres Shops ausgewertet: 1.162 lieferbare Stahlfelgen und 2.144 Alufelgen, Stand 20. Juli 2026. Das Ergebnis fällt deutlicher aus, als wir erwartet hatten — und es erklärt, warum die klassische Frage „Stahl oder Alu?" für einen großen Teil der Fahrzeuge gar nicht zur Wahl steht, sondern längst entschieden ist.
Im Sortiment stecken 1.162 Stahlfelgen — aber sie ballen sich in drei Größen
Sortiert man alle lieferbaren Stahlfelgen nach ihrem Durchmesser, entsteht ein auffällig schmaler Berg. 13 Zoll: 49 Stück · 14 Zoll: 153 · 15 Zoll: 424 · 16 Zoll: 470 · 17 Zoll: 52 · 18 Zoll: 3 · 19 Zoll: 1 · 20 Zoll: 1.
Zwei Größen tragen damit fast das gesamte Sortiment: 15 und 16 Zoll stellen zusammen 894 Felgen — gut 77 Prozent. Rechnet man 13 und 14 Zoll hinzu, sind 95 Prozent aller Stahlfelgen höchstens 16 Zoll groß. Oberhalb davon wird es schnell dünn: 17 Zoll kommt auf 52 Ausführungen, und ab 18 Zoll bleiben ganze fünf übrig — drei für VW-Modelle, eine 19-Zoll-Ausführung ebenfalls für VW und eine einzelne 20-Zoll-Felge für den Renault Scénic.
Zur Einordnung der Datenbasis: Von den 1.162 Stahlfelgen tragen 1.153 ihre Maßangabe in der üblichen Schreibweise (etwa 6Jx15 oder 5.00Bx13) im Artikeltitel; neun nutzen abweichende Schreibweisen und fehlen in der Aufstellung. Die Verteilung selbst ändert das nicht. Auffällig ist außerdem, wie konzentriert der Markt ist: Die Stahlfelgen stammen praktisch vollständig aus einer Unternehmensgruppe — 1.031 von ALCAR, 75 von ALCAR Stahlrad und 56 von DOTZ.
Bei den Alufelgen läuft die Kurve genau andersherum
Die gleiche Auswertung für die 2.144 Alufelgen ergibt fast das Spiegelbild. 14 Zoll: 7 · 15 Zoll: 69 · 16 Zoll: 248 · 17 Zoll: 391 · 18 Zoll: 535 · 19 Zoll: 446 · 20 Zoll: 339 · 21 Zoll: 96 · 22 Zoll: 13. Hier summieren sich die Durchmesser exakt auf die Gesamtzahl, die Verteilung ist also lückenlos.
Zwei Drittel aller Alufelgen (1.429 Stück) messen 18 Zoll oder mehr. Umgekehrt sind nur 76 Ausführungen — 3,5 Prozent — 15 Zoll oder kleiner, und unterhalb von 14 Zoll gibt es im gesamten Alu-Sortiment keine einzige Felge.
Besonders aufschlussreich ist die Größe, in der sich die beiden Kurven kreuzen. Bei 17 Zoll stehen 52 Stahlfelgen 391 Alufelgen gegenüber — hier kippt das Verhältnis. Eine Größe darunter, bei 16 Zoll, führt die Stahlfelge mit 470 zu 248 noch klar. Eine Größe darüber, bei 18 Zoll, ist das Rennen mit 3 zu 535 praktisch beendet. Der Übergang vollzieht sich also nicht allmählich über mehrere Zoll, sondern innerhalb eines einzigen Schritts.
Warum die Stahlfelge bei 17 Zoll endet
Der Grund steckt weniger in der Physik als in der Herkunft dieser Räder — und er lässt sich an den Artikelbezeichnungen selbst ablesen. Stahlfelgen im Ersatzteilmarkt sind fahrzeugspezifische Nachbauten von Serienrädern: Sie heißen „Golf VIII", „Astra-K", „Clio V" oder „Tiguan II" und passen jeweils auf ein bestimmtes Modell. Alufelgen dagegen sind Designlinien, die über Lochkreis und Einpresstiefe auf viele verschiedene Fahrzeuge passen — etwa eine DEZENT TN oder eine AEZ Havanna.
Daraus folgt fast zwangsläufig: Eine Stahlfelge existiert im Nachrüstmarkt nur dann, wenn das betreffende Fahrzeug ab Werk überhaupt mit Stahlrädern ausgeliefert wurde. Genau das ist die Domäne der Basis- und Mittelklasseausstattungen von Klein- und Kompaktwagen — und die bewegen sich serienmäßig zwischen 14 und 16 Zoll. Ein Fahrzeug, das ab Werk auf 19 Zoll steht, hatte nie ein Stahlrad, für das sich ein Nachbau lohnen würde.
Diese Logik hat eine praktische Folge, die beim Gebrauchtwagenkauf gern übersehen wird: Nicht das Fahrzeugmodell entscheidet über die Verfügbarkeit, sondern die konkrete Ausstattungslinie. Zwei identische Kompaktwagen desselben Baujahrs können unterschiedlich dastehen — der eine ab Werk auf 16-Zoll-Stahl, für den ein Winterradsatz schnell und günstig zu haben ist, der andere in der Sportausstattung auf 18-Zoll-Alu, für den es kein Serien-Stahlrad gibt und nie gegeben hat. Wer die Folgekosten eines Fahrzeugs einschätzen will, sollte diesen Punkt also vor dem Kauf klären und nicht erst im Oktober.
Hinzu kommen zwei technische Randbedingungen. Zum einen wird eine Stahlfelge aus zwei Teilen gefertigt, der Radschüssel und dem Felgenkranz, die miteinander verschweißt werden — eine Bauweise, die auf robuste Serienmaße ausgelegt ist und keine filigranen Speichendesigns erlaubt. Zum anderen brauchen leistungsstarke Fahrzeuge große Bremsanlagen, die einen entsprechenden Mindestdurchmesser und ausreichend Freigang im Radinneren voraussetzen. Der Hersteller ALCAR, aus dessen Gruppe praktisch das gesamte hier ausgewertete Stahlsortiment stammt, beschreibt sein Programm selbst als Räder aus hochfestem Qualitätsstahl in Erstausrüstungsqualität für Pkw, leichte Lkw und Geländefahrzeuge (Quelle: ALCAR) — also genau für jene Fahrzeugklassen, in denen das Serien-Stahlrad zu Hause ist.
Unter 14 Zoll gibt es nur Stahl
Am unteren Ende der Skala dreht sich das Bild vollständig um, und dort ist die Stahlfelge nicht die günstige Alternative, sondern die einzige Option. 49 Stahlfelgen in 13 Zoll stehen null Alufelgen gegenüber.
Wer sich die betroffenen Fahrzeuge ansieht, erkennt sofort das Muster: Fiat Panda und Punto, Renault Twingo, Kia Picanto, Hyundai i10, Mitsubishi Colt, Peugeot 306 — Kleinwagen und ältere Modelle, für die im Aluminium-Nachrüstmarkt schlicht kein Geschäft mehr besteht. Dazu kommen einige Anhängerräder, die in dieser Größe ebenfalls nur in Stahl angeboten werden.
Dass Aluminium hier fehlt, ist keine technische Grenze, sondern eine wirtschaftliche: Eine Alufelge entsteht als Gussform-Designlinie, die sich erst ab einer gewissen Stückzahl rechnet. Für Fahrzeuge, die seit Jahren nicht mehr gebaut werden und deren Bestand kontinuierlich schrumpft, kommt diese Stückzahl nicht mehr zusammen. Das Stahlrad dagegen wird als fahrzeugspezifisches Ersatzteil weiterproduziert, solange die Modelle im Straßenbild sind — es folgt der Werkstattnachfrage, nicht dem Designmarkt.
Für Halterinnen und Halter dieser Fahrzeuge ist die Lage damit angenehm einfach: Die Frage „Stahl oder Alu?" stellt sich nicht, und der passende Radsatz ist meist schnell gefunden. Ein Beispiel aus dem Sortiment ist die ALCAR 4 Loch 108x65 ET20 306 5.50Bx13 für 65,40 Euro je Felge. Wichtig bleibt dabei immer, dass Lochkreis, Einpresstiefe und Nabenbohrung exakt zum Fahrzeug passen — wie sich diese Maße lesen lassen, erklären wir in unserem Beitrag zu Lochkreis, Einpresstiefe und Nabenbohrung.
Was das für Ihren Winterradsatz bedeutet
Wer jetzt schon für die kalte Jahreszeit plant, sollte die Größenfrage an den Anfang stellen und nicht ans Ende. Ein Blick auf die im Shop meistgefragten Pkw-Größen zeigt, warum das gut ausgeht — oder eben nicht: 205/55 R16, 195/65 R15, 215/65 R16 und 205/60 R16 gehören zu den nachgefragtesten Dimensionen überhaupt, und sie liegen alle mitten im Kernbereich des Stahlangebots. Für diese Fahrzeuge ist ein Winterradsatz auf Stahl problemlos machbar, etwa mit der ALCAR 5 Loch 105x56.6 ET37 Astra-K 6Jx15 für 76,20 Euro oder der ALCAR 5 Loch 112x57 ET50 Altea Typ 5P 6.5Jx16 für 74,60 Euro.
Anders sieht es aus, sobald Ihr Fahrzeug serienmäßig auf 18 Zoll oder mehr steht. Dann führen realistisch nur zwei Wege zum Ziel: ein Winterradsatz auf Alufelgen — oder der Wechsel auf eine kleinere, für Ihr Fahrzeug ausdrücklich freigegebene Winterreifengröße, die dann unter Umständen doch wieder ein Stahlrad ermöglicht. Diese sogenannte Winterdimension ist bei vielen Fahrzeugen in den Zulassungsunterlagen hinterlegt. Verbindlich sind allein die Angaben in Ihren Fahrzeugpapieren beziehungsweise in der CoC-Bescheinigung; im Zweifel klärt das ein Fachbetrieb. Wer den saisonalen Wechsel ohnehin vereinfachen möchte, findet fertig montierte Sätze unter Kompletträder.
Ein Punkt gehört bei einem zweiten Radsatz immer mit auf die Rechnung, unabhängig vom Material: das Reifendruckkontrollsystem. Seit dem 1. November 2014 müssen alle neu zugelassenen Pkw der Klasse M1 ein Reifendruckkontrollsystem besitzen (Quelle: ADAC), und bei einem direkt messenden System sitzt in jedem Rad ein eigener Sensor. Für den zweiten Satz heißt das entweder Sensoren übernehmen, neu bestücken oder anlernen lassen — je nach Fahrzeug ein spürbarer Posten, der den Preisvorteil der Stahlfelge relativieren kann. Was dabei jeweils sinnvoll ist, haben wir im Beitrag zu Sensoren beim Wechsel zwischen zwei Radsätzen aufgeschlüsselt.
Preise: der Einstieg ist günstiger, die Spitze nicht
Dass Stahl billiger ist als Aluminium, stimmt — aber nur am unteren Ende. Die günstigsten Stahlfelgen im Sortiment liegen je nach Größe bei 57,60 bis 76,60 Euro pro Felge, die günstigsten Alufelgen bei 96,70 bis 126,40 Euro. Über einen kompletten Satz summiert sich dieser Abstand auf eine dreistellige Summe, und genau daher rührt der gute Ruf des Stahlrads als Winterlösung.
Bei den Spitzenpreisen kippt das Bild jedoch. Die teuerste 15-Zoll-Stahlfelge im Sortiment kostet 891,40 Euro — ein Rad für Mercedes Sprinter und VW LT mit entsprechend hoher Tragfähigkeit. Auch in 16 Zoll reicht die Spanne bis 412,10 Euro und in 14 Zoll bis 410,80 Euro. Alufelgen derselben Durchmesser bleiben dagegen unter 240 Euro. „Stahl ist günstig" gilt also für das Serienrad eines Kompaktwagens, nicht pauschal für jede Stahlfelge.
Bemerkenswert ist zudem, dass die kleinsten Größen keineswegs die billigsten sind. Eine 13-Zoll-Stahlfelge beginnt bei 65,40 Euro, eine 14-Zoll-Felge bei 64,10 Euro — während der günstigste Einstieg mit 57,60 Euro ausgerechnet bei 15 Zoll liegt. Der Grund ist schlicht die Stückzahl: Wo viel gebaut wird, wird günstig gebaut. Kleine Größen für auslaufende Modelle sind Nischenware und bleiben preislich stabil.
Für die Planung eines Winterradsatzes lohnt es sich deshalb, in Sätzen statt in Einzelpreisen zu rechnen. Legt man jeweils die günstigsten Ausführungen der gängigen Durchmesser zugrunde, kostet ein Satz aus vier Stahlfelgen rund 230 bis 310 Euro, ein Satz Alufelgen rund 390 bis 505 Euro — dazu kommen in beiden Fällen Reifen, Montage, Wuchten und gegebenenfalls die RDKS-Sensoren. Der Materialaufpreis für Aluminium fällt damit über den gesamten Radsatz betrachtet spürbar, aber nicht dramatisch aus. Wer Wert auf die Optik legt und ohnehin ganzjährig denselben Felgentyp fahren möchte, trifft mit Alu keine unvernünftige Entscheidung; wer den Winterradsatz als reines Verschleißteil betrachtet, fährt mit Stahl klar günstiger. Alle genannten Preise sind Einzelpreise je Felge zum Stand 20. Juli 2026 und ändern sich mit dem Sortiment.
Der Irrtum von der reparierbaren Stahlfelge
Ein Argument für Stahl hält sich besonders hartnäckig: Eine verbogene Stahlfelge lasse sich einfach wieder richten, während die Alufelge Schrott sei. In dieser Form ist das falsch — und zwar unabhängig vom Material.
Der ADAC weist darauf hin, dass Vorgaben des Bundesverkehrsministeriums eine Reparatur untersagen; darunter fallen ausdrücklich alle Eingriffe in das Materialgefüge, Wärmebehandlungen, Schweißen und Rückverformungen. Zulässig ist nur eine kosmetische Aufbereitung in engen Grenzen und durch zertifizierte Betriebe (Quelle: ADAC). Eine krumm gefahrene Stahlfelge gehört damit ebenso ersetzt wie eine beschädigte Alufelge — der Unterschied liegt allein darin, dass der Ersatz beim Stahlrad meist deutlich weniger kostet.
Der echte Vorteil des Stahlrads liegt woanders, und auch dazu ist der ADAC deutlich: Alufelgen sind zwar leichter und ansehnlicher, aber weniger robust. Im Winterbetrieb mit Streusalz, Schlaglöchern und engen Parklücken ist ein Rad, dessen Kratzer optisch kaum auffallen und dessen Neupreis überschaubar bleibt, schlicht die entspanntere Wahl. Welche Argumente sonst noch für und gegen das Material sprechen, haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zu den Vor- und Nachteilen des Stahlrads zusammengetragen; das passende Angebot finden Sie unter Stahlfelgen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob es für mein Auto überhaupt ein Stahlrad gibt?
Als Faustregel gilt: Stand Ihr Fahrzeug ab Werk in der Basisausstattung auf 14 bis 16 Zoll, stehen die Chancen gut. Ab 18 Zoll Serienbereifung ist ein Stahlrad die absolute Ausnahme — im gesamten Sortiment gibt es dafür nur fünf Ausführungen. Verbindlich klären lässt sich das über die für Ihr Fahrzeug freigegebenen Rad-Reifen-Kombinationen in den Zulassungsunterlagen.
Darf ich im Winter kleinere Räder montieren als im Sommer?
Nur dann, wenn die gewünschte Rad-Reifen-Kombination für Ihr Fahrzeug freigegeben ist. Viele Hersteller hinterlegen dafür eine eigene Winterdimension. Zusätzlich muss die Bremsanlage genügend Freigang haben, was bei großen Bremsscheiben den kleineren Durchmesser ausschließen kann. Maßgeblich sind Ihre Fahrzeugpapiere beziehungsweise die CoC-Bescheinigung.
Sind Stahlfelgen tatsächlich schwerer als Räder aus Aluminium?
In der Regel ja — der ADAC beschreibt Alufelgen als leichter, zugleich aber als weniger robust. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt allerdings stark vom konkreten Rad ab: Moderne Stahlräder werden aus hochfestem Stahl mit geringen Wandstärken gefertigt, während breite, große Alufelgen ihrerseits erheblich wiegen können.
Fazit
Die Auswertung von 3.306 Felgen zeigt ein klares Bild: Das Stahlrad ist kein universeller Sparweg, sondern das Serienrad der Klein- und Kompaktklasse zwischen 14 und 16 Zoll — dort allerdings mit großer Auswahl und deutlichem Preisvorteil. Unterhalb von 14 Zoll ist es konkurrenzlos, oberhalb von 17 Zoll praktisch nicht mehr vorhanden. Prüfen Sie deshalb vor der Radsatzplanung zuerst die Größe Ihres Fahrzeugs — sie entscheidet die Materialfrage meist schon von allein.