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Kompletträder – Ratgeber im Magazin

RDKS beim Kompletträder-Wechsel: Sensoren übernehmen, anlernen oder neu kaufen?

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 06.07.2026
Hand hält einen RDKS-Reifendrucksensor vor einer Alufelge, dahinter ein zweiter Satz Kompletträder (KI-generiert, OpenAI)
Hand hält einen RDKS-Reifendrucksensor vor einer Alufelge, dahinter ein zweiter Satz Kompletträder (KI-generiert, OpenAI)

Viele Autofahrerinnen und Autofahrer fahren zwei Sätze Kompletträder – einen für den Sommer, einen für den Winter – und wechseln sie zweimal im Jahr, selbst oder in der Werkstatt. Seit das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) für alle neu zugelassenen Pkw Pflicht ist (Neuzulassungen ab dem 1. November 2014), taucht beim Wechsel regelmäßig dieselbe Frage auf: Was passiert eigentlich mit dem RDKS? Braucht jeder Radsatz eigene Sensoren? Und muss ich etwas „anlernen", damit die Warnleuchte wieder ausgeht?

Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, welches System Ihr Auto hat. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, worauf es beim zweiten Radsatz ankommt – und wie Sie unnötige Kosten vermeiden.

Erst klären: direktes oder indirektes RDKS?

Alles Weitere hängt davon ab, welche Art von Reifendruckkontrollsystem in Ihrem Fahrzeug arbeitet. Es gibt zwei Bauarten:

  • Indirektes RDKS: Es nutzt die ohnehin vorhandene Sensorik von ABS und ESP. Über die Raddrehzahl erkennt das System, wenn ein Reifen an Druck verliert (ein weicher Reifen hat einen kleineren Abrollumfang und dreht minimal schneller). In den Rädern selbst steckt keine eigene Elektronik.
  • Direktes RDKS: In jedem Rad sitzt ein eigener Sensor, meist im Ventil, der den Druck direkt misst – auf etwa 0,1 bar genau – und per Funk ans Fahrzeug meldet.

Der Unterschied entscheidet, ob Ihr zweiter Kompletträder-Satz zusätzliche Sensoren braucht oder nicht. Wie die beiden Systeme im Detail funktionieren und woran Sie erkennen, welches Sie haben, lesen Sie in unserem Grundlagen-Ratgeber RDKS richtig verstehen: direktes und indirektes System.

Indirektes RDKS: keine zusätzlichen Sensoren nötig

Wer ein indirektes System fährt, hat es beim Radwechsel am einfachsten. Weil die im Fahrzeug bereits vorhandene Sensorik genutzt wird, entstehen laut ADAC „bei der Umrüstung auf andere Räder keine zusätzlichen Kosten". Der zweite Kompletträder-Satz kommt also ohne eigene Sensoren aus.

Wichtig ist nur ein Handgriff: Nach jedem Radwechsel – und ebenso nach einer Korrektur des Reifendrucks – muss das System einmal neu initialisiert werden. Das geschieht in der Regel per Tastendruck oder über das Bordmenü; das Auto merkt sich dann den aktuellen Zustand als „richtig". Unterbleibt diese Kalibrierung, kann die Warnleuchte grundlos leuchten oder eine echte Panne später nicht zuverlässig erkannt werden.

Direktes RDKS: jeder Radsatz braucht eigene Sensoren

Beim direkt messenden System sitzt in jedem Rad ein Sensor. Da Ihr zweiter Radsatz andere Räder sind, gilt: „Wegen der Ausrüstungspflicht müssen beide Rädersätze, also Sommer- und Winterräder, mit den Sensoren ausgerüstet sein", so der ADAC. Ein zweiter Satz Kompletträder braucht damit vier zusätzliche Sensoren.

Die Kosten dafür liegen laut ADAC im Bereich von 120 bis 300 Euro pro Satz – je nach Fahrzeug und Sensortyp. Diesen Posten sollten Sie einplanen, wenn Sie einen zweiten Kompletträder-Satz mit direktem RDKS anschaffen.

Sensoren übernehmen, anlernen oder klonen – die Optionen

Damit das Fahrzeug die Sensoren des zweiten Satzes akzeptiert, müssen deren Signale bekannt sein. Hier gibt es zwei Sensortypen und mehrere Wege:

  • OE-Sensoren (Original-Erstausrüster-Sensoren) sind bereits für ein bestimmtes Fahrzeugmodell vorprogrammiert und brauchen keine zusätzliche Programmierung – lassen sich dafür aber nicht umprogrammieren.
  • Universalsensoren müssen zunächst mit einem RDKS-Diagnosegerät auf Ihr Fahrzeug programmiert werden, passen dann aber zu fast allen Autos mit direktem RDKS und können jederzeit neu bespielt werden (Gummibereifung).

Für das eigentliche Anlernen – also das Bekanntmachen der Sensor-IDs mit dem Fahrzeug – gibt es drei gängige Verfahren:

  1. Automatisch durch Fahren: Das Fahrzeug erkennt die neuen Sensoren nach einer kurzen Fahrstrecke von selbst (Auto-Relearn).
  2. Stationär über das Bordmenü: per festgelegter Tastenkombination im Fahrzeugmenü.
  3. Über ein Diagnosegerät (OBD): Ein RDKS-Anlerngerät liest die Sensor-IDs aus und überträgt sie über die OBD-Schnittstelle ins Steuergerät.

Eine Sonderform ist das Klonen: Dabei werden die IDs der vorhandenen Sensoren auf Universalsensoren kopiert. Das Auto „merkt" dann gar nicht, dass ein anderer Radsatz montiert ist, und ein Anlernen entfällt komplett. Der ADAC hält zudem fest, dass „nach dem erstmaligen ‚Anlernen' der Sensoren bei modernen Sensoren eine neuerliche Initialisierung nach jeder Reifendruckkorrektur und dem Räderwechsel nicht erforderlich" ist – die einmalige Einrichtung ist also der entscheidende Schritt, danach läuft der Wechsel meist unkompliziert.

Sensor-Lebensdauer und Wartung nicht vergessen

RDKS-Sensoren haben eine fest verbaute Batterie, die sich nicht wechseln lässt. Deshalb müssen die meisten Sensoren nach rund fünf bis acht Jahren ersetzt werden (ADAC). Wer Kompletträder viele Jahre fährt, sollte den Sensortausch also mit einplanen – idealerweise gleich beim nächsten fälligen Reifenwechsel.

Weil der Sensor beim direkten System meist im Ventil integriert ist, gehört zu jedem Reifenwechsel auch ein frischer Service-Satz (Dichtring, Ventileinsatz, Ventilkappe). Wird er weggelassen, drohen mit der Zeit undichte Stellen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Reifenventil wechseln.

Kosten und Praxis: worauf Sie beim zweiten Satz achten

Zusammengefasst:

  • Indirektes RDKS: keine Zusatzkosten, nach dem Wechsel nur einmal initialisieren.
  • Direktes RDKS: vier Sensoren (120–300 Euro pro Satz laut ADAC) plus das Programmieren bzw. Anlernen als Werkstattleistung. Was Reifenmontage und RDKS-Service ungefähr kosten, haben wir in Reifen montieren lassen: Ablauf und Kosten zusammengestellt.

Der wichtigste Praxis-Tipp: Klären Sie beim Kauf eines zweiten Kompletträder-Satzes, ob die RDKS-Sensoren bereits enthalten, vormontiert und angelernt sind. Fahren Sie zum Beispiel im Sommer einen Satz mit dem Barum Bravuris 6 205/55 R16 und im Winter einen Satz mit dem Dunlop SP Winter Sport 3D 205/55 R16, brauchen beide Sätze bei direktem RDKS jeweils eigene Sensoren – bei indirektem System dagegen nur die passende Initialisierung.

Wenn Sie die Räder selbst wechseln, kontrollieren Sie nach dem Aufziehen, ob die RDKS-Warnleuchte im Cockpit erlischt. Wie das Wechseln Schritt für Schritt funktioniert, zeigt Räder selbst wechseln. Und wer die genauen Sollwerte für den Reifendruck sucht, wird in Richtiger Reifendruck fündig – das Grundwissen, das jedes RDKS erst sinnvoll macht.

Fazit

Ob Ihr zweiter Kompletträder-Satz eigene RDKS-Sensoren braucht, entscheidet allein die Bauart des Systems: Indirektes RDKS kommt ohne Sensoren aus und muss nach dem Wechsel nur neu initialisiert werden. Direktes RDKS verlangt in jedem Radsatz eigene Sensoren, die einmalig angelernt (oder geklont) werden – danach ist der Saisonwechsel unkompliziert. Wer das schon beim Kauf des zweiten Satzes bedenkt, spart sich Ärger mit der Warnleuchte und unnötige Werkstattbesuche. Mehr rund um den zweiten Radsatz lesen Sie in unserem Ratgeber Kompletträder: Vorteile, Saisonwechsel und Kauf.

Häufige Fragen

Brauchen Winter-Kompletträder eigene RDKS-Sensoren?

Nur bei einem direkt messenden RDKS. Dann müssen laut ADAC beide Rädersätze – Sommer und Winter – mit Sensoren ausgerüstet sein. Bei einem indirekten System (über ABS/ESP) sind keine zusätzlichen Sensoren nötig.

Woran erkenne ich, ob mein Auto direktes oder indirektes RDKS hat?

Grob: Zeigt Ihr Bordcomputer den Druck jedes einzelnen Rades in bar an, ist es meist ein direktes System; lässt sich das System nur per Reset-Taste „auf null" setzen und zeigt keine Einzelwerte, ist es in der Regel indirekt. Details und sichere Unterscheidungsmerkmale liefert unser oben verlinkter RDKS-Grundlagenratgeber.

Kann ich die Sensoren aus meinem alten Radsatz weiterverwenden?

Innerhalb desselben Fahrzeugs ja. Wechseln Sie regelmäßig zwischen zwei Sätzen, braucht bei direktem RDKS jeder Satz eigene Sensoren – oder Sie lassen die IDs der Originalsensoren auf Universalsensoren klonen, sodass ein Anlernen entfällt.

Was kostet ein zweiter Sensorsatz?

Der ADAC nennt für einen zusätzlichen Satz direkt messender Sensoren rund 120 bis 300 Euro, je nach Fahrzeug und Sensortyp. Dazu kommt das Programmieren bzw. Anlernen als Werkstattleistung.

Muss ich nach dem Radwechsel etwas anlernen?

Beim indirekten System genügt eine kurze Initialisierung per Tastendruck. Beim direkten System ist nach dem erstmaligen Anlernen laut ADAC bei modernen Sensoren meist kein erneuter Schritt mehr nötig – viele Fahrzeuge erkennen die hinterlegten Sensoren selbst wieder.

Schlagwörter: RDKS Kompletträder Reifendrucksensoren Radwechsel Reifendruckkontrollsystem Saisonwechsel

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