31 Lochkreise im Regal: Warum die passende Felge an zwei anderen Maßen scheitert
Wer eine einzelne Felge nachkaufen will, sucht meist zuerst nach dem Lochkreis: „5x112“, „4x100“ – die Zahl steht in den Fahrzeugpapieren oder auf der alten Felge. Passt der Lochkreis, so die verbreitete Annahme, passt das Rad. Wir haben deshalb einmal nachgesehen, was unser eigenes Stahlfelgen-Regal dazu sagt, und alle 1.162 lieferbaren Stahlfelgen ausgezählt (Stand 20. Juli 2026). Das Ergebnis: 31 verschiedene Lochkreise – und hinter dem häufigsten davon stecken Räder, die trotz identischem Lochkreis nicht gegeneinander tauschbar sind.
Der Lochkreis ist nur die erste von drei Zahlen
Der Lochkreis beschreibt, wie viele Radschrauben ein Rad hat und auf welchem Kreisdurchmesser sie sitzen. „5x112“ heißt also: fünf Bohrungen auf einem gedachten Kreis von 112 Millimetern. Der Radhersteller ALCAR, von dem 1.084 der 1.162 Räder in unserem Sortiment stammen, formuliert es in seinem Räder-1x1 so: Der Lochkreisdurchmesser gibt an, „in welchem Durchmesser die Montagebohrungen an der Radnabe des betreffenden PKW bzw. wie viele angebracht sind“.
Damit ist aber erst geklärt, ob sich das Rad überhaupt anschrauben lässt. Zwei weitere Maße entscheiden, ob es auch richtig sitzt. Die Nabenbohrung (das Mittenloch) trägt bei den meisten Pkw das Gewicht des Fahrzeugs und zentriert das Rad exakt auf der Nabe – ist sie zu klein, geht das Rad gar nicht auf die Nabe; ist sie zu groß, fehlt die Zentrierung. Die Einpresstiefe (ET) wiederum ist laut ALCAR „die Distanz von der Anlagefläche des Rades zur gedachten Mitte des Rades“ und „ausschlaggebend für die Lage des Rades am PKW“ – sie bestimmt, wie weit das Rad im Radkasten nach innen oder außen steht. Wie diese Maße im Einzelnen zustande kommen und wo sie auf der Felge stehen, erklären wir im ausführlichen Ratgeber zu den Felgen-Anschlussmaßen. Hier geht es um die andere Seite: darum, wie stark diese Maße im realen Angebot auseinanderlaufen.
31 Lochkreise – aber fünf decken zwei Drittel ab
Über alle 1.162 Räder verteilen sich 31 verschiedene Lochkreise. Verteilt ist das allerdings sehr ungleich. Die fünf häufigsten allein machen 747 Räder aus, also gut 64 Prozent des gesamten Sortiments:
- 4x100 – 220 Räder (18,9 %), das Maß der Klein- und Kompaktwagen
- 5x112 – 186 Räder (16,0 %), typisch für den VW-Konzern und Mercedes
- 5x114,3 – 157 Räder (13,5 %), verbreitet bei asiatischen Herstellern
- 4x108 – 93 Räder (8,0 %), vor allem französische Modelle und Ford
- 5x100 – 91 Räder (7,8 %), ältere VW- und Škoda-Modelle sowie Subaru
Am anderen Ende steht ein langer Schwanz aus Exoten: Die 22 seltensten Lochkreise kommen zusammen auf 189 Räder – weniger, als der Spitzenreiter 4x100 allein auf die Waage bringt. Sieben davon sind mit nur ein bis drei Rädern vertreten, etwa 6x120 oder 6x125. Für die Praxis heißt das zweierlei: Wer ein gängiges Maß fährt, findet fast immer etwas. Wer ein seltenes fährt, sollte nicht davon ausgehen, dass ein Rad kurzfristig verfügbar ist.
Bei der reinen Schraubenzahl ist das Bild noch klarer. 674 Räder (58,0 Prozent) sind Fünflocher, 381 (32,8 Prozent) Vierlocher und 103 (8,9 Prozent) Sechslocher – letztere fast ausschließlich Transporter und Geländewagen. Und dann gibt es noch vier Dreilocher: allesamt Räder für den Smart, der als einer der wenigen Pkw überhaupt mit drei Radschrauben pro Rad auskommt.
Gleicher Lochkreis, andere Nabenbohrung
Jetzt wird es interessant. Nehmen wir den häufigsten Lochkreis, 4x100. Diese 220 Räder verteilen sich auf mindestens sechs verschiedene Nabenbohrungen – 54, 56, 56,5, 57, 59 und 60 Millimeter. Die drei größten Gruppen sind 60 mm (60 Räder, unter anderem Renault Twingo III und Dacia Sandero), 54 mm (57 Räder, etwa Hyundai i10 und Kia Picanto) und 57 mm (29 Räder, darunter VW Up, Seat Mii und Škoda Citigo).
Sechs Millimeter Unterschied zwischen 54 und 60 klingen wenig. Am Rad sind sie der Unterschied zwischen „passt“ und „geht nicht auf die Nabe“. Ein Rad mit 54er Bohrung lässt sich auf eine 57er Nabe schlicht nicht aufstecken, obwohl beide denselben Lochkreis haben und dieselben Radschrauben nehmen.
Noch breiter streut 5x114,3: Diese 157 Räder verteilen sich auf acht verschiedene Nabenbohrungen von 56,5 bis 71,6 Millimetern. Die mit Abstand größte Gruppe ist 67 mm (77 Räder, viele Hyundai-, Kia- und Mazda-Modelle), gefolgt von 60 mm (24 Räder, unter anderem Toyota) und 66 mm (17 Räder, zum Beispiel Nissan Qashqai und Renault Mégane). Am Rand stehen Einzelfälle wie 71,6 mm für Jeep Cherokee und Wrangler. Wer also nur „5x114,3“ in ein Suchfeld tippt, bekommt Räder für acht unterschiedliche Nabendurchmesser angezeigt – und sieben davon passen nicht.
Hinweis: Bei Alufelgen lässt sich eine zu große Nabenbohrung mit Zentrierringen an das Fahrzeug anpassen; ALCAR beschreibt das für die Marke AEZ als „Basic Ring System“. Bei fahrzeugspezifischen Stahlrädern ist die Bohrung dagegen von vornherein auf das jeweilige Modell ausgelegt – hier gibt es nichts anzupassen.
Die Einpresstiefe streut am stärksten
Das dritte Maß ist das, bei dem die größten Unterschiede auftreten – und zugleich das, das man einem Rad am wenigsten ansieht. Innerhalb des Lochkreises 5x114,3 reichen die Einpresstiefen in unserem Sortiment von ET5 bis ET55, also über 50 Millimeter. Die flachsten sind zwei Geländewagen-Räder von DOTZ für Jeep Cherokee und Wrangler; am anderen Ende stehen Räder mit ET55 für Honda Civic und Prelude sowie den Mazda MX-5. Beide Gruppen haben denselben Lochkreis. Würde man sie vertauschen, stünde das Rad fünf Zentimeter weiter außen oder innen im Radkasten.
Selbst innerhalb eines einzigen Fahrzeugs ist die ET nicht eine feste Zahl, sondern hängt an der Felgenbreite. Für den Golf V führen wir Stahlräder mit ET45 (7Jx16), ET47 (6Jx15) und ET50 (6Jx16 und 6,5Jx16) – je breiter das Rad, desto stärker muss die Einpresstiefe gegensteuern, damit das Rad an derselben Stelle im Radkasten landet. Dass diese Werte kein Zufallsprodukt sind, beschreibt ALCAR selbst: „Beim Fahrversuch wird jedes am Markt befindliche Fahrzeug mit den verschiedenen Rädern geprüft. Hierbei werden Einpresstiefen, Reifen und Auflagen festgelegt.“
Über das gesamte Sortiment reicht die Spanne von ET-12 – ein DOTZ-Rad für den alten Jeep CJ, bei dem die Anlagefläche hinter der Radmitte liegt – bis zu Werten über 100 bei den Zwillingsrädern schwerer Transporter wie Mercedes Sprinter und Iveco Daily. Wer von den Werksmaßen abweichen möchte, kommt an einer Prüfung der Papiere nicht vorbei; was dabei zu beachten ist, steht in unserem Beitrag zum Eintragen von Felgen mit ABE, Teilegutachten und Einzelabnahme.
Warum das Automodell allein nicht reicht: die Golf-Reihe
Am deutlichsten zeigt sich das Problem an einer einzigen Baureihe. Unsere Stahlräder für den VW Golf verteilen sich über drei verschiedene Lochkreise: Der Golf II samt Jetta fährt 4x100, der Golf IV 5x100, und ab dem Golf V bis zum aktuellen Golf VIII gilt 5x112. Beim Golf III führen wir sogar beide älteren Maße – ein Rad für „Golf III/Vento“ mit 5x100 und eines für „Polo/Golf III“ mit 4x100. Die Baureihe allein sagt also nicht einmal innerhalb einer Generation zuverlässig, welcher Lochkreis verbaut ist.
Genau darum sind diese Stahlräder im Titel nicht nach Design benannt, sondern nach Fahrzeug: „Golf VII“, „Astra-K“, „Clio V“. Über die 1.162 Räder verteilen sich 720 verschiedene Fahrzeugeinträge – im Schnitt also nur rund anderthalb Räder je Modell. Ein Stahlrad ist im Nachrüstmarkt kein Zubehörteil, das man nach Optik aussucht, sondern der Nachbau des Serienrads für genau ein Fahrzeug.
Diese Bauart erklärt auch, warum sich die Maße nicht beliebig mischen lassen. Eine Designfelge aus Aluminium wird für eine ganze Gruppe von Fahrzeugen entworfen und über unterschiedliche Einpresstiefen und Zentrierringe an das einzelne Modell angepasst. Ein Stahlrad dagegen entsteht in einer festen Kombination aus Lochkreis, Nabenbohrung und Einpresstiefe – und diese Kombination stimmt entweder mit dem Fahrzeug überein oder eben nicht. Genau deshalb ist die Auswahl je Fahrzeug in unserem Regal so überschaubar: Für den Golf V führen wir fünf Ausführungen, für 427 der 720 Fahrzeugeinträge – also die Mehrheit – dagegen nur eine einzige. Wer ein Rad nachkauft, sollte also weniger nach Alternativen als nach der exakten Entsprechung suchen.
Was der Lochkreis dagegen durchaus beeinflusst, ist der Preis – allerdings indirekt, über die Fahrzeugklasse dahinter. Der Median liegt bei 4x108 (viele Kleinwagen) bei rund 85 Euro, bei 4x100 bei etwa 100 Euro, bei 5x112 und 5x114,3 bei 105 bis 111 Euro und bei 6x139,7 – dem Maß der Geländewagen und Pick-ups – bei rund 149 Euro. Nach oben ist die Spanne groß: Das günstigste Rad im Sortiment kostet 57,60 Euro, das teuerste über 1.000 Euro; es ist ein Zwillingsrad für Mercedes Sprinter und VW LT, bei dem die Tragfähigkeit den Preis macht.
So finden Sie das passende Rad
Aus den Zahlen ergibt sich eine einfache Reihenfolge für den Kauf:
- Fahrzeugschein zur Hand nehmen. Die zulässigen Rad-Reifen-Kombinationen stehen in den Feldern 15.1 und 15.2 sowie in den Herstellerunterlagen.
- Alle drei Maße vergleichen – Lochkreis, Nabenbohrung und Einpresstiefe. Zwei von dreien genügen nicht.
- Über das Fahrzeug suchen, nicht über den Lochkreis. Bei fahrzeugspezifischen Stahlrädern ist der Modellname im Artikeltitel der zuverlässigere Filter.
- Generation und Baujahr beachten. „Golf“ oder „Astra“ reicht als Angabe nicht – der Typschlüssel schon.
- Radschrauben nicht vergessen. Bei einem Wechsel von Alu auf Stahl ändert sich oft die benötigte Schraubenlänge; dazu haben wir die Auswahl von Radschrauben und Radmuttern erklärt.
Zwei Beispiele aus dem Sortiment, an denen sich das nachvollziehen lässt: das Rad ALCAR 5 Loch 112 ET43 GOLF VIII 6Jx15 für 63,70 Euro und das Rad ALCAR 4 Loch 100x57 ET35 UP 5Jx14 für 64,10 Euro – beide preislich fast identisch, beide für Kleinwagen bzw. Kompaktwagen desselben Konzerns, und dennoch in allen drei Maßen verschieden. Das gesamte Angebot finden Sie unter Stahlfelgen; wer Rad und Reifen fertig montiert bevorzugt, wird bei den Kompletträdern fündig.
Häufige Fragen
Kann ich ein Rad mit größerer Nabenbohrung fahren?
Bei Alufelgen ist das mit passenden Zentrierringen üblich, sofern das Radgutachten es vorsieht. Fahrzeugspezifische Stahlräder werden dagegen von vornherein mit der richtigen Bohrung gefertigt – hier sollten Sie die Angabe exakt treffen.
Sind 5x112 und 5x114,3 austauschbar?
Nein. Die 2,3 Millimeter Unterschied im Lochkreisdurchmesser lassen sich nicht ausgleichen. Die Schrauben ziehen sich dann schief in die Bohrungen, das Rad sitzt nicht plan auf – ein sicherheitskritischer Fehler.
Woran erkenne ich die Einpresstiefe an meinem alten Rad?
Sie ist meist auf der Innenseite eingeprägt, als „ET“ mit Zahl oder zwischen zwei Pfeilen. Fehlt die Prägung, hilft der Fahrzeughersteller oder die Werkstatt weiter – schätzen sollten Sie den Wert nicht.