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Reifenlabel & EU-Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

Vier günstige Reifenmarken, zwei Lieferanten – und ein klarer Unterschied beim Nassgriff

· 11 Min. Lesezeit
Zwei getrennte Gruppen unbeschrifteter Reifenstapel im Lager (KI-generiert, OpenAI)
Zwei getrennte Gruppen unbeschrifteter Reifenstapel im Lager (KI-generiert, OpenAI)

Vier Reifenmarken, die im Regal direkt nebeneinander stehen, alle im unteren Preisdrittel, alle aus China: Tracmax, Rotalla, Hifly und Ovation. Für viele Käufer sind das vier beliebig austauschbare Namen — man nimmt den günstigsten und hofft das Beste. Wir haben nachgesehen, ob das stimmt, und dazu zwei Dinge getan: alle 1.670 lieferbaren Ausführungen dieser vier Marken in unserem Sortiment ausgewertet und alle 224 Datensätze nachgeschlagen, die das EU-Reifenregister EPREL zu diesen Marken herausgibt. Das Ergebnis war eindeutiger als erwartet — nur nicht dort, wo man es vermutet. Die vier Namen zerfallen in zwei Lager, und zwischen diesen Lagern liegt beim Nassgriff ein Abstand, den kein Preisschild erklärt.

Vier Namen, zwei Anmelder — und zwei Fabriken in derselben Stadt

Jedes EU-Reifenlabel muss in der europäischen Produktdatenbank EPREL registriert werden, und jeder Eintrag nennt den dafür verantwortlichen Lieferanten. Wir haben für jede der vier Marken alle Datensätze abgerufen, die sich über die Suche herausholen lassen — zusammen 224 eindeutige Einträge — und jeden einzelnen davon geprüft. Das Bild ist vollkommen sauber, ohne eine einzige Abweichung:

  • Tracmax und Rotalla — alle 99 abgerufenen Einträge auf die HONCH HUSDOW CO. (CYPRUS) LTD
  • Hifly und Ovation — alle 125 abgerufenen Einträge auf die KKL Consulting SARL

Die vier Marken bilden also paarweise zwei Familien. Und beide Paare lassen sich bis zum Werk zurückverfolgen, weil die Hersteller selbst darüber Auskunft geben. Die Shandong Yongsheng Rubber Group nennt auf ihrer eigenen Unternehmensseite das Gründungsjahr 1986 und führt Tracmax, Doupro und Rotalla ausdrücklich als ihre wichtigsten Exportmarken. Auf der anderen Seite steht die Shandong Hengfeng Rubber & Plastic Co., Ltd., laut eigener Firmendarstellung 1995 gegründet; sie führt Ovation in ihrem Produktverzeichnis als eigene Marke, und die Markenseite von Hifly benennt Hengfeng unmissverständlich als Produzenten.

Ein Detail daran ist bemerkenswert, weil es ein verbreitetes Vorurteil erledigt. Beide Unternehmen sitzen in derselben chinesischen Stadt: Yongsheng in Guangrao bei Dongying, Hengfeng im Dawang-Entwicklungsgebiet ebenfalls in Dongying, Provinz Shandong. Wer also glaubt, mit „Made in China" schon eine Qualitätsaussage getroffen zu haben, liegt daneben — zwei Werke in derselben Region liefern Reifen mit deutlich unterschiedlichen Etikettenprofilen. Wie sich Marken generell in Premium-, Zweit- und Budgetmarken einordnen lassen, beschreibt unser Ratgeber Reifenmarken: Wer gehört zu wem? ausführlich.

Der Unterschied liegt nicht im Namen, sondern in der Gruppe

Für die Auswertung haben wir das Sortiment beider Familien vollständig erhoben — nicht als Stichprobe, sondern lückenlos: 633 Ausführungen Tracmax, 362 Rotalla, 297 Hifly und 378 Ovation, zusammen 1.670 lieferbare Artikel, jeweils gegengeprüft gegen die Gesamtzahl der Marke. Drei Ausführungen mit einer bekannten Platzhalter-Signatur in den Labeldaten haben wir ausgesondert, es bleiben 1.667 bewertbare Reifen. Stellt man nun die beiden Familien gegenüber, ergibt sich ein Unterschied, der in dieser Schärfe selten ist.

Beim Nassgriff — dem Wert, der im Ernstfall über den Bremsweg entscheidet — sieht es so aus:

  • Yongsheng-Familie (Tracmax + Rotalla), 994 Ausführungen: 574 tragen die Nasshaftungsklasse B, das sind 57,7 Prozent.
  • Hengfeng-Familie (Hifly + Ovation), 673 Ausführungen: ganze 10 tragen Klasse B, das sind 1,5 Prozent. Bei Hifly ist es keine einzige.

Bei der Kraftstoffeffizienz wiederholt sich das Muster: In der Yongsheng-Familie liegen 82,2 Prozent der Ausführungen besser als in der schlechtesten Klasse E, in der Hengfeng-Familie sind es 5,2 Prozent. Das Rollgeräusch ist der einzige der drei Labelwerte, bei dem sich die Familien kaum unterscheiden — beide liegen im Median bei 71 dB.

Noch deutlicher wird es, wenn man nach Jahreszeit trennt. Bei Ganzjahresreifen erreichen in der Yongsheng-Familie 93,8 Prozent die Nasshaftungsklasse A oder B, in der Hengfeng-Familie keine einzige von 162. Bei Winterreifen stehen 49,8 Prozent gegen null von 139. Nur im Sommerregal kommt die Hengfeng-Seite überhaupt auf einen Wert, und der liegt bei 2,7 Prozent gegen 44,0 Prozent. Der Markenname sagt Ihnen also vergleichsweise wenig — die Konzernzugehörigkeit sagt Ihnen eine Menge.

Gegenprobe im EU-Register: 125 Einträge, kein einziges B

Ein Befund aus dem eigenen Regal ist zunächst nur ein Befund über das eigene Regal. Wir könnten schlicht die besseren Tracmax- und die schwächeren Hifly-Ausführungen eingekauft haben. Deshalb haben wir dieselbe Frage ein zweites Mal gestellt, diesmal an eine Quelle, die von unserem Einkauf völlig unabhängig ist: das EU-Register. Dort stehen die vom Lieferanten selbst gemeldeten Klassen, unabhängig davon, was irgendein Händler listet.

Die 224 abgerufenen Registereinträge bestätigen die Richtung Marke für Marke:

  • Rotalla: Nasshaftung B in 37 von 50 abgerufenen Datensätzen, daneben 9-mal C und 4-mal D; Effizienz 40-mal Klasse C
  • Tracmax: Nasshaftung B in 25 von 49 Datensätzen, daneben 23-mal C und einmal D; Effizienz 39-mal Klasse C
  • Hifly: Nasshaftung B in 0 von 75 Datensätzen — stattdessen 58-mal C und 17-mal D; Effizienz 58-mal D, 14-mal E
  • Ovation: Nasshaftung B in 0 von 50 Datensätzen — stattdessen 44-mal C und 6-mal D; Effizienz 32-mal D, 17-mal E

Zwei unabhängige Quellen, dasselbe Ergebnis: In der Hengfeng-Familie ist die Nasshaftungsklasse B praktisch nicht vorhanden, in der Yongsheng-Familie ist sie der Normalfall. Zwei Einschränkungen nennen wir offen. Erstens gibt das Register seine Trefferliste nicht vollständig heraus: Es meldet zu jeder dieser Marken über tausend Treffer, liefert aber nur einen Anfangsausschnitt von höchstens rund 75 verschiedenen Datensätzen — und diesen Ausschnitt können wir uns nicht selbst aussuchen. Die Zahlen oben sind deshalb Auszählungen genau dieses Ausschnitts und keine Anteile am gesamten Sortiment einer Marke. Belastbar ist daran die Richtung — 125-mal kein B auf der einen Seite gegen 62 Treffer mit B auf der anderen —, nicht die Quote. Die mengenmäßige Grundlage dieses Beitrags bleibt die Vollerhebung unserer eigenen 1.670 Ausführungen. Zweitens stimmen die Klassen im Register und die Angaben in Händlerlisten nicht immer auf die Stufe genau überein — bei unserer Hengfeng-Auswertung zeigte das Register etwas mehr D, unsere Liste etwas mehr E. Wie groß solche Abweichungen werden können, haben wir an 200 Winterreifen in der EU-Datenbank nachgerechnet. An der Rangfolge der beiden Familien ändert das nichts; für Ihren konkreten Reifen gilt aber immer das, was auf der Flanke und im Label des gelieferten Produkts steht. Was das Etikett grundsätzlich leistet, erklären wir kompakt beim EU-Reifenlabel.

Was das in Ihrer Größe bedeutet — und warum es nichts kostet

Der wichtigste Punkt kommt jetzt, denn ein Qualitätsunterschied wäre wenig wert, wenn man ihn teuer bezahlen müsste. Das ist hier nicht der Fall. Über alle Dimensionen hinweg, in denen beide Familien dieselbe Größe mit demselben Last- und Geschwindigkeitsindex anbieten, ergeben sich 196 direkt vergleichbare Paarungen. In 78 davon — knapp 40 Prozent — ist die Ausführung aus der Yongsheng-Familie in allen drei Labelwerten mindestens gleich gut, in mindestens einem besser, und dabei zugleich günstiger. Umgekehrt findet sich kein einziger Fall, in dem die Hengfeng-Seite das bessere Etikett zum niedrigeren Preis bietet.

Am klarsten lässt sich das in einer einzigen, viel gefragten Größe zeigen. In 205/60 R16 92V führen wir von allen vier Marken einen Sommerreifen mit identischem Last- und Geschwindigkeitsindex (Preise vom 29. September 2026):

Der günstigste Reifen dieser vier hat gleichzeitig das beste Etikett: eine Klasse besser beim Nassgriff, zwei Stufen besser bei der Effizienz, zwei Dezibel leiser — und rund fünf Euro billiger als die beiden Reifen aus der anderen Familie. Wer hier nach Preis sortiert und den ersten Treffer nimmt, trifft zufällig die richtige Wahl; wer sich am bekannteren Namen orientiert, womöglich nicht. Alle Ausführungen dieser Dimension finden Sie gebündelt unter 205/60 R16, die gesamte Auswahl unter Sommerreifen für PKW.

Praxisregel: Lassen Sie sich in Ihrer Größe alle Ausführungen nebeneinander anzeigen und vergleichen Sie zuerst die beiden Buchstaben des Labels, dann den Preis. In dieser Marktklasse liegen zwischen dem besten und dem schwächsten Etikett oft nur wenige Euro — und manchmal, wie hier, gar keine.

Die zwei Ausnahmen, die man kennen sollte

Eine Regel, die keine Ausnahme kennt, ist meist schlecht geprüft. Deshalb haben wir uns die 10 Hengfeng-Ausführungen mit Nasshaftung B einzeln angesehen — und sie verteilen sich nicht zufällig. Alle 10 gehören zu Ovation, und sie stammen aus genau zwei neueren Baureihen: dem Ovation EV-582, einem auf Elektroautos ausgelegten Sommerreifen mit dem Label C/B/68, und dem Ovation VI-588 Sport mit C/B/71. Bei Hifly gibt es keine einzige Ausführung dieser Art.

Das ist mehr als eine Fußnote. Der EV-582 erreicht mit 68 dB den niedrigsten Geräuschwert aller vier Marken und ist damit in diesem Punkt besser als jeder Tracmax und jeder Rotalla in unserer Auswertung — zum Beispiel als Ovation EV-582 205/55 R16 94V für 50,87 Euro. Offenbar kann die Hengfeng-Gruppe deutlich bessere Werte erreichen, tut es bislang aber nur in wenigen, neu entwickelten Linien. Die praktische Konsequenz ist wichtiger als die Regel selbst: Der Befund gilt für die Marke als Ganzes, nicht für jeden einzelnen Reifen. Prüfen Sie deshalb immer die konkrete Ausführung — auch innerhalb desselben Modells können verschiedene Größen unterschiedliche Klassen tragen, wie wir am Beispiel derselben Reifen in verschiedenen Größen gezeigt haben.

Innerhalb eines Paares entscheidet fast nur der Preis

Bleibt die Frage, die am Anfang stand: Sind zwei Marken desselben Hauses derselbe Reifen mit zwei Aufklebern? Die Antwort lautet nein. Bei Tracmax und Rotalla gibt es 245 Dimensionen, die beide Marken mit gleichem Index führen; in 136 Fällen, also mehr als der Hälfte, tragen die beiden ein unterschiedliches Etikett. Bei Hifly und Ovation sind es 201 gemeinsame Dimensionen, davon 65 mit abweichendem Label. Die Geschwistermarken sind also keine reinen Zwillinge, sondern unterschiedlich ausgestattete Geschwister.

Wo das Etikett aber übereinstimmt, wird es interessant: Dann bleibt als Unterschied im Wesentlichen der Preis — und der ist keineswegs klein. Bei identischem Label liegen zwischen Tracmax und Rotalla im Median 9,44 Euro, zwischen Hifly und Ovation 6,11 Euro je Reifen. Das sind bei einem Satz von vier Reifen bis zu knapp 38 Euro für ein nach Aktenlage gleichwertiges Produkt. Und es gibt dabei keinen verlässlichen Gewinner: Tracmax war in 61 von 98 vergleichbaren Fällen günstiger, bei Hifly und Ovation lag Ovation in 65 von 121 Fällen vorn. Man kann sich also nicht einmal innerhalb einer Familie auf eine Marke als „die günstigere" verlassen — es bleibt beim Einzelvergleich.

Ein Hinweis zur Sorgfalt gehört dazu: In beiden Familien sind uns je vier Ausführungen mit auffällig hohen Preisen begegnet, die weit über dem sonstigen Niveau derselben Marke in derselben Größe liegen. Diese Einzelfälle haben wir aus den Vergleichswerten herausgenommen, statt sie mitzurechnen — genau deshalb stehen oben Medianwerte und keine Mittelwerte.

Was Sie daraus mitnehmen

Der Preisunterschied zwischen einem guten und einem schwachen Etikett ist in dieser Marktklasse so gering, dass es keinen sachlichen Grund gibt, auf den besseren Nassgriff zu verzichten. Konkret heißt das: Suchen Sie in Ihrer Größe zuerst nach der besten Nasshaftungsklasse und vergleichen Sie erst danach die Preise der übrig gebliebenen Reifen. In der Praxis werden Sie dabei unter diesen vier Marken häufiger bei Rotalla und Tracmax landen als bei Hifly und Ovation — nicht weil der Name besser klingt, sondern weil die Zahlen es hergeben.

Was das Label allerdings nicht liefert, sollte man ebenso klar sagen: Es misst drei Eigenschaften unter Normbedingungen und ersetzt keinen Fahrtest. Über Aquaplaning-Reserven, Handling im Grenzbereich, Laufleistung oder das Verhalten auf Schnee jenseits der bestandenen Prüfung steht dort nichts, und für keine der vier Marken liegt uns ein Testergebnis einer großen Prüforganisation vor. Wie weit Etikett und Testurteil auseinanderliegen können, haben wir im Beitrag Ein Label, 46 Reifen nachgerechnet. Möchten Sie eine der Marken genauer ansehen, finden Sie zum meistgefragten Modell unsere Einzelauswertung zum Tracmax Trac Saver.

Häufige Fragen

Sind Hifly und Ovation schlechte Reifen?

Das lässt sich so nicht sagen. Beide erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und sind zugelassen. Belegbar ist nur: Die Nasshaftungsklasse B kommt bei ihnen praktisch nicht vor, während sie in der Yongsheng-Familie die Mehrheit bildet — bei nahezu gleichem Preis. Wer auf den Bremsweg bei Nässe Wert legt, findet dort die besseren Werte.

Woran erkenne ich selbst, welches Unternehmen hinter einer Marke steht?

Über die EU-Produktdatenbank EPREL: Dort ist zu jedem Label der verantwortliche Lieferant eingetragen. Wichtig ist, dass die Markensuche mit Wortteilen arbeitet — die Suche nach einem kurzen Namen liefert auch Treffer längerer Marken, die diesen Namen enthalten. Prüfen Sie deshalb bei jedem Treffer, ob der Markenname wirklich genau übereinstimmt.

Bedeutet derselbe Anmelder, dass es derselbe Reifen ist?

Nein. Der Eintrag benennt den in der EU verantwortlichen Lieferanten, nicht das Werk und nicht die Bauart. In unserer Auswertung trugen die Geschwistermarken in mehr als der Hälfte der gemeinsamen Größen sogar unterschiedliche Etikettenwerte. Auf Bauartgleichheit lässt sich daraus nicht schließen.

Schlagwörter: EU-Reifenlabel Nasshaftung Billigreifen Reifenmarken Tracmax Ovation

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