✓ Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands ✓ 30 Tage Widerrufsrecht ✓ Seit 1997 — über 25 Jahre Erfahrung Hotline: 037329 7153-0
Reifenlabel & EU-Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

200 Winterreifen in der EU-Datenbank nachgeschlagen: 38-mal steht dort ein anderes Etikett

· 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 28.09.2026
Hand mit Smartphone vor dem Etikett auf einem Winterreifen (KI-generiert, OpenAI)
Hand mit Smartphone vor dem Etikett auf einem Winterreifen (KI-generiert, OpenAI)

Auf jedem neuen Pkw-Reifen klebt ein Etikett mit drei Buchstaben und einer Dezibelzahl. Was kaum jemand nutzt: In der Ecke dieses Aufklebers sitzt seit 2021 ein QR-Code, und der führt in eine öffentliche Datenbank der Europäischen Kommission. Dort steht zu jedem registrierten Reifen ein vollständiger Datensatz — amtlich hinterlegt vom Lieferanten, kostenlos abrufbar, ohne Anmeldung.

Wir haben ausprobiert, was das im Alltag bringt. Dafür haben wir 200 zufällig gezogene Pkw-Winterreifen aus unserem eigenen Regal genommen und ihre Registereinträge einzeln abgerufen. Das Ergebnis ist in beide Richtungen aufschlussreich: Die Datenbank ist besser nutzbar, als ihr Ruf es vermuten lässt — und sie zeigte bei 38 Reifen ein anderes Etikett als unsere eigene Artikelseite.

Der QR-Code auf dem Etikett führt in eine EU-Datenbank

Rechtliche Grundlage ist die Verordnung (EU) 2020/740 über die Kennzeichnung von Reifen, die seit dem 1. Mai 2021 gilt. Sie hat das bekannte EU-Reifenlabel nicht nur um die Wintersymbole erweitert, sondern auch um den QR-Code: Nach Erwägungsgrund 38 sollen „Angaben zu Schnee- und Eisgriffigkeit sowie der QR-Code“ in die Reifenkennzeichnung aufgenommen werden; Anhang II legt ihn als Gestaltungselement in reinem Schwarz fest. Erwägungsgrund 25 nennt auch den Zweck: Über ein „nutzerorientiertes Instrument“ auf dem gedruckten Etikett soll ein einfacher Direktzugang zum öffentlichen Teil der Produktdatenbank möglich sein.

Diese Produktdatenbank heißt EPREL — Europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung. Es ist dieselbe Datenbank, die auch Kühlschränke, Waschmaschinen und Lampen führt; Reifen sind dort nur eine von vielen Produktgruppen. Die Pflicht dahinter steht in Artikel 5 der Verordnung: Seit dem 1. Mai 2021 müssen Lieferanten die Angaben zu einem Reifen in die Produktdatenbank eingeben, bevor sie ihn in Verkehr bringen. Für Reifen, die zwischen dem 25. Juni 2020 und dem 30. April 2021 hergestellt wurden, lief eine Nachmeldefrist bis zum 30. November 2021.

Wie groß der Bestand inzwischen ist, zeigt die Suchmaske selbst: Die öffentliche Reifensuche im EU-Produktregister listet ohne jeden gesetzten Filter 304.690 Reifenmodelle (Stand 27. September 2026). Zum Vergleich: In unserem Regal stehen 53.346 Reifen. Das Register ist also kein Auszug, sondern deutlich größer als jedes einzelne Händlersortiment — es umfasst alle Modelle, die irgendwo in der EU angemeldet wurden, auch solche, die in Deutschland nie im Handel auftauchen.

In drei Minuten selbst nachgeschlagen

Der schnellste Weg führt über den Aufkleber am Reifen: QR-Code mit der Handykamera scannen, fertig. Der Code enthält eine Adresse nach dem Muster „eprel.ec.europa.eu/qr/“ plus Registriernummer und leitet direkt auf die Produktseite weiter.

Sie müssen den Reifen dafür aber gar nicht in der Hand halten. Kennen Sie die Registriernummer, kommen Sie über „eprel.ec.europa.eu/screen/product/tyres/“ plus Nummer genauso ans Ziel. Wir zeigen die Nummer auf jeder Artikelseite mit an — beim Continental WinterContact TS 870 195/65 R15 91T etwa die 479463, direkt verlinkt als „Produktdatenblatt (EPREL) ansehen“.

Ohne Nummer hilft die Suchmaske weiter. Sie nimmt vier Sucheingaben entgegen — Modellkennung, Marke oder Warenzeichen, Handelsname des Modells und die GTIN-Kennung, also die EAN — und lässt sich anschließend filtern: nach Reifenklasse C1, C2 oder C3, nach Größenbezeichnung, nach Tragfähigkeitskennzahl und Geschwindigkeitsindex, nach Tragfähigkeitsversion (LL, SL, XL) und nach den Labelklassen selbst. Besonders praktisch ist der Schalter „Einschließlich nicht mehr in Verkehr gebrachter Modelle“: Damit finden Sie auch das Auslaufmodell wieder, das gerade noch irgendwo im Regal liegt.

Auf der Produktseite selbst gibt es das Etikett als PDF zum Drucken sowie in hoher Auflösung als PDF, PNG und SVG. Dazu kommt das Produktdatenblatt — auf Deutsch und in 25 weiteren Sprachen. Und es gibt eine Schaltfläche „Dieses Modell melden“, über die sich ein zweifelhafter Eintrag direkt bei der Kommission beanstanden lässt. Die Seiten sind vollständig deutschsprachig; ein Konto brauchen Sie für all das nicht.

Was im Register steht, aber nicht auf dem Aufkleber

Der Aufkleber zeigt drei Werte. Der Registereintrag zeigt ein gutes Dutzend mehr — und genau darin liegt sein Nutzen.

  • Reifenklasse: C1 (Pkw), C2 (leichte Nutzfahrzeuge) oder C3 (schwere Nutzfahrzeuge). Das ist die amtliche Einordnung, nicht die Sortierung eines Shops.
  • Tragfähigkeitsversion: LL für Leichtlastreifen, SL für Normallastreifen, XL für Schwerlast- beziehungsweise verstärkte Reifen. Wer wissen will, ob eine Ausführung wirklich verstärkt ist, findet hier die verbindliche Angabe statt eines Flankenkürzels.
  • Geschwindigkeitssymbol im Klartext: Das Register schreibt neben den Buchstaben die Geschwindigkeit — beim TS 870 etwa „T (190 km/h)“.
  • Schnee- und Eisgriffigkeit: getrennt ausgewiesen, dazu „M+S“ als eigenes Merkmal.
  • Marktstart: Beim TS 870 steht dort, das Modell sei ab dem 19.02.2021 auf dem Unionsmarkt in Verkehr gebracht worden. Wie belastbar dieses Datum ist, haben wir in einem eigenen Beitrag darüber geprüft, was das EU-Register über den Marktstart neuer Reifen verrät.
  • Lieferant mit voller Anschrift, Art des Lieferanten und Verifizierungsstatus.

Der letzte Punkt überrascht beim Nachschlagen am häufigsten. Hinter dem Markennamen auf der Flanke steht im Register der Anmelder, und der ist oft ein anderer. Beim Barum Polaris 6 205/55 R16 91T — Registriernummer 1558922, Etikett B/C/72 dB, Marktstart 19.01.2024 — trägt den Eintrag die Continental Reifen Deutschland GmbH. Beim Dunlop Winter 205/60 R16 96H — 2310329, C/C/70 dB, Tragfähigkeitsversion XL, Marktstart 26.03.2025 — ist es das Goodyear S.A. Innovation Center. Und beim Continental selbst steht die Anschrift gleich mit im Eintrag: Continental-Plaza 1, 30175 Hannover, Art des Lieferanten „Hersteller“, Status verifiziert. Wer wissen will, wer für eine Marke tatsächlich geradesteht, muss also nicht recherchieren — es steht amtlich da.

Unsere Gegenprobe: 200 Winterreifen gegen das Register gehalten

Für den Praxistest haben wir unseren offenen Produktkatalog vom 25. September 2026 ausgewertet: 57.531 Artikel, davon 4.185 Felgen und Räder und 53.346 Reifen. 39.746 dieser Reifen tragen bei uns eine plausible EPREL-Registriernummer. Aus den 7.254 Pkw-Winterreifen mit Nummer haben wir 200 zufällig gezogen und am 27. September 2026 jeden Eintrag einzeln über die öffentliche Schnittstelle des Registers abgerufen.

199 der 200 Abfragen lieferten einen vollständigen Datensatz. Der erste Prüfschritt war dabei nicht das Etikett, sondern die Identität: Zeigt die Nummer überhaupt auf denselben Reifen? Bei 194 von 199 stimmten Größenbezeichnung sowie Last- und Geschwindigkeitsindex exakt überein. Bei vier weiteren wich nur die Schreibweise ab — das Register notiert dieselbe Größe je nach Anmelder als „205/60RF16“, als „235/35ZR19“ oder mit vorangestelltem „HL“. Übrig bleibt ein einziger echter Fehlgriff: Bei einem Hifly Win-Turi 212 in 165/60 R14 führt die bei uns hinterlegte Nummer auf einen ganz anderen Eintrag, nämlich ein Modell namens ALL-turi 221 in 195/50 R15. Eine falsche Nummer unter 199 ist eine Quote, mit der sich arbeiten lässt — sie zeigt aber, dass man jeden Treffer gegen Größe und Index gegenlesen sollte.

Von den 194 sauber zugeordneten Reifen zeigten 156 exakt dasselbe Etikett wie unsere Artikelseite: gleiche Kraftstoffeffizienzklasse, gleiche Nasshaftungsklasse, gleicher Dezibelwert. Bei 38 wich mindestens ein Wert ab.

38-mal ein anderes Etikett — und fast immer zugunsten des Reifens

Die 38 Abweichungen verteilen sich auf 49 einzelne Werte, und sie zeigen ein sehr einseitiges Muster. Bei der Kraftstoffeffizienz gab es 30 Abweichungen, und in 29 davon stufte das Register den Reifen besser ein als unsere Artikelseite. Bei der Nasshaftung waren es 12 Abweichungen, davon 11 zugunsten des Reifens. Nur beim Rollgeräusch hielt es sich die Waage: viermal war der Registerwert leiser, dreimal lauter, und es ging jeweils um ein einziges Dezibel.

Typisch ist der Sprung von E auf D. Der Kormoran Snow in 195/65 R15 95T steht bei uns mit E/C/72 dB, im Register mit D/C/72 dB. Beim Nexen Winguard SnowG 3 in 185/65 R15 88T ist es dasselbe Bild, beim Hankook Winter i*cept evo2 in 215/55 R17 98V ebenfalls. Der deutlichste Fall ist ein Falken Eurowinter HS02 Pro in 265/40 R21 105W: Bei uns steht dort das erkennbare Platzhaltermuster E/E/79 dB, im Register C/B/72 dB — also zwei Klassen besser bei der Effizienz, drei bei der Nasshaftung und sieben Dezibel weniger.

Umgekehrt war es nur zweimal. Ein Hifly Win-Turi 212 in 155/65 R14 75T steht bei uns mit Nasshaftung C, im Register mit D. Und ein Gripmax Status Pro Winter in 235/45 R18 98V zeigt bei uns Effizienz C, im Register D — wobei dieser Eintrag zusätzlich unter dem Modellnamen „SureGrip Pro Winter“ geführt wird, der Fall also ohnehin genauer Prüfung bedarf.

Woher die Abweichungen im Einzelnen kommen, lässt sich von außen nicht für jeden Reifen sagen. Das Muster spricht dafür, dass Etikettenangaben im Handel überwiegend aus Lieferantendaten stammen, die einmal eingelesen und danach nicht jedes Mal nachgezogen werden, wenn der Hersteller seinen Registereintrag ergänzt oder korrigiert. Das Register ist in diesem Verhältnis die maßgebliche Quelle: Dort trägt der Lieferant selbst ein, und dort steht er dafür gerade. Für Sie als Käufer heißt das ganz praktisch: Wenn Sie eine Angabe brauchen, auf die es ankommt, holen Sie sie aus dem Register und nicht aus einer Produktbeschreibung. Das gilt für jeden Händler, uns eingeschlossen — die 38 Fälle aus unserer Stichprobe liegen uns vor.

Nebenbei zeigt die Stichprobe, warum die Suche über den Namen wenig taugt: Bei 60 der 199 Einträge weicht der Handelsname im Register vom Namen im Handel ab. Aus „WinterContact TS 830 P“ wird „ContiWinterContact TS 830 P“, aus „W462 WiNter icept RS3“ wird „Winter icept RS3“, und der Zusatzcode W330 fehlt im Register ganz. Auch die EAN hilft selten weiter: Nur 17 der 199 Einträge haben überhaupt eine GTIN-Kennung hinterlegt. Die Registriernummer ist der einzige wirklich verlässliche Schlüssel.

Ein Eintrag blieb verschlossen — und das ist die wichtigste Lehre

Eine der 200 Abfragen lieferte keine Daten, sondern eine Auskunft. Zu einem Aplus A702 in 215/45 R16 antwortete das Register mit dem Hinweis „unverified supplier“ und der Erklärung, der Lieferant dieses Modells habe die Identitätsprüfung noch nicht abgeschlossen. Ausdrücklich fügt die Kommission hinzu, Modelle von nicht verifizierten Lieferanten seien deshalb nicht zwangsläufig unecht oder unseriös.

Der zweite Teil dieser Auskunft ist der eigentlich wichtige, und er gilt für die ganze Datenbank: Die Kommission prüft die Richtigkeit der von den Lieferanten eingegebenen Produktdaten nicht — dafür sind die nationalen Marktüberwachungsbehörden zuständig. EPREL ist ein Melderegister, kein Prüflabor. Ein Eintrag bedeutet, dass der Hersteller diese Werte erklärt hat und dafür einsteht. Er bedeutet nicht, dass jemand nachgemessen hätte.

Damit ist auch die Grenze klar. Wie ein Reifen tatsächlich bremst, wie lange er hält und wie er sich im Grenzbereich verhält, steht in keinem Register — das zeigen nur unabhängige Vergleichstests, und die decken das Angebot nur ausschnittweise ab, wie unsere Auswertung dazu zeigt, wie schmal das ADAC-Testarchiv wirklich ist. Etikett und Registereintrag sind eine harte, vergleichbare Untergrenze an Information; sie ersetzen den Test nicht. Was das Etikett beim Kauf leisten kann und was nicht, haben wir an 46 Reifen einer einzigen Größe durchgerechnet — nachzulesen unter Ein Label, 46 Reifen.

Warum bei jedem vierten Reifen keine Nummer steht

Von unseren 53.346 Reifen tragen 39.746 eine Registriernummer, also 74,5 Prozent. Das klingt nach einer großen Lücke, löst sich aber zum größten Teil auf, sobald man den Anwendungsbereich der Verordnung danebenlegt.

Artikel 2 erfasst ausschließlich Reifen der Klassen C1, C2 und C3, also Reifen für Pkw sowie für leichte und schwere Nutzfahrzeuge. Motorradreifen fallen nicht darunter — und exakt das zeigt unser Regal: Bei 2.158 Straßenreifen fürs Motorrad, 1.027 Enduroreifen, 960 Mofa-, Moped- und Rollerreifen, 346 Quad- und ATV-Reifen, 344 Schläuchen, 75 Anhänger- und Oldtimerreifen sowie sämtlichen Reifen für Rasenmäher, Karren, Karts, Kleintraktoren und Industriegeräte steht bei keinem einzigen eine Nummer. Zusammen sind das 5.138 Reifen, für die es schlicht keinen Registereintrag geben muss. Dazu kommen die ausdrücklichen Ausnahmen in Artikel 2 Absatz 2: Reifen für den harten Geländeeinsatz, T-Noträder, Reifen mit einer zulässigen Geschwindigkeit unter 80 km/h, Spikereifen, reine Rennreifen, gebrauchte Reifen und Reifen für Felgen mit einem Nenndurchmesser von 254 Millimetern und weniger oder 635 Millimetern und mehr — umgerechnet alles bis einschließlich 10 Zoll und ab 25 Zoll.

Rechnet man diese Gruppen heraus, bleiben 48.208 Kfz-Reifen, und davon tragen 39.746 eine Nummer: 82,4 Prozent. Bei den Winterreifen sind es 10.310 von 12.435, also 82,9 Prozent.

Für den Rest gibt es zwei ganz verschiedene Erklärungen, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten. Die eine steht in Artikel 5 Absatz 3 der Verordnung: Für Reifen, die vor dem 25. Juni 2020 in Verkehr gebracht wurden, kann der Lieferant die Angaben eintragen — er muss nicht. Ein Auslaufmodell ohne Registereintrag ist deshalb kein Warnsignal, sondern meist einfach ein älterer Reifentyp. Die andere Erklärung betrifft die Datenpflege im Handel: Bei fünf Marken mit jeweils mehr als 200 Kfz-Reifen im Sortiment steht bei uns nicht eine einzige Nummer. Das sagt nichts darüber, ob diese Reifen registriert sind; es sagt nur, dass die Nummer bei uns nicht hinterlegt ist. Dasselbe gilt für die 44 Lkw-Reifen in unserem Regal, obwohl die Klasse C3 seit 2021 voll erfasst ist. Und es gilt für die 1.063 Reifen, die bei uns das erkennbare Platzhaltermuster E/E/79 dB tragen: Nur 83 von ihnen haben überhaupt eine Nummer, über die sich der echte Wert holen ließe.

Für Winterreifen beantwortet das Register die Alpine-Frage amtlich

Für die laufende Wechselsaison ist ein Feld besonders nützlich: Das Register führt „für die Nutzung bei extremen Schneeverhältnissen geeigneter Reifen“ als eigenes Merkmal. Gemeint ist das Alpine-Symbol, die Schneeflocke im Dreiberg, nach der UNECE-Regelung Nr. 117. In unserer Stichprobe war dieses Merkmal bei allen 199 abrufbaren Winterreifen gesetzt, und alle 199 sind als Klasse C1 eingetragen. Das ist ein beruhigendes, aber kein triviales Ergebnis: Sie können damit für jede einzelne Ausführung amtlich nachsehen, ob sie die Wintertauglichkeit erfüllt, statt sich auf eine Produktbeschreibung zu verlassen. Bei Ganzjahresreifen und bei sehr günstigen Angeboten ist das deutlich mehr wert als bei einem klassischen Winterreifen einer bekannten Marke.

Getrennt davon führt das Register die Eisgriffigkeit. Sie beruht auf der ISO-Norm 19447 und hat ein eigenes Piktogramm. In unserer Stichprobe trugen es genau drei Reifen: ein Michelin X-Ice Snow in 235/40 R19 96H sowie zwei Nokian Hakkapeliitta R5 in 255/40 R19 100T und 245/45 R19 102T — also ausgerechnet die beiden Modellfamilien, die für nordische Verhältnisse entwickelt wurden. In der Suchmaske lässt sich nach beiden Merkmalen getrennt filtern, ebenso nach „M+S“. Warum diese Unterscheidung in Deutschland handfeste rechtliche Folgen hat, erklären wir im Beitrag über die beiden Wintersymbole auf dem Etikett.

Ein Hinweis zur Größe: Dass ein Modell in einer Dimension ein bestimmtes Etikett trägt, sagt wenig über die übrigen Dimensionen. Wir haben das an ganzen Modellreihen nachgezählt — warum dasselbe Modell je nach Größe ein anderes Etikett trägt, gehört zu den häufigsten Irrtümern beim Reifenkauf. Prüfen Sie im Register deshalb immer genau die Ausführung, die Sie kaufen wollen, nicht nur den Modellnamen.

Was Sie daraus mitnehmen

Der Aufwand ist gering, der Ertrag ist konkret. Drei Dinge lohnen sich vor jedem Kauf:

  1. Registriernummer suchen. Steht sie beim Händler auf der Artikelseite, sind Sie mit einem Klick auf dem Datenblatt. Steht sie nicht da, fragen Sie danach — oder suchen Sie über Marke, Handelsname und Größe.
  2. Größe und Index gegenlesen. Eine Nummer allein genügt nicht. Erst wenn Größenbezeichnung, Tragfähigkeitskennzahl und Geschwindigkeitssymbol im Register mit Ihrem Wunschreifen übereinstimmen, gehört der Datensatz wirklich dazu.
  3. Bei Abweichungen dem Register folgen. Gehen Etikettenangabe und Registereintrag auseinander, ist der Registereintrag die Quelle, an der sich der Lieferant messen lassen muss.

Was Ihnen dabei ohnehin zusteht, regelt Artikel 6 der Verordnung: Händler müssen die Reifenkennzeichnung in visuellem Werbematerial zu einem bestimmten Reifentyp zeigen, und wenn dort ein Preis steht, muss das Etikett in der Nähe der Preisangabe erscheinen — im Internet darf das über eine geschachtelte Anzeige geschehen. Das Produktdatenblatt muss vorliegen und auf Anfrage auch gedruckt verfügbar sein. Sie müssen also nirgends darum bitten, das Etikett überhaupt sehen zu dürfen.

Wenn Sie gerade auf die kalte Jahreszeit umrüsten: Unsere Winterreifen für den Pkw zeigen Etikett und Registriernummer auf jeder Artikelseite. Wie Sie die drei Klassen anschließend gewichten sollten, steht im ausführlichen Ratgeber zum Lesen des Etiketts — und wie selten die Bestnote bei Nässe im Winter überhaupt vorkommt, haben wir an 578 Winterreifen nachgezählt.

Häufige Fragen

Ist ein Eintrag in der EU-Produktdatenbank ein Testergebnis?

Nein. Die Werte stammen vom Lieferanten selbst, der sie vor dem Inverkehrbringen eintragen muss. Die Europäische Kommission prüft die Richtigkeit dieser Angaben ausdrücklich nicht; zuständig sind die nationalen Marktüberwachungsbehörden. Wie sich ein Reifen wirklich fährt, zeigen nur unabhängige Vergleichstests.

Was bedeutet es, wenn zu einem Reifen keine Registriernummer angegeben ist?

Meist nichts Schlimmes. Motorrad-, Roller-, Quad- und Gerätereifen fallen gar nicht unter die Verordnung, ebenso Reifen für Felgen bis 10 Zoll und ab 25 Zoll, Spikereifen und T-Noträder. Und für Reifen, die vor dem 25. Juni 2020 in Verkehr gebracht wurden, ist die Eintragung freiwillig — bei Auslaufmodellen fehlt sie deshalb häufig.

Welcher Wert gilt, wenn Händlerangabe und Register auseinandergehen?

Maßgeblich ist der Registereintrag, denn dort hat der Lieferant die Werte selbst erklärt. In unserer Stichprobe von 199 Winterreifen wich das Etikett 38-mal ab, und fast immer stand der Reifen im Register besser da als in der Produktbeschreibung.

Schlagwörter: EU-Reifenlabel EPREL Nasshaftung Winterreifen Produktdatenblatt Kaufberatung

Das könnte Sie auch interessieren