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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Tracmax Trac Saver: Was der günstige Ganzjahresreifen wirklich mitbringt

· 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 24.07.2026
Ganzjahresreifen mit V-Profil an einem Kleinwagen in der Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Ganzjahresreifen mit V-Profil an einem Kleinwagen in der Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

Ganzjahresreifen für unter 50 Euro werfen fast immer dieselbe Frage auf: Ist das noch ein richtiger Reifen – oder nur Gummi, das zufällig rund ist? Der Tracmax Trac Saver gehört zu den meistgefragten Ganzjahresreifen in unserem Sortiment, und er kostet je nach Größe zwischen 34,60 und 98,90 Euro. Grund genug, ihn sich gründlich anzusehen: nicht mit Bauchgefühl, sondern mit dem, was auf der Flanke steht, was die EU-Produktdatenbank über ihn hergibt und was 137 lieferbare Ausführungen im eigenen Regal verraten. Ein Ergebnis vorweg: Die praktisch wichtigste Information über diesen Reifen ist nicht sein Preis, sondern sein Name.

Ein Reifen, drei Namen – und ein Hersteller, der keiner der bekannten ist

Bei uns steht der Reifen schlicht als Tracmax Trac Saver im Regal. In der EU-Produktdatenbank EPREL ist derselbe Reifen als „ALL SEASON TRAC SAVER X-privilo" eingetragen, und im übrigen Handel begegnet er Ihnen häufig als X-Privilo A/S Trac Saver. Das ist kein Etikettenschwindel, sondern gewachsene Namensbildung: „X-Privilo" ist die Produktfamilie von Tracmax, unter der auch die Sommerreifen TX-2 und TX-3 oder der Winterreifen S-130 laufen. „A/S" steht schlicht für All Season, also Ganzjahresreifen.

Praktisch ist das trotzdem relevant. Wer Preise oder Erfahrungsberichte über mehrere Anbieter hinweg vergleicht und dabei nur nach einer Schreibweise sucht, findet einen Teil der Angebote schlicht nicht – und hält im schlimmsten Fall zwei Namen für zwei verschiedene Reifen. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst im EU-Register die Schreibweisen schwanken: Dort finden sich Einträge mal als „X-privilo RS01", mal als „X-PRIVILO RS01". Verlassen Sie sich deshalb nicht auf die Schreibweise, sondern auf die harten Angaben: Größe, Last- und Geschwindigkeitsindex – und im Zweifel die EAN.

Hinter der Marke steht kein europäischer Traditionshersteller. Als Anmelder der EU-Reifenlabel ist in EPREL die HONCH HUSDOW CO. (CYPRUS) LTD eingetragen, mit dem Servicenamen TRACMAX und der Kontaktadresse der chinesischen Yongsheng-Gruppe. Tracmax ist also eine chinesische Marke mit europäischer Vertretung – und macht daraus auch kein Geheimnis. Wie Sie solche Marken generell einordnen, haben wir in unserem Ratgeber zu Billigreifen und unbekannten Marken ausführlich beschrieben.

Das Alpine-Symbol sitzt drauf – in der EU-Datenbank nachgeprüft

Für einen Ganzjahresreifen ist das die entscheidende Frage: Darf man damit im Winter überhaupt fahren? In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht, und seit dem 1. Oktober 2024 reicht die alte Kennzeichnung „M+S" allein dafür nicht mehr aus. Anerkannt ist nur noch das Alpine-Symbol – das kleine Bergpiktogramm mit Schneeflocke, kurz 3PMSF.

Wir haben das nicht geglaubt, sondern nachgesehen. In der EU-Produktdatenbank EPREL, in die jeder Hersteller seine Reifenlabel einstellen muss, ließen sich 52 Registrierungen des Trac Saver auswerten – und alle 52 sind dort als Reifen mit schwerer Schneegriffigkeit (3PMSF) eingetragen. Kein einziger Eintrag ohne Alpine-Symbol. Als Eisreifen ist dagegen keine einzige Ausführung geführt, was für einen Ganzjahresreifen dieser Klasse aber auch niemand erwarten würde.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist die EPREL-Abfrage eine Stichprobe: Die Datenbank gibt pro Abfrage nur einen Ausschnitt heraus, wir sprechen also über 52 ausgewertete Registrierungen, nicht über jede jemals produzierte Ausführung. Zweitens gilt für die Zulassung immer die Kennzeichnung auf dem Reifen, der tatsächlich vor Ihnen liegt. Ein Blick auf die Flanke vor der Montage ersetzt keine Datenbank – aber die Datenbank ersetzt auch nicht den Blick auf die Flanke. Was bei Verstößen droht und wann die Pflicht überhaupt greift, lesen Sie im Beitrag zur Winterreifenpflicht in Deutschland.

Was das EU-Label über den Trac Saver verrät

Über alle 137 lieferbaren Ausführungen hinweg ergibt sich ein bemerkenswert einheitliches Bild. Bei der Nasshaftung – dem Wert, der im Zweifel über den Bremsweg entscheidet – tragen 122 von 137 Ausführungen die Klasse B, das sind 89,1 Prozent; die restlichen 15 liegen bei C. Für einen Reifen dieser Preisklasse ist das ein ordentlicher Wert, denn B ist die zweitbeste erreichbare Stufe.

Deutlich blasser sieht es bei der Kraftstoffeffizienz aus: 75,2 Prozent der Ausführungen liegen bei C, 9,5 Prozent bei D und 15,3 Prozent bei E. Eine Ausführung mit A oder B gibt es nicht – keine einzige. Beim Rollgeräusch bewegt sich der Reifen zwischen 70 und 72 dB; in EPREL ist er durchgängig in der Geräuschklasse B geführt. Das ist unauffällig, aber nicht leise.

Wichtig ist, was das Label nicht sagt. Es ist eine standardisierte Messung von drei Eigenschaften, kein Test. Über Aquaplaning-Reserven, Handling, Laufleistung oder das Verhalten auf Schnee jenseits der bestandenen 3PMSF-Prüfung steht dort nichts. Wie weit ein gutes Label von der Praxis abweichen kann, hat unser Beitrag zum Imperial AS Driver gezeigt. Was die einzelnen Klassen bedeuten, erklären wir kompakt beim EU-Reifenlabel. Und in aller Offenheit: Ein Testergebnis einer großen Prüforganisation liegt uns für den Trac Saver nicht vor – wir stützen uns hier bewusst nur auf belegbare Label- und Sortimentsdaten.

Warum ausgerechnet die kleinen Größen schlechter dastehen

Dieser Befund hat uns selbst überrascht, denn er läuft der Intuition zuwider. Man würde erwarten, dass die kleinen, schmalen Reifen für Kleinwagen beim Spritverbrauch am besten abschneiden. Beim Trac Saver ist es genau umgekehrt.

Sortiert man die 137 Ausführungen nach Felgendurchmesser, ergibt sich ein klares Gefälle: Von den 42 Ausführungen in 13 bis 15 Zoll liegen 22 unter der Effizienzklasse C – also gut die Hälfte. Von den 51 Ausführungen in 18 bis 20 Zoll sind es ganze zwei, keine vier Prozent. Die großen Dimensionen sind fast durchgängig C, die kleinen streuen über C, D und E.

Konkret heißt das: Der 155/70 R13 75T kommt auf E/B/71 und kostet 36,50 Euro, der 165/60 R14 79H auf D/C/71 für 38,30 Euro – während der deutlich größere 225/45 R17 91W mit C/B/70 antritt. Auch die 15 Ausführungen mit der schwächeren Nasshaftung C sitzen fast ausnahmslos in den schmalen Größen zwischen 14 und 17 Zoll.

Warum das so ist, sagen weder Hersteller noch Label – plausibel sind unterschiedlich alte Bauformen und Registrierungen innerhalb derselben Modellreihe, belegen können wir das nicht. Die praktische Konsequenz ist aber eindeutig: Gerade bei den kleinen Größen lohnt der Blick aufs Label besonders, weil hier innerhalb desselben Modellnamens die größten Unterschiede stecken.

Vom Kleinwagen bis zum 20-Zöller: das Größenbild

Mit 126 verschiedenen Größen von 13 bis 20 Zoll deckt der Trac Saver eine ungewöhnlich große Bandbreite ab. Die Preise steigen dabei erwartungsgemäß mit dem Durchmesser: Der Median liegt bei 13 Zoll bei 38,30 Euro, bei 15 Zoll bei 45,90 Euro, bei 17 Zoll bei 58,10 Euro und bei 20 Zoll bei 79,70 Euro.

Aufschlussreicher als der Preis ist die Verteilung der Geschwindigkeitsindizes. 93 der 137 Ausführungen – 67,9 Prozent – tragen den Index V oder schneller (W 33-mal, Y 32-mal, V 28-mal), nur 21 Ausführungen liegen bei T. Das ist für einen Budget-Ganzjahresreifen bemerkenswert: Dieses Modell ist erkennbar nicht nur als Kleinwagenreifen gedacht, sondern deckt bis hin zu schnellen Kombis und SUV-Größen mit ab. Ob der Reifen dieses Tempo auch fahrdynamisch souverän begleitet, ist eine andere Frage – der Index beschreibt zunächst nur die Freigabe.

In den gefragtesten Größen ist er lieferbar und preislich klar im unteren Drittel. Drei Beispiele, Stand 19. Juli 2026:

Alle Größen des Modells finden Sie gebündelt auf der Modellseite zum Tracmax Trac Saver, die gesamte Auswahl unter Ganzjahresreifen für PKW.

Die Preisfalle in 245/45 R19

Ein Detail aus der Auswertung verdient besondere Aufmerksamkeit, weil es bares Geld kostet. In der Größe 245/45 R19 gibt es den Trac Saver zweimal – mit identischem Lastindex 102 und identischem EU-Label C/B/72. Der Unterschied liegt allein im Geschwindigkeitsindex. Und ausgerechnet die langsamere Ausführung mit Index W (270 km/h) kostet 94,50 Euro, während die schnellere mit Index Y (300 km/h) für 69,90 Euro zu haben ist.

Das sind rund 35 Prozent Aufschlag für weniger Freigabe bei sonst gleichen Daten. Wer hier nur auf den ersten Treffer klickt, zahlt ohne Gegenwert drauf. Die günstigere Variante ist der Tracmax Trac Saver 245/45 R19 102Y.

Faustregel: Lassen Sie sich bei Ihrer Größe immer alle Ausführungen anzeigen und vergleichen Sie Lastindex, Geschwindigkeitsindex und Label nebeneinander. Ein höherer Index ist nicht automatisch teurer – und ein höherer Preis nicht automatisch mehr Reifen.

Es gibt allerdings auch den umgekehrten Fall, in dem der Aufpreis sinnvoll ist: In 165/70 R14 kostet die Ausführung 81T mit D/C/71 39,00 Euro, die Ausführung 85T mit C/B/70 dagegen 45,40 Euro. Hier kaufen Sie für 16 Prozent mehr sowohl das bessere Label als auch mehr Tragfähigkeit. Der Aufpreis will also nicht grundsätzlich vermieden, sondern verstanden werden.

Für wen sich der Trac Saver eignet – und für wen nicht

Der Trac Saver ist ein ehrlicher Vertreter seiner Klasse. Er bringt mit, was gesetzlich zählt – das Alpine-Symbol –, und er liefert bei der Nasshaftung in fast neun von zehn Ausführungen die Klasse B. Das ist deutlich mehr, als man bei diesem Preis befürchten müsste.

Passend ist er für Wenigfahrer, Zweitwagen und Fahrzeuge, die überwiegend in der Stadt und im flachen Umland bewegt werden, wo Schnee die Ausnahme bleibt. Wer im Jahr wenige tausend Kilometer fährt, für den fällt der schwächere Rollwiderstand kaum ins Gewicht, und die Ersparnis gegenüber zwei Sätzen Sommer- und Winterreifen ist erheblich.

Weniger passend ist er für Vielfahrer: Eine Effizienzklasse C bis E kostet über 20.000 Jahreskilometer spürbar Kraftstoff, und was am Kaufpreis gespart wurde, verbrennen Sie unterwegs wieder. Ebenso wenig ist er die richtige Wahl für regelmäßige Fahrten in höhere Lagen mit echtem Winter oder für Fahrer mit sportlichem Anspruch – dort sind ein spezialisierter Winterreifen oder ein Premium-Ganzjahresreifen die klar bessere Investition. Ob Allwetterreifen für Ihr Fahrprofil überhaupt die richtige Lösung sind, klärt unser Ratgeber zu Ganzjahresreifen.

Unser Fazit: Der Trac Saver ist kein Premiumreifen und will keiner sein. Er ist ein gesetzeskonformer, solide gelabelter Ganzjahresreifen für kleine Budgets – mit zwei Fallstricken, die Sie kennen sollten: dem Namenswirrwarr und den auffällig schwächeren Labelwerten in den kleinen Größen. Wer beides im Blick behält, kauft hier bewusst und nicht auf gut Glück.

Häufige Fragen

Ist der Tracmax Trac Saver im Winter zugelassen?

Ja. Alle 52 in der EU-Datenbank EPREL ausgewerteten Registrierungen sind als Reifen mit Alpine-Symbol (3PMSF) eingetragen. Damit erfüllt er die Anforderungen der situativen Winterreifenpflicht in Deutschland. Prüfen Sie das Symbol vor der Montage zusätzlich auf der Flanke.

Warum wird der Reifen unter verschiedenen Bezeichnungen angeboten?

Der vollständige Herstellername lautet „X-Privilo A/S Trac Saver". Je nach Anbieter wird er auf „Trac Saver" verkürzt oder anders geschrieben. Vergleichen Sie im Zweifel über Größe, Last- und Geschwindigkeitsindex oder die EAN statt über den Namen.

Kann ein Ganzjahresreifen für unter 40 Euro sicher sein?

Er muss dieselben gesetzlichen Prüfungen bestehen wie jeder andere Reifen und trägt hier in der Regel Nasshaftung B. Was der Preis nicht kauft, sind Reserven in Disziplinen, die das Label nicht misst – etwa Laufleistung und Verhalten im Grenzbereich. Für moderate Fahrleistungen ist das ein vertretbarer Kompromiss, für Vielfahrer selten der günstigste.

Schlagwörter: Tracmax Ganzjahresreifen EU-Reifenlabel Alpine-Symbol Budgetreifen

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