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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Continental ContiTrailAttack 3: der Straßen-Allrounder für große Reiseenduros

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 28.07.2026
Vorderrad einer Reiseenduro mit Adventure-Reifenprofil auf Bergstraße (KI-generiert, OpenAI)
Vorderrad einer Reiseenduro mit Adventure-Reifenprofil auf Bergstraße (KI-generiert, OpenAI)

Wer eine große Reiseenduro fährt – eine BMW R 1250 GS, KTM Adventure, Triumph Tiger oder Yamaha Ténéré –, steht bei der Reifenwahl vor einer Grundsatzfrage: Wie viel Gelände soll der Reifen können, wie viel Straße? Der Continental ContiTrailAttack 3 gibt darauf eine klare Antwort. Er ist ein bewusst straßenbetonter Adventure-Reifen, der die meiste Zeit auf Asphalt zu Hause ist und Schotter nur als gelegentliche Zugabe versteht. Wir zeigen, für wen dieses Konzept passt, was in dem Reifen steckt und wo seine ehrlichen Grenzen liegen.

Wofür der ContiTrailAttack 3 gemacht ist

Continental ordnet den ContiTrailAttack 3 klar im 90/10-Bereich ein: rund 90 Prozent des Einsatzes auf der Straße, etwa 10 Prozent auf leichtem Untergrund wie festem Schotter oder Feldwegen. Damit sitzt er am straßennahen Ende des Zweirad-Programms. Innerhalb der Continental-Enduro-Familie lässt er sich gut über seine grobstolligeren Geschwister einordnen: Der TKC 70 ist mit rund 60/40 deutlich geländetauglicher, der TKC 80 Twinduro mit etwa 20/80 ein echter Stollenreifen fürs Grobe (mehr dazu in unserem Porträt zum Continental TKC 802). Der ContiTrailAttack 3 ist das Gegenstück für alle, die ihre Reiseenduro vor allem als komfortables, langstreckentaugliches Straßenmotorrad nutzen und nur ab und zu vom Asphalt abbiegen.

Das ist keine Schwäche, sondern eine bewusste Auslegung. Große Adventure-Bikes wiegen vollgetankt und beladen schnell über 250 Kilogramm, und der Löwenanteil aller gefahrenen Kilometer entsteht auf Land- und Bundesstraßen oder der Autobahn. Genau dort will der ContiTrailAttack 3 überzeugen: mit Grip bei Nässe, ruhigem Geradeauslauf bei hohem Tempo und einer Laufleistung, die zu einem Tourenreifen passt. Wer regelmäßig anspruchsvolles Gelände fährt, ist mit einem eher schotterorientierten Reifen besser bedient – für den Straßen-Alltag der Reiseenduro ist der TrailAttack 3 dagegen die naheliegende Wahl.

Die vier Technologien im Klartext

Continental nennt für den ContiTrailAttack 3 vier tragende Bausteine. Sie klingen nach Marketing, haben aber jeweils eine nachvollziehbare Funktion:

  • TractionSkin: eine mikroraue Oberfläche der Lauffläche direkt aus der Form. Sie kommt ohne klassisches Trennmittel aus, sodass der Reifen schon nach kurzer Einfahrstrecke sauberen Grip aufbaut – die sonst übliche „glatte, rutschige Neureifenphase" fällt weitgehend weg.
  • RainGrip: eine silicahaltige Mischung mit modernen Elastomeren für die Nasshaftung. Zusammen mit tiefen, bis in die Flanke gezogenen Rillen soll sie Wasser schnell verdrängen und auch auf nasser Fahrbahn Vertrauen geben.
  • MultiGrip: eine über die Breite abgestufte Mischung – härter in der Mitte für Laufleistung und ruhigen Geradeauslauf, weicher an den Schultern für Grip in Schräglage. Ein einzelner Reifen verbindet so Haltbarkeit und Kurvengriffigkeit.
  • 0°-Stahlgürtel (ZeroDegree): eine gürtelverstärkte Karkasse, die den Reifen bei hohem Tempo und unter Last formstabil hält. Das zahlt gerade bei schweren, voll beladenen Reiseenduros auf die Stabilität ein.

Ein praktischer Nebeneffekt der Mischung: Der Reifen erreicht laut Continental seine Betriebstemperatur sehr schnell – die Rede ist von rund 1,5 Kilometern nach dem Start. Für den Alltag heißt das, dass der Grip nicht erst nach einer langen Warmfahrphase da ist, sondern früh zur Verfügung steht.

Gerade die Kombination aus TractionSkin und schnellem Warmlaufen ist im Alltag mehr wert, als sie klingt. Viele kritische Momente auf dem Motorrad passieren nicht bei zügiger Fahrt auf temperierten Reifen, sondern in den ersten Kilometern – am kühlen Morgen, an der ersten Kreuzung, in der ersten engen Kurve nach dem Losfahren. Ein Reifen, der früh Grip aufbaut und ohne rutschige Einfahrphase auskommt, nimmt genau dieser heiklen Anfangsstrecke etwas von ihrem Risiko. Für Vielfahrer, die ihre Reiseenduro auch im Berufsverkehr und bei jedem Wetter bewegen, ist das ein handfester Sicherheitsgewinn – und einer der Gründe, warum straßenbetonte Adventure-Reifen bei Pendlern so beliebt sind.

Radial oder Diagonal, vorn und hinten: die Größen

Der ContiTrailAttack 3 ist ein richtungsgebundener Reifen mit eigenständigen Vorder- und Hinterreifen – Vorder- und Hinterrad tragen also unterschiedliche Ausführungen, nicht denselben Reifen in zwei Größen. Das Programm deckt die typischen Adventure-Dimensionen ab: vorn unter anderem 110/80 R19 und 120/70 R19 für die großen 19-Zoll-Reiseenduros sowie 90/90-21 für die 21-Zoll-Fraktion; hinten reicht die Spanne von 150/70 R17 und 150/70 R18 über 160/60 R17 und 170/60 R17 bis zur breiten 190/55 R17.

Ein Detail, das viele überrascht: Der Reifen ist je nach Dimension in Radial- und Diagonalbauweise verfügbar. Die gängigen Größen mit „R" in der Bezeichnung (etwa 110/80 R19) sind Radialreifen; einige klassische Enduro-Maße wie 90/90-21 oder 140/80-18 sind Diagonalreifen. Das ist so gewollt und dem jeweiligen Fahrzeug geschuldet. Wichtig ist deshalb: immer nach der exakten, für Ihr Motorrad freigegebenen Kombination greifen – Bauart, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex stehen in den Fahrzeugpapieren. Die Geschwindigkeitsindizes reichen bei diesem Reifen von S und V bis W (also bis 270 km/h), sodass auch schnelle Reiseenduros abgedeckt sind. Einen Überblick über alle lieferbaren Maße gibt der Continental ContiTrailAttack 3 im Reifenshop.

Weil Vorder- und Hinterreifen unterschiedlich aufgebaut sind, tragen sie eine Laufrichtungsmarkierung (einen Pfeil auf der Flanke): Beim Montieren muss die Drehrichtung stimmen, sonst arbeiten Profil und Wasserableitung gegeneinander. Ebenso wichtig ist der Tragfähigkeitsindex – wer häufig zu zweit und mit Gepäck reist, sollte die Last nicht knapp kalkulieren. Die Kennung hinter der Größe (etwa „72W") nennt Tragfähigkeit und zugelassene Höchstgeschwindigkeit; beide Werte müssen mindestens den Vorgaben aus den Fahrzeugpapieren entsprechen. Und ein letzter Punkt zum Verschleiß: Vorder- und Hinterreifen nutzen sich unterschiedlich schnell ab – hinten meist deutlich früher. Wer nur den Hinterreifen tauscht, sollte prüfen, dass vorn noch genügend Profil und kein zu altes Gummi sitzt, damit das Fahrverhalten stimmig bleibt.

Was die Fachpresse berichtet

Belastbare, gerankte Vergleichstests wie bei Pkw-Reifen sind bei Adventure-Reifen selten – umso mehr zählen die Fahrberichte der etablierten Motorradpresse. Das Fazit fällt dort durchweg positiv aus, allerdings mit einer klaren Einschränkung. Die britische Fachzeitschrift Motorcycle News (MCN) lobt nach Testfahrten auf BMW R 1250 GS und KTM 1090 Adventure vor allem den Nassgrip, das schnelle Warmlaufen und ein agiles, berechenbares Handling mit gutem Rückmeldungsverhalten beim Bremsen und in Schräglage. Auch die Laufleistung wird als tourentauglich beschrieben – ein Tester berichtete, dass der Reifen selbst nach rund 2.000 Meilen noch mehr Profil hatte als ein neuer Vergleichsreifen. Das ist ein Einzeleindruck und keine Garantie, deckt sich aber mit der Grundauslegung als straßenbetonter Langstreckenreifen.

Der starke Nassauftritt ist dabei kein Zufall, sondern Programm: Die silicabetonte RainGrip-Mischung bleibt auch bei kühlen, feuchten Bedingungen geschmeidig, und die tief bis in die Flanke gezogenen Rillen führen Wasser auch in Schräglage ab – also genau dort, wo eine schwere Reiseenduro in der nassen Kurve auf Grip angewiesen ist. Für Tourenfahrer, die sich vom Wetter nicht die Route diktieren lassen wollen, ist das eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt.

Ebenso deutlich benennt die Fachpresse die Grenze: Für ernsthaftes Gelände ist der ContiTrailAttack 3 nicht gedacht. Wer viel auf losem Untergrund, in Sand oder Schlamm unterwegs ist, findet mit den grobstolligeren TKC-Modellen die passendere Wahl. Das ist kein Mangel, sondern die logische Kehrseite des 90/10-Konzepts. Wie ein Reifentest generell aufgebaut ist und warum Nässe und Verschleiß dabei so schwer wiegen, erklären wir im Beitrag Wie wird ein Reifen getestet?.

Welche Größe für welches Motorrad

Die richtige Dimension hängt am Fahrzeug – ein Blick in Schein und Reifenfreigabe ersetzt jede Faustregel. Zur Orientierung, wie die gängigen Kombinationen aussehen:

Wer sich unsicher ist, prüft die Freigabe des Fahrzeugherstellers oder fragt vor dem Kauf nach. Eine falsche Bauart oder ein zu niedriger Tragfähigkeitsindex ist nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern kann auch bei der Hauptuntersuchung zum Problem werden – was am Motorrad sonst noch die Plakette kostet, lesen Sie in Motorradreifen bei der HU. Als Alternative aus dem Adventure-Touring-Segment lohnt zudem ein Blick auf den Metzeler Tourance.

Häufige Fragen

Ist der ContiTrailAttack 3 geländetauglich?

Nur eingeschränkt. Mit seiner 90/10-Auslegung ist er für Straße plus leichten Schotter und Feldwege gemacht. Für Sand, Schlamm oder anspruchsvolles Gelände sind grobstolligere Reifen wie der Continental TKC 70 oder TKC 80 die bessere Wahl.

Wie lange hält der ContiTrailAttack 3?

Eine feste Kilometerangabe gibt es nicht, weil Laufleistung stark von Gewicht, Fahrstil und Beladung abhängt. Die härtere Laufflächenmitte (MultiGrip) ist auf Haltbarkeit ausgelegt, und Fahrberichte der Fachpresse bescheinigen dem Reifen eine für Tourenreifen gute Standzeit.

Passt der Reifen auf jede Reiseenduro?

Maßgeblich ist die Reifenfreigabe in den Fahrzeugpapieren. Der ContiTrailAttack 3 deckt die gängigen Adventure-Größen von 17 bis 21 Zoll in Radial- und Diagonalbauweise ab – entscheidend ist, die für Ihr Motorrad freigegebene Größe, Bauart und Kennung zu wählen.

Unterm Strich ist der Continental ContiTrailAttack 3 ein ehrlicher Straßen-Allrounder für große Reiseenduros: stark bei Nässe, schnell auf Temperatur, stabil unter Last und mit tourentauglicher Laufleistung – solange man ihn nicht ins schwere Gelände zwingt. Passende Größen für Ihr Motorrad finden Sie in unserer Auswahl an Enduro- und Reiseenduro-Reifen.

Schlagwörter: Continental Motorradreifen Reiseenduro Adventure-Reifen ContiTrailAttack 3

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