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Recht & Gesetz – Ratgeber im Magazin

Motorradreifen bei der HU: Daran scheitert der TÜV

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 26.07.2026
KI-generiert (OpenAI): Profiltiefenmessung an einem Motorrad-Hinterreifen in der Werkstatt
KI-generiert (OpenAI): Profiltiefenmessung an einem Motorrad-Hinterreifen in der Werkstatt

Die Motorradsaison läuft – und für viele Maschinen steht damit auch wieder der Termin bei TÜV, DEKRA, KÜS oder GTÜ an. Die Reifen gehören dabei zu den Bauteilen, auf die der Prüfer besonders genau schaut: Sie sind der einzige Kontakt Ihrer Maschine zur Straße, und gerade nach der Winterpause bringen sie typische Mängel mit. Wie oft es die Reifen erwischt, hat die KÜS in einer Auswertung von rund 2,6 Millionen Hauptuntersuchungen aus dem Jahr 2011 aufgeschlüsselt: Bei den beanstandeten Reifen steht die zu geringe Profiltiefe mit Abstand vorn, dicht gefolgt von porösen, rissigen Reifen (autohaus.de). Dass Räder und Reifen bis heute ein Dauerthema bei der HU sind, bestätigt die jüngste KÜS-Bilanz für 2025: Dort bildet die Gruppe „Achsen, Räder und Reifen" nach der Beleuchtung die zweithäufigste Mängelquelle – Details dazu in unserer Auswertung der KÜS-HU-Mängelstatistik. Hier lesen Sie, worauf der Prüfer bei Ihren Motorradreifen wirklich schaut – und wie Sie schon vorher auf Nummer sicher gehen.

Wie oft muss das Motorrad zur HU?

Krafträder müssen alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung – und zwar von Anfang an. Die verlängerte Erstfrist von drei Jahren, die es für fabrikneue Pkw gibt, gilt für Motorräder nicht. Der Reifen ist dabei nur einer von vielen Prüfpunkten, aber ein besonders sicherheitsrelevanter: Er ist der einzige Kontakt Ihrer Maschine zur Straße, und die Aufstandsfläche ist beim Zweirad nur etwa handtellergroß.

Genau deshalb schauen die Prüforganisationen hier sehr genau hin. „Reifen werden vernachlässigt", lautete schon die nüchterne Kernaussage der KÜS-Reifenauswertung – trotz ihrer enormen Bedeutung für die Verkehrssicherheit. Viel geändert hat sich daran bis heute nicht.

Diese fünf Reifenmängel kosten die Plakette

Die KÜS hat die beanstandeten Reifen nach Mangelart sortiert. Bei den Motorrädern ergab sich folgende Rangliste (autohaus.de):

  1. Zu geringe Profiltiefe – der mit Abstand häufigste Grund.
  2. Poröse Reifen – ausgehärtetes, rissiges Gummi.
  3. Unzulässige Rad-/Reifenkombinationen – Reifen, die nicht zu Fahrzeug und Papieren passen.
  4. Beschädigungen durch Fremdkörper – Schnitte, Nägel, eingefahrene Splitter.
  5. Gewebebrüche – Beulen und Schäden an der Karkasse.

Diese Reihenfolge spiegelt exakt die damals erfassten Motorrad-Zahlen wider: rund 3.500 Beanstandungen wegen zu geringer Profiltiefe, 1.645 wegen poröser Reifen und 770 wegen unzulässiger Rad-/Reifenkombinationen; Fremdkörperschäden (19 Fälle) und Gewebebrüche (4 Fälle) waren dagegen die absolute Ausnahme. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um eine Rangliste innerhalb der Reifenmängel – nicht um eine Aussage, dass Reifen der häufigste HU-Mangel überhaupt wären. Die ersten drei Punkte machen aber praktisch alle Reifen-Durchfaller aus. Schauen wir sie der Reihe nach an.

Profiltiefe: 1,6 mm sind Pflicht – aber kein sicherer Wert

Gesetzlich gilt nach § 36 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Maßgeblich ist das Hauptprofil, also der mittlere Bereich über etwa drei Viertel der Laufflächenbreite (reifen.com). Der Prüfer misst rundum an mehreren Stellen – es zählt der niedrigste Wert. Wird er unterschritten, gibt es keine Plakette.

Eine wichtige Ausnahme: Für Mofas und Leichtkrafträder genügt eine Profiltiefe von 1,0 mm (reifen.com).

Die 1,6 mm sind allerdings die rechtliche Untergrenze – nicht der sichere Wert. Die KÜS empfiehlt für Motorradreifen rund 2 mm, viele Fachbetriebe raten, den Wechsel spätestens bei 2–3 mm Restprofil ernsthaft einzuplanen, besonders bei Nässe und kühlen Temperaturen. Eine Orientierung bieten die TWI-Stege (Verschleißanzeiger) in den Profilrillen. Wie viel Profil bei welcher Fahrweise wirklich sinnvoll ist und woran Sie ein verschlissenes Verschleißbild erkennen, lesen Sie im Ratgeber Motorradreifen-Verschleiß: wann wechseln?.

Achten Sie beim Nachmessen darauf, wo Ihr Reifen abfährt: Bei Tourern und im Alltag gefahrenen Maschinen verschleißt die Mitte der Lauffläche zuerst, weil der Reifen dort am meisten Gerade-Kilometer sieht. Ein Hinterreifen kann in der Mitte schon auf 1,6 mm heruntergefahren sein, während die kaum belasteten Schulterbereiche noch fast neu aussehen – für die Plakette zählt trotzdem der niedrigste gemessene Wert. Bei sportlicher, kurvenlastiger Fahrweise ist es umgekehrt: Dann sind eher die Flanken heruntergeritten, und in der Mitte steht noch Profil. Messen Sie deshalb nie nur an einer Stelle.

Poröse Flanken und Risse: das Standschaden-Problem

Der zweithäufigste Mangel trifft Motorräder härter als Autos: poröse, rissige Reifen. Der Grund liegt im Nutzungsprofil. Viele Maschinen stehen über den Winter monatelang unbewegt – das Gummi altert, härtet aus und bildet feine Risse (Krakelee) am Profilgrund und an der Flanke. Solche Reifen beanstandet der Prüfer unabhängig vom Restprofil: Ein Reifen mit reichlich Profil, aber spröder, rissiger Flanke fällt trotzdem durch.

Neben der Porosität hinterlässt eine lange Standzeit weitere Spuren: Steht die Maschine über Monate auf demselben Fleck, kann sich an der Aufstandsstelle ein leichter Standplatten bilden, und der Luftdruck sinkt schleichend. Beides lässt sich vermeiden, indem Sie das Motorrad über den Winter aufbocken oder gelegentlich ein Stück bewegen und den Reifendruck vor dem Saisonstart kontrollieren. UV-Licht und Ozon aus der Umgebung beschleunigen die Alterung zusätzlich – ein Grund, die Maschine trocken und nicht direkt neben laufenden Elektromotoren zu lagern.

Prüfen Sie deshalb gerade zum Saisonstart die Flanken sorgfältig auf Risse, Verhärtungen und Verformungen. Worin sich harmlose Alterungsspuren von gefährlichen Schäden wie Beulen unterscheiden, erklärt unser Beitrag zu Reifenbeulen, Rissen und Flankenschäden. Wie Sie Ihre Maschine nach der Winterpause sonst noch fit machen, steht im Ratgeber Motorrad-Reifendruck und neue Reifen einfahren.

Größe, Bauart und Freigabe müssen zu den Papieren passen

Platz drei der Mängelliste – „unzulässige Rad-/Reifenkombinationen" – ist tückisch, weil der Reifen optisch top sein kann und trotzdem nicht zugelassen ist. Bei der HU gleicht der Prüfer ab, ob

  • Reifengröße und Bauart (Radial oder Diagonal) zur Zulassungsbescheinigung passen,
  • der Last- und Geschwindigkeitsindex (LI/SI) mindestens den Vorgaben entspricht,
  • und – falls Ihr Fahrzeug eine Reifenfabrikatsbindung hat – nur freigegebene Fabrikate montiert sind.

Welche Angaben dafür auf der Flanke stehen und wie Sie die Motorrad-Reifengröße richtig lesen, zeigt der Beitrag Motorradreifen-Größe an der Flanke lesen. Wann Sie vorne und hinten unterschiedliche Reifen oder Marken kombinieren dürfen und was die Reifenbindung seit 2025 bedeutet, klärt Motorradreifen mischen – vorne und hinten verschiedene Reifen. Allgemeine Vorschriften rund um Reifen fasst Reifen und Gesetz zusammen.

Reifenalter: kein gesetzliches Limit – trotzdem ein Thema

Eine feste Altersgrenze für Motorradreifen gibt es im Gesetz nicht – genauso wenig wie beim Pkw (siehe Reifen bei der HU/TÜV für Pkw). Der Prüfer bewertet den Zustand, nicht das DOT-Datum auf der Flanke. In der Praxis werden alte Reifen aber häufig genau über den zweithäufigsten Mangel zum Problem: Sie sind nach Jahren der Standzeit porös. Wer den Reifenalter-Code lesen und einordnen will, findet die Anleitung unter Reifenalter und DOT-Nummer.

Vor der HU: die Reifen-Mini-Checkliste

Mit fünf Minuten Eigenkontrolle vermeiden Sie die typischen Durchfaller:

  • Profiltiefe rundum an mehreren Stellen messen – niedrigster Wert mindestens 1,6 mm, sicherer ab 2 mm.
  • Flanken und Profilgrund auf Risse, Porosität, Beulen und Verformungen absuchen.
  • Größe, Bauart und LI/SI mit der Zulassungsbescheinigung abgleichen, Reifenfreigabe bzw. Fabrikatsbindung beachten.
  • Lauffläche auf Fremdkörper, Schnitte und Reparaturstellen kontrollieren.
  • Ventil, Felge und Luftdruck prüfen.

Sitzt das Profil auf Kante oder zeigt der Reifen Alterungsrisse, lohnt der Wechsel vor dem Termin. Was das Aufziehen und Auswuchten kostet und wie der Ablauf aussieht, lesen Sie unter Motorradreifen wechseln lassen – Kosten und Ablauf; eine Werkstatt in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Montagestationen.

Passende Pneus gibt es direkt im Shop – etwa als bewährtes Vorder-/Hinterrad-Paar Bridgestone Battlax Hypersport S23F 120/70 ZR17 und S23R 180/55 ZR17 oder den Touren-Allrounder Michelin Road 6. Die gesamte Auswahl finden Sie unter Motorrad-Straßenreifen, in der gefragten Größe 120/70 R17 oder in der kompletten Rubrik Motorradreifen.

Häufige Fragen

Wie viel Profil braucht ein Motorradreifen für den TÜV?

Gesetzlich mindestens 1,6 mm im Hauptprofil (über etwa drei Viertel der Laufflächenbreite), gemessen rundum am niedrigsten Punkt. Für Mofas und Leichtkrafträder genügen 1,0 mm. Aus Sicherheitsgründen empfehlen Prüforganisationen und Fachbetriebe, schon ab rund 2–3 mm an den Wechsel zu denken.

Fällt mein Motorrad mit alten Reifen durch die HU?

Eine gesetzliche Altersgrenze gibt es nicht – der Prüfer bewertet den Zustand. Alte Reifen scheitern aber oft an porösen, rissigen Flanken, und genau das ist der zweithäufigste Reifenmangel bei der HU. Auch mit viel Restprofil kann ein ausgehärteter Reifen durchfallen.

Darf ich bei der HU vorne und hinten unterschiedliche Reifen fahren?

Solange Größe, Bauart und Tragfähigkeit zu den Fahrzeugpapieren passen und keine Fabrikatsbindung verletzt wird, ist eine Mischung möglich. Hersteller stimmen Vorder- und Hinterreifen aber als System ab; Details dazu im Beitrag „Motorradreifen mischen".

Was passiert, wenn die Reifen als Mangel beanstandet werden?

Ein „erheblicher Mangel" bedeutet keine Plakette: Sie müssen den Reifen ersetzen und das Motorrad in der Regel innerhalb eines Monats zur Nachuntersuchung erneut vorführen. Bleiben Sie in dieser Frist, wird meist nur der beanstandete Punkt geprüft; danach beginnt die komplette Hauptuntersuchung von vorn. Ein vorab erkannter, verschlissener oder rissiger Reifen lässt sich vor dem Termin günstig tauschen – das spart die zweite Vorführung.

Schlagwörter: Motorrad Hauptuntersuchung TÜV Motorradreifen Profiltiefe Verkehrssicherheit

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