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Reifengrößen & Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

Farbige Punkte auf neuen Reifen: Was gelber und roter Punkt bedeuten

· 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 06.07.2026
Neuer Reifen mit gelbem Farbpunkt auf der Flanke, montiert auf einer Felge in der Werkstatt (Symbolbild, KI-generiert, OpenAI)
Neuer Reifen mit gelbem Farbpunkt auf der Flanke, montiert auf einer Felge in der Werkstatt (Symbolbild, KI-generiert, OpenAI)

Wer neue Reifen kauft, entdeckt beim genaueren Hinsehen oft kleine Farbtupfer auf der Flanke: einen gelben Punkt, manchmal zusätzlich einen roten – dazu quer über die Lauffläche ein paar bunte Striche. Kein Grund zur Sorge: Das sind keine Kratzer, keine Fehler und schon gar kein Zeichen für „B-Ware". Im Gegenteil, die Punkte sind eine Montagehilfe, mit der Ihr Reifenmonteur das Rad möglichst laufruhig auf die Felge bringt. Wir erklären, was gelber und roter Punkt bedeuten, warum der gelbe ans Ventil gehört – und warum Sie im Alltag nichts davon tun müssen.

Der gelbe Punkt: der leichteste Punkt des Reifens

Der gelbe Punkt markiert die Stelle, an der der Reifen am leichtesten ist. Kein Reifen ist über seinen Umfang perfekt gleich schwer – Karkasse, Gürtel und Gummimischung verteilen sich minimal ungleichmäßig. Der Hersteller ermittelt am Bandende den leichtesten Punkt und markiert ihn mit gelber Farbe.

Bei der Montage bringt der Monteur diesen gelben Punkt ans Ventil. Der Grund: Das Ventil beziehungsweise das Ventilloch ist in der Regel der schwerste Punkt der Felge. Leichtester Reifenpunkt trifft auf schwersten Felgenpunkt – beides gleicht sich aus. Fachleute nennen das Gewichts-Matchen. Das fertige Rad hat so von vornherein weniger Unwucht und braucht beim Auswuchten weniger Klebe- oder Schlaggewichte.

Der rote Punkt: die größte Kraftschwankung

Der rote Punkt hat einen anderen Hintergrund. Er markiert nicht das Gewicht, sondern den Punkt der größten radialen Kraftschwankung (englisch Radial Force Variation). Vereinfacht gesagt: die Stelle, an der der Reifen beim Abrollen am „steifsten" ist und sich am wenigsten eindrückt – gewissermaßen der höchste Punkt in seiner Gleichförmigkeit.

Der rote Punkt ist vor allem bei Erstausrüstungsreifen wichtig, die ab Werk auf ein Neufahrzeug kommen. Viele Fahrzeug- und Felgenhersteller markieren an der Felge den Gegenpol – den tiefsten Punkt, oft mit einem farbigen Pünktchen, einer eingeprägten Kerbe oder schlicht am Ventil. Bei der Montage wird der rote Reifenpunkt genau auf diese Felgenmarkierung gedreht. So heben sich „hoch" und „tief" gegenseitig auf und das Rad läuft besonders rund. Fehlt der Felge eine solche Markierung, setzt man den roten Punkt üblicherweise gegenüber dem Ventil.

Gelb und Rot zusammen – welcher Punkt zählt?

Manche Reifen tragen beide Punkte. Dann gilt bei der Erstmontage eine klare Reihenfolge: Der rote Punkt hat Vorrang vor dem gelben. Der Monteur richtet also zuerst den roten Punkt an der Felgenmarkierung aus und lässt den gelben dabei bewusst außer Acht – die Gleichförmigkeit wiegt schwerer als die reine Gewichtsverteilung.

In der Praxis tragen die meisten frei verkauften Ersatzreifen allerdings nur den gelben Punkt; der rote begegnet Ihnen überwiegend bei Erstausrüstung. Und nicht jeder Hersteller markiert überhaupt noch: Moderne Auswuchtmaschinen erkennen und kompensieren die Unwucht ohnehin. Die Farbpunkte machen das Ergebnis nur besser und sparen Wuchtgewichte – Pflicht sind sie nicht.

Bunte Striche auf der Lauffläche – nur Lagerkennzeichnung

Fast jeder neue Reifen trägt zusätzlich mehrere farbige Längsstriche quer über die Lauffläche. Diese haben mit Auswuchten oder Fahrverhalten nichts zu tun. Es ist eine reine Werks- und Lagerkennzeichnung: Über den Farbcode erkennen Mitarbeiter im Reifenlager auf einen Blick, welches Modell und welche Größe in einem Stapel steckt, ohne jeden Reifen einzeln drehen zu müssen.

Diese Striche – wie auch die Farbpunkte – sind aufgemalt und waschen sich nach den ersten paar Hundert Kilometern von selbst ab. Nach kurzer Zeit ist von ihnen nichts mehr zu sehen; unbedenklich sind sie ohnehin.

Muss ich mich als Autofahrer darum kümmern?

Kurz gesagt: nein. Wenn Sie Ihre neuen Reifen für den Pkw in einer Werkstatt oder bei einem Montagepartner aufziehen lassen, achtet der Fachbetrieb selbst auf die richtige Ausrichtung und wuchtet das Rad anschließend aus. Auch bei fertig montierten Kompletträdern ist das bereits erledigt. Und ob Sie einen sportlichen Michelin Pilot Sport 5 oder einen preiswerten Barum Bravuris 6 fahren – die Farbpunkte tauchen auf Reifen aller Marken und Preisklassen auf.

Relevant wird das Wissen nur, wenn Sie selbst Reifen auf Felgen ziehen – was ohne Maschine und Erfahrung ohnehin nicht zu empfehlen ist. Für alle anderen gilt: Die Punkte sind ein gutes Zeichen. Sie belegen, dass der Reifen ab Werk vermessen und für eine laufruhige Montage vorbereitet wurde. Wie das Auswuchten selbst abläuft und was es kostet, lesen Sie im Ratgeber Räder auswuchten; wie eine saubere Reifenmontage Schritt für Schritt aussieht, erklären wir unter Reifen montieren lassen.

Nicht verwechseln: die dauerhaften Kennzeichen auf dem Reifen

Die Farbpunkte sind vergänglich – ganz anders als die eingeprägten Zeichen auf der Reifenflanke. Diese bleiben dauerhaft und haben feste Bedeutungen:

  • Zahlen-Buchstaben-Kombinationen wie 205/55 R16 91V verraten Größe, Tragfähigkeit und zulässiges Tempo – nachzulesen unter Reifengröße ablesen.
  • Kürzel wie MO, ein Stern, AO oder N0 sind Freigaben der Autohersteller für ein bestimmtes Modell – erklärt unter Reifen-Herstellerkennzeichen.
  • Alle weiteren Symbole vom M+S-Schriftzug bis zum Alpine-Schneeflocken-Zeichen entschlüsseln wir in Reifenflanke entschlüsseln.

Diese geprägten Kennzeichen begleiten den Reifen sein ganzes Leben lang – die aufgemalten Punkte dagegen haben ihren Zweck nach der Montage erfüllt.

Fazit

Die Farbpunkte auf neuen Reifen sind eine clevere Montagehilfe, kein Makel. Der gelbe Punkt zeigt den leichtesten Punkt des Reifens und gehört bei der Montage ans Ventil. Der rote Punkt markiert die größte Kraftschwankung und wird – vor allem bei Erstausrüstung – an einer Felgenmarkierung ausgerichtet, wobei er dem gelben Punkt vorgeht. Die bunten Striche auf der Lauffläche sind bloße Lagerkennzeichnung. Um all das kümmert sich Ihre Werkstatt; für Sie zählt am Ende nur, dass das Rad danach sauber ausgewuchtet ist und ruhig läuft.

Häufige Fragen

Muss der gelbe Punkt wirklich zum Ventil?

Als Faustregel ja. Der gelbe Punkt ist der leichteste Punkt des Reifens, das Ventilloch meist der schwerste Punkt der Felge. Richtet man beide zueinander aus, gleicht sich die Unwucht teilweise von selbst aus und es sind weniger Wuchtgewichte nötig.

Ist ein roter Punkt ein Zeichen für einen Reifenfehler?

Nein. Der rote Punkt markiert lediglich den Punkt der größten radialen Kraftschwankung und dient als Montagehilfe für einen besonders runden Lauf. Er ist ein normales Werksmerkmal – kein Mangel und kein Grund zur Reklamation.

Was bedeuten die farbigen Streifen auf der Lauffläche?

Sie sind eine reine Lager- und Werkskennzeichnung, mit der sich Reifentyp und Größe im Regal schnell zuordnen lassen. Auf Fahrverhalten, Sicherheit oder Haltbarkeit haben sie keinerlei Einfluss und waschen sich nach kurzer Zeit ab.

Mein neuer Reifen hat gar keinen Punkt – ist das schlimm?

Nein. Nicht jeder Hersteller bringt die Markierungen an. Fehlt der Punkt, ermittelt die Auswuchtmaschine die Unwucht und der Monteur gleicht sie mit Gewichten aus – das Rad läuft danach genauso rund.

Verschwinden die Farbpunkte wieder?

Ja. Es handelt sich um aufgemalte Farbe, die sich nach den ersten paar Hundert Kilometern von selbst abfährt. Nach kurzer Zeit ist von den Punkten nichts mehr zu sehen.

Schlagwörter: Reifenkennzeichnung Reifenmontage Auswuchten Reifenkunde Neureifen

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